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Jerry Cotton - Folge 2909

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Rache ist ein einsames Geschäft
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Rache ist ein einsames Geschäft

Sofort als sie ihre Wohnung betrat, spürte Susanna Parker, dass sich etwas verändert hatte. Dumpf hämmerte ihr Herz gegen die Rippen und ein Zittern lief durch ihren Körper. Dann fiel ihr ein, dass sie am Morgen den Hausmeister gebeten hatte, nach dem tropfenden Wasserhahn in der Küche zu sehen. Aufatmend legte sie Schlüssel und Tasche auf das Garderobenschränkchen und schälte sich aus Schal und Mantel. Susanna stieß die Tür zu ihrer Wohnküche auf. Sie freute sich auf eine Tasse heißen Tee. Plötzlich war jemand hinter ihr, riss ihr einen Arm brutal auf den Rücken, zwang sie auf den Boden. Eine Hand legte sich über ihren Mund. So fest, dass Susanna nicht einmal mehr um Hilfe rufen konnte, bevor ihr Martyrium begann.

Als mich die Nachricht erreichte, Frank Hines bitte dringend darum, mit mir sprechen zu können, hielt ich das zunächst für einen schlechten Scherz. Doch Helen machte mit solchen Dingen keine Scherze, sonst würde sie sicherlich nicht im Vorzimmer unseres Chefs sitzen.

Frank Hines. Schon als ich den Namen hörte, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Einer der schlimmsten Serienmörder, denen ich je begegnet war. Ich musste es wissen, denn vor über fünfzehn Jahren brachte ich ihn hinter Schloss und Riegel. Dort saß er immer noch, streng bewacht. Es war nicht davon auszugehen, dass er jemals wieder frei herumlaufen würde.

Zehn Morde konnten wir ihm damals nachweisen, zehn hatte er gestanden. Von zwei weiteren wussten wir. Wir mussten vermuten, dass sie nach demselben Schema begangen worden waren, denn man hatte Blut in den Schlafzimmern der Opfer gefunden, Teile von Plastiktüten und winzige Fetzen von Klebeband. All das ließ nur einen Schluss zu: Auch diese beiden jungen Frauen waren dem gefürchteten Serienmörder zum Opfer gefallen, der uns monatelang in Atem gehalten hatte. Hines hatte dazu nie eine Aussage gemacht.

Es blieben zwei junge Frauen, deren Leichen wir nie gefunden hatten, zwei Fälle, die nicht aufgeklärt wurden, zwei Familien, die nie erfahren hatten, was mit ihren Angehörigen geschehen war. Wir setzten Hines mit allen legalen Mitteln zu. Doch der Kerl schwieg wie ein Grab. Für alle Beteiligten blieb das bis heute ein Trauma, denn dort draußen lagen immer noch irgendwo zwei tote Frauen verscharrt, die nie ein ordentliches Begräbnis bekommen hatten und deren Familien nicht wussten, wo sie um sie trauern konnten.

»Vielleicht will er nach all den Jahren sein Gewissen erleichtern und dir doch noch etwas anvertrauen«, meinte Phil mit einem müden Grinsen.

»Unwahrscheinlich«, knurrte ich zurück. »Hines ist nicht der Typ, dem irgendetwas leidtut. Außer der Tatsache, dass wir ihn damals gefasst haben.«

Der Serienmörder hatte uns lange an der Nase herumgeführt. Ein Biedermann und scheinbar braver Bürger. Unbescholten, verheiratet, zwei kleine Töchter, neben seiner Arbeit bei einer Hausverwaltung war er noch ehrenamtlich in der Gemeindearbeit tätig und sang im Chor.

»Wirst du mit ihm sprechen?«, wollte Phil wissen.

»Zumindest will ich mir anhören, was er zu sagen hat.«

***

Frank Hines hatte sich erstaunlicherweise in den letzten fünfzehn Jahren kaum verändert. Er war ein schmächtiger Mann mit wässrigen blauen Augen, allerdings war sein Haar inzwischen vollständig ergraut. Als wir uns in einer Besucherzelle auf Rikers Island gegenübersaßen, fiel mir sofort sein gehetzter Blick auf. Das war neu. Hines galt allgemein als jemand, der hinter seiner Biedermannfassade extrem kühl und beherrscht war.

Er trug Sträflingskleidung sowie Hand- und Fußfesseln, die Ketten liefen durch am Boden und auf dem Metalltisch verschraubte Ringe. So fixiert hatte er praktisch keinen Bewegungsspielraum. Als er mich mit leiser Stimme bat, unter vier Augen mit mir sprechen zu können, schickte ich daher die beiden Gefängniswärter, die ihn begleitet hatten, hinaus.

»Nun, Hines, was ist so wichtig, dass Sie mit mir reden wollten?«

»Agent Cotton, ich brauche Ihre Hilfe. Dort draußen läuft ein Mörder herum, der mich kopiert. Ich muss befürchten, dass er es auf meine Frau und meine beiden Töchter abgesehen hat.«

Ich schüttelte bei diesen Worten leicht den Kopf. Was war denn das für eine wilde Geschichte?

»Hines, sind Sie verrückt geworden?«, fragte ich ihn.

Schlagartig veränderte sich etwas in meinem Gegenüber. Der flackernde Blick verschwand, und Hines sah mich so kalt und grausam an, wie er damals vermutlich seine Opfer in ihrem Todeskampf beobachtet hatte. Mann, war ich froh, dass dieser Kerl einsaß und keiner Frau mehr etwas zuleide tun konnte!

»Agent Cotton, hören Sie mir zu. Es geht nicht um mich. Ich bitte Sie im Namen meiner Frau und meiner beiden Töchter um Schutz. Es geht hier um Leben und Tod. Meine Familie hat nichts mit dem zu tun, was ich getan habe, sie sollen nicht dafür büßen müssen. »

»Na gut. Lassen Sie hören.«

Hines nickte mir zu und sah kurz auf seine gefesselten Hände, bevor er weitersprach. »Vor ein paar Tagen kam ich vom Hofgang in meine Zelle zurück. Dort lag Post für mich. Ein dicker Umschlag. Ganz unüblich, die Post so zu erhalten. Der Brief war nicht einmal geöffnet worden. Darin fand ich eine Barbiepuppe. Jemand hatte ihr ein Stück Plastik um den Kopf gewickelt.«

Ich dachte mit unguten Gefühlen daran, wie Hines damals seine Opfer gequält hatte. Mit einer durchsichtigen Plastiktüte hatte er ihnen teilweise über Stunden hinweg immer wieder den Atem abgeschnitten, sich an ihren Qualen geweidet, ihnen immer wieder Luft verschafft und falsche Hoffnungen geweckt, bevor er sie endgültig erstickte und ihnen danach die Kehle durchschnitt.

»Ja, und? Jeder konnte damals während Ihres Prozesses in der Presse nachlesen, was Sie mit Ihren Opfern gemacht haben. Vielleicht will ein Mitgefangener Ihnen mit diesem makabren Gruß ein bisschen Angst einjagen.«

Hines leckte sich nervös über die Lippen und schüttelte heftig den Kopf. »Nein. Das ist noch nicht alles. Unter der Puppe lag ein Zeitungsartikel. Vor ein paar Tagen wurde eine Frau umgebracht. Ich bin mir fast sicher, dass ich sie kenne, obwohl der Name nicht ausgeschrieben war. Susanna, so hieß sie, war früher eine Zeit lang unsere Nachbarin. Mehr als das, sie war auch eine Freundin meiner Frau.«

Jetzt wurde es spannend. Ich beugte mich ein wenig nach vorn.

»In der Zeitung stand, dass man ihr die Kehle durchgeschnitten hat«, fuhr Hines fort. Seine Augen lagen wie hypnotisierend auf meinem Gesicht. »Aber wenn Sie an den entsprechenden Stellen in der Gerichtsmedizin nachfragen, werden Sie sicherlich erfahren, dass die Frau vorher erstickt wurde. Es kann nicht anders sein, diese Nachricht war eindeutig!« Bei den letzten Worten schrie er fast. Nicht wütend, sondern wie ein verwundetes Tier.

Das Besondere und gleichzeitig Unfassbare an Hines war sein Familiensinn. Trotz und während all seiner Untaten war er gleichzeitig ein fürsorglicher Ehemann und Vater gewesen. Seine Frau war aus allen Wolken gefallen, als man ihren Mann verhaftete. Monatelang glaubte sie an seine Unschuld und konnte sich nicht vorstellen, dass er getan hatte, was man ihm vorwarf. Als sie der Wahrheit ins Gesicht blicken musste, brach sie komplett zusammen.

»Wie kommen Sie darauf, dass der Mörder es auf Ihre Familie abgesehen hat?«, bohrte ich weiter.

»Der Zeitungsausschnitt. Jemand hat in Druckbuchstaben etwas darauf geschrieben.«

»Wie lautete die Nachricht?«

»In einer gezeichneten Schlinge standen drei Buchstaben: M, B und C. Sie stehen für Maggie, Clarice und Betty – die Namen meiner Frau und unserer beiden Töchter.«

»Nun gut«, sagte ich nach kurzem Überlegen. »Ich werde nachforschen. Wenn an Ihrer Geschichte etwas dran ist, komme ich wieder.«

»Dann ist es vielleicht zu spät! Schützen Sie meine Familie!« Die Augen sprangen ihm fast aus dem Kopf, und ich begriff, dass dieses Ungeheuer in Menschengestalt tatsächlich mich als seine letzte Hoffnung betrachtete.

»Warum gerade ich?«, wollte ich wissen.

»Sie haben mich damals gefasst. Sie fassen auch meinen Nachahmer. Sie sind der Einzige, dem ich es zutraue.«

»Hines, ich kann Ihnen überhaupt nichts zusagen, dazu sind mir die Fakten einfach zu dünn. Aber wenn Sie solche Angst um Ihre Frau und Ihre Kinder haben, warum kontaktieren Sie sie nicht selbst?«

Der Mann vor mir starrte wütend auf den Tisch hinab. »Meine Frau hat sich scheiden lassen und einen anderen Namen angenommen. Ich habe keine Ahnung, wie sie jetzt heißt und wo sie ist.«

***

Am nächsten Morgen stieg Phil an der gewohnten Ecke zu mir in den Jaguar und rieb sich wärmend die Hände.

»Verdammt kalt heute«, rief er aus.

Der Himmel lag wie schimmerndes Blei über der Stadt und schien sie in eine eiskalte Faust zu schließen. Ich lenkte den Wagen durch die mit schmutzigem Schnee gesäumten Straßen.

»Phil, hast du etwas über einen Mord gehört, bei dem das Opfer mit einer Plastiktüte erstickt wurde?«

Mein Partner schüttelte den Kopf. »Muss ich dir eigentlich sagen, wie viele Morde in dieser Stadt pro Tag begangen werden?«

»Nein, natürlich nicht. Aber du weißt ja, dass ich gestern bei Hines war. Er ist der Meinung, ein Nachahmungstäter läuft herum und hat bereits ein erstes Opfer gefunden.«

»Sobald ein Muster erkennbar wird und alles auf einen Serienmörder hindeutet, landet der Fall automatisch beim FBI. Aber so lange wirst du nicht warten wollen?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, ich habe einen Anhaltspunkt und kann anhand dieser Information herausfinden, wer das Opfer war und welche Polizeidienststelle den Fall bearbeitet.«

Doch das war gar nicht mehr nötig. Als wir im Field Office ankamen, begegneten uns auf dem Flur im 23. Stock die Kollegen Blair Duvall und June Clark. Sie verließen gerade das Büro von Mr High.

»Wir haben wieder einen Serienmörder.« Junes Gesicht wirkte finster.

»Wartet einen Moment«, hielt ich sie auf und wollte mehr wissen.

»Gestern Nacht wurde eine Frau umgebracht, der Tathergang ist identisch mit einem Mordfall von vor zwei Wochen. Man hat das Opfer gefesselt und ihr die Kehle durchgeschnitten. Mehr wissen wir noch nicht, der Chef hat uns den Fall gerade übertragen. Wir sind jetzt auf dem Weg in die Gerichtsmedizin.«

»June, sag mir Bescheid, sobald das Ergebnis der Obduktion vorliegt«, bat ich die Kollegin. Blair zog erstaunt die Augenbrauen hoch, sagte aber nichts.

»Jerry, was hast du vor?«, wollte Phil wissen, kaum dass wir die Tür zu unserem Büro zugezogen hatten.

»Mir ist nicht wohl bei der Sache. Wenn es einen Nachahmer gibt, müssen wir ihn so schnell wie möglich fassen.«

»Das ist jetzt wohl die Aufgabe von June und Blair«, antwortete Phil, der seinen Computer anwarf. »Wir müssen uns heute erst einmal um den notwendigen Papierkram unseres gestern abgeschlossenen Falles kümmern.«

***

June Clark sah den Gerichtsmediziner mit zusammengezogenen Augenbrauen an. »Dr. Gillmore wurde erstickt? Warum schneidet der Täter ihr dann noch die Kehle durch?«

Der Mann zuckte die Achseln. »In die Täter müssen Sie sich hineindenken, ich habe mit den toten Opfern genug zu tun.«

»Okay, und was sagen Ihnen die beiden ermordeten Frauen? Was ist passiert?«

»Beide Frauen wurden überwältigt, vermutlich betäubt und so gefesselt, dass die hinter dem Rücken zusammengebundenen Hände mit den Fesseln der Knöchel verbunden wurden.« Er deutete auf die entsprechenden Spuren an Hand- und Fußgelenken der Frau, die vor ihm auf dem Obduktionstisch lag. »Dann hat man sie mittels einer Plastiktüte erstickt. Nachdem der Tod eingetreten war, schnitt man ihnen die Kehle durch.«

»Hat der Todeskampf lange gedauert? Gibt es weitere Misshandlungen?«

»Nein, es gab keine Hinweise auf einen langen Todeskampf und keine weiteren Misshandlungen, Agent Clark.«

Als die beiden Agents wieder in ihrem Dienstwagen saßen, fing Blair an, laut nachzudenken. »Was ist das für ein verdammtes Ungeheuer, das Frauen so umbringt? Schaut der Täter zu, wie sie in diesem Plastikding nach Luft ringen, macht ihn das an?«

Er fluchte noch, während er den roten Dodge Nitro in den Verkehr einfädelte, der nach einem Auffahrunfall zwischen zwei Taxen gerade so gut wie zum Erliegen gekommen war.

»Normalerweise geht es dabei um Macht. Der Täter ist nicht darauf aus, seine Opfer schnell zu töten. Er sorgt dafür, dass er lange ungestört bleibt, denn er genießt nicht das Töten, sondern den Todeskampf.« June sprach halblaut, als rede sie mit sich selbst. »Dieser Täter aber tötet schnell, da passt diese ganze Anordnung mit Fesseln und Plastiktüte nicht wirklich dazu.«

»Anhand der Fallakte wissen wir schon, dass beide Frauen alleinstehend waren. Susanna Parker, das erste Opfer, war nie verheiratet. Dr. Doris Gillmore, die Tote von gestern, lebte zwar in einer lockeren Partnerschaft, aber in einer eigenen Wohnung, wo sie auch umgebracht wurde. Bei Susanna Parker gab es Hinweise auf einen Einbruch, allerdings sehr geschickt gemacht. Nicht so bei Dr. Gillmore, da war nichts zu finden. So, als habe der Täter entweder einen Schlüssel besessen. Oder sie hat ihm die Tür geöffnet. »

June starrte ihren dunkelhäutigen Partner fassungslos an, dann seufzte sie laut auf. »Blair, es wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben, wie du es immer wieder schaffst, dich so schnell in einen neuen Fall hineinzudenken.«

Der hünenhafte Afroamerikaner grinste und fuhr sich mit der Hand über sein kurzgeschorenes Haar. »So ist das eben mit uns Hochbegabten«, erklärte er schnodderig und stieß seine blonde Partnerin scherzhaft mit dem Ellenbogen an, bevor er wieder ernst wurde.

»Was glaubst du, June, warum hat Jerry dich gebeten, ihm das Obduktionsergebnis mitzuteilen?«

Seine Partnerin sah nachdenklich nach vorn. »Das weiß ich nicht, aber wenn Jerry um etwas bittet, hat er immer einen guten Grund.«

***

»Dr. Gillmore war eine Seele von Mensch. Wer könnte ihr etwas zuleide getan haben?« Die junge Frau in der Praxis der Psychologin saß hinter ihrem Anmeldepult und war in Tränen aufgelöst. Die Agents June Clark und Blair Duvall hatten der Assistentin der Verstorbenen gerade so schonend wie möglich die traurige Nachricht vom Ableben ihrer Arbeitgeberin überbracht. Sandy, so hieß die junge Frau, war vor ihren Augen fast zusammengebrochen.

»Sandy, Sie müssen einen kühlen Kopf bewahren. Denken Sie bitte nach. Wer könnte Dr. Gillmore Schaden zufügen wollen? Vielleicht ein Patient?«

June sprach leise und beruhigend auf die junge Frau ein.

»Patient? Oh Gott. Ich muss ja wohl alle Termine absagen!« Die Sprechstundenhilfe starrte June erschrocken an.

Die FBI-Agentin schüttelte den Kopf. »Darum kümmern wir uns schon.« Sie sagte nicht, dass sie beschlossen hatten, alle für diesen Tag bestellten Patienten kommen zu lassen, um sie zu befragen. Es war sowieso nur ein halbes Dutzend, Doktor Gillmore vergab Termine nur zwischen 10.00 und 14.00 Uhr. In dieser Zeit arbeitete sie ohne Pause durch. Danach komplettierte sie ihre Akten. An zwei Abenden pro Woche half sie ehrenamtlich bei einer Organisation, die Verbrechensopfer betreute. Das alles hatte June bereits von Sandy erfahren.

Während sie und die Sprechstundenhilfe in das Sprechzimmer der verstorbenen Psychologin gingen, um sich dort weiterhin ungestört zu unterhalten, blieb Blair im Vorzimmer. Als Erstes betrat eine überschlanke, nervös wirkende Mittvierzigerin die Praxis. Beim Anblick des großen Afroamerikaners blieb sie wie von der Tarantel gestochen stocksteif stehen.

»Helena Kruger«, las Blair im Terminkalender, bevor er sich vorstellte.

»FBI? Sie?« Die Frau bewegte sich unwillkürlich zwei Schritte rückwärts zur Tür. Blair Duvalls Gesichtsausdruck verfinsterte sich, doch im selben Moment kam June noch einmal kurz aus dem Sprechzimmer.

»Ich brauche den Terminkalender«, sagte sie zu Blair. Dabei erfasste sie mit einem Blick die Situation und zückte ihre Marke.

»Agent June Clark, FBI. Das ist mein Kollege, Agent Blair Duvall.« Sie nickte kurz zu ihrem Partner hinüber und verschwand danach mit dem Terminbuch wieder im Sprechzimmer.

»Also … entschuldigen Sie … das ist mir jetzt peinlich«, stammelte die hochrot angelaufene Mrs Kruger. Blair schnaufte kurz. Das waren die Situationen, in denen er mit seiner Hautfarbe haderte. Als ob ein Farbiger immer auf der falschen Seite des Gesetzes stehen müsste! Doch schnell hatte er sich wieder im Griff.

»Setzen Sie sich, Mistress Kruger. Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?«

Mrs Kruger nickte und zeigte sich fortan äußerst kooperativ.

***

Am frühen Nachmittag hatten June und Blair die Befragung von Sandy und den Patienten des heutigen Tages abgeschlossen. Keine der befragten Personen konnte sich einen Reim darauf machen, was der Psychologin passiert war. Niemand wirkte verdächtig.

»Die ängstliche Mistress Kruger ist wegen ihrer Magersucht in Behandlung. Hat sie mir ganz frank und frei erzählt«, sagte Blair. »Die beiden Herren, die danach kamen, ließen sich aus beruflichen Gründen coachen. Eine junge Frau macht Traumatherapie, eine weitere ist nach einem nicht näher beschriebenen Übergriff in Behandlung.«

»Sehr vielseitig, unsere Frau Doktor«, merkte June trocken an.

»Lediglich ein Patient ist nicht erschienen und hat auch nicht abgesagt.« Blair klopfte mit dem Finger auf den entsprechenden Eintrag.

»Moment«, sagte June und ging ins Sprechzimmer zurück. »Sandy? Können Sie uns etwas über Mister Miller sagen?«

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