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Jerry Cotton - Folge 2907

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Blei ist keine Währung
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Blei ist keine Währung

Ich glaub’s nicht, dachte der junge Mann, als der schneeweiße Truck das Tor am Ende der Halle ansteuerte. Das Tor. Hoch, mit einer großen schwarzen 8 auf den breiten Lamellen.

Die dritte Nacht, die er und seine Kumpel sich schon abwechselnd um die Ohren gehauen hatten. Nur um Lieferwagen und Kleinlaster zu beobachten, die an den anderen Toren andockten und Wäsche aus Hotels und Krankenhäusern anlieferten. Wäsche, die Stunden später auf der anderen Seite der Halle in andere Fahrzeuge geladen wurde, um sauber gewaschen, gebügelt und sortiert zu den Kunden zurückgebracht zu werden.

Aber das war jetzt der richtige. Grell leuchtete der Schriftzug North Eastern Laundry – Chicago – Cleveland – New York im Licht der hohen Neonlampen.

Geschickt rangierte der Fahrer den Wagen rückwärts an das Tor. Der Wagen dockte an. Saugend schlossen sich die Gummimanschetten um die hintere Klappe der Ladefläche.

Der Fahrer stieg aus und öffnete eine Tür neben dem Tor Nummer 8. Er verschwand im Inneren der Halle.

Es blieb still. Der Mann verließ sein Versteck zwischen den Abfallcontainern, huschte über den Hof. Neben jedem Tor gab es eine Tür, damit die Fahrer in die Halle gelangen konnten, um das Entladen ihrer Lieferfahrzeuge zu überwachen.

Die Tür, durch die der Fahrer das Gebäude betreten hatte, ließ sich nur mit einem Code öffnen, den der jeweilige Fahrer kannte. Aber die anderen Türen wurden meistens nicht abgeschlossen. Dort gab es nichts zu holen außer schmutziger Wäsche.

Die Tür neben Tor sieben war abgeschlossen. Der Mann probierte es an der Nummer sechs. Sie ließ sich öffnen. Wie Micky es vorausgesagt hatte. Er schlüpfte hindurch und gelangte in einen schmalen Vorraum.

Die Luft war feucht, sie roch frisch und sauber. Irgendwo in den Tiefen des riesigen Gebäudes summten Maschinen. Einige Lampen warfen schwaches Licht auf zwei Türen links und eine Eisentreppe rechts. Kein Mensch war zu sehen.

Der junge Mann lief die Treppe hinauf, dann über Gitterroste bis zu der schweren Eisentür mit dem Tastaturfeld in der Wand neben dem Rahmen. Genau wie Micky es beschrieben hatte. Micky hatte ihm auch die Ziffern genannt, die er jetzt in das Tastaturfeld tippte. Die letzten sechs Ziffern von Big Joe Lombardis privater Handynummer.

Er keuchte, als die Tür lautlos zurückschwang.

Das winzige Auge der Überwachungskamera unter der Decke bemerkte er nicht.

Zögernd trat er durch die Tür auf eine schmale Galerie.

Und jetzt traf ihn dieser andere Geruch. Ein Geruch, den er nicht kannte. Dumpf. Er sah den Schacht, der mit schwarzem Gummi ausgekleidet war und so etwas wie einen großen Trichter bildete, hörte das Scharren von Metall, als die Lamellen des Tores in die Höhe fuhren, und dann rutschte die Ladung aus dem Laderaum des Trucks. Quoll heraus wie Müll. Sah aus wie Müll. Und roch auch so. Erst einige wenige Bündel, dann die Lawine. Der Mann riss die Augen auf. Geld. Dollarnoten. Tausende. Millionen. Kleine Bündel, große Packen. Einzelne Scheine. Geld stinkt doch, dachte er unwillkürlich. Ein monströser Strom. Das Geld verschwand in dem Trichter.

Er zog das Handy aus der Jacke und wählte mit zitternden Fingern eine gespeicherte Nummer.

»Ich glaub’s nicht! Das ist der Wahnsinn! Das sind Millionen!« Seine Stimme überschlug sich.

»Mann, sag bloß! Wie sieht es aus?« Die Stimme im Handy klang hellwach.

»Es stinkt. Aber es sieht großartig aus!«

Micky, dachte er bewundernd. Der stets mit seiner Mafia-Familie prahlte. Den niemand von ihnen ernst genommen hatte. Die Lombardis betrieben eine Wäscherei. Nix Mafia. Hatten sie gedacht.

Und dann erstarrte er, als er die Berührung in seinem Nacken spürte.

»Hallo, noch so spät unterwegs?«

Die Stimme klang eigentlich ganz freundlich, aber als der junge Mann sich umwandte und die harten dunklen Augen in dem kantigen Gesicht sah, entglitt das Handy seinen Fingern, prallte gegen das Geländer und verschwand im Schlund, verschwand in den wirbelnden Dollarscheinen. Er spürte, wie es warm an seinen Beinen hinablief, während ein jäher Schmerz seinen Brustkorb zusammenpresste. Scheiße, du pisst dir in die Hose, dachte er noch, als seine Beine unter ihm nachgaben.

***

»Hier ist jemand für Agent Decker«, sagte der Kollege an der Anmeldung. »Miss Jordan.«

»Penelope Jordan?«, fragte ich.

»Genau.«

Penny Jordan, dachte ich und musste unwillkürlich lächeln. Ein Leckerbissen. Aber unzugänglich wie eine Schaufensterpuppe.

»Ich sag Phil Bescheid.«

Ich erinnerte mich an Penny Jordan. Eine junge Modedesignerin, die vor einigen Jahren in den Sog der Ermittlungen gegen die Morro-Familie geraten war. Phil war auf sie abgefahren. Er hatte den Beschützer gespielt und sie vor einer Anklage bewahrt.

Phil kam zurück, stellte einen Becher vor mich hin, bemerkte mein Lächeln. »Ist was?«, fragte er irritiert.

»Unten wartet Besuch auf dich. Penny Jordan.«

Mein Partner stellte seinen Kaffeebecher ab und hastete hinaus.

Phil sah sie sofort, als er den Aufzug verließ. Sie stand rechts neben der langen Empfangstheke. Während er die Halle durchquerte, hatte er Zeit genug, sie bewundernd zu betrachten.

»Sie sehen großartig aus«, sagte Phil anerkennend, als er ihr die Hand schüttelte. Eine schmale Hand, zart und kühl.

Penny lächelte. Das Lächeln wirkte gezwungen.

»Haben Sie ein paar Minuten Zeit?«, fragte sie.

»Soviel Sie wollen«, gab Phil zurück.

Er bemerkte Pennys fahrigen Blick, mit dem sie sich umsah. Im Federal Building waren außer der New Yorker Dienststelle des FBI zahlreiche weitere Bundesbehörden untergebracht. Deshalb herrschte im Foyer ein ständiges Kommen und Gehen.

»Gehen wir einen Kaffe trinken«, schlug er vor und nahm ihren Arm.

Sie verließen das Federal Building und steuerten das Starbucks auf der anderen Seite der Plaza an. Das Starbucks war voll wie immer, doch Phil erspähte einen kleinen freien Tisch ganz rechts in der Ecke.

»Ich hole uns Kaffee«, sagte er.

Als er mit den Kaffeebechern zurückkam, hatte Penny sich ein wenig entspannt. Doch er spürte ihre Unsicherheit, denn er wusste, dass ihr Besuch nicht ihm, dem Mann, galt, sondern dem Special Agent Phil Decker.

»Wie geht es Ihnen?«, fragte er, um ihr die Unsicherheit zu nehmen. »Sie sind der Modebranche treu geblieben, nehme ich an?«

Als Phil sie kennengelernt hatte, war sie auf dem Weg nach oben. Sie hatte Design studiert und mit Hilfe einer Privatbank für Risikokapital ihr eigenes Label gegründet. Phil erinnerte sich an ihr erstes Gespräch.

»Jemand hat mir 250.000 Dollar von einer Bank für Risikokapital vermittelt …«

»Zu einem enormen Zinssatz.«

»Im Gegenteil, zu einem sehr günstigen Zinssatz. Und ich kann über einen weiteren Kreditrahmen von noch einmal einer Viertelmillion verfügen. Für laufende Ausgaben. Löhne, Material, Werbung.«

Sie konnte nicht ahnen, dass das Risikokapital von den Morros, einer Gangsterfamilie, stammte und dass diese Art der Finanzierung lediglich eine von vielen Formen der Geldwäsche darstellte.

Als der Buchhalter der Morros, Frank Ellis, sich der Anklagebehörde als Kronzeuge zur Verfügung stellte, hätte sie fast alles verloren. Hinzu kam, dass sie sich – ahnungslos – ausgerechnet in Ellis verliebt hatte.

Frank Ellis hatte sich den Behörden anvertraut, als er herausfand, dass das Geld, das er für die Morros verwaltete, aus Verbrechen stammte. Danach war er Freiwild gewesen. Wir hatten ihn beschützt und ihm das Leben gerettet.

»Ich entwerfe jetzt Berufskleidung für Firmen: Restaurantketten, Autovermieter, Airlines.«

»Schön. Und Frank Ellis? Wissen Sie, wie es ihm geht?«

»Es geht ihm gut. Wir leben zusammen.« Penny blickte verlegen an Phil vorbei. »Er entwirft Websites für Firmen, berät sie in IT-Sicherheit. Als Buchhalter darf er ja nicht mehr arbeiten.«

»Das freut mich«, sagte Phil und sah sie abwartend an.

Dann begann sie zu reden. Vermutlich hatte sie sich zurechtgelegt, was sie sagen wollte und wie, doch jetzt suchte sie stockend nach den richtigen Worten.

»Billy, mein Bruder … Ich weiß nicht, was ich unternehmen soll. Er … ist verschwunden.«

»Erzählen Sie«, sagte Phil.

»Wir kommen aus Minnesota, aus Blaine, vielleicht erinnern Sie sich. Billy besucht das College an der Minnesota State.«

»Heimat der Mavericks«, sagte Phil lächelnd.

»Er studiert Pädagogik. Er und ein paar Kommilitonen wollten ein paar Tage in New York verbringen, den Rest ihrer Semesterferien. Vorigen Dienstag sind sie angekommen. Sie waren kurz bei mir im Atelier. Sie wollten sich ein preiswertes Hotel suchen. Billy wollte sich dann wieder melden, spätestens am Wochenende. Aber ich habe seitdem nichts mehr von ihm gehört. Und heute ist Montag. Er hat sich auch zu Hause nicht gemeldet, bei unserer Mutter.«

Phil nickte langsam. »Er hat sicher ein Handy?«

»Es ist außer Betrieb.«

»Ich nehme an, Sie haben mit jemandem von der City Police gesprochen?«

»Das Revier Midtown South in der West 35th Street ist für mich zuständig. Man war nicht sehr hilfsbereit. Ich weiß ja nicht einmal, wo die Jungs absteigen wollten. Wahrscheinlich ist ein ganz anderes Revier zuständig. Ich habe keine Ahnung, hätte fragen sollen, aber ich … ich war beschäftigt, verstehen Sie?« Sie rang die Hände.

»Verstehe«, sagte Phil.

»Man hätte zumindest bei der Zentrale anfragen können«, fügte er nach einer kurzen Pause hinzu.

»Nun, es kann ja sein, dass die Jungs am Wochenende einen draufmachen wollten. Vielleicht sind sie an eine dieser Monsterpartys geraten, die manchmal tagelang dauern …«

Nicht jedes Landei wird gleich umgebracht oder gerät in ernste Schwierigkeiten, dachte er. Ihr hilfloser, ratloser Blick traf ihn wie ein Stich ins Herz. Billy war ihr kleiner Bruder. Wahrscheinlich zehn Jahre jünger als sie.

»Ich helfe gern. Aber erwarten Sie nicht zu viel. Ich kann nicht losziehen und jemanden suchen. Ich muss mich an den Dienstweg halten.« Er lächelte Penny beruhigend an, nahm sein Mobiltelefon. »Ich kann nur eins tun«, sagte er dann. »Augenblick.«

***

Ich schnappte das Telefon. »Ja, Phil«, sagte ich nach einem Blick auf das Display. »Willst du früher Feierabend machen?«

»Schön wär’s«, sagte er. »Miss Jordan vermisst ihren Bruder.« Er gab weiter, was er von Penny Jordan erfahren hatte. »Geh mal ins Intranet. William Jordan, 21 Jahre alt, knapp sechs Fuß groß, hellblondes Haar, schlank.«

»Ein Landei? Der macht einen drauf!«

»Die Idee hatte ich auch«, gab Phil reserviert zurück. »Tu mir einfach den Gefallen, okay?«

Okay, dachte ich und rief die Internetseite der Missing Person Squad auf. Dort laufen alle Meldungen über vermisste Personen zusammen. Und unbekannte Tote.

Ich brauchte nur zwei Minuten. Ich nahm das Telefon und rief Phil an.

»Ich glaube, ich habe hier was …«

»Ja?« Phils Stimme klang neutral.

»Ich fürchte, ihr müsst zum Leichenschauhaus. Kannst du reden?«

»Nein.«

»Ein junger Mann. Haarfarbe, Größe, Alter könnten stimmen. Er wurde am Freitag zwischen Williamsburgh und Brooklyn Bridge aus dem Wasser gefischt. Todesursache bisher unklar. Identität unbekannt.«

Phil schwieg. Vermutlich suchte er nach den richtigen Worten, um das Gehörte seinem Gegenüber schonend beizubringen.

»Wenn du willst, komme ich mit«, sagte ich.

***

Die New City Morgue, das Leichenschauhaus des Bezirks Manhattan, liegt an der oberen First Avenue. Der Assistent des Coroners zog die Lade aus dem Kühlfach und schlug das Laken mit einem Ruck zurück.

Ein blasser junger Mann mit dünnen blonden Haaren. Penny Jordan sah in das wächserne Gesicht. Endlose Sekunden lang.

Ich sah sie teilnehmend an. Dann stieß sie den angehaltenen Atem aus. Es klang wie ein Reifen, dem Luft entweicht.

»Das ist er nicht«, sagte sie leise.

Ich atmete auf. Phils Miene drückte Erleichterung aus. Wir wollten uns schon abwenden, als Penny, die den Blick nicht von dem Gesicht abwenden konnte, etwas flüsterte.

»Das ist … Er heißt Teddy, glaube ich.«

Ihre Worte trafen uns wie aus dem Hinterhalt. Wir starrten sie an.

»Einer seiner Freunde. Er nannte ihn Teddy …«

Der Assistent des Leichenbeschauers, ein jüngerer Mann mit grauer Haut, der nicht viel lebendiger aussah als seine toten Patienten in den Kühlfächern, rief den Autopsiebericht auf den Bildschirm.

»Jemand hat ihm ins Knie geschossen«, erklärte er. »Todesursache ist allerdings Herzversagen. Der Schmerz und der damit verbundene Schock haben ihn getötet. Gar nicht so selten. Vielleicht etwas ungewöhnlich bei einem so jungen Menschen, aber …«

Er bearbeitete die Tastatur.

»Den Fall, warten Sie, bearbeitet Lieutenant Roscoe vom 17. Revier. Wir haben ihm die Asservate geschickt. Viele sind es nicht.«

Wir standen auf dem Parkplatz hinter dem Leichenschauhaus. Penny zog die Schultern hoch, als ob sie fröstelte. Dabei wehte eine warme Brise vom Fluss herauf.

»Warum?«, fragte sie. »Warum schießt jemand einem Jungen, der gerade in New York angekommen ist, ins Knie? Er hat doch niemandem etwas getan!«

»Jemand wollte etwas wissen. Oder er ist jemandem bei irgendetwas in die Quere gekommen.«

»Was konnte er denn wissen? Und wobei in die Quere kommen? Sie waren doch gerade erst angekommen! Und was ist mit Billy? Warum meldet er sich nicht? Er ruft auch unsere Mutter nicht an!«

Das müsste man herausfinden, dachte ich unschlüssig. Ich sah Phil an, warf ihm den Wagenschlüssel zu und hielt die Beifahrertür für Penny Jordan auf. Sie stieg ein. Ich setzte mich in den Fond.

»Ich rede mit Roscoe«, sagte ich zu Phil. »Du kannst mich am 17. Revier absetzen.« Zu dem Revier an der East 51st Street war es nicht weit.

Phil wusste, was zu tun war, auch wenn dies nicht unser Fall war. Die anderen jungen Männer befanden sich möglicherweise ebenfalls in Gefahr. Phil war nah an Penny dran, der einzigen Verbindung, die es zu dem toten Jungen gab. Er würde versuchen, mehr aus ihr herauszuholen.

***

Detective Lieutenant Julian Roscoe sah mich aus tiefliegenden müden Augen an. Dann begann er in einem Stapel Mappen zu suchen und zog schließlich einen dünnen Hefter hervor.

»Da hab ich’s. Unbekannter Toter … Hat sich an einem Ponton am Westufer des East River verfangen, zwischen Williamsburgh und Brooklyn Bridge. Kennen Sie die Stelle?«

»Dort, wo die Basketballhalle steht?«

»Ungefähr dort. Die Kollegen von der Flusspolizei meinen, dass er etwa bei Green Point ins Wasser geworfen wurde, vielleicht auch weiter oben in den Newtown Creek. Jedenfalls scheint man sich keine besondere Mühe gegeben zu haben, den Mann zu versenken.«

»Was haben Sie bisher unternommen?«, fragte ich.

Roscoe bedachte mich mit einem Blick seiner müden Augen.

»Wir ermitteln in einem Fall von Körperverletzung mit Todesfolge. Raubüberfall. Ein junger Tourist, der nicht gleich mit Handy und Geldbörse rausrücken wollte …« Jetzt klang auch seine Stimme müde.

Nichts, was Vorrang hätte, hieß das.

»Dagegen spricht, dass die Freunde dieses Jungen sich nicht melden.«

»Erst muss der Tote identifiziert werden.«

»Wenden Sie sich an die Campuspolizei der Minnesota State University. Fragen Sie dort nach William Jordan und seinen Freunden. Der Vorname des Toten lautet Teddy, wahrscheinlich von Theodore.«

Roscoe warf mir einen schrägen Blick zu, während er in der Akte blätterte.

»Machen wir, Jerry. Alles der Reihe nach. Das Ergebnis der Autopsie kennen Sie? Ein Wunder, dass der Bericht schon vorliegt. Der Coroner hatte wohl nicht viel zu tun.« Roscoe legte den Kopf schräg und grinste dünn. »Wenn man sie antreibt, mauern sie. Zumindest hat man manchmal den Eindruck. Nun ja. Und der Bericht von der Kriminaltechnik ist auch schon da, sieh an.« Der Lieutenant stutzte. »Das ist vielleicht interessant.« Er begann zu zitieren. »Das Projektil ist nur geringfügig verformt … Es konnte deshalb einer bestimmten Waffe zugeordnet werden … Und …« Ein leichtes Grinsen überzog Roscoes Gesicht. »Es sieht so aus, als ob Sie den Fall gleich übernehmen können.«

Roscoes Grinsen wurde noch breiter, als er meinen verständnislosen Blick bemerkte.

»Die Kugel«, erklärte er, »stammt aus der Waffe, mit der Tony Peranio erschossen wurde.«

»Sagten Sie Peranio?«

»Genau. Tony Peranio. Joseph Lombardis Schwager.«

***

Joseph Lombardis Gesicht war rot angelaufen. Er schob sich zwei Pillen in den Mund und würgte sie trocken hinunter. Luis Vaccaro und Ronny Hart, der hinter seinem Rücken »Chicken« genannt wurde, weil sein kicherndes Lachen an ein gackerndes Huhn erinnerte, wechselten stumme Blicke. Der Boss hatte es mit dem Blutdruck. Zumindest bildete er es sich ein.

»Da marschiert einer hier rein und schaut zu, wie …«

»Wir haben ihn doch gekriegt«, sagte Vaccaro.

Vaccaro behielt selbst dann die Ruhe, wenn Lombardi kurz vor einer Explosion stand. Und dann manchmal völlig ausrastete und es fertigbrachte, jemandem den Arm zu brechen. Oder den Kiefer. Oder was gerade in die Reichweite seiner Fäuste geriet.

Lombardi brüllte jetzt. »Aber er kratzt ab, und ihr denkt, alles ist okay?«

»Das konnte ich doch nicht wissen«, sagte Ronny Hart. Chicken war ein Killer. Einer von der gefühllosen Sorte. »Luis war dabei. Ich hab dem Kerl doch nur ins Knie geschossen, damit er das Maul aufmachte  …«

»Das hat ja auch großartig geklappt«, höhnte Lombardi. »Warum habt ihr es nicht Don überlassen, den Kerl zum Reden zu bringen?«

»Das war ein junger Bursche, mit dem wären wir selbst fertig geworden«, sagte Vaccaro geduldig. »Dafür brauchten wir den Bullen nicht. Das war einfach Pech.«

Lombardi stapfte mit hochgezogenen Schultern durch den Raum, blieb kurz an einem der Fenster stehen und blickte über die flachen Dächer der lang gestreckten Hallen hinweg. Weißer Dampf quoll aus den Abluftschächten.

Er war erst vor zwei Stunden aus Miami zurückgekommen. Die Tage dort unten hatten gereicht, um die Sonnenbräune seines Gesichts aufzufrischen. Er hatte Geschäftsfreunde getroffen und ein paar entspannende Tage mit zwei kubanischen Prostituierten drangehängt. Und jetzt das … Die Bräune war fast wieder futsch, die Erholung auch, und die gute Laune sowieso. Er wusste jetzt auch, warum seine beiden Gorillas, die ihn am Flughafen abgeholt hatten, so schweigsam gewesen waren. Sie hatten sich nicht getraut, dem Boss was zu sagen.

Lombardi wandte sich wieder um und fixierte Vaccaro. Der Mann war seine rechte Hand und sein Vertrauter.

»I

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