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Jerry Cotton - Folge 2905

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Ein Steckbrief für den Tod
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Ein Steckbrief für den Tod

Alex Redmond wurde vom Jagdfieber gepackt.

Sein Job war für ihn weniger ein Broterwerb als eine Sucht. Redmond liebte es, einen untergetauchten Verbrecher aufzuspüren, ihn den Cops zu übergeben und dann seine Prämie einzustreichen. Redmond war mit Leib und Seele Kautionsjäger.

An diesem Abend war der Erfolg wieder zum Greifen nahe.

Redmond hatte den Unterschlupf eines Kriminellen ausfindig gemacht. Sein Puls beschleunigte sich, während er langsam und leise die Treppe des schäbigen Wohnhauses hinaufstieg. Die Glock 17 hatte er schussbereit in der Hand.

Eine hölzerne Treppenstufe knarrte. Redmond hörte ein Geräusch und wollte sich umdrehen. Im gleichen Moment wurde er von drei Kugeln getroffen – und sank tot auf die ausgetretene Treppe.

Phil und ich wollten gerade Feierabend machen, als mein Telefon klingelte. Ich nahm den Hörer ab.

»Agent Cotton.«

»Jerry, könntest du zusammen mit Phil sofort zu uns nach Brooklyn kommen? Wir haben hier einen Mord, der wahrscheinlich in die FBI-Zuständigkeit fällt.«

Ich erkannte die Stimme des Anrufers sofort. Sie gehörte dem NYPD-Detective Malcolm Russell. Wenn Malcolm uns anforderte, dann hatte er gewiss gute Gründe dafür.

»Wir machen uns sofort auf den Weg. Gibst du mir noch die genaue Adresse?«

Der Detective nannte mir den Leichenfundort. Ob es auch der Tatort war, würden die weiteren Ermittlungen zeigen. Malcolm Russell fügte hinzu: »Ein Team der Scientific Research Division ist bereits vor Ort, die Leute vom Coroner sind auf dem Weg. Ich habe den Bereich von uniformierten Kollegen absperren lassen. Amy und ich warten auf euch.«

»Gute Arbeit, Malcolm. Bis gleich.«

Ich legte den Hörer auf. Amy, das war Malcolm Russells Partnerin Amy Stewart. Phil warf mir einen fragenden Blick zu.

»Es sieht ganz so aus, als ob unser Feierabend einstweilen ins Wasser fällt. Tja, das Verbrechen schläft eben nie.«

Doch Phil klang nicht sehr unglücklich, als er von der Aussicht auf Überstunden sprach. Ich konnte ihn verstehen. Erstens hat ein G-man sowieso kaum jemals geregelte Arbeitszeiten. Und zweitens mühten wir uns gerade mit einem sehr langweiligen Fall von bundesweitem Kreditkartenbetrug ab, der stundenlanges Aktenwälzen erforderte. Auch ich hatte nichts dagegen, wenn wir jetzt in den Außendienst gehen konnten. Bevor mein Freund und ich Richtung Brooklyn starteten, gab ich dem Chef telefonisch Bescheid.

»Das geht in Ordnung, Jerry«, sagte Assistant Director High. »Berichten Sie mir die Fakten morgen früh.«

Nach dem Telefonat eilten Phil und ich hinunter in die Tiefgarage, wo ich meinen roten Jaguar-E-Hybriden geparkt hatte.

»Malcolm hat nicht gesagt, worum es genau geht, Jerry?«

»Nein, es war nur von einem Mord die Rede, der in die FBI-Zuständigkeit fallen könnte. Wir müssen uns überraschen lassen.«

Es war ein milder Sommerabend und es würde noch einige Zeit dauern, bis die Dämmerung hereinbrach.

Malcolm Russell hatte mir am Telefon mitgeteilt, dass das Opfer in dem Haus 888 Montrose Avenue gefunden worden war. Als ich in diese breite Straße einbog, konnte ich schon von weitem eine Menschentraube erblicken. Gerade bei dem schönen Wetter waren noch viele Leute draußen unterwegs, und daher hatte sich eine ansehnliche Menge Neugieriger vor dem dreistöckigen Wohngebäude versammelt.

Ich parkte meinen roten Boliden einen Steinwurf weit entfernt und näherte mich dem Haus gemeinsam mit Phil. Wir hatten unsere FBI-Marken am Revers unserer leichten Sommeranzüge befestigt.

Phil und ich drängten uns zwischen den Schaulustigen hindurch. Ein junger Latino-Cop nickte uns zu und hob das gelbe Absperrband für uns. Malcolm Russell und Amy Stewart erwarteten uns vor dem Haus. Der Detective war ein kahlköpfiger Afroamerikaner mit breiten Schultern, seine Dienstpartnerin eine blasse Rothaarige mit aparter Fransenfrisur. Wir gaben den beiden NYPD-Kollegen die Hand. Der farbige Zivil-Cop deutete auf das schäbige Gebäude.

»Das Opfer liegt noch dort, wo es vermutlich niedergeschossen wurde«, berichtete Malcolm Russell. »Der Doc untersucht es gerade, aber wir können gemeinsam einen Blick auf die Leiche werfen.«

Das wollten wir natürlich sofort. Wir mussten uns einen ersten Überblick verschaffen. Phil hatte aber gleich noch eine Frage an den erfahrenen Detective.

»Malcolm, warum ist dieses Tötungsdelikt eigentlich ein FBI-Fall?«

Der Zivil-Cop nickte und senkte seinen Blick auf seinen Notizblock.

»Der Tote hieß Alex Redmond und war ein Kautionsjäger. Er suchte in diesem Haus nach einem gewissen Roy Jordan, der in verschiedenen Bundesstaaten per Haftbefehl gesucht wird. Das haben wir schon herausgefunden. Und da Jordan vermutlich der Mörder ist, fällt der Fall in eure Zuständigkeit.«

***

Es kommt selten vor, dass wir den Namen des Killers hören, bevor wir auch nur die Leiche gesehen haben. Ich wollte mir kein vorschnelles Urteil bilden. Aber ich dachte daran, dass dieser Alex Redmond wahrscheinlich sehr viele Feinde gehabt hatte. Sein Job bringt es natürlich mit sich, dass er sich in der gesamten Unterwelt unbeliebt macht.

Ein Kautionsjäger muss im Staat New York eine Lizenz erwerben. Er jagt nach Straftätern, die nach Kautionszahlungen auf freiem Fuß sind und die gegen ihre Meldeauflagen verstoßen. Manche dieser Typen kennen sich im zwielichtigen Milieu gut aus, weil sie selbst eine kriminelle Vergangenheit haben. Andere sind Abenteurernaturen oder haben einfach kein Interesse an einem gleichförmigen Bürojob, der ihnen keine Abwechslung bietet. Allgemein sind Kautionsjäger bei vielen G-men und Cops nicht besonders beliebt, weil sie uns als Amateure ins Handwerk pfuschen.

Wir folgten den NYPD-Kollegen ins Haus. Dort bestand die Beleuchtung offenbar normalerweise nur aus einigen trüben Glühbirnen. Doch die mit weißen Overalls bekleideten Spurensicherungsspezialisten von der SRD hatten Jupiterleuchten aufgebaut, damit ihnen keine Details entgingen.

Sie vermaßen die Abstände zwischen den Blutspritzern und der Leiche sowie die Lage des toten Körpers. Dadurch konnten sie herausfinden, wo genau der Schütze gestanden hatte. Es waren sogar Rückschlüsse auf die Körpergröße des Killers möglich.

Alex Redmonds sterbliche Überreste lagen auf dem Treppenabsatz unter dem ersten Stockwerk. Der Kautionsjäger war unauffällig bekleidet gewesen, mit Jeans und einer Windjacke. Sein T-Shirt wies Blutflecken auf. Er hatte noch im Tod eine Glock 17 umklammert, die inzwischen von den Kriminaltechnikern entfernt und grob untersucht worden war. Ob er geahnt hatte, dass er sich in Lebensgefahr befand? Aber wieso war es dem Täter dann gelungen, ihn zu überrumpeln? Ich wandte mich an Malcolm Russell.

»Hat es einen Kampf gegeben? Konnte Redmond noch auf seinen Killer feuern, bevor es ihn erwischt hat?«

Malcolm schüttelte den Kopf und schaute abermals auf seinen Notizblock.

»Nach unseren bisherigen Erkenntnissen wurde das Opfer von hinten erschossen. Ihn trafen insgesamt drei Projektile des Kalibers .45, die den Körper durchschlugen. Das Opfer hat das Feuer nicht erwidert, jedenfalls wurde die Glock in letzter Zeit nicht abgefeuert. Außerdem ist das Magazin noch voll. Wir konnten nur Projektile des Mörders entdecken.«

Zur Bestätigung seiner Worte deutete der Detective auf einen Spurensicherungsspezialisten, der eine Patrone aus der Wand entfernte.

Amy Stewart ergriff das Wort.

»Momentan gehen wir davon aus, dass Redmond in die erste Etage wollte. Dort wohnt nämlich eine gewisse Isabel Ortega, die einen Mann bei sich aufgenommen hat. Laut der Aussagen der Nachbarn könnte es sich um den in mehreren Bundesstaaten gesuchten Roy Jordan handeln. Wir haben ihnen sein Fahndungsfoto vorgelegt. Wie auch immer, jedenfalls kam der Killer nicht von vorn, also aus dem ersten Stockwerk, sondern von hinten. Er verfolgte das spätere Opfer, schoss Redmond in den Rücken, daraufhin fiel der Kautionsjäger auf den Treppenabsatz hinunter.«

»Dieser Roy Jordan kann trotzdem der Mörder sein«, meinte Phil. »Angenommen, er war draußen, um sich bei der Hitze einen Sixpack Bier oder ein Eis zu holen. Dann fällt ihm Redmond auf. Jordan kennt ihn nicht, aber das spielt keine Rolle. Der Verbrecher sieht, dass ein Mann mit gezogener Waffe hinauf zu seiner Freundin will. Jordan fragt nicht lange, ob es sich um einen Cop, einen Privatdetektiv oder sonst jemanden handelt. Er schießt und haut ab.«

Das klang plausibel, aber ich wollte zunächst noch mehr Einzelheiten erfahren.

»Habt ihr mit der Freundin gesprochen, Malcolm?«

»Ja, aber nur kurz, Jerry. Alex Redmond hatte seinen Führerschein und seine Kautionsjäger-Lizenz dabei, außerdem einen Fahndungsaufruf, der Roy Jordan betraf. Also war es ein Kinderspiel herauszufinden, was er in diesem Gebäude wollte. Mehrere Nachbarn haben unabhängig voneinander ausgesagt, dass ein Roy Jordan sehr stark ähnelnder Mann seit einigen Wochen bei Isabel Ortega wohnt. Aus der Nummer wird sie nicht herauskommen, damit nageln wir sie fest.«

Amy Stewart ergänzte: »Ich habe kurz unter vier Augen mit Isabel Ortega gesprochen, von Frau zu Frau sozusagen. Mein erster Eindruck: Sie ist keine besonders große Geistesleuchte. Vielleicht wusste sie ja wirklich nicht, dass ihr Märchenprinz ein gesuchter Krimineller ist. Dieser Frau kannst du meiner Meinung nach alles weismachen. Ich halte es für ziemlich einfach, Isabel Ortega einen Bären aufzubinden.«

Ich nickte dem jungen weiblichen Detective dankbar zu. Bevor wir uns Isabel Ortega vorknöpften, wollte ich mein Bild der eigentlichen Mordtat abrunden. Wir mussten so viele Informationen wie möglich sammeln, um das Geschehen nachvollziehen zu können.

»Wann wurde Alex Redmond erschossen?«

»Zwischen 18 Uhr und 18.15 Uhr. Um 18.22 Uhr ging der erste Anruf in der Zentrale ein. Mehrere Nachbarn meldeten unabhängig voneinander Schüsse an der Adresse 888 Montrose Avenue. Als unsere uniformierten Kollegen eintrafen, fanden sie Alex Redmonds Leiche und verständigten uns. Nachdem wir Redmonds Identität und den Grund seines Hierseins ermittelt hatten, habe ich dich informiert, Jerry. Von den Anrufern ist übrigens kein einziger ein Augenzeuge. Sie wohnen hier im Haus oder im Nachbargebäude und haben den Notruf gewählt, nachdem die Schüsse gefallen sind. Laut ihren Aussagen hat sich keiner von ihnen vor die Tür getraut, bevor das Patrolcar eintraf.«

»Ihr habt in der kurzen Zeit wirklich schon viel Arbeit erledigt«, stellte ich anerkennend fest. »Wir können also davon ausgehen, dass Redmond von seinem Killer überrascht wurde?«

Einer der SRD-Spezialisten hatte die Frage gehört und antwortete anstelle des Detective. Er ging aus seiner knienden Position hoch und kam zu uns herüber.

»Die Einschusskanäle deuten darauf hin, dass das Opfer vom ersten Schuss in den Rücken getroffen wurde. Daraufhin muss der Mann versucht haben, sich noch zu drehen. Die Lage der Leiche lässt diesen Rückschluss zu. Aber unmittelbar darauf schlugen zwei weitere Projektile in seinen Körper ein. Nach unseren Berechnungen wurde aus relativ kurzer Distanz gefeuert. Der Abstand zwischen Mörder und Opfer betrug ungefähr drei bis vier Yards. Und der Schütze befand sich eindeutig hinter dem Opfer. Beziehungsweise unter ihm, nämlich acht oder neun Treppenstufen abwärts.«

»Man muss kein Meisterschütze sein, um auf diese Entfernung zu treffen«, brummte Phil. »Außerdem wird sich Redmond nicht schnell, sondern sehr langsam bewegt haben, um Jordan zu überraschen. Stattdessen hat der Gesuchte ihn überrumpelt.«

Für mich stand noch nicht fest, ob der untergetauchte Straftäter wirklich auch der Mörder des Kautionsjägers war. Auf jeden Fall mussten wir ihn als unseren Hauptverdächtigen ansehen.

»Wir haben gemeinsam mit uniformierten Kollegen das ganze Haus durchsucht, vom Keller bis zum Dachboden. Von einem Mann, auf den Roy Jordans Beschreibung passt, fehlt jede Spur«, sagte Amy Stewart. »Die Nachbarn haben uns bereitwillig in ihre Wohnungen gelassen. Viele von ihnen sind verängstigt und freuen sich, dass wir mit Hochdruck nach dem Täter suchen. Angeblich ist keiner von ihnen näher mit Isabel Ortega oder ihrem Liebhaber befreundet. Also werden die Nachbarn dem Flüchtigen auch keinen Unterschlupf gewährt haben.«

»Das war doch zu erwarten«, meinte Phil. »Jordan müsste schon selten dämlich sein, wenn er sich nach den Todesschüssen in die Wohnung seiner Freundin oder an einen anderen nahe gelegenen Ort zurückzieht. Hier im Haus kann er sich also nicht verkrochen haben. Dennoch wäre es eine gute Sache, die umliegenden Straßenzüge durchzukämmen.«

»Das habe ich bereits veranlasst«, sagte Malcolm Russell. »Zwei Streifenwagen sind unterwegs, um den Nahbereich zwischen der U-Bahn-Station und dem Sternberg Park genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie haben Anweisung, alles Verdächtige zu melden.«

Ich nickte. In einer Stadt wie New York City konnte Jordan natürlich längst über alle Berge sein. Es gibt ausgezeichnete Verkehrsverbindungen in alle Landesteile und auch ins Ausland. Seit der Bluttat waren mehr als zwei Stunden vergangen. Es war extrem unwahrscheinlich, dass der Mordverdächtige sich noch in der Nähe aufhielt – obwohl wir Ähnliches auch schon erlebt haben. Solange wir keine näheren Informationen über den Täter hatten, mussten wir alle Möglichkeiten erwägen.

»Wir sollten uns jetzt Isabel Ortega vorknöpfen, Jerry. Wenn diese Gangsterbraut so naiv ist, wie Amy annimmt, dann verplappert sie sich möglicherweise und verrät uns den neuen Aufenthaltsort ihres Lovers. Oder wir finden in dem Apartment Hinweise auf seinen Verbleib. Wenn sie wirklich nicht so clever ist, dann hat sie vielleicht noch nicht alle Spuren beseitigt.«

Das war ein guter Vorschlag, wie ich fand. Doch bevor wir hoch zu Isabel Ortega gehen konnten, wurde Malcolm Russell auf seinem Walkie-Talkie kontaktiert. Das Gespräch dauerte nur kurz. Als er es beendete, klang er sehr aufgeregt. Und dazu hatte der schwarze Zivil-Cop auch allen Grund.

»Das war einer der Kollegen, die sich in der Nähe umschauen, Jerry und Phil. Sein Standort ist noch nicht einmal einen Häuserblock von hier entfernt. Er hat in einer Mülltonne eine großkalibrige Pistole gefunden, die vor kurzem abgefeuert worden sein muss. Es ist eine Ruger Kaliber .45. Damit haben wir jetzt vermutlich die Tatwaffe.«

***

Ein Gegenstand ist oftmals ein verlässlicherer Hinweis als die Worte eines Augenzeugen. Oft hatten wir schon erlebt, dass verschiedene Menschen ein und denselben Täter völlig unterschiedlich beschreiben. Zeugen können außerdem beeinflusst werden und sogar vor Gericht einen Meineid schwören. Doch Dinge sind neutral und deshalb besonders glaubwürdig.

Die SRD-Leute hatten die tödlichen Projektile sichergestellt und die Streifencops eine Schusswaffe gefunden. Und wenn die Patronen aus dieser Waffe abgefeuert worden waren, dann konnten wir das mit kriminaltechnischen Mitteln zweifelsfrei beweisen. Daran würde auch ein ausgekochter Strafverteidiger nicht rütteln können.

Phil stieß langsam die Luft aus den Lungen. Seine Genugtuung war ihm deutlich anzumerken.

»Mit etwas Glück hat der Killer auch noch seine Fingerabdrücke auf dem Schießeisen hinterlassen. Und die Abdrücke von Roy Jordan haben wir garantiert im System, wenn er bereits erkennungsdienstlich durch die Mühle gedreht wurde.«

Das wussten unsere Kollegen natürlich auch. Malcolm Russell veranlasste, dass der uniformierte Cop die sichergestellte Waffe sofort ins SRD-Labor schaffte. Dann würde die Untersuchung schon die Wahrheit ans Licht bringen.

Diese Anfangserfolge gaben uns zusätzlichen Auftrieb. Während der Doc und die Kriminaltechniker ihre Arbeit fortsetzten, stiegen Phil und ich hoch ins erste Stockwerk. Malcolm Russell hatte uns noch mitgeteilt, dass Isabel Ortega in Apartment 100 C wohnte.

Ich klopfte mit der Faust gegen die Tür.

»Miss Ortega? Hier ist das FBI. Öffnen Sie bitte.«

Es dauerte nicht lange, bis die Tür nach innen aufschwang. Eine Frau von Anfang zwanzig mit langem brünettem Haar schaute mir direkt ins Gesicht, während sie mit offenem Mund Kaugummi kaute. Sie war nur mit Slip, BH und einem mehr oder weniger durchsichtigen rosa Unterrock bekleidet. Ich musste an Amy Stewarts Bemerkung denken, dass diese Frau vermutlich nicht besonders clever war.

»Was ist denn noch? Ich habe doch den anderen Bullen schon alles gesagt, was ich weiß.«

»Das wird sich zeigen«, sagte ich und stellte Phil und mich offiziell vor. »Wir müssen von Ihnen noch einige Fragen beantwortet bekommen, Miss Ortega.«

»Meinetwegen, dann kommen Sie eben rein. Ich habe im Augenblick sowieso nichts zu tun.«

Isabel Ortega machte weder einen aggressiven noch einen verängstigten Eindruck. Sie wirkte eher desinteressiert. Ob sie unter Drogeneinfluss stand? Darüber war ich mir nicht im Klaren. Aber so etwas merkt man im Lauf der Befragung dem Verdächtigen meistens an.

Das Apartment der jungen Frau war unaufgeräumt, aber ich hatte in manchen Behausungen schon ein größeres Chaos gesehen. Uns interessierte vor allem, ob hier auch ein Mann wohnte. Aber schon ein erster flüchtiger Rundblick reichte, um diese Annahme Gewissheit werden zu lassen.

Über einer Sessellehne lag eine Männer-Jeans, die der zierlichen Isabel Ortega viel zu groß gewesen wäre. Außerdem stand die Badezimmertür halb offen. Der Rasierpinsel und die Rasierschaumdose auf der Ablage waren nicht zu übersehen.

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