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Jerry Cotton - Folge 2897

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Tödlich rauschen die Wälder
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Tödlich rauschen die Wälder

»Wir könnten den Pfad entlanggehen oder hier die Anhöhe hinaufsteigen und eine gute halbe Stunde sparen«, meinte Phil, während er auf die Wanderkarte schaute.

»Zeit haben wir ja genug«, sagte ich. »Aber gegen ein wenig Bergsteigen habe ich auch nichts einzuwenden«, antwortete ich.

»Dann nichts wie hoch«, sagte Phil. »Immerhin eine gute Gelegenheit, unseren Kreislauf in Schwung zu bringen.«

Er machte einen großen Schritt nach vorne und fing an, den Hügel hinaufzuklettern.

Ich folgte ihm. Meter um Meter arbeiteten wir uns nach oben, bis wir den Gipfel erreicht hatten. Dort bot sich uns ein atemberaubendes Panorama. Ganz anders als im Betondschungel von Manhattan.

»War eine gute Idee, hier in der Nähe des Rocky Mountain National Park Urlaub zu machen und zu entspannen«, meinte Phil freudestrahlend und nahm einen Schluck Wasser aus seiner Feldflasche.

Ich nickte.

Wir waren bereits drei Tage in den Rocky Mountains unterwegs und hatten seitdem kaum Zeichen von Zivilisation entdeckt. Das lag wahrscheinlich daran, dass wir die ausgetretenen Wanderpfade verlassen und uns querfeldein fortbewegt hatten. Hier war die Natur noch unberührt und man traf nur sehr selten auf irgendwelche Menschen.

Das Übernachten im Zelt war für uns Stadtmenschen ungewohnt. Kein weiches Bett, kein Bad, keine Toiletten, keine Straßen, kein Jaguar, keine Restaurants – das Leben in der Wildnis war ohne Frage ganz anders als das in der Zivilisation.

»Ich weiß nicht, was ich am meisten vermisse«, sagte Phil. »Mein Bett oder das gute Essen im Mezzogiorno

Wir hatten unsere Dienstwaffen und Dienstmarken zu Hause gelassen und uns vollständige Trekking-Ausrüstungen und eine Menge Proviant besorgt. Die einzige funktionierende technische Ausrüstung, die wir dabeihatten, bestand aus einem GPS-Navigationsgerät und einer Spiegelreflexkamera. Die Handys hatten wir zwar auch eingesteckt, aber in der Wildnis, weit weg von Funkmasten, funktionierten sie nicht.

Wir hatten zwei Wochen Urlaub und wollten einen Teil davon in Colorado verbringen. Unser Plan war, innerhalb von sechs Tagen eine Strecke von rund einhundert Meilen zurückzulegen. Das war auf ebenem Gelände nicht viel, aber in der teilweise zerklüfteten Landschaft der Rockys eine ziemliche Herausforderung. Phil hatte den Urlaubsort vorgeschlagen und ich hatte sofort zugestimmt. Ein paar Tage frische Luft zu schnappen und in der Natur zu verbringen – danach stand mir nach der Arbeit der letzten Monate der Sinn.

Wir hatten gerade Rast gemacht und unsere Rucksäcke abgelegt und waren dabei etwas zu essen, als Phil aufhorchte. Aufmerksam lauschend drehte er seinen Kopf zu mir. »Hast du das auch gehört?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, was denn?«

Gerade hatte ich meine Frage ausgesprochen, da hörte ich es auch. Ein Knacken, wie von einem morschen Ast.

Wir schauten in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war, und sahen einen Mann, der durch das Gebüsch lief. Er trug Jeans und ein blaues Hemd, das ziemlich mitgenommen aussah. Als wir zu ihm herüberschauten, hatte er uns auch entdeckt, erschrak und lief weg.

»Was ist denn mit dem los?«, fragte Phil.

»Keine Ahnung«, erwiderte ich. »Aber er sah nicht gut aus. Vielleicht braucht er Hilfe.«

»Ich schau mal, ob ich ihn erwische«, sagte Phil, legte sein Essen weg und machte sich auf den Weg.

Ich sah ihm hinterher, bis er im Dickicht des Waldes verschwunden war. Ein paar Augenblicke später hörte ich ihn auch nicht mehr.

Gut zehn Minuten später tauchte er wieder auf.

»Der hat sich in Luft aufgelöst«, sagte er. »Habe ihn weder gesehen noch gehört.«

»Wahrscheinlich haben wir ihm einen Schrecken eingejagt«, überlegte ich laut. »So wie er dreingeschaut hat.«

»Er sah nicht aus wie ein Wanderer, von der Kleidung her war er eher ein Stadtmensch, der sich verirrt hatte«, bemerkte Phil. »Was den wohl hierhin verschlagen hat.«

»Wir werden ihn vermutlich nie wiedersehen«, sagte ich. »Und das auch nie erfahren. Immerhin, wenn er Hilfe gebraucht hätte, wäre er doch auf uns zugekommen, nicht weggelaufen.«

»Wahrscheinlich«, meinte Phil und nahm sein Essen wieder auf. »Verdammt, hier darf man auch nichts liegen lassen, sonst kommen sofort die Ameisen.«

»Willkommen in der Natur«, sagte ich grinsend.

Ein paar Minuten später setzten wir unsere Wanderung fort und waren guter Dinge, bis plötzlich ein Schuss die Stille der Natur durchbrach.

***

Der laute Knall einer Schusswaffe ließ uns aufhorchen. Ein paar Vögel stiegen aufgeschreckt gen Himmel.

»Verdammt«, fluchte Phil. »Das hörte sich nicht nach einem Gewehr an, eher nach einer Pistole.«

Phil hatte recht. Das war nicht das Geräusch, das ein Gewehr erzeugte, also eine Waffe, die man in dieser Gegend erwarten würde, etwa in den Händen von Jägern oder Rangern.

»Wir sollten uns ansehen, was da los ist«, sagte ich und deutete in die Richtung, aus der der Knall gekommen war.

»Genau das wollte ich auch vorschlagen«, sagte Phil. »Befindet sich zwar nicht direkt auf unserer Route, aber wir liegen gut in der Zeit und können uns den kleinen Abstecher erlauben.«

Ich hatte schon so ein Gefühl, dass uns etwas erwartete, das unsere weiteren Urlaubspläne über den Haufen werfen würde, aber mein kriminalistischer Instinkt, gepaart mit entsprechender Neugier, war stärker als alles andere. Phil erging es ähnlich. Also arbeiteten wir uns eine gute halbe Stunde durch unwegsames Gelände, bis wir zu einer kleinen Schlucht kamen. Sie war etwa zehn Meter breit und verhinderte unser Weiterkommen.

Phil schaute sich um. »Wir könnten sie rechts oder links umgehen, denke ich – links sieht es besser aus.«

»Nein«, sagte ich ernst. »Wir müssen runter, nach da unten.«

Ich zeigte auf eine Stelle am Grund der Schlucht, schätzungsweise hundert Meter von uns entfernt. Dort, zwischen allerlei Geröll, lag jemand und rührte sich nicht.

»Das sieht nicht gut aus«, meinte Phil und verzog das Gesicht.

»Könnte mit dem Schuss zusammenhängen«, mutmaßte ich. »Aber das werden wir erst wissen, wenn wir unten sind.«

Wir suchten uns eine Stelle, um abzusteigen.

»Wir können hier am Baum ein Seil festbinden und dann die Wand herunterklettern«, schlug ich vor.

Es ging dort im Winkel von mehr als fünfundvierzig Grad nach unten, etwa fünfzehn Meter. Mit einem Seil sollten wir in der Lage sein, dieses Gefälle zu meistern.

»Versuchen wir’s«, sagte Phil, stellte seinen Rucksack ab und holte das Seil heraus.

Er band es an einen stabilen Stamm und zog sich dann Handschuhe an.

Auch ich setzte meinen Rucksack ab und zog mir Handschuhe an. Dann ging zuerst Phil nach unten. Ich folgte ihm, als er am Grund der Schlucht angekommen war.

Als wir uns dem bewegungslosen Körper näherten, sah ich die Austrittswunde am Hinterkopf, die definitiv von einer Schusswaffe stammte.

»Da haben wir den Beweis, dass auf ihn geschossen wurde«, sagte ich.

Phil stimmte mir zu und schaute sich um. »Aber wahrscheinlich nicht hier unten. So wie der Körper aussieht, ist er oben erschossen worden und dann die Schlucht hinuntergestürzt oder hinuntergestoßen worden.«

Phil hatte recht. Die Leiche wies eine Menge Kratzer und Abschürfungen auf, die Kleidung war teilweise zerrissen.

Ich durchsuchte den leblosen Körper, um die Identität des Toten zu ermitteln. Doch er hatte keine Papiere oder sonst etwas bei sich, mit dem es möglich war, ihn zu identifizieren. Eigentlich hatte er außer seiner Kleidung gar nichts dabei, nicht mal Geld oder irgendwelche Schlüssel.

»Was machen wir jetzt?«, fragte Phil. »Wir können ihn nicht mitnehmen, dafür ist er zu schwer. Und wenn wir ihn liegen lassen, besteht die Gefahr, dass er von wilden Tieren gefressen wird.«

»Kein Empfang, wie erwartet«, sagte ich, nachdem ich mein Handy herausgeholt hatte. »Wir machen ein paar Fotos, von der Leiche und dem Tatort. Und wir notieren uns die genaue Position und versuchen, die zuständigen Behörden zu informieren. Dann können die sich darum kümmern. Aber das sollte schnell gehen, damit nicht das passiert, was du angesprochen hast. Wir sollten uns darüber hinaus die Umgebung ansehen. Der Mord ist nur etwas länger als eine halbe Stunde her, also befindet sich der Täter noch irgendwie in der Nähe. Vielleicht finden wir Spuren, die wir verfolgen können.«

»Wäre sinnvoll«, sagte Phil. »Wenn wir ihn nicht verfolgen, ist er über alle Berge, bis die örtliche Polizei ankommt.«

Wir sicherten im Bereich des Toten so viele Beweise, wie wir konnten, machten Fotos und suchten dann die Gegend ab, um Spuren zu finden, die auf den Täter hindeuteten. Wir waren gründlich, aber der felsige Boden im Bereich der Schlucht, sowohl oben wie auch unten, machte es schwer, etwas zu finden. Wir hofften, wenigstens die Kugel aufzuspüren. Aber da es sich um einen Durchschuss gehandelt hatte, konnte sie fast überall sein. Ein Metalldetektor wäre hilfreich gewesen, aber den hatten wir natürlich nicht.

Nach gut einer Stunde stellten wir unsere Untersuchungen ein. Viel hatten wir nicht gefunden.

»Ich wünschte, unsere Kollegen von der Crime Scene Unit wären hier, dann wäre das alles kein Problem«, murrte Phil.

»Den Luxus haben wir hier in der Wildnis leider nicht. Überlegen wir, wie wir am besten zu einem Telefon kommen«, erwiderte ich.

Wir schauten auf unserer Karte nach.

Phil zeigte auf eine Stelle. »Wir sind jetzt in etwa hier, ja, da ist die Schlucht eingetragen, winzig klein. Hier sind wir losgegangen und das ist unser Ziel. Wir befinden uns so ziemlich in der Mitte. Und das sind die nächsten Stationen, die eingetragen sind.«

Ich nickte. »Wir könnten also zurück- oder weitergehen, es würde keinen großen Unterschied machen. In beiden Fällen wären wir rund drei Tage unterwegs. Ergo schlage ich vor, dass wir weitergehen.«

»Nichts dagegen«, meinte Phil. »Wir können die Leiche mit einer Zeltplane und ein paar Steinen bedecken, vielleicht hilft das gegen die Tiere.«

Wir machten das, ohne die Leiche zu bewegen. Dann setzten wir unsere Wanderung fort, wobei wir versuchten, schneller zu gehen als bisher. Denn wir hatten ein neues Ziel: die zuständigen Behörden zu informieren, damit sie sich auf die Suche nach dem Mörder machen konnten.

***

Wir waren etwa eine Stunde unterwegs gewesen, als ich vor uns eine Bewegung erspähte. Irgendetwas kam von vorne auf uns zu, durchs Dickicht. Ich hielt Phil an der Schulter fest und wir blieben stehen.

»Einen Moment«, sagte ich leise und schaute nach vorne.

Phil folgte meinem Blick.

Da war etwas, nicht weit vor uns. Es blieb stehen. Dann schien es wieder näher zu kommen. Ob es der Mörder des Mannes in der Schlucht war? Instinktiv wollte ich zu meiner Waffe greifen, doch sie lag zu Hause, in meinem Apartment in Manhattan.

Aber nein, das, was da auf uns zukam, konnte kein Mensch sein – es war zu klein.

Aber was war es dann?

Kurz darauf sah ich, was sich uns näherte, und musste nicht länger Vermutungen anstellen. Es war ein Berglöwe, ein ausgewachsenes und ziemlich großes Exemplar. Das Tier bewegte sich – wie für eine Katze typisch – elegant und kam langsam auf uns zu. Sicherlich hatte es unsere Anwesenheit schon lange gespürt, viel länger, als wir es bemerkt hatten.

Der Berglöwe blieb etwa dreißig Meter von uns entfernt stehen, warf uns einen kurzen Blick zu und fauchte dann.

Dreißig Meter. Und wir waren – bis auf unsere Messer – unbewaffnet. Ein Berglöwe würde für die Entfernung nur ein paar Sekunden benötigen. Wir würden es kaum schaffen, in dieser Zeit unsere Messer zu ziehen und kampfbereit zu sein, abgesehen davon, dass unser Gegner schneller und wendiger war als wir.

»Wir bleiben ruhig stehen und warten ab«, flüsterte ich Phil zu.

Aus den Augenwinkeln sah ich ihn zustimmend nicken.

Meine ganze Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf den Berglöwen. Ich schaute ihn nicht direkt an, um ihn nicht zu provozieren. Gleichzeitig bewegte ich meinen Kopf nur ganz leicht und blieb sonst unbewegt stehen.

Der Berglöwe fauchte, kam ein paar Schritte näher und fauchte wieder.

Normalerweise waren diese Tiere eher scheu und mieden Menschen. Der hier schien eine Ausnahme zu sein. Vielleicht hatte er Hunger. Oder wir waren in sein Revier eingedrungen und er stufte uns als Bedrohung ein. Oder er hatte Junge in der Nähe. Was auch immer es war – ich wollte auf keinen Fall etwas riskieren.

Der Berglöwe setzte sich wieder in Bewegung, nach rechts, wobei er anfing, uns zu umkreisen, ohne sich weiter zu nähern. Wir behielten ihn im Auge, unterließen es dabei weiterhin, ihn zu provozieren.

Es dauerte noch gut zwei Minuten, dann verlor er offenbar das Interesse an uns, drehte sich um und verschwand im Wald.

»Das hätte ganz schön ins Auge gehen können«, meinte Phil. »Hätte nicht gedacht, dass sich Berglöwen so nah an Menschen herantrauen. Das ist ungewöhnlich.«

»Genauso ungewöhnlich wie die Tatsache, dass hier in der Gegend ein Mann erschossen wird. Vielleicht hat das Tier gemerkt, dass hier etwas nicht stimmt, und verhält sich deshalb so aggressiv.«

»Wäre möglich«, meinte Phil. »Aber zum Glück ist er weg und wir können weitergehen.«

Ich schaute sicherheitshalber in die Richtung, in die der Berglöwe verschwunden war, und folgte dann Phil, der schon losgegangen war.

Wir legten nur wenige Pausen ein, um etwas zu essen, ansonsten kamen wir gut voran.

Phil verfolgte unseren Fortschritt auf dem GPS-Gerät. »Wir liegen gut in der Zeit. Ich denke, wir schaffen es wie geplant, in drei Tagen da zu sein.«

»Das wäre ganz in meinem Sinne«, sagte ich. »Irgendwie sehne ich mich nach New York. Dort kenne ich mich aus und weiß, was mich erwartet. Hier in der Wildnis ist es anders. Andere Regeln, andere Gefahren.«

»Ich weiß, was du meinst«, stimmte Phil mir zu. »Wir haben genug frische Luft geschnappt. Aber ein paar Tage werden wir uns noch gedulden müssen, bis wir wieder menschliche Zivilisation erreichen.«

»Die Zeit vergeht bestimmt schnell«, sagte ich.

Wir packten zusammen, schulterten unsere Rucksäcke und marschierten weiter. Phil achtete darauf, dass wir die Richtung beibehielten.

Als es kurz darauf dunkel zu werden begann, legten wir einen Zahn zu, um noch ein gutes Stück zu schaffen, bevor wir nichts mehr sehen konnten. In der Nacht weiterzumarschieren war nicht ratsam. Daher entschlossen wir uns bald darauf, Rast zu machen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für unser Nachtlager sah ich in der Ferne einen Lichtschimmer. Ein gleichmäßiges Licht, wie von einer Laterne, nicht von einem Feuer.

»Sagtest du nicht, die nächste Siedlung würden wir erst in drei Tagen erreichen?«, fragte ich Phil.

»Stimmt«, erwiderte er. »Auf der Karte ist nichts eingezeichnet. Vielleicht ein Zeltlager. Schauen wir doch nach.«

Da es immer dunkler wurde, kamen wir zwar nicht so schnell wie am Tag, aber immerhin einigermaßen zügig und sicher voran.

»Da, da ist es«, sagte Phil. »Das sieht aber nicht nach einem Zeltlager aus.«

Er hatte recht. Vor uns befand sich eine kleine Siedlung, die aus mehreren Holzhütten bestand.

***

»Offenbar haben wir Glück«, meinte Phil. »Vielleicht hat da unten jemand ein Funkgerät oder ein Satellitentelefon, mit dem wir die hiesige Polizei rufen können. Und vielleicht gibt es dort auch einen saftigen Braten.«

Ich musste grinsen. »Wir sollten nicht zu viel erwarten. Eine Kommunikationsmöglichkeit wäre schon nicht schlecht. Schauen wir mal, was wir vorfinden.«

Wir näherten uns den Hütten. Nur eine von ihnen war beleuchtet. Entsprechend gingen wir auf sie zu. Schon von außen konnten wir erkennen, dass sich drinnen mehrere Menschen befanden.

Wir stellten unsere Rucksäcke an der Hauswand ab, dann klopfte Phil, um die Leute nicht zu erschrecken. Anschließend traten wir ein.

Die Hütte bestand, wie es schien, nur aus einem großen Raum. In ihm befanden sich zwei längliche Tische, eine Kochstelle und eine Art Bar. An den Wänden hingen mehrere Geweihe. Einen gemauerten Kamin gab es auch, er war aber nicht in Betrieb. Das Licht kam von ein paar Gaslampen, die im Raum verteilt hingen.

An den Tischen saßen gut ein Dutzend Leute, alles Männer. Als wir eintraten, schauten sie uns schweigend an. Es sah aus, als wären sie gerade noch ins Gespräch vertieft gewesen und hätten bei unserem Erscheinen abrupt innegehalten. Die Stimmung, die uns entgegenschlug, war merkwürdig. Normalerweise hätte ich hier draußen eine gewisse Gastfreundschaft erwartet. Aber davon war nichts zu spüren. Die meisten Männer musterten uns argwöhnisch, andere neugierig. Allen war anzusehen, dass sie nicht mit Gästen gerechnet hatten.

»Guten Abend«, brach Phil das Schweigen. »Gemütlich haben Sie’s hier.«

»Guten Abend«, entgegnete ein Mann von Ende dreißig, der an der Bar stand.

Er hatte mittelblondes Haar, war gut einen Meter neunzig groß und durchtrainiert. Ansonsten war sein Gesichtsausdruck schwer einzuschätzen, ich glaubte aber neben einer vorsichtigen und ablehnenden Grundhaltung eine gewisse Neugier wahrzunehmen.

»Was führt Sie in diese verlassene Gegend?«, fragte der Mann.

»Ein mehrtägiger Wanderausflug«, antwortete ich. »Wir wollten hier in der Gegend unser Nachtlager aufschlagen und haben dann das Licht gesehen. Na, und da dachten wir, dass es nett wäre, hier in der Wildnis ein wenig Zivilisation anzutreffen.«

Er nickte. »Ja, das kann ...

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