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Jerry Cotton - Folge 2896

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Die Wahrheit bringt den Tod
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Die Wahrheit bringt den Tod

Dr. Henry Waters hatte an diesem Abend eine ganze Flasche Whiskey geleert. Fanny Rampling saß auf dem Bett. Er starrte sie mit glasigen Augen an.

»War wohl doch ein bisschen viel für dich, was?«, fragte die Prostituierte. Waters nickte schwerfällig.

»Pass auf. Du gehst jetzt nach Hause und schläfst dich aus.«

Waters nickte erneut. Er erhob sich mühsam vom Stuhl und begann sein Hemd zuzuknöpfen. Anschließend half Fanny ihm in den Sakko. Dann schob sie ihn auf die Straße und winkte ein Taxi heran. Als Waters eingestiegen war, zog sie ihr Handy aus der Hosentasche und rief Mullvaney an. Der Tipp, den sie für ihn hatte, war mindestens 100 Dollar wert. Wenn nicht mehr.

Es goss in Strömen. Es war eines dieser Sommergewitter, die schnell kamen und genauso schnell zu Ende waren. Über dem Central Park war ein Regenbogen zu sehen, und die eben noch nassen Straßen waren schon nach kurzer Zeit fast vollständig getrocknet.

Der Bus stoppte an der Haltestelle. Eine Reihe von Menschen stieg aus, nur wenige ein. Anthony Green schloss die Türen, und der Wagen setzte sich wieder in Bewegung. Auf Höhe des Apollo Theatre in der 125th Street knallte es. Green dachte an eine Fehlzündung und ging reflexartig vom Gaspedal. Dann knallte es erneut. Es folgte ein lang anhaltender, schriller Schrei. Der Busfahrer brachte sein Gefährt zum Stehen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war nichts Besonderes zu sehen. Zumindest konnte er nichts entdecken. Auch wer geschrien hatte, konnte er nicht erkennen, und so entschloss sich Green, die Fahrt fortzusetzen.

Dem Mann, der zusammengesunken auf einem Stuhl vor dem kleinen, chinesischen Restaurant saß, hätte er ohnehin nicht helfen können. Eine Kugel steckte in seinem Kopf, eine weitere war durch den Hals des Mannes gedrungen und in der mannshohen Buddha-Statue im Eingangsbereich des Restaurants stecken geblieben. Erst als ein Fahrgast den Busfahrer auf die Schießerei aufmerksam machte, hielt er erneut und ließ drei junge Männer aussteigen, die den Vorgang beobachtet hatten. Einer der drei hatte bereits per Handy die Polizei verständigt. Ein anderer war über die Straße gelaufen und fühlte den Puls des Mannes auf dem Stuhl. Einem Mann, der aus dem chinesischen Restaurant trat, signalisierte er durch ein Handzeichen, dass jede Hilfe zu spät kam. Der Mann aus dem Restaurant war offensichtlich der Koch. Er trug eine Kochmütze, die er nun vom Kopf zog und vor die Brust hielt. Dann begann er heftig den Kopf zu schütteln. Tote waren nicht gut für das Geschäft.

***

Phil und ich waren kurz nach den Einsatzkräften des NYPD am Ort des Geschehens. Ein Detective hielt das Absperrband für uns in die Höhe, nachdem wir unsere Marken gezeigt hatten. Die Crime Scene Unit sicherte den Tatort. Viel zu sichern gab es allerdings nicht. Ein Lieutenant leitete die Untersuchung. Ich stellte Phil und mich vor und fragte nach dem Ermittlungsstand.

Lieutenant Juan Pedroza setzte uns mit kurzen, aber präzisen Sätzen ins Bild. »Der Mann wurde von zwei Schüssen getroffen, zumindest einer davon war tödlich. Der Schütze muss dem Eintrittswinkel der Kugeln nach zu urteilen die Schüsse aus der Seitenstraße neben dem Apollo Theatre abgefeuert haben.«

Ich nickte. »Gibt es Zeugen, Lieutenant?«

»Bislang haben wir drei Zeugen ermittelt. Es sind junge Männer, die im Linienbus saßen, als der Schütze die Schüsse abfeuerte. Nach übereinstimmenden Aussagen der Zeugen und des Kochs aus dem chinesischen Restaurants hat der Schütze zweimal gefeuert. Eine Kugel steckt im Kopf des Toten, da es zwei Eintritts- und nur eine Austrittswunde gibt. Die andere Kugel suchen die Kollegen der Crime Scene Unit noch. Der Tote hatte keine Papiere bei sich. Es handelt sich um einen circa 35-jährigen Mann.«

»Er ist 38 Jahre alt«, korrigierte ich Pedrozas Bericht, der nun sichtlich irritiert war.

»Wir kennen den Toten«, erklärte ich dem Kollegen vom NYPD. »Es ist James McAdams, er war Special Agent des FBI. McAdams hat verdeckt ermittelt.«

»Und er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder«, ergänzte Phil mit belegter Stimme.

Pedroza nickte. »Verstehe«, sagte er nur.

»Wir informieren seine Witwe«, sagte Phil gedankenverloren.

»War McAdams ein Freund von ihnen?«, fragte Pedroza.

»Ein Freund? Das wäre zu viel gesagt«, antwortete Phil. »Aber er war ein guter Kollege. Wir haben gelegentlich ein Bier zusammen getrunken.«

»James McAdams war ein sehr couragierter Kollege«, ergänzte ich. »Er hat sich in eine der gefährlichsten Mafia-Familien New Yorks einschleusen lassen, um Informationen zu sammeln.«

»Und dafür musste er sterben. Und wir sollten jetzt seinen Mörder überführen«, sagte Phil, während wir alle auf James McAdams’ Leiche schauten.

»Erst mal sollten Sie ihn finden, Agents«, sagte Pedroza trocken.

Ich schüttelte den Kopf. »Wir wissen bereits, wer das war. Oder wer dafür verantwortlich ist. Seit zwei Jahren versuchen wir, Mike Giordano hinter Gitter zu bringen. Er ist eine große Nummer bei einer der Mafia-Familien, die New York unter sich aufgeteilt haben. Giordano gehört zu den Sapienzas.«

»James McAdams war auf Giordano angesetzt. Giordano hat den Drogenhandel und das Glücksspiel der Familie organisiert. McAdams hatte mit der Zeit sein Vertrauen gewonnen und uns bereits eine ganze Menge über die Geschäftsbeziehungen der Sapienzas mitgeteilt«, berichtete Phil.

»Und auch, was sie planten. Es fehlte nicht mehr viel, und wir hätten der Familie einen empfindlichen Schlag versetzen können«, ergänzte ich.

Phil dachte laut nach. »Wenn wir ihn früher überführt hätten, dann wäre McAdams noch am Leben.«

»Hätte. Wäre. Könnte. Das Leben findet nicht im Konjunktiv statt, Phil.«

»Da hast du recht, Partner. Und deshalb vermeide ich jetzt auch den Konjunktiv und sage, dass dieser feige Mord an unserem Kollegen die letzte Straftat Giordanos gewesen sein wird.«

***

Alexander Keele war seit einigen Jahren Professor an der New York University und eine Koryphäe auf dem Gebiet chemischer Verbindungen. Gelegentlich arbeitete Keele für ein Unternehmen, das unter anderem für die Regierung der Vereinigten Staaten Forschungen betrieb. Dieses Unternehmen, United Chemical, war vor wenigen Wochen damit beauftragt worden, das Hypnotikum Natrium-Thiopental auf einem einfacheren Weg zu synthetisieren.

Keele entnahm der Flasche eine kleine Probe des gelblich-weißen Pulvers und löste es in Wasser auf. Der Geruch ließ ihm den Atem stocken. Er schüttete die Lösung in ein tropfenförmiges Gefäß, das mit einem Hahn verschlossen war. Dazu gab er eine weitere klare Flüssigkeit, die im Wesentlichen aus Äther bestand. An diesem Gemisch hatte Keele seit Wochen herumexperimentiert. Nun glaubte er, das richtige Verhältnis an organischen Substanzen gefunden zu haben.

Er verschloss den Trichter mit einem Stopfen, schüttelte das Gemisch kräftig und ließ es eine Weile stehen. Die Flüssigkeiten trennten sich wieder.

Ein Lächeln huschte über Keeles Gesicht. Die Substanz roch typischerweise nach Knoblauch, aber viel stärker, als es in den diversen Versuchen der letzten Wochen der Fall gewesen war. Noch war Keele nicht am Ziel, aber er war nun seinem Ziel ein ganzes Stück näher gekommen. Dann blickte er auf.

»Wo ist eigentlich Henry?«, fragte Keele überrascht.

Irene Tedrow zuckte mit den Achseln. »Woher soll ich das wissen?«

»Weil du doch alles weißt«, entgegnete Keele und versuchte durch ein Lächeln die Situation zu entspannen.

Irene entkrampfte sich. »Entschuldige, ich bin ein wenig gereizt.«

Keele lächelte und sah Irene an. »Gibt es dafür einen Grund?«

Irene schüttelte heftig den Kopf.

Sie sah, dass sie Keele mit dieser Antwort nicht überzeugt hatte. »Du kannst mir ja etwas von dem Natrium-Thiopental verabreichen und mich dann noch einmal fragen. Wenn es so wirkt, wie wir es uns wünschen, wüsstest du, ob ich die Wahrheit sage.«

Keele lachte. »Das stimmt. Aber du bist doch auch ohne Wahrheitsserum sehr kommunikativ und ehrlich«, sagte Keele und zwinkerte ihr zu. »Das Serum ist also völlig überflüssig bei dir.«

Nun mussten beide lachen.

***

Im Field Office warteten die Zeugen aus dem Bus, die den Schützen gesehen hatten. Es waren drei junge Männer vom Basketball-Team der New York University, das zuvor auf dem Court an der Forsyth Street gegen eine Auswahl der Georgetown University gespielt hatte. Die Spieler wollten mit dem Bus zum Studentenwohnheim zurückfahren.

Im angrenzenden Raum standen fünf Leute, vier Polizisten und der Verdächtige Mike Giordano.

»Okay, es kann losgehen«, sagte Phil zu den Zeugen. »Ich werde Sie nun nacheinander bitten, mit mir in einen der Nachbarräume zu kommen. Ich werde dann ein Rollo hochziehen, und Sie können dann durch eine Scheibe fünf Männer sehen. Die Männer können uns nicht sehen, die Scheibe ist einseitig verspiegelt. Ich werde Sie dann bitten, mir zu sagen, ob Sie einen der Männer als den Schützen identifizieren können. Danach gehen Sie durch eine andere Tür zu meinem Kollegen Phil Decker und warten bitte auf die anderen Zeugen. Haben Sie alles verstanden?«

Die drei Studenten nickten. Nacheinander betraten sie den Raum, in dem Phil kurz das Rollo hochzog und ihnen einen Blick auf fünf Männer gewährte, allesamt glattrasiert und mit einer Baseballcap der New York Yankees auf dem Kopf.

Zwei der Zeugen gaben Special Agent Zeerookah als Schützen an, einer war unschlüssig und wollte sich nicht festlegen.

»Vielen Dank, meine Herren. Sie können gehen, wenn Sie das Protokoll unterschrieben haben«, sagte ich und gab jedem die Hand.

Einer der beiden, der Zeerookah als Schütze ausgemacht hatte, meldete sich noch einmal zu Wort. »Ich glaube, ich habe den Schützen erkannt. Aber sicher bin ich nicht. Ich meine, vor Gericht würde ich nicht sagen, dass es der Typ war, den ich da gesehen habe.« Er deutete auf den Verhörraum.

»Das wird auch nicht nötig sein. Den einzigen Kandidaten, der in Frage gekommen wäre, haben Sie nicht erkannt. Insofern wird Ihre Mithilfe bei der Aufklärung des Mordes vermutlich nicht mehr benötigt. Aber vielen Dank, dass Sie sich gemeldet haben.«

Die drei Studenten verabschiedeten sich und verließen das Field Office.

»Was machen wir jetzt?«, fragte ich.

»Wir nehmen Zeerookah fest«, gab Phil zur Antwort.

»Deinen Humor hast du ja nicht verloren.«

»Das hat nichts mit Humor zu tun, sondern mit logischem Denken«, erklärte Phil.

Das Telefon auf meinem Schreibtisch klingelte. Am Display konnte ich erkennen, dass es Helen war.

»Helen, was kann ich für dich tun?«

»Für mich leider nichts, Jerry, aber für Mister High. Er möchte Phil und dich sehen, wenn ihr es einrichten könnt.«

»Wir können«, gab ich zur Antwort und legte auf.

Mit einer Kopfbewegung deutete ich auf Mr Highs Büro. Phil erhob sich, und wenige Sekunden später saßen wir vor dem Schreibtisch von Mr High.

»Können Sie mich bitte auf den neuesten Stand im Fall des verdeckten Ermittlers bringen?«, bat uns Mr High mit ernster Miene.

»Wir hatten gerade eine Gegenüberstellung, Sir. Drei Zeugen haben in einem Bus gesessen, der an dem Restaurant vorbeigefahren ist, vor dem McAdams erschossen wurde.«

»Was hat die Gegenüberstellung ergeben?«, wollte unser Chef wissen.

»Zwei der drei Zeugen waren sich sicher, den Killer identifizieren zu können.«

»Dann weiß ich nicht, warum Sie so einen besorgten Gesichtsausdruck machen. Das reicht doch in jedem Fall für die Bezirksstaatsanwältin, um Anklage zu erheben.«

»Die beiden Zeugen haben Zeerookah als Täter identifiziert.«

Mr High nickte kaum merklich. »Dann haben wir nichts in der Hand. Sind Sie denn sicher, dass Giordano der Schütze war?«

»Es kann auch ein Killer aus dem Sapienza-Clan gewesen sein. Aber Giordano erledigt solche Jobs in der Regel selbst. Unser verdeckter Ermittler hatte belastendes Material gesammelt und wollte es uns heute Abend übergeben, unter anderem den Mitschnitt eines Gesprächs zwischen Giordano und ihm. Er hatte uns angerufen und uns um einen Termin heute Abend gebeten. Und kurz vor der Übergabe wird der Kollege erschossen.«

»Haben Sie Beweise oder zumindest Indizien? Weitere Zeugen?«, wollte Mr High wissen.

»Es ist nicht auszuschließen, dass wir noch weitere Insassen des Busses oder andere Augenzeugen finden«, sagte Phil.

»Nicht auszuschließen«, sagte Mr High ruhig. »Aber auch nicht wahrscheinlich. Bleiben wir also realistisch. Wenn wir nichts weiter haben, dann veranlassen Sie bitte umgehend, dass Giordano freigelassen wird.«

***

Ich öffnete die Tür zum Verhörraum und blickte in das grinsende Gesicht von Giordano. Phil kam nach mir in den Raum und steuerte den Verhörtisch an. Er setzte sich auf eine Ecke des Tisches und beugte sich ein wenig zu Giordano hinunter. »Wir kriegen dich, Mickey.« Giordanos Grinsen wurde breiter.

»Unterlassen Sie bitte die vertraulichen Gespräche mit meinem Mandanten«, meldete sich Albert Nettles zu Wort, der mit im Schoß gefalteten Händen neben Giordano saß. Nettles war nicht nur der Anwalt Giordanos, sondern auch der Consigliere der Sapienzas. Seine Anwesenheit zeigte, welche Bedeutung Giordano für die Familie hatte.

Phil beugte sich erneut zu Giordano hinunter. »Wir kriegen dich, Mickey. Du hast einen großen Fehler gemacht.«

Giordano tat so, als müsste er gleich heulen. »Agent Decker. Wenn dies eine offizielle Vernehmung ist, dann bitte ich Sie, das Tonbandgerät einzuschalten und das Gespräch zu protokollieren«, sagte Nettles mahnend.

Phil beachtete Nettles nicht. »Dein kleiner Straßenhandel mit dem Meth ist eine Sache. Mord ist eine andere.«

Giordano erhob sich langsam, schloss einen Knopf seines Sakkos und wandte sich an Phil. »Ich bin gerne hier bei Ihnen, auch wenn der Service miserabel ist. Aber nun muss ich leider gehen.« Giordano hob entschuldigend die Arme und lächelte überheblich. »Geschäfte.«

Nettles nahm seinen Aktenkoffer und stand ebenfalls auf.

»Wir werden dir den Mord an unserem Kollegen nachweisen«, sagte ich ruhig.

»Und dann wird deine Frau für lange Zeit einen Mann weniger zur Auswahl haben, der sie beglückt«, ergänzte Phil.

»Sie gefallen mir, Agents. Ehrlich«, sagte Giordano mit weicher Stimme. »Aber Sie haben nichts gegen mich in der Hand.« Giordano wandte sich an Phil. »Und sollten Sie mich weiterhin belästigen, dann werden Sie es bitter bereuen.« Seine Stimme war nun gehärteter Stahl. Nettles packte Giordanos Oberarm. Der riss sich los und strich über den Ärmel seines Sakkos. Dann hatte sich Giordano wieder im Griff. »Einen schönen Tag noch, Agents.«

***

Auf Fannys Oberlippe hatten sich kleine Schweißperlen gebildet. Sie rieb mit beiden Händen kräftig über ihre Oberschenkel und wippte dabei leicht mit dem Oberkörper.

»Komm, Steve, gib mir nur ein bisschen. Du siehst doch, wie es mir geht.«

»Ich hab nichts, Kleine. Tut mir leid. Außerdem weißt du doch genau, dass du es dir verdienen musst.« Steve Mullvaney sah Fanny mit kalten Augen an. »Und? Hast du es dir verdient?«

»Ich hab es mir verdient. Ich hab es mir wirklich verdient«, sagte Fanny mit flehender Stimme.

Mullvaney schlug Fanny mit der flachen Hand ins Gesicht. Er musste vorsichtig sein. Er durfte sie nicht so verletzen, dass es sichtbar war. Ihr Gesicht und ihr Körper waren sein Kapital.

»40 Dollar hast du mir abgeliefert. 40 Bucks in 10 Stunden«, schrie Mullvaney. »Wie kommst du darauf, du hättest dir das Meth verdient?« Seine Augen verengten sich. »Ganz im Gegenteil. Du wirst mir langsam zu teuer, Fanny.«

»Ich hab es mir verdient, Steve. Ich hab es mir verdient«, wiederholte Fanny apathisch. Sie begann nun stärker mit dem Oberkörper zu wippen, die Hände hatte sie unter den Achseln verschränkt. Ihr Gesicht brannte von Mullvaneys Ohrfeige, aber sie hatte keine Tränen mehr.

Mullvaney wandte sich ab und wollte gehen.

»Warte«, schrie Fanny. »Ich hab da was mitbekommen, was interessant sein könnte.«

Mullvaney hatte die Türschwelle bereits erreicht und drehte sich langsam um. Sein kahlgeschorener Schädel war nun rot. Fanny blickte ihn verzweifelt an.

»Und? Ich höre«, keifte Mullvaney.

»Ich hatte heute einen Freier. Er heißt Henry Waters. Er ist Chemiker.« Fanny zögerte.

»Ja und? Weiter, weiter«, herrschte Mullvaney sie an.

»Er war total betrunken, als er zu mir kam. Ich glaube, er war noch nie bei einer Prostituierten. Er wusste gar nicht, dass man vorher den Preis und die Leistungen aushandeln muss.« Fanny lachte und gab den Blick auf ungepflegte Zähne frei.

»Fanny«, begann Mullvaney drohend. Er ging zwei Schritte auf sie zu und holte aus. Fanny zuckte zurück und schlug mit dem Hinterkopf gegen die Wand. Sterne tanzten vor ihren Augen, dann tauchte sie ab in einen glitzernden Ozean. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie Mullvaney, der ein leeres Glas in der Hand hielt. Wasser tropfte von ihrer Nase, doch sie bemerkte es nicht.

»Du wolltest mir eine Geschichte von einem Freier erzählen«,

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