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Jerry Cotton - Folge 2894

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Niemand stirbt für sich allein
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Niemand stirbt für sich allein

»O mein Gott, ist das hoch!« Geradezu verzückt blickte Deana Shubert in die Tiefe – vom Rand des ausgedehnten Dachgartens, dann auf die schmale Fußgängerbrücke bis zu dem Backsteinbau auf der anderen Seite des Abgrunds.

»Und da müssen wir hinüber?«, fragte Gillian O’Farrell und sah skeptisch auf die Brücke.

»Klar«, antwortete der Mann, der sie und ihre Freundin Deana heraufgeführt hatte. »Drüben im Haus ist zwar ein Fahrstuhl. Aber den zu nehmen, wäre ja langweilig.«

»Gillian hat Höhenangst!«, rief Deana, und übermütig lachend lief sie auf die Brücke hinaus. Die Tür zum Loft, drüben, stand offen. Wie ein aufgedrehtes kleines Mädchen hüpfte sie über die Schwelle – und erstarrte. Gillians gellender Schrei ging ihr durch Mark und Bein.

New York versank. So kam es uns jedenfalls vor. Es konnte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die herabrauschenden Fluten einen reißenden Strom bildeten und alles wegspülten, was sich am Boden der Straßenschluchten bewegte – einschließlich des Jaguar mit Phil und mir darin. Wir hatten dieses Bild vor uns, das man aus deprimierenden Filmszenen kannte, in denen die Scheibenwischer ihre Arbeit nicht mehr schafften. Vor uns geisterte das rote Glühen von Rückleuchten und Bremslichtern durch die Regenhölle, rechts schoben Fußgänger ihre Schirme durch den Wasserdruck, längst durchnässt von den Schwaden, die der Wind ihnen um die Ohren peitschte. Zu allem Überfluss war der Morgen auch noch dunkel wie die Nacht.

Ein Montag wie aus einem Albtraum. So ein Wochenanfang konnte sogar mir die Stimmung verhageln, obwohl mich schlechtes Wetter weitaus weniger belastete als meinen Partner.

»Können wir froh sein!«, stöhnte Phil immerhin. »Wir müssen nicht mehr raus. Nur noch ruck, zuck in die Tiefgarage, und dann ab ins Büro. Da ist es wenigstens warm und trocken.«

»Habe ich richtig gehört?«, staunte ich. »Solche Töne von dir?«

»Warum denn nicht?« Phil sah mich an und erklärte todernst: »Bei so einem Sauwetter wie heute jagt man doch nicht mal seinen Hund vor die Tür. Da kommt das Büro auf der Aufenthalts-Hitliste gleich an zweiter Stelle – nach dem trauten Heim.«

Ich tat beeindruckt und nickte, während ich unser rotes Mini-U-Boot durch den Wolkenbruch navigierte. »Dein warmer und trockener Platz am Schreibtisch in einem völlig neuen Licht. Wer hätte das gedacht?«

Phil grinste. »Du glaubst wahrscheinlich, ich wechsele meine Meinungen wie die Hemden? Gib’s zu, du denkst, du hast mich erwischt.«

»Wobei?«

»Dabei, dass ich mir widerspreche. Da behaupte ich dauernd, es im Büro nicht aushalten zu können, und auf einmal ist es mein Traumziel. Klar, dass sich das beißt.«

»Und das Akten-Aufarbeiten macht dir ab sofort Spaß.«

»Ganz und gar nicht. In einer trockenen Scheune könnte ich mich bei Regen auch wohlfühlen. Deshalb muss es mir noch lange keinen Spaß machen, Farmer zu sein und Strohballen zu stapeln.«

Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete sich vor uns die Einfahrt zur Tiefgarage des Federal Building. Spuren nasser Reifen wurden von der Trockenheit des hell erleuchteten Betongewölbes aufgesogen. Das Abflusssystem an der Einfahrt bestand seine Belastungsprobe. Nichts wurde überflutet hier unten.

***

Im Erdgeschoss stiegen fluchende, durchnässte Leute in den Fahrstuhl. Neidische und fast vorwurfsvolle Blicke trafen uns. Das lag eindeutig an unserer trockenen Kleidung. Zu Beginn unserer Fahrt hatte noch die Sonne geschienen, und obwohl der Oktober zu Ende ging, hatten wir gehofft, dass er sich noch einmal von seiner goldenen Seite zeigen würde. Stattdessen hatte er uns schon in Midtown auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das Wetter war von einer Minute zur anderen umgeschlagen. Nächste Woche begann der November, und New York präsentierte sich so herbstlich, wie wir es von dieser Jahreszeit gewohnt waren. Das Wetter hatte nur eine weitere Minute gebraucht, um sich in den Wolkenbruch zu steigern, den wir gerade erlebten.

Das Klingeln eines der Telefone empfing uns, noch bevor Phil die Tür zu unserem gemeinsamen Büro geöffnet hatte. Er war als Erster dran, nickte beim Zuhören und sagte: »Eine bessere Entschädigung kann es nicht geben.«

»Wofür?«, fragte ich, als er auflegte.

»Fürs Wetter«, antwortete er und drehte sich zu mir um. »Kehrt marsch, Jerry. Dienstbesprechung beim Chef.«

»Was für eine Entschädigung?«, fragte ich, obwohl ich es ahnte. Ich wandte mich zum Korridor.

Phil zwinkerte nur. »Der beste Anfang für einen neuen Tag und eine neue Woche«, sagte er dann, als wir das Vorzimmer des Chefbüros betraten.

Der Kaffeeduft, der in der Luft hing, war so anheimelnd wie eh und je. Helen, die Sekretärin des Assistant Director, begrüßte uns mit ihrem gewohnt sympathischen Lächeln und ließ uns wissen, dass der Chef uns erwartete. Und natürlich stand eine Kanne mit frisch aufgebrühtem Lebenswecker für uns bereit. Genau das, was mein Freund mit der Entschädigung meinte.

Mr Highs kurzes Haar glänzte mattsilbern; es ergänzte die elegante Erscheinung des schlanken Mannes mit den feingliedrigen Künstlerhänden. Er hatte die Deckenleuchten eingeschaltet, denn Tageslicht fiel in sein Büro nur andeutungsweise. Schwarze Wolken und immer noch rauschender Regen erweckten den Eindruck, dass der Tag endgültig beschlossen hatte, sich gleich wieder zu verabschieden. Der Chef wies mit einer einladenden Handbewegung auf unsere gewohnten Plätze am Besuchertisch. Phil und ich setzten uns, versorgten uns mit Tassen und schenkten uns Helens Kaffee ein.

»Wir haben eine weibliche Leiche in South Brooklyn«, erklärte Mr High. »Eine Zwanzigjährige namens Gillian O’Farrell. Sie hatte ihren Führerschein und ihren Studentenausweis bei sich. Die Datei mit dem bisherigen Stand der Ermittlungen habe ich Ihnen soeben per E-Mail geschickt.«

»Eine Studentin«, folgerte ich und setzte meine Tasse ab, nachdem ich den ersten Schluck der brühheißen Wohltat genossen hatte. »Wurde sie ermordet?«

»Der Notarzt ist genau dieser Meinung«, erwiderte der Chef. »Sie ist aus großer Höhe abgestürzt. So viel steht bislang fest. Die Kollegen vom Police Department haben uns sofort verständigt.«

»Weil die Getötete aus einem anderen Bundesstaat stammt?«, mutmaßte Phil.

»Auch das«, bestätigte der Assistant Director. »Aber es gibt einen weiteren Grund für die Zuständigkeit des FBI. Der Fundort der Leiche befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Speditionsgesellschaft G. P. Hines Shipping, Inc. Das war eine New Yorker Firma. In deren Konkursverfahren aber wurde die gesamte Liegenschaft von einer Immobiliengesellschaft gekauft, die ihren Sitz in New Jersey hat, nämlich Johnson & Schwartz, Realtors, Port Elizabeth, spezialisiert auf Hafengrundstücke.«

»South Brooklyn«, überlegte ich. »Dann ist Red Hook wahrscheinlich nicht weit.«

»In der Tat nicht«, antwortete Mr High. »Das Grundstück liegt an der Van Dyke Street, praktisch in Sichtweite vom Terminal. Die Grundstückspreise sind dort längst in astronomische Höhen geschnellt.«

»Und das Gelände war nicht abgesperrt und gesichert?«

»Darüber gibt es noch keine Informationen«, erwiderte der Chef. »Die Tote wurde erst vor einer guten Stunde gefunden – von einem Rentner, genauer gesagt von seinem Hund, mit dem er die übliche Morgenrunde machte.«

»Da hat es dann wohl noch nicht geregnet«, schloss Phil. »Bleibt nur zu hoffen, dass die Spurensicherer schnell genug ihre Zelte aufgebaut haben.«

»Wurden die Eltern der Getöteten schon ausfindig gemacht?«, fragte ich den Chef.

»Laut Führerschein stammte Gillian O’Farrell aus Pennsylvania. Die Kollegen dort überprüfen gerade die Adresse, die in ihrem Führerschein genannt ist.« Mr High sah Phil und mich ernst an. »Ich gebe Ihnen Nachricht, sobald ich Näheres weiß. Fahren Sie jetzt nach South Brooklyn und übernehmen Sie den Fall.«

***

Deana Shubert erwachte, doch sie spürte sofort, dass es kein richtiges Erwachen war. Es lief völlig anders ab als an einem normalen Morgen, nach einem erholsamen Nachtschlaf. Ein entscheidender Unterschied war, dass es dunkel blieb. Benommenheit lastete wie ein tonnenschweres Tuch auf ihr und machte ihr das Atmen zur Last. Sie fühlte sich wie gerädert, ihren Körper nahm sie nur teilweise wahr, spürte Arme und Beine nicht und konnte sich nicht bewegen. War sie gefesselt? Nicht einmal das konnte sie feststellen.

Und sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wo sie war.

Die Dunkelheit hüllte sie vollständig ein. Nicht der winzigste Schimmer von Licht drang zu ihr vor. Auch ihr Gehör war beeinträchtigt. Es war, als hätte jemand ihren Kopf einschließlich Augen und Ohren mit Lappen umwickelt. Sie glaubte, ein fernes Rauschen zu vernehmen, doch sie traute ihren eigenen Wahrnehmungen nicht. Was sie vernahm, konnte ebenso gut eine Sinnestäuschung sein.

Sie begriff noch nicht, dass ihre Denkfähigkeit ebenso eingeschränkt war wie ihr Wahrnehmungsvermögen. Sie wusste nicht einmal, ob sie lag, saß oder stand. Andererseits war es kein Schwebezustand, in dem sie sich befand, dazu fehlte ihr die Leichtigkeit. Immerhin war ihr ja die Schwere ihres Atmens bewusst. Folglich konnte ihr Verstand nicht komplett ausgeschaltet sein. Ein Teil davon funktionierte offenbar.

Als ihr dies bewusst wurde, schöpfte sie Hoffnung.

Sie musste sich Ziele setzen, Aufgaben stellen. Stück für Stück musste sie Klarheit über ihre Situation gewinnen. Die Hoffnung verstärkte sich, das merkte sie deutlich. Doch gleichzeitig kam die Ungeduld. Es fiel ihr schwer, sie zu bezwingen, sich zu beruhigen. Sie wollte heraus aus der Misere, in der sie gefangen war. Dieser Wille wurde mit jedem ihrer mühsamen Atemzüge stärker.

Plötzlich erschrak sie. Etwas wie ein Blitz durchzuckte ihr wacher werdendes Bewusstsein. Doch es war kein Blitz wie von einem Gewitter, eher eine jähe Helligkeit. Ein Bild entstand, obwohl sie ihre Augen noch immer nicht zu öffnen vermochte.

Der Himmel über New York war klar und fast wolkenlos. Vor drei Stunden hatte es noch wie aus Kübeln gegossen. Die Gemüsebeete ringsum glänzten nass und in frischem Grün, der Ackerboden war durchweicht. Nur auf den Gehwegplatten zwischen den Beeten konnten sie gehen, ohne mit den Schuhen im Schlamm zu versinken. Ihr Begleiter hatte ihnen geraten, nicht vom Weg abzukommen.

Eigentlich hätte Gillian begeistert sein müssen. Mein Gott, hier musste sie sich doch wie zu Hause fühlen – in Pennsylvania. Von dort stammte sie schließlich. Aber nein, sie machte mal wieder ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Dabei kam ein normaler Mensch an diesem Ort aus dem Staunen nicht heraus. Ein Gemüsefeld mitten in New York, groß wie drei Football-Spielfelder und sechs Stockwerke hoch, das war einfach gigantisch. Schon mit den klassischen Penthouse-Gärten hatten die Menschen in der Acht-Millionen-Stadt bewiesen, wie viel Fantasie sie besaßen, wenn es darum ging, sich mit ein bisschen Grün zu umgeben. Von einfachen Blumenbeeten bis hin zu kleinen Dschungellandschaften hatten sie schon alles Mögliche auf ihren Hochhausdächern untergebracht. Doch ganze Äcker – du lieber Himmel, so was hätte man noch vor ein paar Jahren für total absurd gehalten.

Und jetzt? Jetzt schossen die Preise für abbruchreife Riesenschuppen in astronomische Höhen, weil man auf den Riesendächern Farmland und regelrechte Plantagen anlegen konnte. Rafe, ihr Begleiter, hatte damit nicht wirklich etwas zu tun. Er kannte lediglich jemanden, der damit zu tun hatte. So hatte Rafe Gazzoli sich einen Schlüssel besorgt, um damit anzugeben, dass er berechtigt war, die landwirtschaftliche Fläche auf dem Dach des alten Lagerhauses vorzuführen. Ein kleines Vorprogramm als Auftakt zu der Party, die nebenan, im renovierten Gebäude der alten Nähmaschinenfabrik, stattfinden würde.

Mit einer ausladenden Armbewegung deutete er auf das kniehohe Grün, das fast die ganze linke Hälfte des Daches einnahm. »Kartoffeln«, sagte er fachmännisch, »alles Kartoffeln. Und auf dieser Seite …«, er wies nach rechts, »Bohnen, Gurken, Kürbisse, Mangold und was weiß ich noch alles. Ich sage euch, Ladys, bald machen wir hier in New York den Bio-Farmern im Hudson Valley Konkurrenz.«

»Wir?«, wiederholte Deana. Sie war vorausgegangen, blieb nun stehen und drehte sich um. Stirnrunzelnd sah sie den zum Übergewicht neigenden Mann an. Er war nur mittelgroß, das schwarze Haar reichte ihm bis auf den Kragen. Seine braunen Augen leuchteten – wie immer, wenn er herumprahlte.

»Ja, wir«, bestätigte er. »Ich meine damit uns New Yorker als Gesamtheit. Und die, die unsere Dächer bepflanzen, sind unsere Freunde.«

»Heißt das …«, Deana schüttelte ungläubig den Kopf, »ihr habt in dem Geschäft auch schon eure Finger drin? Inoffiziell, mit prozentualer Beteiligung und so?«

Gazzoli grinste breit. »Keine Ahnung, wovon du redest.«

»Natürlich mischen sie mit«, sagte Gillian missmutig. »Gibt es irgendwas Gewinnbringendes, wo sie es nicht tun? Vergiss nicht, Deana, unser freundlicher Gastgeber hat sizilianische Vorfahren.«

»Immer diese Vorurteile!«, antwortete Rafe empört. »Lest ihr denn keine Zeitungen? Die Pressemitteilungen des FBI sind ganz klar: Eine Mafia gibt es nicht mehr, weder in New York noch in den gesamten Vereinigten Staaten. Auch deshalb muss mit der Diskriminierung Schluss sein. Wenn einer einen italienischen oder sizilianischen Namen hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er ein Mafioso ist.«

»Mir kommen die Tränen«, sagte Deana und erwiderte sein Grinsen. »Du kannst einem wirklich leid tun. Bestimmt hattest du auch eine schwere Kindheit.«

Er lachte, doch in seinen Augen entstand ein Glimmen, das seiner Heiterkeit widersprach. Er wurde ernst und erklärte: »All right, Ladys, das war’s dann mit der Besichtigung. Jetzt geht’s rüber zum Epizentrum des Partygeschehens. Aber was sage ich, ein Hurrikan ist nichts dagegen! Ihr werdet sehen.«

Deana lief voraus, auf die Nordostecke des Gemüseackers zu. Die kleine Brücke, die zum Nachbargebäude führte, bestand aus Stahl. Trotzdem erinnerte sie an eine jener schwankenden Seilbrücken, wie man sie aus Expeditionsfilmen kannte. Deana verharrte an der Dachkante und blickte in den Abgrund zwischen den beiden Gebäuden.

»O mein Gott, ist das hoch!«, rief sie und gab ein übermütiges Jauchzen von sich, allein um ihrer Freundin zu zeigen, dass sie, Deana, Witze machen konnte, weil sie nun mal keine Angst hatte – am allerwenigsten vor diesen paar Stockwerken, die es hier in die Tiefe ging.

»Und da müssen wir hinüber?«, hörte sie Gillian hinter sich fragen.

Klar, sie ließ mal wieder den Angsthasen raus. Rafe erwiderte etwas, aber Deana hörte nicht mehr hin. Der Teufel ritt sie, als sie prahlerisch lachend auf die Brücke hinauslief und rief: »Gillian hat Höhenangst! Gillian hat Höhenangst!«

Sie wusste, dass sie sich wie ein Kind verhielt, doch sie wollte ihrer Freundin nur helfen. Bestimmt wurde Gillian bei ihrem Ehrgeiz gepackt, und sie riss sich zusammen und schüttelte ihre Angstzustände ab. Über die Brücke musste sie so oder so. Sie hatten sich nun mal gemeinsam für diesen Weg entschieden.

Als sie über die Türschwelle sprang, erschrak Deana bis ins Mark. Gillians Schrei ging ihr durch und durch. Deana warf sich herum, musste sich am Türrahmen festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. In ihrer Drehbewegung sah sie die noch leeren Partyräume wie in einem huschenden Schleier und dann, ebenso verschwommen, erblickte sie das Geschehen auf der anderen Seite der Brücke.

Gillians Schrei wollte nicht enden. Ihre Arme und Beine wirbelten empor, während sie über das dünne Geländer kippte. Und Rafe, o mein Gott, was tat Rafe? Er wich vom Geländer zurück! Warum, in aller Welt, beugte er sich nicht hinüber? Warum fasste er nicht nach? Noch hätte er Gillian festhalten und zurückreißen können, aber er ging in die Knie und kam wieder hoch. Deana konnte nicht genau sehen, was er mit den Händen machte, doch es hatte den Anschein, als würde er Gillians Beine emporwerfen und … nachhelfen?

Sie stürzte in die Tiefe, die sie so fürchtete.

Ihr Schrei gellte anhaltend, verstärkte sich zwischen den Gebäudewänden und wurde lauter und schriller.

Deana wandte sich ab, schlug die Hände vor das Gesicht. Das Entsetzen packte sie wie mit einer eisigen Kralle. Der dumpfe Aufschlag, mit dem alles endete, setzte sich fort.

***

Erst nach einem Moment wurde Deana klar, dass es Schritte waren, die sie hörte. Anfangs klangen die Schritte eher weich wie von Kunststoffsohlen auf Beton oder Stein. Dann, als sie näher kamen, änderte sich das Geräusch; nun schien der Untergrund aus Holzplanken über einem Hohlraum zu bestehen. Deana erschrak von neuem. Sie selbst lag offenbar auf diesem Holzboden, denn das Rauschen, das sie zuvor schon wahrgenommen hatte, war jetzt direkt unter ihr, und es klang eindeutig hohl. Aber das Rauschen war auch über ihr, irgendwie hoch oben.

Ihr wurde unbehaglich zumute, und sie begann zu frösteln.

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