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Jerry Cotton - Folge 2886

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Die rätselhafte Waffe
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Die rätselhafte Waffe

»Hört sich schon geheimnisvoll an, das musst du zugeben«, sagte Joe Brandenburg zu seinem Partner Les Bedell. »Ein anonymer Informant, der uns beide sprechen möchte.«

»Die Tatsache, dass wir zweihundert Dollar mitbringen sollen, um ihn zu bezahlen, macht das Ganze weniger mysteriös«, erwiderte Les. »Ich hoffe nur, dass sich der Weg lohnt. Immerhin müssen wir die ganze Strecke bis nach Brooklyn fahren.«

Es war Punkt zehn, als sie die Adresse auf der Smith Street erreicht hatten. Beide stiegen aus und schauten sich um.

»Ganz schön ruhig«, bemerkte Joe.

»Um die Zeit kein Wunder«, bestätigte Les und fuhr sich mit der Hand durch das dunkle Haar. »Dann wollen wir mal. Ich glaube, da drüben sollen wir unseren Informanten treffen.«

Er zeigte auf eine Gasse zwischen zwei Gebäuden. Auf der linken Seite befand sich ein Wohnhaus, auf der rechten ebenfalls, wobei dies im Erdgeschoss ein Juweliergeschäft beherbergte.

Sie gingen auf die langgestreckte Gasse zu. Dort standen einige Mülltonnen herum, eine Lampe spendete spärliches Licht. Abgesehen von ein paar Holzlatten war nicht viel zu sehen.

»Niemand da«, meinte Joe und bewegte sich an der Seite seines Partners weiter in die Gasse hinein. »Das schmeckt mir nicht.«

»Wenn das nur ein Scherz war, dann kann der Anrufer was erleben«, meinte Les missmutig.

Auf einmal erschien am Ende der Gasse eine Gestalt. Ein junger Mann, schwarz. Viel mehr konnten die beiden auf die Entfernung nicht ausmachen. Der Mann blieb stehen und schaute in die Richtung der beiden Agents.

Dann ging plötzlich das Licht aus. Les und Joe reagierten sofort. Während Les zur Seite sprang und hinter einem Müllcontainer Deckung suchte, warf sich Joe zu Boden.

»Ihr verdammten Cops, jetzt erledige ich euch!«, rief eine Stimme.

Dann fielen zwei Schüsse.

Joe konnte das Mündungsfeuer sehen. Er zog seinen Smith & Wesson Dienstrevolver und reagierte fast automatisch. Zweimal drückte er ab. Nach dem zweiten Schuss hörte er einen Aufschrei. Offenbar hatte er getroffen.

Er änderte seine Position, die er durch die abgegebenen Schüsse preisgegeben hatte, und wartete.

»Hast du ihn erwischt?«, rief Les.

»Glaube schon«, antwortete Joe.

»Gut, ich rufe einen Krankenwagen«, sagte Les und griff zu seinem Handy.

Joe arbeitete sich währenddessen weiter. Er hörte das schwere Atmen einer Person, die am Boden lag. Aber es war zu dunkel, um etwas erkennen zu können.

Er sagte kein Wort, um nicht auf sich aufmerksam zu machen.

Dann hatte er den Mann erreicht, der am Boden lag. Er atmete flach.

Joe packte ihn an den Händen, um ihm seine Waffe wegzunehmen, doch der Mann hatte keine.

Wahrscheinlich hat er sie fallen lassen, dachte Joe und rief seinem Partner zu: »Ich habe ihn. Könnte Licht und einen Verbandskasten gebrauchen.«

Les rannte los, zum Dienstwagen.

»Wieso?«, flüsterte der blutende Mann, der vor Joe am Boden lag.

»Wieso was?«, fragte Joe.

»Wieso haben Sie auf mich geschossen?«, sagte der Mann.

»Na, warum wohl?«, sagte Joe. »Glauben Sie, ich lasse einfach auf mich schießen, ohne mich zur Wehr zu setzen?«

»Mir ist kalt«, flüsterte der Mann kraftlos, ohne auf Joes Worte einzugehen.

Kurz darauf kam Les und leuchtete mit einer Taschenlampe, die Waffe im Anschlag. »Hast du ihn schwer erwischt?«

»Keine Ahnung«, antwortete Joe. »Ohne Licht konnte ich nicht viel erkennen.«

Les leuchtete mit seiner Lampe den Körper des Getroffenen entlang. Aus der Brust, unweit des Herzens, quoll Blut hervor.

»Wir müssen die Blutung sofort stoppen«, sagte Joe und riss Les den Verbandskasten aus der Hand. Er schnappte sich ein paar Kompressen und drückte sie auf die Einschusswunde.

»Halten Sie das fest, damit Sie nicht noch mehr Blut verlieren«, sagte Joe zu dem Getroffenen.

Der versuchte der Anweisung nachzukommen und bewegte seinen rechten Arm langsam in Richtung seiner Brust. Dann hielt seine Bewegung inne und der Arm fiel zurück.

»Er hat das Bewusstsein verloren«, sagte Joe.

Les deutete auf das Blut auf dem Boden. »War vielleicht ein Durchschuss. Wir müssen ihn auf die Seite legen und auch die Austrittswunde verschließen.«

Er kniete nieder und half Joe, den Mann zu bewegen.

»Verdammt, ich hatte recht«, sagte Les. »Das sieht nicht gut aus.«

Am oberen Rücken war die Austrittswunde ganz deutlich zu sehen und sie war weitaus größer als die Stelle, an der das Projektil in den Brustkorb eingedrungen war.

»Verdammt, wie lange braucht der Krankenwagen noch?«, knurrte Joe.

Les arbeitete konzentriert. Er hatte Erfahrung mit Schusswunden. Erste Priorität war, die Blutung zu stoppen. Aber wahrscheinlich hatte die Kugel die Lunge getroffen, was die Sache verkomplizierte. Neben der Gefahr des Verblutens war jetzt auch noch die des Erstickens gegeben.

Nachdem Les die Wunde verschlossen hatte, schaute er sich den Mann an. Er atmete nicht mehr.

»Verdammt, der stirbt uns weg«, sagte er und legte ihn wieder auf den Rücken. »Wir versuchen ihn wiederzubeleben.«

Doch es war vergeblich. Der Mann war tot.

»Jetzt werden wir vielleicht nie erfahren, warum er auf uns geschossen hat«, sagte Joe.

»Mag sein«, erwiderte Les. »Wo hast du seine Waffe?«

»Habe keine gefunden«, erwiderte Joe. »Wahrscheinlich hat er sie fallen gelassen oder weggeworfen.«

Les suchte die Umgebung mit seiner Taschenlampe ab und kam dann wieder. »Nichts gefunden, keine Waffe.«

»Aber er hat doch geschossen, das hast du doch auch gesehen, oder?«, fragte Joe verwirrt.

»Gesehen und gehört«, erwiderte Les. »Aber wo ist die Waffe? Die kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben.«

In diesem Augenblick traf der Krankenwagen ein. Zwei Notärzte liefen auf die beiden Agents und den bewegungslosen Mann zu und machten sich an die Arbeit, während Joe und Les ein paar Schritte zurücktraten.

»Keine Chance, der hat sich verabschiedet«, sagte einer der Ärzte nach ein paar Minuten schließlich und schaute auf seine Uhr. »Zeitpunkt des Todes: zehn Uhr und achtzehn Minuten.«

»Das war’s dann wohl mit dem Feierabend«, meinte Joe verbittert. »Rufen wir im Field Office an und melden den Vorfall.«

***

»Sorry, wir konnten keine Waffe finden«, sagte Dr. Drakenhart von der Crime Scene Unit kühl. »Und ihr seid sicher, dass er auf euch geschossen hat?«

»Natürlich sind wir sicher«, fauchte Joe.

Innerlich ließ er die wenigen Sekunden, bevor er den Mann erschossen hatte, Revue passieren. Ja, er hatte gesehen, dass geschossen wurde. Mündungsfeuer. Und auch das dumpfe Knallen der Pistole, das durch die enge Gasse hallte.

»Dann müsst ihr euch eine gute Erklärung ausdenken – in der Gasse gibt es nicht die geringste Spur«, fuhr Dr. Drakenhart fort. »Und der Mann war sicher allein?«

»Wir haben nur ihn gesehen«, antwortete Les.

»Hinter der Stelle, an der er gestanden hat, führt eine Treppe zu einer Kellertür«, sagte Dr. Drakenhart. »Sie war abgeschlossen. Theoretisch wäre es möglich, dass dort jemand gestanden hat, aber wir haben keine Patronenhülsen gefunden.«

»Irgendwie muss er geschossen haben«, sagte Joe nur.

»Wir fahren besser zum Field Office und überlassen die Angelegenheit unseren Kollegen«, sagte Les. »Komm, Joe!«

Joe nickte wortlos. Die beiden gingen zu ihrem Dienstwagen und machten sich auf den Weg.

Eine Zeit lang schwiegen sie vor sich hin.

»Wir übersehen irgendetwas«, sagte Joe schließlich.

»Offensichtlich«, sagte Les. »Jemand hat auf uns geschossen und jetzt ist keine Waffe da. Das passt nicht zusammen.«

»Vielleicht will uns jemand reinlegen«, meinte Joe. »Schließlich sind wir zu dem Treffen gerufen worden. Noch dazu von einer anonymen Quelle.«

»Daran habe ich auch schon gedacht«, sagte Les. »Aber ohne Beweise sieht es trotzdem schlecht für uns aus.«

»Das weiß ich auch«, sagte Joe gereizt.

Er war müde. Am liebsten wäre er jetzt ins Bett gegangen. Aber das, was er gerade getan hatte, lastete wie ein schwerer Stein auf ihm und nahm seine Gedanken völlig in Beschlag. Keine Chance, sich zu entspannen.

»Das wird Konsequenzen haben«, sagte Joe.

Les nickte. »Ja, das wird es.«

Als die beiden das Field Office erreicht hatten, stiegen sie aus und gingen zuerst zum Büro von Mr High.

»Guten Abend, Sir«, begrüßte Les Mr. High.

»Guten Abend«, sagte Joe leise.

Mr High nickte und bat die beiden Agents Platz zu nehmen. »Wie mir berichtet wurde, gab es eine Schießerei mit einem Toten.«

»Das ist richtig, Sir«, sagte Les.

»Schildern Sie mir bitte den Hergang dessen, was passiert ist«, sagte Mr High.

Les informierte ihn über alle Details, angefangen mit dem anonymen Tipp bis hin zu der Tatsache, dass der Mann gestorben war und keine Waffe gefunden werden konnte.

»Das hört sich nicht gut an«, sagte Mr High nachdenklich.

Er wusste, dass das Schwierigkeiten geben würde.

»Wir werden in diesem Fall gemäß unseren offiziellen Richtlinien vorgehen«, sagte er. »Ein Agent der internen Ermittlung wird die Sache untersuchen. Ich möchte, dass Sie beide heute einen Bericht schreiben, diesen aber noch nicht einreichen. Das wird Ihnen helfen, die Sache auszusortieren. Schlafen Sie eine Nacht drüber, gehen Sie den Bericht morgen noch einmal durch und melden Sie sich dann bei mir. Und schlafen Sie aus. Morgen wird ein harter Tag werden. Ich erwarte Sie um zehn in meinem Büro.«

»Geht klar, Sir«, sagte Les.

Joe nickte zustimmend.

Die beiden Agents verließen Mr Highs Büro.

»Er hat recht, das wird ein harter Tag morgen, die Interne wird uns durch die Mangel drehen«, sagte Joe.

»Ja, davon ist auszugehen«, erwiderte Les. »Schreiben wir unseren Bericht, dann fahre ich dich nach Hause.«

***

Als ich am nächsten Morgen erwachte, ahnte ich noch nicht, was mir der neue Tag bringen würde. Phil und ich hatten unseren letzten Fall vor drei Tagen abgeschlossen und uns beim FBI um interne Angelegenheiten gekümmert. Unter anderem hatten wir zwei frischgebackene Agents, die gerade die Ausbildung in Quantico abgeschlossen hatten, in New York herumgeführt und ihnen Insider-Informationen bezüglich ihres neuen Einsatzgebiets zukommen lassen. Nach den Fällen der letzten Monate war das eine Wohltat.

Als ich mit dem Jaguar zum Treffpunkt mit Phil fuhr, musste ich die Klimaanlage anstellen. In der Tiefgarage war es angenehm kühl gewesen, aber auf der Straße, unter direkter Sonneneinstrahlung, wurde es schnell warm.

Als ich den Wagen geparkt hatte, verließ Phil das Café, kam zum Wagen und stieg ein.

»Ein Hammerwetter, nicht wahr?«, begrüßte er mich freudestrahlend.

»Könnte kaum besser sein«, sagte ich. »Zumindest nicht für Strandurlauber. Für meinen Geschmack wären ein paar Grad weniger auch nicht schlecht.«

Ich war gerade um die Kurve herumgefahren, als mir etwas ins Auge fiel.

»Moment mal«, sagte ich und hielt an. »Hast du das auch gesehen? Die Überschrift der Zeitung?«

»Nein, aber wenn du willst, hole ich dir eine Zeitung. Worum ging es denn?«

»Irgendwas mit FBI«, sagte ich.

Phil nickte, stieg aus und kam kurz darauf mit zwei Tageszeitungen wieder.

»Verdammt, das sieht nicht gut aus«, sagte er und zeigte mir die Titelseite der ersten Zeitung.

FBI-Agents töten Unschuldigen, war dort zu lesen.

Genau wie Phil überflog ich den Artikel. Gemäß dem, was dort stand, hatten zwei FBI-Agents am gestrigen Abend in Brooklyn einen Schwarzen namens Mike Kwath erschossen. Die Namen der Agents wurden nicht genannt.

In der anderen Zeitung war ein ähnlicher Artikel zu finden, allerdings war der weniger sachlich. Die Arbeit des FBI wurde generell in den Schmutz gezogen.

»Und für solche Leute riskieren wir täglich unser Leben«, fluchte Phil.

»Dahinter stecken nur einige wenige, das ist nicht die Meinung der Bevölkerung«, sagte ich.

»Kann es aber werden, wenn die Medien dem Mann auf der Straße solche Informationen einhämmern«, konterte Phil.

Er hatte recht. Hinter dem Artikel steckten nur ein paar Leute. Aber die beeinflussten die Meinung vieler.

»Wir sollten Mister High informieren«, sagte Phil. »Er muss das wissen. Wahrscheinlich kann er uns sagen, was tatsächlich vorgefallen ist.«

»Das kann er bestimmt«, sagte ich und fuhr los.

Es hatte schon viele Schmutzkampagnen gegen das FBI oder einzelne Agents gegeben. In der Regel hatten sie eines gemeinsam: Sie machten unsere Arbeit schwieriger.

***

Als wir Mr Highs Büro erreicht hatten, sagte uns Helens Stimmung, dass die Situation ernst war. Sie unterließ es zu scherzen und begrüßte uns ungewohnt förmlich. Die Tür zu Mr Highs Büro war zu.

»Dicke Luft?«, fragte Phil nach der kurzen Begrüßung.

»Das kann man sagen«, antwortete sie. »Aus Washington ist einer von der internen Ermittlung eingetroffen. Ein Jonathan Donnaough. Macht einen ziemlich kühlen und unnahbaren Eindruck. Gefällt mir irgendwie nicht. Hoffentlich will er an Joe und Les kein Exempel statuieren.«

»Joe und Les?«, fragte ich überrascht. »Sind sie die beiden Agents, die auf den Mann in Brooklyn geschossen haben?«

Helen nickte. »Ja, ziemlich unangenehme Sache. In Joes Haut möchte ich jetzt nicht stecken.«

»Und wie kommen die Zeitungen darauf, dass das Opfer unschuldig war? Joe und Les sind erfahrene Agents. Die schießen nicht ohne Grund«, sagte Phil.

»Das solltet ihr besser mit Mister High klären«, erwiderte Helen. »Ich weiß auch nicht alle Details. Aber wie es scheint, hatte der Mann, auf den Joe geschossen hatte, keine Waffe.«

»Keine Waffe?«, fragte ich überrascht. »Wenn Joe zur Waffe greift, hätte ich auf Notwehr getippt. Bin gespannt, was da vorgefallen ist. Vielleicht war’s ein Unfall.«

Da Mr High nicht gestört werden wollte, warteten Phil und ich vor seinem Büro. Helen schenkte uns freundlicherweise einen Kaffee ein, aber die aktuelle Situation trübte den Genuss.

»Wir sollten mit den beiden reden und uns ihre Version anhören«, schlug Phil vor.

»Ja, schauen wir in ihrem Büro vorbei«, sagte ich und wollte gerade losgehen, als Helen mich zurückhielt.

»Die beiden sind noch nicht da«, sagte sie. »Mister High hat ihnen aufgetragen, sich auszuruhen und etwas später reinzukommen.«

»Dann warten wir hier«, sagte ich. »Wie lange ist dieser Donnaough schon drin?«

Helen kam nicht mehr dazu zu antworten. Die Bürotür öffnete sich und ein gutaussehender, durchtrainierter Mann trat heraus. Er wirkte kühl – wie Helen ihn beschrieben hatte.

Ohne zu grüßen ging er an uns vorbei.

Mr High trat aus seinem Büro heraus, bemerkte uns, gab Helen ein paar Anweisungen und bat uns dann herein. Er hatte einen ziemlich ernsten Gesichtsausdruck.

Auf seinem Schreibtisch befand sich ein Stapel Zeitungen.

»Dann brauchen wir die hier wohl nicht«, sagte ich und deutete auf die beiden Zeitungen, die ich dabeihatte.

Mr High schüttelte den Kopf. »Nein, ich bin bereits im Bilde.«

»Das sieht nicht gut aus«, sagte Phil, nachdem er sich gesetzt hatte.

»Nein, ganz und gar nicht«, bestätigte Mr High.

»Können Sie uns sagen, was sich gestern Abend wirklich zugetragen hat?«, fragte ich.

»Natürlich«, antwortete er und schilderte uns die Geschehnisse gemäß dem aktuellen Erkenntnisstand.

»Keine Waffe? Das ist wirklich eine ziemlich unangenehme Situation«, sagte ich. »Kein Wunder, dass Washington direkt einen Agent geschickt hat, um die Sache zu untersuchen.«

»Das hätten wir auch intern erledigen können«, meinte Phil.

»Sicher, das hätten wir«, sagte Mr High. »Aber die Sache hat ganz schön Wellen geschlagen. Und ein paar hohe Tiere machen sich Sorgen. Es geht um die Erweiterung des FBI-Etats. Durch solche Presse wird das Vorhaben natürlich direkt torpediert.«

Ich schaute auf. »Meinen Sie, das wurde arrangiert?«

»Keine Ahnung«, antwortete er. »Im Moment weiß ich, dass uns zu wenig Daten vorliegen, um eine endgültige Schlussfolgerung zu ziehen. Und dass ein interner Ermittler aus Washington versuchen wird, zwei unserer besten Agents aus dem Verkehr zu ziehen.«

»Was?«, rief Phil protestierend aus. »Das kann der Typ doch nicht machen!«

»Doch, er kann«, sagte Mr High ruhig. »Zumindest wenn es die Beweislage zulässt. Und im Moment sieht es für die beiden nicht gut aus. Insbesondere für Joe, der geschossen hat.«

»Sir, das dürfen wir nicht zulassen«, sagte ich.

»Natürlich nicht«, sagte Mr High. »Aber wir müssen geschickt vorgehen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass wir dem internen Ermittler Steine in den Weg legen oder ihn beeinflussen würden. Wir müssen ihn seinen Job machen lassen. Aber das hindert uns natürlich nicht daran, unseren Job zu erledigen.«

»Natürlich nicht, Sir«, sagte ich.

Mr High beugte sich nach vorne. »Donnaough will der Erste sein, der mit den beiden redet, wenn sie hier ankommen. Das ist sein gutes Recht. Danach sollten Sie mit ihnen sprechen, um den Verlauf der Ereignisse von ihnen selbst zu hören.«

»Wird erledigt, Sir«, sagte ich. »In der Zwischenzeit werden wir uns mit den Nachrichten der Medien beschäftigen. Vielleicht ist Material dabei, mit dem wir arbeiten können, Nennung von Zeugen etc.«

Mr High nickte. Wir beendeten das Meeting und verließen sein Büro.

Helen schaute uns erwartungsvoll an.

»Wir bringen das schon wieder ins Lot«, sagte ich, um sie zu beruhigen.

***

Da Joe und Les erst um zehn zum Field Office kommen und zuerst von Donnaough verhört werden sollten, blieb Phil und mir Zeit, im Internet zu recherchieren. Wir suchten alle Artikel, Fotos und sonstigen Berichte, die mit der Angelegenheit zu tun hatten, zusammen. Und das war nicht wenig.

»Die geben sich richtig Mühe, unsere Kollegen schlecht aussehen zu lassen«, meinte Phil gereizt.

»In der Tat«, bestätigte ich. »Schlechte Nachrichten steigern eben die Auflage. Und FBI-Agents, die einen vermeintlich Unschuldigen erschießen – das ist doch für die Medien ein gefundenes Fressen.«

»Ja, stimmt. Mal sehen, ob die Crime Scene Unit uns schon den abschließenden ...

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