Logo weiterlesen.de
Jerry Cotton - Folge 2884

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Im Netz der Spinne
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Im Netz der Spinne

Die dreijährige Lucy Bradshaw legte den Kopf in den Nacken und zeigte begeistert auf das Luftschiff hoch über den Wolkenkratzerspitzen. Das Kind blieb wie angewurzelt stehen. Und das war Luisa Rodriguez gar nicht recht.

»Komm endlich weiter, Schatz«, sagte das Kindermädchen tadelnd zu ihrem Schützling. »Hast du denn gar keinen Hunger?«

Plötzlich ertönte ein lauter Knall.

Luisa Rodriguez schrie auf und fiel auf den Gehweg. Ein großer dunkler Wagen fuhr an die Bordsteinkante. Ein Mann stieg aus, hob das kleine Mädchen vom Boden hoch und zerrte es in das Auto. Das Fahrzeug raste los. Passanten schrien erschrocken auf.

Denn die sich rasch ausbreitende Flüssigkeit unter dem Körper des Kindermädchens war eindeutig Blut.

Die Nachricht von Lucy Bradshaws Kidnapping traf Phil und mich wie ein Hammerschlag.

Das Kind war nämlich bereits das dritte Entführungsopfer innerhalb einer Woche. Vor zwei beziehungsweise vier Tagen waren der kleine Samuel Jackson und sein Freund Eric Stanwell von unbekannten Tätern verschleppt worden. Das FBI hatte die Ermittlungen an sich gezogen. Unser Chef, Assistant Director High, betraute meinen Partner und mich mit der Klärung des Falles.

Und während Phil und ich bereits unter Hochdruck nach den Tätern fahndeten, schlugen sie zum dritten Mal zu.

Diesmal hatten die Kidnapper Gewalt angewendet, das war neu. Sofort nachdem die Meldung von Lucys Verschwinden in der FBI-Funkzentrale eingegangen war, rasten Phil und ich zum Tatort.

Die Cops hatten Midtown Manhattan bereits großräumig abgesperrt und durchkämmten die Straßen mit Patrolcars. Aber ich zweifelte daran, dass die Entführer den NYPD-Kollegen ins Netz gehen würden. Es gab in der Nähe des Tatorts unzählige Möglichkeiten, unauffällig das Fahrzeug zu wechseln. Wenn das Kind betäubt worden war, würde es auch nicht schreien oder weinen. Dann waren die Chancen, dass Passanten aufmerksam wurden, gleich null.

Phil saß auf dem Beifahrersitz meines roten Jaguar-E-Hybriden, während wir mit heulender Sirene und blinkendem Rotlicht Richtung Central Park West Avenue jagten. Seiner Stimme waren die Unzufriedenheit und die Anspannung deutlich anzuhören.

»So ein verfluchter Mist, Jerry. Das hätte nicht passieren dürfen. Geht Lucy etwa auch in diese Vorschule Clever Kids

»Das steht noch nicht fest. Aber das Kind ist nur einen Steinwurf vom Schulgebäude entfernt gekidnappt worden. Daher spricht einiges dafür. Wir müssen abwarten, bis wir die Fakten haben.«

»Ich weiß«, seufzte Phil. »Aber erklär das mal den besorgten Eltern.«

Es ist immer schlimm, wenn ein Kind entführt wird. So ein Verbrechen lässt auch erfahrene G-men wie uns nicht kalt. Doch wir durften uns von unseren Gefühlen nicht aus der Bahn werfen lassen. Wir konnten den Kindern und ihren Eltern am besten helfen, indem wir professionell ermittelten.

Doch das war leichter gesagt als getan.

Schon nach dem Kidnapping von Samuel Jackson hatten sich die Medienvertreter New Yorks wie Aasgeier auf den Fall gestürzt. Selbsternannte Experten wurden im TV interviewt, die mit ihren haltlosen Behauptungen die Verwandten des kleinen Jungen nur noch nervöser machten. Leider ist die Stimme der Vernunft immer leiser als die der Hysterie.

Samuel Jackson war von dem bewachten und umzäunten Spielplatz der Clever Kids-Vorschule verschleppt worden. Zwei Tage später drangen Täter in das Elternhaus seines Freundes Eric Stanwell ein. Sie entführten den Dreijährigen, nachdem sie die Alarmanlage unschädlich gemacht hatten.

Und Lucy Bradshaw war offenbar auf offener Straße entführt worden, wobei ihre Kinderfrau eiskalt niedergeschossen wurde. Weitere Informationen hatten wir noch nicht vorliegen. Aber das Verbrechen war erst vor kurzem geschehen, und das war gut für uns. Je unmittelbarer wir ermitteln konnten, desto besser standen unsere Chancen.

Schon von weitem erblickte ich die geparkten Patrolcars und das gelbe Absperrband. Uniformierte Cops hatten alle Hände voll zu tun, um die Gaffer und die Medienmeute zurückzuhalten. Ich stellte meinen roten Boliden hinter einem Einsatzfahrzeug ab. Phil und ich stiegen aus. Wir hatten unsere FBI-Marken bereits an unseren Jacketts befestigt.

Ein junger rothaariger Officer hob für uns das Trassierband. Spezialisten von der Scientific Research Division in ihren weißen Overalls untersuchten bereits den Tatort. Der große Blutfleck war nicht zu übersehen.

Detective Aaron Grimsby und Detective Harris Bronson erwarteten uns schon. Sie waren vom zuständigen Precinct Midtown North.

Der grauhaarige Aaron Grimsby und sein afroamerikanischer Partner Harris Bronson gaben Phil und mir die Hand. Dann lieferte der Detective uns die Fakten.

»Vor 37 Minuten gingen mehrere Notrufe in unserer Alarmzentrale ein. Es wurden Schüsse an der Central Park West Avenue gemeldet. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir ein Patrolcar vor Ort. Unsere uniformierten Kollegen bemerkten, dass das angeschossene Opfer noch lebte. Die Frau wurde sofort mit einer Ambulanz ins Bellevue Hospital gebracht. Dort wird sie zurzeit operiert.«

»Laut Zeugenaussagen heißt die Frau Luisa Rodriguez«, ergänzte Harris Bronson. »Sie ist von Beruf Kinderfrau. Von den Zeugen haben wir auch erfahren, dass die in Miss Rodriguez’ Begleitung befindliche kleine Lucy Bradshaw entführt wurde. Wir haben sofort eine Großfahndung ausgelöst und euch verständigt. Es wurden Straßensperren errichtet. Der Verkehr in Midtown wird für ein paar Stunden zusammenbrechen. Aber unsere Leute lassen kein Auto aus dem abgesperrten Bezirk, ohne es genau überprüft zu haben. Wenn ein Kind in einem Wagen sitzt, dann werden wir auf jeden Fall seine Identität checken.«

Ich nickte dem NYPD-Kollegen zu.

»Gibt es nähere Angaben zu dem Kidnapping? Wie viele Täter gab es? Auf welche Art wurde Lucy verschleppt?«

»Offenbar hat ein Mann sie in ein dunkles Auto gerissen, nachdem das Kindermädchen niedergeschossen wurde«, erklärte der schwarze Detective. »Die Zeugenaussagen sind allerdings widersprüchlich, was den Wagentyp und die Farbe angeht. Manche Leute wollen einen SUV gesehen haben, andere meinen, Lucy wäre in einem Kombi oder einem Van entführt worden. Der Mann, der sie packte, trug schwarze Kleidung. Darin sind sich alle einig. Doch zu seiner Hautfarbe oder Statur gibt es keine zuverlässigen Angaben. Er könnte ein Weißer oder ein Asiate sein, ein Latino oder ein Schwarzer – groß, klein, dick oder dünn.«

»Wir können nur hoffen, dass das angeschossene Kindermädchen den Täter gesehen hat«, meinte Phil. Und er fügte bitter hinzu: »Vorausgesetzt, sie kommt durch.«

Wir baten die NYPD-Detectives, mit den Zeugenbefragungen weiterzumachen. Dann entdeckte ich zwischen den Schaulustigen ein bekanntes Gesicht. Sally White arbeitete als Erzieherin in der Luxus-Vorschule Clever Kids.

Wir hatten sie schon im Zusammenhang mit den Entführungen von Sam und Eric befragt. Ich bat einen Uniformierten, das Absperrband für sie zu heben. Im nächsten Moment stand die zierliche junge Frau mir gegenüber. Sie kämpfte mit den Tränen und wirkte ziemlich aufgelöst.

»Hallo, Miss White. Haben Sie gesehen, was passiert ist?«

»Gesehen? Nein, aber ich habe den Schuss gehört, Agent Cotton. Ich war gerade mit meiner Schicht fertig und wollte Feierabend machen. Es ist noch keine Stunde her, da habe ich die kleine Lucy dem Kindermädchen übergeben. Luisa Rodriguez wollte mit Lucy zu Fuß nach Hause gehen. Die Eltern des Kindes wohnen ja nur einen Block von hier entfernt.«

Ich machte mir Notizen.

»Wurde Lucy stets von dem Kindermädchen abgeholt?«

»Ja, Eileen und Bruce Bradshaw sind beide berufstätig. Luisa Rodriguez kümmert sich um die Kleine, bis die Mutter nachmittags nach Hause kommt. Ich kann immer noch nicht begreifen, dass so etwas Schreckliches hier passiert ist. Zum Glück gelang es uns, die Kinder abzuschirmen. Sie haben nicht mit ansehen müssen, wie Luisa in ihrem Blut lag.«

»Was haben Sie getan, nachdem Sie den Schuss gehört haben, Miss White?«

»Ich bin hinaus auf den Gehweg gerannt, Agent Cotton. Da sah ich noch, wie ein schwarzer SUV Richtung Downtown raste. Und Luisa lag auf dem Bürgersteig. Ich habe sofort den Notruf gewählt. Wenige Minuten später sind dann auch schon die Cops eingetroffen.«

Das wusste ich bereits. Ich hakte nach.

»Wirkte Luisa Rodriguez heute verändert? Machte sie einen nervösen Eindruck? Oder haben Sie fremde Personen in der Nähe der Vorschule herumschleichen sehen?«

»Nein, Agent. Das gesamte Personal der Vorschule achtet sehr stark auf Verdächtige, seit der kleine Sam und sein Freund Eric verschleppt wurden. Miss Banks hat sogar einen privaten Sicherheitsdienst engagiert.«

Patricia Banks war die Leiterin der Vorschule. Phil und ich hatten sie ebenfalls bereits kennengelernt. Während ich mir noch die Angaben der Erzieherin notierte, ertönte plötzlich eine glockenhelle Stimme links neben mir.

»Das FBI tappt also nach wie vor im Dunkeln. Was tun Sie, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten, Agent Cotton?«

Ich drehte den Kopf. Unmittelbar neben mir stand die TV-Reporterin Liz O’Neill nebst ihrem Kameramann. Ich fragte mich, wie dieses saubere Duo die Polizeiabsperrung hatte überwinden können. Liz O’Neill war mir schon nach dem Kidnapping von Samuel Jackson und Eric Stanwell gewaltig auf den Wecker gegangen. Die ehrgeizige Jungreporterin mit der rotblonden Fransenfrisur und den leuchtenden grünen Augen war zweifellos eine hübsche Lady. Aber sie wollte offenbar um jeden Preis eine Sensationsstory aus diesem Fall machen.

»Das FBI tappt nicht im Dunkeln«, knurrte ich. »Lassen Sie uns einfach nur unsere Arbeit machen, okay?«

»Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf die Wahrheit«, sagte Liz O’Neill theatralisch. »Ist überhaupt gesichert, dass die Kinder noch leben?«

Zorn stieg in mir auf. Es gab nicht den geringsten Beweis dafür, dass den Opfern etwas angetan worden war. Mit ihren wilden Spekulationen verstärkte Liz O’Neill allenfalls die Verzweiflung der Angehörigen, um ihre Einschaltquote in die Höhe zu treiben. Doch ich wollte ihr nicht zeigen, wie wütend ich war. Also gab ich ihr die Antwort, mit der ich sie am meisten ärgern konnte.

»Wenden Sie sich an die FBI-Pressestelle.«

Mit diesen Worten drehte ich ihr den Rücken zu und ließ sie stehen. Außerdem gab ich zwei uniformierten Cops ein Zeichen. Es gelang den Officers, die aufdringliche Reporterin und ihren Kameramann hinter die Absperrungslinie zu drängen.

Phil hatte alles mitbekommen, während er Aaron Grimsby und Harris Bronson bei der Befragung der übrigen Zeugen geholfen hatte.

»Das war doch gerade Liz O’Neill, nicht wahr? Ich wollte dir schon beistehen, aber du bist mit der Nervensäge offenbar allein fertiggeworden.«

Ich nickte.

»Die Reporterin ist momentan meine geringste Sorge. Wir müssen jetzt mit den Eltern des entführten Mädchens sprechen.«

»Ja, die Detectives haben sowohl die Mutter als auch den Vater verständigt. Sie wollten hierher kommen, aber hier gibt es außer dem Blutfleck ja nichts zu sehen. Harris Bronson konnte sie dazu überreden, in ihrem Haus auf uns zu warten. Er sagte ihnen, dass wir gleich kommen werden.«

Auch wir konnten am Tatort momentan nichts mehr ausrichten. Die Spezialisten von der Scientific Research Division suchten immer noch nach dem Projektil, das offenbar nicht in Luisa Rodriguez’ Körper stecken geblieben war. Falls sie das Beweisstück fanden, lieferte es uns wichtige Rückschlüsse auf die Tatwaffe.

***

Phil und ich verabschiedeten uns von den Detectives und fuhren zu den Eltern des gekidnappten Kindes. Die Familie lebte in einem Penthouse mit Traumblick auf den Central Park. Der Doorman in dem bewachten Apartmenthaus meldete uns an.

Die Eltern reagierten sehr unterschiedlich auf die Hiobsbotschaft.

Während Eileen Bradshaw in Tränen aufgelöst war, bebte ihr Mann vor Zorn. Und seine Wut richtete sich momentan hauptsächlich gegen Phil und mich.

»Was tut das FBI, um uns zu schützen?«, schrie er uns unbeherrscht an. Ich schaute ihm direkt ins Gesicht.

»Ich bin Agent Jerry Cotton vom FBI New York. Das ist Agent Phil Decker. – Mister Bradshaw, wir können Ihre Aufregung gut verstehen. Aber Sie helfen Ihrer Tochter nicht, indem Sie jetzt die Nerven verlieren.«

»Sagen Sie mir nicht, was ich zu tun habe«, wütete der Vater des entführten Kindes. »Wissen Sie überhaupt, wen Sie vor sich haben? Ich bin ein einflussreicher Mann, ich kenne wichtige Persönlichkeiten im Umfeld des Bürgermeisters und des Gouverneurs.«

»Beruhige dich doch, Bruce«, sagte Eileen Bradshaw, während sie ihre Tränen trocknete. »Die Agents tun gewiss, was sie können.«

»Mag sein, aber das ist nicht genug«, zischte Bruce Bradshaw. Doch immerhin ließ er uns eintreten und beruhigte sich so weit, dass wir halbwegs normal mit dem Ehepaar reden konnten.

Das Gespräch fand in dem großzügig geschnittenen Wohnsalon statt. Eileen Bradshaw arbeitete als angestellte Innenarchitektin, ihr Mann war Investmentbanker. Beide sahen attraktiv aus und waren Ende dreißig. Lucy war ihr einziges Kind.

»Noch ist nicht sicher, ob es einen Zusammenhang mit den Entführungen von Samuel Jackson und Eric Stanwell gibt«, stellte ich klar. »Wir müssen deshalb in alle Richtungen ermitteln. Haben Sie persönliche Feinde? Gibt es berufliche Rivalen, denen Sie eine solche Tat zutrauen würden?«

Bruce Bradshaw zuckte genervt mit den Schultern.

»Meine Branche ist ein Haifischbecken, Agent Cotton. Da wird mit harten Bandagen gekämpft, und der Erfolg hat viele Neider. Aber ich habe keinen bestimmten Feind, dem ich eine solche Tat zutrauen würde.«

Ich nickte. Mir war nicht entgangen, dass die besorgte Mutter der entführten Dreijährigen in tiefe Nachdenklichkeit verfallen war.

»Und was ist mit Ihnen, Mistress Bradshaw?«

Eileen Bradshaw nagte an ihrer Unterlippe. Meine Diensterfahrung sagte mir, dass sie mit sich selbst kämpfte. Nach einigen Minuten öffnete sie den Mund.

»Es gab da mal einen Mann … der mich verfolgt hat.«

»Sie sprechen von einem Stalker?«, vergewisserte ich mich. Die Ehefrau nickte stumm. Aber ihr Mann explodierte wie eine Bombe.

»Wann war das? Warum weiß ich davon nichts?«

»Es ist Jahre her, Bruce. Wir waren damals noch verlobt. Dieser Kerl ist mir überall nachgeschlichen. Ich habe schließlich die Cops verständigt, dann hörte es auf. Ich wollte diesen Alptraum nur noch vergessen. Und ich habe es dir verschwiegen, weil ich dich nicht aufregen wollte.«

Der Vater des entführten Kindes war wirklich sehr temperamentvoll. Sein Kopf hatte die Farbe eines gekochten Krebses angenommen, auf seiner Stirn pulsierte die Zornesader. Mit Bruce Bradshaw war zweifellos nicht gut Kirschen essen, wenn er zornig wurde. Seine Ehefrau wollte offenbar jedes Thema vermeiden, das ihn wütend machen konnte.

Ich wandte mich wieder an Eileen Bradshaw.

»Erinnern Sie sich noch an den Namen dieses Stalkers?«

»Er hieß Jack Harlan, glaube ich.«

»Worauf warten Sie noch, Agent?«, fuhr Bruce Bradshaw mich an. »Es ist doch klar, dass dieser Dreckskerl sich an uns rächen will, weil meine Frau ihn damals angezeigt hat. Warum verhaften Sie ihn nicht endlich, anstatt hier herumzustehen? Wofür bezahle ich überhaupt Steuern?«

»Wir gehen allen Hinweisen nach«, sagte ich ruhig. »Ich schlage vor, dass Sie sich zunächst beruhigen. Bitte informieren Sie uns umgehend, falls sich die Kidnapper telefonisch bei Ihnen melden.«

Bruce Bradshaw tigerte unruhig hin und her und lockerte seine Krawatte. Er murmelte etwas vor sich hin, das garantiert keine Freundlichkeit war. Ich bat die Eltern um ein aktuelles Foto von Lucy. Eileen Bradshaw gab mir eine Aufnahme, die ein lachendes blondes Mädchen mit Sommersprossen zeigte. Bruce Bradshaw starrte nun düster aus dem Fenster und würdigte uns keines Blickes mehr. Seine Frau begleitete Phil und mich zur Tür.

»Bruce ist krank vor Sorge«, erklärte sie. »Das ist eben seine Art, es zu zeigen.«

Ich nickte ihr zu.

»Wir werden alles tun, damit Lucy bald wieder unversehrt zu Ihnen zurückgebracht wird, Mistress Bradshaw.«

***

Phil und ich fuhren zunächst zur Federal Plaza zurück. Unsere blonde Kollegin June Clark und ihr schwarzer Dienstpartner Blair Duvall unterstützten uns bei den Ermittlungen. Wir hatten sie schon nach den ersten beiden Entführungen gebeten, die Alibis der registrierten Sexualstraftäter von Midtown Manhattan zu überprüfen. Wir mussten diese Möglichkeit ebenfalls in Erwägung ziehen, auch wenn sie besonders widerwärtig war.

»Die Perversen halten die Füße still«, meinte June Clark. »Bisher konnten wir bei jedem von ihnen checken, wo sie zur Tatzeit der beiden ersten Kidnappings waren. Keiner von ihnen befand sich auch nur in der Nähe der Vorschule, so viel steht fest. Aber wir haben schon gehört, dass nun ein drittes Kind entführt wurde. Wir können praktisch wieder von vorn anfangen.«

»Wenn einer von denen etwas damit zu tun hat, finden wir es heraus«, versprach Junes hünenhafter Dienstpartner Blair Duvall grimmig. Natürlich hofften wir alle, dass Lucy, Eric und Samuel nicht in die Hände von Kinderschändern gefallen waren. Doch als FBI-Agents mussten wir uns an die Fakten halten, auch wenn diese noch so unangenehm waren.

»Mister High möchte euch übrigens sprechen«, rief June Clark uns nach, als wir das Office unserer Kollegen verließen. Phil und ich hatten ohnehin vorgehabt, mit dem Chef unsere weiteren Ermittlungen abzustimmen.

Helen schien uns unsere Anspannung anzusehen, als wir das Vorzimmer des Assistant Director betraten.

»Mister High hat gerade ein Telefonat beendet, ihr könnt sofort zu ihm gehen«, sagte die hübsche dunkelhaarige Sekretärin. Auch Helen wusste natürlich, mit was für einem brisanten Fall wir uns momentan befassen mussten.

Wir betraten das Chefbüro.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Jerry Cotton - Folge 2884" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen