Logo weiterlesen.de
Jerry Cotton - Folge 2878

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Saat der Lüge
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Saat der Lüge

Aus den Mundwinkeln des Toten rann dünnflüssiger Speichel.

Er packte den Leichnam unter den Achseln, schleifte ihn durch die zerbrochenen Reagenzgläser und lehnte ihn mit dem Rücken gegen die Schranktür. Die blutgetränkten Haare beschmierten ihm die Handschuhe.

Mit einem kräftigen Ruck öffnete er den Verschluss des Benzinkanisters. Der beißende Geruch des Treibstoffs fuhr ihm in die Nase.

Er leerte zwei Drittel des Kanisters über der Leiche aus und verteilte den Rest über den Boden des Vans. Als der Kanister leer war, schleuderte er ihn nach vorn in die Fahrerkabine.

Dann streifte er die Handschuhe ab, warf sie zu dem Toten und griff nach seinem Feuerzeug.

Der ausgebrannte Van, in dem man das Mordopfer gefunden hatte, stand auf einem zubetonierten Eckgrundstück in der nördlichen Bronx. Ein rostiger Maschendrahtzahn umgab die Betonfläche, vor der bereits das schwarz-gelbe Absperrband der SRD-Einheit flatterte. Wir parkten den Jaguar einen halben Block entfernt, um die Arbeit der NYPD-Kollegen nicht zu stören.

Der diensthabende Officer war ein kräftiger Mittvierziger, der ebenso gut in ein Profi-Footballteam oder eine Feuerwache gepasst hätte. Er fing uns auf halbem Wege ab und begleitete uns zum Tatort.

»Chris Russell vom 48. Revier«, stellte er sich vor. Er schüttelte Phil und mir die Hand und kam umgehend auf den Mord zu sprechen. »Der Name des Toten ist Bill Carney. Er ist Angestellter eines Agrarinstituts, das in Midtown ein Büro unterhält. Seine Frau hat ihn in der Nacht als vermisst gemeldet.«

Wir bogen um die Ecke des Blocks und betraten das Grundstück. Der Transporter stank nach verschmortem Plastik und war mit Ruß und Asche bedeckt. Die hinteren Türen standen offen. Ein Spezialist des SRD, der mit Mundmaske und Schutzanzug bekleidet war, gab Russell ein Handzeichen.

Der Officer nickte.

»Das SRD-Team hat die Arbeit beendet. Sie können sich umschauen, wenn Sie wollen.« Er verzog angewidert das Gesicht. »Aber ich warne Sie, Carney ist kein hübscher Anblick.«

Mein Blick fiel auf die vier großen Buchstaben, die auf der verkohlten Seitenwand des Vans zu erkennen waren: OFCA.

»Wissen Sie, wem das Fahrzeug gehört? Gibt es eine Verbindung zu Carney?«

Der NYPD-Cop stemmte die Arme in die Hüften und blickte auf den Van.

»Ein Dienstfahrzeug«, meinte er. »Eigentümer ist die Organic Farmers Certification Alliance. Die Gesellschaft, für die Carney arbeitete. Der Transporter war bis unter das Dach mit Laborequipment beladen.«

»Laborausrüstung?«, fragte ich. »Dann könnte es ein Unfall gewesen sein?«

Russell schüttelte den Kopf. Er beobachtete die Männer der SRD, die sich aus ihren Anzügen schälten.

»Keine der Chemikalien, die wir im Van gefunden haben, hätte eine Explosion hervorrufen können. Der Brand ist durch Benzin ausgelöst worden. Unter dem Lenkrad lag ein verschmorter Plastikkanister.«

»Und Carney?«, schaltete sich Phil ebenfalls ein. »Ist er durch den Brand zu Tode gekommen? Oder starb er, bevor das Feuer ausbrach?«

»Die SRD geht davon aus, dass er schon tot war«, klärte Russell uns auf. Er blätterte in den Papieren, die er in der Hand hielt. »Das Revier hat einen vorläufigen Bericht zusammengestellt, in dem Sie alles finden. Die OFCA hat uns außerdem Informationen zur Ausstattung des Transporters gefaxt.«

Er gab die Papiere an Phil weiter und verabschiedete sich.

»Sehen Sie sich um, solange Sie wollen. Der Tatort wird erst geräumt, wenn Sie uns Ihr Okay geben.«

Ich dankte Russell und ging mit Phil zu dem nach Rauch und verbranntem Kunststoff riechenden Autowrack.

»Was denkst du?«, fragte ich, als wir uns den geöffneten Hecktüren des Vans näherten. »Wer bringt den Angestellten eines Agrarverbands um?«

Phil ging das Tagesprotokoll des NYPD-Reviers durch. Er studierte es bis zum Ende und nahm schließlich das Fax der OFCA zur Hand.

»Allem Anschein nach ist das Fahrzeug ein Labortruck der OFCA«, murmelte er und schlug die Seite um. »Das Institut unterhält eine Flotte von vierzehn mobilen Analyselabors. Sie untersuchen damit Bodenproben vor Ort.«

Der hintere Teil des Vans war völlig ausgebrannt. Bill Carney saß zusammengesunken unter den Überresten eines Laborschranks. Seine Haut war zu einer schwarzen, rissigen Kruste erstarrt. Er war nicht mehr zu erkennen.

»Das SRD wird eine DNA-Untersuchung brauchen, um seine Identität zu bestätigen«, meinte ich und setzte einen Fuß in den Van. »Sehen wir, ob wir etwas Nützliches finden.«

Ich trat vorsichtig auf und ging neben Carney in die Hocke. Sein Kopf war zur Seite gekippt, unter seinem geschwärzten Gesicht hing eine versengte Haarsträhne hervor. Ich schob die Hand des Toten zur Seite und zog eine Klemmmappe darunter hervor, die von einer fingerdicken Ascheschicht bedeckt war.

»Hast du etwas?«, fragte Phil und hockte sich neben mich. Er hielt die Mappe fest, während ich vorsichtig die Asche herunterblies. Nach und nach kamen die Aufschriften darunter zum Vorschein.

»Carneys Arbeitsprotokoll«, sagte ich nach kurzem Hinsehen. »Damit können wir seinen Tagesablauf rekonstruieren.«

Phil schob die Mappe in eine Plastikfolie. Er stand auf und sah sich weiter im Van um.

»Die übrige Laborausrüstung scheint zerstört zu sein.« Er hob einen Glaskolben auf, in dem sich der Rest einer durchsichtigen Flüssigkeit befand. »Wer Carney auch umgebracht hat, er wollte, dass wir so gut wie nichts mehr finden.«

Ich erhob mich ebenso und richtete den Blick auf den verschmorten Leichnam.

»Solch ein Ende wünscht man seinem ärgsten Feind nicht«, sagte ich und schlug Phil auf die Schulter. »Fahren wir ins Field Office zurück.«

***

»Der Tote ist leitender Projektkoordinator bei der Organic Farmers Certification Alliance«, erläuterte Assistant Director John D. High, als wir zwei Stunden darauf mit Joe Brandenburg, Les Bedell, Steve Dillaggio, Zeerookah und Sarah Hunter am Besprechungstisch saßen. »Die OFCA ist ein Zusammenschluss von führenden Unternehmen in der Agrarbranche, die im Auftrag ihrer Mitglieder Düngemittel, Saatgut, Tierfutter und andere Zusatzstoffe auf ihre Übereinstimmung mit den gesetzlichen Bestimmungen zur ökologischen Landwirtschaft hin untersucht. Sie unterhält Büros in Ames, Iowa, New York City, Washington, Kansas City und Phoenix.«

»Noch nie davon gehört«, schüttelte Steve Dillaggio den Kopf. »Wer will so einer Organisation ans Leder?«

Mr Highs schmales Gesicht bekam einen ernsten Ausdruck. Er ordnete die Unterlagen, die vor ihm auf dem Tisch lagen.

»Es deutet viel darauf hin, dass der Mord an Bill Carney mit seiner beruflichen Tätigkeit zusammenhängt.« Der Blick des Assistant Director sprang zu Phil und mir. »Jerry und Phil haben in dem Van, in dem Carney verbrannt ist, ein Protokoll gefunden, mit dessen Hilfe wir den Tagesablauf des Ermordeten nachvollziehen können. Die beiden werden Ihnen die Ergebnisse kurz vorstellen.«

Ich nickte knapp und nahm die Notizen zur Hand, die wir während der Auswertung des Protokolls angefertigt hatten. Die Runde richtete erwartungsvoll die Blicke auf mich.

»Die Stunden vor seinem Tod verbrachte Carney vor allem mit der Analyse verschiedener Erdproben, die er am Vormittag gesammelt hatte«, trug ich den ersten Punkt unserer Liste vor. »Von zwei Uhr nachmittags bis acht Uhr abends war er mit der Ermittlung der chemischen Zusammensetzung einer Bodenprobe aus New Jersey beschäftigt. Er nahm eine hydrogeologische Analyse vor, die alles in allem vier Stunden in Anspruch nahm. Gegen vier Uhr legte er eine halbstündige Pause ein.«

»Gibt das Protokoll Aufschluss über Carneys Aufgabengebiete?«, erkundigte sich Sarah Hunter. Sie blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Die Angaben, die wir von der OFCA dazu erhalten haben, sind alles andere als ausführlich. Offensichtlich fühlt sich noch niemand zuständig.«

Ich sah zu Phil und überließ ihm die Antwort. Er stand auf und verschränkte die Finger ineinander.

»Bill Carney hat mit Leib und Seele für die OFCA gearbeitet. Er gehörte dem Institut seit fast zwanzig Jahren an und ist in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt worden. Seine Spezialisierung war eindeutig die Labortechnik.« Er nahm die Notizen zur Hand. »Es gibt jedoch einen Punkt, der uns aufgefallen ist.« Er sah zu Mr High. »Sir, mit Ihrer Erlaubnis?«

»Nur zu, Phil! Alles, was uns weiterhilft, können wir gebrauchen.«

Mein Partner nahm einen tiefen Atemzug und setzte zu einer längeren Erklärung an.

»Das Interessante an Carneys Ausführungen sind weniger die konkreten Arbeitsabläufe als vielmehr seine privaten Anmerkungen. Er hat Gesprächsnotizen zu allen seinen Telefonaten verfasst. Die letzte Unterhaltung vor seinem Tod fand mit Barry Doyle statt, einem Investmentbanker bei der First Royal Bank. Doyle ist Abteilungsleiter der Sparte Rohstoffderivate.«

»Derivatehandel?«, äußerte Steve Dillaggio. »Wenn es um Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmittelpapieren geht, ist ein vertraulicher Kontakt zur OFCA für ein Bankhaus sicher Gold wert.«

»Das Gleiche vermuten wir auch«, stimmte Phil zu. »Die OFCA hat uns die Arbeitsprotokolle der letzten Jahre ebenfalls geschickt. Sie legen den Schluss nahe, dass Carney auf eigene Faust zu Termingeschäften der First Royal Bank recherchiert hat.«

»Ein wirklich engagierter Mann«, bemerkte Mr High anerkennend. »Ich denke, wir sollten zunächst jenem Barry Doyle auf den Zahn fühlen. Falls Carney mit seinen Recherchen richtig lag, könnte er der Bank ein Dorn im Auge gewesen sein.«

Ich griff Mr Highs Vorschlag umgehend auf.

»Falls es keine Einwände gibt, würden wir gern Doyles Befragung übernehmen, Sir. Wir sind inzwischen gut mit Carneys Protokollen vertraut.«

»Ein vernünftiger Vorschlag«, zeigte sich Mr High einverstanden. »Der Rest wird die undankbare Aufgabe übernehmen, die Autopsie des NYPD und die SRD-Untersuchungen auszuwerten. Ich möchte bis Dienstschluss einen detaillierten Bericht.«

***

Die First Royal Bank hatte ihr Hauptquartier in einem der nobelsten Viertel des Financial District. Die Geschäftsräume befanden sich in einem Hochhausbau, dessen Foyer von einem mehrköpfigen Sicherheitsteam bewacht wurde. Ein uniformierter Wachmann begleitete uns durch die hellbraunen Marmorflure, bevor er an einer halbtransparenten Glastür eine Sprechanlage betätigte.

»Ma’am? Zwei Beamte vom FBI. Sie möchten zu Barry Doyle.«

Die Schließanlage summte, und der Uniformierte bat uns einzutreten. In der Bank empfing uns eine schlanke Brünette, die sich als Assistentin von Barry Doyle vorstellte.

»Barry hat gleich Zeit für Sie«, flötete sie mit jener gut gelaunten Yuppie-Nonchalance, die für den Financial District typisch war. »Er leitet eine Telefonkonferenz mit unseren Mitarbeitern in Shanghai.«

Sie bot uns zwei Tassen Kaffee an, setzte sich hinter ihren Schreibtisch und musterte uns neugierig. Phil schien sie besonders zu interessieren.

»Vom FBI erhalten wir nicht oft Besuch. Ich hoffe, Barry muss sich keine Sorgen machen.«

»Es geht nur um Vorermittlungen«, winkte Phil freundlich ab. »Wir wollen wissen, auf welchen Geschäftsfeldern die First Royal Bank tätig ist und welche Rolle Mister Doyle dabei spielt.«

Die Assistentin warf Phil einen vergnügten Blick zu. Sie rollte mit dem Stuhl zum Schreibtisch und sah auf die Uhr.

»Er müsste jeden Augenblick aus dem Büro kommen«, erwiderte sie und schaute auf die blinkende Leuchtdiode an ihrem Telefon, die über die laufende Konferenzschaltung Auskunft gab. »Barry muss einige Zahlungstransfers abklären, die am Vormittag angewiesen worden sind.«

Ich beschloss, die Wartezeit für einige Fragen zu nutzen.

»Nach unseren Informationen leitet Mister Doyle die Sparte Rohstoffderivate bei der First Royal Bank«, sagte ich. »Sind hochspekulative Anlagen nicht riskant für ein Finanzinstitut Ihrer Größe?«

Die Assistentin flirtete noch immer mit Phil. Sie lächelte und zuckte mit den Schultern.

»Die First Royal Bank verfügt über fast vierzig Jahre Börsenerfahrung. Das Geschäft mit Rohstoffwerten ist tückisch, aber wir wissen, wie wir das Risiko streuen müssen.« Das Licht an ihrem Telefon erlosch. »Oh, Barry ist so weit!«

Sie sprang auf, eilte zum Büro und steckte den Kopf durch die Tür. Einen Augenblick später erschien Barry Doyle. Er war kleiner als seine Assistentin, trug das Haar nach hinten gekämmt und steckte in einem dunklen Maßanzug. Unter seinem rechten Ärmelaufschlag blitzte eine goldene Armbanduhr hervor.

Er gab jedem von uns die Hand und stellte sich vor.

»Ich muss mich entschuldigen, meine Herren«, sagte er. »Üblicherweise sind ein Dutzend Mitarbeiter im Büro, die Ihnen die nötigen Auskünfte geben könnten. Die Bank gibt am Abend allerdings ein Jubiläumsbankett, zu dem ein Großteil unserer Angestellten eingeladen ist.«

Ich klappte meine Dienstmarke auf.

»Jerry Cotton vom FBI New York. Ich ermittle im Mordfall Bill Carney.«

Die kantigen Züge des Investmentbankers versteinerten. Die Anweisungen an seine Assistentin gab er im Flüsterton.

»Sag alle Termine für den Nachmittag ab, Jess. Ich möchte vorerst nicht gestört werden.« Er deutete auf die Tür seines Büros. »Wenn Sie mir bitte folgen würden?«

Doyles Büro lag auf der Westseite des Gebäudes und bot einen imposanten Ausblick auf die Wolkenkratzer des Viertels. Im Raum standen ein Schreibtisch mit einer Glasplatte und zwei bequeme Schwingstühle.

»Nehmen Sie Platz.« Doyle zog verschiedene Schubladen auf und sammelte einen Stoß Dokumente zusammen. »Mit Bill Carney hatte ich zuletzt Kontakt, als er mich gestern anrief. Ich kann nicht fassen, dass er … dass er tot ist.«

»Er starb in einem Laborfahrzeug der OFCA«, erwiderte ich. »Eine NYPD-Streife hat ihn am Morgen gefunden. Der Wagen brannte.«

»Eine grässliche Sache.« Doyle schüttelte den Kopf und starrte ernst auf den Schreibtisch herunter. »Er war so ein anständiger Kerl. Die First Royal Bank und die OFCA standen zweitweise in engem Kontakt miteinander.«

»Wir vermuten, dass er Recherchen zu Finanzgeschäften der First Royal Bank vorgenommen hat. Sein Arbeitsprotokoll lässt die Vermutung zu, dass er überzeugt war, einen Spekulationsbetrug aufzudecken.« Ich fixierte Doyle. »Könnten Sie uns beschreiben, worin der Kern Ihrer Tätigkeit bei der First Royal Bank liegt?«

Doyle setzte sich und zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen. Er begriff offensichtlich, dass er unter Verdacht stand.

»Die Rohstoffabteilung der First Royal Bank handelt mit allen Arten von Terminpapieren, die an einen Rohstoffwert gekoppelt sind«, erklärte er schließlich kühl. »Dazu gehören börsengehandelte wie auch außerbörslich gehandelte Derivate, wobei wir bei Letzteren ausgewählte Partner haben.«

Phil neigte sich nach vorn.

»Derivate sind Handelspapiere, mit denen Geschäftspartner bestimmte Preisrisiken abfangen? Wie Optionsscheine?«

»Zum Teil«, bestätigte Doyle. »Gewöhnlich sind unsere Papiere so konstruiert, dass sie von einem Basiswert ausgehen und dem Inhaber zu einem bestimmten Termin eine feste Höhe dieses Wertes garantieren.« Er legte den Kopf schief und lächelte. »Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Sie wollen ein Auto kaufen und vereinbaren mit uns, dass Sie es in zwei Jahren zum gleichen Preis bekommen wie jetzt. Das wäre ein Termingeschäft.«

»Und die Bank profitiert, wenn das Auto in zwei Jahren weniger kostet?«, hakte ich ein. »Dann wäre die Differenz ihr Gewinn.«

»Ganz genau«, antwortete Doyle. »Dadurch haben wir Spielraum für Spekulationen.«

»Allerdings geht es bei Ihren Geschäften nicht um Autos, sondern um Lebensmittel«, schaltete sich Phil erneut ein. »Carney hat in seinen Unterlagen mehrere Szenarien skizziert, in denen die Banken Einfluss auf die Agrarbranche und die Lebensmittelproduktion nehmen. Es schien ihm dabei um die First Royal Bank zu gehen.«

Doyle machte eine ungeduldige Handbewegung.

»Solche Geschäfte wären schlichtweg illegal. Die Bank sondiert den Markt, aber sie würde nie bewusst Einfluss auf Handelsprozesse in der Agrarindustrie nehmen.« Er schwieg einen Augenblick und sann nach. »Falls Sie solchen Kooperationen auf die Spur kommen wollen, sollten Sie sich an Henry Hudson von Sun Crown Fertilizer Inc. wenden. Er ist amtierender Vorsitzender der OFCA und zugleich Eigentümer eines landesweit führenden Düngemittelherstellers. Ich will niemanden anschwärzen, aber diese Personalunion sieht man in der Branche nicht gern.«

Phil notierte den Namen und klappte den Notizblock zu.

»Demnach gab es zwischen der OFCA und der First Royal Bank keinerlei Absprachen oder inoffizielle Auskünfte?«

»Nicht nach meinem Kenntnisstand«, beteuerte Doyle. »Uns würde längst die Börsenaufsicht im Nacken sitzen, wenn wir uns auf diese Weise Vorteile verschaffen würden.«

»Dann können Sie sich nicht erklären, weshalb Bill Carney tot ist?«, fragte ich, erwartete jedoch keine Antwort, die uns weiterhalf.

Doyle schürzte die Lippen.

»Beim besten Willen nicht, Agent Cotton. Ich wüsste niemanden, der dazu in der Lage ist.«

***

Wir brauchten mehr als eine Stunde, um die Aussagen von Barry Doyle auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Er hatte uns nicht belogen, was die Rolle von Henry Hudson innerhalb der OFCA betraf, auch wenn Phil vermutete, dass es sich dabei um ein taktisches Manöver handelte.

»Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus«, meinte er, als wir in Mr Highs Büro saßen. »Es sei denn, es sind gemeinsame Interessen im Spiel. Er schiebt Hudson vor, um jeden Verdacht von der First Royal Bank abzuwenden.«

»Also sind Sie der Ansicht, dass wir der Sache nachgehen sollten? Oder dass wir Doyle auf den Fersen bleiben?«, wollte Mr High wissen.

Phil blickte zu mir und fuhr fort: »Nach den Unterlagen hat Carney in erster Linie in Richtung First Royal Bank recherchiert. Aber wir haben auch kritische Töne zu Henry Hudson gefunden, Sir.«

Mit diesen beiden Sätzen fasste Phil die Auseinandersetzung zusammen, die sich zwischen uns entwickelt hatte, als wir uns erneut mit Carneys Arbeitsprotokoll beschäftigt hatten. Er war überzeugt, dass die entscheidende Spur zu Doyle führte, während ich glaubte, dass wir ebenso Henry Hudson ins Visier nehmen mussten.

»Was wissen wir über diesen Hudson?«, fragte Mr High.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Jerry Cotton - Folge 2878" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen