Logo weiterlesen.de
Jerry Cotton - Folge 2872

Gangster-Gambit

Die Detonationen der Sprengsätze waren ohrenbetäubend. Die Glasfassade des edlen Koon’s zerbarst, Tische und Stühle an der Fensterfront des Restaurants flogen nach draußen auf die Hester Street. Die Männer, die sich im hinteren Teil des großen Saals versammelt hatten, schrien durcheinander und sprangen entsetzt von ihren Stühlen auf. Einige der Gäste warfen sich zu Boden, andere griffen nach ihren Waffen. Doch es ging viel zu schnell. Jetzt explodierten auch hinter und neben ihren Tischen Sprengsätze. Die Rohrbomben verwandelten sich in Tausende rasiermesserscharfe Metallsplitter. Der Tod hielt grausame Ernte.

Ich sog die milde sommerliche Nachtluft ein und nickte Phil zu. »Dann wollen wir mal«, raunte ich leise und gab Jim Kessler, dem routinierten Einsatzleiter des SWAT-Teams, das uns heute Nacht begleitete, das Handzeichen. Der Vollmond tauchte den Straßenzug in milchiges, weiches Licht.

Wir standen auf der West 121st und waren unterwegs zu einem alten Bekannten. Donny Pershing hatte es vor einiger Zeit mal auf die FBI-Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher geschafft. Pershing war ein brutaler Gangster, der mordete, ohne mit der Wimper zu zucken. Wusste der Himmel, wie viele Menschenleben er auf dem Gewissen hatte. Wahrscheinlich wusste er es nicht einmal selbst. Es mussten Dutzende sein. Es hieß, dass er früher auf der Lohnliste der italienischen Mafia gestanden hatte, inzwischen aber exklusiv für ein südamerikanisches Kartell arbeitete. Solche Details waren uns in diesem Moment allerdings egal.

»Weißt du, was mir an dieser Geschichte gar nicht schmeckt?«, fragte Phil.

»Ich kann’s mir denken«, antwortete ich. Klar, Phil meinte die Art und Weise, wie wir an Pershings Adresse gekommen waren. Man hatte uns Pershing, den Killer, auf dem Silbertablett serviert. Das wussten wir alle.

Ich schob den Gedanken beiseite. Die Männer des SWAT-Teams hatten ihre Positionen erreicht. Phil und ich setzten uns in Bewegung. Langsam näherten wir uns zu Fuß der Adresse, die man uns genannt hatte.

Einer von Jims Leuten brachte seine Ein-Mann-Ramme in Position. Auf Jims Kommando brach er die Tür ein und wir stürmten die Wohnung. Bei Festnahmen dieser Art musste jeder Handgriff sitzen, Sekundenbruchteile konnten über Erfolg und Misserfolg, über Leben und Tod entscheiden.

Ich war auf alles gefasst.

»FBI!«, schrie Jim, der als erster in die Wohnung stürmte, laut und deutlich. »Keine Bewegung oder wir schießen!« Sofort verteilten sich die Männer, die auf Einsätze dieser Art noch besser trainiert waren als wir, in der Wohnung.

Wir durchsuchten jeden Raum. »Sauber«, hörte ich von links. »Sauber«, rief ein anderer SWAT-Mann. Ich ging mit vorgestreckter Waffe auf die letzte Tür zu, hinter der Licht brannte. Wir waren vorsichtig, drückten uns an der Wand entlang. Ich hatte ein ungutes Gefühl, denn unser Tippgeber stand selbst auf unserer Fahndungsliste. Der ganze Einsatz konnte eine Falle sein.

Phil legte vorsichtig seine Hand auf die Türklinke, die er lautlos herunterdrückte. Dann warf er die Tür auf, richtete seine Waffe in einer fließenden Bewegung ins Halbdunkel. Ich sprang mit der SIG in der Hand vor. Trotz der ungünstigen Lichtverhältnisse erkannte ich den Mann.

»Mach jetzt keinen Fehler, Pershing!« Der Auftragskiller saß auf einem Stuhl, aber außerhalb des Lichtkranzes der kleinen Lampe. Ich sah nur seine Beine und meinte, erkennen zu können, dass seine Arme hinter der Rückenlehne verschwunden waren. »Keine Bewegung«, forderte ich erneut.

In diesem Moment erfasste der Lichtstrahl eines taktischen Zielscheinwerfers, der am Lauf der Waffe eines der SWAT-Männer angebracht war, den Kopf der Person auf dem Stuhl.

Er hatte sich kaum verändert, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Das strähnige Haar hing Donny Pershing immer noch ins Gesicht, war nur grau geworden.

Doch außer der Haarfarbe gab es noch einen gewaltigen Unterschied: Bei unserem letzten Treffen war er noch am Leben gewesen. Jetzt saß er mit gefesselten Händen und Füßen auf einem schlichten Stuhl. Irgendwer hatte ihm noch einen hübschen Knebel und dann drei Kugeln in die Brust verpasst. Ich versuchte, seinen Puls zu fühlen, aber da war kein Funken Leben mehr.

»Sauber«, rief ich, um den Kollegen Entwarnung zu geben. »Pershing hat’s erwischt«, rief Phil hinterher und tippte mit seinen behandschuhten Fingern auf einen Zettel im Schoß des Toten. »Mit freundlichen Grüßen von den MobStoppers«, las er vor.

»Diese MobStoppers fangen an, mir furchtbar auf die Nerven zu gehen«, sagte Phil und zerbiss einen Fluch zwischen den Zähnen. Ich war ganz seiner Meinung.

***

Am nächsten Morgen erstatteten wir Assistant Director High in seinem Büro im Field Office an der Federal Plaza Bericht. Der Chef hatte Steve Dillaggio und Zeerookah dazugebeten. Als ich mit meinem Bericht fertig war, atmete Mr High tief aus und sah uns an.

»Die MobStoppers werden hier in New York zunehmend zu einem Problem«, sagte er und tippte auf einen Berg von Aktenordnern, die sich auf seinem Schreibtisch zu einem beachtlichen Turm stapelten. »Ich habe mir alle Fälle, die mit den MobStoppers zu tun haben, kommen lassen. Ganz offensichtlich haben sie sich radikalisiert. Sie kennen keine Grenze mehr, wenn es darum geht, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen.«

»Pure Selbstjustiz«, bemerkte Steve, Mr Highs Stellvertreter im New Yorker FBI-Field Office, und nickte bekräftigend mit dem Kopf.

Steve und Zeery leiteten federführend die Ermittlungen gegen die MobStoppers und waren deshalb bestens mit dieser anonym operierenden Gruppierung vertraut.

Natürlich kannten Phil und ich zumindest in groben Zügen die Geschichte dieses merkwürdigen Vereins, der nach den Buchstaben des Gesetzes nicht mehr und nicht weniger kriminell war als die Mafia selbst. Denn wer das Gesetz in die eigene Hand nimmt und dabei gegen das Gesetz verstößt, der kriegt es mit den Strafverfolgungsbehörden zu tun. Niemand steht außerhalb des Gesetzes.

»Seit wann pfuschen uns diese Hobby-Rächer ins Handwerk?«, fragte Phil.

»Seit einem halben Jahr? Kommt das hin?«, warf ich in den Raum.

»Länger«, entgegnete Steve, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. »Der Name MobStoppers tauchte vor etwa einem Jahr erstmals auf. Damals bekamen wir einen Tipp zu einem geplanten Drogen-Deal. Ort, Uhrzeit, Anzahl der Beteiligten – alles stimmte. Unter der Einsatzleitung von Joe Brandenburg und Les Bedell nahmen wir fünf Hochkaräter hopps und sackten zwei Pfund hochreines Kokain ein.«

»Klingt nach Insiderwissen«, murmelte Phil und erntete allgemeine Zustimmung.

»Davon gehen wir auch aus«, sagte Steve. »Am nächsten Tag gab ein Bote übrigens einen riesigen Blumenstrauß für Joe und Les im Field Office ab. Auf dem Kärtchen stand: Herzlichen Glückwunsch und auf weitere gute Zusammenarbeit. Die MobStoppers. Tja, so fing das alles an.«

»Und es hat bis heute nicht mehr aufgehört«, führte Mr High aus, »im Gegenteil. Die Aktionen wurden immer zahlreicher und brutaler. Erst gaben sie uns Tipps, dann begannen sie auf ihrer Internet-Seite, die Bürger zur Selbstjustiz aufzurufen …«

»… was viele New Yorker Bürger für eine gute Idee halten«, ergänzte Zeery.

»Und inzwischen«, schloss Mr High, »haben sie begonnen, den Aufenthaltsort von Verbrechern zu ermitteln und diese selbst umzubringen.«

Es klopfte und Helen trat mit einem Tablett in der Hand ein. Die Sekretärin unseres Chefs war berühmt dafür, den besten Kaffee der Welt zu kochen.

Ich griff nach meiner Tasse und sog den Duft der dampfenden Köstlichkeit genüsslich ein. »Wieso ist es so schwer, den MobStoppers beizukommen?«, fragte ich in die Runde.

»Sie hinterlassen keine Spuren«, antwortete Zeery, unser Kollege mit den indianischen Wurzeln, »deshalb glauben wir, dass es sich nicht einfach um Verbrechensopfer handelt, die den Spieß mal umdrehen wollen, sondern dass Profis ihre Finger im Spiel haben.«

Steve Dillaggio, der flachsblonde Italo-Amerikaner in unseren Reihen, räusperte sich: »Wir befürchten, dass sich die MobStoppers zumindest teilweise aus Kreisen irgendwelcher Ermittlungsbehörden rekrutieren könnten.«

»Aus Reihen des … FBI?«, fragte Phil mit einigem Erstaunen in der Stimme.

Steve und Mr High schüttelten gleichzeitig den Kopf. »Das meinte ich nicht«, erklärte Steve, »aber es gibt ausreichend Behörden, die Tag für Tag mit ansehen müssen, wie ihre Arbeit zunichte gemacht wird, indem clevere Anwälte mit irgendwelchen Tricks die größten Verbrecher wieder aus den Gefängnissen holen.«

»Den Frust kennen wir ja selber auch zur Genüge«, stellte ich lakonisch fest.

»Dazu kommt, dass die MobStoppers nie persönlich in Erscheinung treten«, erklärte Zeery. »Sie haben ihre Website, die sich in gewissen Kreisen offenbar großer Beliebtheit erfreut, aber selbst unsere Computerexperten sehen sich nicht in der Lage, herauszufinden, wer diese Seite betreibt.«

»Was haben die MobStoppers denn bisher angerichtet?«, wollte ich wissen.

»Pershing war der fünfte, den sie selbst umgelegt haben. Vorher haben sie uns elf gesuchte Verbrecher ans Messer geliefert, deren Aufenthaltsort wir ohne sie nicht erfahren hätten – vom Kleindealer bis zum Mörder«, erklärte Mr High.

»Also wahrscheinlich skrupellose Profis«, fasste ich zusammen.

Mr High sah uns der Reihe nach an. »Machen wir dem Spuk so schnell wie möglich ein Ende!«

***

Das New Yorker Field Office ist leider nicht so üppig besetzt, dass wir die Zeit hätten, uns immer nur auf einen Fall zu konzentrieren. Fürs Erste mussten wir den MobStoppers-Fall zurückstellen, denn unser Chef hatte einen brandaktuellen Auftrag für uns, der vorging. Mr High schickte uns zu dem Tatort eines brutalen Anschlags.

Fast genau zu der Zeit, in der wir in der vergangenen Nacht Pershing festnehmen wollten, hatte irgendein Irrer ein Restaurant an der Hester Street in die Luft gesprengt. Wir mussten vom Büro aus nicht mal eine Meile zurücklegen, um den weitläufig abgesperrten Tatort mitten in dem Viertel, das früher mal Little Italy genannt worden war, zu erreichen.

Wir zückten unsere Marken und bahnten uns den Weg durch die Absperrungen. Der Laden bot ein Bild des Schreckens. Scherben knirschten unter unseren Sohlen, der Brandgeruch stach uns penetrant in die Nase. Es war heiß und der Sauerstoffgehalt der Luft ließ zu wünschen übrig. Rundum lagen verkohlte Holztrümmer. Weiter hinten stapelten sich noch die Hinterlassenschaften der Notärzte, die hier offensichtlich alle Hände voll zu tun gehabt hatten.

Der vom Löschschaum noch nasse Boden war glitschig, obwohl er mit Trümmerteilen und Splittern übersät war.

Wir entdeckten Floyd Winter und Fred Nagara, die für das FBI die Ermittlungen vor Ort leiteten, und gingen auf sie zu.

»Was für eine Schweinerei«, begrüßte uns Fred und reichte uns die Hand.

Ich sah mich um. »Was in Gottes Namen ist hier passiert?«, fragte ich, während ich versuchte, die zahlreichen Uniformierten und Zivilisten ihren Behörden zuzuordnen.

Fred gab uns einen kurzen Überblick. Die meisten Erkenntnisse stammten aus dem Gespräch mit einem jungen Burschen namens Elliott Everett, der hier als Kellner beschäftigt war. Er hatte gerade eine Zigarettenpause im Hof eingelegt, als das Inferno losgebrochen war. Seine Schilderungen, erklärte Fred, deckten sich mit der Spurenlage.

»Der Einsatzleiter des Fire Department, Cal Jackson, ist sicher, dass hier ein paar Sprengsätze hochgegangen sind, die man zuvor angebracht hatte«, weihte uns Fred ein. »Sieht also nicht nach einem Überfall aus, sondern nach einer sorgfältig vorbereiteten Falle.«

»Kein Selbstmordanschlag oder so was? Keine Islamisten?«, fragte ich unumwunden, aber Fred hob abwehrend die Hände. »Das böse I-Wort macht hier schon den ganzen Morgen die Runde. Aber darauf deutet nichts, rein gar nichts hin.«

»Was spricht dagegen?«, fragte Phil.

Fred räusperte sich. »Ich sag mal so: Mein junger Zeuge dahinten erzählte, dass unmittelbar nach dem Anschlag einige Anwesende Verletzte in ihre Autos geschleppt haben und mit quietschenden Reifen abgedüst sind.«

»Klingt doch nicht unvernünftig«, entgegnete ich. »Nicht jeder wartet gern auf die Rettungskräfte. Ist doch keine schlechte Idee, Verletzte selbst auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus zu bringen.«

»Das stimmt. Aber auf der Suche nach weiteren Zeugen haben wir alle in Frage kommenden Häuser abtelefoniert. Gestern Nacht wurde nirgends irgendjemand mit passenden Verletzungen eingeliefert«, konterte Fred, »und außerdem: Was ist das für eine komische Sache, dass ein Restaurant nachts um halb drei noch geöffnet hat? Und nur Männer anwesend sind? Da stimmt doch was nicht!«

Ich kratzte mich am Kinn und sah Phil fragend an. »Da hat er recht«, lautete seine Antwort.

»Na gut«, sagte ich, »gibt es weitere Zeugen?«

»Das ist noch so eine seltsame Sache: kein einziger Zeuge außer Elliott Everett und seinem Chef, einem gewissen Mister Koon. Aber der will nichts mitbekommen haben. War wohl gerade im Keller, als das Feuerwerk losging. Ach so, und die Verletzten, die nicht weggeschafft wurden, sind alle verschwunden, nachdem sie notärztlich versorgt waren.«

»Also haben wir nur einen Augenzeugen?«, hakte ich nach. Fred nickte.

»Aber jetzt passt auf!« Fred sah sich um, seine Stimme wurde leiser. »Es gab elf Tote, soweit wir wissen. Wegen des Feuers wird es Schwierigkeiten bei der Identifizierung geben. Aber bei vier von ihnen wird es gehen. Zwei Identitäten haben wir dank der Fingerabdrücke schon: Lou Iamonti und Fumio Hijiya. Und jetzt ratet mal, in welcher Datenbank wir die beiden gefunden haben!«

»Die Verkehrssünderdatei wird es wohl nicht gewesen sein«, versetzte Phil trocken. Er hatte offenbar die gleiche Ahnung wie ich.

»Nee«, sagte Fred, »organisiertes Verbrechen.«

»Italienische Mafia?«, fragte Phil, und Fred nickte: »Canaro-Clan.«

»Und die japanische Mafia?«, fragte ich, und Fred nickte erneut. »Takamatsu-kai. New Yorker Yakuza.«

***

Mr High stellte Phil und mich nach telefonischer Rücksprache vorerst kurzerhand komplett für das Restaurant-Attentat ab. Wir hatten uns darauf geeinigt, dass wir nach allen Seiten ermitteln wollten. Rivalisierende Gangs, vielleicht sogar die MobStoppers … wir sollten neutral an die Sache rangehen, um herauszufinden, wer hier offenbar mit richtig großem Geschütz auf zwei alteingesessene Verbrecher-Clans losgegangen war.

Unser erster Weg führte uns zum Inhaber des Restaurants, einem Kanadier namens Martin Koon, der sichtlich unter Schock stand und am ganzen Körper zitterte. Er war, wie wir hörten, am frühen Morgen zurückgekehrt an den Schauplatz des Sprengstoffanschlags. Nach unseren Erkenntnissen hatte der 60-Jährige in seinem ganzen Leben nie etwas mit Kriminalität zu tun gehabt. Bisher.

»Haben Sie eine Minute für uns, Mister Koon?«, fragte ich vorsichtig. Vor mir stand ein Mann, dem jegliche Farbe aus dem Gesicht gewichen war. »Mein Name ist Cotton, das ist mein Kollege Decker. Wir sind vom FBI.«

Koon war ein großer schlanker Mann mit hagerem Gesicht. Offenbar trug er noch den schwarzen Anzug vom Vorabend, der jetzt allerdings ziemlich mitgenommen aussah. Koon saß in einem beheizten Zelt, das Helfer auf der Hester Street errichtet hatten. In seinen zitternden Händen hielt er einen Becher mit heißem Tee. Er blickte starr auf den Fußboden. »Das Restaurant war alles, was ich hatte«, brachte er mit brüchiger Stimme hervor.

»Mister Koon, wir sind hier, um Ihnen zu helfen«, sagte ich beruhigend. »Ist Ihnen in letzter Zeit irgendetwas aufgefallen? Besucher, die sich unnormal verhalten haben? Gab es einen Einbruch? Hatten Sie Handwerker im Haus?«

Der Mann schüttelte kaum merklich den Kopf. »Nichts.«

Phil schaltete sich ein: »Können Sie sich erklären, wie die Sprengsätze in Ihr Restaurant gelangt sein könnten?«

Wieder Kopfschütteln. »Wenn die Versicherung nicht zahlt, bin ich erledigt.«

Ich sah Phil an, der die Schultern zuckte und fragte: »Wo waren Sie denn während der Explosionen?«

Jetzt schien er sich zusammenzureißen und erwiderte Phils Blick. »Im Weinkeller. Nachschub holen für die Herrschaften.« Er zitterte noch immer wie Espenlaub. Phil brummte zustimmend. »Ist es eigentlich nicht ungewöhnlich, dass Sie zu so später Stunde noch so viele Gäste hatten? Oder waren das alles Stammgäste?«

Jetzt kniff Martin Koon die Augen zusammen, als wittere er Gefahr. »Die Gäste waren als geschlossene Gesellschaft in meiner Restauration.«

»Mister Koon«, versuchte ich ihn zu beruhigen, »wir wollen Ihnen keine Scherereien machen. Wir wollen nur herausfinden, wieso dieser Anschlag auf Ihr Geschäft geschehen ist und wer dafür die Verantwortung trägt. Wir wollen Sie auch nicht länger behelligen«, sagte ich betont ruhig. »Aber beantworten Sie bitte noch diese letzte Frage: Waren das Stammgäste?«

»Nein, ich kannte keinen von ihnen.«

»Oder hatten Sie den Eindruck, dass es Streit gab? Ärger? Meinungsverschiedenheiten?«

»Nein, im Gegenteil. Die Herrschaften waren bester Laune. Ich dachte, das sind Vertreter zweier Firmen, die gemeinsam einen Geschäftsabschluss begießen.«

»Gut. Vielen Dank so weit. Wir lassen Sie jetzt in Ruhe.«

»Moment, eine allerletzte Frage hätte ich auch noch«, sagte Phil. »Ich nehme an, dass Ihr Restaurant mit Überwachungskameras ausgerüstet ist. Sorgen Sie doch bitte dafür, dass uns alle Aufnahmen, die vorhanden sind, zugänglich gemacht werden, ja?«

Koon stöhnte kaum hörbar auf und raufte sich die Haare. »Das … Das geht nicht. Das ganze Kamerasystem ist schon seit Wochen defekt.«

***

Uns war völlig schleierhaft, was dieser Anschlag bedeuten konnte. Klar war nur, dass sich hier zwei Verbrecherorganisationen getroffen hatten, die nach unseren bisherigen Erkenntnissen noch nie zusammengearbeitet hatten, und schon gar nicht in New York. Wir machten uns auf den Rückweg zum Field Office und beschlossen, erst mal alles zu sichten, was die uns zugänglichen Datenbänke über den Canaro-Mob und den Yakuza-Clan namens Takamatsu-kai zu bieten hatten. Denn dass es bei dem Anschlag um diese beiden Gruppen ging, war uns sonnenklar.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Jerry Cotton - Folge 2872" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen