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Jerry Cotton - Folge 2869

Der Tod kommt auf Raten

Will Sanderson hätte nie geglaubt, dass Stille so furchteinflößend sein konnte. Keiner der bärtigen Männer in dem kleinen Kaffee in Bagdads Innenstadt sagte ein Wort. Alle starrten nur auf den Mann, der in der Tür stand und zögerte, einzutreten. In manchen dieser Gesichter sah Sanderson nur Verblüffung. Es war wohl noch nie vorgekommen, dass ein Amerikaner sich hierhergewagt hatte, allein und ohne Waffen. In einigen dieser dunklen Augen leuchtete blanker Hass.

Sanderson trug Zivilkleidung, aber seine kurzgeschnittenen blonden Haare verrieten deutlich, dass er Ausländer war, Amerikaner. Wenn diese Leute begriffen, dass er Soldat war, würde er nicht lebend von hier wegkommen.

Noch nie zuvor hatte er sich so hilflos gefühlt. Ohne Waffen, ohne Kameraden links und rechts von ihm hatte er keine Chance.

»Verdammt noch mal, worauf habe ich mich da bloß eingelassen!«, dachte er.

Er wollte sich eben umdrehen und wieder verschwinden, als einer der Männer an einem Tisch im Hintergrund aufstand und auf ihn zukam. Sanderson kannte ihn. Der Mann nannte sich Ali, aber dieser Name war wahrscheinlich falsch.

»Kommen Sie!«, flüsterte Ali auf Englisch. Dann packte er Sanderson am Arm und zog ihn mit sich, mitten durch das kleine Kaffee und die finster blickenden Männer.

Sanderson atmete erleichtert auf, als sie durch eine Hintertür eine schmale, menschenleere Gasse erreichten.

»Ist Ihnen jemand gefolgt?«, fragte Ali. Er sprach fließend und fehlerfrei Englisch, aber sein Akzent war unverkennbar.

»Nein«, antwortete Sanderson. Auf die Richtigkeit dieser Behauptung hätte er keinen Cent gewettet. Zwar hatte er sich auf dem Weg hierher wiederholt umgesehen und keinen Verfolger bemerkt, aber das bedeutete nichts in einer Stadt wie Bagdad, in der alle Männer nach seinen Begriffen gleich aussahen.

»Wir haben nicht viel Zeit«, sagte Ali. »Wenn man uns zusammen sieht, sind wir so gut wie tot. Immerhin sind Sie dann noch besser dran als ich. Sie wird man als Held auf dem Soldatenfriedhof in Arlington begraben. Oder das, was unsere Mörder von Ihnen übriggelassen haben. Ich dagegen werde als Verräter sterben. Als Verräter an meinem Volk und meinem Vaterland.«

»Sie sind kein Verräter, Ali, sondern ein anständiger Mann, der uns hilft, gegen Mörder …«

»Überlassen Sie das Reden mir!«, unterbrach ihn Ali. »Wir haben nicht viel Zeit. Und stellen Sie keine überflüssigen Fragen. Die Amerikaner haben Belohnungen ausgesetzt für Hinweise auf geplante Anschläge gegen sie. Jeder, der Hinweise liefert auf Waffenverstecke, bekommt eine Menge Geld. Auch jeder, der ein Mitglied einer irakischen Untergrundorganisation verrät.«

»Eine wirksame Methode«, sagte Sanderson. »Wir haben auf diese Weise schon etliche unserer erbitterten Feinde aus dem Verkehr gezogen.«

Ali lachte auf. »Zum Beispiel meinen Freund Hussein. Er war Taxifahrer. Eines Tages geriet er in einen Verkehrsstau, stieg aus, um einen Polizisten zu fragen, was denn los sei, und war ein paar Tage später in Guantanamo. Die Polizisten hatten ihn einfach an die Amerikaner verkauft, gegen gutes Geld. Dass der Mann völlig unschuldig war, interessiert niemand, weder die Polizisten noch die Amerikaner.«

Ali blickte sich hastig in alle Richtungen um. Immer noch war kein Mensch in der schmalen Gasse zu sehen.

»Es laufen eine Menge krummer Geschäfte in diesem Land«, sprach er dann weiter, schnell, geradezu hastig, als fürchte er, nicht mehr genug Zeit zu haben, um alles zu sagen, was er sagen wollte. »Geschäfte mit gestohlenen Lebensmitteln, Waffen, Munition, Medikamenten und Menschen. An diesen Geschäften sind auch Amerikaner beteiligt.«

»Verbrecher gibt es überall, auch in meinem Volk.«

»Es sind keine Leute aus der Unterwelt von New York oder Chicago, sondern ehrenwerte Angehörige der amerikanischen Armee. Ihre eigenen Kameraden. Während Sie täglich Ihr Leben riskieren, verdienen diese Kerle …«

Ali brach mitten im Satz ab. Er starrte an Sanderson vorbei auf die beiden Männer, die, mit Pistolen in den Händen, aus einem Hauseingang traten. Sofort stieß er Sanderson zur Seite.

Schüsse krachten. Sie schienen aus allen Richtungen zu kommen. Die Wände der Häuser ringsum vervielfachten das Echo.

Noch bevor Sanderson den Boden berührte und hinter einer Mülltonne liegen blieb, spürte er einen heftigen Schlag gegen seinen Rücken. Er achtete kaum noch darauf, dass Ali zwei oder drei kurze Schritte nach vorn torkelte und dann zu Boden stürzte. Für Sanderson bestand die Welt nur noch aus dem blauen Himmel hoch über ihm und den fürchterlichen Schmerzen in seiner Brust.

Er versuchte aufzustehen, aber er konnte sich nicht bewegen. Die hochstehende Sonne blendete ihn, aber er war nicht imstande, die Augen zu schließen oder den Kopf zur Seite zu wenden. Sein Körper gehorchte nicht mehr den Befehlen seines Gehirns.

Aus allen Richtungen näherten sich Schritte.

»Der Verräter ist tot«, hörte er eine Stimme sagen, auf Englisch, aber mit deutlichem Akzent.

»Der hier auch«, antwortete eine Stimme. Ein leises Lachen folgte. »Wieder ein Held, der für sein Vaterland sein Leben geopfert hat! Friede seiner Asche! Unsere Geschäfte können jetzt wieder ungehindert laufen. Ich kann Ihnen eine ganze Wagenladung unserer neuesten Gewehre liefern, Hussein. Mitsamt der Munition. Vorausgesetzt, dass wir uns über den Preis einig werden.«

»Keine Sorge, Major, wir werden uns einig werden. Aber jetzt sollten wir von hier verschwinden. Je weniger Leute uns am Tatort sehen, desto besser.«

Sanderson hörte noch die Schritte, die sich ohne Hast entfernten. Dann verdunkelte sich der Himmel über ihm.

***

Der Mann schlug ohne Warnung zu, fast ohne Sanderson auch nur anzusehen. Seine Faust bohrte sich tief in Sandersons Unterleib. Der hatte das Gefühl, als explodiere eine Granate in seinem Körper. Er krümmte sich zusammen und presste beide Hände gegen seinen schmerzenden Leib.

Nur aus den Augenwinkeln heraus sah er, dass der andere wieder zuschlug. Eine Faust, hart wie Stahl, traf seinen Kinnwinkel. Ein höllischer Schmerz zuckte durch seinen Körper bis hinunter in die Zehenspitzen. Es wurde ihm nicht bewusst, dass er zusammenbrach und der Länge nach zu Boden stürzte.

Nur einmal in seinem Leben hatte er sich ähnlich schwach und hilflos gefühlt. Damals, vor Jahren, in einer kleinen Seitenstraße in Bagdad.

Wie aus weiter Ferne drang eine Männerstimme in sein Gehirn. »Das war nur eine Warnung, Sanderson. Wenn du uns weiter ärgerst, schlagen wir dich zum Krüppel. Und wenn du zur Polizei gehst, schlagen wir dich tot!«

***

Die Frau mochte einmal hübsch gewesen sein, aber jetzt hatte ihr Gesicht eine ungesunde gelblich blasse Farbe, ihr schlecht gekämmtes Haar war glanzlos und strähnig, ihre Figur war ein wenig aus der Form geraten und ihre Kleidung erweckte den Eindruck, aus einem billigen Secondhandshop zu stammen.

Ich fragte mich nur, wie es ihr gelungen war, bis in mein und Phils Büro vorzudringen.

Sie blieb zögernd in der Tür stehen, ohne sie zu schließen. Ihr Blick wanderte zwischen Phil und mir hin und her.

»Mr. Cotton?«, fragte sie schließlich. »Agent Jerry Cotton?«

Phil, den sie dabei anblickte, deutete auf mich.

Ich stand auf und verbeugte mich leicht. »Jerry Cotton, zu Ihren Diensten«, sagte ich. »Treten Sie doch ein, Madam!«

Sie trat vorsichtig näher. Dabei hielt sie ihr winziges Handtäschchen mit beiden Händen vor der Brust. Sie brauchte offenbar dringend etwas, woran sie sich festhalten konnte.

Ich schloss die Tür hinter ihr, zog einen Stuhl neben meinen Schreibtisch und bedeutete ihr mit einer einladenden Handbewegung, darauf Platz zu nehmen. Sie tat es, aber so zögernd, als fürchte sie, etwas Verbotenes zu tun.

»Was kann ich für Sie tun?«, fragte ich und setzte mich ebenfalls.

»Ich bin Linda Black«, stellte sie sich vor. »Mrs John Black. Ich wohne drüben in Brooklyn, nicht weit von der Brooklyn Bridge entfernt.«

Das verriet mir nicht viel über sie. Dass sie nicht aus den teuersten und vornehmsten Vierteln New Yorks stammte, war mir schon klar gewesen.

»Ihre Kollegen haben mir gesagt, dass Sie schon des Öfteren mit solchen Fällen zu tun hatten und dass ich mich deshalb vertrauensvoll an Sie wenden könne«, begann sie zögernd.

»Sie können sich immer an das FBI wenden, ganz gleich, was Ihr Problem ist.«

»Es ist nicht mein Problem, sondern das meines Mannes. Er benimmt sich in letzter Zeit sehr sonderbar.« Linda Black errötete. »Es ist nicht das, was Sie jetzt glauben! Mein Mann hat keine Weibergeschichten. Ich bin zwar nicht mehr so hübsch wie früher, aber er betrügt mich nicht. Er ist ein grundanständiger Bursche.«

»Das freut mich zu hören«, sagte ich. »Die meisten Männer, mit denen wir beruflich zu tun haben, gehören nicht zu dieser Sorte.«

Die Frau hob fast entsetzt beide Hände, in denen sie immer noch krampfhaft ihre Handtasche festhielt. »Er hat ganz gewiss keine Straftat begangen, ganz gewiss nicht. Aber er steckt in Schwierigkeiten. Zwar bestreitet er das. Er will mich nicht in die Sache hineinziehen, wissen Sie. Er hat immer versucht, mich zu beschützen. Aber eine Frau spürt, wenn ihr Mann Probleme hat. Nach fünfzehn Jahren Ehe kennt man einander.«

»Welche Art von Problemen ist das?«, fragte ich.

Sie hob die Schultern. »Das weiß ich nicht. Er will ja nicht darüber sprechen. Aber ich merke schon seit einiger Zeit, dass er sich mit irgendetwas herumquält. Er scheint mit sich zu kämpfen, ob er sich mir anvertrauen soll. Oder jemandem, der ihm besser helfen kann als ich. Die Polizei zum Beispiel. Oder das FBI.«

»Sie sollten ihm wirklich raten, zu uns zu kommen«, sagte ich. »Ich verspreche Ihnen, dass wir den Fall äußerst diskret behandeln werden. Niemand wird davon erfahren, wenn er es nicht wünscht.«

Die Frau zögerte. »Vielleicht hat er sich schon beim FBI gemeldet«, sagte sie schließlich.

Phil, der unserem Gespräch schweigend zugehört hatte, tippte etwas in die Tastatur seines Computers.

»Mit einem Mann namens John Black hatten wir in letzter Zeit nichts zu tun«, sagte er dann, nach einem kurzen Blick auf den Bildschirm.

»Vielleicht hat er einen anderen Namen benutzt«, meinte die Frau hoffnungsvoll. »Irgendeinen Namen, ich weiß nicht, welchen. Das müsste Ihr Computer doch herausfinden können.«

»Sicher«, nickte Phil. »Aber dazu müssten wir ungefähr wissen, worum es sich handelt. Wir befassen uns mit vielen Arten von Verbrechen.«

»Ich … Ich glaube, er wird erpresst. Auf brutale Weise. Gestern Morgen wurde er auf der Straße zusammengeschlagen. Er kam mit einem gebrochenen Kiefer nach Hause. Aber er behauptet, dass es ein Verkehrsunfall war. Er ist nicht zur Arbeit gegangen, gestern. Auch nicht zum Arzt, wie ich ihm geraten habe. Aber vielleicht war er so vernünftig, zum FBI zu gehen.«

»Normalerweise wendet man sich zuerst an die Polizei«, sagte Phil.

»Dort habe ich schon gefragt. Aber man hat mir versichert, dass er nicht dort war. Deshalb bin ich jetzt bei Ihnen. Sie sind meine letzte Hoffnung.«

Phil hatte inzwischen wieder ein paar Tasten seines Computers gedrückt. »Nein, es hat gestern und auch heute kein derartiges Hilfeersuchen an das FBI gegeben«, sagte er schließlich.

Die Frau stand enttäuscht auf.

»Ich bedaure, Sie belästigt zu haben«, sagte sie leise.

Auch ich stand auf und geleitete sie zur Tür. »Vielleicht erfahren Sie doch irgendetwas von ihm, was uns weiterhelfen könnte«, sagte ich. »Auch der geringste Hinweis würde uns nützen.«

Sie nickte geistesabwesend. Dann ging sie. Ich blickte ihr nach, wie sie langsam und schwerfällig auf den nächsten Lift zuging. Sie schien plötzlich um Jahrzehnte gealtert zu sein.«

***

Doktor Walter Singer hatte eben eine Patientin verabschiedet. Jetzt setzte er sich an den Tisch in seinem Behandlungszimmer und machte ein paar Einträge in ihre Krankenakte. Er lächelte dabei. Der Frau fehlte nichts, aber sie bildete sich ein, alle Krankheiten der Welt zu haben. Singer machte schon längst keinen Versuch mehr, ihr auch nur ein paar dieser eingebildeten Krankheiten auszureden. Denn sie hatte Geld, viel Geld, und sie bezahlte großzügig. Singer liebte solche Patienten.

Ein leises Geräusch von der Tür her und ein noch leiserer Luftzug veranlassten ihn aufzublicken. »Einen Moment noch!«, sagte er. »Gleich habe ich für Sie Zeit.«

»Aber ich nicht«, sagte eine schwer verständliche Männerstimme. Der Mann sprach, als habe er einen Tennisball im Mund. »Ich fürchte, ich habe schon viel zu lange gewartet.«

Jetzt erst wandte der Arzt den Kopf. Der Mann, der ohne Erlaubnis eingetreten war, war nicht aus dem Wartesaal gekommen, sondern aus einer anderen Tür. Sein Unterkiefer war geschwollen, sein Gesicht war blass, seine Augen glänzten wie im Fieber. Er schien heftige Schmerzen zu haben.

Doc Singer stand auf, ging auf ihn zu und geleitete ihn zu einem Sessel aus Chrom und Leder.

»Mein Gott, Will, wie siehst du denn aus!«, entfuhr es ihm.

»Das sind genau die tröstenden Worte, die ich von einem Arzt und Freund zu hören hoffte«, sagte Will Sanderson mit schwerer Zunge.

»Dass dein Unterkiefer gebrochen ist, sehe ich auf den ersten Blick. Dazu muss ich dir nicht einmal in den Mund sehen oder mein Röntgengerät einschalten. Was ist passiert?«

»Ein Unfall.«

»Was sagen die Kollegen im Krankenhaus?«

»Nichts. Ich war nicht bei ihnen.«

»Haben die Polizisten dich nicht dorthin gebracht, als sie den Unfall aufnahmen?«

»Es gibt Dinge, die erledigt man besser ohne Polizei.«

Singer sah seinen Freund nachdenklich an. »Ist die Polizei hinter dir her?«

Sanderson schüttelte entsetzt den Kopf und bereute es sofort. Die Schmerzen in seinem Unterkiefer waren so heftig, dass er fast aufgeschrien hätte.

»Es gibt doch ein ärztliches Schweigegebot, nicht wahr?«, fragte er schließlich.

»Ja, das ist ähnlich wie das Beichtgeheimnis in der katholischen Kirche. Jeder anständige Arzt hält sich daran. Also, was ist passiert?«

»Ein Unfall. Mehr brauchst du nicht zu wissen. Es ist besser für dich. Ich rede nicht einmal mit meiner Frau darüber. Ich wollte auch nicht zu einem Arzt gehen, nicht einmal zu dir, obwohl ich dich schon seit unserer Kindheit kenne. Aber seit gestern früh sind die Schmerzen immer heftiger geworden. Die gebrochene Kinnlade bringt mich um, wenn ich nicht bald ärztliche Hilfe bekomme.«

Doc Singer nickte. »Gut, du brauchst mir nichts zu erzählen, wenn du nicht willst. Ich behandle dich auch so.«

»Danke, Walter«, sagte Sanderson. »Wenigstens habe ich noch einen wirklichen Freund auf der Welt. Ich traue niemandem mehr. Nicht einmal meiner Frau.«

***

Es war mir unmöglich, mich sofort wieder dem Fall zuzuwenden, mit dem ich mich vor dem Gespräch mit Mrs Black beschäftigt hatte. Das Gespräch ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Die bedauernswerte Frau war in einer schrecklichen Situation. Verzweifelt suchte sie Hilfe und fand niemanden, der ihr diese Hilfe oder wenigstens etwas Trost hätte geben können.

Phil schien unsere Besucherin längst vergessen zu haben. Er beschäftigte sich intensiv mit seinem Computer.

»An Tagen wie diesem habe ich das bedrückende Gefühl, dass es doch eigentlich herzlich wenig ist, was wir für die Menschen da draußen tun können«, sagte ich. »Diese Frau macht sich schreckliche Sorgen um ihren Mann. Sie wendet sich hilfesuchend an uns, und wir müssen ihr sagen, dass wir nichts tun können.«

»Wir tun unser Bestes«, sagte Phil, ohne seinen Blick vom Bildschirm seines Computers abzuwenden.

»Aber dieses Beste ist heute leider nicht sehr viel.«

»Du tust im Augenblick gar nichts. Du sitzt nur da und starrst an die Wand. Die Arbeit überlässt du, wie so oft, mir.«

Ich kenne Phil ja nun schon eine ganze Weile und seine Art von Humor. Deshalb nahm ich ihm die Bemerkung nicht übel, sondern versuchte, auf gleiche Weise zu antworten.

»Ja, ich sehe, du bist eifrig beschäftigt. Wie heißt das Spiel? Pacman, Supermario, oder ist es ein neues Ballerspiel?«

»Das Spiel heißt: Polizeiarbeit. Ich halte Kontakt mit den verschiedenen Polizeidienststellen in der ganzen Stadt. Bei keiner dieser Dienststellen, bei keinem Polizeirevier ist gestern oder heute eine Frau namens Linda Black gewesen, um Hilfe für ihren Mann zu erbitten.«

»Vielleicht hat sie es unter einem anderen Namen getan«, vermutete ich. »Die ganze Sache ist ihr äußerst peinlich.«

Phil nickte. »Ja, ich glaube, sie hat auch uns einen falschen Namen genannt. Schon während des ganzen Gesprächs hatte ich den Eindruck, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmte.«

»Sie ist verzweifelt, und offenbar aus gutem Grund. Und sie befindet sich in einer fürchterlichen Zwickmühle: Einerseits bittet sie uns um Hilfe, andererseits weiß sie, dass ihr Mann diese Hilfe keineswegs akzeptieren würde.«

Phil nickte wieder. »Wenn ihr Mann erpresst wird, hat man ihn wahrscheinlich davor gewarnt, sich an uns zu wenden. Und das bedeutet: Wenn wir uns in die Sache einmischen, könnten wir Black und seine Frau in Gefahr bringen.«

»Du meinst also, wir sollten uns heraushalten?«

»Blöde Frage für einen Menschen, der mich schon so lange kennt! Natürlich werden wir uns einmischen. Aber äußerst behutsam. So behutsam, dass nicht einmal Linda Black selbst davon erfährt.«

***

Doc Singer geleitete seinen Freund Sanderson zur Tür. Nicht zu der Tür, die in den Warteraum führte. Sanderson wollte offenbar von keinem Menschen gesehen werden.

»Ich bleibe dabei: Du solltest in ein Krankenhaus gehen. Aber du scheinst Gründe zu haben, das nicht zu tun. Ich respektiere das. Aber ich lehne jede Verantwortung ab, wenn dein Zustand sich verschlechtert.«

»Schon gut«, sagte Sanderson. »Ich hoffe, ich werde dich nie wieder belästigen müssen. Dadurch würde ich dich nur in Gefahr bringen.«

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