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Jerry Cotton - Folge 2867

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Ein Killer löst sein Pfand ein
  4. Vorschau

Ein Killer löst sein Pfand ein

Es war kurz vor Mitternacht, als Paul Flaherty den Tresor abschloss. Der Pfandhaus-König besaß einen altmodischen Geldschrank, wie er schon seit vielen Jahren nicht mehr hergestellt wurde. Doch Flaherty hielt nicht viel von Neuerungen, er besaß noch nicht einmal ein Handy.

Und er hatte viele Neider und einige erbarmungslose Feinde. Doch daran dachte der Geschäftsmann nicht, als er eines seiner vielen Leihhäuser durch den Hinterausgang verließ.

Flaherty ging arglos auf sein Auto zu, als ihn völlig überraschend ein Schuss traf. Durch die Aufprallwirkung wurde der Pfandhaus-König zur Seite geschleudert. Ein zweites Projektil hämmerte in seine Brust.

Paul Flaherty war tot, noch bevor er auf dem feuchten Asphalt des Parkplatzes aufschlug.

Die neue Arbeitswoche begann für uns sofort mit einem Mordfall. Ich hatte gerade Phil an unserer üblichen Ecke abgeholt. Kaum war der blonde G-man in meinen roten Boliden gestiegen, als sich auch schon das Funkgerät meldete. Phil griff zum Mikrofon.

»Hier spricht Agent Decker.«

Aus dem Lautsprecher der Funkanlage drang die rauchige Stimme unserer Telefonistin Myrna.

»Phil, du und Jerry sollt sofort nach Coney Island fahren. Im Parkhaus an der Neptune Avenue wurde in einem Fahrzeug eine männliche Leiche aufgefunden.«

»Warum ist das ein FBI-Fall, Myrna?«

»Das kann ich dir leider nicht sagen, Phil. Mehr Informationen liegen uns zurzeit nicht vor.«

»Okay, Jerry hat mitgehört. Wir machen uns sofort auf den Weg.«

Mit diesen Worten beendete mein Partner den Funkkontakt.

»Es sieht nicht so aus, als ob wir uns heute über Mangel an Beschäftigung beklagen könnten«, meinte Phil lakonisch.

»Ja, aber das ist ja eigentlich nie der Fall, oder? Jedenfalls herrscht ideales Wetter für einen Ausflug nach Coney Island. Nur schade, dass es keinen erfreulicheren Anlass dafür gibt.«

Phil nickte. Angesichts der Frühlingstemperaturen und des strahlenden Sonnenscheins würde es vermutlich viele New Yorker und Touristen nach Coney Island ziehen.

Noch wussten wir ja nicht einmal, ob der Tote überhaupt ermordet worden war. Myrna hatte nur von einer männlichen Leiche gesprochen. Nachdem wir den East River überquert hatten, lenkte ich meinen Jaguar-E-Hybriden auf den Leif Ericson Drive. Über diesen Highway gelangten wir am schnellsten zur Neptune Avenue.

Das Parkhaus war ein sechsstöckiges Betongebäude. Die Cops hatten es komplett abgesperrt, damit die Leute von der Scientific Research Division ihrem Job nachgehen konnten. Gelbes Trassierband war sowohl vor die Einfahrt als auch vor die Ausfahrt gespannt worden. Und nun mussten sich die Officer mit aufgebrachten Autofahrern herumärgern, die nicht an ihre Fahrzeuge kamen.

Ich parkte meinen Jaguar auf der gegenüberliegenden Straßenseite, direkt hinter dem Van des Coroners. Dann überquerten Phil und ich die Fahrbahn. Wir hatten unsere FBI-Marken bereits an unseren Jacketts befestigt. Ein uniformierter Cop nickte uns zu und hob das gelbe Absperrband.

»Der Wagen, in dem die Leiche lag, steht auf dem dritten Parkdeck, G-men. Detective Sergeant Bruce Carter und Detective Eileen O’Malley haben die Ermittlungen aufgenommen.«

Ich nickte dem Cop freundlich zu. Phil und ich eilten über die steile Treppe nach oben. Wir kannten den grauhaarigen Veteranen Carter und seine hübsche rothaarige Kollegin Eileen O’Malley bereits von früheren gemeinsamen Fällen. Außer den beiden Zivilcops war das in weiße Overalls gekleidete Spurensicherungsteam bei der Arbeit. Die Männer des Coroners warteten geduldig mit ihrem Zinksarg, während Doc Watkins vom gerichtsmedizinischen Institut noch die Leiche untersuchte.

Bevor wir einen Blick auf den toten Körper warfen, begrüßten wir zunächst die beiden NYPD-Kollegen mit einem Händedruck.

»Wir wissen bisher nur, dass ein lebloser Körper aufgefunden wurde«, sagte ich. »Habt ihr schon mehr Fakten für uns?«

Bruce Carter nickte und senkte seinen Blick auf sein Notizbuch.

»Allerdings, Jerry. Die Notrufzentrale bekam um 5.03 Uhr morgens einen Anruf vom Parkhaus-Nachtwächter. Er hat auf seinem Routine-Rundgang die blutige Leiche auf der Rückbank eines Chevrolet Captiva entdeckt. Ein Patrolcar war elf Minuten später vor Ort. Die uniformierten Kollegen alarmierten dann Eileen und mich, weil wir bei der zuständigen Homicide Squad für Tötungsdelikte zuständig sind. Aber in der Aufregung war niemandem aufgefallen, dass der Chevy ein New-Jersey-Nummernschild hat. Als ich das bemerkte, rief ich gleich im FBI Field Office an. Ich dachte mir, dass der Fall wohl in der FBI-Zuständigkeit liegt und ihr so schnell wie möglich informiert werden solltet.«

»Gut gemacht, Bruce. Könnt ihr uns etwas über den Toten sagen?«

»Ja, Jerry. Es handelt sich um Paul Flaherty.«

Phil pfiff durch die Zähne.

»Paul Flaherty, der ungekrönte Pfandhaus-König von New York City? Sein Tod dürfte ein gefundenes Fressen für die Sensationspresse sein. Viele New Yorker kannten ihn, obwohl er weder ein Politiker noch ein Popstar oder ein Top-Sportler war. Aber sehr viele Menschen in dieser Stadt sind irgendwann in ihrem Leben einmal Kunde bei ihm gewesen. – Steht denn eigentlich schon fest, ob er ermordet wurde?«

»Ja, der Doc sagte vorhin etwas von zwei Einschusswunden«, meldete sich Eileen O’Malley zu Wort. »Aber ihr werdet sicher selbst noch mit dem Gerichtsmediziner reden.«

Ich nickte.

»Hat der Chevy denn Paul Flaherty gehört? Soweit ich weiß, lebte der Pfandhaus-Besitzer in New York. Dann wird sein Auto wohl kaum in New Jersey zugelassen sein.«

»Es war auch nicht sein Fahrzeug, in dem seine sterblichen Überreste lagen, Jerry«, gab der Detective Sergeant zurück. »Wir haben uns schon drüben in New Jersey erkundigt. Der Chevy wurde bei der Polizei von Jersey City gestern Abend um 22.10 Uhr als gestohlen gemeldet. Der Besitzer ist ein gewisser Richard Winslow. Wir konnten bisher keine Verbindung zwischen ihm und dem Ermordeten feststellen.«

»Jemand stiehlt ein Auto in New Jersey, nur um darin in New York eine Leiche abzuladen?«, wunderte sich Eileen O’Malley. »Das ergibt doch keinen Sinn. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick.«

»So muss es ja nicht gewesen sein«, meinte Phil. »Vielleicht gerieten Paul Flaherty und der Mörder in Streit. Sie hatten etwas miteinander zu schaffen, möglicherweise ein dunkles Geschäft. Der Mörder erschießt seinen Widersacher, stellt das gestohlene Auto hier ab und macht sich aus dem Staub. – Allzu lange kann der Tote jedenfalls nicht in dem Chevy gelegen haben, wenn der Wagen erst gestern Abend geklaut wurde. Die beiden Straftaten müssen sehr schnell nacheinander erfolgt sein.«

»Zum Todeszeitpunkt kann uns sicher der Doc mehr sagen.«

Mit diesen Worten ging ich zu dem Gerichtsmediziner hinüber. Doc Watkins packte gerade seine Instrumente zusammen. Der Mediziner war ein grauhaariger Veteran der Pathologie. Ich hatte schon oft mit ihm zu tun gehabt. Er blickte auf, als er mich sah.

»Hallo, Jerry. Du willst bestimmt wissen, was ich schon herausfinden konnte. Nach der Leichenstarre und der Körpertemperaturmessung zu urteilen trat der Tod zwischen Mitternacht und ein Uhr früh in der Nacht zum Sonntag auf. Außerdem lässt die Verfärbung der Leichenflecke darauf schließen, dass das Opfer nicht hier ermordet wurde. Diese Beobachtung deckt sich auch mit den Ergebnissen der Spurensicherung. Der Tod trat jedenfalls durch zwei Projektile Kaliber .38 ein, die vermutlich aus einem Abstand von drei bis vier Yards abgefeuert wurden. Genaueres kann ich dir erst nach der Obduktion mitteilen.«

Auch die Kollegen von der Scientific Research Division versprachen, uns so bald wie möglich die Ergebnisse ihrer Arbeit zukommen zu lassen. Die Geschosse waren gefunden worden. Wenn wir also die Tatwaffe ausfindig machten, konnten wir ihr mit hundertprozentiger Sicherheit die Projektile zuordnen. Die Fehlerquote war dabei so gering wie beim Abgleich von Fingerabdrücken.

Momentan sah es offenbar nicht so aus, als ob in dem Chevy weitere brauchbare Hinweise auf den Täter zu finden waren. Aber endgültig konnte man das zu so einem frühen Zeitpunkt nicht sagen.

***

Eileen O’Malley begleitete uns zu dem Zeugen, der den Notruf getätigt hatte. Jesús Sanchez war ein Wachmann in einer graublauen Uniform, der in seinem winzigen Verschlag hockte. Dort gab es eine Reihe von billigen Monitoren, die Bilder der Überwachungskameras übertrugen. Die ganze Anlage machte keinen sehr vertrauenerweckenden Eindruck.

Nachdem ich Phil und mich vorgestellt hatte, fragte ich: »Wann ist der Chevrolet Captiva in das Parkhaus gefahren, Mister Sanchez?«

Der beleibte Parkwächter senkte seinen Blick auf ein Clipboard.

»Ich habe schon nachgeschaut, Agent Cotton. Das Ticket wurde um 1.33 Uhr nachts gezogen. Wir haben rund um die Uhr geöffnet. Dieses Ticket gilt für 24 Stunden.«

»Aber Sie haben keine Überwachungskamera auf dem dritten Parkdeck«, meinte Phil und deutete auf die Monitorbilder. »Oder irre ich mich?«

Der Wachmann wirkte verlegen. Er knetete seine Wurstfinger.

»Wir haben eine Überwachungskamera auf der dritten Ebene. Aber sie ist seit zwei Wochen kaputt, ehrlich gesagt.«

»Also gibt es keine Bilder von dem Mann, der am Lenkrad saß?«, vergewisserte ich mich. »Der Ermordete kann es nicht gewesen sein, der war nämlich um 1.33 Uhr bereits tot.«

»Wir haben eine Überwachungskamera direkt an der Einfahrt«, sagte Sanchez eifrig. Er spulte das Band zurück. Wir erblickten wirklich den Chevy, wie er langsam ins Parkhaus gefahren wurde. Gespannt verfolgten wir das Geschehen auf dem Monitor. Leider war das Ergebnis nicht sehr aussagekräftig.

»Der Mörder hat also einen dunklen linken Jackenärmel«, meinte Phil mit trockenem Humor. »Das schränkt natürlich den Kreis der Verdächtigen enorm ein. – Aber im Ernst, um die Sicherheit ist es hier bei Ihnen wirklich nicht gut bestellt.«

Der Wachmann wand sich wie ein Aal.

»Ich weiß, dass unser Überwachungssystem nicht perfekt ist. Ich habe es dem Boss auch schon mehrfach gesagt. Aber bisher bin ich nur auf taube Ohren gestoßen. Der Besitzer will Kosten sparen. Die Konkurrenz ist hart, sagt er immer.«

»Ist das auch der Grund, weshalb Sie nur so selten eine Überwachungsrunde drehen?«, hakte ich nach. Das war nur eine Annahme von mir, aber ich traf mit meiner Bemerkung ins Schwarze. Meine Mutmaßung war offenbar richtig gewesen.

»Ja, eigentlich schon. – Ich soll nicht so oft meinen Posten verlassen. Eigentlich müssten zwei Männer nachts hier arbeiten. Aber als ich den Toten erblickte, habe ich sofort die Cops gerufen. Das war doch richtig, oder?«

»Gewiss, Mister Sanchez. – Wenn der Mörder nicht mit dem Auto das Parkhaus verlassen hat, dann muss er zu Fuß geflüchtet sein. Oder in einem gestohlenen anderen Wagen.«

Auch Phil stimmte meiner Schlussfolgerung zu. Doch es stellte sich schnell heraus, dass im Parkhaus kein Auto vermisst wurde. Wir checkten alle anderen Fahrzeuge. Bei keinem von ihnen konnten wir Auffälligkeiten feststellen, und es war auch kein Auto aus dem Parkhaus als gestohlen gemeldet worden. Also hatte der Täter das Treppenhaus oder den Lift als Fluchtweg gewählt.

»Lassen Sie mich raten«, knurrte Phil. »Die Überwachungskameras für die Ausgänge funktionieren ebenfalls nicht. Oder?«

»Das ist doch nicht meine Schuld!«, verteidigte sich der Wachmann. »Wenn Ihnen das nicht gefällt, müssen Sie sich beim Parkhaus-Besitzer beschweren.«

Darauf entgegnete ich nichts. Doch ich ließ mir das Überwachungsvideo aushändigen und gab es an die SRD-Kollegen weiter. Vielleicht konnten sie aus dem schlechten Material noch mehr herausholen. Für uns stand inzwischen immerhin fest, dass Flaherty bei der Einfahrt in das Parkhaus schon tot gewesen war.

»Das erklärt, warum der Nachtwächter keine Schüsse gehört hat«, murmelte Phil, nachdem wir wieder zu den Zivil-Cops zurückgekehrt waren. »Aber in diesem Parkhaus wird das Wort Sicherheit offenbar ganz klein geschrieben.«

»Es stellt sich auch die Frage, warum der Täter überhaupt den Wagen mit der Leiche darin hier abgestellt hat«, sagte ich. »Ihm muss doch klar gewesen sein, dass die Leiche mehr oder weniger schnell gefunden wird. Vielleicht soll der tote Flaherty eine Botschaft für jemanden darstellen.«

Diese Frage musste einstweilen im Raum stehen bleiben. Einer der Männer von der Spurensicherung kam zu mir.

»Jerry, wir haben in der linken Anzugtasche des Opfers drei kleine Goldkugeln gefunden. Wir werden sie kriminaltechnisch untersuchen. Ich wollte dir nur schon mal Bescheid sagen, weil das ein eher ungewöhnlicher Fund ist. Die Brieftasche und die Armbanduhr des Toten waren übrigens auch noch vorhanden.«

»Das ist ein guter Hinweis«, sagte ich. Und Phil ergänzte: »Drei goldene Kugeln? Das ist doch das traditionelle Symbol der New Yorker Pfandleiher. Vielleicht war das ja Flahertys Talisman. Wenn er abergläubisch war, könnten sie sein Glücksbringer gewesen sein.«

»Das wird sich herausstellen«, erwiderte ich. Einen Raubüberfall konnte man jetzt schon ausschließen. Wie wir erfuhren, hatte Flaherty zweitausend Dollar in bar und seine Kreditkarten bei sich gehabt. Und nichts sprach dafür, dass der Mörder bei seiner Arbeit gestört worden war. Er hatte Flaherty offenbar aus nächster Nähe erschossen und dann kaltblütig die Leiche in einem gestohlenen Fahrzeug beseitigt.

Ob Mörder und Opfer einander gekannt hatten? Auf jeden Fall wies die Leiche keine Abwehrverletzungen auf. Es hatte also kein Kampf stattgefunden, bevor sich Flaherty die tödlichen Kugeln eingefangen hatte.

Nun übergaben Bruce Carter und Eileen O’Malley den Fall erst einmal offiziell an uns. Das NYPD hatte ab sofort mit dem Mord an Paul Flaherty nichts mehr zu tun. Die Männer des Coroners transportierten die Leiche ab. Wie sich herausstellte, hatte bisher noch niemand die Familie des Toten benachrichtigt. Dafür war bisher noch keine Zeit gewesen.

Diese traurige Pflicht würden nun Phil und ich übernehmen.

***

Paul Flaherty hatte zu Lebzeiten in einem Haus residiert, das dem ungekrönten Pfandhaus-König von New York City würdig war. Der repräsentative Bau in dem noblen Stadtteil Brooklyn Heights deutete auf den finanziellen Erfolg seines Besitzers hin. In Brooklyn Heights gibt es nicht nur einen herrlichen Panoramablick auf die Südspitze von Manhattan, sondern auch zahlreiche schön restaurierte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Es war eine Gegend, in der es sich mit dem nötigen Kleingeld leben ließ. Doch ins Grab hatte Flaherty seine Reichtümer nicht mitnehmen können.

Phil und ich läuteten an der Tür der Stadtvilla im altenglischen Stil. Ein Latina-Dienstmädchen öffnete uns. Sie war jung und schlank, verbarg aber ihre Figur unter der züchtigen Arbeitskleidung. Ihre großen ausdrucksvollen Augen schauten uns erwartungsvoll an.

»Ich bin Special Agent Jerry Cotton, FBI New York. Das ist Special Agent Phil Decker. Wir möchten mit Mistress Flaherty sprechen.«

Der Blick der Hausangestellten flackerte jetzt furchtsam. Ob sie illegal eingewandert war? Das spielte für uns keine Rolle, wir ermittelten jetzt nur in dem Mordfall Paul Flaherty. Als die Latina antwortete, sprach sie mit deutlichem Akzent.

»Folgen Sie mir bitte, Agents.«

Wir wurden gebeten, in der mit Marmorfußboden ausgestatteten Halle zu warten. Es war wirklich offensichtlich, wie reich die Familie war. In dem großzügigen Empfangsbereich hingen gerahmte Ölgemälde, die Ladys und Gentlemen aus längst vergangenen Jahrhunderten darstellten. Obwohl ich kein Kunstkenner bin, war ich sicher, dass es sich um teure Originale bekannter Künstler handelte. Leihhäuser stellten offenbar ein lukratives Geschäft dar. Ich ging ein paar Schritte auf und ab, dann wandte ich mich Phil zu.

»Hast du schon mal etwas ins Pfandhaus gebracht, Phil?«

Mein Freund schüttelte den Kopf.

»Erstens komme ich mit meinem Gehalt aus, und zweitens besitze ich gar nichts Wertvolles. Und wie steht es mit dir, Jerry? Hast du schon mal deinen Jaguar zur Auto-Pfandleihe gefahren?«

Ich grinste.

»Nein, Phil. Denn dann hättest du ja morgens an unserer Ecke vergeblich auf mich warten müssen.«

Gleich darauf endete unser kurzer Wortwechsel, denn nun kehrte die Latina zurück und führte uns in den Salon. Dort wurden wir von der Hausherrin erwartet. Paul Flahertys Witwe war eine dralle Blondine Ende vierzig. Ihr Gesicht sah so aus, als wäre es schon mindestens einmal geliftet worden. Ihre vollen Lippen schienen mit Botox Bekanntschaft gemacht zu haben. Sie trug ein enges Designerkleid und blinzelte uns mit ihren grünen Augen irritiert an.

»Ich bin Vivian Flaherty, Agents. Was führt Sie zu mir?«

Ich stellte uns vor. Dann sagte ich: »Sie sollten sich besser setzen, Mistress Flaherty. Wir müssen Ihnen etwas mitteilen.«

»Meinetwegen. – Machen Sie es doch nicht so spannend, Agents. Ist etwas mit meinem Mann geschehen?«

Vivian Flaherty nahm auf einem Cocktailsessel Platz und schlug ihre Beine übereinander. Ich schaute ihr direkt in die Augen. Ich habe leider schon vielen Angehörigen eine Todesnachricht überbringen müssen. Es ist unmöglich vorauszusagen, wie sie darauf reagieren. Manche Menschen brechen buchstäblich zusammen, andere bewahren mit größter Mühe ihre Haltung.

»Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihr Mann tot aufgefunden wurde. Jemand hat ihn erschossen, Mistress Flaherty. Agent Decker und ich sind damit beauftragt, den Mörder zu finden.«

»Paul – ist tot? Wie ist das passiert?«

Vivian Flaherty machte auf mich keinen besonders aufgelösten Eindruck. Sie weinte nicht.

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