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Jerry Cotton - Folge 2455

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Killer, Kredite, Korruption
  4. Vorschau

Killer, Kredite, Korruption

Jack Redfield hatte die Taschen voller Geld. Das blutgetränkte Hemd klebte an seiner Haut. Der kalte Nachtwind aus Richtung Hudson River ließ ihn frösteln. Aber Redfield war trotzdem in Siegerlaune. Die Lösung seiner Probleme war zum Greifen nah. Schon am nächsten Morgen konnte er sich endlich von der Bedrohung befreien. Er musste die dicken Dollarbündel einfach nur nehmen und damit …

Ein Geräusch riss Redfield aus seinen Wunschträumen. Er blieb stehen, drehte sich abrupt um. Doch hinter ihm war niemand.

Der Mann mit den Banknoten und dem blutigen Hemd musste noch einen halben Häuserblock hinter sich bringen. Dort wartete sein Wagen auf ihn, den er an einer unauffälligen Stelle geparkt hatte. Redfield wurde nervös. Nun hörte er wirklich Schritte. Oder bildete er sich das nur ein? Redfield hatte das Gesetz gebrochen, war er deshalb so unruhig?

Doch es waren nicht die Cops, die er fürchten musste. Der Angreifer war plötzlich da. Er hatte Redfield überrumpelt. Das Opfer schlug wild um sich, doch die Hände krallten sich unbarmherzig in seinen Hals.

Redfield war schon tot, als er auf den regenfeuchten Gehweg glitt.

***

Am Montagmorgen quälte ich mich in meinem roten Jaguar-E-Hybriden durch den Berufsverkehr von Manhattan. Ich hielt an unserer gewohnten Ecke. Kaum hatte Phil die Beifahrertür geöffnet und sich auf den Sitz geschwungen, als sich das Funkgerät meldete.

Tatendurstig griff mein Freund zum Mikrofon, während ich wieder losfuhr. Über den Lautsprecher konnte ich den Wortwechsel mit der Funkzentrale mithören.

»Hier Agent Decker.«

»Phil, du und Jerry sollt sofort nach Richmond Hill fahren. Dort hat das NYPD eine männliche Leiche in einem Fahrzeug-Kofferraum gefunden. Die genaue Adresse lautet 1015 Liberty Avenue.«

»Okay, Myrna. Warum soll das FBI den Fall übernehmen?«

»Der Tote wurde in einem Auto gefunden, das in New Jersey als gestohlen gemeldet ist. Mehr Informationen habe ich zurzeit nicht.«

Phil bedankte sich, beendete den Funkkontakt mit unserer Telefonistin und wandte sich nun mir zu.

»Einen schönen guten Morgen erst einmal, Jerry. Man kommt ja noch nicht einmal zum Begrüßen, schon wird man vom Job überrollt.«

»Guten Morgen, Phil. – Du hast zwar recht, aber je früher wir die Leiche zu sehen bekommen, desto frischer sind die Spuren.«

»Das ist auch wieder wahr. – Und was sagst du zu den Leistungen unserer Basketball-Asse?«

Auf dem Weg nach Queens plauderten wir über das letzte Spiel der New York Knicks. Es machte keinen Sinn, über den vor uns liegenden Fall zu spekulieren. Noch hatten wir ja keine Informationen. Genau genommen wussten wir noch nicht einmal, ob der Tote einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Genau genommen konnte er auch eines natürlichen Todes gestorben sein oder sich das Leben genommen haben.

Die Liberty Avenue ist neben der Jamaica Avenue und der Atlantic Avenue eine der Hauptgeschäftsstraßen des Stadtteils Richmond Hill im Bezirk Queens. Wir erblickten das gelbe Absperrband der City Police schon von weitem. Der Van der Scientific Research Division war schon vor Ort, die Leute des Coroners ebenfalls. Außerdem parkten einige NYPD-Patrolcars in zweiter Reihe. Ein uniformierter Cop hatte mich erkannt. Der Mann in Blau nickte Phil und mir zu. Er forderte mich mit einer Geste auf, hinter dem SRD-Van zu parken.

Wir stiegen aus. Unsere FBI-Marken hatten wir bereits an unseren Jacketts befestigt. Zwei andere Uniformierte kamen auf uns zu. Ihre Gesichter sagten mir nichts, aber selbst wir kennen nicht jeden Cop in ganz New York City.

Sie stellten sich uns als Sergeant Luke Bolton und Officer Gina Marelli vor. Bolton war ein breitschultriger Mann mit grauem Bürstenhaarschnitt, seine italienischstämmige Kollegin trug ihr schwarzes Haar kinnlang.

»Ich bin Agent Jerry Cotton, das ist mein Partner Agent Phil Decker. – Habt ihr das Fahrzeug gefunden?«

»So ist es, Jerry«, entgegnete Bolton. Er deutete auf einen beigen Chevrolet Malibu, dessen Kofferraumdeckel offen stand. Die Leiche war offenbar vor wenigen Minuten abtransportiert worden. Jedenfalls erblickten wir einen Zinksarg, den die Männer des Coroners in ihr Fahrzeug schoben.

»Wie seid ihr auf den Wagen aufmerksam geworden?«, fragte Phil. »Der Chevy wirkt unauffällig. Er hat gewiss mehr als fünfzehn Jahre auf dem Buckel. Kein Gebrauchtwagenhändler würde mehr als 2000 Dollar dafür verlangen können.«

»Das stimmt«, pflichtete der NYPD-Sergeant meinem Freund bei. »Aber hier in Richmond Hill hatten wir in letzter Zeit verstärkt Fahrzeugaufbrüche. Gina und ich waren auf Fußstreife unterwegs, haben mit der Taschenlampe ins Innere der Autos geleuchtet. Und bei dem Chevy haben wir sofort bemerkt, dass ihn jemand kurzgeschlossen hat.«

Die junge Polizistin ergänzte: »Der Kofferraum war nicht abgeschlossen. Wir öffneten den Deckel und sahen sofort die Leiche. Mir hat sich der Magen umgedreht, weil da so viel Blut war. Das sah schauderhaft aus. Ob ich mich daran gewöhnen werde?«

»Das war dein erster Toter, Gina«, meinte der erfahrene Kollege. »Aber ich bin jetzt über zwanzig Jahre beim Department und habe mich immer noch nicht daran gewöhnt. – Jedenfalls bemerkten wir, dass der Chevy aus New Jersey stammt. Also haben wir gar nicht erst unsere Detectives, sondern sofort das FBI alarmiert.«

»Gut gemacht«, lobte ich. »Könnt ihr uns schon etwas über die Identität des Toten sagen? Wie kam er ums Leben?«

»Zur Todesursache müsst ihr den Doc befragen, wir haben nur jede Menge Blut gesehen«, sagte Bolton. »Der Leichnam trug keine Papiere bei sich. – Aber ich kannte ihn.«

»Um wen handelt es sich?«

»Der Mann hieß Jack Redfield. Er besaß ein Friseurgeschäft hier in Richmond Hill, in der Jamaica Avenue. Es ist eine Schande, dass er so enden musste. Ich kannte ihn flüchtig, habe gelegentlich mal ein paar Sätze mit ihm geredet. Schließlich schiebe ich schon seit vielen Jahren in dieser Gegend Dienst, da kennt man sich.«

»Hatte Redfield Feinde, Luke? Hast du einen Verdacht?«

Der Sergeant kratzte sich im Nacken, schüttelte nachdenklich den Kopf.

»Mir fällt niemand ein, der ihn auf dem Gewissen haben könnte. Redfield war ein Durchschnittstyp, der sich mit niemandem anlegte. Vielleicht war mal ein Kunde mit seinem Haarschnitt unzufrieden. Aber deswegen bringt man doch niemanden um.«

»War er verheiratet?«

»Ja, seine Frau arbeitet auch in dem Friseursalon. Allerdings sind wir noch nicht dazu gekommen, sie zu benachrichtigen.«

»Dann werden wir das erledigen«, sagte ich.

Phil redete kurz mit den SRD-Spezialisten in ihren weißen Overalls. Ihm wurde zugesichert, dass wir die Ergebnisse der Spurensicherung so schnell wie möglich bekommen würden. Bisher stand nur fest, dass Redfield nicht in dem Wagen ermordet worden war. Die Leiche war offenbar nur im Kofferraum abgelegt worden.

Ich bedankte mich einstweilen bei Sergeant Bolton und Officer Marelli, die keine weiteren Informationen für uns hatten. Zuvor ließ ich mir von ihnen noch die Adresse von Redfields Friseurladen geben. Dann wandte ich mich an den Gerichtsmediziner, der schon seine Instrumente zusammenpackte.

»Können Sie mir etwas zur Todesursache sagen, Doc Turner?«

»Man sollte sich durch das viele Blut auf der Kleidung nicht täuschen lassen, es stammt nicht von dem Toten selbst.«

Doc Turner unterbrach sich, weil er meinen fragenden Gesichtsausdruck bemerkte. Dann ergänzte er: »Ach ja, Sie und Phil haben die Leiche ja noch gar nicht in Augenschein genommen. – Der Tod trat jedenfalls durch Erwürgen ein. Der Mann hat sich wahrscheinlich gewehrt, aber es hat ihm nichts genützt. Vermutlich war er noch kurz bewusstlos und ist unmittelbar danach gestorben. Als er in den Kofferraum gelegt wurde, hat er jedenfalls nicht mehr gelebt. Das steht bereits fest.«

»Und was ist mit dem Todeszeitpunkt, Doc?«

»Unter Berücksichtigung der Körperkerntemperatur schätze ich, dass der Mann zwischen drei und vier Uhr morgens ermordet wurde.«

Ich schaute auf meine Armbanduhr. Sie zeigte inzwischen 9.23 Uhr an. Es war nicht viel Zeit vergangen, seit die Cops den geparkten Wagen mit der Leiche entdeckt hatten. Trotzdem konnte der Mörder bereits über alle Berge sein.

Ich ging zu Phil hinüber.

»Wir sollten zu Redfields Laden fahren. Es ist besser, wenn wir der Witwe die Todesnachricht überbringen. Jedenfalls soll sie es nicht durch die Pressegeier erfahren.«

Ich deutete auf einen Übertragungswagen eines lokalen TV-Senders, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite Position bezog. Phil nickte düster.

»Okay, Jerry. Bringen wir die traurige Pflicht hinter uns.«

***

Wir stiegen in meinen Jaguar und fuhren zur Jamaica Avenue. Der Redfield Barber Shop befand sich zwischen einem Spirituosen-Laden und einer Schnellreinigung. Es war eine ruhige und unauffällige Gegend. Phil und ich betraten das Friseurgeschäft.

Kunden waren nicht zu sehen. Doch im Handumdrehen kam eine gestylte Blondine aus dem Hinterzimmer geeilt. Sie trug ein billiges hautenges Kleid und klimperte mit ihren falschen Wimpern. Sie lächelte, wollte offenbar mit Phil und mir flirten. Doch dann bemerkte sie unsere FBI-Marken.

»G-men? Was ist denn los, habe ich falsch geparkt?«

Sie lachte affektiert. Aber ich fürchtete, dass ihr der Humor gleich vergehen würde. Ich stellte uns vor. Dann fragte ich: »Sind Sie Mistress Redfield?«

»Ja, ich bin Sally Redfield. – Was soll die Frage, Agent? Ist etwas mit meinem Mann geschehen?«

»Das Police Department hat einen Toten gefunden. Es handelt sich höchstwahrscheinlich um Ihren Ehemann.«

Nachdem ich diese Sätze ausgesprochen hatte, ließ ich Sally Redfield nicht aus den Augen. Falls sie zusammenbrach, wollte ich Schlimmeres verhindern. Doch die Frau hatte sich gut im Griff. Sie öffnete nur kurz den Mund, formte ihn zu einem O. Die Frau riss die Augen auf und schlug sich die flache Hand vor ihre Lippen. Doch dann hatte sie sich wieder in der Gewalt.

»Wie – was ist denn geschehen, Agent? Und warum sagen Sie, die Leiche wäre höchstwahrscheinlich mein Jack?«

»Ein NYPD-Sergeant glaubt, den Toten erkannt zu haben. Es wurden offenbar keine Dokumente bei dem Toten gefunden. Wir müssen Sie bitten, die Leiche zu identifizieren. Das heißt, falls Sie sich dazu in der Lage fühlen. Es ist auch später möglich.«

»Nein, es geht schon. Ich will Jack noch einmal sehen.«

Sally Redfield tupfte mit einem Taschentuch in ihren Augenwinkeln herum, weinte aber nicht. Sie wirkte merkwürdig teilnahmslos. Entweder hatte ihr Mann ihr nicht viel bedeutet oder sein Tod war keine Überraschung für sie. Ob die Witwe vielleicht selbst in das Verbrechen verwickelt war?

Sally Redfield holte sich ihre Jacke und Handtasche aus dem Hinterzimmer. Es war, als ob sie auf unser Erscheinen gewartet hätte. Vielleicht war das ja auch wirklich so. Sie durfte auf dem Beifahrersitz meines roten Boliden Platz nehmen, während Phil sich auf den Notsitz quetschte.

Wir fuhren zum gerichtsmedizinischen Institut.

»Waren Sie gar nicht beunruhigt, weil Ihr Mann nicht zu Hause war, Mistress Redfield?«, fragte ich.

Sally Redfield saß neben mir und hatte die Beine übereinandergeschlagen. Sie schien es gewohnt zu sein, ihre Vorzüge in Szene zu setzen. Selbst als frischgebackene Witwe präsentierte sie sich verführerisch und feminin.

»Mein Mann ist mir keine Rechenschaft schuldig, Agent Cotton. Er zog öfter nachts durch die Bars, wenn ihm der Sinn danach stand. Irgendwann ist er dann immer wieder heimgekommen. Nur heute nicht.«

Sie schniefte, aber ihre Trauer wirkte wie eine Schmierenkomödie. Gewiss, die Menschen gehen sehr unterschiedlich mit dem Verlust einer geliebten Person um. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass Redfield seiner Frau etwas bedeutet hatte. Jedenfalls nicht in den letzten Jahren. Ob er ein Gewohnheitstrinker gewesen war? Das würde sich bei der Obduktion herausstellen.

Der diensthabende Pathologe hatte den Leichnam bereits auf seinem Seziertisch. Der Körper war mit einem weißen Tuch bedeckt. Phil und ich begrüßten Doc Lowinski, den wir seit vielen Jahren kannten. Er warf mir einen fragenden Blick zu.

»Sind Sie bereit, Mistress Redfield?«

Die Frau nickte. Der Pathologe zog das Tuch so weit zurück, dass das Gesicht freigegeben wurde. Nun erblickten Phil und ich den Mann, dessen Tod wir aufklären sollten.

Ich schätzte Jack Redfield – falls er es war – auf Ende dreißig oder Anfang vierzig. Sein Haar war braun und modisch geschnitten, aber das war bei einem Friseur auch nicht verwunderlich. Die Gesichtszüge wirkten seltsam verzerrt, er hatte gewiss keinen leichten Tod gehabt. Die Würgemale an seinem Hals waren selbst für einen Laien unverkennbar.

Sally Redfield gab ein keuchendes Geräusch von sich. Sie schwankte leicht, nun schien es ihr doch schlechter zu gehen. Ich stützte sie.

»Ja, das ist Jack«, sagte sie mit belegter Stimme. Und nun weinte sie doch. Wir begleiteten sie hinaus. Der Pathologe versicherte uns, dass er so bald wie möglich mit der Obduktion anfangen würde. Immerhin kannten wir nun die Identität des Toten.

»Ich kann Ihnen diese Fragen nicht ersparen, Mistress Redfield. – Wissen Sie, ob Ihr Mann gestern jemanden treffen wollte?«

»Nein.«

»Hatte Ihr Mann vielleicht eine Affäre?«

»Nicht dass ich wüsste.«

»Fühlte er sich bedroht? Lag er mit jemandem im Streit?«

»Nein, Jack kam immer gut mit allen Leuten aus.«

Dabei wollte ich es zunächst belassen. Sally Redfield hatte gerade ihren Ehemann verloren, wir wollten sie einstweilen schonen. Ich fuhr sie zu ihrem Friseursalon zurück. Wie ich inzwischen erfahren hatte, wohnte das Ehepaar im ersten Stockwerk über dem Geschäft.

»Haben Sie jemanden, der sich um Sie kümmern kann, Mistress Redfield?«

»Meine Schwester, ich werde sie gleich anrufen.«

Phil und ich warteten noch, bis Sallys Schwester Doris herbeigeeilt kam. Sie wohnte in der Nähe und war Hausfrau. Auch sie hatte keinen blassen Schimmer, wer ihren Schwager ermordet haben konnte. Jedenfalls sagte sie das.

Wir stiegen wieder in meinen Jaguar.

»Wenn du mich fragst, war das ein stinknormaler Raubmord, Jerry. Jack Redfield hat ein paar Drinks zu viel gehabt und wankt nach Hause. Ein Straßenräuber erwürgt ihn, räumt ihm die Taschen aus. Und damit die Leiche nicht gleich gefunden wird, steckt er sie in den Kofferraum von dem Chevy.«

»Okay, aber woher stammt das viele Blut, das die Cops erwähnten? Hatte Redfield noch weitere Verletzungen, die wir jetzt nicht gesehen haben? Der Pathologe hat uns ja nur das Gesicht gezeigt. Oder hat Redfield sich gewehrt und das Blut stammt vom Täter?«

»Das wäre gut, denn dann könnten wir ihn schnell ermitteln.«

***

Assistant Director John D. High erwartete Phil und mich bereits in seinem Office an der Federal Plaza. Als wir das Vorzimmer betraten, hatte Helen soeben ihren berühmten Kaffee gekocht. Die Chefsekretärin schenkte uns ein, während wir unseren Vorgesetzten begrüßten und auf seinen Besucherstühlen Platz nahmen.

Mr High faltete seine Hände auf der Schreibtischunterlage und hörte konzentriert zu, während ich kurz unseren bisherigen Kenntnisstand zusammenfasste.

»Für mich klingt das auf den ersten Blick nach einem Raubmord. Oder gibt es Anhaltspunkte, dass mehr dahintersteckt?«

»Bisher noch nicht, Sir«, sagte ich. »Allerdings haben wir mit den Ermittlungen auch erst vor ungefähr zwei Stunden begonnen. Wir sollten auf jeden Fall nach Zeugen suchen. Die Kleidung des Opfers war offenbar stark blutbefleckt, die Kollegen von der Spurensicherung untersuchen momentan die Textilien. Vielleicht ist der blutverschmierte Redfield ja jemandem aufgefallen.«

»Wir könnten die Notrufzentrale des NYPD checken«, schlug Phil vor. »Möglicherweise hat dort ein besorgter Bürger in der vergangenen Nacht angerufen.«

Der Chef nickte zustimmend. Ein schmales Lächeln erschien auf seinem asketischen Gesicht.

»Falls es sich wirklich nur um einen Raubmord handelt, wird sich das schnell herausstellen. So wie ich Sie kenne, ist der Fall bei Ihnen in guten Händen. – Finden Sie heraus, wer für den Tod von Jack Redfield verantwortlich ist, Jerry und Phil.«

Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Wir tranken schnell unseren Kaffee aus und stürzten uns in die Arbeit. Der Kontakt zur Notrufzentrale des NYPD war nicht ergiebig. Es hatte zwar unzählige Alarmmeldungen gegeben, so wie in jeder New-York-City-Nacht. Doch es fand sich kein Hinweis auf einen Mann in blutverschmierter Kleidung.

»Sally hat angedeutet, dass ihr Mann ein Schluckspecht war«, erinnerte Phil. »Wir könnten die Bars in der Umgebung abgrasen und sein Foto herumzeigen. Vielleicht war er ja irgendwo Stammgast. Möglicherweise geriet er in Streit mit anderen Trinkern.«

Ich nickte. Oft endet ein gemeinsames Zechgelage in Gewalt, das war mir natürlich auch bekannt. Wir fuhren zurück nach Richmond Hill. Am späten Vormittag waren natürlich noch nicht alle Bars geöffnet. Doch in der Glasgow Bar an der Atlantic Avenue hatten wir Glück. Der rothaarige Bartender zog die Augenbrauen zusammen, nachdem ich ihm das Polizeifoto von Redfields Leiche vorgelegt hatte.

»Verflucht, das ist doch Jack, der Friseur! Hat es ihn erwischt, G-man?«

»Ja, er wurde in der vergangenen Nacht ermordet.«

»So ein Bockmist!«, schimpfte der Rothaarige. »Jack konnte keiner Fliege etwas zuleide tun.«

»Kam er regelmäßig hierher? War er ein Stammgast?«

Der Barkeeper starrte mich an, als ob ich dem US-Präsidenten Alkoholismus unterstellt hätte.

»Jack Redfield? Nein, den habe ich an meiner Theke niemals zu sehen bekommen. Ich kenne ihn nur, weil ich mir bei ihm die Haare schneiden ließ.«

»Gab es vielleicht andere Bars, in denen er sich regelmäßig sehen ließ?«

Der Rothaarige schüttelte den Kopf.

»Könnte sein, aber darüber weiß ich nichts. Jack war kein Abstinenzler, das nicht. Er hat wohl gelegentlich abends vor dem Fernseher mal ein Bier getrunken, jedenfalls hat er mir das mal erzählt.

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