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Jerry Cotton - Folge 2850

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Liebe ist ein hartes Geschäft
  4. Vorschau

Liebe ist ein hartes Geschäft

Die Blondine, auf die Tim Lacey wartete, sah fantastisch aus. Zwar kannte er bisher nur ihre Fotos, die er im Internet gesehen hatte. Aber wenn die Kleine auch nur halb so toll war wie auf den Bildern, dann lag die Nacht der Nächte vor ihm. Daran zweifelte er nicht.

Tim Lacey schaute erneut auf seine teure Rolex. Es war fast Mitternacht. Er parkte an der Ecke Gerry Street und Marcy Avenue. Dort wollte Gina in seinen Wagen steigen, wenn sie aus der U-Bahn kam. Tim Lacey behielt den Subway-Eingang fest im Blick. Daher bemerkte er nicht, dass plötzlich die Beifahrertür seines Dodge Viper aufgerissen wurde.

Tim Lacey wirbelte herum, aber es war zu spät. Er spürte nur noch Schmerz und schmeckte sein eigenes Blut. Drei Minuten später war er tot.

Die Nachricht von Tim Laceys Tod erreichte mich per Funk, als ich morgens auf dem Weg zur Federal Plaza war.

»Jerry, einer der Söhne von Miles Lacey ist tot aufgefunden worden«, informierte mich unsere Telefonistin Myrna. »Der Chef möchte, dass du sofort zum Leichenfundort fährst, um dir selbst ein Bild zu machen. Tim Lacey saß tot in seinem geparkten Auto. Der Standort ist Ecke Marcy Avenue und Gerry Street in Brooklyn.«

»Verstanden, Myrna. Ich hole nur noch Phil ab, dann fahren wir sofort dorthin.«

Phil und ich gehörten zu einem FBI-Team, das über die Grenzen der Bundesstaaten New York und New Jersey hinweg einen gewissen Miles Lacey observierte. Er stand in dringendem Verdacht, in mehreren Ostküstenstaaten einen Schutzgelderpresser-Ring aufgezogen zu haben. Doch Miles Lacey war ein alter Unterwelt-Haudegen, dem man so leicht nichts nachweisen konnte. Offiziell handelte er mit gebrauchten Elektrogeräten. Seinen Sohn Tim Lacey kannte ich persönlich überhaupt nicht. Ich wusste nur aus der Kriminalakte, dass Lacey zwei erwachsene Kinder hatte. Sein anderer Sohn Earl ließ sich gelegentlich in dem Elektrogeschäft sehen. Phil und ich glaubten nicht, dass Lacey junior einer ehrlichen Arbeit nachging. Aber wir konnten ihm ebenso wenig etwas nachweisen wie seinem alten Herrn.

Ich hielt an unserer gewohnten Ecke. Mein Partner öffnete die Beifahrertür und ließ sich grüßend auf den Sitz neben mir fallen.

»Und wieder liegt ein öder Tag mit langweiligen Observationen vor uns«, stöhnte Phil. Ich schüttelte den Kopf.

»Da irrst du dich. Myrna hat mich gerade angefunkt. Miles Laceys Sohn ist tot.«

Phil hob die Augenbrauen.

»Hat ihn jemand umgelegt?«

»Ich weiß es noch nicht. Auf jeden Fall ist es nicht der ältere Sprössling, den Miles Lacey verloren hat, sondern der junge Tim.«

Phil wiegte den Kopf.

»Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, Jerry. Falls ein Konkurrent Tim Lacey auf dem Gewissen hat, dann steht uns im Handumdrehen ein knallharter Gangsterkrieg ins Haus.«

»Wir kennen die Fakten ja noch gar nicht. Aber das wird sich bald ändern, und deshalb fahren wir jetzt sofort nach Brooklyn.«

Ich lenkte meinen roten Jaguar-E-Hybriden über die Williamsburg Bridge nach Brooklyn. Die Gegend, in der die Leiche gefunden worden war, war ruhig und unauffällig. In der Gerry Street standen Reihenhäuser mit winzigen Gärten, die von altertümlichen Eisenzäunen abgegrenzt wurden. In der Marcy Avenue gab es auf dieser Höhe ein paar Bars, eine Pizzeria und eine chemische Reinigung. Für Brooklyn-Verhältnisse war es eine bessere Wohngegend.

Ich parkte meinen roten Boliden hinter dem Van des Coroners, dessen Leute ebenfalls bereits vor Ort waren. Die Cops hatten weiträumig um einen geparkten Dodge Viper mit gelbem Trassierband abgesperrt. Die Zahl der Schaulustigen hielt sich allerdings in Grenzen. Die Anwohner mussten offenbar zur Arbeit und hatten keine Zeit zum Gaffen. Auch die Pressegeier glänzten noch durch Abwesenheit.

Ein Team von der Scientific Research Division in weißen Overalls war bereits an der Arbeit. Ich erkannte auch den Gerichtsmediziner Doc Weinberger, der die sterblichen Überreste von Tim Lacey untersuchte. Wir befestigten unsere FBI-Marken an unseren Jacketts. Doch die Detectives vom zuständigen Precinct hatten uns bereits erkannt.

Detective Sergeant Harry Lane nickte einem jungen uniformierten Cop zu, damit er das Absperrband für uns hob. Wir kannten ihn und seine hübsche Dienstpartnerin Detective Eileen Hyams bereits durch andere Fälle, bei denen wir zusammengearbeitet hatten. Die beiden Zivil-Kollegen vom NYPD begrüßten uns mit einem Händedruck.

»Das ging ja schnell«, sagte der erfahrene grauhaarige Detective Sergeant. »Eileen hat vor einer halben Stunde im FBI Field Office Bescheid gegeben, dass vermutlich Tim Lacey ermordet wurde. Es gibt ja die Anweisung, alle Hinweise zur Lacey-Familie an das FBI weiterzuleiten.«

»Tim Lacey wurde vermutlich umgebracht?«, hakte ich nach. »Dann steht das also noch nicht fest?«

Detective Eileen Hyams schaltete sich ein und deutete auf den Dodge Viper.

»Am besten seht ihr es euch selbst an. Wir haben bei der Leiche den Führerschein von Tim Lacey gefunden. Doch vom Gesicht des Toten ist nicht mehr viel übrig.«

Wir machten ein paar Schritte auf das Fahrzeug zu und warfen einen Blick ins Innere. Nun sah ich, was die NYPD-Kollegin meinte. Vom Gesicht der männlichen Leiche war nicht viel übrig geblieben. Dort, wo Wangen, Nase und Mund gewesen waren, befand sich nur noch eine blutige Masse.

Doc Weinberger, der den Toten untersuchte, bemerkte uns nun ebenfalls. Er nickte uns grüßend zu.

»Hallo, Jerry, hallo, Phil. Es dürfte kein Problem sein, den Leichnam mit Hilfe der Fingerprints und des Zahnstatus zu identifizieren. Wahrscheinlich kann ich euch schon innerhalb der nächsten paar Stunden genauen Bescheid geben.«

»Wann ist der Tod eingetreten?«, fragte Phil.

»Zwischen Mitternacht und ein Uhr heute früh«, gab der Gerichtsmediziner zurück. »Die Tatwaffe war ein harter Gegenstand aus Metall oder Holz, vielleicht ein Eisenrohr oder ein Baseballschläger.«

Ich kniete mich vor die offenstehende Beifahrertür, wobei ich darauf achtete, nichts zu berühren und die Kollegen von der SRD nicht zu behindern.

»Auf jeden Fall muss der Täter sehr viel Kraft gehabt haben«, stellte ich fest. Eileen Hyams legte den Kopf schief.

»Wie kommst du darauf, Jerry?«

»Normalerweise holt man mit einem Schlaginstrument weit aus, um möglichst hart zu treffen. Das war hier nicht möglich, weil das Opfer im Auto sitzend getroffen wurde. Im Inneren des Fahrzeugs ist kein Platz, um Schwung zu holen. Sieh mal, der Tote war sogar angeschnallt. Ich stelle es mir so vor, dass der Mörder die Tür aufriss und sofort mit ganzer Kraft zuschlug. Tim Lacey – falls es sich um ihn handelt – hatte keine Chance zur Gegenwehr. Der erste Schlag versetzte ihm einen Schock. Aber dieser Hieb muss schon so hart gewesen sein, dass Tim Lacey sofort oder bald darauf starb.«

»Das würde ich auch so sehen«, stimmte der Gerichtsmediziner mir zu. »Mehr als zwei oder drei Schläge waren nicht notwendig, um das Opfer zu töten.«

Doch Eileen Hyams war noch nicht vollständig überzeugt.

»Und wenn der Mörder den Toten erst später hier deponiert hat?«

Phil schüttelte den Kopf und deutete auf die Vielzahl an winzigen Blutflecken auf dem Inneren der Windschutzscheibe.

»Nein, Eileen. Siehst du, was für ein regelmäßiges Muster die Blutspritzer bilden? Es entstand, als der Schlag ausgeführt wurde. Wenn sich das Opfer woanders befunden hätte, dann wären diese Rückstände nicht entstanden, jedenfalls nicht hier.«

Detective Sergeant Harry Lane lachte gemütlich und klopfte seiner Dienstpartnerin auf die Schulter.

»Gib es auf, Eileen. Bevor du so gut wirst wie Jerry und Phil, musst du noch viel lernen.«

Der junge weibliche Cop grinste verlegen, schien aber nicht beleidigt zu sein. Doch im nächsten Moment zeigte sich, dass sie ihren Job sehr wohl ebenfalls beherrschte.

»Ich habe den Zeugen vernommen, der die Leiche gefunden hat. Wollt ihr mit ihm reden?«, fragte sie.

»Ja, sehr gerne.«

Detective Eileen Hyams führte uns zu einem Zivilisten, der sich mit den uniformierten Cops unterhielt und nervös von einem Bein auf das andere trat. Er paffte eine Zigarette.

»Diese Gentlemen sind vom FBI, Mister Conway.«

Der Zeuge bekam große Augen. Er stellte sich uns als Larry Conway vor. Der Mann war Ende vierzig, hager und schäbig gekleidet. Er warf seinen Glimmstängel weg und zwinkerte unruhig.

»Feds? Dann habe ich wohl eine richtig heiße Sache aufgedeckt, oder? Gibt es eine Belohnung?«, fragte er begierig.

»Das wissen wir noch nicht, Mister Conway«, erwiderte ich.

»Schade, ich könnte das Geld gut gebrauchen. Voriges Jahr bin ich mit meinem Transportunternehmen pleitegegangen. Ich komme jetzt erst ganz allmählich wieder auf die Beine und bin auf jeden Dollar angewiesen.«

»Am besten erzählen Sie uns der Reihe nach, was geschehen ist«, schlug ich vor und zückte mein Notizbuch.

»Da gibt es nicht viel zu sagen, G-man. Ich war heute Morgen gegen sieben Uhr auf dem Weg zu einem Vermittlungsbüro, wo man Tagelöhner-Jobs bekommt. Ich wollte so früh wie möglich dort sein, um noch Arbeit zu ergattern. Jetzt brauche ich mich dort gar nicht mehr sehen zu lassen, es ist schon zu spät.«

»Je eher wir Ihre Aussage haben, desto schneller können Sie gehen, Mister Conway. – Waren Sie mit dem Auto unterwegs?«

Der Zeuge lachte, als ob ich einen Scherz gemacht hätte.

»Ich habe keinen fahrbaren Untersatz mehr, seit ich pleite bin. – Sehen Sie das alte Fahrrad, das dort an dem Eisenzaun lehnt? Damit wollte ich zum Vermittlungsbüro fahren. Aber ich habe immer noch eine Schwäche für tolle Autos, auch wenn ich sie mir nicht mehr leisten kann. Deshalb habe ich mir den Dodge Viper im Vorbeifahren genauer angeschaut. Und dann sah ich, dass ein blutüberströmter Kerl auf dem Fahrersitz hockte.«

»Was haben Sie getan?«, wollte Phil wissen.

»Ich habe sofort angehalten. Dann klopfte ich mit dem Fingerknöchel gegen die Fensterscheibe und fragte, ob er Hilfe brauchen würde. Aber der arme Teufel rührte sich nicht mehr. Da wurde mir klar, dass er tot war. Neben der Pizzeria da vorne an der Marcy Avenue ist ein öffentliches Telefon. Dort bin ich hingeradelt und habe die 911 gewählt. Na ja, wenig später traf dann ein Patrolcar ein. Und seitdem stehe ich mir hier die Beine in den Bauch.«

Larry Conway schaute mich anklagend an und linste demonstrativ auf seine billige Armbanduhr.

»Ich verstehe, dass Sie Geld verdienen müssen«, sagte ich. »Aber hier geht es um einen Mord. – Ist Ihnen irgendetwas Verdächtiges in der Nähe aufgefallen? Ein Fahrzeug oder Leute, die sich ungewöhnlich verhalten haben?«

Der Zeuge schüttelte den Kopf.

»Nein, gar nichts, G-man. Wenn ich geradeaus geschaut hätte, dann wäre mir auch der Dodge Viper gar nicht aufgefallen. Wie Sie sehen, ist er normal geparkt. Ich fahre mit dem Rad jeden Morgen durch die Gerry Street, aber hier stehen immer unterschiedliche Karren. Manche Leute parken hier und fahren dann mit der U-Bahn rüber nach Manhattan, um das Geld für ein teures Parkhaus zu sparen.«

Ich nickte und gab Larry Conway meine Visitenkarte. Er würde später noch zur Federal Plaza kommen müssen, um seine schriftliche Aussage zu unterschreiben.

Am Tatort konnten wir einstweilen nichts mehr ausrichten. Das Ergebnis der Obduktion sowie die Erkenntnisse der Scientific Research Division würden wir erst später bekommen. Wir verabschiedeten uns von Harry Lane und Eileen Hyams sowie den anderen Kollegen. Dann stiegen wir wieder in meinen roten Boliden.

»Was sagst du zu unserem Zeugen, Phil?«

»Im ersten Moment habe ich mich gefragt, ob er etwas mit Tim Laceys Tod zu tun hat. Aber so ein Spargel wie Larry Conway hat gewiss nicht genug Kraft, um den Schädel des Opfers zu zertrümmern.«

»Das sehe ich auch so. Trotzdem sollten wir checken, ob es eine Verbindung zwischen dem Zeugen und dem Toten gibt. Ist dir sonst noch etwas aufgefallen?«

»Eileen Hyams wird immer hübscher«, meinte Phil schmunzelnd. Aber dann wurde er sofort wieder ernst. »Wer immer Tim Lacey umgebracht hat, muss eine gewaltige Wut im Bauch gehabt haben. Und so ein Täter ist eine tickende Zeitbombe.«

Da konnte ich meinem Freund nur zustimmen.

***

Etwas später saßen Phil und ich bei Assistant Director High in seinem Office an der Federal Plaza. Seine Sekretärin Helen hatte uns in der Besprechungsecke ihren köstlichen Kaffee serviert.

»Ich habe soeben einen Anruf aus der Gerichtsmedizin erhalten«, sagte der Chef. »Bei der männlichen Leiche handelt es sich wirklich um Tim Lacey. Wir hatten seine Fingerabdrücke in den Datenbanken, weil er vor einigen Jahren einmal wegen Autodiebstahl verhaftet wurde. Doch seitdem ist er sauber geblieben – oder zumindest nicht erwischt worden.«

»Mir erscheint die zweite Möglichkeit wahrscheinlicher, Sir«, meinte Phil. »Die Leidenschaft für Autos hatte Tim Lacey offenbar bis zu seinem gewaltsamen Tod. Aber so ein Dodge Viper ist ein teurer Spaß.«

»Falls Tim Lacey wirklich einer ehrlichen Arbeit nachgegangen ist, muss er sehr gut verdient haben«, ergänzte ich.

Mr High faltete seine schmalen Künstlerhände.

»Wir alle sind uns wohl einig, dass Tim Lacey in die Machenschaften seines Vaters verwickelt war, auch wenn wir es ihm nicht beweisen können. Leider ist es uns ebenfalls bisher nicht gelungen, Lacey senior als Schutzgelderpresser zu enttarnen. Aber wir sollten uns nicht verzetteln. Deshalb ziehe ich Sie, Jerry und Phil, aus der gemeinsamen Ermittlungsgruppe gegen Miles Lacey ab. Konzentrieren Sie sich bitte ausschließlich darauf, den Mord an seinem Sohn aufzuklären. Das bringt uns auf jeden Fall weiter.«

»Observieren June Clark und Blair Duvall weiterhin gemeinsam mit den Kollegen aus New Jersey den alten Lacey?«, fragte ich. Der Chef nickte.

»Ja, Jerry. Ich möchte Sie aber bitten, gemeinsam mit Phil dem Vater die Todesnachricht zu überbringen. Beobachten Sie seine Reaktionen genau. Falls eine rivalisierende Bande für den Tod von Tim Lacey verantwortlich ist, dann müssen wir auf alles gefasst sein.«

»Ob Miles Lacey weiß, dass er unter FBI-Beobachtung steht?«, dachte Phil laut nach.

»Zumindest wird er damit rechnen«, erwiderte Mr High. »Lacey ist ein alter Hase, der im Lauf der Jahre immer wieder angeklagt und manchmal sogar verurteilt wurde. Er muss wissen, dass er die Bundespolizei gegen sich hat, wenn er seine Aktivitäten über die ganze Ostküste ausweitet. Aber offenbar fühlt er sich stark genug, es trotzdem zu tun.«

»Die Ermordung seines Sohnes könnte eine sehr deutliche Botschaft eines Rivalen sein«, sagte ich. »Jedenfalls gibt es für die eigentliche Tat keine Zeugen. Die Cops haben sämtliche Anwohner befragt. Im Gegensatz zu einer Schusswaffe kann man mit einem Schlaginstrument recht leise töten. Wahrscheinlich lagen die Nachbarn in tiefem Schlaf, als Tim Lacey der Schädel zertrümmert wurde.«

»Warum hat der Bursche um Mitternacht in dieser langweiligen Gegend von Brooklyn geparkt?«, fragte Phil. »Vielleicht kann uns sein Vater darauf ja eine plausible Antwort geben.«

Der Auftrag von Mr High war eindeutig. Daher machten wir uns nun sofort auf den Weg, um persönlich mit dem alten Lacey zu reden. Der mutmaßliche Schutzgelderpresser hatte seinen Elektrohandel ebenfalls in Brooklyn, allerdings am Albee Square. Dort gab es einige schmucklose Gewerbebauten und Parkplätze für die benachbarten Bürobauten. Von weitem sahen wir June Clark und Blair Duvall in ihrem nachtblauen Lincoln Navigator aus dem FBI-Fuhrpark sitzen. Wir hatten die Kollegen natürlich vorher informiert, dass wir Miles Lacey die Todesnachricht überbringen wollten. Ich parkte meinen Jaguar-E-Hybriden direkt vor dem bescheidenen Elektrogeschäft, das dem Gangster als Tarnexistenz diente.

Miles Lacey grinste breit, als wir seinen Laden betraten. Er hatte natürlich sofort unsere FBI-Dienstmarken bemerkt. Außerdem traute ich einem ausgefuchsten Gangster wie ihm zu, einen G-man auf drei Meilen gegen den Wind zu riechen.

Der Vater des Ermordeten rieb sich die Hände und erhob sich hinter seiner Verkaufstheke. Er war ein stämmiger Mann mit einem großflächigen Gesicht und hellen Augen, die Kälte und Undurchschaubarkeit ausstrahlten.

»Ah, die Vertreter des Gesetzes! Möchten Sie vielleicht eine Mikrowelle bei mir kaufen?«

Wusste Miles Lacey wirklich noch nichts vom Tod seines Sohnes? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er dumme Witze machte, nachdem vor wenigen Stunden Tims Schädel eingeschlagen wurde. Ich blieb ernst und kam sofort zur Sache.

»Mister Lacey, ich bin Special Agent Jerry Cotton vom FBI New York. Das ist mein Kollege Special Agent Phil Decker. Wir müssen Ihnen eine traurige Mitteilung machen.«

»Haben Sie mich beim Falschparken erwischt?«, höhnte der Schutzgelderpresser. Ich schüttelte den Kopf und schaute ihm direkt in die Augen.

»Ihr Sohn Tim lebt nicht mehr. Jemand hat ihn ermordet. Er wurde heute Morgen an der Marcy Avenue in seinem geparkten Auto gefunden.«

Miles Lacey blinzelte. Ich glaubte zuerst, er hätte mich nicht richtig verstanden. Aber dann nickte er langsam.

»So, Tim ist also tot. Haben Sie den Mörder schon gefasst, Agents?«

»Wir fahnden mit Hochdruck nach dem Killer«, sagte ich und ließ den Vater des Ermordeten nicht aus den Augen. »Wir hatten gehofft, dass Sie uns weiterhelfen könnten, Mister Lacey.«

»Das würde ich gern, wirklich. Aber mein jüngerer Sohn und ich, wir hatten uns auseinandergelebt. Er wohnte auch nicht mehr in meinem Haus. Ich habe Tim auch finanziell nicht mehr unterstützt.«

»Wovon hat Tim gelebt?«, fragte Phil. Der Schutzgelderpresser hob die Schultern.

»Das weiß ich nicht, offen gesagt. Ich hoffe, dass er ...

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