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Jerry Cotton - Folge 2842

Toter Maulwurf

Roger Lane spürte die Gefahr, als er aus seinem SUV stieg. Der Enthüllungsreporter war schon oft in brenzligen Situationen gewesen. Das Risiko gehörte nun einmal zu seinem Geschäft. Seine Arbeit hatte ihm den Spitznamen »der Maulwurf« eingebracht.

Roger Lane warf einen Blick auf sein Handy. Es waren keine neuen Nachrichten eingegangen. Ein Informant hatte den Reporter hierherbestellt, in diese Seitengasse der Flatbush Avenue in Brooklyn. Eine üble Gegend, besonders nach Einbruch der Dunkelheit. Und es war bereits kurz vor Mitternacht.

Der Journalist trat in die Gasse. Ein Schatten bewegte sich.

»Sind Sie Mister X, mein geheimnisvoller Informant?«

Die Antwort des anderen bestand im Aufblitzen von Mündungsfeuer. Ein Schuss peitschte. Roger Lane ging zu Boden. Das Projektil hatte seine Brust durchschlagen.

Der »Maulwurf« war tot.

Ich holte Phil an diesem Morgen an der üblichen Ecke ab. Nachdem mein Freund auf dem Beifahrersitz des Jaguar-E-Hybriden Platz genommen hatte, wollten wir eigentlich zur Arbeit ins FBI Field Office fahren. Aber dann meldete sich das Funkgerät. Phil griff zum Mikrofon, während ich den roten Boliden durch die morgendliche Manhattan-Rushhour lenkte.

»Agent Decker.«

Der Lautsprecher war eingeschaltet, und ich erkannte die rauchige Stimme von Myrna in der FBI-Funkzentrale.

»Phil, du und Jerry sollt sofort zur Adresse 1108 Flatbush Avenue fahren. Dort wurde eine männliche Leiche gefunden.«

»Und der Tote hat etwas mit einem unserer Fälle zu tun?«

»Ich weiß nicht, Phil. Uns liegen hier noch keine weiteren Informationen vor.«

»Ich liebe geheimnisvolle Frauen«, scherzte der blonde G-man. »Wir machen uns sofort auf den Weg, Myrna.«

Nachdem Phil den Funkkontakt beendet hatte, setzte ich den Blinker und änderte die Fahrtrichtung. Nun steuerte ich meinen Wagen zur Brooklyn Bridge. Es war ein kühler, windiger Morgen. Die Herbstsonne stand noch tief über dem East River.

»Eine Leiche also«, sinnierte Phil. »Das passt eigentlich nicht zu unserem aktuellen Fall. Oder glaubst du, dass einer dieser betrügerischen Banker plötzlich die Nerven verloren hat? Ich meine, Mord ist doch viel schwerwiegender als der Handel mit gefälschten US-Bundesanleihen.«

»Lass uns abwarten, bis wir die Fakten haben. Wir kennen ja noch nicht einmal den Namen des Toten. Es bringt doch nichts, schon jetzt über die Tat zu spekulieren.«

»Wo du recht hast, hast du recht, Jerry.«

Wir erblickten den Leichenfundort schon von weitem, als wir die Flatbush Avenue hinauf Richtung Marine Park fuhren. Mehrere Patrolcars waren auf dem Gehweg geparkt, außerdem bemerkten wir den grauen Van des Coroners. Die Cops hatten gelbes Trassierband gespannt. Einige Uniformierte hielten die Gaffer und die Pressegeier zurück. Und besonders für die Letzteren würde diese Bluttat ein gefundenes Fressen darstellen. Das wurde mir klar, gleich nachdem wir uns mit Hilfe unserer FBI-Marken durch die Menschenmenge gekämpft und dem Toten genähert hatten.

Es war Roger Lane, der Sensationsreporter!

Das grelle Licht der Jupiterleuchten ließ sein starres Gesicht kalkweiß erscheinen. Er hatte im Tod die Augen weit aufgerissen, auch der Mund war geöffnet. Die erstarrte Miene zeigte Schmerz und grenzenlose Überraschung. Ob Roger Lane seinen Mörder gekannt hatte?

Diese Frage drängte sich mir auf. Doch zunächst wurden wir von Detective Sergeant Matt Newton und Detective Julia Bonacci begrüßt. Das ungleiche Duo bearbeitete beim zuständigen Precinct die Tötungsdelikte. Newton war ein massiger kahlköpfiger Schwarzer, seine Kollegin Julia Bonacci eine zierliche italienischstämmige Brünette.

Wir hatten mit den beiden schon öfter zusammengearbeitet. Nachdem wir einander begrüßt hatten, sagte Newton: »Ich bin nicht unglücklich darüber, dass wir diesen Fall an das FBI übergeben müssen. Die Journaille wird sich auf diese Bluttat stürzen, als ob es kein Morgen gäbe.«

Der schwarze Zivil-Cop deutete mit einer Bewegung seines mächtigen Schädels auf die hektischen Aktivitäten hinter dem Absperrband. Inzwischen rückte auch ein TV-Übertragungswagen an, und die Verschlüsse der Kameras klickten ununterbrochen.

»Haltet mich ruhig für begriffsstutzig, aber wieso ist Roger Lanes Tod ein FBI-Fall?«, fragte Phil. »Ich kenne sein Gesicht aus dem Fernsehen, wenn ich einmal mit der Fernbedienung beim Umschalten zu langsam war. Ich bin nämlich überhaupt kein Fan seiner schmierigen Rufmordgeschichten.«

Julia Bonacci öffnete den Mund, aber ich kam ihr mit der Antwort zuvor.

»Roger Lane war letzte Woche bei mir an der Federal Plaza, Phil. Ich habe ihm meine Visitenkarte gegeben.«

»Das muss an dem Tag gewesen sein, als ich vor Gericht als Zeuge in dem Menschenhändler-Fall aussagen musste. Sonst arbeiten wir doch immer zusammen.«

»Ja, am Donnerstag. Ich hatte dir noch nichts davon erzählt, weil es mir nicht wichtig erschien.«

Nun ergriff der weibliche Detective das Wort.

»Wir haben in der Tat Jerrys Visitenkarte bei der Leiche gefunden und daraufhin gleich im Field Office angerufen. Wir vermuteten, dass der Tote in einen aktuellen FBI-Fall verwickelt wäre.«

***

Es gab noch mehr über Roger Lane zu sagen, aber das wollte ich lieber mit Phil allein besprechen. Ich misstraute den NYPD-Kollegen natürlich nicht. Aber hier, auf offener Straße, konnten Unberechtigte leicht etwas mithören und dann die Tatsachen verdrehen. Ich wusste ja, dass es manche Reporter mit der Wahrheit nicht so genau nahmen. Ein besonders ausgekochter Vertreter dieser Richtung lag tot zu unseren Füßen.

Der Gerichtsmediziner Doc Colwyn hatte neben der Leiche gekniet und sie untersucht. Nun richtete er sich auf und kam zu uns herüber. Nachdem wir ihn ebenfalls begrüßt hatten, sagte er: »Der Tod ist nach dem Zustand des Opfers zu urteilen gegen Mitternacht eingetreten. Todesursache war ein einziger Schuss, der in den Thorax eindrang und den Körper durchschlug. Die Kollegen von der Scientific Research Division suchen noch nach der Patrone.«

»Also ein gezielter Treffer in die Brust«, vergewisserte ich mich. »Wurden noch weitere Projektile abgefeuert?«

»Dazu kann ich nichts sagen«, entgegnete der Mediziner. »Sobald die genauen Obduktionsergebnisse vorliegen, rufe ich Sie an, Jerry.«

Mit diesen Worten verabschiedete sich Doc Colwyn. Phil wandte sich an Detective Sergeant Newton.

»Wer hat die Leiche eigentlich gefunden?«

»Uniformierte Kollegen von uns. Sie hatten zu Fuß die Verfolgung einiger Kleindealer aufgenommen. Die Kriminellen sind ihnen entwischt, aber sie haben in der Gasse den Toten gefunden. Zunächst dachten die Cops, dass der Mann den Dealern zum Opfer gefallen wäre. Aber sie hatten keine Schüsse gehört, und außerdem war der Körper schon kalt. Er muss also schon mehrere Stunden hier gelegen haben, was der Doc ja auch bestätigt hat.«

»Der Tatort ist also identisch mit dem Fundort?«, hakte ich nach. Newton gab die Frage an die Spezialisten von der SRD weiter, die bestätigend nickten.

»Wir sichten noch mögliche Fußspuren oder sonstige Hinweise auf den Schützen«, sagte einer von ihnen. »Aber bisher spricht alles dafür, dass nur ein einziger Schuss abgefeuert wurde. Vermutlich aus einem Revolver, denn wir haben keine Patronenhülse gefunden. Nähere Einzelheiten zur Waffe können wir später nachliefern. Auf jeden Fall wurde der Schuss aus ungefähr zwei bis drei Yards Entfernung abgegeben.«

»Nachts war es hier natürlich dunkel«, stellte ich fest. »Die nächste funktionierende Straßenlaterne befindet sich einen halben Block weit entfernt, wenn ich das richtig sehe. Warum geht Roger Lane mitten in der Nacht in eine finstere Gasse in Brooklyn? Gewiss nicht, um seine Blase zu entleeren.«

»Das haben hier schon mehr als genug andere Leute vor ihm erledigt«, meinte Julia Bonacci und rümpfte ihre Nase. Der Gestank in der Gasse war wirklich bemerkenswert, aber allmählich gewöhnten wir uns daran.

»Also hat Roger Lane mehrere Stunden lang tot hier gelegen, bevor er entdeckt wurde«, sagte ich. »Die Gegend ist dicht besiedelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass niemand den Schuss gehört hat.«

»Ich auch nicht«, pflichtete mir Phil bei. »Aber die Leute an der Flatbush Avenue rufen ungern die 911 an. Sie wollen in nichts hineingezogen werden.«

»Das ist leider wahr«, knurrte Detective Sergeant Newton. »Meine uniformierten Kollegen sind bereits dabei, die unmittelbare Nachbarschaft abzuklappern. Aber bisher gibt es niemanden, der sich als Zeuge zur Verfügung gestellt hat.«

Das NYPD hatte mit seinen Ermittlungen gerade erst begonnen. Es war eine reine Formsache, den Fall an das FBI zu übertragen. Momentan konnten wir vor Ort nichts weiter ausrichten.

»Falls wir noch weitere Hinweise auf die Tat oder den Täter bekommen, leiten wir sie direkt an euch weiter.«

Mit diesen Worten verabschiedete sich Newton von uns, und seine Kollegin Julia Bonacci nickte zustimmend.

Phil schüttelte den Kopf, als wir wieder im Jaguar saßen.

»Ich weiß ja wenig über diesen Roger Lane, Jerry. Eigentlich nur das, was man im TV von ihm gesehen hat. Aber er muss einer der meistgehassten Männer New Yorks gewesen sein. Wurde er nicht wegen seiner rüden Enthüllungsmethoden ›der Maulwurf‹ genannt?«

»Ja, Phil. Aber Roger Lane war nicht einfach nur skrupellos, er war auch kriminell.«

Mein Freund hob eine Augenbraue.

»Kriminell? Dann bist du besser informiert als ich. Woher weißt du das?«

»Weil Roger Lane versucht hat, mich zu bestechen.«

***

Phil fiel aus allen Wolken. Natürlich ist er selbst ebenso wenig käuflich wie ich oder jeder andere G-man. Mein Freund bestürmte mich mit Fragen, aber ich bremste ihn.

»Wir besprechen die Sache am besten gleich mit dem Chef. Bisher wissen wir ja noch überhaupt nicht, ob wir den Mord aufklären sollen. Vielleicht überträgt Mister High ja den Fall auch an andere Kollegen, das sollten wir erst einmal abchecken.«

Wir hatten Glück. Nachdem wir an die Federal Plaza zurückgekehrt waren, bekamen wir sofort einen Termin beim Assistant Director. Helen hatte schon ihren legendären Kaffee gekocht, als wir das Chefbüro betraten. John D. High empfing uns hinter seinem Schreibtisch. Mit einer Handbewegung forderte er uns auf, Platz zu nehmen. Nachdem Helen uns den Kaffee serviert hatte, kam der Leiter des Field Office New York sofort zur Sache.

»Hat Jerry Ihnen schon von diesem Bestechungsversuch erzählt, Phil?«

»Ja, Sir. Aber Einzelheiten kenne ich noch nicht.«

»Jerry kam am Donnerstag sofort zu mir, nachdem Roger Lane ihm dieses verbrecherische Angebot gemacht hatte. Leider gab es keine Zeugen für das Gespräch. Jerry hat natürlich empört reagiert. Aber wir hatten uns dann überlegt, dass er zum Schein doch auf die Offerte eingehen sollte.«

Phil grinste.

»Ah, ich kapiere. Und während Jerry mit dem Sensationsreporter redet, ist er mit Abhörtechnik nur so gespickt, nicht wahr? Und sobald Roger Lane sagt, dass er einen G-man bestechen will, klicken die Handschellen.«

»So hatten wir uns das vorgestellt«, meinte der Chef nickend. »Nun allerdings ist Roger Lane tot, und es stellt sich die Frage nach dem Mörder.«

»Weshalb wollte der Kerl dich eigentlich schmieren, Jerry?«

»Erinnerst du dich an Al Sorvino?«, fragte ich zurück.

»Der Schutzgelderpresser, der die halbe Ostküste ausgequetscht hat wie eine Zitrone? Natürlich, dem haben wir doch gemeinsam das Handwerk gelegt. Und Roger Lane wollte also alles das von dir wissen, was nicht in den FBI-Pressemitteilungen steht?«

»Sozusagen. Konkret sollte ich ihm Einblick in unsere internen FBI-Fallakten gewähren, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Ich nehme an, es ging ihm um Namen von Erpressungsopfern. Ich habe nicht weiter nachgehakt, sondern ihn sofort hinausgeworfen.«

»Auf jeden Fall gibt es eine Verbindung zwischen Roger Lane und Al Sorvino«, stellte John D. High fest. »Sie wissen selbst, wie gefährlich dieser Mann ist. Er sitzt in Maryland ein, in der Brockbridge Correctional Facility. Aber auch von dort aus könnte er die Fäden ziehen, um einen allzu neugierigen Journalisten beseitigen zu lassen.«

Der Chef hatte recht. Wer so unsauber arbeitete wie Roger Lane, der legte sich früher oder später einmal mit dem Falschen an. Vielleicht hatte Al Sorvino dem Reporter ja wirklich den Tod gewünscht. Aber da war er gewiss nicht der Einzige.

»Finden Sie heraus, wer Roger Lane ermordet hat, Jerry und Phil. Der Bestechungsversuch ist ein wichtiger Hinweis, auch wenn wir dem Ermordeten diese Tat niemals beweisen können. Aber auf jeden Fall wissen wir schon einmal, dass Roger Lane mit unlauteren Methoden arbeitete. Und er wird das nicht zum ersten Mal versucht haben.«

»Das sehe ich auch so, Sir«, entgegnete ich. Nachdem wir Helens wunderbaren Kaffee ausgetrunken hatten, verabschiedeten wir uns vom Assistant Director und wenig später auch von seiner Sekretärin.

Wir hatten alle Hände voll zu tun.

Zunächst rief ich in der Strafanstalt von Brockbridge an. Wir wollten Al Sorvino höchstpersönlich auf den Zahn fühlen. Phil und ich kannten diesen Gewohnheitsverbrecher. Wir würden an seinen Reaktionen bemerken, ob er etwas mit dem Tod von Roger Lane zu tun hatte. Da war ich mir sicher. Wir erfuhren, dass wir Al Sorvino noch am selben Tag besuchen konnten. Also fuhren wir schon wenig später in meinem roten Jaguar auf der Interstate Richtung Maryland.

***

Die Strafanstalt von Brockbridge befindet sich am Rand einer Ortschaft namens Jessup. Die Fahrt dorthin verlief ohne Zwischenfälle. Die stacheldrahtbewehrten Mauern und die Wachtürme mit den starken Scheinwerfern wirkten abschreckend und bedrohlich zugleich. Dennoch war Brockbridge ein viel kleineres Gefängnis als Rikers Island in New York City, das man schon als eine kleine Stadt ansehen konnte. Al Sorvino saß in Brockbridge ein, weil er im Bundesstaat Maryland angeklagt und verurteilt worden war. Phil und ich hatten ihn lediglich in New York verhaftet, als er schon von den Polizeikräften der halben Ostküste gejagt wurde.

Wir parkten, zeigten unsere FBI-Marken und durchliefen die Sicherheitsschleuse zügig. Ein Vollzugsbeamter führte uns in ein Besuchszimmer. Wenige Minuten später brachten zwei weitere Uniformierte Al Sorvino. Der Inhaftierte hatte die Ärmel seines orangefarbenen Overalls hochgekrempelt. Seine Arme waren tätowiert und durchtrainiert. Viele Knastvögel vertrieben sich die Zeit hinter Gittern gern mit Gewichtheben und dem verbotenen Stechen von Tattoos.

Sorvino grinste breit, als er uns erkannte.

»Cotton und Decker! Was für ein wundervolles Wiedersehen. Ich hatte Sie schon richtig vermisst. Es tut mir immer noch leid, dass ich Ihnen bei meiner Verhaftung nicht das Gehirn weggepustet habe.«

»Wenn Sie mit der Pistole so gut umgehen könnten wie mit der Zunge, dann wären mein Kollege und ich tot«, meinte ich trocken. Und ich fügte hinzu: »Hinsetzen, wir sind nicht zu unserem Vergnügen hier.«

Sorvino ließ sich langsam auf dem Plastikstuhl uns gegenüber nieder. Zwischen uns befand sich nur ein schmaler Kunststofftisch. Die beiden Wärter hielten sich im Hintergrund bereit. Sorvino galt als gefährlich. Wir fürchteten uns trotzdem nicht vor ihm, auch seine Muskelpakete konnten uns nicht beeindrucken. Schließlich waren es Phil und ich gewesen, die ihn entwaffnet und gefangen genommen hatten.

Sorvino griente weiterhin provozierend. Wahrscheinlich war unser Besuch eine willkommene Abwechslung in seinem öden Alltag. Wir hatten leider kein Druckmittel gegen ihn, denn er saß ja schon im Gefängnis. Und diese Tatsache war dem Verbrecher leider nur allzu bewusst.

»Also, G-men – was kann ich für Sie tun? Zieht es Sie aus dem nebligen New York ins schöne Maryland, wollen Sie die goldenen Herbsttage in Brockbridge verbringen?«

»Lassen Sie den Unsinn, Sorvino. Wir sind wegen Roger Lane hier.«

Während ich den Namen nannte, beobachtete ich das Gesicht meines Gegenübers ganz genau. Entweder hatte Sorvino hinter Gittern nicht nur Gewichtheben, sondern auch Schauspielern geübt – oder er wusste wirklich nicht, worum es ging.

»Roger Lane? Wer soll das sein? Sitzt der auch in Brockbridge?«

»Mein Kollege spricht von Roger Lane, dem TV-Reporter«, knurrte Phil, dem Sorvinos blöde Sprüche noch mehr auf die Nerven gingen als mir.

»Ach, den Roger Lane meinen Sie! Hey, von dem habe ich schon einiges gesehen. Hier hat man ja mehr als genug Zeit zum TV-Glotzen. Besonders witzig fand ich Lanes Interview mit der Stripperin, die angeblich von einem Bischof schwanger ist.«

»Soso. Und Lanes Tod, finden Sie den auch amüsant, Sorvino?«

»Der Fernsehfritze ist tot, Cotton? Hey, das können Sie mir aber nicht anhängen. Ich habe nämlich ein bombensicheres Alibi. Stimmt doch, Boys, oder?«

Mit diesen Worten drehte er sich um und wandte sich an die beiden Vollzugsbeamten. Wir wussten natürlich auch, dass Sorvino das Opfer nicht höchstpersönlich umgebracht haben konnte. Ich atmete tief durch, bevor ich den Gefangenen wieder ansprach.

»Meinetwegen können Sie gerne weiterhin den Clown spielen, Sorvino. Aber fragen Sie sich gar nicht, warum sich Roger Lane so sehr für Sie interessiert hat? Oder konnten Sie es gar nicht erwarten, im Fernsehen eine Enthüllungsstory über sich selbst zu sehen? Wäre doch denkbar, wo Sie doch so ein großer Fan von Roger Lane sind.«

Schlagartig bröckelte die coole Fassade des Kriminellen. Offenbar hatte Sorvino wirklich nicht gewusst, dass der »Maulwurf« in der Vergangenheit des Verbrechers zu wühlen begonnen hatte. Jedenfalls zeigte Sorvinos Gesichtsausdruck plötzlich grenzenloses Misstrauen.

»Was soll das, Cotton? Wollen Sie mich verschaukeln?«

»Nein, im Gegensatz zu Ihnen kennen wir keine Langeweile. Wir reisen gewiss nicht von New York nach Maryland, um Sie zu veräppeln. – Lane war vorige Woche bei mir, im FBI Field Office. Er hat mich über Sie ausgefragt. Das heißt, er hat es versucht.

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