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Jerry Cotton - Folge 2837

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hinter dem Schleier des Todes
  4. Vorschau

Hinter dem Schleier des Todes

Zwanzig G-men waren an diesem Einsatz in der South Bronx beteiligt. Wir trugen Kevlar-Westen und waren über Headsets miteinander verbunden. Ich hatte die Pistole schussbereit in der Rechten. Ich nickte meinem Kollegen Phil Decker zu.

Mit einem wuchtigen Tritt ließ er die Tür zur Seite auffliegen. Ich stürmte vorwärts und umfasste dabei den Pistolengriff mit beiden Händen.

»FBI! Waffe weg!«, rief ich.

Vor uns erstreckte sich ein kahler Raum. Das Haus stand schon mindestens ein Jahr leer. Eine Frau war mit Klebeband an einen Stuhl gefesselt. Ihre Augen waren starr und so weit aufgerissen, dass man glauben konnte, sie müssten ihr jeden Moment aus den Höhlen heraustreten.

Vor allem waren diese Augen tot.

Die Haare standen ihr wirr zu Berge, so als wäre sie einer starken elektrischen Ladung ausgesetzt gewesen.

Ungefähr zwei Meter von der Frau entfernt hockte ein Mann in Kapuzen-Shirt und Baggy-Pants. Eine Handtasche lag neben ihm. Der Inhalt war teilweise auf dem Boden verstreut. Lippenstift, eine Tablettendose, eine Packung mit Süßstoff, Papiertaschentücher.

Der Kerl mit dem Kapuzen-Shirt schnellte hoch. Er hatte eine zierliche Pistole vom Kaliber 22 in der Hand und wirbelte deren Lauf herum. Ein Schuss löste sich, prallte gegen einen der Stahlträger unter der Decke und wurde als Querschläger auf eine unberechenbare Reise geschickt.

Funken sprühten, als das Bleiprojektil gegen den Stahl hämmerte.

»Waffe weg!«, rief ich noch mal.

»Ja, ja!«, antwortete der Mann im Kapuzen-Shirt und ließ die Pistole fallen. Wir stürmten vorwärts.

Phil und mir folgten die Kollegen Joe Brandenburg und Les Bedell. Ich kickte die Waffe des Mannes zwei Meter über den staubigen Boden. Phil legte ihm Handschellen an.

Auf der anderen Seite des Raumes standen mannshoch Pappkartons mit Baumaterialien, die wohl irgendwann für eine Renovierung des Gebäudes verwendet werden sollten. Eine schattenhafte Bewegung war zu erkennen. Mündungsfeuer blitzte blutrot auf. Mehrere Schüsse krachten und hallten in dem fast leeren Raum wider. Eine Gestalt in brauner Lederjacke sprang auf und feuerte eine MP ab. Es waren ungezielte Schüsse. Trotzdem bekam unser Kollege Les Bedell einen davon in seine Kevlar-Weste, schrie auf und taumelte zu Boden.

Ich feuerte zurück. Die Schüsse gingen dicht neben der Gestalt in die Pappkartons hinein und fraßen sich in die darin enthaltenen Rigipsplatten für die Verkleidung der Wände und das Isoliermaterial.

Der MP-Schütze lief im Schutz der Kartons zur nächsten Tür und war auf und davon. Ich spurtete los.

»Bewaffneter Verdächtiger flüchtet vermutlich über den Hinterausgang«, gab ich über das Mikro meines Headsets an die Kollegen durch.

»Verstanden!«, meldete Fred Nagara, der dort postiert war, wo der MP-Schütze vermutlich das Gebäude verlassen würde.

Ich hetzte ihm hinterher. Phil war mir dicht auf den Fersen. Wir erreichten einen weiteren Raum, genauso leer und kahl wie der erste. Die Wände waren gerade frisch gestrichen worden und entsprechend hing ein betäubender Farbgeruch in der Luft. Daran, die Fenster zum Lüften zu öffnen, hatte man wohl nicht gedacht. Oder die Furcht vor unbefugten Eindringlingen war bei den Eigentümern des Gebäudes zu groß.

»Hier ist bis jetzt niemand angekommen«, meldete Zeery über Funk. »Wenn der Kerl wirklich über den Hinterausgang hätte abhauen wollen, hätte er hier längst auftauchen müssen!«

»Aber andere Zugänge gibt es nicht!«, meinte ich.

Unser Kollegin Ruby O’Hara meldete sich jetzt per Headset. »Im dritten Stock gab es einen Schatten am Fenster. Da ist jemand, Jerry.«

Phil und ich wechselten einen kurzen Blick.

»Der geht nach oben!«, stellte mein Kollege erstaunt fest. »Fragt sich nur, ob das irgendeinen Sinn macht.«

»Er kann sich denken, dass er nirgends durch die Fenster hinaus kann, weil das Haus umstellt ist«, meinte ich und zuckte mit den Schultern. »Na ja, ich persönlich hätte es eher über die Abwasserkanäle versucht.«

»Ich könnte mir vorstellen, dass er sich einfach irgendwo in den oberen Stockwerken versteckt und darauf hofft, dass man ihn nicht findet!«, glaubte Phil.

Über Funk forderten wir Verstärkung an. Der MP-Schütze durfte uns nicht entkommen.

Wir hetzten weiter, kamen schließlich ins Treppenhaus. Die Aufzüge waren natürlich außer Betrieb. Wir hetzten die Treppen hinauf, sahen uns im nächsten Stockwerk um. Die Räume waren – abgesehen von einigen Lieferungen von Baumaterial und einem Stapel Zementsäcke – vollkommen leer. Es gab noch nicht einmal einen Fußbodenbelag. Den hatte man offensichtlich herausgerissen, sodass wir über den blanken Estrich gingen. Der war allerdings sehr staubig. Vor allem Zementstaub hatte sich hier abgesetzt. Frische Fußspuren waren darauf zu sehen. Spuren, die die Profilsohlen von Turnschuhen teilweise exakt nachzeichneten.

Die Spur führte quer durch den Raum bis zu einer Tür. Dahinter befand sich ein separater Treppenaufgang.

»Zeery, kann es sein, dass sich auf der Westseite des Gebäudes noch ein Notausgang befindet?«, fragte Phil über Funk.

»Auf dem Plan war nichts dergleichen verzeichnet!«

»Aber es gibt hier eine Nottreppe!«

»Ich schicke ein paar Kollegen zur Westseite«, versprach Zeery.

Ein Geräusch ließ uns aufhorchen. Es hörte sich an wie das Quietschen einer schlecht geölten Tür – und es kam von oben.

»Der will aufs Dach!«, stellte ich fest.

»Woher …«

»Instinkt, Phil. Wo soll er sonst hin? In den anderen Stockwerken wird er sofort gefunden. Er hofft einfach, dass wir ganz oben nicht nachsehen!«

Inzwischen hatten uns ein paar Kollegen eingeholt. Unsere irischstämmige Kollegin Ruby O’Hara gehörte ebenso dazu wie Agent Cal Davis, der gerade erst frisch aus Quantico gekommen war. Für ihn war dieser Einsatz eine der ersten Operationen dieser Art.

Wir hetzten die Treppe hinauf.

Die anderen Stockwerke ließen wir einfach links liegen und erreichten schließlich den Ausstieg auf das Dach.

»Ich hoffe nur, dass dich dein Instinkt nicht getrogen hat«, meinte Ruby. »Sonst sehen wir alt aus!«

»Dann läuft er den Kollegen in die Arme!«, gab ich mich zuversichtlich. Dann deutete ich auf einen zerschlagenen Glaskasten, in den eigentlich der Schlüssel für den Ausstieg gehörte, da dieser auch als Notausgang im Brandfall genutzt werden konnte. »Er war hier«, murmelte ich.

Wir mussten davon ausgehen, dass der Flüchtige den Ausstieg von außen abgeschlossen hatte. Ausprobieren konnten wir das nicht, denn sonst bemerkte er uns zu früh.

Ich nickte Cal Davis zu – und er begriff sofort. Mit einem Tritt war die Ausstiegstür offen. Ich stürmte hinaus, Phil und Ruby waren mir auf den Fersen.

Der MP-Schütze befand sich ungefähr fünfzehn Meter von uns entfernt am Rand des kiesgefüllten Flachdachs und blickte von oben in die Tiefe. Offenbar hatte er sehen wollen, was sich da tat. Sirenen von Einsatzfahrzeugen der City Police und des Emergency Service waren zu hören.

»Waffe weg und Hände hoch!«, rief ich. »Hier spricht das FBI!«

Der MP-Schütze drehte sich langsam zu uns herum. Er hielt seine Waffe in der Rechten, ein sehr schlankes, zierliches Fabrikat vom israelischen Typ Uzi, das sich auch einhändig führen ließ. Zwar war die Munition von einem vergleichsweise kleinen Kaliber ohne große Durchschlagskraft, aber wegen ihrer enormen Schussfrequenz war diese Waffe gefürchtet.

»Runter damit!«, wiederholte ich meine Forderung.

Alles hing in der Schwebe. Wenn er eine falsche Bewegung machte, hatte er innerhalb der nächste Sekunde mindestens vier Kugeln aus unseren Dienstwaffen im Körper. Aber das bedeutete nicht unbedingt, dass er es deshalb nicht mehr schaffen konnte, die Uzi herumzureißen und mehrere von uns mit einem Feuerstoß zu treffen. Und niemand von uns konnte damit rechnen, dass unsere Kevlar-Westen den gesamten Kugelhagel abfangen würden und nicht doch wenigstens ein Projektil jemanden am Kopf traf.

Es war zwar kein Patt, aber eine Situation, in der ein Schusswechsel auf jeden Fall besser zu vermeiden war – im Interesse beider Seiten.

»Ich war das nicht!«, rief der MP-Schütze.

»Man wird Ihnen ausführlich Gehör schenken und wir können über alles reden!«, sagte ich. »Aber erst, wenn die Waffe unten ist. Sie haben keine andere Chance, aus dieser Sache lebend herauszukommen! Also los!«

Ich setzte einfach darauf, es nicht mit einem Täter zu tun zu haben, dem das eigene Leben nichts mehr wert war. In so einem Fall sah die Sache nämlich ganz anders aus. Aber glücklicherweise schien das bei diesem Kerl nicht der Fall zu sein.

Er ließ die Uzi sinken, beugte sich vorsichtig nieder, legte die Waffe in den Kies und hob dann die Hände.

Ruby wandte sich an Cal Davis.

»Na los, legen Sie ihm Handschellen an, Agent Davis«, sagte Ruby O’Hara an den jungen Mann aus Quantico gerichtet. Augenblicke später klickten die Handschellen und Cal belehrte den Verhafteten über seine Rechte.

»Ich habe nichts gemacht! Und Mike auch nicht!«

»Wer ist Mike?«, fragte ich. »Der Kerl, der neben der toten Frau hockte?«

»Ja«, murmelte der MP-Schütze. Er war ziemlich blass geworden. »Die sah scheiße aus, was?«

»Nach großer Anteilnahme hört sich das aber auch nicht an«, meinte ich.

»Hey, ich habe mit der Alten nichts zu tun!«

»Die ›Alte‹ ist – war – Staatsanwältin Ramona Black«, klärte ihn auf. »Und ich kann Ihnen nur empfehlen, uns nicht irgendeinen Bären aufzubinden, denn wir werden die Wahrheit ganz sicher ans Tageslicht bringen.«

»Ich rede keinen Scheiß, Mann!«

Cal Davis durchsuchte die Kleidung des Festgenommenen. Es fand sich ein Führerschein, der auf den Namen Edward McGrath ausgestellt war.

Ruby gab die Festnahme über Funk an die Kollegen durch.

»Bringen wir ihn erst mal runter«, schlug Cal vor.

»Nein, lassen wir ihn gleich etwas reden, bevor sein Komplize dabei ist«, widersprach Ruby. »Ich will zwar nicht behaupten, dass immer dem geglaubt wird, der sich zuerst äußert, aber man wird das, was Sie sagen, vor Gericht sicherlich anders bewerten, wenn Sie sofort kooperieren.«

»Abgesehen davon sollten Sie hoffen, dass unserem Kollegen, den Sie mit Ihrem Feuerhagel getroffen gaben, nichts Ernsthaftes passiert ist«, äußerte ich mich, während ich einen Latexhandschuh aus der Jackentasche holte, ihn überstreifte und die auf dem Boden liegende Uzi an mich nahm.

***

Der Mann war mittelgroß, ungefähr 30 Jahre alt und trug eine verwaschene Jeans in Kombination mit einem knapp sitzenden Blouson, der ihm gerade bis zur Gürtellinie reichte und die Aufschrift 99 Montana trug. Sein Gesicht war kantig und scharf geschnitten. Das Kinn wirkte wie ein großes V und die rechte Augenbraue wurde von einer etwa drei Zentimeter langen Narbe gekreuzt, die sich von der Stirn fast bis zum Ansatz des Augenlides zog und im Gegensatz zum Rest seines Gesichts keinerlei Sonnenbräunung angenommen hatte.

Der Mann sah angestrengt durch ein Fernrohr, das auf einem Stativ angebracht und sehr exakt justiert war. Eigentlich war dieses Fernrohr für Hobby-Astronomen gedacht, aber es erfreute sich angeblich auch bei Spannern großer Beliebtheit.

Für den Mann traf keiner dieser Gründe zu. Während er das rechte Auge zusammenkniff und mit dem linken durch das Glas blickte, war sein Fernglas genau so ausgerichtet, dass er damit durch ein hohes Fenster in das Erdgeschoss eines Gebäudes auf der anderen Straßenseite sehen konnte.

Er sah eine regungslose Frau, die mit Isolierband an einen Stuhl gefesselt war. Um sie herum befanden sich Männer und Frauen, die der Aufschrift auf ihren Einsatzjacken und Mützen nach dem FBI angehörten. Ein Verhafteter wurde durchsucht und offenbar auch befragt. Der Kerl zuckte immer wieder die Schultern und nur die Handschellen hinderten ihn wohl daran, mit großen Gesten das volle Ausmaß seiner Schuld abzustreiten.

Ein kaltes, grimmiges Lächeln spielte um die dünnen Lippen des Mannes mit der Narbe. Ja, die Gerechtigkeit ist blind und dumm, und manchmal muss man ihr etwas nachhelfen, aber das heißt keineswegs, dass diejenigen, die sie ereilt, es nicht auch verdient hätten, ging es ihm durch den Kopf. Ein Gefühl tiefer Befriedigung durchflutete ihn. Aber kaum dass er diese Empfindung überhaupt richtig zur Kenntnis genommen hatte, da schien sie sich bereits wieder zu verflüchtigen. Kaum spürbar und schon wieder vorbei. Ein kurzer Moment der Genugtuung nur, der sich nicht festhalten ließ und letztlich nur einer abgrundtiefen Traurigkeit Platz machte. Was blieb, war innere Leere und die Erkenntnis, dass dies erst der Anfang sein konnte …

»He, was machen Sie da?«

Die Stimme erschien dem Mann so, als hätte sie aus weiter Ferne durch eine Wand aus Watte zu ihm gesprochen. »Hören Sie auch noch schwer, oder was ist los?«

Der Mann mit der Narbe blickte einem Security Guard in das breite Gesicht. Er trug die dunkelblaue Uniform eines privaten Sicherheitsdienstes und hatte die Figur eines Bodybuilders. Den Mann mit der Narbe überragte er um mehr als einen Kopf.

»Haben Sie eine Erlaubnis dafür, hier mit einem Fernrohr herumzustehen?«

»Hören Sie …«

»Nein, Sie hören jetzt mal zu. Wie kommen Sie hier überhaupt herein? Was haben Sie hier zu suchen?«

»Ich kann das erklären.«

»Ja, das werden Sie auch müssen.«

Der Security Guard griff zu dem Walkie-Talkie an seinem Gürtel. Blitzartig schoss in diesem Moment die Hand des Mannes mit der Narbe aus der tiefen Tasche seiner 99 Montana-Jacke. Etwas zischte. Im nächsten Moment hatte der Security Guard den Elektroschocker an seiner Schulter. Er zuckte, als die Ladung ihn durchfuhr, und brach augenblicklich zusammen. Das Walkie-Talkie knallte auf den Boden.

Es würde eine Weile dauern, bis er in der Lage war, sich damit zu melden.

Der Mann mit der Narbe nahm das Fernrohr vom Stativ und packte es in eine Sporttasche. Das Stativ selbst verschwand einen Augenblick später auch darin. Dann ging er den Flur entlang und verschwand hinter der nächsten Biegung, ohne sich noch einmal umzudrehen.

***

Der Fall hatte sehr eigenartig begonnen. Ramona Black, eine für ihren Ehrgeiz bekannte Staatsanwältin, die sich gute Hoffnungen darauf machen durfte, in Kürze District Attorney zu werden, war vor 48 Stunden verschwunden. Ihr Mann, ein Börsenmakler von der Wall Street, hatte sie als vermisst gemeldet. Da war sie erst wenige Stunden überfällig gewesen, und normalerweise nahm man dann noch nicht gleich ein Verbrechen an. Es gab schließlich viele Gründe, warum Menschen zu Verabredungen nicht erschienen oder zu spät nach Hause kamen.

Bei Ramona Black war das insofern etwas anders, weil es wohl nur ganz wenige Menschen gab, deren Tag so duchgetaktet war wie der ihre. Spötter aus den Reihen ihrer Mitarbeiter behaupteten, dass sie ihren Terminkalender in einem 30-Sekunden-Takt planen würde. Private Verabredungen mussten sich in dieses Raster ebenso einfügen wie ihr Eheleben, zumal ihr Mann Jason Stanley Black als gefragter Börsen-Guru einen ähnlich durchgeplanten Tagesablauf hatte.

Darüber hinaus galt Ramona Black als Gewissenhaftigkeit in Person. Wenn die Staatsanwältin nicht zu einem fest vereinbarten Abendessen mit ihrem Mann erschien, ohne Bescheid zu sagen, dann war das Grund genug für einen Alarm – zumal die Vorzeige-Juristin es in letzter Zeit hauptsächlich mit Fällen aus dem Umkreis des organisierten Verbrechens zu tun gehabt hatte. Drogen-Bosse aus der Bronx, Spanish Harlem oder Little Italy hatten sie ganz gewiss auf ihrer Liste unbeliebter Persönlichkeiten ganz weit oben, und es war nicht auszuschließen, dass sich irgendwer an ihr rächen oder sie wegen eines aktuellen Falles unter Druck setzen wollte.

Jedenfalls war sie samt ihrem metallicfarbenen Mercedes spurlos verschwunden.

Natürlich war die Ermittlungsmaschinerie unseres Field Office auf Hochtouren gelaufen. Wir hatten versucht, so viele Personen wie möglich aus Ramona Blacks persönlichem Umkreis zu befragen, und unsere Innendienstler hatten sich in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Staatsanwaltschaft ihre letzten Fälle vorgenommen, um vielleicht einen Hinweis darauf zu erhalten, mit wem sich Ramona Black in letzter Zeit Ärger eingehandelt hatte. Nicht einmal ein Verbrechen mit terroristischem Hintergrund hatten wir von vornherein ausgeschlossen, denn Ramona Black hatte gerade in ihrer Anfangszeit in New York immer wieder in Arbeitsgruppen der Staatsanwaltschaft mitgewirkt, in denen es um solche Verfahren gegangen war.

Leider waren alle unsere Ermittlungen bislang ohne Ergebnis geblieben. Aber das war kein Wunder. Schließlich war noch nicht viel Zeit vergangen.

Es hatte auch kein Bekennerschreiben, keine Lösegeldforderung an den Ehemann oder dergleichen mehr gegeben.

Die erste und einzige Botschaft war ein anonymer Anruf gewesen, der uns darauf hinwies, dass wir Ramona Black unter der Adresse eines zurzeit leerstehenden Gebäudes in der Bronx finden würden – zusammen mit ihren Mördern und Entführern. Vielleicht sogar noch lebend, wenn wir uns beeilen würden und Glück hätten. Die Stimme war verzerrt gewesen und nicht zu identifizieren. Da halfen auch alle elektronischen Tricks nicht. Die Höhenkurve des Originals war nicht zu rekonstruieren. Vermutlich war eine Kunststimme wie bei einem Navigationssystem verwendet worden, und der oder die Täter hatten diese Kunststimme einfach nur ein zuvor abgefasstes PDF-Dokument vorlesen lassen. Und da der Anrufer ein Prepaid-Handy benutzt hatte, war es auch unmöglich gewesen, ihn auf diese Weise zu identifizieren. Nicht einmal eine genauere Lokalisierung war aufgrund der Kürze des Anrufs möglich gewesen. Was das anbetraf, würden unsere Ermittlungen wohl in einer Sackgasse enden.

Ob der Anrufer zu den Tätern gehörte oder nur ein Zeuge war, der aus uns nicht bekannten Gründen seine Identität verschleiern musste und wohl auch nicht ...

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