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Jerry Cotton - Folge 2829

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Die Geheimnisse von Rikers Island
  4. Vorschau

Die Geheimnisse von Rikers Island

Alan Sherman wachte auf. Er blinzelte, versuchte sich in der Dunkelheit zu orientieren.

Sherman befand sich als Gefangener auf Rikers Island. Und er war hier, weil er einen G-man erschossen hatte. Reue kannte der verstockte Verbrecher nicht. Doch plötzlich fürchtete er um sein eigenes Leben.

Plötzlich erschien ein Schatten vor dem Stockbett, in dem der Verbrecher lag. Der Killer riss die Arme hoch, um sich zu verteidigen. Im nächsten Moment spürte er einen heißen, unerträglichen Schmerz in seinem Körper. Sherman brachte ein Gurgeln hervor, schmeckte Blut auf seiner Zunge.

Der Mörder stach noch mehrmals zu. Shermans Abwehrbewegungen wurden immer schwächer.

Der Winter hatte in New York City Einzug gehalten. Der riesige Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center war nicht zu übersehen, und die zahlreichen Kerle in Weihnachtsmann-Kostümen gehörten nun ebenfalls zum Stadtbild.

Doch das Schneetreiben ließ auch den Straßenverkehr zusammenbrechen und erschwerte das Autofahren. Da war es nur ein schwacher Trost, dass die Kriminellen unter dem Klima ebenso leiden mussten wie wir FBI-Agents.

Phil klopfte sich kopfschüttelnd den feinen Pulverschnee vom Mantel, bevor er in meinen roten Jaguar-E-Hybriden einstieg.

»Guten Morgen, Jerry. Ich hoffe, dass die Räumfahrzeuge heute Morgen etwas flotter unterwegs sind. Sonst könnten wir besser mit der U-Bahn zum Field Office fahren.«

»Könnten wir«, bestätigte ich. »Allerdings ist die U-Bahn angeblich noch überfüllter als sonst, weil viele Autofahrer auf diese glorreiche Idee gekommen sind. Wenn es gar nicht vorangeht, müssen wir eben laufen.«

»Wie gut, dass man als G-man stets topfit zu sein hat«, stöhnte mein Freund. Doch wir hatten Glück. Nachdem New York City Mitte November von heftigen Schneestürmen überrascht worden war, zeigte sich die Stadtreinigung inzwischen der Lage gewachsen. An diesem Dezembermorgen benötigten wir jedenfalls nur unwesentlich mehr Zeit als üblich, um zur Federal Plaza zu gelangen.

Dort fand ich eine Notiz auf meinem Schreibtisch. Phil und ich sollten sofort zum Chef kommen. Wir legten unsere Mäntel ab und begaben uns zu seinem Office. Helen kochte gerade ihren legendären Kaffee und winkte uns gleich zum Assistant Director durch.

Mr High saß hinter seinem penibel aufgeräumten Schreibtisch. Sein mageres, asketisches Gesicht war noch ernster als sonst. Und dafür gab es auch einen Grund, wie wir nach der Begrüßung umgehend erfuhren.

»Alan Sherman ist in der vergangenen Nacht in Rikers ermordet worden.«

Ich biss mir auf die Unterlippe. Es war nicht so, dass ich diesem Verbrecher auch nur eine Träne nachgeweint hätte. Phil ging es gewiss genauso, wie mir ein Seitenblick bewies.

Alan Sherman war ein Gewohnheitsverbrecher gewesen, der als Gipfel seiner gesetzlosen Karriere einen G-man erschossen hatte. Phil und ich waren die Zielfahnder gewesen, die den aus Baltimore stammenden Sherman hier in New York City aufgespürt hatten. Es war erst eine Woche her, dass er in Untersuchungshaft gekommen war. Sherman hatte bei nächster Gelegenheit in ein Bundesgefängnis in Oklahoma überstellt werden sollen.

Aber ein Mord konnte auf keinen Fall geduldet werden – noch nicht einmal dann, wenn das Opfer selbst ein Killer war. Wir würden alles daransetzen, den Täter zu finden.

»Gibt es schon Hinweise auf Shermans Mörder, Sir?«, fragte ich. Mr High nickte.

»Offenbar ist Sherman von einem seiner Zellengenossen erstochen worden. Die Beweislage ist ziemlich eindeutig, so wie es aussieht. Aber wir müssen natürlich berücksichtigen, dass der Täter möglicherweise Hintermänner hatte. Fahren Sie bitte nach Rikers und klären Sie den Fall vollständig auf.«

Wir nickten und machten uns sofort wieder auf den Weg, ohne auch nur eine Tasse Kaffee getrunken zu haben. Für Phil und mich war klar, weshalb der Chef uns diese Aufgabe übertragen hatte: Wir hatten uns in den zurückliegenden Wochen intensiv mit Sherman beschäftigt, um ihn zu erwischen.

Als wir wieder in meinem roten Boliden saßen, begann Phil laut nachzudenken.

»Warum musste Sherman sterben, Jerry? Ob es etwas mit der Ermordung unseres Kollegen zu tun hat? Wollte vielleicht jemand Sherman am Reden hindern?«

»Das wäre möglich. Aber die Beweislast gegen Sherman war erdrückend, das weißt du selbst. Wir haben die Videoaufnahme einer Überwachungskamera. Dort ist zu sehen, dass Sherman auf Agent John Cassidy geschossen hat. Und außerdem haben wir die Mordwaffe bei ihm gefunden, du hast sie ihm höchstpersönlich abgenommen.«

»Okay, aber Sherman war kein Einzeltäter. Ich glaube immer noch, dass er seine Komplizen aus der Schutzgeldorganisation decken wollte. Vielleicht haben die Kerle nicht darauf vertraut, dass er längerfristig den Mund hält. Wenn er tot ist, kann er nicht mehr reden.«

»Sicher, das ist denkbar. Aber vielleicht war es auch nur ein ganz normaler Streit zwischen Häftlingen. Solange wir die Fakten nicht kennen, bringt das Mutmaßen überhaupt nichts.«

»Wo du recht hast, hast du recht.«

***

Leichtes Schneetreiben setzte ein, als wir uns langsam dem riesigen Gebäudekomplex von Rikers näherten.

Mr High hatte unser Kommen bereits telefonisch angekündigt. Nachdem wir verschiedene Sicherheitsschleusen passiert hatten, führte uns ein Wärter zu Charles Fuller. Der athletische Riese mit dem rotblonden Bürstenhaarschnitt war der Sicherheitschef von Rikers. Wir kannten ihn seit Jahren und begrüßten ihn mit Handschlag. Fuller verzog das Gesicht, als ob eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt auf ihn warten würde.

»Hallo, Jerry, hallo, Phil. Ich wünschte, wir würden uns unter erfreulicheren Umständen treffen. Für mich ist es immer der blanke Horror, wenn hier drin ein Mord geschieht. Ich komme mir dann vor wie ein Versager. Es ist beinahe so, als ob ich selbst den Gefangenen auf dem Gewissen hätte.«

Ich konnte Fuller verstehen. Er und seine Boys waren um ihren Job nicht zu beneiden. Rikers glich einem Pulverfass. Viele Häftlinge waren nicht nur äußerst gewaltbereit, sondern hatten auch buchstäblich nichts mehr zu verlieren. Frust und Gleichgültigkeit ließen die Inhaftierten abstumpfen. Deshalb gingen sie beim kleinsten Anlass aufeinander los – oder auf die Wärter.

Ich klopfte dem Chef des Sicherheitsdienstes auf die Uniformschulter.

»Wir wissen, dass ihr euer Bestes tut, Charly. Wir werden versuchen, den Fall so schnell wie möglich abzuschließen. Aber wir haben gerade eben erst von Shermans Tod erfahren. Wir brauchen mehr Informationen.«

Fuller nickte. Er führte uns über endlose Stahltreppen und durch zahlreiche gesicherte Spezialtüren zu dem Zellenblock, wo die Bluttat stattgefunden hatte. Im Atrium waren überall Metallnetze gespannt, damit sich mögliche Selbstmörder nicht in die Tiefe stürzen konnten.

Während wir an den geschlossenen Zellen vorbeigingen, verfolgten uns verbale Drohungen, Gemeinheiten und Beleidigungen wie ein Chor des Hasses. Für die Inhaftierten war jeder, der sich draußen bewegte, ein Feind. Allein schon, weil er frei war – und sie nicht. Fuller zückte seinen Notizblock und begann seinen Bericht.

»Der Kollege O’Leary hatte in der vergangenen Nacht Dienst. Es gab kurz nach Mitternacht einen kleinen Aufruhr in diesem Block, den wir aber schnell in den Griff bekommen konnten.«

»Was ist da passiert?«, fragte Phil.

»Es gab eine Schlägerei unter Gefangenen. Meine Männer konnten die Streithähne trennen. Aber als sie einen der Kerle aus der Zelle entfernt hatten, drehte er plötzlich durch. Er griff einen Kollegen an und versuchte zu flüchten. Er konnte natürlich nicht entkommen, aber er verursachte Durcheinander. Innerhalb von einer Stunde war wieder Ruhe. Als O’Leary um drei Uhr routinemäßig einen Blick in Shermans Zelle warf, sah er das Blut. O’Leary gab sofort Alarm, er bekam Verstärkung durch eine Eingreiftruppe. Die Kollegen stürmten die Zelle und nahmen den Mörder sofort fest.«

»Also ist bereits geklärt, wer Sherman ermordet hat?«, vergewisserte ich mich.

»Für uns schon, Jerry. Es war ein Mitgefangener namens Pablo Mendez. Er schlief in seinem Bett und hatte die blutige Mordwaffe noch in der Hand – einen angespitzten Löffelstiel.«

Ich nickte.

»Der Täter schlief also, mit der Mordwaffe in der Hand?«

»Ja, Jerry. Mendez leistete keinen Widerstand, als wir ihm Handschellen anlegten. Bei der ärztlichen Untersuchung stellte sich heraus, dass er bis obenhin voll war mit einer chemischen Droge, die er sich Gott weiß woher beschafft hat. Vielleicht hatte er ja Halluzinationen und war nicht bei Verstand, als er Sherman erstach.«

»Oder er bekam hinterher Schuldgefühle und knallte sich das Rauschgift rein, um sich zu betäuben«, meinte Phil. »Schließlich musste er den Rest der Nacht mit einem Toten in der gleichen Zelle verbringen. – Gab es eigentlich noch weitere Mitgefangene?«

»Normalerweise schon. Es handelt sich um eine Zelle für vier Insassen. Aber der dritte Mann – Ian Gilroy – befand sich wegen einem Infekt auf der Krankenstation. Und der vierte Platz sollte heute eigentlich wieder besetzt werden. Aber jetzt sind zunächst die Spurensicherungsexperten vor Ort.«

Während wir miteinander sprachen, hatte Fuller uns zu dem Tatort geführt. Dort waren die Frauen und Männer von der Scientific Research Division noch bei der Arbeit. Wir blieben draußen stehen, um nicht versehentlich Spuren zu vernichten. Aber wir konnten auch so gut sehen, was sich dort drin abgespielt haben musste.

Die Zelle war nicht groß, bot gerade genug Platz für zwei Stockbetten, vier Spinde, ein winziges Waschbecken und eine Toilette. Es gab auch zwei Hocker und einen kleinen Tisch. Tageslicht konnte nur durch ein vergittertes kleines Fenster eindringen, die Beleuchtung kam hauptsächlich von einigen Neonröhren an der Decke.

Die obere Matratze des linken Stockbetts war blutbefleckt. Dort musste Sherman gelegen haben, als ihn sein Schicksal ereilt hatte. Nichts deutete auf einen heftigen Kampf hin. Wahrscheinlich war er noch im Schlaf oder Halbschlaf gewesen, während Mendez auf ihn einstach.

»Wusste O’Leary oder ein anderer Wärter etwas von Streitigkeiten zwischen Sherman und Mendez?«, fragte ich. Fuller schüttelte seinen mächtigen Schädel.

»Negativ, Jerry. Sherman war sowieso nur vorübergehend hier, denn er sollte seine Haftstrafe ja in einem Bundesgefängnis in Oklahoma verbüßen. Ich habe schon mit den Kollegen gesprochen, die tagsüber und auch nachts in diesem Zellenblock Dienst hatten. Die drei Insassen machten keine Schwierigkeiten. Im Gegenteil, die Zelle von Sherman, Mendez und Gilroy galt als eine der ruhigsten im ganzen Block.«

Ich dachte nach. Wenn Mörder und Opfer gemeinsam in einem abgeschlossenen Haftraum gewesen waren, konnte es keinen Zweifel an Mendez’ Täterschaft geben, oder?

»Hätte noch jemand anders in die Zelle gelangen können, Charly?«

Der Chef des Sicherheitsdienstes zögerte mit seiner Antwort.

»Was soll ich dazu sagen, Jerry? Unser Sicherheitssystem wird ständig perfektioniert. Und trotzdem schaffen es einzelne Gefangene immer wieder, sich Nachschlüssel anzufertigen. Es ist dasselbe Problem wie mit den Drogenkontrollen. Wir führen ständig Razzien durch. Normalerweise dürfte es hier in Rikers weder Crack noch Gras geben. Und doch existiert ein schwunghafter Drogenhandel hier drin, das muss man ehrlicherweise zugeben.«

»Sicher, denn irgendwoher muss ja dieser Mendez auch seine Rauschmittel bekommen haben. – Können wir mit ihm reden?«

Der Chef des Sicherheitsdienstes stimmte zu.

»Ja, vielleicht bekommt ihr ja etwas aus ihm heraus. Mendez wurde auf der Krankenstation entgiftet und befindet sich jetzt in Einzelhaft. Wie ihr wisst, ist das Vorschrift, nachdem ein Häftling einen Mitgefangenen oder einen Wärter angegriffen hat.«

Ich bat die Leute von der SRD, uns die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung so schnell wie möglich zukommen zu lassen. Dann folgten wir Fuller zu dem Block, in dem sich die Einzelzellen befanden.

Der Chef des Sicherheitsdienstes schloss für uns auf. Ich habe während meiner bisherigen Dienstjahre beim FBI viele verschiedene Mörder getroffen. Daher weiß ich, dass man einem Menschen seine Verbrechen nicht an der Nasenspitze ansieht. Pablo Mendez wirkte überhaupt nicht furchteinflößend, sondern eher langweilig und nichtssagend.

Er war ein mittelgroßer stämmiger Mann mit zusammengewachsenen Augenbrauen. Genau wie alle anderen Insassen von Rikers trug er die orangefarbene Gefängniskluft. Mendez hatte seine Ärmel bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt. Seine beiden Unterarme waren mit Tätowierungen übersät, was bei Inhaftierten kein ungewöhnlicher Anblick ist.

Phil und ich hatten unsere FBI-Marken an unseren Jacketts befestigt. Nachdem ich uns vorgestellt hatte, sagte ich: »Sie wissen, dass die Mordwaffe bei Ihnen gefunden wurde, Mendez. Erzählen Sie uns doch einfach, was in der vergangenen Nacht in der Zelle geschehen ist.«

Wir blieben links und rechts von der Tür stehen. Der Mordverdächtige hockte weiterhin auf seiner Pritsche. Langsam, als ob sein Kopf bleischwer wäre, hob er den Schädel. Mendez richtete seinen verhangenen Blick auf mich.

»Ich weiß nichts, Agent. Deshalb sage ich auch nichts.«

Mendez sprach mit mexikanischem Akzent, war aber gut zu verstehen. Ich gab nicht so schnell auf.

»Wenn Sie den Mord nicht begangen haben, müssen Sie nichts befürchten. Aber Sie sollten uns alles sagen, was Sie wissen. Nur dann können wir Ihnen helfen.«

Der Gefangene stieß ein heiseres Lachen aus, das wie das Bellen einer Hyäne klang.

»Helfen? Ich bin doch sowieso schon hier eingebuchtet, Agent.«

»Ja, wegen versuchtem Totschlag und Raubüberfall. Sie müssen noch sieben Jahre absitzen, Mendez. Aber wenn Sie Alan Sherman abgestochen haben, dann kommen Sie hier nie wieder raus. Das muss Ihnen doch klar sein.«

»Woher hatten Sie den angespitzten Löffelstiel?«, wollte Phil wissen. Mendez ging weder auf mich noch auf meinen Partner ein. Stattdessen stützte er seinen Kopf auf die Hände und starrte eigensinnig zu Boden.

»Lasst mich doch in Ruhe, alle beide. Ich weiß nichts, Caramba!«

»Dann können Sie also auch nicht sagen, woher die Mordwaffe stammt?«, bohrte Phil nach. Der Strafgefangene öffnete nicht einmal mehr den Mund. Er schien darauf zu warten, dass wir endlich gehen würden. Den Gefallen taten wir ihm wenige Minuten später.

Ich legte meine Visitenkarte auf das winzige Tischchen, das zur Einrichtung der Einzelzelle gehörte.

»Sie können mich jederzeit anrufen, falls Sie Ihre Meinung ändern, Mendez«, sagte ich zum Abschied.

Fuller geleitete uns zur Krankenstation, wo wir mit Ian Gilroy sprechen wollten.

»Was haltet ihr von Mendez?«, wollte der Chef des Rikers-Sicherheitsdienstes wissen.

»Er ist so schuldig, wie man nur sein kann«, zeigte sich Phil überzeugt. »Außerdem war er mit dem Opfer allein in einer Zelle. Die einzige andere Möglichkeit wäre, dass Sherman Selbstmord begangen hätte. Aber dann wäre wohl kaum die Waffe in Mendez’ Griffeln gelandet.«

Ich war nicht hundertprozentig davon überzeugt, Shermans Mörder schon gefunden zu haben. Aber wir standen ja noch ganz am Anfang der Ermittlungen.

***

Bevor wir uns den dritten Insassen Ian Gilroy vorknöpften, befragten wir noch alle Wärter aus dem Zellenblock, die gerade Dienst hatten. Alle bestätigten Charly Fullers Aussage: Es hatte keinen Streit zwischen Sherman und Mendez gegeben.

»Das muss aber gar nichts bedeuten«, meinte Phil, als wir auf dem Weg in die Krankenstation waren. »Du weißt doch, wie clever manche Gefangenen sind. Gegenüber dem Wachpersonal spielen sie die Unschuldslämmer. Aber sobald sie unter sich sind, wird mit harten Bandagen gekämpft. Dass ein Gefangener einen anderen absticht, ist doch beinahe schon trauriger Alltag in unseren Strafanstalten.«

»Angenommen, Mendez ist wirklich der Mörder. Was war sein Motiv für die Bluttat?«

»Dazu wird uns Gilroy vielleicht mehr sagen können.«

Der Mann, der sich die Zelle mit Sherman und Mendez geteilt hatte, war mittelgroß und unscheinbar. Das Auffälligste an ihm war sein kahlrasierter Schädel und seine flinken wachen Augen. Er wirkte nicht auffallend gesundheitlich angegriffen. Der diensthabende Doc bestätigte uns ebenfalls, dass Gilroys Infekt bereits am Abklingen war und der Gefangene getrost verhört werden konnte. Natürlich hatte Gilroy schon von den Ereignissen gehört.

»Das FBI ermittelt bei Alans Tod? Ach ja, er hatte ja einen von euch umgelegt, oder?«

»Sie sagen es, Gilroy«, knurrte ich. »Aber uns interessiert momentan mehr, wie Alan Sherman und Pablo Mendez zueinander gestanden haben.«

»Sie haben sich gehasst, schätze ich«, sagte der Gefangene. Ich hob eine Augenbraue.

»So, Sherman und Mendez mochten sich also nicht. Und weswegen?«

»Sherman war ein Weißer, und Mendez ist ein Latino. Das reicht hier drinnen für eine Blutsfeindschaft, G-man.«

Ich wusste natürlich, dass es gewalttätige Knastbruderschaften gab, die ihre Mitglieder nach der Hautfarbe auswählten und sich blutige Schlachten lieferten. Aber so ganz war ich mit der Antwort nicht zufrieden und hakte nach.

»Und was ist mit Ihnen, Gilroy? Sie sind doch auch ein Weißer. Haben Sie Mendez ebenfalls gehasst, weil Ihnen seine Hautfarbe nicht gepasst hat?«

Der Inhaftierte schüttelte grinsend den Kopf. Dann schob er die Ärmel seines Overalls hoch. Er war nicht tätowiert.

»Sehen Sie das, G-man? Ich will nichts mit diesen Knast-Bandenkriegen zu schaffen haben. Gewiss, die Gangs bieten ihren Mitgliedern Schutz. Aber sie fordern einen hohen Preis. Man muss hier drin wieder krumme Dinger drehen, mit Drogen dealen und so.

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