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Jerry Cotton - Folge 2802

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Eine Leiche ist gut fürs Geschäft
  4. Vorschau

Eine Leiche ist gut fürs Geschäft

Rusty McArthur rannte um sein Leben. Wie von Furien gejagt hetzte er durch die nächtlichen Gassen von Greenwich Village. Seine Augen waren vor plötzlicher Angst und Panik geweitet, seine hastigen Schritte klangen als dumpfes Echo von den Häuserwänden zurück.

Der Tod saß ihm dicht im Nacken. So dicht, dass er seinen eisigen Atem zu spüren glaubte. Unsichtbare Hände schienen nach ihm zu greifen, ihn an seinem Anorak zu packen und ihn in einen unsichtbaren Abgrund zu zerren.

Ein dunkler Schatten geisterte über den Asphalt, hob sich für den Bruchteil einer Sekunde gegen den Lichtschein einer Straßenlampe ab. Nur eine alte Zeitung, die der frische Nachtwind über die Straße trieb. Oder doch ein böser Geist, der sich ihm in den Weg stellte?

Er kannte das Gefühl aus dem Krieg. Weil er die Highschool geschmissen und sich aus lauter Verzweiflung zur Armee gemeldet hatte, war er im Nahen Osten gelandet, in einem Land, dessen Namen er bis dahin gar nicht gekannt hatte. Dort war er dem Tod auf jeder Patrouillenfahrt begegnet. Das Gefühl, dass jeden Moment eine Mine hochgehen oder eine tödliche Kugel ihn treffen konnte, war ihm wohlvertraut: das Kribbeln im Rücken, der eisige Schauer, der einem über den Rücken lief, der Drang, sich fallen zu lassen und die Hände vors Gesicht zu reißen.

Schon als er die Bar verlassen hatte, war der Tod in seiner Nähe gewesen. Auch wenn weit und breit keine Gefahr zu sehen gewesen war, hatte er sich plötzlich wie auf dem Präsentierteller gefühlt. Hatte es jemand auf ihn abgesehen? Wollte man ihn umlegen? Hatte etwa jemand herausbekommen, dass er als Informant für das FBI arbeitete?

Seit ein paar Monaten besserte er auf diese Weise seine Haushaltskasse auf. In seinen Kreisen erfuhr man so einiges, was die Behörden interessierte. Welche Coups geplant waren, welche Killer sich in der Stadt aufhielten, wann illegale Mädchen aus der Ukraine und Drogen aus Mexiko verladen wurden. Er tat nur das, was er im Krieg gelernt hatte: die Augen und die Ohren offen zu halten und die Informationen meistbietend und mit dem größtmöglichen Vorteil zu verkaufen. Das FBI zahlte nicht am besten, würde aber vielleicht ein Auge zudrücken, falls er mal in echte Schwierigkeiten geriet. Und das war in seinem Job mehr als wahrscheinlich.

Er arbeitete für einen reichen Fatzke, dem mehrere Clubs und Diskotheken im Village gehörten, einen dieser jungen Typen, die auf »netter Schwiegersohn« machten, im Job aber nicht gerade zimperlich waren. Für die Drecksarbeit war Rusty McArthur zuständig: unbequeme Leute in die Mangel nehmen, aufsässige Kunden zur Räson bringen, mit der Pistole herumfuchteln. Auch Dinge, die Rusty im Krieg gelernt hatte.

Er erreichte eine Kreuzung und blieb schnaufend stehen. Seine Kondition war nicht mehr die beste, seit er wieder mehr trank und rauchte. Er blickte sich ängstlich um. Außer einem jungen Pärchen, das in einem Hauseingang knutschte, war niemand zu sehen. Ein herrenloser Hund tauchte aus der Dunkelheit auf, erleichterte sich an einer Hauswand und lief weiter, ohne Notiz von ihm zu nehmen. Wo zur Hölle waren die ganzen Leute geblieben? Die Nachtschwärmer, die Kids aus den Clubs und Diskotheken? Nicht mal Cops waren zu sehen. Warum war er ausgerechnet in diese dunkle Gasse gerannt?

Nervös tastete er nach seiner Pistole. Mach dich nicht verrückt, sagte er sich, du hast deine Knarre dabei, dir kann gar nichts passieren. Er war kein Angsthase, ganz im Gegenteil. Wenn es darum ging, einen aufsässigen Kunden einzuschüchtern, konnte er auch grob und handgreiflich werden. Wenn ihm jemand dumm kam, musste er dafür bezahlen, auch wenn er nach der Abreibung nicht mehr dazu fähig war, seinen eigenen Namen zu buchstabieren. Rusty McArthur war ein harter Bursche.

Hinter ihm erklangen Schritte. Er drehte sich um und sah einen dunklen Schatten. In seiner Panik zog er seine Pistole und schoss. Einmal, zweimal, dreimal. Der Hund, der an die Hauswand gepinkelt hatte, lief jaulend ein paar Schritte weiter und fiel tot um. »Hey, was soll der Lärm?«, rief jemand aus einem Fenster. Das knutschende Pärchen verschwand im Hauseingang.

Mit der Waffe in der Hand rannte Rusty weiter. Nur weg hier, schoss es ihm durch den Kopf, raus aus dieser dunklen Gasse. Zum Broadway, zur Seventh Avenue, da war mehr Betrieb. Da ging es auch um diese Zeit noch hoch her. Auf einer belebten Straße würde niemand wagen, ihn umzubringen. Da war selbst der schleichende Tod machtlos.

Die Angst im Nacken, stürmte Rusty nach Westen. Noch einen Block, höchstens zwei, dann hatte er die Hauptstraße erreicht. Da patrouillierten die Cops, da waren auch um diese Zeit noch Menschen unterwegs, selbst bei diesem Nieselregen. Er würde sich ein Taxi schnappen und verschwinden. Zu Hause einschließen und erst mal wieder richtig ausschlafen. Die Albträume loswerden. Vielleicht war ja auch der Alkohol an seiner verfluchten Angst schuld. Zwölf Stunden Schlaf, dann eine heiße Dusche und ein großer Pott Kaffee, und er war wieder auf dem Damm. Reiß dich zusammen, Junge!

Aus einem der Hauseingänge kam ein älterer Mann mit seinem Hund. Rusty prallte gegen ihn und ließ die Pistole fallen. In seiner Panik ließ er sie liegen und rannte weiter, verfolgt von den Dämonen, die er im Nahen Osten auf seine Spur gelockt hatte. Du bildest dir den Verfolger nur ein, alles nur ein böser Traum, sagte er sich, und doch rannte er weiter, stets darauf gefasst, von einer Kugel getroffen zu werden.

Endlich erreichte er den Broadway. Auch dort war weniger los, als er gehofft hatte, aber es gab wenigstens Taxis, und schräg gegenüber parkte sogar ein Streifenwagen. Er lief an den Straßenrand und winkte dem nächsten Taxi, doch es war besetzt und fuhr ohne anzuhalten an ihm vorbei. Auch die nächsten beiden Taxis waren besetzt.

Die Schritte hinter ihm wurden lauter und verstummten plötzlich. Ich bilde mir nichts ein, durchfuhr es ihn, da hat mich jemand im Visier. Er fuhr herum und sah eine dunkle Gestalt vor einem geschlossenen Drugstore stehen. Nur für einen winzigen Augenblick war ihr schmales Gesicht im Scheinwerferlicht eines vorbeifahrenden Autos zu sehen.

Rusty erstarrte, war plötzlich unfähig, sich zu bewegen. Er hatte die Gestalt erkannt. Das war es also! Das Miststück, das ihn vor zwei Tagen abgeschleppt hatte, war tatsächlich die ›Viper‹! Die gefährliche Killerin, die ihr Handwerk bei irgendwelchen Terroristen gelernt hatte und so lautlos wie eine Schlange töten konnte. Als sie ihn in einer Bar aufgegabelt und wie ein Mann in ein teures Hotelzimmer abgeschleppt hatte, war er noch davon ausgegangen, einer raffinierten Nutte auf den Leim gegangen zu sein. Wie ein Kerl hatte sie ihn rangenommen, beinahe vergewaltigt hatte sie ihn und mit Ausdrücken um sich geworfen, die er nicht mal im Krieg gehört hatte. Und als er während der Zigarette danach auf ihren Revolver gestoßen war, hatte sie laut gelacht und gesagt: »Ich bin die ›Viper‹. Hast du das nicht gewusst? Ich bin die gefährlichste Auftragskillerin der Welt. So haben sie mich im Fernsehen genannt. Wo ich bin, passiert etwas ganz Schreckliches!«

Natürlich hatte er ihr nicht geglaubt, und sie hatte ihm später weisgemacht, das Ding wäre nur eine Schreckschusspistole, falls sie mal einer vergewaltigen wollte. Auch er hatte ihr diese Lüge abgenommen, aber sie musste irgendwie herausbekommen haben, dass er in der Unterwelt tätig war und vielleicht herumplapperte, was sie gesagt hatte. Deshalb war sie hinter ihm her, deshalb wollte sie ihn töten. Um auf Nummer sicher zu gehen. Eine wie die ›Viper‹ ging kein unnötiges Risiko ein, nicht wenn es um ihre eigene Sicherheit ging. Einen Fehler, wie sie ihn im Hotelbett gemacht hatte, bügelte sie wieder aus.

Innerhalb kürzester Zeit wirbelten diese Gedanken durch seinen Kopf. Gleich würde der tödliche Schuss kommen. Sie brauchte nur noch die Hand zu heben und abzudrücken. Nur noch eine winzige Bewegung trennte ihn von der Ewigkeit. Wenn er wenigstens noch seine Pistole gehabt hätte! Obwohl ihn auch seine Waffe nicht mehr vor der tödlichen Kugel gerettet hätte. Nicht wenn die ›Viper‹ schoss! Eine Frau, vor der selbst harte Männer in die Knie gingen, und das aus einem anderen Grund, als man vermutete.

Doch selbst in dieser scheinbar ausweglosen Situation gab er sich nicht geschlagen. Solange ihn die Kugel nicht getroffen hatte, gab es noch eine Chance. Mit dem Mut der Verzweiflung rannte er los, vor einem hupenden Wagen vorbei auf die Straße, verzweifelt nach einem Taxi suchend. Der Streifenwagen war bereits weitergefahren, es gab nur noch diese eine Möglichkeit: sich ein Taxi schnappen und verschwinden. Und wenn er das verdammte Taxi mit Gewalt aufhalten musste.

Er blieb mitten auf der Straße stehen, stand auf dem Präsentierteller, wie geschaffen für einen gezielten Schuss. Warum feuerte sie nicht, verdammt? Worauf wartete sie denn noch? Ein deutlicheres Ziel würde er nie mehr abgeben! Wollte sie ihn zappeln lassen?

Ein Taxi kam näher. Er lief darauf zu und hielt es mit ausgebreiteten Armen auf. Vielleicht klemmte der Verschluss ihrer Pistole, vielleicht gab es doch noch eine Chance! Er merkte gar nicht, wie absurd das klang. Die Pistole einer Profi-Killerin würde immer funktionieren. Ihre Waffen waren ihre wichtigsten Werkzeuge. Nicht mal ein Cop reinigte und pflegte seine Waffen so gründlich.

Der Fahrer trat auf die Bremse und brachte das Taxi dicht vor ihm zum Stehen. Mit dem Nummernschild berührte es seine Schienbeine. Der Fahrer, ein junger Inder, sprang heraus und rief im breiten Jersey-Dialekt: »Was fällt Ihnen ein, Mann? Sind Sie verrückt?«

Im selben Augenblick fiel der Schuss. Die Kugel erwischte Rusty am Hals und ließ ihn nach vorn auf die Kühlerhaube kippen. »Viper … etwas Schreckliches!«, rief er dem Taxifahrer noch zu, dann traf ihn eine zweite Kugel in den Kopf und tötete ihn endgültig.

***

Ich fluchte, als nachts um halb eins mein Telefon klingelte. Vielleicht lag es daran, dass ich gerade eingeschlafen war. Ich ging widerwillig dran. »Ja?«

»Police Lieutenant Simon Kelly vom sechsten Bezirk«, meldete sich eine befehlsgewohnte Stimme. »Entschuldigen Sie bitte die späte Störung, aber beginnt einer Ihrer Namen mit einem C?«

»Cotton, Jerry Cotton«, bestätigte ich. »Worum geht es denn, Lieutenant?«

Wenn mich ein Lieutenant des NYPD anrief, war er meist weniger höflich und begann mit einem derben Scherz oder der Klage, das FBI würde sich zu sehr in die Belange der Polizei einmischen. Lieutenant Kelly schien nicht zu wissen, mit wem er es zu tun hatte. Auch ich hatte noch nicht von ihm gehört. Anscheinend war er erst seit kurzem im Amt oder von außerhalb gekommen.

»Das kann ich Ihnen am Telefon nicht sagen. Es wäre besser, Sie kämen morgen früh auf unser Revier …«

»Special Agent Jerry Cotton vom FBI«, unterbrach ich ihn. Ich lächelte bei dem Gedanken an sein erstauntes Gesicht. »Wir hatten noch nicht das Vergnügen. Wie kommen Sie an meine Nummer? Was soll die Frage mit dem C? Klären Sie mich auf, Lieutenant.«

Er hustete verlegen. »Tut mir leid, Agent Cotton. Ich konnte ja nicht wissen, dass …« Er brach seine Entschuldigung ab. »Wir haben einen Toten hier, Agent. Er wurde auf offener Straße erschossen. Ecke Broadway und 11th Street. Der Zettel mit dem C und Ihrer Nummer steckte in seiner Jackentasche. Wir wissen nicht, wer er ist. Außer dem Zettel hatte er nichts dabei.«

»Wie sieht er aus?«

»Weiß, Mitte dreißig, schlank, dunkelblondes Haar, dunkelgrüner Anorak, abgetragene Turnschuhe, das war’s …«

Das passte auf einen meiner Informanten, aber sicher war ich nicht. »Dann muss ich mir den Toten wohl selber mal ansehen«, sagte ich. »Wir sind in einer halben Stunde bei Ihnen.«

»Und nehmen mir den schönen Fall weg«, klagte der Lieutenant. »Ich bin erst seit drei Monaten in Manhattan und brauche was Spektakuläres, um mich bei den hohen Herren lieb Kind zu machen. Die Karriere, Sie wissen schon. Der Mord hier käme mir gerade recht.«

Ich war bereits aus dem Bett und knipste das Licht an. »Keine Bange, Lieutenant. Wir reißen uns nicht um den Fall. Wenn der Tote nicht in unser Ressort fällt, können Sie ihn behalten.«

»Und ich dachte, in New York gingen die Uhren anders«, erwiderte er. »Ich komme aus Albuquerque, wissen Sie?«

***

Ich rief Phil an, duschte hastig und zog mich an, dann sammelte ich ihn ein. Mit Rotlicht, aber ohne Sirene fuhren wir ins Village hinunter. Phil war genauso begeistert wie ich von dem ungeplanten Einsatz, nur dass er noch nicht im Bett gewesen war. Anscheinend hatte er sich einen Krimi mit Humphrey Bogart angesehen. Er mochte die alten Filme.

»Klingt nach Rusty McArthur«, sagte er, nachdem ich die Beschreibung des Lieutenants wiederholt hatte. »Dem Typ mit der Kriegsmacke. Hat der uns nicht diesen Dealer aus Mexiko verraten?«

Ich überholte einige Taxis. »Ein kleiner Fisch, aber den Fünfziger, den ich ihm dafür gegeben habe, war es wert.«

»Sieht so aus, als hätte jemand herausgefunden, dass er für uns arbeitet.«

So sah es tatsächlich aus, obwohl Rusty McArthur auch sonst kein unbeschriebenes Blatt war. Er war zwar nur ein kleines Licht, hatte sich aber zahlreiche Feinde in der Unterwelt geschaffen. Gut möglich, dass ihn jemand aus einem anderen Grund getötet hatte.

Am Tatort parkten wir vor der Absperrung und stiegen aus. Fünf Streifenwagen, zwei zivile Wagen, der Kombi des Medical Examiner und der Truck der Crime Scene Unit parkten mitten auf der Straße. Etliche Schaulustige drängten sich am Plastikband und mussten von uniformierten Polizisten zurückgehalten werden. Wir zeigten unsere Ausweise und brauchten nicht lange nach Lieutenant Kelly zu suchen.

»Agent Cotton, nehme ich an«, begrüßte er uns. Sein kurzer Haarschnitt und sein befehlsgewohnter Ton verrieten mir, dass er beim Militär gewesen war. Er trug einen Anorak mit der Aufschrift »Police« über seinem Anzug. An der Brusttasche hing seine Polizeimarke. »Und Ihr Partner ist Special Agent …«

»Decker, Phil Decker«, sagte Phil.

»Police Lieutenant Simon Kelly«, begrüßte er uns noch einmal. Er schien sehr stolz auf seinen neuen Titel zu sein. »Kommen Sie, ich bringe Sie zu der Leiche. Der Tote liegt auf dem Taxi. Ein ziemlich spektakulärer Tod, wenn Sie mich fragen. So was gab’s bei uns in Albuquerque nur alle Jubeljahre mal.«

Auch in New York starben nur wenige Menschen wie der Mann, der mit ausgebreiteten Armen und dem Bauch nach unten auf dem Kühler eines Taxis lag. »Rusty McArthur«, sagte ich, nachdem ich sein Gesicht gesehen hatte.

»Nie gehört«, erwiderte Kelly.

»Ein Informant des FBI«, klärte ich den Lieutenant auf. »Keine besonders große Nummer, dazu hat ihm der Krieg wohl zu arg zugesetzt, aber gut im Sammeln von Informationen. Er kam viel herum in der Unterwelt.« Ich blickte Kelly an. »Und er hatte einen Zettel?«

Der Lieutenant zeigte mir den Zettel mit meiner Nummer und dem C daneben. Er steckte in einem Plastikbeutel.

»Und das ist alles?«, fragte ich verwundert. »Mehr hatte er nicht dabei?«

»Nada … nichts.« Wie die meisten Menschen aus dem Südwesten hatte er einige spanische Ausdrücke drauf.

»Sehr unvorsichtig von ihm. Eigentlich hätte ich ihn für klüger gehalten.« Ich deutete auf den Toten. »Haben Sie ihn so vorgefunden? Auf der Kühlerhaube, wie einen gekreuzigten Jesus?«

Der Lieutenant nickte. »Ein malerisches Bild, nicht wahr? Wie in einem dieser modernen Krimis. Genau so haben wir ihn gefunden, Agent Cotton.«

Ich wandte mich an den Medical Examiner, der immer noch dabei war, den Toten zu untersuchen. »Wie ist er gestorben? An den beiden Kugeln?«

Auch er hatte die beiden Einschusslöcher am Hals und am Kopf längst gesehen. »Offensichtlich, Agent. Ich nehme an, dass ihn die Kugel in den Hals zuerst getroffen hat. Wenn der Täter die Schlagader treffen wollte, hat er sie knapp verfehlt. Die Kugel in den Kopf war tödlich. Aber Genaues kann ich Ihnen erst sagen … Sie wissen schon.«

»… wenn Sie ihn auf dem Tisch liegen haben«, ergänzte ich amüsiert. »Sonst was, was Sie mir sagen können, Doc?«

»Nun, es muss äußerst schwierig gewesen sein, den Mann zu treffen.« Er deutete über die Straße. »Der Schütze stand angeblich dort drüben. Aus dieser Entfernung zu treffen erfordert äußerste Präzision. Und eine gewisse Kaltblütigkeit. Hier war ordentlich Verkehr.«

»Ein Profi?« Ich blickte den Lieutenant an. »Was meinen Sie? In Albuquerque gibt es doch sicher Profikiller.«

»Sie meinen, wegen der vielen Drogen, die dort über die Grenze kommen? Naturalmente, das mag schon stimmen. Aber unsere Profikiller wären nicht so dumm, ihre Opfer auf offener Straße abzuknallen. Viel zu riskant. Die gehen auf Nummer sicher und erledigen das in aller Stille. In einer Wohnung, nachts in einem Auto, irgendwo in der Wüste.«

Ich sah dem Medical Examiner bei der Arbeit zu, hörte, wie er seinen Mitarbeitern befahl, die Leiche in einen Plastiksack zu packen. »Es sei denn, der Täter wollte es so spektakulär. Woher wissen Sie, dass der Schütze dort drüben stand?«, fragte ich den Doc.

Er deutete auf den indischen Taxifahrer, der gerade von einem Detective des 6. Reviers verhört wurde. Ich ging zu den beiden und zeigte meinen Ausweis. »Entschuldigen Sie, wenn ich mich einmische«, sagte ich und wandte mich an den Taxifahrer.

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