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Jerry Cotton - Folge 2794

Kill, Baby, Kill

›Baby‹ Jimmy Bixby setzte sich auf die Bank im Central Park und sah sich um. Dann fasste er mit einer Hand unter die Bank und tastete sich an der Unterseite des Holzes entlang. Da war es. Deutlich spürte er das Klebeband, mit dem der Umschlag am Holz befestigt war. Er riss den Umschlag los, öffnete ihn und las sich die Instruktionen seines Auftraggebers aufmerksam durch, dann zerriss er den Zettel samt Umschlag in kleine Teile und warf sie in den Papierkorb neben der Bank.

Phil und ich absolvierten gerade unser regelmäßiges Schießtraining, als wir auf eine junge Kollegin aufmerksam wurden, die an dem Stand neben uns gerade eine beachtliche Trefferliste erzielt hatte. Die Infrarotauswertung zeigte eine Quote von 97 Prozent, was bei allen anwesenden Kollegen Pfiffe der Anerkennung auslöste. Die Kollegin nahm die Brille ab und lächelte selbstbewusst in die Runde. Dabei zwinkerte sie Phil und mir, die wir drei Bahnen von ihr entfernt standen, zu. Es handelte sich um Susan Kraemer, eine relativ neue Kollegin, die uns bei einem unserer letzten Einsätze für eine Überwachung zugeteilt worden war und ihre Sache alles in allem sehr gut gemacht hatte. Soweit ich mich erinnerte, war sie seit einem knappen Jahr beim FBI, war ehrgeizig und hatte die besten Chancen, bei uns Karriere zu machen.

»Nicht schlecht«, raunte Phil mir zu, zog sich den Schallschutz wieder über die Ohren und machte sich bereit, seinen zweiten Schießgang zu absolvieren.

»Kannst du sie toppen?«, fragte ich mit einem Grinsen und wartete auf die Auswertung meines eigenen Durchgangs.

Phil kniff die Augen zusammen, legte an und ließ seine SIG aufbellen.

Auf dem Computer vor mir erschien meine Auswertung.

84 Prozent. Nicht mein bester Tag.

Ich wartete, bis Phil sein Magazin geleert, nachgeladen und zum zweiten Mal die Waffe leergeschossen hatte, dann lugte ich auf seinen Computer und wartete auf das Ergebnis.

92 Prozent. Das war besser als ich, aber immer noch deutlich unter dem, was die junge Kollegin eben abgeliefert hatte.

Mit schmollendem Blick linste Phil rüber zu Susan Kraemer, die eben ihre Waffe reinigte, seinen Blick bemerkte und herüberkam, um unsere Ergebnisse zu vergleichen.

Sie begrüßte uns kurz, wobei mir auffiel, dass sie in der Schulter zusammenzuckte, als ich ihre Hand drückte.

»Ein sehr gutes Ergebnis«, lobte ich sie.

»Danke«, sagte sie, offensichtlich ehrlich erfreut. »Haben Sie den Mann gefasst, den wir observiert haben?«

»Ja«, ließ ich mich auf ein Gespräch unter Kollegen ein. »Der Kerl sitzt schon in Rikers. Danke auch für Ihre Mithilfe, ohne Sie hätten wir ihn vielleicht nicht gekriegt.«

»Sie Schmeichler«, lächelte Susan Kraemer und zeigte uns zwei Reihen strahlend weißer Zähne. »Sie und Phil wären doch auch ohne mich klargekommen. Was man so hört, haben Sie die höchste Verhaftungsquote in den letzten zwei Jahren aufzuweisen.«

»Das ist nur Zufall«, wandte Phil ein. »Im Jahr davor war ich drei Wochen krank, sonst hätten wir sechs Jahre in Folge geschafft.«

Susan Kraemer schien Phils Angeberei richtig zu verstehen: als Übertreibung unter Kollegen, die man nicht allzu ernst nehmen sollte.

»Warten Sie ab«, erwiderte sie lächelnd, »wenn ich lange genug dabei bin, werde ich Sie auch darin schlagen.«

Während sie das sagte, gab sie Phil einen leichten Schlag mit der Faust gegen die Schulter, wobei sie wieder leicht zusammenzuckte und das Gesicht schmerzhaft verzog.

»Eine Dienstverletzung?«, fragte ich.

Susan Kraemer sah mich fragend an.

»Sie scheinen Probleme mit der Schulter zu haben«, hakte ich nach.

»Ach das«, erwiderte die Kollegin mit einer abwehrenden Geste und sah sich um. Der Schießstand war inzwischen leer und es war ruhig geworden. Die meisten Kollegen machten jetzt Mittag und würden dann ihre Auswertungsbögen abgeben und den Tag auf dem Schießstand vergessen – bis zum nächsten Mal. Wir waren allein.

»Das ist nur von einem Einsatz in der letzten Woche«, fuhr Susan Kraemer fort und versuchte ein Lächeln. »Eine Prellung, als ich vor einem Wagen wegspringen musste, dessen Fahrer nicht wollte, dass wir seinen Kofferraum öffnen.«

Ich stutzte.

»Sind Sie nicht die Partnerin von William Tanner?«

Susan Kraemer nickte.

»Ja? Warum?«

Mir wurde etwas unwohl, trotzdem musste ich noch weiter nachhaken.

»Tanner hatte letzte Woche Urlaub. Wir haben ihn gestern getroffen und er hat uns groß und breit davon erzählt. Ist nicht seit drei Jahren die Regelung in Kraft, dass Teams nur zusammen Urlaub nehmen, um die Planung effektiver zu gestalten?«

»Stimmt«, schaltete Phil sich ein, »haben die das wieder geändert? Ich dachte, die waren der Meinung, dass derjenige aus einem Team, der keinen Urlaub nimmt, sich mehr im Büro herumdrückt als sonst etwas zu tun. Wir puzzeln doch auch immer herum, um unsere Pläne in Übereinstimmung zu bringen. Wie haben Sie das geschafft? Das müssen Sie uns verraten.«

Susan Kraemer sah uns etwas verwirrt an.

»Letzte Woche? Habe ich letzte Woche gesagt? Mein Gott, da habe ich mich aber vertan. Nein, es war davor. Natürlich war ich auch in Urlaub, letzte Woche, wie mein Partner.«

Phil nickte enttäuscht und ich sah ihm an, dass er wieder auf ein anderes Thema kommen wollte, aber ich hatte plötzlich das deutliche Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte.

»Eine Prellung, die von vor zwei Wochen stammt? Das scheint mir doch etwas Ernsteres zu sein.«

Susan Kraemer erwiderte nichts, schluckte aber vernehmlich und fuhr sich mit der linken Hand durchs Haar.

»Es war wirklich nichts, Jerry. Ein Unfall, mehr nicht«, sagte sie mit rauer Stimme und versuchte, sich zu verabschieden. »Ich bin jetzt fertig mit dem Schießen. Es war nett, Sie wiederzusehen. Vielleicht haben wir ja bald wieder einen Einsatz zusammen.«

Sie drehte sich um, ging ein paar Schritte und blieb dann stehen. Ihre Schultern bebten.

Phil und ich sahen uns an. Ich sah an Phils Blick, dass er inzwischen auch begriffen hatte, dass irgendetwas mit unserer Kollegin nicht stimmte.

Zusammen gingen wir ihr hinterher. Ich fasste sie leicht an der unverletzten Schulter an und drehte sie zu uns um.

Die Frau hatte Tränen in den Augen.

»Was ist denn los, Susan?«, fragte Phil mit belegter Stimme. »Da steckt doch mehr dahinter, als Sie uns sagen wollen.«

Susan Kraemer schluckte, versuchte, sich wieder von uns abzuwenden, und stammelte nur: »Es ist nichts. Wirklich nichts.«

Ich nahm ihr Handgelenk und hielt sie fest, dabei verrutschte ihr Ärmel ein wenig nach oben, und quer über das Handgelenk wurde ein bläulich-gelber Striemen sichtbar, der deutliche Anklänge an einen Handabdruck aufwies.

»Moment mal«, sagte ich, fest entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. »Was ist das?«

Ich schob beide Ärmel zurück und entdeckte mehrere blau, grün und gelb angelaufene Male auf Susans Haut.

»Jemand hat Sie geschlagen«, sagte ich bestimmt. »Wer war das, Susan?«

Susan Kraemer entzog sich meinem Griff und kreuzte die Arme vor der Brust, wie, um sich gegen einen unbekannten Angreifer zu schützen.

»Das geht niemanden etwas an«, sagte sie unsicher. »Das ist meine Privatangelegenheit.«

Ich ahnte schon, woher der Wind wehte, und musste mich beherrschen, ruhig zu bleiben.

»Susan«, sagte ich eindringlich und sah ihr fest in die Augen. »Wenn Ihr Mann Sie schlägt, müssen Sie etwas unternehmen. So etwas wird nie besser. Schon gar nicht, wenn Sie ihn schützen. Selbst wenn es Ihr Mann ist und Sie ihn lieben: Er ist ein Täter und Sie wissen am besten, dass Täter sich durch die Passivität ihrer Opfer immer bestätigt fühlen. Sie machen weiter, bis man sie stoppt.«

Susan Kraemer nickte und vermied es, mit mir Augenkontakt aufzunehmen. Phil stand neben mir und knirschte mit den Zähnen.

»Hat Ihr Mann Sie verprügelt, Susan?«, wollte er wissen. »Ist das schon öfters vorgekommen?«

Susan Kraemer nickte zu beiden Fragen und sah beschämt zu Boden. Sie rollte den Ärmel wieder hinunter und zog die Schultern zusammen.

»Es geht schon eine ganze Weile so«, flüsterte sie. »Eigentlich, seit er nicht mehr für die NFL spielt.«

»Ihr Mann ist Footballspieler?«, wollte Phil mit einem Hochziehen der Augenbrauen wissen.

Susan Kraemer nickte wieder.

»Er hat zuletzt für die Giants gespielt und war bei dem Super Bowl vor zwei Jahren dabei, gegen die New England Patriots. Bei dem Spiel hat er sich die Achillessehne gerissen und musste aufhören. Seitdem läuft es bei ihm nicht mehr so gut.«

»Welche Rückennummer hatte er denn?«, wollte Phil wissen. »Ich kann mich gar nicht an einen Kraemer erinnern.«

»Wir reden hier nicht über Football, Phil«, bremste ich meinen Partner aus. »Es geht um unsere Kollegin.«

»Er hatte die 17«, nahm Susan Phils Ablenkung auf. »Es war das beste Spiel seiner Karriere. Zwei Touchdowns. Umso bitterer war es für ihn, dass er aufhören musste. Damals dachten wir noch, dass er jede Menge Werbeverträge bekommen würde. Aber da haben wir uns wohl geirrt. Es kamen ein, zwei Angebote für Deo-Sprays, und das war es dann. Er war einfach zu kurz dabei, um den Leuten in Erinnerung zu bleiben, wie man ja sieht«, sagte sie mit einem bitteren Lächeln in Richtung Phil.

Phil hob entschuldigend die Schultern und sah mich hilfesuchend an.

»Ganz gleich, wie es bei Ihrem Mann gelaufen ist, Susan«, übernahm ich wieder das Gespräch, »er hat nicht das Recht, Sie zu schlagen.«

»Das weiß ich doch«, erwiderte Susan und es schossen ihr wieder die Tränen in die Augen. »Aber ich bitte Sie, halten Sie sich da raus. Wenn er hört, dass ich jemandem davon erzählt habe, dann …«

Sie bedeckte die Augen mit beiden Händen. Ihre Schultern zuckten unkontrolliert.

Phil und ich sahen uns an.

Ich legte unserer Kollegin vorsichtig einen Arm um die Schultern.

»Es tut mir leid, Susan, aber wir können uns da nicht raushalten. Schon aus beruflichen Gründen nicht. Wir werden mit Ihrem Mann reden. Wir müssen das tun, das sind wir uns und Ihnen schuldig. Ich denke, wir sollten das nicht bei Ihnen zu Hause tun, wenn Sie dabei sind. In seiner gewohnten Umgebung fühlt er sich bestimmt zu sicher. Wir sollten ihn uns in der Öffentlichkeit schnappen, in einer Umgebung, die sein Selbstbewusstsein etwas bremst. Keine Angst, wir werden so sanft wie möglich, aber so deutlich wie nötig mit ihm sein. Wo können wir ihn treffen?«

Susan Kraemer trocknete ihre Tränen und dachte nach.

»Ich denke, am besten wäre es in seinem Stammlokal, im Tribeca Grill, in Greenwich. Er ist jeden Abend ab sieben dort und versucht, Geschäftskontakte zu knüpfen.«

»Tribeca?«, fragte Phil, »ist das nicht der Laden, den Robert de Niro aufgemacht hat?«

»Ja«, bestätigte Susan, »dort treffen sich jeden Abend die Größen aus dem Sport- und Showbusiness. Bruce hofft, dass er da irgendwann mal jemanden trifft, der ihm weiterhelfen kann.«

»Am besten, wir gehen gleich heute Abend mal hin«, entschloss ich mich mit einem Blick auf meine Uhr. »Haben Sie jemanden, wo Sie heute übernachten können? Wir können zwar ein ernstes Wörtchen mit ihm reden, werden aber nicht verhindern können, dass er danach nach Hause kommt. Vielleicht sollten Sie es vermeiden, ihm direkt nach unserem Gespräch in die Arme zu laufen.«

»Ich habe eine Freundin, bei der ich den Abend verbringen kann«, sagte Susan.

»Okay«, schloss ich unser Gespräch ab und klopfte unserer Kollegin noch einmal leicht auf die Schultern. »Wir reden dann morgen noch einmal miteinander. Hoffen wir, dass Ihr Bruce sich einsichtig zeigt, sonst müssen wir uns etwas anderes überlegen. Haben Sie ein Foto von ihm oder können Sie uns sagen, wie wir ihn erkennen können?«

Susan Kraemer nickte schluchzend und lachte erleichtert auf, dann zog sie ein Foto aus ihrer Geldbörse und überreichte es uns.

Wir verabschiedeten uns etwas verlegen und wandten uns wieder dem Übungsstand zu, wo wir noch unser Pflichtprogramm absolvieren wollten. Hinter uns hörten wir die Schritte von Susan Kraemer, die sich langsam entfernte, dann stoppten die Schritte und ein Räuspern ertönte.

Wir drehten uns noch einmal um.

Susan Kraemer stand schon auf der Treppe nach oben und winkte uns schüchtern zu.

»Danke«, rief sie uns mit einem Lächeln zu, in dem ich schon wieder ihre alte Selbstsicherheit zu erkennen glaubte.

***

Das Tribeca war erwartungsgemäß bis auf den letzten Platz gut gefüllt, als wir am späteren Abend, nachdem wir unsere reguläre Arbeit erledigt hatten, dort eintrafen. Trotzdem hatten wir keine Schwierigkeiten, Bruce Kraemer zu finden. Er saß in einer der halbrunden Sitzecken an der Seite des großen Innenraums des Tribeca, umgeben von einer Gruppe neugieriger Touristen, die teils seiner lauten Stimme lauschten, teils ihre Blicke wandern ließen, um nur keinen der Promis zu verpassen, die sich leider weniger häufig im Tribeca sehen ließen, als man sie glauben gemacht hatte. Stattdessen, so hatte ich schon bei einer flüchtigen Musterung bemerkt, waren mehrere stadtbekannte Kriminelle zugegen, die sich von der Umgebung wohl einiges an Abglanz versprachen.

Gleich in der Eingangstür war mein Blick auf einen gut aussehenden Kerl mit einer von der Sonnenbank gebräunten Haut, Goldkettchen um den Hals und einer Rolex am Handgelenk aufgefallen. Ich kannte den Mann. Ich kam nicht auf seinen Namen, aber er war, soweit ich mich erinnerte, wegen Förderung der Prostitution vorbestraft. Seine Masche war, junge Mädchen aufzureißen, sie von Drogen abhängig zu machen und auf den Strich zu schicken. Und als wir uns dem Tisch näherten, an dem Kraemer saß, fiel mir ein zweiter Mann auf, mit dem wir es schon einmal zu tun bekommen hatten. Es handelte sich um Wayne Buffet, ein Mitglied der New Yorker Wettmafia. Er speiste des Öfteren im Tribeca, wie ich mich erinnerte.

Buffet war ein fetter Kerl mit pomadisierten Haaren und glatter, ebenfalls ölig aussehender Haut. Er aß für sein Leben gern Hummer und galt als nicht gerade zimperlich, was sein Geschäftsgebaren anging. Es hieß, dass er gern mal selbst loszog, um die eine oder andere Wettschuld mit seinen bloßen Fäusten einzutreiben. Zurück blieben dann immer ein paar gebrochene Knochen oder zerstörte Wohnungseinrichtungen. Man hörte bis zu uns die Scheren des Hummers krachen, den er gerade mit bloßen Händen zerkleinerte, um sich das Fleisch in den Mund zu schieben. Neben ihm saßen zwei seiner Männer, die an dünnen Steaks kauten und Mineralwasser tranken. Offensichtlich hielt Buffet seine Männer, zumindest während der Arbeitszeit, an der kurzen Leine.

Kraemer war ein großer, breitschultriger Mann mit dichten, braunen Haaren und einem kantigen Gesicht, das man sich gut hinter dem Schutzgitter eines Footballhelms vorstellen konnte.

Soweit wir es beurteilen konnten, waren an diesem Abend nur B-Promis anwesend, ein Umstand, dessen Kraemer sich ebenso wie wir bewusst zu sein schien, denn er wirkte etwas hektisch dabei, seine Zuhörer mit alten Football-Geschichten zu unterhalten. Sobald einer der wirklich angesagten Leute auftauchen würde, darüber schien er sich keine Illusionen zu machen, würde die Traube meist junger Leute sich auflösen und ihn einfach sitzen lassen.

Wir traten an den Tisch und ich klopfte Kraemer leicht auf die Schultern.

»Bruce Kraemer?«, fragte ich, gewohnt distanziert.

Kraemer sah zu uns hoch, setzte ein etwas angestrengt wirkendes Lächeln auf, zückte einen Stift und zog eine Autogrammkarte aus seiner Brusttasche.

»Was soll ich draufschreiben, Jungs?«, fragte er mit einem hoffnungsvollen Seitenblick auf eine junge Blondine neben ihm, die gut als seine Tochter hätte durchgehen können.

»Wir sind nicht deswegen hier, Mister Kraemer«, erwiderte ich. »Wir würden Sie gern unter vier Augen sprechen. Wenn Sie vielleicht mit uns hinauskommen würden. Dort könnten wir in Ruhe reden. Es ist etwas Privates.«

»Etwas Privates?«, fragte Kraemer mit hochgezogenen Augenbrauen. »Ich wüsste nicht, dass wir uns kennen.«

Kraemer warf dem jungen Ding, das die Gelegenheit ergriff, um ihre Hand auf seinem Arm zu platzieren und ihn teilnehmend überrascht anzusehen, einen Blick zu. Es war offensichtlich, dass der Mann fürchtete, dass ihm sein Schäfchen weglaufen würde, wenn er den Tisch verließ.

Ich hatte es vermeiden wollen, wusste mir aber nun keinen anderen Rat mehr, wie ich die Dringlichkeit unseres Anliegens unterstreichen sollte. Ich zog meinen Ausweis und hielt ihn Kraemer unter die Nase.

»Oh Gott«, entfuhr es dem Mann, »ist etwas mit meiner Frau passiert?«

Die Hand der Blonden zuckte zurück, als sie etwas von einer Ehefrau hörte. Ihr Blick wanderte zum Ringfinger der rechten Hand Kraemers, wo sie erst jetzt eine weiße Stelle zu bemerken schien. Sofort stand sie auf und verließ, ohne ein Wort des Abschieds, den Tisch. Kraemer sah ihr kurz hinterher, wandte dann aber wieder uns seine Aufmerksamkeit zu. Man sah seinem Gesicht an, dass er die Kleine schon vergessen hatte. Nach und nach verließen auch die anderen Touristen den Tisch und mischten sich unter die Menge. Mit einem Mann, der mit dem FBI zu tun bekam, wollte schließlich niemand gern gesehen werden.

»Was ist mit Susan? Ist ihr etwas passiert?«, fragte Kraemer noch einmal nach und stand auf, um uns zu folgen.

»Es geht Ihrer Frau gut«, beruhigte ich den Mann. Auch wenn er seine Frau verprügelte, so schien er jetzt doch ehrlich um ihr Wohlergehen besorgt.

Wir drängten uns durch die Menge nach draußen.

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