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Jerry Cotton - Folge 2789

Auf wen der Tod wartet

Marvin Lennox lag komplett bekleidet auf seinem Bett. Er sah auf die Wanduhr. Schon nach vier Uhr morgens. Selbst zu dieser Zeit lag die Hitze bleischwer über der Bronx. Hatte er da nicht ein kratzendes Geräusch vor seinem Apartment gehört?

Er überlegte noch, ob er besser nachschauen sollte, da flog ihm seine Wohnungstür auch schon krachend entgegen. Ein Maskierter stürmte in den kleinen, nur vom Fernsehgerät spärlich beleuchteten Raum. Lennox schnellte hoch.

»Was … was wollen Sie?«

Statt zu antworten, sprang der Fremde vor, packte ihn an der Schulter, wirbelte ihn herum und stieß ihn kopfüber zurück auf das Bett. Lennox rappelte sich wieder auf. Als er sich umdrehte, blickte er in die Mündung eines Schalldämpfers. Er erstarrte.

»Um Gottes willen, was …«, brachte er hervor. Panik flackerte in seinen Augen.

Der Maskierte stand ruhig da und hielt seine handliche, schwarze Makarov-Pistole auf Lennox’ Brust gerichtet. Dann drückte er ab. Schon das erste der vier Plopp-Geräusche hörte Marvin Lennox nicht mehr.

Mein Partner Phil Decker war bester Laune, als er an der üblichen Ecke in meinen Wagen stieg. »Welcher darf’s sein?«, fragte er und hielt mir einladend seinen Karton mit sechs Donuts hin. »Schoko-Banane? Oder mit Erdbeer-Glasur?« Ich hatte genug damit zu tun, mich in den Verkehr einzufädeln, und erntete trotz meiner Umsicht ein ausgesprochen unfreundliches Hupkonzert. »Phil, wenn du so weitermachst, weckst du früher oder später das Interesse von Agent Wui«, versetzte ich und zeigte, ohne den Rückspiegel aus den Augen zu lassen, auf die Pappkiste.

Wui war ein ziemlich bulliger asiatischer Kollege, der seit Jahren ankündigte, dass er irgendwann eine FBI-Mannschaft für Sumo-Ringer auf die Beine stellen wollte. »Komm schon, Jerry! Wir können es uns doch leisten«, antwortete Phil, klopfte sich mit zufriedenem Blick auf den Bauch und biss herzhaft in sein kalorienreiches Frühstück. »An so einem Tag muss man sich was gönnen«, sagte er mampfend. Er zog eine Zeitung hervor. »Sieh mal, hier steht’s: Uns erwarten weitere sonnige Tage ohne ein Wölkchen am Himmel. Vielleicht sollten wir heute Abend irgendwo einen Drink nehmen und auf das Wochenende anstoßen.«

»Phil, heute ist erst Mittwoch! Was ist los mit dir? Hast du eine Frau kennengelernt? Hat es was mit der kleinen Brünetten aus der Telefonzentrale zu tun?«

Er grinste vielsagend. »Was soll los sein? Ich habe Karten für das Spiel der Yankees am Samstag. Es ist Sommer!«

Wir befuhren den Broadway in nördlicher Richtung und hatten die Washington Heights gerade hinter uns gelassen, als wir angefunkt wurden. Die Kollegen vom New York Police Department hatten routinemäßig in einem Mordfall FBI-Unterstützung angefordert, weil das Opfer offenbar aus einem anderen Bundesstaat stammte. Der Tatort lag in der Bronx, genauer gesagt: in Norwood, an der East 206th Street, wir waren ganz in der Nähe. »Sind schon unterwegs«, gab Phil zurück.

Es war ein Haus wie viele andere in New York, erbaut aus Brownstone, und es hatte schon etliche Präsidenten kommen und gehen sehen. Die Gegend war nicht unbedingt heruntergekommen, aber trostlos.

Die Crime Scene Unit des Erkennungsdienstes hatte ihre Arbeit bereits abgeschlossen, die Männer kamen uns auf der Treppe entgegen und grüßten mit knappen Gesten. Ihr Leiter, Detective Lieutenant Walt Romanowski, stand noch oben.

»Habt ihr schon gefrühstückt? Ist mal wieder kein schöner Anblick.« Phil blies die Backen auf und wischte sich unauffällig die letzten Donut-Krümel vom Revers. Er warf mir einen vielsagenden Blick zu, wandte sich dann aber an den routinierten Cop.

»Was haben wir?«

Walt wies uns mit einer knappen Bewegung den Weg in das nicht sehr einladend wirkende Apartment. Es war karg eingerichtet, das einzige Fenster war fast blind vom Staub der Großstadt. Der Raum roch muffig. Eine aufdringliche Whiskey-Note stach mir in die Nase.

Auf dem Bett lag ein Toter, ich schätzte ihn auf Anfang sechzig, ganz offensichtlich erschossen. Zwei Kugeln im Kopf, zwei in der Brust. »Eine Mafia-Hinrichtung?«, fragte ich, ohne eine Antwort zu erwarten. »Wer ist der Bursche?«

»Das ist noch nicht so ganz klar.« Romanowski reichte mir einen durchsichtigen Plastikbeutel, in dem ein Führerschein lag. Das Foto zeigte den Toten.

»Ausgestellt in Delaware, auf den Namen Marvin Lennox«, las ich.

Romanowski nickte. »Ja, aber das kommt nicht so ganz hin. Der Tote war hier im Haus nur als Patrick bekannt. Das sagen zumindest die Nachbarn. Auf seinem Klingelschild steht P. Mooreland.« Phil runzelte die Stirn.

Ich ließ meinen Blick durch den Raum schweifen.

»Gehörte ihm das Zimmer oder wohnte er hier zur Miete?«

»Das wissen wir noch nicht, aber in diesem Haus sind offenbar alle Apartments vermietet. Wird hier nicht anders sein.«

»Wer hat ihn gefunden?«, fragte Phil.

»Eine Nachbarin. Hatte sich gewundert, dass die Tür nur noch in einer Angel hing, als sie heute Morgen zur Arbeit wollte. Das ist aber auch der einzige Hinweis, den wir bisher haben. Niemand hat etwas gehört oder gesehen.«

»Gibt es Spuren?«, wollte ich wissen.

»Nicht eine! Da war kein Anfänger am Werk. Das Schloss an der Haustür ist defekt. Aber das kommt hier öfter vor, sagt die Nachbarin.«

»Patronenhülsen?«

Kopfschütteln.

Ich beugte mich über den Toten und nahm deutlichen Alkoholgeruch wahr. »Das war mehr als nur ein Abschiedsdrink«, stellte ich fest. Zwei leere Flaschen Fusel standen an der Wand, die dritte hatte er fast noch zur Hälfte geschafft. Ein Glas lag umgekippt neben dem Bett.

»Okay, Walt. Schickst du uns alles rüber, was ihr habt? Vor allem seine Fingerabdrücke? Wir werden mal sehen, was die FBI-Datenbank ausspuckt.«

»Geht klar!«

***

Die Sonne flutete unser Büro im 23. Stock des FBI-Building an der Federal Plaza. Phil ließ die Jalousien herunter und stellte sich neben mich, als ich die Dateien auf meinem Bildschirm öffnete. »Schwer vorstellbar«, sagte er und nahm einen Schluck Kaffee aus dem Pappbecher, »dass bei diesem Herrn viel zu holen war.«

»Ja. Sah nicht so aus, als hätte er ein Leben in Saus und Braus geführt.«

»Wieso schickt jemand einen Profikiller aus, um einen alten Mann zu töten, bei dem es nichts zu holen gibt? Um ihn zu bestrafen? Um ihn zum Schweigen zu bringen?«

»Das wäre die alte Mafia-Handschrift.«

Ich überflog die Zeilen und murmelte die interessantesten Daten vor mich hin, um sie mir besser einprägen zu können. Vier Schüsse, wahrscheinlich 9 Millimeter, wahrscheinlich mit Schalldämpfer.

Phil nickte. »Das ist nicht gerade viel mehr, als wir uns denken konnten.«

Ich nickte und las weiter. Als Vermieter fungierte eine Maklergesellschaft, die bisher noch nicht zu erreichen gewesen war.

Ich öffnete die nächste Datei.

»Da kommen wir der Sache doch schon näher«, sagte ich. Walt hatte uns die Fingerabdrücke des Toten geschickt und ich jagte sie sofort durch die IAFIS-Datenbank. In diesem Integrated Automated Fingerprint Identification System waren die biometrischen Daten von vielen Millionen Personen gespeichert. Phil kräuselte die Stirn. »Wenn wir hier nichts finden, dann stehen uns langwierige Ermittlungen bevor.«

Wir verfolgten gebannt, was sich auf dem Bildschirm tat.

Ein Treffer!

»Na bitte. Jetzt bin ich aber gespannt«, sagte Phil, stellte den Kaffeebecher auf die Tischplatte und beugte sich über meine Schulter, um mitlesen zu können. Das Foto zeigte unseren Mann.

»Marvin Lennox. Kein Zugriff auf die Datei«, las ich, langsamer werdend und mit deutlich überraschtem Unterton.

Phil richtete sich auf, stemmte die Hände in die Hüften und las das letzte Wort auf dem Bildschirm mit dunkler, monotoner Stimme. »Zeugenschutzprogramm.«

***

Wir wussten, was das im Normalfall bedeutete: Es wäre ein sehr zeitaufwendiger Weg durch den Behördendschungel, um an Informationen über diesen Patrick oder Marvin oder wie auch immer er hieß heranzukommen. Auch wenn er einem Mord zum Opfer gefallen war: Er war im Zeugenschutzprogramm, und da ließ die Staatsanwaltschaft nicht mit sich spaßen. Grundsätzlich nicht.

Außer man unterhielt einen heißen Draht zu den Kollegen und versuchte sein Glück auf dem kleinen Dienstweg. Genau das hatte ich vor.

Ich hatte einen dieser ungezwungenen Läden in Manhattan ausgesucht, in dem sich überwiegend die Werbebranche herumtrieb und Künstler. Oder Leute, die sich dafür hielten.

Ich hielt mich nicht dafür. Ich nippte an meinem alkoholfreien Bier an der Bar und verfolgte die lokalen Fernsehnachrichten, die auf einem großen Plasmabildschirm hinter dem Tresen liefen. Der Barmann hatte mir sogar die Fernbedienung überlassen.

Ich hatte mich mit der Staatsanwaltschaft auf einen Drink verabredet, und die Staatsanwaltschaft machte an diesem Abend eine bezaubernde Figur, was mich keineswegs überraschte. Schließlich kannte ich Tamara Bosie schon etwas länger. Ich hatte sie fairerweise über die Hintergründe meiner Einladung nicht im Unklaren gelassen. Deshalb wertete ich ihre Zusage als gutes Zeichen und war voller Hoffnung, dass ich ein bisschen mehr Fleisch an die dürren Fakten unseres Falls bekommen würde.

»Jerry! Lange nicht gesehen.« Ich schaltete den Fernseher stumm und wandte mich um. Tamara schenkte mir ein ehrlich gemeintes freundliches Lächeln, als sie sich an der Bar elegant auf den Hocker neben mir schwang.

Auch ich freute mich wirklich, sie zu sehen – und das nicht nur aus dienstlichen Gründen. Ich wusste ihre unkomplizierte, fast burschikose Art durchaus zu schätzen. Mit ihren langen schwarzen, zum Zopf zusammengebundenen Haaren und den großen grünen Augen machte sie auf mich einen ebenso hübschen wie energischen Eindruck. »Tamara! Wie geht’s? Du siehst fantastisch aus!«

Das war nicht übertrieben. Ich wusste, dass sie einen anstrengenden 14-Stunden-Tag in der Backofenhitze von New York City hinter sich hatte, aber in ihrem schwarzen Kostüm sah sie trotzdem aus wie aus dem Ei gepellt.

Sie bestellte einen Orangensaft und sah mich an. »Ich habe wenig Zeit, Jerry. Den Smalltalk müssen wir uns fürs nächste Mal aufheben.«

»Wie schade!«

»Ja, aber ich glaube, ich kann dir trotzdem helfen.« Sie ergriff das Glas, das der Barkeeper ihr gerade hingestellt hatte, und prostete mir zu. »Aber du weißt, dass das nichts mit meiner Bekanntschaft mit dem lieben Jerry zu tun hat. Ich habe Informationen für den G-man Cotton.« Sie nippte an dem Saft und sah mich fragend an.

Ich verstand sie gut. Sie hatte mich mal charmant abblitzen lassen, aber dennoch hatten wir festgestellt, dass wir einander schätzten, privat und dienstlich. Tamara musste mir nicht sagen, dass sie mir die Informationen nur deshalb gab, weil sie genau abgewogen hatte, ob es in der Sache nützlich sein konnte. Nur um mir einen Gefallen zu tun, hätte sie mir die Dienstgeheimnisse auf keinen Fall weitergegeben.

»Verstanden«, antwortete ich. »Dann schieß mal los!«

»Gut.« Tamaras Miene wurde ernst. »Pass auf, Jerry. Marvin Lennox ist zweifellos nicht zufällig erschossen worden.«

»Ja, so viel ist klar. Er war ja wohl auch nicht ohne Grund im Zeugenschutzprogramm. Hältst du einen Racheakt für möglich? War er einer der Mafia-Familien ein Dorn im Auge?«

»Das wäre eine naheliegende Erklärung. Aber eigentlich hat niemand wissen können, wo er sich aufhält. Und wer er ist.«

»Gutes Stichwort! Wer ist er? Und wieso wird er von der Staatsanwaltschaft geschützt?«

»Marvin Lennox ist sein richtiger Name. Er hatte unseres Wissens nie etwas mit der Mafia zu tun. Jerry, der Mann war vor 15 Jahren ein wichtiger Kronzeuge. Danach verpassten wir ihm die neue Identität mit dem Namen Patrick Mooreland. Marvin Lennox war Terrorist.«

Ich stutzte. »Terrorist? Welche Terroristen waren denn vor 15 Jahren in unserem Land aktiv?«

Tamara sah mich mit festem Blick an. »Lennox war ein IRA-Mann.«

***

Ich musste erst mal schlucken. Meine Güte, die Irisch-Republikanische Armee. An die hatte ich nun wirklich nicht gedacht. Die katholische IRA hatte doch schon vor Jahren ganz offiziell die Waffen gestreckt, von ein paar radikalen Splittergruppen einmal abgesehen. Und was machte die IRA überhaupt in Amerika?

Ich stellte Tamara diese Fragen, doch sie winkte ab: »Mehr kann ich dir beim besten Willen nicht sagen.«

Ich nickte stumm und sah sie ernst an. »Ich bin dir was schuldig.«

»Vor allem musst du diese Informationen streng vertraulich behandeln! Ich möchte nicht, dass die falschen Leute zu früh zu viel erfahren.«

Dass sie selbst in Teufels Küche landen konnte, weil sie mir unbürokratisch half, musste sie nicht extra erwähnen.

In diesem Moment erweckten hektische Bildschnitte der Sendung im Fernsehen mein Interesse. Es lief eine Nachrichtensendung, zu sehen war eine junge Reporterin, die auf einer Straße stand. Hinter ihr sah man Angestellte eines Bestattungsunternehmens, die einen Zinksarg in einen schwarzen Kastenwagen luden. Die Gegend kam mir irgendwie bekannt vor. Ich stutzte, schaltete den Ton an und wies mit einem Kopfnicken auf den Bildschirm.

»… diesen feigen Mord«, hörten wir die Reporterin mit erregter Stimme in ihr Mikrofon sagen. Dann wanderte die Kamera weg von ihr, fing stattdessen ein Brownstone-Haus in wackeligen Bildern ein.

Der Sender blendete jetzt zu unserer größten Verwunderung eine ältere Fotografie von Marvin Lennox ein – dazu seinen richtigen Namen. Mir blieb die Spucke weg. Mit offenem Mund sah ich Tamara an, richtete den Blick dann wieder auf die Fernsehbilder. Tamara verschüttete fast ihren Saft. Im Hintergrund sprach die hübsche junge Reporterin mit den knallrot gefärbten kurzen Haaren weiter: »Ob es einen Zusammenhang gibt mit der Freilassung des ehemaligen IRA-Terroristen Steven Donald, ist zur Stunde noch unklar. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Das war Shauna Gallup für Channel 77

Wir starrten uns entgeistert an. Ich fand als Erster die Sprache wieder: »Ich habe den Eindruck, so richtig geheim sind deine Informationen nicht …«

Tamara biss sich auf die Unterlippe, ihre hübschen grünen Augen funkelten. »Nein. Jetzt nicht mehr.«

***

Ich hatte Mr High und Phil noch am Abend von den seltsamen Neuigkeiten unterrichtet und er hatte uns gleich für den nächsten Morgen zu sich gebeten. Als Phil und ich aus dem Lift traten, stieg uns schon der verheißungsvolle Duft des besten Kaffees der Welt in die Nase. Helen, die Sekretärin unseres Chefs, schenkte uns ein freundliches Lächeln. »Zwei Kaffee?« Ich schloss die Augen und grinste schief: »Nichts lieber als das!« Sie nickte und drehte lächelnd ab, Phil und ich gingen gleich durch in Mr Highs Büro.

Zu unserer Überraschung trafen wir den Assistant Director im Gespräch mit einem uns unbekannten Mann an. »Agents«, begrüßte uns Mr High ohne Umschweife und winkte uns zu sich heran, »ich möchte Sie mit einem ehemaligen Kollegen bekannt machen, der uns im Fall Lennox wertvolle Informationen geben wird.«

Zunächst stellte er seinem Gast Phil und mich namentlich vor, dann wies er auf den Besucher mit dem strengen silbernen Seitenscheitel. Sein Alter war schwer zu schätzen, ich tippte vorsichtig auf Mitte bis Ende siebzig. Er war groß, kräftig, braungebrannt und machte einen vornehmen Eindruck. »Das ist Rob Fernandez, ein G-man im wohlverdienten Ruhestand.«

Fernandez’ Händedruck war fest, er sah mich aus wachen, stahlgrauen Augen an. »Ich habe von Ihnen gehört, Gentlemen. Ich darf Ihnen versichern, dass ich mich freue, Ihre Bekanntschaft zu machen.«

»Das Vergnügen ist ganz auf unserer Seite«, antwortete Phil.

Unser Chef geleitete uns zur Sitzgruppe in der Ecke seines nüchtern eingerichteten, geräumigen Büros, doch er begann schon unterwegs mit seinen Ausführungen.

»Mister Fernandez war über Jahrzehnte in Washington einer der FBI-Spezialisten für die Koordination der Terrorbekämpfung.«

Der Mann nickte. »So ist es. Und bis heute weiß ich nicht, wer mir mehr Ärger gemacht hat: die Terroristen oder die theoriehörigen Bürohengste in ihren Maßanzügen.«

Wir lachten, und Phil versicherte mir später, dass selbst unser ernster Assistant Director belustigt eine Augenbraue gehoben hat.

Wir setzten uns. »Kommen wir zur Sache«, meinte Fernandez mit sonorer Stimme. »Steven Donald«, sagte er und schürzte die Lippen.

»Ist das der Kerl, der angeblich gerade aus dem Knast gekommen ist und den die Journalistin ins Gespräch gebracht hat?«, wollte Phil wissen.

»Genau der ist das«, antwortete Fernandez.

Mr High nickte. »Die Journalistin liegt damit richtig. Wahrscheinlich auch mit der Einschätzung, dass es zwischen dem Mord und der Freilassung einen direkten Zusammenhang gibt. Steven Donald ist seit knapp einer Woche wieder auf freiem Fuß. Er hat fast 15 Jahre gesessen.«

»Wie kommt ein IRA-Terrorist in ein amerikanisches Gefängnis?«, fragte ich. »Meines Wissens hat die IRA niemals einen Anschlag auf dem Gebiet der USA verübt. Wieso ist Donald damals nicht ausgeliefert worden? Die Briten hätten ihn mit Kusshand genommen.«

Mr High schob einen dicken Aktenwälzer über den Besprechungstisch. »Hier steht alles drin, was Sie wissen müssen. Ermittlungsakten, Prozessakten, FBI-Einschätzungen von damals.«

Helen brachte unseren Kaffee und wir dankten es ihr wortlos mit einem Lächeln.

Rob Fernandez nahm einen Schluck aus seiner Tasse und sah mich an. »Ich habe den Fall damals bearbeitet. Donald ist nicht wegen seiner terroristischen Aktivitäten verurteilt worden. Die konnten wir ihm gar nicht nachweisen. Er saß wegen Mordes. Er soll einen anderen IRA-Mann erschossen haben: Nathan Youngblood. Das war der Kommandeur seiner Einheit.«

Phil sah Fernandez fragend an. »Kommandeur? Einheit?«

»Ja, die IRA hat sich tatsächlich als eine Armee betrachtet.

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