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Jerry Cotton - Folge 2788

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Der Millionär aus dem Zuchthaus
  4. Vorschau

Der Millionär aus dem Zuchthaus

»Haben Sie die Zeitung gekauft?«, fragte die Anruferin.

»Ja«, antwortete der Mann in dem billigen Hotelzimmer. »Sie liegt vor mir.«

»Die Titelseite? Mit der Schlagzeile?«

»Ja. Der Millionär aus der Todeszelle. Ex-Frau und Tochter kehren zu ihm zurück.«

Die Frau am anderen Ende der Verbindung lachte gehässig. »Keine Liebesgeschichte könnte schöner sein, nicht wahr? Der arme Kerl sitzt zwanzig Jahre unschuldig im Gefängnis, dann kommt er raus und erhält zehn Millionen Dollar Entschädigung. Als ob das noch nicht reichen würde, kriegt der Glückspilz auch noch seine Familie zurück.«

»Für Geld gibt’s eben alles«, erwiderte der Mann und grinste.

»Fragt sich, was er für seine Tochter springen lässt, wenn wir sie ihm wegnehmen.«

»Er wird zahlen, was er kann. Wenn es sein muss, die ganzen zehn Millionen.«

»Meinen Sie? Wie können Sie so sicher sein?«

Der Mann antwortete nicht sofort. Nachdenklich schaute er durch das Fenster in den schachtartigen Innenhof des alten Hotels. Jahrzehntelange New Yorker Luftverschmutzung hatte das Backstein-Mauerwerk schwarz gefärbt. Es war ein düsterer Ausblick.

»Waren Sie jemals geschieden?«, fragte der Mann schließlich, nachdem die Anruferin geduldig gewartet hatte.

»Nein«, antwortete sie. »Aber meine Erfahrungen sind durchaus ähnlich.«

»Sorry, das glaube ich nicht.«

»Dann verstehen Sie nicht, was ich sagen will. Was unterscheidet eine Ehe, die nur noch auf dem Papier besteht, von einer rechtskräftig geschiedenen Ehe?«

»Die Hoffnung.«

»Sie meinen die Hoffnung, man könnte wieder zusammenkommen?«

»Genau das. Eine Scheidung ist für einen Mann das Schlimmste, was ihm passieren kann.«

»Für eine Frau etwa nicht?«

Der Mann im Hotelzimmer ging nicht darauf ein. »Wir reden von Vincent Lewis.«

»Das ist mir bewusst«, entgegnete die Anruferin pikiert.

Ihr Gesprächspartner ließ sich nicht beirren. »Dann müsste es Ihnen doch klar sein. Lewis saß im Gefängnis und wusste, dass der Staat ihn töten würde. In einer solchen Situation auch noch von seiner Frau verlassen zu werden, muss für einen Mann die schlimmste vorstellbare Hölle sein.«

»Auch seine Tochter hatte keinen Kontakt mehr zu ihm.«

»Ich weiß. Deshalb erlebt Lewis zurzeit ein Glück, von dem er bestimmt nicht mehr zu träumen gewagt hat. Wahrscheinlich schwebt er wie auf Wolken. Er wird alles, aber auch alles tun, um sich das nicht gleich wieder kaputt machen zu lassen.«

Die Anruferin schwieg. Erst nach einem Moment sagte sie: »Es gibt nichts, was Sie nicht wissen, stimmt’s?«

»Fast nichts«, antwortete er trocken. »Zum Beispiel weiß ich nicht, wer der wirkliche Mörder war. Der Mann, für den Vincent Lewis zwanzig Jahre im Gefängnis saß.«

»Wenn Sie denken, dass ich es weiß, irren Sie sich gewaltig.«

»Vielleicht ist es Lewis, der genau das annimmt. In dem Fall müssen Sie sich warm anziehen.«

Ein amüsiertes Lachen kam aus dem Hörer. »Wenn ich es wüsste, hätte ich längst Kapital daraus geschlagen. Im Übrigen werden wir schneller sein als er. Bevor er weiß, wie ihm geschieht, hört er schon meine Lösegeldforderung.«

»Mhm. Machen Sie sich darauf gefasst, dass die Sache im Handumdrehen über die Bühne geht, weil er sein Töchterchen so schnell wie möglich wiederhaben will und weil er über das Geld verfügen kann. Er muss es nicht erst mühselig beschaffen.«

»Sie glauben also, man kann ihn ausnehmen wie eine Weihnachtsgans?«

»Wenn Sie es so nennen wollen.«

»Okay, so weit, so gut.« Die Frau gab einen unwilligen Laut von sich. »Aber kommen Sie bloß nicht auf die Idee, dass ich übermütig werde. Ich muss vorsichtig sein. Schließlich planen wir keinen Kindergartenausflug.«

»Das sehe ich auch so. Aber Sie bleiben im Hintergrund. Ich dagegen …«

»Mein Name ist kein unbeschriebenes Blatt«, unterbrach sie ihn. »Wenn ich erwischt werde, kommt es für mich knüppeldick. Das ist Ihnen hoffentlich klar.«

»Was glauben Sie, womit ich rechnen muss? Auf Kidnapping steht die Todesstrafe. Davon müssten Sie doch schon mal gehört haben.«

»Ja, schon, aber im Staat New York ist die Todesstrafe abgeschafft worden, oder?«

»Es gibt Ausnahmen, an erster Stelle ist das nun mal Kidnapping. Dafür gilt Federal Law, die Bundesgesetzgebung also. Danach können Sie hier in New York zum Tode verurteilt werden. Vollstreckt wird das Urteil woanders, wenn es überhaupt dazu kommt. Nehmen Sie unseren Fall. Vincent Lewis. Er wurde vom Manhattan Federal Court zum Tode verurteilt und kam dann nach Marion, Illinois, ins Hochsicherheitsgefängnis.«

»Aber er hat niemanden entführt; er war angeklagt, diese Prostituierte umgebracht zu haben.«

»Auch da griff die Bundesgesetzgebung, weil Linda Lamont, das Opfer, aus einem anderen Bundesstaat stammte.«

»Wie auch immer …«, die Anruferin seufzte, »Lewis hatte nicht nur das Glück, dass seine Unschuld festgestellt wurde, er hat in all den Jahren mordsmäßig Schwein gehabt, dass er nicht längst hingerichtet worden ist.«

»Seine Anwälte waren clever genug, die Berufungen und Revisionen in die Länge zu ziehen. Ab sofort werden sie sich darauf stürzen, den wahren Täter zu fassen zu kriegen. Und dabei werden die Jungs vom FBI an vorderster Front mitmischen. Sie stehen also Gewehr bei Fuß und werden sofort schwere Geschütze gegen uns auffahren.«

»Heißt das, wir müssen vor den FBI-Agenten mehr Angst haben als vor unseren guten alten Cops?«

»Ja, das heißt es. Aber wenn Sie entschlossen sind, den Job durchzuziehen, bin ich trotzdem Ihr Mann. Vorausgesetzt, die Bezahlung stimmt. Fünfzig Prozent des Lösegelds, und Sie haben mich an Bord.«

»Wie bitte?« Der Mann im Hotelzimmer hörte, wie die Frau tief Luft holte. »Sie müssen irgendwas falsch verstanden haben. Ich bin Ihre Auftraggeberin. Sie arbeiten für mich. Seit wann verdient ein Mitarbeiter genauso viel wie sein Boss?«

»Ab sofort. Zumindest in unserem Fall. Eigentlich müsste mein Anteil sogar höher sein als Ihrer. Weil mein Job schwieriger und riskanter ist als Ihrer. Haben Sie nicht zugehört? Wenn die Sache schiefgeht, muss ich mit der Todesstrafe rechnen.«

»Ich habe ja auch nicht gesagt, dass Sie schlecht bezahlt werden sollen. Aber fünfzig Prozent …«

»Sie sagten, Sie wollen nicht übermütig werden. Also nehmen wir mal an, Sie wollen zwei Millionen Dollar Lösegeld kassieren.«

»Zum Beispiel.«

»All right, dann verlangen Sie vier Millionen, geben mir meine fünfzig Prozent und haben trotzdem, was Sie wollen.«

»Das hört sich so einfach an. Ich glaube, Sie haben auch nicht zugehört, mein Lieber. Mein Risiko …

»Ist vergleichsweise gering«, unterbrach er sie. »Als Auftraggeberin sind Sie schlimmstenfalls wegen Anstiftung zum Kidnapping dran. Dafür kriegen Sie höchstens einmal oder zweimal lebenslänglich.«

***

»Sehen Sie mal, da drüben«, sagte Vincent Lewis. Er hatte den Vorhang des Wohnzimmerfensters zur Seite gezogen und zeigte auf die andere Straßenseite. »In dem Videoladen werde ich Stammkunde, das weiß ich jetzt schon. So toll waren die Geschäfte hier früher nicht, und die ganze verdammte Bowery hatte den schlechtesten Ruf, den man sich denken konnte. Ich hab ja in diesem Haus gewohnt, nur zwei Stockwerke höher. Ehrlich gesagt, Agents, ich komme mir vor wie in einer Zeitmaschine, in eine bessere Zukunft gebeamt.«

Phil und ich traten zu dem grauhaarigen Mann ans Fenster und nahmen ihn in die Mitte. Er war ein sympathischer Kerl. Er wollte kein Mitleid dafür, dass er so lange unschuldig im Gefängnis gesessen hatte. Das war das Erste, was er uns gesagt hatte. Immerhin, so hatte er zwinkernd hinzugefügt, sei er ja nun reich – und der glücklichste Mensch der Welt.

Nichts davon war ihm zu Kopf gestiegen.

Er war in die Bowery zurückgekehrt, in die Straße im Südosten Manhattans, in der er gelebt hatte, bis sie ihn verhafteten. Er war Busfahrer bei der MTA gewesen, der Metropolitan Transportation Authority. Damals, als es passierte, hatte er seine letzte Linientour um Mitternacht gefahren. Er war wie üblich ins Depot zurückgekehrt, um den Bus abzustellen. Doch von diesem Moment an war nichts mehr wie zuvor.

Grelles Scheinwerferlicht und ein Gewimmel von Polizeifahrzeugen empfingen ihn.

Er begriff nicht, was los war. Auch dann noch nicht, als sie ihm einen Haftbefehl vor die Nase hielten, ihm Handschellen anlegten und ihn vor den offenen Kofferraum seines Wagens führten. Darin lag die blutüberströmte Leiche einer jungen Frau. Lewis nahm den schrecklichen Anblick zwar wahr, aber was es bedeutete, wollte ihm einfach nicht in den Kopf.

»Es kam mir vor wie in einem Film«, hatte er uns gestern nach dem Entschädigungsverfahren erzählt. »Bloß wurde mir nicht klar, dass ich der Hauptdarsteller war.«

In den sechs Monaten Untersuchungshaft nach seiner Festnahme musste Vincent Lewis erfahren, dass die Tote im Kofferraum eine Prostituierte namens Linda Lamont gewesen war und dass er sie umgebracht habe. Hundertprozentig. Die Beweise gegen ihn waren lückenlos und hieb- und stichfest, bis hin zur Tatwaffe, dem blutverschmierten Kreuzschlüssel aus dem Bordwerkzeug seines Autos, natürlich mit seinen Fingerabdrücken darauf.

Ein Busfahrer, der sich mit einer Hure einließ, mit ihr Streit kriegte und sie umbrachte. So etwas war weder für die Staatsanwaltschaft noch für die Medien sonderlich aufregend. Auf den eintönigen Linienfahrten, so der Federal Attorney in seinem Plädoyer, hatte Vincent Lewis viel Zeit gehabt, den Mord zu planen. Alles passte; die Geschworenen hatten nur anstandshalber eine Viertelstunde verstreichen lassen, um zu einem einstimmigen Urteil zu gelangen. Schuldig.

Zum Schluss hatte er beinahe selbst daran geglaubt, der Mörder zu sein. Nur sein Anwalt bewahrte ihn davor, ein Geständnis abzulegen. Und nach und nach wurde ihm das Unfassbare klar: Er war hereingelegt worden. Er musste den Kopf hinhalten, damit der wahre Schuldige ungeschoren blieb. Während der Gerichtsverhandlung und in all den Jahren im Gefängnis hatte er immer wieder beteuert, unschuldig zu sein. Niemand hatte ihm geglaubt.

»Es wird ein richtig schönes Leben werden«, holte uns seine sonore Stimme in die Wirklichkeit zurück. »Hier, in meinem alten Viertel, fangen wir noch mal von vorne an – wie vor diesem gottverdammten Albtraum von zwanzigeinhalb Jahren. Heather und ich haben uns verändert, Sophia war gerade mal zweieinhalb, als sie mich einbuchteten, und jetzt ist sie eine erwachsene Frau. Hier, im Viertel, sieht alles anders aus als früher. Tja, es gibt eine Menge nachzuholen.«

Lewis sah Phil und mich abwechselnd an und nickte mehrmals, als wollte er bekräftigen, was er gerade gesagt hatte.

Er war ein mittelgroßer, kräftig gebauter Mann mit leichtem Bauchansatz. Die blauen Augen in seinem runden, verwitterten Gesicht strahlten die ganze Freude aus, die er empfand. Er war 58 Jahre alt, doch er sah älter aus. Die Jahre hinter Gittern hatten ein Meer von Furchen in seinem Gesicht hinterlassen. Zu dem kurzgeschnittenen silbergrauen Haar trug er einen sorgsam gestutzten Schnauzbart. Man sah, dass er vor seinem großen Tag, gestern, beim Friseur gewesen war. Auch sonst hatte er sich bestens vorbereitet.

Noch im Gefängnis, als sich abzeichnete, dass er freikommen und eine Entschädigung erhalten würde, hatte er beschlossen, in seine alte Wohngegend zurückzukehren. Er hatte seinen Anwalt beauftragt, Erkundigungen einzuziehen, und kurze Zeit später erfahren, dass im ersten Stock des Hauses, in dem er früher mit seiner jungen Familie gewohnt hatte, eine Wohnung frei war, deren Renovierung kurz vor dem Abschluss stand.

Lewis hatte sofort Nägel mit Köpfen gemacht. Sein Anwalt hatte die Formalitäten für ihn erledigt, und er hatte den Kaufvertrag für sein neues Zuhause unterschrieben. Zu dem Zeitpunkt hatte er noch keinen Kontakt zu seiner Ex-Frau Heather gehabt. Doch dann, als sie wieder Zukunftspläne schmiedeten, war sie von seiner Idee begeistert gewesen.

In der Bowery wollten sie wieder da anfangen, wo ihr Zusammenleben geendet hatte, als sie ihn ins Gefängnis steckten. Auch für ihr Familienleben sollte es ein Neuanfang werden. Ihre zweite Hochzeit sollte ein grandioses Fest werden. Nach seiner Entlassung vor drei Wochen hatte er zunächst im Hotel gewohnt, und nun würde er Heather und ihre gemeinsame Tochter Sophia in ihrem neuen Heim empfangen, nachdem gestern im Gerichtssaal der letzte, entscheidende Punkt geklärt worden war – die Höhe der Entschädigung.

Natürlich waren die Journalisten mit ihren Fragen so unverblümt gewesen, wie man es erwarten musste.

»Mister Lewis, können Sie uns sagen, weshalb Ihre Frau zu Ihnen zurückkehrt?«

»Ja, kann ich«, hatte seine knappe Antwort gelautet. ›Heather kommt zurück, weil wir uns lieben.«

»Würde es Ihnen nichts ausmachen, wenn Ihr Geld der Grund wäre?«

»Überhaupt nicht«, hatte er entgegnet. »Ohne Geld läuft doch heutzutage gar nichts. Welche Frau will denn schon mit einem armen Schlucker verheiratet sein? Und es ist doch menschlich verständlich, dass Heather und Sophia auch deshalb zu mir zurückkommen, weil ich jetzt schwerreich bin. Da machen Heather und ich uns nichts vor. Geld macht verdammt glücklich; das sehen wir beide genauso. Wir haben uns vorgenommen, es in vollen Zügen auszukosten, unser Glück. Es hat nämlich ein gesundes Fundament, Leute: zehn Millionen Dollar.«

Er erinnerte uns daran, dass seine Gedanken ganz woanders waren, indem er abermals auf den Laden wies, drüben.

Die zwei Schaufensterscheiben waren mit Plakaten zugekleistert. Links vom Eingang Musikgruppen, rechts die neuesten Filme. Robbie’s Treasure Island lautete der Firmen-Schriftzug, quer über beide Fenster. Über dem Eingang hing das bunte Bild einer aufgeklappten Schatzkiste, aus der ein funkelnder Schwall von CDs, DVDs und BlueRays quoll.

»In dem Laden fange ich an … mit dem Nachholen«, erklärte er. »Da kaufe ich die allerneuesten Filme, und dann sehen wir sie drei, vier, fünf Mal hintereinander an.«

»Das hört sich an, als ob es für Sie nichts Wichtigeres gibt«, sagte ich. »Im Gefängnis konnten Sie doch bestimmt fernsehen.«

»Und DVDs gucken und ins Kino gehen.« Lewis nickte, sah mich an und lächelte, obwohl es ein unbehaglicher Rückblick war. »Klar, das gab es alles. Aber es ist ein Unterschied, ob ich mir einen tollen Film gemeinsam mit Killern, Vergewaltigern und Kinderschändern ansehe, oder allein mit den Menschen, die ich liebe – mit meiner Frau und meiner Tochter.«

In seinem Wohnzimmer hatten wir einen großen Flachbildfernseher mit Heimkinoanlage gesehen. Es war der einzige Luxus in der gerade erst renovierten Drei-Zimmer-Wohnung. Er hätte sich eine Villa an der Gold Coast von Long Island leisten können, doch allem Anschein nach wollte er auf dem Teppich bleiben, wollte nicht die Fehler so vieler Lotto-Millionäre machen, die ihren plötzlichen Reichtum im Handumdrehen verpulvert hatten.

»Vielleicht möchte Ihre Frau nicht dauernd zu Hause sitzen«, sagte Phil. »Und Ihre Tochter ist mittlerweile erwachsen.«

Vincent Lewis nickte. »Das Thema ist bereits abgehakt«, antwortete er heiser. »Egal, was es ist, Heather und ich werden ab sofort alles gemeinsam machen. Das ist beschlossene Sache. O Mann, wir haben ja so verdammt viel nachzuholen!« Seine Augen leuchteten. »Sophia hat natürlich alle Freiheiten. Aber Heather hat mir schon am Telefon gesagt, wie sehr sie sich auf unsere gemütlichen Filmabende freut. Und wissen Sie was?« Er lachte leise in sich hinein. »Ich habe mir sogar vorgenommen, mit meinen beiden Girls durch sämtliche Schuhgeschäfte und Klamottenläden zu ziehen.«

***

Die zwanzig Jahre im Gefängnis hatten ihn anscheinend zur Frohnatur gemacht. Jedenfalls erweckte er den Eindruck.

Er schien keinen Hass zu empfinden. Bislang hatte er mit keinem Wort von dem wahren Mörder gesprochen. Dass der Mann wohl immer noch frei herumlief, schien Lewis nicht zu interessieren. Wie es aussah, lebte er nur noch für sein Glück. Ich war jedoch sicher, dass es in seinem Inneren weniger friedlich aussah. Du lieber Himmel, zwanzig Jahre eingesperrt sein und dabei ständig Angst vor der Hinrichtung haben – so etwas konnte doch kein Mensch einfach abschütteln!

Schon bei seiner Entlassung vor drei Wochen hatte er mit den Journalisten gescherzt und gelacht. Seit gestern Vormittag aber strahlte er vor Freude. Unaufhörlich. Er sah aus wie jemand, der am liebsten die ganze Welt umarmt hätte. Denn seit gestern Vormittag war er mehrfacher Millionär. Sein Glücksgefühl musste so überwältigend sein, dass er seine Jahre im Gefängnis erst einmal ausgeblendet hatte.

Die Stadt wurde verantwortlich gemacht, weil ein Cop des NYPD – also einer ihrer Beamten – jene Beweise gefälscht hatte, die zu Lewis’ Verurteilung geführt hatten. Frank Zafrane, so hieß der betreffende Cop, saß inzwischen selbst hinter Gittern. Als »Mafia-Cop« und Handlanger des organisierten Verbrechens hatte er für Schlagzeilen gesorgt, und als korruptester Polizeibeamter aller Zeiten würde er in die Geschichte eingehen.

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