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Jerry Cotton - Folge 2444

Das Terror-Camp

Der Schatten bewegte sich lautlos.

In seinem schwarzen Tarnanzug verschmolz er mit der Dunkelheit, sein Gesicht war von einer Maske bedeckt.

Er kannte seinen Weg genau. Oft genug hatte er die Pläne der Anlage studiert, wusste den Weg zum Ziel auswendig.

Im Display des Nachtsichtgeräts konnte er den Korridor sehen, der sich vor ihm erstreckte. Keine Wachen. Lautlos huschte der Schatten weiter, die schallgedämpfte Pistole in der Hand.

Der Tornister, den er auf dem Rücken trug, enthielt eine gefährliche Ladung. Sie ungesehen ins Herz der Anlage zu bringen und dort zu platzieren war seine Aufgabe.

Die Bombe musste ihr Ziel erreichen, um jeden Preis …

Das Ende des Korridors tauchte auf.

Der Schatten hob die Waffe. Er näherte sich jetzt dem gesicherten Bereich.

Vorsichtig bewegte er sich auf das Ende des Korridors zu, der in einen Quergang mündete. Dort brannte Licht, und der Eindringling klappte sein Nachtvisier hoch, um nicht geblendet zu werden.

Vorsichtig spähte er um die Ecke.

Er hatte sich nicht geirrt. Ein uniformierter Posten stand im grellen Licht einer Neonröhre. Er war mit einem Sturmgewehr bewaffnet und hatte ein Funkgerät, mit dem er jederzeit Hilfe rufen konnte.

Die Sehnen und Muskeln des Schattens spannten sich.

Er musste schnell sein.

Im nächsten Moment sprang er aus seinem Versteck, setzte mit lautlosen Schritten auf den Wachmann zu. Der sah ihn erst im letzten Moment. Sein Mund öffnete sich zu einem Schrei, und er riss seine Waffe in den Anschlag – zu spät.

Zweimal betätigte der Vermummte den Abzug seiner Pistole. Es zischte heiser, und der Posten brach getroffen zusammen.

Der Schatten verharrte einen Moment, blickte sich um, ob noch ein Posten in der Nähe war oder ob es Kameras gab, mit denen der Vorgang beobachtet worden war.

Nichts.

Er ließ den Posten liegen und huschte weiter, folgte der Biegung, die der Korridor machte – und hörte plötzlich leise Stimmen, die vom Ende heraufdrangen.

Der Schatten gefror in seiner Bewegung, presste sich eng gegen die kalte Betonwand des Korridors.

Zwei Männer unterhielten sich leise miteinander, über Nebensächliches und Unwichtiges – Wachleute, die sich auf ihrer Schicht gähnend langweilten.

Der Schatten grinste unter der Maske.

Er würde dafür sorgen, dass sie gleich etwas Aufregendes erlebten – zum einzigen und letzten Mal …

Mit einem raschen Blick prüfte er seine Waffe, pirschte sich noch näher an die Posten heran. Als er sich dem Ende des Korridors näherte, erheischte er einen kurzen Blick auf sie. Es waren zwei, uniformiert und mit Sturmgewehren bewaffnet wie der Erste.

Die Taktik war dieselbe.

Mit einem Sprung setzte der Schatten aus seinem Versteck, hatte die Pistole bereits auf die beiden Wachleute gerichtet. Der erste Mann wurde getroffen, noch ehe er begriff, was geschah. Der andere kam noch dazu, sein Sturmgewehr in den Anschlag zu reißen. Sein Finger krümmte sich bereits am Abzug, als das Projektil des Schattens ihn genau zwischen die Augen traf.

Der Mann kippte zurück und fiel gegen die Mauer, sank daran herab. Ungerührt stieg der Schatten über ihn hinweg, trat auf das Schott zu, das die beiden bewacht hatten und das den Korridor abschloss.

Es war ein schweres Sicherheitsschott, das über einen elektronischen Mechanismus geöffnet wurde. Rechts davon war ein Tastenfeld in die Wand eingelassen, an dem sich der Schatten zu schaffen machte. Mit seinen behandschuhten Fingern tippte er die Kombination ein, die er auswendig gelernt hatte – und mit einem Zischen teilte sich das Schott und gab den Zugang zum dahinter liegenden Raum frei.

Ohne die Wachen noch eines Blickes zu würdigen, schlüpfte der Schatten hinein. In dem Raum war es dunkel. Der Eindringling klappte das Visier des Nachtsichtgeräts wieder herab. Im grünen Display des Restlichtverstärkers sah er eine Anordnung elektronischer Geräte und Terminals, die in der Mitte des Raumes installiert waren.

Die Zentrale.

Er war am Ziel.

Rasch holsterte er die Pistole und lud seinen Tornister ab. Mit ruhigen Händen öffnete er ihn und entnahm ihm den Sprengsatz. Er wusste genau, wo er den 500-Gramm-Sprengkörper zu platzieren hatte, damit nichts von der Zentrale übrig blieb.

Im Schein der Lampe befestigte er den Sprengkörper und den Zünder, klemmte die Drähte an. Gerade wollte er die Zeitschaltuhr scharf machen, als er hinter sich ein leises Geräusch hörte.

Noch ehe er herumfahren konnte, fühlte er eisig kaltes Metall in seinem Nacken, und eine Stimme sagte: »Das war’s, El Fayed. Sie sind tot.«

***

Das Licht in der Zentrale ging an – Neonröhren, die flackernd ansprangen und grellen Schein verbreiteten, der Ahmed El Fayed blendete. Seine Fäuste verkrampften sich, während er noch am Boden kauerte, den Pistolenlauf im Genick.

Er hatte versagt.

Einen Augenblick ließ man ihn schmoren. Dann zog man ihm die Maske und das Sichtgerät vom Kopf. Der Pistolenlauf verschwand aus seinem Genick, und El Fayed richtete sich langsam auf.

Der Mann, der hinter ihm stand und ihn mit der Waffe bedroht hatte, war von athletischer Gestalt. Er trug einen grauen Tarnanzug ohne Abzeichen. Sein Gesicht war kantig und sein Haar kurz geschnitten, und über seinem linken Auge verlief eine Narbe.

»Das war nichts«, knurrte er und bedachte El Fayed mit einem geringschätzigen Blick. »Wäre dies eine wirkliche Mission gewesen, wären Sie jetzt tot. Und, was noch schlimmer ist, die Operation wäre gescheitert und Sie wären in den Händen des Feindes.«

»Er hätte mich nicht lebend bekommen«, versicherte El Fayed.

»Und wenn schon. Das Missionsziel wurde nicht erreicht. Ist Ihnen klar, was Sie falsch gemacht haben?«

»Ich habe vergessen, die Zentrale zu sichern.«

»Genau. Ich weiß nicht, wie oft ich es Ihnen noch eintrichtern muss. Das hier ist kein Spaziergang, verstanden? Kein verdammter Basar, auf dem man sich mit Kumpels trifft und eine Wasserpfeife raucht. Das hier, Mr. Fayed, ist die Wirklichkeit, und ich werde nicht dulden, dass Nachlässigkeiten die Mission gefährden.«

Der Narbenmann war immer lauter geworden und hatte am Ende so geschrien, dass El Fayed zusammengezuckt war. Die Wut des Hünen war damit aber noch nicht abreagiert. Er polterte auf El Fayed zu und versetzte ihm einen zornigen Fausthieb, der ihn zu Boden streckte.

»Ich werde solche Nachlässigkeit nicht dulden. Und damit Sie meine Lektionen ernst nehmen, Mr. El Fayed, werde ich Ihnen fünfzehn Peitschenhiebe zukommen lassen.«

»Ja, Sir«, brachte der Gescholtene mühsam hervor und hielt sich seine zerquetschte Nase.

»Ich werde Sie und Ihre Kameraden lehren, sich vorzusehen und keine Fehler mehr zu begehen. Ich werde jede Nachlässigkeit ahnden – so lange, bis Sie und Ihre Kameraden Fehler mit Schmerz assoziieren, Mr. El Fayed. So etwas nennt man eine Konditionierung, und ich habe vor, Sie so lange zu konditionieren, bis perfekte Krieger aus Ihnen geworden sind, Maschinen, die keine Fehler mehr machen. Noch ist alles nur eine Übung. Aber wenn Sie es erst mit dem FBI zu tun bekommen, werden Sie sehr schnell feststellen, dass der Ernstfall eingetreten ist.«

»Warum tun Sie das alles?«, fragte El Fayed näselnd. »Warum bilden Sie Männer aus, die gegen Ihr Land kämpfen werden? Hassen Sie es denn so sehr?«

»So könnte man es ausdrücken«, antwortete der Mann mit der Narbe. »Jeff Patrick hat mit Uncle Sam noch eine Rechnung zu begleichen – und ganz besonders mit dem FBI …«

***

Am Columbus Circle war die Hölle los. Kein Wunder – schließlich sperrte die City Police nicht alle Tage eine der meistbefahrenen Kreuzungen der Stadt. In diesem Fall jedoch hatte es sich nicht vermeiden lassen.

Eine Filiale der National Investors’ Bank war von einem Unbekannten überfallen worden. Daraufhin hatte einer der Bankangestellten Alarm ausgelöst, und die Ereignisse hatten sich überstürzt. Der Täter hatte wild um sich gefeuert und sich mit einer Kassiererin im Keller des Gebäudes verschanzt. Dort saß er nun, und die Kollegen vom Department hatten den FBI um Hilfe gebeten.

Es war kurz nach elf, als mein Partner Phil Decker und ich auf der Verbrechensszene eintrafen. In aller Kürze ließen wir uns von Lieutenant Hawkley, dem Leiter des Einsatzteams vom PD, in den Fall einweisen.

»Also Folgendes, Gentlemen«, sagte Hawkley, ein militärischer Typ mit Bürstenschnitt, der unentwegt auf einem Kaugummi kaute, um seine Nervosität zu verbergen. »Der Täter hat sich mit der Zivilistin Emma Barnes, einer 28-jährigen Kassiererin, im Keller verschanzt. Er verlangt einen Fluchtwagen und freies Geleit, andernfalls droht er sich und die Geisel in die Luft zu sprengen.«

»In die Luft zu sprengen?« Phil pfiff durch die Zähne. »Eines muss man dem Jungen lassen – das ist zumindest mal was anderes.«

»Ist die Drohung ernst zu nehmen?«, fragte ich.

»Davon gehen wir aus. Zeugen zufolge hat der Täter eine Tasche bei sich, in der sich ein Sprengsatz befinden könnte, und er hält einen Auslöser in der Hand. Wir konnten das leider noch nicht überprüfen, aber wenn wir davon ausgehen, dass er tatsächlich eine Bombe hat, haben wir ein noch viel größeres Problem.«

»Nämlich?«, fragte ich.

»Wir haben einen Statiker vom städtischen Bauamt befragt. Das Gebäude der National Investors’ Bank ist ziemlich alt und steht unter Denkmalschutz. Eine Explosion im Fundament könnte es zum Einsturz bringen.«

»Scheiße«, sagte Phil und sprach mir damit aus dem Herzen. Das waren ja schöne Aussichten …

»Was ist mit den anderen Geiseln?«, wollte ich wissen.

»Den meisten gelang die Flucht, als die Schießerei losging. Aber wir gehen davon aus, dass in der Schalterhalle noch Verwundete liegen, die der Täter angeschossen hat. Die Zeugen sprechen von drei oder vier Personen, die Aussagen sind widersprüchlich.«

»Warum holen Sie sie nicht da raus?«

»Weil dieser Irre angekündigt hat, sofort den roten Knopf zu drücken, falls jemand dem Haus näher kommt als fünfzig Yards.«

»Ich verstehe.«

»Es ist zum Wahnsinnigwerden, Agent Cotton. Ich meine, wir haben das Gebäude umstellt und Scharfschützen auf allen umliegenden Dächern postiert. Aber solange sich der Mistkerl im Keller versteckt, haben wir keine Chance, ihn zu kriegen.«

»Schon gut. Haben Sie Kontakt mit ihm?«

»Im Keller gibt es ein Telefon. Wir haben die Nummer.«

»Dann sollten wir ein paar Takte mit dem Typen plaudern«, schlug ich vor.

»Hey, Jerry«, meinte Phil, »dein Talent für Small Talk in allen Ehren, aber denkst du nicht, wir sollten das einem unserer Psychologen überlassen?«

»Die Zentrale hat mir gesagt, dass die Jungs von der Psychotruppe alarmiert sind. Aber wir können in der Zwischenzeit ja nicht einfach die Hände in den Schoß legen und abwarten, bis die Verwundeten im Foyer verbluten.«

»Okay.« Phil nickte. »Du hast gewonnen.«

Ein junger Beamter des PD brachte mir ein Funktelefon, in das die entsprechende Nummer gespeichert war. Ich brauchte nur eine Taste zu drücken, und die Verbindung wurde hergestellt.

»Wissen wir, wie der Knabe heißt?«, fragte ich, während es bereits in der Leitung tutete.

Hawkley zuckte nur mit den Schultern. Im nächsten Moment knackte es in der Leitung.

»Ja?«, erklang eine heisere Stimme am anderen Ende.

»Sir«, sagte ich, »hier ist Special Agent Jerry Cotton vom FBI …«

»Ist mir scheißegal, wer Sie sind!«, blaffte der andere. Seine Nerven schienen blank zu liegen. »Ich verlange einen Fluchtwagen und freies Geleit. Verhandelt wird nicht, kapiert?«

»Kapiert«, versicherte ich. »Wir haben bereits entsprechende Vorbereitungen in die Wege geleitet, allerdings gibt es ein Problem.«

»Was für ein Problem? Ich will nichts hören von Problemen!«

»Nun, Sir, meine Vorgesetzten verlangen von Ihrer Seite ein Zeichen des guten Willens.«

»Was?«

»Wer sagt uns, dass Sie die Frau, die sich noch in Ihrer Gewalt befindet, freilassen, wenn Sie bekommen haben, was Sie verlangen?«

»Niemand. Sie werden mir schon vertrauen müssen.«

»Das ist nicht akzeptabel. Ich würde Ihnen gerne helfen, Sir, und Ihnen alles beschaffen, was Sie verlangen. Aber Sie müssen mir etwas geben, womit ich bei meinen Vorgesetzten argumentieren kann.«

»Etwas, womit Sie argumentieren können …?«

»Ja, Sir«, sagte ich – mein Gesprächspartner schien nicht der Allerhellste zu sein. »Wissen Sie, diese Kerle sitzen den lieben langen Tag nur an ihren Schreibtischen und kriegen die Ärsche nicht hoch. Die haben keine Ahnung, was hier draußen vor sich geht, verstehen Sie?«

»Und ob ich das verstehe.«

»Also geben Sie mir etwas. Machen Sie ein Zugeständnis.«

»Was verlangen Sie?«, fragte der Ganove spöttisch. »Soll ich mit erhobenen Händen rauskommen und mich ergeben?«

»Mir würde es schon reichen, wenn Sie ein Sanitätsteam ins Gebäude lassen würden, damit es sich um die Verwundeten kümmern kann.«

»Das ist alles?«

»Ja, Sir.«

Eine kurze Pause entstand am anderen Ende. »Also schön«, ließ der Geiselnehmer sich dann vernehmen. »Wenn damit gesichert ist, dass ich alles bekomme, was ich verlangt habe …«

»Keine Sorge«, versicherte ich.

Am anderen Ende der Leitung klickte es – der Ganove hatte aufgelegt.

»In Ordnung«, sagte ich, »er erlaubt uns, ein Team von Sanitätern in das Gebäude zu schicken.«

»Sehr gut.« Hawkley nickte. »Ich werde dem Rettungsteam sofort Bescheid geben.«

»Sagen Sie ihnen, dass wir zwei Overalls brauchen.«

»Zwei Overalls?« Der Lieutenant hob die Brauen. »Was haben Sie vor, Cotton?«

»Wir gehen rein«, antwortete ich entschieden.

»Wir gehen rein?«, fragte Phil verblüfft. »Du meinst, wir verkleiden uns als Sanitäter und gehen in das Gebäude?«

»Wir haben keine andere Wahl, Phil. Wer immer dieser Kerl ist, er klang verdammt aufgeregt am Telefon. Ich bin kein Psychologe, aber ich würde sagen, dass er mit den Nerven am Ende ist. Wenn er den Knopf drückt, ist es vorbei. Wir müssen ihn aufhalten.«

»Na schön.« Phil schnitt eine Grimasse. »Du bist heute sehr überzeugend.«

Das Ambulanz-Team machte sich bereit, in das Gebäude zu gehen, und man brachte uns zwei Einsatzoveralls, in die wir rasch schlüpften. Mit einer Tragbahre und mehreren Erste -Hilfe-Koffern ausgerüstet, huschten wir in gebückter Haltung auf das Gebäude zu.

»Wenn das nur gut geht«, raunte Phil mir zu. »Hoffentlich hat der Kerl keinen zu nervösen Finger …«

Der Geiselnehmer beherrschte sich.

Wir erreichten den Eingang, ohne dass es im Keller einen dumpfen Knall gab und das Gebäude über uns zusammenfiel. Wir passierten die gläserne Eingangstür und gelangten in die Schalterhalle. Zwei Frauen und ein Mann lagen am Boden. Alle drei waren angeschossen, den Mann hatte es mit einem Steckschuss im Bauch besonders übel erwischt.

Die Sanitäter machten sich sofort daran, sich um die Verwundeten zu kümmern, während Phil und ich weitereilten. Von einer der verletzten Frauen erfuhren wir, wo sich der Zugang zur Feuertreppe befand – den Aufzug zum Keller konnten wir nicht nehmen, weil wir uns damit verraten hätten.

Wir erreichten das Treppenhaus und schlichen leise die Stufen hinab. Am Ende der Treppe erstreckte sich ein breiter, hell beleuchteter Korridor. Auf der rechten Seite gab es zwei Türen, die verschlossen zu sein schienen. Links befand sich der Zugang zum Tresorraum – eine etwa mannsgroße, kreisrunde Panzertür von beachtlicher Dicke, die weit offen stand. Dahinter waren die Schließfächer und Depots der Bank, noch durch ein zusätzliches Stahlgitter gesichert.

Vom Ende des Korridors drang ein leises Wimmern herauf. Phil und ich tauschten einen Blick. Wir zückten unsere Dienstpistolen und versteckten sie hinter dem Rücken. Dann schlichen wir vorsichtig den Gang hinab.

Das Wimmern stammte von einer jungen Frau – zweifellos die Kassiererin, die der Ganove in seiner Gewalt hatte. Wir kamen also noch nicht zu spät.

Wir erreichten das Ende des Gangs und spähten vorsichtig in den Raum, in den der Korridor mündete. Mehrere Schreibtische mit Computerterminals standen herum. Auf einem stand das Telefon, über das ich vorhin mit dem Geiselnehmer gesprochen hatte.

Von dem Räuber und seiner Geisel war zunächst nichts zu sehen. Sie kauerten hinter einem umgestürzten Schreibtisch, sodass es unmöglich war, den Gangster gezielt unter Feuer zu nehmen. Der Kerl mochte kurz davor stehen, die Nerven zu verlieren, aber er war nicht dumm.

Phil und ich tauschten einen Blick. Wir würden es mit Verhandeln versuchen müssen. Das Risiko, dass der Geisel bei einem Zugriff etwas zustieß oder dass der Knabe den roten Knopf drückte, war zu groß.

Ich bedeutete Phil, sich in den Korridor zurückzuziehen, und gab ihm meine Pistole. Dann sagte ich laut: »Sir?«

Der Ganove tauchte sofort aus seiner Deckung auf. Seine Geisel – eine junge Frau mit langen blonden Locken, deren Augen von Tränen gerötet und deren Schminke völlig zerlaufen war – presste er dabei als lebenden Schild an sich.

»Was wollen Sie?«, herrschte er mich an. Er trug einen zerschlissenen Militärparka und Jeans. Auf dem Kopf hatte er eine Mütze mit Tarnmuster, unter der langes, fettiges Haar hervorquoll. Seine Züge waren fleischig und aufgedunsen, zweifellos eine Folge von zu viel Alkohol …

»Sir, ich bin Sanitäter«, sagte ich, auf das Abzeichen an meiner Brust deutend. »Ich wollte nur sehen, ob es der Geisel gut geht.«

»Verdammt!«, kreischte er panisch. »Sie haben vielleicht Nerven, Mann! Halten Sie das hier für ein Kaffeekränzchen?«

»Nein, Sir. Ich wollte nur sehen, wie es der Geisel geht. Ist alles in Ordnung, Miss?«

Die Frau schaute mich flehend an.

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