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Jerry Cotton - Folge 2374

Ich – und der falsche Mr. High

Der Kampf der Domäne gegen den FBI war in die entscheidende Phase getreten.

Während er aus dem Fenster seines Arbeitszimmers blickte und in der Ferne die Hügel von Arlington sah, zog der Alpha Resumé.

Die Domäne befand sich auf dem Rückzug. Durch eine Verkettung dramatischer Umstände hatte die Organisation mehrere ihrer Stützpunkte verloren. Agenten, die für die Domäne gearbeitet hatten, waren enttarnt worden, das Netzwerk teilweise zerstört. Es war dem FBI sogar gelungen, das Versteck der Domäne in den Bergen von Colorado ausfindig zu machen und zu stürmen.

Doch der Kampf war noch nicht verloren.

Denn die Domäne hielt einen ultimativen Trumpf in der Hand, den sie eiskalt ausspielen würde …

Ich genoss es, in Mr. Highs Büro zu sitzen.

Die vertraute Umgebung und der Duft von Helens Kaffee wirkten auf mich beruhigend, was ich nach all den Fairnissen, die hinter uns lagen, gut gebrauchen konnte.

Nach den Vorfällen in Colorado waren mein Freund und Kollege Phil Decker und ich nach New York zurückgekehrt, um unserer Dienststelle Bericht zu erstatten. Danach wollten wir sofort weiter nach Washington D.C. Denn genau dorthin, in die Hauptstadt unseres Landes, führte die Spur der Domäne – jener Organisation, die den Begriff des organisierten Verbrechens völlig neu definiert hatte.

Als wir vor fast drei Jahren auf die Spur der Domäne gestoßen waren – damals waren überall im Land anonyme Mordopfer gefunden worden –, hatten wir noch nicht ahnen können, dass sie unser mächtigster und gefährlichster Gegner werden würde. Eine Organisation, die vorhatte, unseren Staat und unsere Gesellschaft zu unterwandern, mit dem Ziel, unser Land zu beherrschen.

Die Methoden, derer sich die Domäne dabei bediente, waren ebenso kompromisslos wie erschreckend. Mord, Entführung und Erpressung gehörten nur am Rande zu ihrem Repertoire. Auch Wirtschaftskriminalität zählte dazu.

Die Spezialität der Domäne war die Täuschung und Manipulation. Schon mehrfach war es ihr gelungen, durch plastische Chirurgie erstellte Doppelgänger in Firmen und Behörden einzuschleusen, die fortan im Auftrag der Domäne handelten und entsprechende Entscheidungen durchdrückten. Auf diese Weise war es der Domäne gelungen, sich ein landesweites Netzwerk aufzubauen.

Bis vor wenigen Tagen.

Eine Razzia in Washington, die von unseren Kollegen Bill Pherson und Nancy Morgan durchgeführt worden war, hatte dazu geführt, dass wir einem dieser Domäne-Netzwerke auf die Spur gekommen waren.

Ein Doppelgänger war entlarvt worden, und die Hinweise hatten Phil und mich nach Colorado geführt. In einem Hotel der Atlantis-Kette, die ebenfalls zum Netzwerk der Domäne gehörte, hatte man uns überfallen, und Phil war entführt worden.

Mit Hilfe meines jungen Kollegen Neville Spencer vom FBI Field Office Denver war es mir gelungen, den Ort ausfindig zu machen, wo Phil gefangen gehalten wurde – ein verlassener Bunker in den Bergen, den die Domäne zu ihrem Geheimversteck erkoren hatte. Dort, in der rauen Bergwelt der Rocky Mountains, war es zum Kampf zwischen uns und der Domäne gekommen.

Trotz heftiger Gegenwehr von Seiten der Domäne-Schergen war es uns gelungen, den Stützpunkt einzunehmen und Phil zu befreien. Doch obwohl wir den Kampf für uns entschieden hatten, war einigen führenden Domäne-Agenten die Flucht gelungen, sodass die Jagd weiterging …1)

»Wie geht es Phil?«, war das Erste, was Mr. High interessierte, nachdem er meinen Bericht überflogen hatte.

»Soweit ganz gut, Sir. Die Ärzte im Krankenhaus haben sich um ihn gekümmert. Die Droge, die Phil verabreicht wurde, ist noch nicht vollständig abgebaut. Aber er hat versprochen, so schnell wie möglich wieder auf dem Damm zu sein.«

»Ich verstehe.« Mr. High nickte. »Und die einzige Spur, die wir haben …«

»… führt nach Washington, Sir«, sagte ich. »Da die Domäne die Selbstzerstörung ihres Bunkersystems initiiert hat, sind wir leider nicht mehr dazu gekommen, die Bunkerräume zu durchsuchen. Wir können von Glück sagen, mit allen Leuten rausgekommen zu sein, ehe der Bunker einstürzte. Deshalb ist die Spur, die wir haben, ziemlich dünn.«

»Dieser Hinweis, dass sich die Domäne-Agenten am Potomac treffen wollten, könnte auch ein Täuschungsmanöver sein«, gab Mr. High zu bedenken.

»Die Möglichkeit besteht, Sir«, räumte ich ein. »Aber mein Instinkt sagt mir, dass es nicht so ist. Und wir wissen, dass es Macht ist, was die Domäne will, die absolute Kontrolle. Und Washington D.C. ist das Zentrum der Macht in unserem Lande, richtig?«

»Sie haben Recht, Jerry«, erwiderte Mr. High, »und ich muss zugeben, dass mir die Vorstellung, was die Domäne dort anrichten könnte, Angst macht.«

»Geht mir nicht anders, Sir.« Ich nickte. »Nach allem, was Phil in seiner Gefangenschaft mitbekommen hat, bereitet die Domäne wohl tatsächlich etwas vor. Einen letzten, großen Coup, der ihr dauerhaft die Macht in unserem Land sichern soll.«

»Ich habe diese Information bereits an alle wichtigen Dienststellen weitergegeben. Auch die Geheimdienste und der Secret Service wurden informiert. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Weiße Haus und das Parlament wurden verschärft.«

»Eine vernünftige Maßnahme«, sagte ich, »aber ich denke nicht, dass die Domäne einen Anschlag oder etwas Ähnliches plant. Ihre Vorgehensweise ist anders. Die Domäne arbeitet nicht mit lauten, spektakulären Mitteln. Sie kommt durch die Hintertür, was sie noch gefährlicher macht.«

»Dieser Coup, wie Sie es nannten – was wissen wir darüber, Jerry?«

»Leider nicht viel, Sir. Nach allem, was Phil mitbekommen hat, gibt es eine Art Notfallplan, den die Domäne vorbereitet hat für den Fall, dass sie ins Hintertreffen gerät. Ein Projekt, wie ihre Agenten es nennen. Im Bunker haben wir einen metallenen Container gesehen, der auf mich wirkte wie ein stählerner Sarg und den die Domäne-Kämpfer mit ihrem Leben beschützten. Offenbar scheint er eine wichtige Rolle bei diesem Projekt zu spielen.«

»Ein metallener Container …«, grübelte Mr. High.

»Ja, Sir. Phil und ich vermuten, dass sich ein Mensch darin befunden hat.«

»Ein neuer Doppelgänger?«

»Es wäre möglich, Sir. Vielleicht plant die Domäne, jemanden in Washington durch einen Doppelgänger zu ersetzen. Jemanden in verantwortungsvoller Position. Jemanden, der genug Macht und Einfluss hätte, um der Domäne eine entscheidende Machtposition zu sichern …«

»… der aber wiederum nicht so im Licht der Öffentlichkeit steht, dass es sofort auffallen würde, wenn er ersetzt würde.«

»Genau, Sir«, stimmte ich zu. »Danach zu suchen, ist bei den vielen Amts- und Würdenträgern, die es in Washington gibt, allerdings so, als wollte man die berühmte Nadel im Heuhaufen finden. Ich habe mich bereits mit Bill Pherson und Nancy Morgan vom FBI-Hauptquartier in Verbindung gesetzt. Sie kennen die Gegebenheiten vor Ort und werden uns bei den Ermittlungen unterstützen.«

»Sehr gut, Jerry.« Mr. High, in dessen Stirn sich einmal mehr tiefe Sorgenfalten eingegraben hatten, nickte. »Aus dem ganzen Land, von allen Field Offices treffen Erfolgsmeldungen im Kampf gegen die Domäne ein. Zahlreiche Doppelgänger wurden enttarnt, die Hotels der Atlantis-Kette geschlossen. Dennoch sind all diese Erfolge nutzlos, wenn es uns nicht gelingt, den Kopf der Bestie abzuschlagen. Wenn die Domäne überlebt, werden früher oder später auch ihre Arme wieder nachwachsen, und alles wird sein wie zuvor.«

Ich biss mir auf die Lippen. Mr. High hatte Recht.

Die Alphas, die anonymen Anführer der Domäne, waren uns nach wie vor unbekannt, zogen aus dem Verborgenen heraus die Fäden. Entweder es gelang uns, bis zu ihnen vorzudringen und die Domäne endgültig zu zerschlagen, oder alles würde von vorn beginnen, und alle Opfer, die wir gebracht hatten, würden vergeblich gewesen sein.

Das durfte nicht geschehen. Entschlossen schüttelte ich den Kopf.

»Sir«, sagte ich leise, »ich versichere Ihnen, dass Phil und ich alles daransetzen werden, diese Sache erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Die Chancen, die Domäne zu zerschlagen, sind so gut wie nie zuvor. Wenn sich die Alphas tatsächlich in Washington aufhalten, werden wir sie ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen, das verspreche ich Ihnen.«

»Danke, Jerry.« Mr. High lächelte. »Ich weiß Ihr Engagement sehr zu schätzen. Nur fürchte ich, Sie werden dabei auf Phil verzichten müssen.«

»Was? Aber …«

»Ich habe den Bericht gelesen, Jerry. Phil ist noch nicht fit genug, um die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Er hat eine Stichwunde erlitten und wurde grauenhaft mit Elektroschocks gefoltert. Sein Körper ist völlig dehydriert, und sein Kreislauf ist instabil, außerdem leidet er noch unter den Folgen der Wahrheitsdroge, die ihm verabreicht wurde. Habe ich irgendetwas vergessen? Es tut mir Leid, Jerry. Ich weiß, dass Phil nichts lieber tun würde, als zusammen mit Ihnen nach Washington zu fliegen, aber im Augenblick kann ich es nicht gestatten. Dieser Fall ist zu wichtig, als dass ich einen angeschlagenen G-man darauf ansetzen könnte.«

»Hm«, machte ich. Alles in mir sträubte sich dagegen, es einzusehen, aber natürlich hatte Mr. High Recht.

Die Gefangenschaft durch die Domäne hatte meinem Partner schwerer zugesetzt, als er zugeben wollte, und natürlich war er noch nicht fit genug für einen Fall wie diesen. Ein G-man, der nicht hundertprozentig fit und bei der Sache ist, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch das Leben anderer.

»Wie Sie wollen, Sir«, sagte ich also. »Ich fürchte nur, es wird Phil nicht gefallen.«

»Mir gefällt es ebenso wenig, glauben Sie mir, Jerry. Mir wäre es lieber, wenn ich Sie beide auf den Fall ansetzen könnte, aber in meiner Eigenschaft als leitender Special Agent dieser Behörde kann ich nicht anders entscheiden.«

»Ich weiß, Sir«, erwiderte ich. Ein flüchtiges Lächeln huschte über meine Züge, das Mr. High erwiderte.

»Viel Glück, Jerry«, sagte er. »Um unser aller willen.«

»Danke, Sir«, erwiderte ich. »Wir können es brauchen …«

***

Das Haus, das in einer der besten Gegenden von Washington stand, stammte noch aus der Zeit der Plantagenbesitzer. Weißer Stein, hohe Fenster und ein von weißen Säulen getragenes Portal.

Von dem parkähnlichen Garten aus bot sich ein herrlicher Ausblick über den Potomac und das Regierungsviertel sowie über die Hügel von Arlington. In dieser Gegend hatten sich all jene niedergelassen, die in ihrer aktiven Zeit machtvolle Positionen besetzt hatten und sich nicht mehr von der Hauptstadt trennen konnten. Senatsabgeordnete im Ruhestand, altgediente Staatssekretäre, mächtige Lobbyisten.

Brooke Johansson nahm all das nicht wirklich wahr. Sie war damit aufgewachsen, und für sie war der Anblick der Privatparks und Villen mit ihren Gärtnern, Chauffeuren und Butlern so vertraut wie anderen Leuten die Tankstelle oder der Seven-Eleven-Shop um die Ecke.

Die junge Frau trug ein champagnerfarbenes Kostüm, dazu hochhackige Schuhe und einen großen Sonnenhut. Ihr dunkelblondes Haar quoll darunter hervor und fiel auf ihre schmalen Schultern.

Ihren Porsche ließ Brooke Johansson auf dem großzügig angelegten Vorplatz der Villa stehen. Über die breiten Stufen gelangte sie zum Portal und betätigte die Klingel.

Sie brauchte nicht lange zu warten. Ein livrierter Butler öffnete ihr die Tür.

»Guten Tag, Clifford«, grüßte sie freundlich, und ein unverbindliches Lächeln glitt über ihre makellosen Züge. »Ist mein Vater zu Hause?«

»Ja, Miss Johansson.« Der Butler deutete eine Verbeugung an. »Bitte, treten Sie ein.«

Er öffnete die Tür und trat zur Seite. Die junge Frau trat in die weite Halle, von der eine breite Treppe in die oberen Etagen des Herrenhauses führte.

»Ihr Vater ist im Salon«, sagte Clifford dezent. »Wenn Sie gestatten, Miss …«

Der Butler ging ihr voraus, um sie zum Salon zu geleiten – jenem Ort, an dem sich Brookes Vater immer dann aufhielt, wenn er über etwas nachzudenken hatte oder sich über etwas Sorgen machte.

An diesem Morgen war wohl beides der Fall, wie die junge Frau vermutete.

Der Butler öffnete ihr die Tür, und sie betrat den mit dunklem Holz getäfelten und von Zigarrenrauch geschwängerten Raum, in dessen offenem Kamin trotz der milden Temperaturen ein Feuer knisterte.

Vor dem Kamin saß ein Mann im Rollstuhl. Die Last seiner Jahre war ihm anzusehen, doch noch nie zuvor hatte Brooke Johansson ihren Vater in einem so schlechten Zustand gesehen.

Sein Kopf war nach vorn gebeugt, sein spärliches graues Haar hing in Strähnen. In den letzten Tagen und Wochen war dieser Mann um Jahre gealtert, und die junge Frau wusste, wem sie die Schuld daran zu geben hatte.

Nackte Wut machte sich in ihr breit. Wut auf den FBI. Wut auf Jerry Cotton …

»Hallo, Vater«, sagte sie.

Mit einem hellen Summton des Motors kreiste der Rollstuhl herum. Der Mann, der darin saß, hob den Kopf, blickte der Frau, die er seine Tochter nannte, gefasst entgegen.

»Hallo, Brooke«, erwiderte er.

Sie kam auf ihn zu und beugte sich zu ihm hinab, umarmte ihn, so herzlich sie es vermochte. Er erwiderte ihre Umarmung nicht, und sie fragte sich, woran es lag. War er zu schwach dazu? Oder war sie in Ungnade gefallen nach allem, was geschehen war?

»Schön, dass du hier bist«, sagte er und entkräftete damit die zweite Möglichkeit.

»Ja, Vater«, sagte sie. »Und nicht nur ich. Auch alles andere ist wohlbehalten in Washington eingetroffen und befindet sich bereits an Ort und Stelle.«

»Das ist gut.« Das Gesicht des Mannes verzerrte sich, als ob er Schmerzen litte. Sie wusste, dass ihm die Krankheit an manchen Tagen mehr zu schaffen machte. Das alte Leiden, das er schon so viele Jahre mit sich herumtrug und das ihn an den Rollstuhl fesselte.

»Wir befinden uns in einer tiefen Krise, Brooke«, murmelte er düster. »Immer wieder denke ich darüber nach und frage mich, wie es so weit kommen konnte. Wir haben uns an den Plan gehalten und immer einen Schritt nach dem anderen getan. Wir haben uns nicht von der Gier nach Macht verleiten lassen.«

»Nein, Vater, das haben wir nicht. Aber es ist jemand aufgetaucht, den wir in unseren Plänen nicht berücksichtigt hatten. Und dieser Jemand heißt Jerry Cotton.«

»Cotton«, echote der Alte. »Dieser elende, verdammte Jerry Cotton. Als ich zuerst von ihm hörte, dachte ich: Das ist nur ein einfacher G-man. Er hat ein paar üble Jungs einkassiert, ein paar heikle Fälle gelöst. Der Junge hat einfach ein bisschen mehr Glück gehabt als seine Kollegen. Aber als er dann deinen Bruder tötete …«

»Jon Bent war nicht mein Bruder!«, wehrte sie ab.

»Er war ebenso mein Sohn, wie du meine Tochter bist. Und ich will, dass Cotton bezahlt für das, was er ihm angetan hat. Was er uns allen angetan hat.«2)

»Das wird er, Vater, keine Sorge. Die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen. Wir haben einige bittere Niederlagen hinnehmen müssen, aber besiegen wird uns der FBI niemals. Nicht mehr lange, und das Projekt wird anlaufen. Dann, Vater, werden wir endgültig über den FBI triumphieren, und es wird niemanden mehr geben, der sich uns in den Weg stellt.«

»Ich hoffe es, meine Tochter. Denn nach allem, was geschehen ist, hat meine Position gelitten. Die Alphas sind misstrauisch geworden. Sie bezweifeln, dass ich die Dinge noch im Griff habe.«

»Dann sind sie Idioten«, sagte Brooke aufgebracht. »Nicht mehr lange, Vater, und sie werden alle beschämt schweigen, weil du es sein wirst, der am Ende Recht behält. Und sie werden nicht anders können, als deinen Führungsanspruch anzuerkennen.«

»Wir werden sehen«, erwiderte der Alte, und ein Lächeln, das weder Milde noch Zuneigung, sondern unverhohlenen Machthunger verriet, verzerrte seine kantigen Züge. »Alles zu seiner Zeit.«

»Für wann ist die Versammlung anberaumt worden?«

»Für morgen Nacht.«

»Ich werde dich begleiten, Vater. Gemeinsam werden wir den Alphas das Projekt vorstellen. Und wir werden gemeinsam triumphieren …«

***

Das Krankenzimmer meines Freundes und Partners Phil Decker sah ziemlich trostlos aus. Klinisches Weiß, nur ein kleiner Blumenstrauß, den unsere Kolleginnen Annie Geraldo und June Clark vorbeigebracht hatten, bildete den einzigen Farbtupfer.

»Mensch, Jerry«, begrüßte mich Phil. »Bin ich froh, dass du da bist. Ich dachte schon, ihr hättet vor, mich hier versauern zu lassen.«

»Wie geht es dir, Alter?«, fragte ich.

»Ganz gut. Der Doc sagt, mein Kreislauf sei noch ziemlich angeschlagen, aber …«

»War’s denn sehr schlimm?«

»Es war die Hölle, Jerry.« Mein Partner schürzte die Lippen. »Ganz ehrlich, Jerry – es gab ein paar Augenblicke, in denen ich dachte, dass dies das Ende wäre. Und das wäre es auch gewesen, wenn du und Neville mich nicht rausgehauen hättet.«

»Ehrensache«, sagte ich und lächelte matt. »Ich war vorhin bei Mr. High und soll dich von ihm grüßen.«

»Besten Dank auch. Wie geht’s denn Big Daddy?«

»Er macht sich Sorgen darüber, was die Domäne als Nächstes aushecken könnte.«

»Das kann er sich sparen. In ein paar Minuten bin ich hier raus, und wir fliegen zusammen nach Washington. Dann werden wir diesen vermummten Idioten von der Domäne den Rest geben, wollen wir wetten?«

»Lieber nicht«, sagte ich ausweichend.

»Wieso? Was hast du, Jerry? Du bist so ernst …«

»Das liegt daran, dass mir nicht zum Lachen zumute ist, Partner«, erwiderte ich. »Und dir wird es wahrscheinlich auch gleich vergehen.«

»Mir? Wieso?«

»Weil du nicht mitfliegen wirst nach Washington.«

»Weil ich nicht …?« Auf Phils Züge legte sich ein ungläubiger Ausdruck. »O komm schon, Jerry, das ist nicht fair! Einen armen kranken Kerl wie mich so auf die Rolle zu nehmen …«

»Ich nehme dich nicht auf die Rolle. Es ist mein Ernst.«

»Aber …«

»Mr. High ist der Ansicht, dass du noch nicht wieder auf dem Damm bist, und er hat Recht damit, Phil.«

»Was soll das heißen?«, begehrte mein Partner auf. »Ich bin in der Form meines Lebens.«

»Das bist du nicht, Partner, und das weißt du auch. Die Domäne hat dir ordentlich zugesetzt. Ich meine die Folter und die Droge, die sie dir eingeflößt haben.«

»Zum Henker damit«, wetterte Phil. »Ich fühle mich gut, kann sogar schon wieder klar sehen. Ich schwör’s dir, Jerry, ich bin fit für den Einsatz. Ich komme mit dir nach Washington, und wenn ich die Strecke laufen muss.«

Damit schlug Phil die Decke zurück und wollte trotz der Schläuche und Kanülen, die in seinem Unterarm steckten, aufstehen.

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