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Jerry Cotton - Folge 2356

Als der Teufel Rache nahm

Im FBI-Büro an der Federal Plaza herrschte roter Alarm. Der letzte Kontrollanruf unserer Undercover-Agentin Annie Geraldo lag über sechs Stunden zurück. Seitdem hatte sich unsere junge Kollegin nicht mehr gemeldet. Zudem war die Verbindung zu ihrem Handy unterbrochen, und wir mussten davon ausgehen, dass ihr etwas zugestoßen war.

Mein Partner Phil Decker und ich waren dazu eingeteilt gewesen, zu Annie Kontakt zu halten und sofort einzugreifen, falls es Schwierigkeiten gäbe oder sie sich nicht mehr meldete, und nach Ausbleiben der Kontrollmeldung hatten wir den Observierungswagen verlassen und uns auf dem Gelände der Columbia-Universität nach ihr umgeschaut, wo Annie ihre verdeckten Ermittlungen betrieben hatte. Wir suchten sie, allerdings erfolglos, und auch die Nachforschungen, die wir einleiteten, führten zu keinem Ergebnis.

Verdammt!

Annie blieb verschwunden, wir hatten nicht mal ein Lebenszeichen von ihr …

»Dies ist eine schwierige Lage, Gentlemen«, sagte Mr. High, in dessen Büro wir saßen, mit matter Stimme. Die hohe Stirn unseres Chefs war von tiefen Sorgenfalten zerfurcht.

Vor einigen Tagen hatte alles begonnen. Drei mysteriöse Todesfälle an der medizinischen Fakultät der Columbia-Universität hatten die Aufmerksamkeit des FBI erregt, doch unsere Nachforschungen vor Ort hatten keinen Anhaltspunkt auf ein Verbrechen ergeben.1)

Alle drei Todesfälle sahen nach Unfällen aus, uns machte nur die plötzliche Häufung dieser angeblichen Unfälle mit tödlichem Ausgang stutzig. Aber zunächst schien es so, als wären es tatsächlich Unfälle gewesen, und Phil und ich hatten unsere Ermittlungen eingestellt.

Dann war eine Studentin namens Kimberley Johnson spurlos verschwunden, und da hatte Mr. High beschlossen, dass wir der Sache doch wieder nachgingen. Ganz inoffiziell, denn Indizien für ein Verbrechen lagen noch immer nicht vor.

Wir hatten unsere Taktik geändert. Als Studentin getarnt, hatte sich unsere Kollegin Annie Geraldo an der Universität umsehen sollen.

Und nun war auch sie verschwunden …

Mr. High war es gewesen, der den Plan, eine Agentin undercover an die Universität zu schicken, entwickelt hatte – dabei war die Aktion noch nicht einmal von Washington abgesegnet worden. Unser SAC hätte also allen Grund gehabt, sich um sich selbst zu sorgen, doch er dachte in diesen Augenblicken einzig und allein an unsere Kollegin Annie Geraldo.

»Sie sind mit sofortiger Wirkung von allen anderen Pflichten entbunden, Gentlemen«, sagte Mr. High. »Ich will, dass Sie sich voll und ganz auf die Vorfälle an der Columbia konzentrieren und Agent Geraldo ausfindig machen.«

»Verstanden, Sir«, erwiderte ich.

Meine Stimmung war weit unter den Nullpunkt gesunken. Ich machte mir Vorwürfe wegen Annies Verschwinden – schließlich hatten Phil und ich den Auftrag gehabt, auf unsere junge Kollegin aufzupassen …

»Wenigstens wissen wir jetzt, dass wir keinem Hirngespinst nachgejagt sind«, versuchte Phil den Ereignissen eine positive Seite abzugewinnen. »Offenbar ist Annie bei Ihren Nachforschungen auf etwas gestoßen. Die drei mysteriösen Todesfälle an der Columbia, das Verschwinden der jungen Doktorandin – da scheint tatsächlich etwas im Busch zu sein.«

»Sieht so aus, Alter«, stimmte ich zu. »Und ich wette, Annies Verschwinden hat etwas mit diesem Studenten zu tun, mit dem sie sich zuletzt getroffen hat.«

»Marvin Smitty«, entnahm Mr. High dem Bericht, den wir ihm vorgelegt hatten. »Ist das derselbe Mr. Smitty, der Sie gestern Nacht unbedingt treffen wollte, Jerry?«

»Ja, Sir.« Ich nickte. »Smitty rief in der Zentrale an und wollte mich unbedingt sprechen. Er sagte, er hätte ein Gespräch zwischen Dekan Wilkins, dem Vorsteher der medizinisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, und einem Studenten belauscht, in dem es um unsere Ermittlungen ging. Angeblich wurde Wilkins zum Schweigen aufgefordert.«

»Den Studenten, mit dem der Dekan sprach, hat er allerdings nicht erkannt …«

»Nein, Sir. Deshalb wiesen wir Annie an, sich um Marvin Smitty zu kümmern und ihn ein wenig auszuhorchen. Außerdem sollte sie ein Auge auf ihn haben, da er offenbar den Unmut einiger Studenten aus höheren Semestern auf sich gezogen hat.«

»Ich verstehe«, sagte unser SAC. »Das wirft eine Menge Fragen auf.«

»Allerdings, Sir.« Phil nickte. »Glauben Sie mir, da gibt es eine Menge, was ich diesen Mr. Smitty gerne fragen würde. Nur leider …«

»… ist er zusammen mit Annie Geraldo spurlos verschwunden«, seufzte Mr. High. »Ich weiß.«

»Das Letzte, was wir von Annie erfuhren, war, dass sie sich mit Smitty zum Mittagessen treffen wollte«, resümierte ich. »Was danach geschah, wissen wir nicht. Es ist aber davon auszugehen, dass sie zusammen waren, als … es passierte.«

Ich blickte zu Boden, empfand in diesem Augenblick ein Gefühl abgrundtiefer Frustration.

Nicht nur, dass wir völlig darin versagt hatten, unsere Kollegin zu beschützen – wir wussten noch nicht einmal, was ihr zugestoßen war.

War sie entführt worden? In einen Hinterhalt geraten? Oder gar noch Schlimmeres …?

»Jerry«, sagte Mr. High ruhig, »ich kann mir denken, wie Sie und Phil jetzt empfinden, und glauben Sie mir, ich kann Sie gut verstehen. Aber wenn wir jetzt eines nicht tun dürfen, dann unsere Arbeit durch Selbstvorwürfe behindern. Annie braucht jetzt unsere volle Unterstützung, und das bedeutet, dass wir unsere Konzentration und unsere Kraft darauf verwenden müssen, sie zu finden.«

»Sie haben Recht, Sir.« Ich nickte. Es war nicht so, dass ich es nicht selbst gewusst hätte. Aber in entscheidenden Augenblicken musste man auch solche Dinge manchmal gesagt bekommen …

»Also«, sagte Phil und klatschte in die Hände, als wolle er uns damit alle aus der Lethargie reißen. »Eine Kollegin und ein wichtiger Zeuge sind spurlos verschwunden. Was machen wir?«

»Gibt es Verdächtige?«, fragte Mr. High.

»Ein paar, Sir«, antwortete ich. »Nach Smittys Aussage ist davon auszugehen, dass Dekan Wilkins irgendwie in die Sache verstrickt ist, wobei wir noch immer keine Ahnung haben, worum es dabei eigentlich geht. Das würde übrigens auch erklären, weshalb Wilkins so abweisend reagierte, als wir im Zuge unserer Nachforschungen bei ihm vorsprachen.«

»Außerdem«, fügte Phil hinzu, »ist da noch Malcolm Malusic, der Sprecher der Studentenvertretung. Ein aalglatter, öliger Kerl, der den Studienplatz an der Columbia wohl nur deshalb bekommen hat, weil sein Vater ein Star-Chirurg ist. Von Annie wissen wir, dass Malusic unseren Zeugen Smitty auf dem Kieker hatte. Möglicherweise war er auch der Student, den Smitty beim Gespräch mit Wilkins belauscht hat.«

»Und zu guter Letzt«, fügte ich hinzu, »müssen wir natürlich auch Smitty selbst verdächtigen. Ich meine, dieser Junge hat ein Gespräch auf der Toilette belauscht und daraufhin sofort den FBI verständigt. Entweder, er ist der nervöseste Typ, den ich kenne, oder …«

»Sie vermuten, dass es eine Falle gewesen sein könnte, Jerry?«

»Ich weiß es nicht, Sir.« Ich schüttelte den Kopf. »Dagegen spricht, dass sich Smitty mit seinem richtigen Namen vorgestellt hat. Wir konnten ihn einwandfrei identifizieren. Er stammt aus Ohio, wo er auf der Farm seiner Großmutter aufwuchs.«

»Klingt nicht gerade nach einem Verbrecher«, meinte Phil.

»Zugegeben.«

»Bleiben also zwei Hauptverdächtige, die wir uns zumindest näher ansehen sollten«, fasste Mr. High zusammen, »nämlich Dekan Wilkins und Malcolm Malusic.«

»So ist es, Sir. Die Frage ist, wie wir vorgehen wollen.«

»Wir machen weiter wie bisher«, sagte ich entschieden. »Wir haben keine andere Wahl.«

»Sie meinen zweigleisig ermitteln? Einen weiteren Agenten an der Universität einschleusen?«

»Ja, Sir.«

Mr. High atmete tief durch, schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht, Jerry. Bis jetzt war diese Taktik nicht von sehr großem Erfolg gekrönt, und das ist weit untertrieben.«

»Aber wir haben gar keine andere Wahl, Sir«, wandte ich ein. »Wenn wir jetzt mit einem gerichtlichen Durchsuchungsbescheid losmarschieren und das Universitätsgelände auf den Kopf stellen, werden wir rein gar nichts finden.«

»Jerry hat Recht, Sir«, pflichtete Phil mir bei. »Wer immer hinter Annies und Smittys Verschwinden steckt, rechnet sicher damit, dass wir anrücken werden, also hat man vorgesorgt. Mit einer offiziellen Ermittlung würden wir einen Haufen Porzellan zerschlagen und vermutlich einer Reihe von Leuten einen ziemlichen Schreck einjagen, aber das wär’s auch schon. Erreichen werden wir nichts damit.«

»Ich fürchte, Sie haben Recht, Gentlemen«, sagte Mr. High tonlos. »Aber wie sieht die Alternative aus?«

»Die Alternative besteht darin, einen weiteren Agenten an der Uni einzuschmuggeln, der sich um Malusic kümmern wird, und dabei gleichzeitig Druck auf Wilkins auszuüben. Auf diese Weise werden wir vielleicht etwas erfahren.«

»Einverstanden«, sagte Mr. High. »Und wen sollen wir an die Universität schicken, Jerry? Sie?«

»Glauben Sie mir, Sir, ich würde den Job liebend gern erledigen«, versicherte ich. »Aber zum einen kennt man dort mein Gesicht, und zum anderen bin ich wohl schon ein wenig zu alt, um den Studenten zu spielen.«

»Trag’s mit Fassung, Kumpel«, murmelte Phil.

»Stattdessen«, fuhr ich fort, die boshafte Bemerkung meines Partners geflissentlich überhörend, »schlage ich vor, einen jungen G-man für die Aktion anzuheuern, der genau das richtige Alter hat, und obwohl ich mit seinen Arbeitsmethoden nicht immer einverstanden bin, denke ich, dass er der richtige Mann für den Job ist.«

»Denken wir jetzt an denselben G-man?«, fragte Mr. High und blickte mich verblüfft über den Schreibtisch an.

»Ich denke schon, Sir«, erwiderte ich grimmig. »Ich denke schon …«

***

»Na, was sagst du?«

Special Agent Donna Sullivan hatte das breite Lächeln des Siegers im Gesicht, als sie den Schalter des elektrischen Seilzugs betätigte und die Zielscheibe heranfuhr, auf die sie soeben das Magazin ihrer Dienstwaffe geleert hatte.

»Sieh dir das an, Cotton – sechzehn Kugeln, davon die Hälfte genau ins Schwarze.«

»Nicht schlecht«, meinte Will Cotton und warf seiner Partnerin einen geringschätzigen Blick zu. »Für ein Mädchen …«

»Für ein Mädchen?« Donnas hübsche Züge zerknitterten vor Empörung. »Das ist doch die Höhe! Wann wirst du endlich einmal zugeben, dass es Dinge gibt, die wir Frauen genauso gut können wie ihr Männer, du verdammter Macho?«

»Wenn es ums Schießen geht – überhaupt nicht«, gab Will mit selbstsicherem Grinsen zurück.

Dann trat er kurzerhand an den Schießstand und fuhr Donnas Zielscheibe wieder hinaus, jedoch nicht nur auf die 30- Yards-Distanz, auf die Donna ihre Schießübungen abgehalten hatte, sondern auf 50 Yards.

»Pass auf, Partner«, sagte Will feixend – dann riss er blitzschnell seine SIG Sauer aus dem Holster, nahm sie beidhändig in den Anschlag, und sechzehn Mal hintereinander krachte die Waffe, schickte Projektil um Projektil auf Reisen. In einem jähen Reflex griff sich Donna an die Ohren, trotz des Gehörschutzes, den sie trug.

Schließlich verriet ein leeres Klicken, dass das Magazin leer gefeuert war. Will trat an den Schaltkasten und betätigte ihn, ließ die Zielscheibe heranfahren.

Durch den sich lichtenden Pulverdampf näherte sich das Ziel, das aus einem weißen Stück Karton mit aufgemalter Zielscheibe bestand – und Donna traute ihren Augen nicht.

Dort, wo sich eben noch das etwa handtellergroße schwarze Innere der Zielscheibe befunden hatte, das von ihren acht Kugeln durchschlagen worden war, klaffte jetzt ein einziges großes Loch.

William »Will« Cotton hatte es mit seinen Kugeln kurzerhand ausgestanzt …

»Was sagst du jetzt? Sechzehn Schuss, sechzehn Mal ins Schwarze. So muss es sein.«

Donna starrte ihn fassungslos an.

»Angeber …« Das war alles, was sie hervorbrachte. Dann wandte sie sich um und verließ den Schießstand.

»Ach, komm schon«, stichelte Will, der ihr auf den Fersen blieb. »Dich ärgert es doch nur, dass du die Wette verloren hast. Das heißt, ich werde von dir zum Essen eingeladen, Sullivan. Einmal Steak mit allem Drum und Dran.«

»Von mir aus«, stöhnte Donna, während sie am Ausgang ihren Gehörschutz und die Schutzbrille abgab, die man laut Dienstvorschrift während des Schießtrainings zu tragen hatte. »Du bekommst ein Steak, du alter Aufschneider. Ich hoffe, du kriegst davon die …«

Der Rest von dem, was Donna sagen wollte, wäre für eine Tochter aus höherem Hause äußerst unschicklich gewesen. Wills Handy, das in diesem Moment laut trillerte, ersparte ihr die Blamage.

»Ja?«, meldete sich der junge G-man, während er mit Donna hinaus in die warme Vormittagssonne Kaliforniens trat. Als er hörte, wer am anderen Ende war, zeigte sich ein breites Grinsen auf seinen Zügen. »Ach, du bist es, Onkel Jeremias – schön, von dir zu hören …«

***

»Ich habe es dir schon oft gesagt«, knurrte ich, »nenn mich nicht so, okay?«

»Aber du bist doch mein Onkel, oder nicht?«, plärrte die Stimme aus dem Handy besserwisserisch – und der freche Bursche am anderen Ende hatte sogar Recht damit.

Will Cotton war tatsächlich mein Neffe – der Spross meines um einige Jahre älteren Bruders, der sich entschlossen hatte, in meine Fußstapfen zu treten und ebenfalls zum FBI zu gehen.

Anfangs war ich darüber nicht sehr begeistert gewesen, denn abgesehen von unseren Nachnamen hatten Will und ich so gut wie nichts gemeinsam.

Er war ein junger Heißsporn, der seine Fälle am liebsten mit der Dienstwaffe löste und lieber zuerst ein Magazin leer schoss, ehe er damit anfing, Fragen zu stellen. Schon oft hatte ich ihm einzubläuen versucht, dass ein seriöser G-man, der immerhin Beamter unserer Regierung ist, nicht so handelt – aber das war meinem Neffen ziemlich gleichgültig.

Die Liste seiner Dienstvergehen war endlos, sein Selbstbewusstsein ebenso groß wie seine Klappe. Aber all das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Junge ein verdammt guter G-man war. Auch wenn ich das vor ihm nie im Leben zugegeben hätte.

Die Aufklärungsquote, die er zusammen mit seiner Partnerin Donna Sullivan vorzulegen hatte, war die höchste im ganzen District von Los Angeles und durchaus mit Phils und meiner zu vergleichen.

Und doch waren wir so unterschiedlich, wie man nur sein kann. Vielleicht hatte die Verwaltung im Washingtoner Hauptquartier Will deshalb in weiser Voraussicht nach Los Angeles versetzt, ans andere Ende der Vereinigten Staaten, rund 5000 Meilen von mir weg.

Doch es gab immer wieder Situationen, in denen sich eine Zusammenarbeit nicht vermeiden ließ. So wie diese …

»Ich habe es dir schon so oft gesagt«, zwang ich mich mühsam zur Ruhe. Will hatte eine Art an sich, die mich im Handumdrehen zur Weißglut bringen konnte. »Mein Name ist Jerry …«

»Schön. Also gut, Jerry. Wie geht’s?«

»Leider nicht sehr gut, Kleiner«, gestand ich. »Ich brauche deine Hilfe.«

»Was?« Am anderen Ende herrschte für einen Moment Schweigen – eine Seltenheit, wenn man mit Will Cotton telefoniert. »Sag das bitte noch mal ganz langsam, damit ich das richtig genießen kann: Der große Jerry Cotton braucht meine Hilfe

»Lass den Blödsinn«, knurrte ich. »Es geht nicht um mich, sondern um einen Fall.«

»Lass hören«, forderte mein Neffe.

»An der Columbia-Universität hat es in den letzten Wochen drei mysteriöse Todesfälle unter den Studenten gegeben«, berichtete ich knapp. »Angeblich nur Unfälle, aber tödliche, und die Häufung dieser Unfälle hat uns stutzig gemacht. Unsere Erkundigungen vor Ort ergaben jedoch keinen Hinweis auf ein Verbrechen.«

»Und?«

»Vor ein paar Tagen verschwand zudem eine Assistentin der medizinischen Fakultät. Wir beschlossen, unsere Taktik zu ändern und eine Agentin einzuschleusen, die undercover in der Sache ermitteln sollte.«

»Verstehe. Guter Plan.«

»Von wegen«, widersprach ich. »Irgendwie scheint die Sache aufgeflogen zu sein. Unsere Agentin ist seit heute Mittag verschwunden. Und das legt nahe, dass mehr hinter diesen Dingen steckt, als wir bislang angenommen haben.«

»Verdammt«, sagte Will. »Ich meine, das ist ziemlich beschissen – aber was hat das mit mir zu tun?«

»Ganz einfach, Kleiner. Wir haben vor, einen weiteren Agenten an der Columbia einzuschleusen, der sich dort umsehen soll. Es ist ein verdammt gefährlicher Job, und ich würde ihn selbst machen, aber leider …«

»… hast du dafür schon ein paar Jährchen zu viel auf dem Buckel«, frotzelte Will.

Nun, so groß war der Altersunterschied zwischen Will und mir nun auch nicht. Wie gesagt, er ist der Sohn meines viel älteren Bruders, und als dieser heiratete und Vater wurde, war ich selbst noch ein Kind und wuchs in der Obhut meiner Tante Henny auf.

»Ich habe bei dem Job an dich gedacht, Will. Du weißt, dass ich nicht mit dir übereinstimme, was deine Methoden betrifft, aber ich denke, dass du für diesen Job der richtige Mann bist. Also?«

»Wow«, machte Will. »Das klingt ja fast schon wie ein Lob …«

»Übertreib’s nicht, Kleiner«, beschwichtigte ich. »Es ist nur ein Job. Also?«

»Ich weiß nicht, Jerry. So gern ich dir helfen würde – aber ich an einer Universität? Ich bin froh, dass die Zeiten hinter mir liegen. Du kennst mich, ich würde dort auffallen wie ein bunter Hund. Mein eigenes Diplom hab ich nur deshalb bekommen, weil ich ganz gut im Football war. Das Studieren hat mir nie besonders gelegen. Für meinen Geschmack waren da zu viele Typen, die den ganzen Tag nur gequatscht haben und …«

»Krieg dich wieder ein, Junge. Du sollst nicht deine Prüfungen wiederholen, sondern nur die Augen offen halten.«

»S

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