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Jerry Cotton - Folge 2274

Ich – Gefangener der ›Domäne‹

Als er zu sich kam, konnte er nichts sehen.

Seine Augen waren blind, bedeckt von Schichten von Verband, mit denen sein Kopf umwickelt war. Er spürte den Schmerz der Narben, und er hörte das kalte Geräusch von Schritten auf blankpolierten Fliesen. Antiseptischer Geruch stieg in seine Nase, und die Erinnerung kehrte zurück.

Neben sich vernahm er auch leise Stimmen, die in gedämpftem Ton miteinander sprachen. Schließlich schickte sich jemand an, den Verband um seinen Kopf zu lösen.

Er spürte, wie sich sein Pulsschlag beschleunigte.

Er konnte es kaum erwarten, sein Gesicht zu sehen …

Der Assistenzarzt arbeitete zügig.

Schon konnte er erkennen, wie es heller wurde, als das grelle, kalte Licht der Zimmerbeleuchtung die immer dünner werdenden Schichten vom Verband durchdrang.

Er spürte, wie sich sein Pulsschlag beschleunigte. Dann, endlich, war es so weit. Die letzte Schicht von Verband wurde gelöst und zum ersten Mal seit undenklich langer Zeit konnte er wieder frei atmen.

Die Polster aus Mull, die seine Augen bedeckt hatten, wurden entfernt, und das gleißende Licht der Neonröhre flutete blendend auf ihn herab.

Er blinzelte, schirmte die Augen, um sich gegen das Licht zu schützen, das in seinen Augen schmerzte. Dann, nach einigen Sekunden, legte sich der Schmerz.

»Wie fühlen Sie sich?«, fragte eine Stimme unmittelbar neben ihm.

Er wandte den Kopf, blickte an der Gestalt hoch, die neben dem Bett stand und auf ihn herabblickte.

Sie trug einen grünen OP-Kittel, dazu eine Maske vor dem Gesicht, die ihre Züge verhüllte. Es war eine Frau mittleren Alters, und er erinnerte sich, dass sie es gewesen war, die die Operation durchgeführt hatte.

Ihr Name war Sigma. Sigma 36.

»Danke«, presste er hervor, ein wenig überrascht über den Klang seiner eigenen Stimme. Der Frequenzmodulator, den man ihm eingepflanzt hatte, funktionierte also, änderte Höhe und Tonfall seiner Stimme.

»Waren Sie … erfolgreich?«

Der Mann im Bett sandte der Ärztin einen fragenden Blick, der zugleich hilflos und fordernd war.

Stumm blickte sie zunächst auf ihn herab.

»Sehen Sie selbst«, sagte sie dann und deutete ans Fußende des Bettes.

Erst jetzt sah er, dass dort ein Spiegel stand. Er brauchte sich nur ein wenig aufzurichten, um hineinzublicken und zu sehen, wie das Ergebnis der Operation ausgefallen war.

Einen Augenblick zögerte er, fürchtete sich fast davor, es zu nun. Doch die Entscheidung dafür war bereits vor vielen Wochen gefallen – ändern konnte er es ohnehin nicht mehr …

Langsam richtete er sich im Bett auf, blickte zögernd an sich herab – und in den Spiegel, der am Fußende des Betts aufgestellt worden war.

Das Ergebnis war verblüffend – in jeder Hinsicht.

Die Ärzte hatten ganze Arbeit geleistet.

»Und«, wollte die Frau mit der Maske wissen.

»Ich bin beeindruckt«, gab er zurück.

»Wie ist Ihr Name?«

Der Operierte brauchte keinen Augenblick lang nachzudenken. »Mein Name ist Edward G. Brandon«, gab er zurück. »Ich bin General Manager bei Future Net Systems …«

***

Gloria Brandon war allein.

Einmal mehr.

Starr wie eine Statue stand die schlanke Frau vor dem großen Fenster ihrer Penthouse-Wohnung, jenseits dessen sich das gewaltige Panorama des nächtlichen Manhattan ausbreitete: mit seiner funkelnden Skyline, der blinkenden Neonreklame und dem nicht enden wollenden Fluss von Lichtern, der sich durch die Straßen zog.

Doch Gloria hatte keinen Sinn für die leuchtenden, glitzernden Wunder der Stadt. Alles, was sie sah, war ihr Abbild, das sich im Fenster spiegelte. Und was sie sah, gefiel ihr nicht.

Sie weit jenseits der vierzig. Sie war nicht schlank, sondern vielmehr hager. Ihr Busen war schlaff geworden. Falten hatten sich in ihr Gesicht gegraben, ihr rotblondes Haar war trocken und splissig.

Es war lange her, dass sich Gloria attraktiv gefühlt hatte. Ihr Aussehen hatte in den letzten Jahren verloren, und sie wusste es.

Und Edward wusste es auch.

Gloria lachte bitter, genehmigte sich noch einen Schluck aus der Wodka-Flasche, die sie in Händen hielt. Wozu ein Glas nehmen? Sie hatte sich in ihrem Leben viel zu lange mit derartigen Nebensächlichkeiten beschäftigt …

Offiziell befand sich ihr Mann auf einer Geschäftsreise in Washington, um der dortigen Niederlassung von Future Net einen Besuch abzustatten – doch Gloria wusste es besser.

Sie wusste, dass er bei ihr war, dass er vielleicht gerade jetzt, in diesem Augenblick, in ihren Armen lag und ihre junge, straffe Haut liebkoste …

Allein der Gedanke daran ließ die hagere Frau erschaudern. Sie schüttelte sich, nahm erneut einige Schlucke aus der bereits fast leeren Flasche. Gloria wankte. New York zu ihren Füßen begann hin und her zu schwanken, doch sie ignorierte es.

Viel zu lange hatte sie mitgespielt, hatte sie zugesehen, wie ihr Mann sie hinterging, ohne etwas dagegen zu unternehmen. In seinem Büro wussten es wahrscheinlich alle. Sie alle lachten über sie. Wenn sie ins Büro kam, um ihren Mann zu besuchen, lächelten ihr alle scheinheilig entgegen – schließlich war sie die Frau des General Manager. Doch kaum wandte sie ihnen den Rücken zu, machten sie sich über sie lustig.

Wieso nur hatte sie sich das all diese Jahre bieten lassen? Warum?

Sie vermochte es nicht zu sagen – und mit jedem Schluck, den sie nahm, fiel ihr noch weniger dazu ein. Alles, was sie wusste, war, dass ihr Mann sie belogen hatte. Edward war nie in Washington angekommen, das hatte der Detektiv, den sie beauftragt hatte, zweifelsfrei bestätigt. Also brauchte sie nur noch zwei und zwei zusammenzuzählen, und es gehörte nicht viel, um darauf zu kommen, dass er bei ihr war.

Bei Sarah Phobes.

Phobes war das, was man ein Naturtalent nannte.

Eine blonde, attraktive Frau Mitte zwanzig, die nur mit dem Hintern zu wackeln brauchte, um der gesamten Belegschaft den Verstand zu rauben. Innerhalb nur eines Jahres hatte Sarah es geschafft, von einem Volontärsposten zur obersten Pressesprecherin von Future Net aufzusteigen – und Gloria hegte keinen Zweifel daran, wie die ehrgeizige junge Frau dies geschafft hatte ….

Sarah Phobes war ein Luder, ein falsches Ding, das nur die eigene Karriere im Kopf hatte. Was oder wen sie damit zerstörte, war ihr völlig gleichgültig. Sie nahm sich einfach, was sie wollte. Zuerst den Job. Und nun auch noch Edward …

Gloria spürte, wie unbändiger Zorn in ihr hochkochte.

Rasch hob sie die Flasche an ihren Mund, um ihre Wut mit Wodka abzulöschen – doch das verdammte Ding war leer, enthielt nicht mehr einen lausigen Tropfen.

Frustriert warf Gloria die Flasche von sich, schmetterte sie zu Boden, so dass sie klirrend in Tausend Splitter zersprang.

Im selben Moment zerbrach auch etwas in Gloria – und sie fasste einen folgenschweren Entschluss.

Sie würde nicht länger nur das Opfer sein.

Nicht mehr.

Lange genug hatte sie stillgehalten, hatte dem Treiben ihres Mannes tatenlos zugeschaut, hatte sie sich von rücksichtslosen Frauen wie Sarah Phobes herumstoßen lassen.

Aber nun war Schluss damit.

Endgültig.

In einem jähen Entschluss wandte sich Gloria um, verließ den Living-room.

Sie kannte das Versteck, in dem ihr Mann den Schlüssel zu Sarahs Apartment aufbewahrte, hatte sich heimlich eine Kopie davon anfertigen lassen. Mit einer fahrigen Bewegung steckte sie den Nachschlüssel ein und verließ dann die Wohnung, schloss nicht einmal die Tür hinter sich.

Mit schweren, wankenden Schritten ging sie zum Aufzug. Sie ignorierte die fragenden Blicke des Liftboys, ließ sich hinunter zur Tiefgarage bringen.

Dort stand der Porsche, den Edward ihr einst zum Geburtstag geschenkt hatte.

Und im Handschuhfach lag ein Revolver …

***

Mit schrillem Quietschen drehten die Reifen durch, als Gloria Brandon Vollgas gab. Schlitternd raste der Porsche die breite Straße hinab, schlug dabei gefährliche Haken.

Gloria hatte Mühe, das Fahrzeug auf Kurs zu halten. Sie hatte das Gefühl, durch einen engen Tunnel zu blicken, der ihr nur ein winziges Blickfeld gewährte. Sie bemerkte nicht den Lastwagen, der von rechts kam und dessen Fahrer eine Vollbremsung einlegen musste, sah nicht die Fußgänger, die sie um ein Haar überfuhr.

Ihre Gedanken waren bereits auf ihr Ziel fixiert, galten nur einer Frau: Sarah Phobes.

Immer wieder stellte sie sich vor, wie sich Edward und Sarah über das Laken wälzten, nackt und eng umschlungen. Und jeder dieser Gedanken brachte sie noch mehr in Rage, versetzte ihr Blut noch mehr in Wallung.

Mit atemberaubendem Tempo schoss ihr Wagen durch die nächtliche Stadt. Sporadisch riss sie am Lenkrad, kaum fähig, das pfeilschnelle Geschoss zu kontrollieren. Den Weg zu Sarah Phobes’ Apartment kannte sie auswendig – wie oft war sie heimlich hierher gefahren, war ihrem Mann gefolgt, wenn er wieder einmal vorgegeben hatte, an einem dringenden Meeting teilnehmen zu müssen. Und immer hatte sein Wagen hier geparkt – vor diesem noblen Mietshaus im Herzen von Greenwich Village!

Gloria stieg in die Eisen, als die vertrauten Formen des Hauses am Ende des Tunnels auftauchten. Irgendwie brachte sie es fertig, den Porsche an den Straßenrand zu steuern. Es gab ein dumpfes Geräusch, als die Reifen über den hohen Bordstein sprangen.

Mit fahrigen Bewegungen öffnete sie das Handschuhfach und entnahm ihm den Revolver, den sie vor ein paar Monaten gekauft hatte. Edward war sogar dabei gewesen, hatte ihr zum Kauf geraten. Im Notfall müsste sie sich schützen können, hatte er gesagt – und wahrscheinlich dabei gehofft, dass sie sich im Suff irgendwann selbst eine Kugel durch den Kopf jagen würde …

Gloria lachte bitter.

Diesen Gefallen würde sie ihm nicht tun …

Sie stieg aus dem Wagen, wankte auf das Gebäude mit der Nummer 5638 zu.

Noch nie hatte sie es von innen gesehen. Doch sie war nicht überrascht, dass es neu renoviert war und prunkvoll ausgestattet. Nach der glänzenden Karriere, die Sarah Phobes bei Future Net hingelegt hatte, verdiente sie geradezu unanständig viel Geld und konnte sich einen Wohnort wie diesen leisten – ein weiterer Grund, weshalb Gloria sie hasste. Ihr ganzes Leben lang war Gloria stets nur die Frau des überaus erfolgreichen Edward Brandon gewesen, die Gattin des General Manager von Future Net. Nie hatte sie gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen – doch all das würde sich ändern.

Noch in dieser Nacht …

Schwerfällig trampelte sie zum Fahrstuhl, drückte den Knopf für die zehnte Etage.

Sie wusste, dass Sarah dort oben wohnte, hatte oft genug hinaufgeschaut, während sie unten auf der Straße im Wagen gesessen hatte. Durch das Fenster hatte sie gesehen, wie Sarah und ihr Mann sich geküsst hatten, wie sie dann im Schlafzimmer verschwunden waren, um es bei hellem Licht miteinander zu treiben …

Gloria spürte Übelkeit in sich hochsteigen und wusste nicht, ob es vom Alkohol kam oder vom Fahrstuhl, der sie summend hinauf zum zehnten Stockwerk trug. Mit leisem Klingeln öffneten sich die Türen, und Gloria stürzte hinaus auf den mit himmelblauem Teppich ausgeschlagenen Korridor.

Der Schlüssel, den sie sich hatte nachmachen lassen, hielt sie in der linken Hand, in der Rechten den Revolver.

Auf weichen Beinen wankte Gloria durch den Gang. Die Wut und die Frustration in ihrem Inneren hatten sich zur Besessenheit gesteigert, der Alkohol nahm ihr alle Skrupel. Sie war wild entschlossen zu schießen, sie würde die Sache diese Nacht zu Ende bringen.

Diese Nacht …

1018.

Gloria schluckte, als sie vor der Tür von Sarah Phobes’ Apartment stand. Für einen kurzen Moment zögerte sie – dann steckte sie behutsam den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn vorsichtig herum. Es klickte leise, als die Tür aufsprang …

Sarah war so unvorsichtig gewesen, von innen keine Kette vorzulegen. Ein Leichtsinn, der sich rächen würde, dachte Gloria triumphierend.

Sie hatte die Wohnung noch nicht ganz betreten, als sie es bereits hörte: Leise, spitze Schreie, dazu gleichmäßiges, heiseres Stöhnen. Beides kam aus dem Schlafzimmer, aus dem gedämpftes Licht auf den Flur fiel.

Gloria atmete tief durch, schloss die Augen.

Also doch, sie hatte richtig vermutet. Edward hatte sie schmählich hintergangen. Nun würde sie handeln …

Auf leisen Sohlen schlich sie dem Lichtschein entgegen, der aus dem Schlafzimmer fiel, begleitet von schmutzigen, wolllüstigen Geräuschen.

Sie erreichte die Tür und berührte sie mit ihrer Linken, während sich der Zeigefinger ihrer rechten Hand um den Abzug des Revolvers legte. Verstohlen blickte Gloria durch den Spalt, sah wilde Schatten an der Wand, erkannte die Silhouette einer nackten Frau, deren Oberkörper sich rhythmisch auf und ab bewegte.

In diesem Moment fielen die letzten Skrupel, die Gloria noch gehabt hatte. Irrsinnige Wut packte sie und schwämmte den letzten Rest von Vernunft hinweg, ließ sie den Revolver in Anschlag reißen. Sie biss die Zähne zusammen, versetzte der Tür einen Stoß und sprang ins Schlafzimmer.

Der Anblick war überraschend und erschreckend zugleich.

Die Frau im Bett war Sarah Phobes.

Sie war splitternackt. Ihr langes blondes Haar hing wallend über ihre Schultern, auf ihrem makellosen Körper glänzten winzige Schweißperlen, ihre vollendeten Brüste erhoben sich in wüster Erregung.

Doch der Mann, der unter ihr lag und dessen Männlichkeit sie mit der ganzen Kraft ihres jugendlichen Körpers liebkoste, war nicht Edward Brandon!

Verwirrt prallte Gloria zurück, ihr benebelter Verstand stand vor einem Rätsel.

Die beiden Liebenden fuhren hoch, als sie den Eindringling bemerkten. Mit hellem Kreischen sprang Sarah von ihrem Liebhaber und aus dem Bett, wollte geschockt und in heilloser Verwirrung die Flucht ergreifen.

Gloria war verblüfft, wusste nicht, was sie tun sollte – also tat sie das, was sie ohnehin vorgehabt hatte, was ihr alkoholisierter Geist ihr die ganze Zeit eingeredet hatte.

Sie drückte ab.

Der Revolver in ihrer rechten Hand zuckte, es gab einen entsetzlichen, ohrenbetäubenden Knall – und Sarah Phobes’ makellos weiße Haut explodierte in grellem Rot.

»Neeeein!«, schrie der Mann auf, als er sah, wie die junge Frau blutüberströmt niedersank, eine klaffende Wunde in der Seite. »Neeeein …!«

In panischer Verwirrung fuhr Gloria herum, zielte auch auf den Mann, bereit, ein zweites Mal abzudrücken.

»Nein!«, sagte der Mann energisch und hob abwehrend die Hände. Nackt wie er war, schwang er sich aus dem Bett, trat auf Gloria zu.

»Nicht schießen!«, sagte er beschwörend und mit erstaunlicher Gefasstheit. »Ich weiß nicht, was für ein Problem Sie haben, Ma’am«, sprach er leise auf sie ein, »aber ich bin sicher, wir können darüber reden …«

»Nein«, würgte Gloria hervor, spürte einen dicken Kloß in ihrem Hals. »Bleiben Sie mir vom Hals, oder ich schieße …«

»Sie sind verwirrt, Ma’am«, stellte der Mann fest. »Sie sind betrunken. Sie wissen nicht, was Sie tun. Sehen Sie diese junge Frau?«

Er deutete auf Sarah, die am Boden lag und sich vor Schmerzen wand. Eine Lache von Blut breitete sich um sie herum am Boden aus.

»Sie braucht einen Arzt, sonst wird sie sterben. Nehmen Sie die Waffe weg, Ma’am, und lassen Sie mich einen Doktor rufen …«

»Nein«, sagte Gloria wieder. Ihre Hände zitterten, Tränen schossen ihr in die Augen, als ein Teil von ihr zu begreifen begann, was sie getan hatte.

»Na schön«, sagte der nackte Mann und kam noch näher, »dann lassen Sie mich wenigstens …«

Für einen winzigen Moment war Gloria abgelenkt – diesen Moment nützte der Mann geistesgegenwärtig. Mit einem mächtigen Satz sprang er vor – und noch ehe Gloria begriff, hatte er sie bereits erreicht und packte ihre Schusshand.

Gloria gab ein schrilles Kreischen von sich und drückte ab – doch die Kugel landete im Boden, schlug ein hässliches Loch ins Parkett. Im nächsten Moment hatte der Nackte ihr den Revolver entrungen und warf die Waffe von sich. Mit zwei weiteren Handgriffen hatte er Gloria zu Boden gerungen und ihr die Arme auf den Rücken gedreht, hatte sie mit routinierten Griffen festgenagelt.

»Ma’am«, stieß er leise hervor, »Sie sind hiermit verhaftet. Ich bin G-man des New Yorker FBI …«

***

Zu behaupten, dass mich Mr. Highs Anruf aus dem Schlaf gerissen hatte, wäre falsch gewesen. Ich hatte in dieser Nacht ohnehin noch kein Auge zugetan, als mich gegen ein Uhr der Anruf unseres SAC erreichte.

Mr. High hatte Phil und mich gebeten, uns unverzüglich im FBI-Quartier an der Federal-Plaza einzufinden – und am heiseren Tonfall unseres Chefs hatte ich sofort erkannt, dass etwas Schwerwiegendes vorgefallen sein musste.

Ich hatte Phil per Telefon verständigt und meinen Partner zwanzig Minuten später an unserer Ecke abgeholt. Weitere zehn Minuten später saßen wir beide im Büro unseres Special Agent in Charge, gespannt darauf, was uns Mr. High zu sagen hatte.

»Gentlemen«, begann der SAC, »ich habe Sie beide rufen lassen, weil ich weiß, dass Sie diskret arbeiten können. Und dass ein Geheimnis bei Ihnen beiden gut aufgehoben ist.«

»Aber, aber Chef«, sagte Phil augenzwinkernd. »Was ist denn los? Hat der Bürgermeister neuerdings ’ne Praktikantin?«

Mr. High sandte Phil einen Blick, der deutlich machte, dass er solche Sprüche momentan für unangebracht hielt.

Mein Partner räusperte sich und murmelte ein »Sorry, Sir«.

»Vor einer Stunde«, erklärte Mr. High, »kam es in Greenwich Village zu einem – wie soll ich es nennen? – Zwischenfall.«

»Was ist passiert?«, fragte ich.

»Eine junge Frau namens Sarah Phobes wurde in ihrem Apartment niedergeschossen.«

»Von wem?«

»Von einer Frau namens Gloria Brandon, die zum Zeitpunkt der Tat unter erheblichem Alkoholeinfluss stand. Dem wenigen zufolge, was die Polizeistreife ihr entlocken konnte, war sie offenbar eifersüchtig, glaubte, Phobes hätte ein Verhältnis mit ihrem Ehemann Edward Brandon.«

»Klingt nach einer ganz normalen Eifersuchtsgeschichte«, meinte Phil und schürzte die Lippen. »Tragisch, aber leider nicht ungewöhnlich. Was haben wir damit zu tun, Sir?«

»Der Punkt ist, Phil, dass Miss Phobes zum Zeitpunkt des Anschlags nicht allein in ihrer Wohnung war. Ein Gentleman war bei ihr, und die beiden waren – wie soll ich es ausdrücken? – in gegenseitige Intimitäten verstrickt.«

»Sie haben es miteinander getrieben«, drückte Phil es weit weniger dezent aus. »Verstehe. Und wer war der Kerl?«

»Lassen Sie mich raten, Sir«, bat ich. »War es Gloria Brandons Ehemann. Edward Brandon.«

»Nein, Jerry.« Mr. High schüttelte den Kopf. »Diesmal liegen sie leider völlig daneben.

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