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Jerry Cotton - Folge 2210

Fluchtpunkt L.A.

Ein metallisches Kreischen durchdrang die kahlen Korridore, als sich die Gittertüren der Zellen automatisch öffneten.

»Raustreten!« scholl die heisere Stimme des Wärters, als er den B-Block des Untersuchungsgefängnisses von L.A. County betrat.

Der Uniformierte klemmte sich seinen Schlagstock unter den Arm und begann, die Liste der Häftlinge durchzugehen, die bis zu ihrer Gerichtsverhandlung hier einsaßen.

»Ardante, Pedro?«

»Hier!«

»Beltrani, Georg?«

»Hier!«

»Blyers, Trevor G.?«

»Hier!«

»Cotton, William?«

»Ich bin hier, Sir …«

Als Will seinen Namen hörte, trat er aus der kleinen Zelle und wartete geduldig, bis der Wärter alle Namen auf der Liste aufgerufen hatte, dann formierte er sich mit den anderen Männern zu einem Zug, und der übliche Morgendrill begann.

Zuerst der Dauerlauf auf dem Gefängnishof.

Dann wurden die Gefangenen zu den Duschen gebracht, wo sie zwanzig Minuten Zeit hatten, ihre Morgentoilette zu erledigen.

Danach gab es Frühstück – einen zähflüssigen Brei aus Getreideschleim, der Will schon am ersten Morgen um ein Haar zum Kotzen gebracht hätte.

Seit zwei Wochen befand er sich nun in Untersuchungshaft – und konnte sich noch immer nicht an die Gesellschaft der Galgenvögel gewöhnen, die ihn ständig umgaben und mißtrauisch beäugten.

Dennoch mußte er sich eingestehen, daß er im Grunde einer von ihnen war.

In U-Haft gesteckt.

Ohne Anrecht auf Kaution.

Im Grunde schon jetzt verurteilt …

Nach dem Frühstück wurden die Männer wieder in ihre Zellen gebracht.

Die Mechanik schloß das schwere Eisengitter vor den beiden Quadratmetern, die Will Cottons Zuhause geworden waren, und der ehemalige G-man des FBI war wieder allein.

Allein mit sich und den Erinnerungen, die ihn quälten.

Müde ließ sich Will auf die Pritsche fallen, schloß die Augen, während ihn wieder die Erinnerung an die Ereignisse heimsuchte, die ihn in diese Lage gebracht hatten.

Obwohl alles erst zwei Wochen zurücklag, hatte Will das Gefühl, als trennte ihn eine Ewigkeit von der Zeit, in der er Special Agent des FBI gewesen war und die Marke und das Holster mit der SIG Sauer getragen hatte.

Gesichter tauchten vor seinem geistigen Auge auf – Schatten einer Zeit, die weit hinter ihm zu liegen schien. So vieles war inzwischen geschehen.

Will sah Donna Sullivan vor sich, die neue Partnerin, die ihm nach dem Tod von Ken Badler zugeteilt worden war.1)

In dem Augenblick, als Donna von der Sache erfahren hatte, hatte der Blick der jungen Frau eine Mischung aus Unglauben und Entsetzen verraten. Ein Blick, den Cotton einfach nicht vergessen konnte. Auch sie hielt ihn für schuldig …

Er sah Richard Steel, seinen Vorgesetzten, wie er ihm die Marke und die Dienstwaffe abnahm.

Er sah Cindy, Alicia und Trisha, die drei hübschen Girls, mit denen zusammen er eine alte Filmstudiohalle an der Figueroa Street bewohnte. Sehnlich wünschte er sich zurück in jene glücklichen Tage.

Und er sah seinen Onkel Jerry Cotton vor sich, fragte sich, wie er über die ganze Sache denken mochte. Jerry hatte immer gesagt, daß Wills Heißblütigkeit ihm eines Tages zum Verhängnis werden würde. Nun sah es ganz danach aus, als würde der erfahrene New Yorker G-man recht behalten …

Will mußte daran denken, wie er nach Los Angeles gekommen war. Er war von der FBI-Akademie in Quantico direkt nach L.A. versetzt worden.

Kalifornien! Ein Volltreffer, hatte er gedacht – und nun?

Damals war ihm die Welt nicht groß genug erschienen – jetzt endete sie an den Gitterstäben seiner Zelle.

Etwas war mächtig schiefgelaufen, und er wußte noch nicht mal, was genau.

Der Anruf …

Das alte Lagerhaus …

Es war, als würde Will einen Film betrachten, so unwirklich kam ihm alles vor. Er sah sich selbst auf seiner Harley, beobachtete, wie er seine Maschine vor dem alten Gemäuer abstellte, abstieg und wartete …

Und wartete …

Wartete …

»Hey, Cotton!« riß ihn die Stimme des Wärters aus seinen Gedanken.

»Ja?« fragte Will und erhob sich von der Pritsche.

»Kommen Sie mit. Es ist Besuch für Sie da.«

Der Wärter betätigte den Mechanismus, der die Zellentür öffnete. Das Gitter glitt zur Seite, und Will trat vor.

»Umdrehen!« forderte der Wärter.

Will kam der Aufforderung nach und fühlte, wie sich die Metallspangen der Handschellen um seine Gelenke legten.

»Mitkommen!« ordnete der Wärter mit stoischer Gleichgültigkeit an. Das Schicksal seiner Gefangenen interessierte ihn so wenig wie die Footballergebnisse aus Indiana.

Will ließ sich von dem uniformierten Hünen durch den Zellentrakt geleiten. Sie passierten die Sicherheitssperren und erreichten schließlich den Besucherraum, der durch eine massive Wand aufgeteilt war. In der Mitte gab es ein winziges Fenster, das mit Draht vergittert war.

»Zehn Minuten!« sagte der Wärter, ehe er Will in den Raum ließ und die Tür sorgfältig hinter ihm abschloß.

Langsam, fast zögernd trat Will auf das Fenster zu – und erkannte das Gesicht seiner Partnerin Donna Sullivan auf der anderen Seite.

»Hallo«, grüßte er, und ein erfreutes Lächeln huschte über seine Züge.

»Hallo«, erwiderte Donna kühl und mied die Blicke ihres ehemaligen Partners.

»Was führt dich zu mir?« fragte Will, während er auf dem kargen Hocker Platz nahm. »Kann ich dir etwas anbieten? Kaffee? Donuts?«

»Spar dir die Witze, Cotton!« rief Donna barsch. »Die Situation ist sehr ernst. Dir scheint das nur noch nicht klar zu sein!«

»Was willst du, Partner?« entgegnete Will. »Soll ich auf die Knie fallen und in Tränen ausbrechen?«

»Das wäre immerhin etwas«, sagte die junge Frau. »Dann hätte ich wenigstens den Eindruck, daß dir die Sache nahegeht.«

»Verdammt noch mal, sie geht mir nahe!« knirschte Will. »Aber das ändert nichts daran, daß ich unschuldig bin!«

»Das ist deine Version der Geschichte«, konterte Donna hart. »Ich fürchte nur, daß die wenigsten sie dir glauben werden.«

»Was ist mit den Kollegen?«

»Was erwartest du?« fragte Donna und strich sich eine Strähne ihres langen Haars aus dem Gesicht. »Sie meiden mich. Es ist, als wollten sie ihre Wut an mir auslassen, jetzt, da du nicht mehr da bist.«

»Tut mir leid«, sagte Will. »Ich muß hier raus, Donna. Ich muß meine Unschuld beweisen. Auf eigene Faust, wenn es sein muß!«

»Hör doch endlich auf damit, immer den Cowboy zu spielen. Das hat dich ja in diese furchtbare Situation gebracht! Das einzige, was du tun wirst, ist vor Gericht erscheinen und dich für deine Fehler verantworten!«

»Aber ich habe, verdammt noch mal, keinen Fehler gemacht!« beteuerte Will. »Ich habe diese Frauen nicht erschossen! Kannst du mir das nicht einfach glauben?«

»Das würde ich gern«, gab Donna kühl zurück. »Aber so wie die Dinge liegen …« Sie unterbrach sich, sandte ihm einen traurigen Blick. »Das Gericht wird entscheiden, Will. Was ich glaube, spielt keine Rolle.«

»Ach nein?« rief Will ihr nach, als sie aufstand und sich zum Ausgang wandte. »Was, bitte, spielt denn eine Rolle? Wir sind Partner, Sullivan, vergiß das nicht! Partner halten immer zusammen. Ich würde dir immer glauben … immer, hörst du?«

Donna wandte sich nicht mehr zu ihm um.

Sie verließ den Besucherraum, schloß die Tür hinter sich – und Will war wieder allein.

Allein mit seinen Erinnerungen – und der Wahrheit.

***

Williams letzte Worte klangen noch in Donna Sullivans Ohren, während die FBI-Agentin über den Parkplatz zu ihrem Wagen ging.

»Ich würde dir immer glauben«, hatte Will gesagt.

Das Dumme war, daß Donna nicht daran zweifelte.

So unterschiedlich sie in ihren Arbeitsmethoden waren und so sehr sie William Cottons rauhbeinige Art mitunter verabscheute, so sehr sie sein Macho-Gehabe haßte und so sehr sie ihn für einen ungehobelten Proleten hielt – so sehr vertraute sie ihm auch bei ihrer täglichen Arbeit.

In der kurzen Zeit, die sie jetzt zusammen ermittelten, waren sie schon mehrfach in Lebensgefahr geraten, und jedesmal hatte sich Donna auf ihren Partner hundertprozentig verlassen können.

Bis jetzt …

Als die junge Frau den Parkplatz erreichte, mußte sie erkennen, daß ihr Wagen von Reportern umlagert wurde.

In Windeseile hatte William Cottons Fall Schlagzeilen gemacht. Die Presse hatte sich wie eine Meute Aasfresser auf die Story des amoklaufenden G-man gestürzt und damit Höchstauflagen erzielt. TV-Sendungen, die den Fall Will Cotton zu ihrem Thema machten, versprachen höchste Einschaltquoten.

Die Sensationsgeilheit der Presseleute brachte Donna in Rage – entsprechend unterkühlt reagierte sie, als einer der Reporter ihr sein Mikrofon entgegenstreckte und ein zweiter eine Kamera auf sie richtete.

»Agent Sullivan«, sprach der Mann mit dem Mikrofon sie an. »Sie kommen gerade aus Mr. Cottons Zelle. Wie geht es ihm? Bedauert er seine Tat?«

»Kein Kommentar«, gab Donna zurück und wollte in ihren Wagen steigen.

»Als Williams Cottons frühere Dienstpartnerin müssen Sie seine Veranlagung doch schon früh erkannt haben. Wieso haben Sie nichts dagegen unternommen?«

»Kein Kommentar.«

»Welche Schritte wird der FBI gegen Special Agent William Cotton einleiten? Wird es zu einer disziplinarischen …?«

»Hören Sie!« unterbrach Donna den aufdringlichen Journalisten. »Wer oder was gibt Ihnen das Recht, Agent Cotton bereits im Vorfeld der Verhandlung zu verurteilen?«

»Nun«, antwortete der Reporter und lachte überlegen, »haben Sie denn das Videoband noch nicht gesehen, das meinem Sender zugespielt wurde?«

»Was? Äh … nein«, antwortete Donna und konnte ihre Verblüffung nicht verbergen.

»Dann möchte ich Sie herzlich einladen, sich heute abend die Sendung Files and Facts auf LA-Net anzuschauen. Da werden wir das Band zeigen. Und glauben Sie mir, danach wird es auf diesem Planeten keinen einzigen Menschen mehr geben, der William Cotton nicht für schuldig hält.«

Einen Augenblick lang rang Donna Sullivan um ihre Fassung. Am liebsten wäre sie dem unverschämt grinsenden Reporter an die Kehle gesprungen, aber das hätte alles nur noch schlimmer gemacht.

Sie kniff die Lippen zusammen, öffnete die Tür ihres Dienstwagens und stieg ein. Rasch ließ sie den Motor an und trat aufs Gas, um die Journalisten, die den Wagen von allen Seiten belagerten, zu verscheuchen. Dann legte sie den Gang ein, fuhr mit quietschenden Reifen davon und schlug den Weg zum FBI-Quartier ein.

Unterwegs fragte sie sich, wie LA-Net an das Video gelangt sein mochte – das Bureau hatte strengste Geheimhaltung über das Beweismaterial verhängt.

Donna hatte dem Reporter nicht die Wahrheit gesagt – natürlich wußte sie von dem Video, und natürlich hatte sie es gesehen.

Was es zeigte, war mehr als schrecklich …

Eine Geiselnahme in einer Bank.

Vier Gangster stürmen in die Schalterhalle, nehmen die beiden Kassiererinnen gefangen.

Zehn Minuten vergehen.

Dann trifft Will Cotton am Ort des Geschehens ein und benimmt sich wie Rambo auf Urlaub.

Er platzt in die Halle, feuert wild um sich.

Zwei der Geiselnehmer werden getroffen und sind sofort tot, die beiden anderen leisten Gegenwehr.

Cotton deckt die gesamte Halle mit Feuer ein, trifft die beiden Kassiererinnen, schließlich auch die Gangster. Als die Ambulanz eintrifft, sind alle sechs Menschen tot – und Cotton spurlos verschwunden …

Donna schluckte hart.

Das Video war ein unwiderlegbarer Beweis. Kein Wunder, daß jedermann ihren Partner bereits als überführt ansah. Sie selbst hegte ja kaum noch Zweifel an seiner Schuld. Wenn dieses Band jetzt auch noch im Fernsehen gesendet wurde …

Donna langte beim FBI Field Office am Wilshire Boulevard an. Auch hier überall Ü-Wagen und Pressefahrzeuge.

Die junge Frau ignorierte sie, fuhr in die Tiefgarage des FBI-Quartiers und stellte ihren Wagen ab. Sie nahm den Lift nach oben. Während sie anschließend durch die Gänge schritt, konnte sie sich des Gefühls nicht erwehren, daß ihre Kollegen sie mit verstohlenen Blicken bedachten.

Ihr erster Weg führte sie ins Büro von Richard Steel, dem Special Agent in Charge von Los Angeles.

»Guten Morgen, Agent Sullivan«, begrüßte sie der dunkelhäutige Chef des FBI-Büros L.A. – doch seine von Sorgenfalten zerfurchte Miene zeigte, daß er diesen Morgen alles andere als gut fand.

»Guten Morgen, Sir.«

»Und? Was Neues von Will?«

»Er beteuert weiterhin seine Unschuld, Sir«, sagte Donna. »Allerdings wird ihm das nicht viel nützen …«

»Stimmt«, bestätigte Steel grimmig. »Dieses verdammte Videoband. Wenn die Geschworenen es erst gesehen haben …«

»Nicht nur die Geschworenen werden es sehen«, erklärte Donna betrübt. »LA-Net besitzt offenbar eine Kopie des Videos. Sie werden es heute abend zur Prime Time senden.«

»Verdammt!« Steel ballte die Fäuste. »Woher wissen Sie das?«

»Ein Reporter hat es mir gesteckt, und ich denke nicht, daß er gelogen hat.«

»Aber wie konnte das geschehen?« fragte der SAC verblüfft. »Es existiert doch nur dieses eine Band, und das befindet sich in guter Verwahrung. In der Asservatenkammer.«

»Offenbar gibt es eine undichte Stelle«, mutmaßte Donna. »Ich werde mich darum kümmern.«

»Tun Sie das, Sullivan.« Steel nickte. »Ich werde inzwischen zusehen, daß ich gegen den Sender eine einstweilige Verfügung erwirken kann. Das Band darf unter keinen Umständen gesendet werden.«

»Sind Sie sicher, Sir?« fragte Donna. »Ich meine, wenn Sie jetzt gegen den Sender vorgehen, wird die Presse daraus eine Riesensache machen und behaupten, wir wollten Will decken. Das würde ein schlechtes Licht auf den FBI werfen, oder nicht?«

»Ich weiß Ihre Besorgnis durchaus zu schätzen, Agent Sullivan«, versicherte Steel. »Aber ich werde nicht einen meiner Leute opfern, nur weil es politisch angemessen erscheint.«

»Aber …«

»Was erwarten Sie von mir, Agent Sullivan? Ich weiß selbst, daß sich Ihr Partner im Dienst bisweilen wie ein wildgewordener Büffel aufführt. Die Beschwerden gegen ihn füllen ganze Aktenordner, und es gibt fast keinen Wagen in unserem Fuhrpark, in den er nicht schon eine Delle gefahren hat. Aber er ist nun mal auch einer von uns! Er ist vom Dienst suspendiert, aber noch nicht verurteilt. Und solange das so ist, werde ich den Teufel tun, ihn einfach fallenzulassen. Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt?«

»Natürlich, Sir.« Donna errötete und blickte ein wenig beschämt zu Boden. Dann wandte sie sich auf dem Absatz um und verließ das Büro.

»Verdammt noch mal!« rief Steel ihr nach. »Was hat sich Cotton nur dabei gedacht?«

Donna verließ das Büro ihres Vorgesetzten, schlich betreten den Gang entlang zu ihrem Büro.

Die junge Agentin fühlte sich elend und innerlich zerrissen – alles, woran sie je geglaubt hatte, war dabei, sich aufzulösen.

Sie wußte nicht mehr, was sie denken sollte.

War William nun schuldig oder nicht?

Das Videoband ließ eigentlich keinen Zweifel daran. Dennoch hatten sie SAC Steels Worte sehr nachdenklich gemacht.

Wenn sie als Will Cottons Partnerin schon nicht mehr an seine Unschuld glaubte, wer sollte es dann noch tun?

Die Reporter? Die Geschworenen? Die Menschen zu Hause vor ihren Fernsehgeräten?

Donna erkannte, daß ihr Partner mit dem Rücken zur Wand stand, von allen verlassen und auf sich allein gestellt – und sie kam sich mies und schuftig vor.

Natürlich, Will Cotton konnte ein rotznasiger, aufgeblasener Windhund sein – aber er war auch ein zuverlässiger Partner, der sie noch nie im Stich gelassen hatte.

Es war nur recht und billig, wenn sie zu ihm stand. Sie beschloß, ihre Vorurteile von nun an beiseite zu lassen und so lange an Wills Unschuld zu glauben, bis seine Schuld zweifelsfrei erwiesen war. Und vielleicht gelang es ihr ja sogar, einen Hinweis zu finden, der Wills Version der Geschichte tatsächlich bestätigte.

Allerdings würde sie dazu Hilfe brauchen – und ihr fiel nur ein Mann ein, der in Frage kam, Will Cotton in dieser prekären Situation beizustehen.

Der Mann war sein leiblicher Onkel – und beim FBI so etwas wie eine lebende Legende.

Jerry Cotton.

***

Der Mann saß im Dunkeln. Nur ein wenig Licht fiel durch die Ritzen der Jalousie, und sein kantiges Gesicht wurde auch vom fahlen Flackern des Bildschirms leicht erhellt.

Voice scrambler assembled, meldete die Anzeige auf dem Monitor.

Ready to go …

Ein Lächeln huschte über die Züge des Mannes, als er sich den Kopfhörer mit dem Mikrofon aufstülpte und eine Folge von Zahlen in die Tastatur seines Terminals tippte.

Ein leises Tuten war im Kopfhörer zu hören, ehe sich die Stimme einer jungen Frau meldete.

»LA-Net, Nachrichtenredaktion. Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Guten Tag«, meldete sich der Mann am Computer – der Stimmscrambler sorgte dafür, daß seine Stimme am Ende der Leitung ganz anders ankam. »Ich würde gern Ihren obersten Boß, Mr. Nokes, sprechen.«

»In welcher Angelegenheit?«

»Sagen Sie ihm, daß es um das Geschäft geht, das er gestern abgeschlossen hat. Er wird sich erinnern.«

»In Ordnung.« Die junge Frau klang ein wenig verwirrt. »Warten Sie einen Augenblick …«

Sekunden vergingen, und eine Wartemelodie wurde in die Leitung geschaltet.

»Ja?« machte Stanley Nokes’ sonore Stimme dem erbärmlichen Gedudel schließlich ein Ende.

»Ich bin’s«, meldete sich der Mann im Dunkel. »Sie haben meine Lieferung erhalten?«

»O ja«, bestätigte Nokes, »und ich muß sagen, daß ich sehr zufrieden bin. Sie haben wirklich nicht untertrieben. Das Video ist ein Volltreffer. Es zeigt diesen irren G-man in voller Aktion. Das wird ein wahrer Quotenrenner.«

»Ich hatte Ihnen gesagt, daß Sie zufrieden sein würden. Kommen wir nun zum geschäftlichen Teil.«

»Sie bekommen das Geld natürlich. Ich habe unsere Anwälte bereits angewiesen, Ihnen die Summe auf dem Schweizer Nummernkonto gutzuschreiben, das Sie mir genannt ...

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