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Jens Jansen - letzter Fall?

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© 2017 Nina Janes

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback: 978-3-7439-1497-1
Hardcover: 978-3-7439-1498-8
e-Book: 978-3-7439-1499-5

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

1. Kapitel

Ich liege auf dem Sofa und schaue an die Decke. Gestern Abend hatte ich einen fürchterlichen Streit mit meiner Frau, darum schlief ich diese Nacht lieber auf dem Sofa.

Mein Name ist Jens Jansen, ich arbeite bei der Mordkommission St. Gallen. Der Beruf ist sehr anstrengend und ich mag ihn auch nicht besonders. Aber ich denke immer, andere haben’s auch nicht besser.

Der Wecker klingelt und ich stehe auf. Draussen ist es noch stockdunkel, aber daran habe ich mich langsam gewöhnt. Sogar im Sommer ist es dunkel, wenn ich aufstehe. Ich suche den Lichtschalter. Nach einer Weile kann ich ihn endlich finden. Ich schaue ein bisschen im Wohnzimmer umher. Es ist nicht sehr gross, aber ich finde es schön. Alle Wände sind gelb gestrichen. Wenn man die Wohnung betritt, ist man direkt im Wohnzimmer. Das graue, grosse Sofa ist ein Eck-Sofa. Zwar nicht mit Seesicht aber immerhin mit Fernsehsicht. Unter dem Fernseher liegt ein Teppich. Der ist wirklich nicht schön, aber wir hatten noch keine Zeit, uns einen neuen zu kaufen. In Gedanken an unser Wohnzimmer versunken, erschrecke ich als der Wecker zum 2. Mal klingelt. Ich stelle ihn immer zweimal, da es oft vorkommt, dass ich das 1. Läuten nicht höre. Ich stelle ihn rasch ab, damit ich niemanden aufwecke, besonders nicht meine Frau, da ich nicht am morgen schon streiten will. Ich schlendere in die Küche. Die Küche ist winzig klein. Aus dem Schrank nehme ich die Cornflakes und neben dem Abwaschtrog die Milch aus dem Kühlschrank. Ich setze mich an den Tisch der am Küchenfester steht und fange an meine Cornflakes zu essen. Ich bin ein schnell Esser. Darum bin ich in Minuten schon fertig. Ich lege alles an seinen Platz zurück, so wie ich das von meiner Frau gelernt habe, ausser dem Geschirr, das stelle ich in den Geschirrspüler und gehe leise in mein Zimmer. Gegenüber der Tür ist das Bett. Auf leisen Sohlen hohle ich meine Polizeiausrüstung und frische Kleider aus dem Schrank und gehe in das Badezimmer um mich dort anzuziehen, damit ich meine Frau unter keinen Umständen wecke. Im Badezimmer angekommen, ziehe ich mein blaues Pyjama aus und meine blaue Arbeitskleidung an. Wie langweilig, alles blau, ausser ich, ich bin Kreideweiss. Nachdem ich mich fertig umgezogen habe, gehe ich auf die Toilette, gegenüber der Toilette ist die Dusche. Eigentlich Dusche ich jeden morgen, aber heute nicht, da ich gestern Abend im Fitnessraum der Polizei Sport gemacht habe und anschliessend geduscht habe. Endlich bin ich fertig, ich gehe die Hände waschen. Dann gehe ich meiner Tochter Lisa auf Wiedersehen sagen. Ich will schon gerade gehen, als ich bemerke, dass ich den Gurt vergessen habe. Daher gehe ich nochmals in mein Zimmer und suche den Gurt. Nach gefühlten 5 Minuten kann ich ihn endlich finden. Meine Frau ist aber durch den Lärm und durch den Lichtstrahl erwacht und sagt mir: "Pass auf dich auf, Schatz." Dann schläft sie wieder ein. Ich war überrascht, sie scheint nicht nachtragend zu sein. Ich mache die Zimmertür langsam zu und schaue auf die Uhr. Mist, ich habe total die Zeit vergessen, also renne ich zur Tür und ziehe meine Jacke und meine Schuhe an. Natürlich haben die auch die blaue Farbe, so wie die restliche Bekleidung. Dann gehe ich runter in die Garage und steige in den Dienstwagen. Als wir neu hierher zogen, gab es viele negative Bemerkungen, dass ich einen Dienstwagen bekommen habe, den ich auch privat brauchen darf. Die Garage ist gross, so ca. 50 Autos haben drin Platz. Jeden Morgen, wenn ich mein Auto hole sind alle Autos noch da, und jeden Abend, wenn ich nach Hause komme auch. Ganz ehrlich ich fühle mich verarscht. Jeden Tag muss ich so früh zur Arbeit und komme erst spät am Abend nach Hause.

Ich schaue ob sicher kein Fahrzeug kommt und fahre aus der Garage. Draussen auf der Strasse steht ein Schild mit dem Strassennamen und der Nummer. Jeden Morgen lese ich das Schild. Steigstrasse 5, hier wohne ich. Ich biege rechts ab und fahre weiter. Auf der Fahrt bin ich in Gedanken versunken. Ich denke über meinen heutigen Tag nach und was mich alles erwarten wird. Natürlich habe ich wieder einmal die schlimmsten Gedanken.

Zurzeit habe ich keinen Fall, den letzten hatte ich gestern gelöst. Ich hoffe nicht, dass es schon wieder einen Mord gibt, nicht wegen dem Toten, sondern wegen meinen Überstunden, die ich immer machen muss wenn ich einen Fall habe.

Ich kann meine beiden ehemaligen Arbeitskollegen verstehen, dass sie gegangen sind. OK, der Hans wäre ein Jahr später pensioniert geworden. Deswegen habe ich immer viel zu viel Arbeit. Aber immer, wenn ich das meinem Chef sage, dann sagt er nur: "Du übertreibst!" Auch meine Frau glaubt mir nicht. Sie sagt immer: "Übertreibe doch nicht immer so und überhaupt, zuhause zu sein und immer alles putzen und waschen ist auch anstrengend." Ich würde trotzdem gern mit ihr tauschen. Wenn ich ihr sage, dass ich ihr nicht glaube und dass sie immer so übertreibt, dann wird sie zur Bestie und schreit mich an. Das war auch der Grund, warum ich diese Nacht auf dem Sofa geschlafen habe.

Plötzlich musste ich stark bremsen. Ich habe das Rotlicht nicht gesehen und als Polizist über ein Rotlicht zu fahren, das macht sich nicht sehr gut. Die Ampel ist endlich wieder grün und ich kann weiterfahren. Nach etwa 15 Minuten bin ich im Polizeipräsidium angekommen.

Ich stelle das Auto auf meinem persönlichen Parkplatz ab. Darauf steht „RESERVIERT FÜR JENS JANSEN“. Ich steige aus und gehe in das Polizeigebäude. Die Eingangshalle ist riesig. Gegenüber der Tür hat es einen Empfangsschalter. Hinter dem Empfangsschalter steht mein Kollege Bernhard. Er ist etwas älter als ich und ein netter Kerl. Gross ist er mit schulterlangen, braunen Haaren. Jedenfalls vermute ich, dass sie schulterlang sind, denn er hat sie zu einem Dutt zusammengebunden. Sein Gesicht ist weder hübsch noch hässlich. Er hat eine grosse Nase aber der Rest ist recht proportional. Bernhard liebt es, mich zu ärgern, darum verlangt er jeden morgen die Dienstmarke von mir, um mich passieren zu lassen. Wenn ich sie ihm nicht zeige, dann lässt er mich einfach nicht rein. Heute aber nicht. Ich gehe auf ihn zu und sage: "Hallo Bernhard". Es kommt aber kein Hallo zurück und die Tür springt auf. Verwundert drehe ich mich um und schaue ihn an. Ich merke, dass ihn etwas beschäftigt und frage ihn was er denn hat. Er sagt mir: "Meine Stiefmutter ist letzte Nacht gestorben. Sie hatte einen Herzinfarkt." Als er das sagt, merke ich, wie sich seine Augen mit Tränen füllen. Ich gebe ihm ein Taschentuch. "Danke, Jens, Danke". Ich kann ihm nicht mal bitte gern geschehen sagen, schon ist er nach hinten verschwunden. Ich höre nur noch das rauspressen des Schnodders. Auch mir kamen fast die Tränen. Zwar kannte ich seine Stiefmutter nicht, aber ich wusste, sie war die einzige die er noch hatte. Seine richtigen Eltern hatte er nie kennen gelernt und seinen Stiefvater hat er nicht gemocht. Die einzige Person die er jetzt noch hat, ist seine Frau. Ich hoffe fest für ihn, dass sie ihn unterstützt.

In Gedanken versunken merke ich, dass die Tür zu den Büros zugeht, ich renne, damit ich Bernhard nicht nochmals stören muss. Hinter der Tür liegen ganz viele Büros aneinandergereiht, links und rechts den Gang hinauf. Das erste Büro rechts ist für Diebstahl zuständig. Dort arbeiten 15 Männer und Frauen. Ihr Büro ist sehr gross, vermutlich um die gestohlenen Waren zu lagern. Aber es ist kalt eingerichtet. Die restlichen Büros schaue ich nie so genau an. Ich weiss welche Abteilungen es gibt, aber ehrlich gesagt, interessiert es mich gar nicht, wie es dahinter aussieht.

Mein Büro liegt zuhinterst. Weil ich alleine in meinem Büro bin, kann ich es so einrichten, dass es mir gefällt, da ich aber immer unter Strom bin und selten Zeit habe, ist es auch nicht persönlich eingerichtet, nur ein Bild von meiner Familie steht auf dem Pult und mein Diplom von der Polizeischule an der Wand.

Im Büro angekommen ziehe ich meine Jacke aus, hänge sie an den Kleiderständer und setzte mich auf den Bürostuhl. Es ist erst 5:50 Uhr. Wenn ich einen Fall bekomme, dann ist es dem Chef egal wie viele Überstunden ich dafür mache. Das einzige was ihn dann interessiert ist, dass er möglichst schnell gelöst wird. Somit kann es sein, dass ich wenn ich einen Fall habe bis zu 48 Stunden durcharbeiten muss. Diese Tage sind dann schon sehr hart.

Aber heute habe ich keinen Fall. Ich könnte mir das Büro etwas wohnlicher machen denke ich und schaue mich im Raum um. Er ist quadratisch mit einer hohen Decke und so richtig klein. Er hat vielleicht 12 Quadratmeter, so gross wie das Schlafzimmer zuhause. Hinter meinem Bürostuhl habe ich einen braunen, alten Schrank und neben dem Schrank so einen kleinen Kasten mit Akten drin. Mir bleiben noch 4 Minuten bis zum Arbeitsbeginn, also fange ich an die Zeitung des gestrigen Tages zu lesen. Sie ist nicht mehr interessant, alles kalter Kaffee, darum bin ich schnell in Gedanken versunken. In letzter Zeit denke ich viel über meinen Job nach. Manchmal würde ich gerne kündigen, aber ich habe Angst, es dann meiner Frau zu sagen. Seit ich alleine arbeiten muss, mag ich meinen Beruf nicht mehr. Früher hatte ich ihn über alles geliebt, ich machte sogar gerne Überstunden und jetzt? Jetzt warte ich bis 06:00 Uhr ist und meine Schicht beginnt. Jetzt habe ich einfach keine Lust mehr, ich bin ausgebrannt. Das ist nicht der einzige Grund, ein weiterer Grund ist, dass es mich immer so emotional mitnimmt, wenn ich die trauernden Menschen sehe. Sie tun mir dann so leid. In vielen Nächten bei denen ich nicht schlafen konnte, hatte ich mir überlegt, wie ich das machen soll. Aber ich hatte nie den Mut dazu. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann.

06.00 Uhr. „Puff,“ mein Chef wirft mir die ganzen Akten auf das Pult. Ich erschrecke zu Tode.

„Weil wir noch keinen Fall haben, musst du das jetzt machen“, sagt mein Chef. Ich nicke ihm nur zu und gehe dann in den Keller. Das ist auch etwas, dass ich hasse. Wenn ich keinen Fall zu lösen habe, bin ich der dumme der alle Akten in die richtigen Schubladen tun muss. Unten im Keller angekommen schaue ich den ersten Schrank an. Darauf steht Diebstahl. Also suche ich die Papiere auf denen Diebstahl vermerkt ist und fange an, sie nach Alphabet einzuordnen. Dass mache ich mit allen. Nach etwa einer Stunde bin ich fertig. Also gehe ich wieder nach oben. Schaue schnell im Büro des Chefs vorbei und sage ihm, dass ich es erledigt habe. Dann gehe ich wieder in mein Büro.

Im Büro angekommen setzte ich mich auf den Stuhl und fange wieder an, im Selbstmitleid zu baden. Ich überlege mir, wie schön es doch wäre, wenn ich Privatdetektiv wäre. Dann wäre zwar meine Arbeit genau so streng, aber dann würde wenigstens das ganze Geld in meinen Sack fliesen und ich könnte es ja. Ich habe alles Wichtige in der Polizeischule gelernt. Aber wovor ich am meisten Angst habe ist, dass das Geschäft nicht gut läuft und ich Bankrott gehe. Aber ich mache mir lieber noch keine Sorgen darüber, weil ich das sowieso nie machen werde.

Nach einer weiteren Stunde mit nichts tun, bekam ich dann endlich eine Aufgabe.

„Kommissar Jens Jansen“, höre ich die Stimme eines Polizisten, den ich nicht kenne, „es gab einen Banküberfall mit einem Toten, in der SG-Bank in St. Gallen“.

2. Kapitel

Ich springe auf und sage nur noch: „Komme sofort, bin schon auf dem Weg.“ Zieh meine Jacke an und gehe zum Chef um ihn zu informieren. Sein Büro liegt gegenüber. Beim vorbeigehen rufe ich ihm zu: „ Wir haben einen Einsatz, Mord in der SG-Bank, ich bin weg, ich informiere dich wieder“. Ob er etwas verstanden hat, das weiss ich nicht, denn ohne auf eine Antwort zu warten, renne ich den Gang entlang weiter. Ich errege Aufsehen, alle Köpfe sind auf mich gerichtet. Aber das ist mir jetzt egal.

Draussen springe ich ins Auto und will losfahren, aber da bemerke ich, dass ich die Adresse der Bank gar nicht kenne. Also muss ich zuerst mein Navigationsgerät programmieren. Das dauert….Bitte warten, steht auf dem Display. Ein nerviges Ding und unmöglich für ein Polizeiauto.

Vor der Bank stehen haufenweise Gaffer. Ich hasse diese Menschen, die sind wie eine Herde von Kühen, sie stehen dumm rum und gehen auch nicht zur Seite, wenn ich durch muss. Fehlte gerade noch, dass sie auf den Boden scheissen.

Also fahre ich mit meinem Traktor äh Dienstauto hinter die Herde und stelle das Martinshorn ein. Die Herde spaltet sich wie Moses das Wasser, ein gutes Gefühl. Aber heute gibt es auch ein paar nette Leute hier, die machen Fotos von mir. Ich bin ein Star, holt mich hier raus. Ich fahre unter der Absperrung durch.

Die Bank ist sehr gross. Die Fassade ist weiss, aber ein richtig weisses weiss und nicht das weiss, dass schon überall irgendwelche Flecken oder Graffitis hat. Das Gebäude hat 10 Stockwerke, im untersten Stock ist der Bereich für die Kunden. Unter der Erde sind die Tresore und im 2. Stock hat es Büros von den Bankangestellten. In den restlichen 8 Stockwerken sind Wohnungen.

Ein Polizist der am Eingang steht und kontrollieren, dass auch wirklich niemand rein kommt der nicht rein darf, will mich aufhalten. Ich schaue ihn an. Er hat braunes Haar und sein Körper sieht aus, wie der eines Türstehers.

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