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Jedes Jahr zur Weihnachtszeit

1. KAPITEL

Das schwache Licht der Dezembersonne kämpfte gegen die früh einbrechende Dämmerung. Die grauen Schatten im Hochland wurden länger und verschmolzen mit der Farbe roh behauener Steinmauern. Die einfachen Häuser von Glenmuir standen dicht gedrängt an den schlechten Straßen des Dorfes. Durch den gefrorenen Schlammboden zogen sich tiefe Räderspuren. Ein unachtsamer Fremder hätte an der trostlosen Gegend kaum etwas Erfreuliches sehen können. Für den, der es mit aufmerksamen Augen betrachtete, war Glenmuir dagegen keineswegs so öde.

Aus den Schornsteinen stieg der Rauch von Torffeuern auf, und durch die Sprossenfenster fiel hie und da der Schein einer Kerze auf die Hauptstraße. Würzige Gerüche hingen in der Luft, denn der Bäcker arbeitete länger als gewöhnlich, um die Wünsche des Landadels nach süßen Leckerbissen zu erfüllen. Die Dorfbewohner freilich konnten sich derlei Köstlichkeiten, bei deren Anblick einem das Wasser im Mund zusammenlief, längst nicht mehr leisten. Dennoch hatte die Vorfreude auf das Weihnachtsfest offensichtlich auch die Leute ergriffen, die vor dem Laden von MacGregor & Son beisammenstanden. Ihre Einkaufskörbe waren fast so leer wie ihre Geldbörsen, aber ihre Mienen strahlten erwartungsvoller, als man es bei der Landbevölkerung dieser ärmlichen Gegend Schottlands vorausgesetzt hätte. Es war, als empfanden sie ihr Elend gar nicht mehr. Eingedenk herzlicher Erinnerungen schienen sie den Ort mit Besitzerstolz und wie durch einen Schleier der Hoffnung zu betrachten.

Diese Gefühle teilte bestimmt auch die junge Frau, die soeben aus dem Hause der Dorfschneiderin in die feuchte Kälte heraustrat. Die vierundzwanzigjährige Blair Duncan war ein hübsches Mädchen, dessen gutes Aussehen die Männer veranlasste, rasch ein zweites Mal hinzusehen. Rotbraunes Haar umrahmte ein schönes, feingeschnittenes Gesicht mit klaren blauen Augen, das dennoch einen festen Willen, vielleicht sogar Starrsinn verriet. Miss Blair war mittelgroß und trug über dem braunen Kleid ein altes, abgenutztes Schultertuch, das ihre weiblichen Formen jedoch nicht verbarg. Die Blicke der Dörfler richteten sich trotz des schäbigen Äußeren mit einem Ausdruck von Achtung auf sie, als sie am Ende der Straße erschien und über das Kopfsteinpflaster dem Laden von MacGregor & Son zustrebte.

„Oh, da kommt Miss Duncan! Ist sie nicht ein nettes Mädchen?“, flüsterte Mrs MacNab, eine mütterliche Matrone, die durch die Erziehung ihrer neun Söhne frühzeitig ergraut war.

„Ja, und Mut hat sie auch“, antwortete Ian Ferguson, und ein Lächeln erhellte sein sonst meist mürrisches Gesicht. „Das hat sie von ihrem Vater. Er hat seinen Stolz nicht wie andere schottische Adelige begraben und ist den finanziellen Verlockungen reicher Engländer erlegen. Jaime Duncan war ein hitziger und stolzer Schotte, dem es wie Verrat, wie Kapitulation vor dem Feind, erschienen wäre, seinen Besitz mit englischem Geld zu retten.“

„Zu schade, dass wir erst nach seinem Tod begriffen haben, was ihn dieser Heldenmut gekostet hat“, warf Fergusons Vetter Charlie ein. „Die arme Miss Duncan! Ihr Vater hat ihr kaum mehr hinterlassen als die Ländereien der Duncans und das beinahe leer stehende Herrenhaus.“

„Wir hätten doch nichts tun können“, wandte Ferguson kopfschüttelnd ein. Unversehens fiel es ihm schwer, die frühere Freude zu wahren. „Wir selbst haben ja nicht genug zu beißen. Gottlob hat Miss Duncan den Mut, ihren Besitz nicht irgendeinem englischen Adeligen zu verkaufen. Es gibt schon viel zu viele davon in der Gegend.“

„Ja. In den vergangenen Jahren hat Glenmuir die Hälfte der Bewohner verloren“, bestätigte Charlie Ferguson. „Das muss man sich vorstellen! Ganze Familien haben die englischen Aristokraten auf die Straße gesetzt, nur damit sie große Jagdgebiete bekommen. Zu dumm, dass die Königin eine solche Vorliebe für die Highlands hat! Sonst wären die verdammten Eindringlinge geblieben, wo sie hingehören.“

„Recht hast du! Dann müssten auch nicht so viele Schotten die Heimat verlassen, um überleben zu können.“

„Wir sind geblieben, nicht wahr? Wir werden es auch weiterhin schaffen, genau wie Miss Duncan“, sagte Mrs MacNab, trat zu den Männern und senkte die Stimme, da Blair Duncan näherkam. „Es ist hart für sie, von der Hand in den Mund leben zu müssen, nachdem sie als Kind alles hatte! Aber sie ist stark. Natürlich hat sie jedes Angebot ausgeschlagen, ihren Landbesitz zu verkaufen. Aber wisst ihr auch, dass sie noch andere Anträge zurückgewiesen hat?“

„Welche denn?“, fragte Charlie Ferguson.

„Heiratsanträge! Und welches junge Mädchen in ihrem Alter würde nicht von einem eigenen Heim und schönen Kleidern träumen?“

„So etwas bedeutet nicht viel für sie“, entgegnete Ian Ferguson. „Sie hat den Stolz der Duncans und macht sich nichts aus Tand. Trotz ihrer vornehmen Herkunft ist sie eine von uns. Warum sollte sie einen Engländer heiraten?“

„Ian, ich glaube, du wirst alt! Kannst du dir nicht vorstellen, was einem hübschen Mädchen wie Blair Duncan bei einem kräftigen Burschen in den Sinn kommt, sei er nun ein Engländer oder nicht?“, stichelte Charlie Ferguson und bemerkte belustigt die saure Miene, die sein Vetter zog.

„Miss Duncan ist viel zu klug, um aus Leidenschaft den Kopf zu verlieren. Meinst du etwa, sie hätte am Beispiel von Mary Connery nichts gelernt, die diesen englischen Dieb Montgomery geheiratet hat?“, gab Ian scharf zurück und starrte dem Cousin herausfordernd ins Gesicht. „Kaum war die arme Mary unter der Erde, verschwand Montgomery nach England und nahm den Sohn mit. Und danach haben die Montgomerys nichts mehr von sich hören lassen, bis die Ländereien verkauft wurden. Nein, englisches Blut erhitzt sich nicht, mag die Leidenschaft auch noch so heiß sein.“

„Nun hört endlich auf, euch zu zanken! Weihnachten steht vor der Tür! Außerdem schickt es sich nicht, dass Miss Duncan euch so reden hört, umso weniger, da sie früher ein Herz für den Jungen hatte“, schalt Mrs MacNab empört, als seien die Männer neben ihr zwei der eigenen ungeratenen Sprösslinge. Um dem Streit ein Ende zu machen, drehte sie sich um und wandte sich lächelnd Miss Duncan zu, die soeben vor dem Laden ankam.

Blair Duncan erwiderte den Gruß mit einem fröhlichen Winken. Erheitert stellte sie fest, dass Mrs MacNab, die zweifellos jahrelange Übung darin besaß, starrköpfige Männer von handgreiflichen Auseinandersetzungen abzuhalten, es noch immer nicht verstand, das unauffällig zu tun. Ihr freundliches Lächeln stand in deutlichem Widerspruch zu dem wütenden Blick, den sie den beiden Fergusons zuwarf. Die finsteren Mienen hellten sich jedoch sofort auf, und die Männer zogen vor der Tochter des alten Laird den Hut.

Sie fragte sich, was Ian und Charlie Ferguson so aufgebracht haben mochte. Sie waren zu richtigen Zankhähnen geworden. Freilich war in den vergangenen Jahren das Leben für alle schwerer geworden. Wahrscheinlich konnte nicht einmal mehr die Nähe des Weihnachtsfestes, der Jahreswende und der dazwischen liegenden turbulenten Tage die Probleme ganz verdrängen, mit denen sich die Bewohner von Glenmuir herumschlagen mussten. In dem einmal gefassten Entschluss bestärkt, betrat Blair Duncan den Laden und ließ aufmerksam den Blick über die gefüllten Regale gleiten.

MacGregor war einer der wenigen Männer im Dorf, der mit der Anwesenheit des englischen Adels zufrieden sein konnte. Für ihn waren die Geschäfte mit den Aristokraten zu einer guten Einnahmequelle geworden. Wenn er aus dem Schaden anderer Nutzen zu ziehen verstand, konnte er es sich auch leisten, tätige Nächstenliebe zu üben. Wenigstens war Blair Duncan dieser Meinung.

Innerlich wappnete sie sich gegen einen Kampf mit dem Kaufmann. Mochte sie auch verarmt sein, es änderte nichts daran, dass sie eine Duncan war. Es galt, alte Traditionen aufrechtzuerhalten. Obwohl sie kaum mehr besaß als die Dorfbewohner, war sie entschlossen, Weihnachtskörbe zu verteilen, wie die Duncans es immer getan hatten. Freilich wurde es von Jahr zu Jahr schwieriger. Natürlich steuerte sie selbst bei, was sie konnte, doch das war nicht eben viel, da die eigenen Vorräte mehr als mager waren. MacGregor hingegen konnte es nicht wehtun, wenn er sich von einigen Waren trennte. Außerdem würde das Weihnachtsfest für viele Leute in Glenmuir wesentlich trauriger ausfallen, wenn sie den Ladenbesitzer nicht dazu brachte, so zu denken wie sie.

Gewiss, jener geheimnisvolle Wohltäter, den man Engel der Weihnacht nannte, hatte sich in den letzten Jahren sehr großzügig gezeigt, was Glenmuir betraf. Auch Blair Duncan war von ihm reich bedacht worden. Andererseits hatte sie gelernt, sich nicht auf Unbekannte zu verlassen. Was war, wenn er in diesem Jahr nicht kam? Es war besser, den Stolz zu überwinden und MacGregor zu überzeugen, für die Weihnachtskörbe zu spenden. Dann konnte Blair wenigstens sicher sein, ein wenig zur Weihnachtsfreude von Glenmuir beigetragen zu haben.

Dieser Gedanke bewog sie, ein gewinnendes Lächeln aufzusetzen, den misstrauischen Arnos MacGregor entschlossen anzusehen und ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Sie wusste, er würde sich kaum widerstandslos von seinem Hab und Gut trennen, da er schon früher Opfer ihres Hanges zu tätiger Nächstenliebe geworden war.

Kaum zehn Minuten später verließ sie das Geschäft, und ihre Miene spiegelte Genugtuung. Beinahe hätte sie aufgelacht, als MacGregor sie mit einem Seufzer der Erleichterung hinausbegleitete und rasch die Tür verriegelte. Immerhin hatte der Besuch sich sehr gelohnt. Blair wechselte den Korb, der nun wesentlich schwerer war als vorher, von einem Arm zum anderen und dachte belustigt, dass ihren Ahnen ähnlich zumute gewesen sein musste, wenn sie einst einem anderen Clan die Rinder abgejagt hatten. Der Weidenkorb ächzte unter der Last des Inhaltes. Zwei Säckchen Zucker, ein Beutel Tee, einige Stangen Salz, eine Schere und etliche kleine Handspiegel waren die Schätze, die sich den von der Schneiderin gespendeten hübschen Bändern zugesellt hatten. Je schwerer der Korb, desto leichter wurde Blair Duncan ums Herz. Sie ging auf die Leute zu, die immer noch plaudernd zusammenstanden, um ein Weilchen mit ihnen zu reden, ehe sie sich auf den Rückweg in ihr stilles Haus machte. Nach dem erfolgreichen Tag betrachtete sie die Muße als wohlverdiente Belohnung.

Blair Duncan hatte erst wenige Schritte gemacht, als sie ihren Namen hörte. Der volle Klang der Stimme ließ ihr die Hitze in die Wangen steigen und erregte ihren Zorn.

„Miss Duncan“, rief der Mann von Neuem, diesmal schon viel näher. Sie blieb stehen, straffte die Schultern und drehte sich um. Es brauchte keine Worte, dem Unmut Ausdruck zu geben, den sie über die unhöfliche Art der Begrüßung empfand.

„Mylord“, erwiderte sie kühl.

„Ich freue mich sehr, Sie zu treffen, Miss Duncan“, antwortete Lord Lindsay und sah sie heiter an. „Kennen sie Lord Haverbrook?“

„Harry“, wandte er sich an seinen Begleiter, „das ist Miss Blair Duncan, eine Freundin aus Kindertagen.“

Harry Rogers, Earl of Haverbrook, war ganz das Gegenteil von Cameron Montgomery, Earl of Lindsay. Lord Haverbrook ging an die vierzig und war untersetzt und rundlich. Das unter dem Zylinder hervorlugende Haar war schon grau und das Gesicht ziemlich weich. Lord Lindsay dagegen mochte Ende zwanzig sein, war hochgewachsen und kräftig. Sein dichtes schwarzes Haar unterstrich die regelmäßigen, angenehmen Gesichtszüge, denen die Überraschung, in Glenmuir Miss Duncan zu begegnen, anzusehen war. Das Einzige, was er mit Lord Haverbrook gemeinsam hatte, war die klare, vornehme Ausdrucksweise.

„Ich weiß nicht genau, ob ich schon das Vergnügen hatte“, sagte Lord Haverbrook, sichtlich beeindruckt von Miss Duncans Schönheit, deren schäbiges Äußeres im Dämmerlicht nicht weiter auffiel. „Du bist mit dieser reizenden Dame schon von Kindheit an bekannt, Cameron? Ich gestehe, es war mir entfallen, dass deine Mutter aus Schottland stammt.“

„Ich würde schwören, dass auch Lord Lindsay es längst vergessen hat“, murmelte Miss Duncan, schaute ihn vorwurfsvoll und stumm herausfordernd an.

Er zwang sich zu einem Lächeln, obwohl die Begrüßung der schönen, heißblütigen Hochländerin ihm tiefe Enttäuschung bereitete. Ohne auf die deutliche Beleidigung einzugehen, wandte er sich wieder an Haverbrook, verbarg die Bestürzung und erwiderte beiläufig: „Gewiss, Harry, Vater heiratete eine Connery. Ich erinnere mich an manchen überaus angenehmen Sommer, den ich als Knabe hier verbrachte, und an lustige Streiche mit Miss Duncan. Damals war ich ganz sicher, ich würde mich eines Tages auf den Connery-Gütern niederlassen und Miss Duncan heiraten.“

„Das beweist einmal mehr, dass Kindheitsträume hoffnungsloser Unsinn sind“, äußerte Blair schroff und war froh, dass die rasch zunehmende Dunkelheit die Röte ihrer Wangen verschleierte. Wie konnte Lord Lindsay so unverschämt sein, sich über ihre Erinnerungen lustig zu machen, die kindischen Schwüre von damals, noch dazu vor einem Fremden? Sie beschloss, das Gespräch mit den Dörflern zu unterlassen, obwohl sie die Begegnung mit dem Earl of Lindsay neugierig beobachteten. Sein Erscheinen hatte ihr gründlich die Laune verdorben. Sie wünschte sich nichts mehr, als nach Haus zurückzukehren. In diesem Augenblick erschien es ihr wie ein Ort beschaulichen Friedens und nicht wie sonst als Hort der Einsamkeit. „Wenn Sie mich jetzt entschuldigen wollen, Gentlemen. Ich muss sehen, dass ich weiterkomme“, sagte sie.

Die Stimme klang kalt, ohne die geringste Spur des warmen Lachens, an das Cameron, Earl of Lindsay, sich erinnerte, aus einer Zeit, die nun schon lange zurücklag. „Darf ich Sie in meiner Kutsche heimbringen, Miss Duncan?“, erkundigte er sich höflich und stellte sich ihr in den Weg, unwillens, sie schon gehen zu lassen. Lieber wollte er ihre schlechte Laune noch ein Weilchen ertragen.

„Das ist nicht nötig“, lehnte Miss Duncan sein Anerbieten ab. „Es ist nicht weit, und ich bin gern ein wenig an der frischen Luft.“

Die Dörfler steckten die Köpfe zusammen und gaben sich keine Mühe, so zu tun, als hätten sie nichts gehört oder gesehen.

„Auch in der Kälte, Madam?“, fragte der Earl und zog zweifelnd eine Braue hoch. „Erweisen Sie mir die Ehre, und gestatten Sie mir, Sie zu begleiten“, drängte er in fürsorglichem Ton. „Es ist fast dunkel, und ich möchte sicher sein, dass Sie wohlbehalten ankommen.“

„Als ob mir von einem Einheimischen Gefahr drohen würde!“, lachte Miss Duncan auf und warf den Kopf in den Nacken. „Ich habe höchstens von Fremden etwas zu befürchten, mit denen ich für gewöhnlich nicht zu reden pflege.“

„Madam“, wandte er ungeduldig ein.

„Bemühen Sie sich nicht, Mylord! Ich habe den gleichen Weg wie Miss Duncan und werde sie gern begleiten“, mischte sich Ian Ferguson ein und trat näher. Er nahm ihr den Korb ab und fragte sich, ob der Earl ihr wohl in jüngster Zeit einen neuen Heiratsantrag gemacht und sich eine Abfuhr geholt habe. Warum war Lord Lindsay sonst so beharrlich? Die Hartnäckigkeit mochte allerdings auch ein Erbteil des väterlichen englischen Blutes sein! Ian war fest entschlossen, Miss Duncan zumindest seinen Schutz gegen die unwillkommenen Fremden aufzunötigen, auch wenn er ihr als alter Mann sonst nicht viel zu bieten hatte.

„Danke, Ian“, antwortete Miss Duncan liebenswürdig und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Für den Earl hatte sie nur ein hochmütiges Nicken.

Ehe er auch nur ein Wort sagen konnte, waren die beiden bereits auf dem Weg aus dem Dorf.

„Auf bald!“, rief Charlie Ferguson ihnen lachend nach. „Wenn wir uns nicht vorher sehen, hoffe ich, dass der Weihnachtsengel zu euch kommt!“

„Das wünsche ich dir auch!“, sagte Ian fröhlich, schaute über die Schulter zurück und zwinkerte dem Vetter verschmitzt zu.

„Wie schön, dass die Einheimischen sich so über die Festtage freuen“, murmelte Lord Lindsay, die Anwesenheit des Freundes vergessend. Blair Duncan hatte ihn nun doch stehen gelassen!

„Sei nicht albern!“, brummte Lord Haverbrook. „Du weißt recht gut, was sie gemeint haben. Die Schotten begehen Weihnachten nicht so wie wir.“

„Das trifft auf die Bewohner der Lowlands zu, Harry. Dort spielt Silvester die größere Rolle. Aber die Hochländer haben Weihnachten immer gefeiert.“

„Sei es, wie es sei, die Kerle haben jedenfalls nicht über das Christfest gesprochen. Dir ist doch klar, dass es eine nur dürftig verschleierte Anspielung auf die Diebereien war, die zu dieser Zeit hier in der Gegend vorkommen und vornehmlich gegen uns Engländer gerichtet sind! Es ist kein Geheimnis, dass die Leute in den Dörfern der Umgebung den Halunken nur deshalb den Engel der Weihnacht nennen, weil er wie ein Geist erscheint und verschwindet, ohne dass man ihn je zu Gesicht bekommen hätte. Welche Frechheit, in unserer Gegenwart von ihm zu reden!“

„Du meinst diese Art neuer Robin Hood, der uns in den letzten Jahren heimgesucht hat? Er bestiehlt die Reichen und beschenkt die Armen.“

„Und ob ich ihn meine!“, bestätigte der Earl of Haverbrook empört. „Einige von uns haben durch ihn solche Verluste zu beklagen, dass mancher Engländer lieber die Festtage hier oben verbringt, statt nach London zurückzukehren.“

„Das wird aber sehr langweilig für dich werden!“, sagte Lord Lindsay und schaute, nachdem Miss Duncan mit ihrem Beschützer verschwunden war, seinen Freund an.

„Wirklich? Du bist nach dem Ende der Jagdsaison ja noch bis Januar geblieben. Ist es tatsächlich so schlimm?“

„Eigentlich nicht. Allerdings muss ich dich warnen. Meine Anwesenheit hat weder geholfen, mich vor Diebstahl zu bewahren, noch, den Räuber zu fangen. Wir wollen hoffen, ihr anderen habt mehr Glück als ich“, sagte der Earl of Lindsay gedehnt und gab seinem Kutscher ein Zeichen. Sofort setzte die Equipage sich in Bewegung.

„Dessen bin ich sicher“, verkündete Lord Haverbrook großspurig und machte es sich in der Karosse bequem. „Meiner Meinung nach hattest du hier andere Dinge im Kopf, vielleicht sogar Miss Duncan?“

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