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Je mehr ich dir gebe

ÜBER DIE AUTORIN

  

Beate Dölling wurde 1961 in Osnabrück geboren, lebt aber schon seit vielen Jahren in Berlin. Bis 2001 war sie Journalistin beim Radio, seit 2001 arbeitet sie als freie Autorin und hat zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht. Je mehr ich dir gebe ist das erste Buch der Autorin im Boje Verlag.

BEATE DÖLLING

JE MEHR
ICH
DIR
GEBE

BASTEI ENTERTAINMENT

Meine Liebe ist so tief wie das Meer. Je mehr ich gebe,
je mehr auch hab ich: Beides ist unendlich.

Aus: William Shakespeare, Romeo und Julia

KAPITEL 1

Faire l’amour

Jonas hat diese französische CD eingelegt, von Benjamin Biolay, die sie so gern hört. Seine Stimme ist so weich wie das Sofakissen in ihrem Rücken. Warmer Wind bläht das Laken vor dem offenen Fenster. Julia schlägt die Beine übereinander, wippt mit dem Fuß. Sie hat nur eine Bluse an, ärmellos, aufgeknöpft, sie lehnt sich zurück und streicht die zwei Blusenhälften an die Seite. Sie hat Lust, sich Jonas zu zeigen.

Er sitzt ihr gegenüber, auf dem Sessel, sieht, wie ihre Brüste zum Vorschein kommen, zwei halbe Zitronen, ihm zugereckt. Die weiße Bluse rahmt ihre Silhouette ein. Die Luft zittert. Es soll heute noch ein Gewitter geben.

Er darf sich nicht rühren, noch nicht, nur schauen. Mit den Augen Liebe machen.

Schön, dass er so was mag, hat Julia gedacht, später, als sie im Bett lagen, gestillt voneinander, ein Freund, dem du dich zeigen kannst und der sich Zeit zum Schauen lässt. Für die anderen, vor Jonas, war sie eher so was wie Fastfood gewesen. Die Jungs waren hitzig, schnell, manchmal auch albern. Da hätte sie am liebsten vorher schon STOPP gesagt, aber irgendwann kann man nicht mehr STOPP sagen. Es gibt kein Zurück, nie, obwohl sie den letzten Nachmittag mit Jonas wie einen Film immer und immer wieder zurückspult. – Wie sie da saß, erst auf dem Sofa, Beine noch übereinandergeschlagen und mit diesem Kribbeln auf der Haut, von seinem Blick.

Sie war gleich nach dem Sprechunterricht zu ihm gekommen. Sie hatten das Stimmpotenzial von Nina Hagen analysiert. Bei dem Lied Heiß hatte Julia an Jonas gedacht. Besser konnte man es gar nicht ausdrücken, wie es war, wenn Jonas ihr zuschaute.

Mir ist heiß! Ich bin heiß! Ach, warum sind denn nicht alle so heiß? Ja, ist es denn ein Wunder?

Sie schloss die Augen, legte den Kopf nach hinten, auf die Sofalehne. Es war wie Schweben und Flattern – sie war ein Kolibri. Nie hätte sie gedacht, dass sie sich traute, sich vor einem Jungen so gehen zu lassen.

Wenn es eine höhere Kraft gibt, dann die zweier Körper, die Liebe machen, faire l’amour. Eine Erkenntnis, die sie in den letzten Wochen das erste Mal gehabt hatte und die sie sich seitdem nicht oft genug bestätigen konnte. Jonas war ihr Boot, mit dem sie sich auf alle Meere wagte.

Sie lagen im Bett, noch klebrig voneinander.

»Du bist ein Wunder«, sagte er.

Wie er sie anschaute, mit verwuschelten Haaren und verrutschtem Blick – verzaubert von ihr.

Ihre Hände spielten miteinander, streiften umeinander, hielten sich, lösten sich, Fingerspitzen an Fingerspitzen, purzelten übereinander wie kleine Kätzchen. – Manchmal gibt es keine Worte, nur Momente.

Das Laken flatterte wie eine Fahne am Mast. Sie waren auf hoher See und ließen sich schaukeln. Der Wind wurde kühler; die CD war zu Ende. Draußen fuhren Autos vorbei, sangen Kinder. Spatzen zwitscherten. Sie kehrten langsam ins Zimmer zurück. Er reichte ihr die Wasserflasche.

»Und wie war es bei deinem Sprechkurs?«

»Ma me mi mo mu – ma me mi mo mu – ma me mi mo mu – ma me mi mo mu – ma me mi mo mu«, ratterte Julia in einem Affenzahn runter und fing wieder von vorn an. Dann holte sie tief Luft. »Ich habe nur an dich gedacht.« Sie lag auf der Seite, den Kopf auf die Hand gestützt. Ihr hellbraunes Haar fiel aufs Kissen. »Ich konnte gar nicht schnell genug zu dir kommen.«

Er lag auch auf der Seite, Kopf auf den Ellenbogen gestützt, und schaute auf ihren Mund. »Ma me mi mo mu«, sagte sie ohne Ton und er küsste ihr die Fortsetzung weg. Dann wollte sie ihm unbedingt was von Nina Hagen vorsprechen.

Er stand nicht so auf Nina Hagen.

»Das ist doch diese Durchgeknallte, die überall Ufos sieht und ihre Tochter Cosma Shiva genannt hat.«

»Ja, und ihr Sohn heißt Otis, nach der Fahrstuhlmarke, weil sie in der Schwangerschaft mal im Fahrstuhl stecken geblieben ist.«

»Krass.«

»Aber eine Wahnsinnsstimme! Mit einer Modulationsbandbreite, das haut dich um! Sie kommt in ihrem Lied Naturträne sogar höher als die Arie der ›Königin der Nacht‹ aus der Zauberflöte. Dort geht es bis ans F und Nina Hagen schafft sogar ein G! Und die Lieder sind einfach …« Julia fand keine Worte, ihr saß noch der Refrain von Heiß in der Kehle: Mir ist heiß, ich bin heiß, ach, warum sind denn nicht alle so heiß …

Zauberworte, jede Silbe, und Jonas war empfänglich dafür, ließ sich streicheln, allein von dem, was sie sagte und wie sie es sagte.

»Du hast eine Wahnsinnsstimme«, sagte Jonas. »Und so einen wunderschönen Mund und wunderschönen Busen und …« Er fuhr mit der Fingerspitze über ihr Schlüsselbein.

»Jonas, hör mal zu!« Sie musste ihm unbedingt noch erzählen, wie sie heute Schauspieler und Filme analysiert hatten.

»Weißt du, was mein absoluter Lieblingsfilm ist?«, unterbrach er sie und wartete.

»Nun sag schon.«

»Der Himmel über Berlin«, sagte er und seine Augen leuchteten.

Und ausgerechnet den kannte sie nicht.

»Musst du unbedingt sehen! Gerade du, als angehende Schauspielerin.« Er küsste sie auf die Nase. »Das ist nicht nur ein Film, das ist …« Und schon war Jonas aufgestanden und es wurde kühl an ihrer Haut. Sie zog sich die Decke über den Bauch.

»Bin gleich wieder da«, hat er noch gesagt, und sie hat sich nichts dabei gedacht, keine Vorahnung, kein mulmiges Gefühl. Noch ganz satt von ihm, lag sie im Bett und schaute zu, wie er in seine Klamotten stieg. Graue Bruno-Banani-Boxershorts, Jonas wollte, als er klein war, Astronaut werden und Bruno Banani hatte mal Unterhosen für Astronauten entwickelt. Jetzt war davon nur noch die Vorliebe für die Unterwäsche übrig geblieben, und Jonas war sich auch nicht mehr so sicher, was er werden wollte. Musiker vielleicht, oder Ingenieur, oder Speiseeisdesigner.

»Du hast es gut, du wolltest immer schon Schauspielerin werden.«

Wie selbstverständlich er das sagte. Keiner aus ihrer Familie hatte sie diesbezüglich so ernst genommen. – Alle Mädchen wollen in ihrem Leben mal Model oder Schauspielerin werden – das ist Mamas Spruch –, doch irgendwann kommen sie darüber hinweg und werden was Richtiges. Lehrerin zum Beispiel, wie ihre Mutter. Immerhin bezahlen ihre Eltern den Sprechunterricht, die Improvisationsworkshops und, wenn sie Glück hat, auch noch den »Spielen-vor-der-Kamera-Kurs«, damit sie für die Filmschauspielschule Berlin gerüstet ist, denn dahin möchte sie, gleich nach dem Abi, unbedingt!

»Schauspielerinnen müssen sich doch heute alle prostituieren«, pflegt Papa zu sagen. »Mit jedem ins Bett gehen und sich dabei noch filmen lassen. Sogar im Tatort wird ja schon gevögelt. Findest du das nicht eklig?«

So ein Quatsch! Aber wahrscheinlich ertragen Väter es nicht, ihre Töchter vögeln zu sehen, ob im Tatort oder sonst wo. Umgekehrt wäre es für die Töchter ja auch komisch, absurder Gedanke. Natürlich würde sie auch nicht jede Szene spielen, dabei gehört Sex zum Leben wie Essen und Trinken – und zur Schauspielerei. Fragt sich nur, wie weit man geht. Aber darüber muss sie sich jetzt noch keine Gedanken machen, erst mal auf das Sprechtraining konzentrieren. – Unter dunklen Uferulmen wurdest durch Blut und Wunder ruhmlos ruhend du gefunden. Mit Sprachkunst und Präsenz, sagt ihr Lehrer, Herr Lambosi, überzeugt man das Publikum. Ihre Eltern bestimmt auch. All die Familienfilme, die sie seit ihrem sechsten Lebensjahr gedreht hat, fanden sie ja auch toll.

»Schatz, bringst du Zigaretten mit?«, sagt Julia mit rauchiger Stimme und versucht lasziv zu lächeln, mit Augenaufschlag natürlich.

»Und ein Eis.«

Jonas spielt mit. »Was für ein Eis hätte sie denn gern?«

»Irgendwas Fruchtiges, Frisches, was am Stiel – Solero? – Das können wir zu zweit schlecken.«

Er schmunzelt, verbeugt sich vor ihr, sagt: »Ouí, Madame, avec plaisir.«

Und dann eine Zigarette danach, im Bett, so wie in diesen prähistorischen Filmen wie Der blaue Engel, mit Marlene Dietrich. Kann es etwas Schöneres geben?

Sie hatten den ganzen Tag Zeit. Snickers und Rudi, seine WG-Kumpels, kamen erst am Abend von der Ostsee wieder, also könnten sie später sogar noch nackt in der Küche sitzen.

Jonas schlüpfte in die Jeans, zog das hellblaue T-Shirt an, das seinen Augen so schmeichelte, und schnappte sich seinen Helm. Dann kam er noch mal ans Bett und küsste Julia auf die linke Brustspitze.

»Ich liebe dich«, sagte er. Und verschwand.

Später, als er nicht wiederkam, ging ihr alles Mögliche durch den Kopf, auch dass sie das mit den Zigaretten nicht hätte sagen sollen. Wegen diesem blöden Scherz, wo der Mann Zigaretten holen geht und nicht wiederkommt.

Aber Jonas wollte nur den Film holen. Der Himmel über Berlin.

Noch war der Himmel blau.

Sie drehte sich auf die Seite. Auf einer Holzkiste stand eine Beck’s-Flasche mit einer rosa Mohnblume. Jonas hatte sie gekauft, weil sie ihn an Julia erinnerte, an ihre Blütenblätter. Julia schaute an die Wand. Mehrere Fotos von ihr hingen dort. Auch ein Nacktfoto, als sie aus dem Badezimmer kommt. Das Handtuch liegt hinter ihr. Sie geht direkt auf den Fotografen zu. Das war im April, an dem Nachmittag, als er ihr das erste Mal zugeschaut hatte.

Julia seufzte. Sie war glücklich. Sie konnte das Glück fühlen, in ihr und über ihr. Der ganze Raum glühte vor Glück. Jonas! Es gab kein schöneres Wort! Jonas. JOnas, JoNas, JonAs, ihr Prophet der Liebe.

KAPITEL 2

17:12 Uhr

Sie war wohl kurz eingeschlafen. Die weißen Vorhänge wehten nach draußen, ein Fensterflügel schlug an die Wand, Regen pladderte auf den Gehsteig. Von Weitem Sirenen. Sie stand auf und machte das Fenster zu. Es donnerte. Dann ein Blitz und wieder ein Donner. Auf der anderen Straßenseite flüchtete eine Mutter mit ihrem Kind in den nächsten Hauseingang. Die Autos hatten Licht an. Der Bürgersteig dampfte.

Jonas war mit dem Motorrad unterwegs, er würde das Gewitter bestimmt im Videoshop abwarten. Halb fünf. Er war vor einer Stunde losgefahren. Wie lange hatte sie geschlafen? Wie lange regnete es schon?

Sie ging in die Küche und holte sich ein Glas, ging damit zu dem riesigen Edelstahlkühlschrank und ließ das halbe Glas voll Eiswürfel klickern. Der Kühlschrank war das einzige Prunkstück in der WG. Snickers, der Philosophiestudent mit dem Hochbett im Hofzimmer, hatte den Kühlschrank von einem amerikanischen Cousin geschenkt bekommen, bevor der wieder nach Seattle gezogen war. Julia goss Apfelsaft über die Eiswürfel. Sie knusperten im Glas, zersprangen. Sie war immer noch nackt. Regen prasselte an die Scheiben. Sie schauderte, fuhr herum, ihr war, als stünde jemand hinter ihr. Aber da war niemand.

17:00 Uhr. Einen Moment, als sie angezogen in der Küche saß und nach draußen sah und alles verschwommen und dunkel war, fühlte sie ein Ziehen im Zwerchfell und eine Unruhe überkam sie, so, als würde sie schon seit einer Stunde im Stau stehen. Nicht wegkommen, nicht bewegen, hoffen, dass es gleich weitergeht, aber es ging nicht weiter. Ein Albtraum, von dem sie sich nie ablenken konnte. Deshalb mochte sie auch nicht Auto fahren. Mit dem Motorrad war das anders. Jonas konnte sich überall vorbeischlängeln. Auch wenn sie davon Angst bekam, weil manche Autofahrer extra keinen Platz machten und ihr lieber mit der Stoßstange die Knie rasierten, weil sie nicht ertragen konnten, dass Motorradfahrer schneller sind.

17:10 Uhr. Der Apfelsaft schmeckt nicht, nur kalt und süß, und Gänsehaut frisst sich ihre Arme hinauf. Sie steht auf, steht da und vergisst, warum sie aufgestanden ist. Sie hört ihr Herz arbeiten. Es tut sich schwer, als klammere sich etwas daran fest. Julia ringt nach Luft, rennt in Jonas’ Zimmer und sucht nach seinem Handy. Sie findet es nicht. Er muss es mitgenommen haben. Bestimmt war es in seiner Hosentasche.

Sie wühlt in ihrem Rucksack nach ihrem Handy, hält die Luft an; ihre Hände zittern. Zweimal tippt ihr rechter Daumen auf das Display, dann erscheint Jonas’ Nummer, und sie sieht sich zu, wie sie noch einmal tippt und fast erstickt, weil sie immer noch keine Luft geholt hat.

Dann klingelt es.

Und klingelt.

»Hallo?« – Eine Frauenstimme. Gehetzt.

Ihr Daumen drückt das Gespräch weg. Draußen blitzt es, Donner kracht. Ihr Herz rast. Es ist düster und kalt. Eine Fliege brummt um die Küchenlampe. Als ihr Handy klingelt, schreit sie auf und wirft es aufs Bett, als würde sie sich daran verbrennen, springt sofort hinterher, sieht Jonas’ Nummer auf dem Display und nimmt den Anruf an.

»Hallo? Wer ist da?« – Sie hört wieder die gehetzte Frauenstimme.

»Julia«, sagt sie. »Wo ist Jonas?« Sie holt tief Luft. »Ich möchte bitte sofort Jonas sprechen.«

»Hier ist Schwester Petra, Urban-Krankenhaus, Notfallambulanz. Sind Sie eine Verwandte von Jonas Reichenberger?«

»Ich bin seine Freundin.«

»Bitte setzen Sie sich mit Jonas’ Eltern in Verbindung«, sagt die Schwester. »Oder kommen Sie her. Ich kann Ihnen nicht am Telefon … also Ihnen nicht auch noch … habe gerade schon den Eltern gesagt, dass …« Ihre Stimme verwischt.

»Was ist mit Jonas?«

»Er hatte einen Motorradunfall.«

Die Zeit steht still. Nichts bewegt sich. Schmetterlinge fallen vom Himmel.

»Er ist vor wenigen Minuten verstorben.«

Aus den Schmetterlingen werden Wespen. Erst summen sie nur von Weitem, dann kreiseln sie auf sie zu, krabbeln in ihre Nase, in die Ohren. Alles brummt. Und stechen zu.

»Hallo? Sind Sie noch da? Hören Sie mich? – Haben Sie mich verstanden? – Ist jemand bei Ihnen?«

KAPITEL 3

Durchsichtig

Im Krankenhaus ist jemand bei ihr. Mama. Sie krallt die Finger in Julias Arme. Das ist das Einzige, was Julia spürt. Nicht den weißen Fußboden unter sich, nicht die weiße Decke über ihr; sie könnte genauso gut im Raum schweben, wie ein Astronaut in seiner Raumkapsel. Gedanken scheuern ihre Augen wund. Keine Tränen.

Stimmen. Türen schwingen. Leere Betten fahren vorbei.

Gummischritte, quietschend.

Ihre Ellenbogen zittern, die Knie auch.

Ein Arzt spricht zu ihnen. Ja, Jonas sei verstorben. Schwester Petra hätte ihr das am Telefon gar nicht mitteilen dürfen. – Hatten sie das nicht gerade im letzten Sprech-Workshop durchgespielt, als sie für einen Krimi die Überbringung von Todesmitteilungen geübt hatten? Plötzliches Verscheiden darf nicht telefonisch übermittelt werden, nicht von Ärzten und schon gar nicht von Schwestern. Dafür muss die Polizei persönlich zur Wohnung der Angehörigen gehen, eventuell in Begleitung eines Seelsorgers. Diese Regeln flattern ihr wie Spruchbänder vor Augen. Sie möchte sie herunterreißen, aber sie kann sich nicht rühren.

Der Arzt entschuldigt sich für Schwester Petra; Schwester Petra sei heute das erste Mal auf der Zentralen Notfallstelle und sei völlig überfordert.

Der Arzt sieht Julia lange und prüfend an, er will wissen, ob sie ihn versteht. Seine Worte blubbern wie Luftblasen aus seinem Mund, steigen auf und platzen. Sie ist unter Wasser, versunken – wirbelt mit jedem Schritt Schlamm auf. Das Wasser wird dunkel, schwarz. Mamas Finger krallen noch mehr und zwingen sie, wieder aufzutauchen, Luft zu holen. Julia sieht sich von oben neben Mama stehen. Wo sind eigentlich Jonas’ Eltern? Sie arbeiten in Köln. Sind sie schon unterwegs? Mit dem Auto? Fahren sie selber? Können sie überhaupt noch fahren, rechts und links abbiegen, nach so einer Nachricht?

»Schädelbasisbruch«, sagt der Arzt. »Der Hirntod setzte um 17:12 Uhr ein.«

Mamas Finger entgleiten ihr. Julia muss wohl ausgerutscht sein. Ihr ist schlecht. Sie würgt. Dann kommen auch Tränen. Jemand fasst sie an den Schultern, jemand hebt sie hoch und legt sie auf ein hartes Bett.

»NEIN!« schreit sie. So laut, dass die Wände einstürzen. Steine fallen auf ihren Kopf, verschütten sie. Der Arzt reibt mit einem kühlen Wattebausch über ihre Armbeuge und sticht eine Nadel in ihre Vene, drückt gelbe Flüssigkeit in sie hinein.

Später, alles ist durchsichtig, sieht sie Tropfen aus einem Schlauch in eine Kanüle rinnen. Die Kanüle steckt in ihrem Handrücken. Die Hand liegt in Mamas Hand. Mama sieht furchtbar aus. Wie ein Huhn in einer Hühnerfabrik. Kaum noch Federn. Alles zerrupft. Auch die Lippen. Papa steht hinter ihr, hat geweint. Oder weint immer noch. Das kann sie nicht genau erkennen. Es ist Gelee auf ihrem Blick, dann flattert etwas Weißes vorbei, eine Möwe, die zu tief fliegt und sie mit den Flügeln streift. Wenn sie die Augen schließt, ist sie wieder in Jonas’ Zimmer. Sie möchte die Augen nie mehr aufmachen. Andauernd wird sie gestört. Jemand klopft bei ihr an.

»Hallo!«

Es ist noch eine Frau im Raum. Sie berührt Julia am Arm. Julia zieht den Arm weg.

»Julia, hören Sie mich? Ich bin Susanne Brausen. Ich bin die Psychologin. Ich helfe Ihnen, wieder auf die Beine zu kommen.«

Julia zieht die Beine näher an den Bauch.

»Sie sind traumatisiert. Sie haben einen Schock. Das ist ganz normal. Ruhen Sie sich aus und dann reden wir miteinander.«

Julia hört, wie die Frau mit ihren Eltern spricht, ein Summen und Brummen mit einzelnen Wortbrocken, die ihr vor die Füße donnern: REALITÄT BEGREIFEN – NORMALEN TRAUERPROZESS EINLEITEN …

Papas Stimme – so weit weg. Hat sie Fieber? Gleich nimmt er sie auf den Arm und hüpft mit ihr durchs Wohnzimmer, Fieber abschütteln – früher hat es immer geholfen.

Papas Stimme kommt näher, redet irgendwo, da oben, weit über ihr, sagt, SEINE TOCHTER sei noch nicht so lange mit IHM zusammen gewesen. Er spricht den Namen nicht aus. Er kenne IHN kaum, habe ihn nur einmal kurz gesehen, so vor ein, zwei Wochen, als Julia ihn mal nach Hause mitgebracht habe. – Die Sonne scheint. Zwei kleine Mädchen schieben ihre Puppenwagen vorbei. Ein Dackel pinkelt an einen Zaun. – Unter dunklen Uferulmen wurdest durch Blut und Wunder ruhmlos ruhend du gefunden – Julia steht am Fenster, sieht Jonas, wie er vom Motorrad steigt, den Helm abnimmt, Papa die Hand gibt. Sie rennt durchs Treppenhaus, auf den Bürgersteig. »Das ist Jonas. – Das ist mein Vater.« Sie lachen. Papa im grauen Anzug vor silbergrauem Toyota. Jonas in abgetretener Jeans und Lederjacke. Helm in der Hand, von einer Hand in die andere Hand. Hinter ihm, auf dem Gehsteig geparkt, die 750er Yamaha.

»Möchten Sie mit reinkommen?«, fragte Papa.

»Du kannst Jonas ruhig duzen.«

»Gut, dann kommt doch noch mit rein.«

Am Küchentisch hatte Papa seine Krawatte gelockert und drei Flaschen Bionade aus dem Kühlschrank geholt.

»Ich heiße Klaus«, hatte er gesagt und Jonas die Hand hingehalten. Jonas hat die Hand genommen und seine Bionade dabei umgeworfen. Schäumend ist die rote Limonade über den Tisch geperlt und auf den Boden getropft. Keiner wusste so schnell, wo ein Lappen war.

Jetzt tropft es ihr eiskalt in den Kragen, läuft ihr über den Rücken, bis zum Steißbein. Papa ist da, Mama, diese Susanne-Frau. Sie redet mit Mama immer noch über JULIA, JULIA müsse lernen, das Unbegreifliche, SEINEN plötzlichen TOD zu AKZEPTIEREN. Das sei jedoch äußerst schwierig, denn sie sei ja bei dem Unfall nicht dabei gewesen, habe also das Geschehen nicht selbst WAHRGENOMMEN und deshalb sei es für sie auch nicht greifbar. Also unbegreiflich.

Unbegreiflich – ins Leere fassen. Egal, wohin sie greift. Nichts da zum Festhalten.

Warum hat sie ihn nur gehen lassen? Wenn sie mitgekommen wäre, den Film zu holen, wäre es nicht passiert. Jedenfalls nicht so. Oder überhaupt nicht. Oder sie wären jetzt beide tot.

Das wäre besser, wenn sie jetzt auch tot wäre. Wenigstens das.

Aber Jonas ist gar nicht tot! Er wurde nur von einem Fisch verschluckt.

Keine Sorge, sie holt ihn da schon wieder raus.

KAPITEL 4

Die Möwe

Am Nachmittag des 30. Mai erlitt ein 18-jähriger Motorradfahrer nach einer Kollision mit einem Lieferwagen auf dem Kottbusser Damm, Ecke Urbanstraße, einen Schädelbasisbruch. Der Fahrer des Lieferwagens hatte die Vorfahrt nicht beachtet. Der Motorradfahrer verstarb noch auf der Notfallstation des Urban-Krankenhauses.

Sie hat den Artikel ausgeschnitten. Auch die Todesanzeige, die Jonas’ Eltern in den Tagesspiegel gesetzt haben, ein Zitat von Rainer Maria Rilke:

Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen

lachenden Munds.

Wenn wir uns mitten im Leben meinen,

wagt er zu weinen

mitten in uns.

Jonas’ Eltern haben sich bei Julia gemeldet. Sie wollen sich mit Julia treffen. Dann stehen sie da. Seine Mutter nimmt Julia in die Arme. Den Vater sieht sie das erste Mal. Von ihm hat Jonas die blonden Haare – und die schöne Nase. Die Eltern kommen gerade aus der WG und haben mit Snickers und Rudi gesprochen, haben Jonas’ Zimmer gekündigt, Sachen mitgenommen. Bei den Eltern war Julia nur einmal gewesen. Sie wohnen in einer Erdgeschosswohnung in Lichterfelde West, mit Garten, aber meistens sind sie in Köln, weil dort die Firma ist, für die beide arbeiten. Die Mutter ist Managerin und der Vater Computerspezialist.

Es gab Ingwer-Zitronen-Tee, mit Eis und Nusskuchen. Die Mutter trug ein blaues Trägerkleid. Sie fragte Julia, auf welche Schule sie gehe und was ihre Eltern beruflich machten und was Julia einmal werden möchte.

»Schauspielerin«, hatte Julia gesagt und Jonas hatte sie daraufhin voll auf den Mund geküsst. Julia war das ein bisschen peinlich gewesen – vor der Mutter, die genau hingeschaut hatte, wie ihr Sohn küsste. Es war ein kurzer Kuss, aber so einer, der alles verriet.

»Julia, ist da irgendwas, was du gern von Jonas haben möchtest?« Seine Mutter ist blass, dünn. Ihr Haar hängt am Kopf wie Lametta, aber es glänzt nicht mehr. Sie kann über alles reden, auch wenn ihre Stimme brüchig klingt, zusammengeklebt, mit Spucke – sie holt irgendwo noch Wörter her, sagt, dass die Beerdigung am Freitag sei und Jonas erdbestattet werde, also in einen Sarg kommt.

»Nussholz«, sagt der Vater.

Nussholz – wie nüchtern er das sagt. Sie haben bestimmt auch eine Psychologin, die bei ihnen einen normalen Trauerprozess einleitet.

Julia sieht Jonas in einer Walnusshälfte über das Meer schaukeln. Dann kommt ein Walfisch und frisst ihn auf.

Bleib ganz ruhig, mein Süßer, es ist nur ein Märchen. Vielleicht triffst du Sindbad. Ich hol dich da raus!

Julia schlingt die Arme um sich. Es ist so kalt. Auch sie kann über alles reden. Es ist, als stünde ein Lautsprecher neben ihr: »Ich möchte ein paar Kleidungsstücke behalten. Und die DVD, die Jonas geholt hat, den Film.«

Der Vater zückt sein iPhone und notiert, was Julia behalten möchte: Lederjacke, das grüne T-Shirt mit den Spatzen drauf, eine von seinen Bruno-Banani-Unterhosen. Er tippt alles ein, schaut nicht auf, auch nicht bei der Unterhose. Die Chucks, die Jonas am letzten Tag getragen hat, hätte sie auch gern, aber davon gibt es nur noch einen. Der andere ist beim Unfall verloren gegangen.

»Und den einen … einen …«

»Schuh?«, hilft der Vater, wie ein ungeduldiger Kellner.

Mama hat den Film gekauft, hat das irgendwie mit dem Video-Verleih geregelt, denn Julia wollte genau diese Kopie haben, die, die Jonas geholt hatte, an dem Unfalltag. Der Himmel über Berlin. Schwester Petra hat das Blut von der Hülle gewischt. Aber die Hülle hat einen Sprung, wie die Brille von John Lennon, als er erschossen wurde. Jonas ist nicht erschossen worden. Er wurde überfahren. Der Fahrer des Lieferwagens, ein 38-jähriger Familienvater, der ihm die Vorfahrt genommen hat, wird jetzt seines Lebens nicht mehr froh.

Nach dem vierten Tag geht Julia wieder in die Schule. Alle starren sie an, als hätte sie die Pest. Fremde Mädchen fangen an zu weinen. Andere weichen ihr aus, als wäre sie ein Geist. Frau Franke, ihre Deutschlehrerin, spricht ganz offen über Jonas’ schrecklichen Tod, mitten im Unterricht. Dabei hat sie ihn gar nicht gekannt, aber sie kann sich gut in andere Personen hineinversetzen. »Ein bisschen mehr Empathie, meine Lieben«, ist ihr Lieblingsspruch. Aber das ist nicht eine von ihren Liebesgeschichten, die sie analysieren sollen, das ist Julias Geschichte, Julias und Jonas’, und sie geht keinen was an!

Julias Körper ist ein rohes Stück Fleisch, ohne Haut, und niemand versteht sie, auch nicht Charlotte, obwohl Charlotte sonst alles versteht, klar, denn sie sind seit dem Gymnasium beste Freundinnen, und es gibt auch keinen anderen Menschen, der so viel weiß über sie, außer Jonas. Noch nie hatte sie sich in so kurzer Zeit jemandem so offen gezeigt, sich so preisgegeben, hingegeben, IHM gezeigt, wie sie es am schönsten fand: ganz, ganz langsam und zuerst nur sie allein. Später durfte er ihr dann näher kommen, wenn sie bereit war. Sie konnte ihn verzaubern, denn er vertraute ihr. Und sie ihm. Wie leicht doch alles sein konnte. – Davon hat Charly nicht die geringste Ahnung, obwohl Julia weiß, dass Charly spürt, dass da eine Grenze überschritten wurde, mit der sie nichts zu tun hat. Deswegen ist sie eifersüchtig, auf Jonas.

Alle Wege führen immer wieder zu Jonas. Egal was sie tut, denkt oder hofft. JONAS!

Julia legt sich aufs Bett. Kaum liegt sie, auf dem Rücken, ausgestreckt, da klopft es. Julia weiß nicht, ob an der Tür oder am Fenster. Eigentlich hört es sich so an, als würde von oben aufs Zimmer geklopft, als wäre das Zimmer ein Karton.

Sie kann sich nicht rühren, liegt auf dem Rücken und schaut zum Fenster – da steht Jonas und ruft ihr etwas zu. Er ruft und ruft, sie kann es nicht verstehen, aber sie erkennt an seinen Lippen, was er ruft: JULIA! Und: Lass mich rein! Aber sie kann das Fenster nicht öffnen, es klemmt, sie haut dagegen, legt die Handflächen auf das kalte Glas. Jonas drückt seine Handfläche von der anderen Seite auf ihre. Sie kann ihn nicht fühlen. Das Glas, das sie trennt, bleibt kalt. Plötzlich rutscht Jonas vom Fensterbrett, verschwindet in der Tiefe. Fällt. Julia fällt auch, wacht kurz vor dem Aufprall auf. – Nur ein Traum, aber das kalte Glas ist echt. Herzklopfen. Schweiß auf der Brust.

So geht es jede Nacht, kaum legt sie sich hin, kommt Jonas, er will zu ihr, er will ihr was sagen, aber sie hört ihn nicht.

Was denn, Jonas, was?

Die Zeit scheuert wie Sandpapier. Alles tut weh. Immer. Liegen, stehen, atmen. Essen geht auch nicht. Sie ist ruhelos. Klack-Klack-Klack – immer von einer Wand zur anderen.

Jonas! Ruft es in ihr. JONAS! Aber er gibt keine Antwort.

Den Film hat sie in die Schublade ihres Schreibtisches gelegt. Den kann sie nicht anschauen.

Mama holt sie jeden Tag von der Schule ab, fährt mit ihr zum Bäcker, einkaufen. Das Leben geht weiter. Die Psychologin ist nicht zufrieden mit ihrer Arbeit, sie glaubt, den normalen Trauerprozess noch nicht eingeleitet zu haben. Julia verkrieche sich zu sehr, sagt sie, weil Julia nicht mehr mit ihr sprechen will. Aber was soll sie denn sagen?

Abends sitzt diese Frau in der Küche und Julia soll auch in die Küche kommen. Papa nimmt Julias Hand, wann immer er sie kriegen kann. Ist ja lieb, aber besser wäre, sie würden sie in Ruhe lassen. In Ruhe gehen lassen, zu Jonas. Sie ist müde, so müde, dass sie es kaum in ihr Zimmer schafft und auf ihr Bett.

Kurze, schnelle Schritte, den Kopf zu Boden geneigt, den Oberkörper kerzengerade und die Hände auf dem Rücken verschränkt. Geballte Fäuste. Nicht mehr bereit, das Spielchen »Welche Hand?« zu spielen, denn der Wille fehlt, die Lust zum Spiel, auch der Gegenstand, den man erraten möchte. Stattdessen kurze, schnelle Schritte, und in den kalten Fäusten Schweiß.

Immer von einer Wand zur anderen. Klack-Klack-Klack – und umdrehen. Klack-Klack-Klack – und zurück.

Wunde Lippen, zerzauste Haare und in der Blumenvase kein Mohn.

Das Telefon schrillt. Der Kopf fährt hoch. Die Beine lassen die Schritte sein. Still, starr, stumm, ein erfrorener Moment am Nachmittag. Nur das Telefon schreit, kreischt und schimpft.

Dann ist es still.

So still war es noch nie. So still darf es auch nicht sein, und schon zuckt es wieder in den Waden, setzt der linke Fuß zum Schritt an, zieht der rechte hinterher, bis der Rhythmus übernimmt:

Klack-Klack-Klack – und der Kopf fällt auf die Brust und die Hände wollen nicht mehr auf den Rücken und der Rücken will nicht mehr gerade sein.

Finger im Mund. Am Daumen lutschen. Alle Finger schmecken. Kalte Finger. Das Herz im Hals wie ein Stück zähes Fleisch.

Der Gang zum Fenster. Es öffnet seinen Schlund. Und schon sind die Füße auf der Fensterbank und die Augen blicken hinab auf die nassgrauen Pflastersteine.

Aus der Ferne Sirenengeheul.

Der Körper fliegt; es rauscht in den Ohren.

Eine Möwe schwirrt vorbei.

»Was machst du denn da?«, fragt der Vogel.

»Ich fliege«, antwortet der Mensch.

»Aber Menschen können doch nicht fliegen.«

»Das siehst du ja.«

»Wohin fliegst du?«, fragt der Vogel.

»In den Tod«, sagt der Mensch.

»Man kann nicht in den Tod fliegen.«

»Das wirst du ja sehen.«

Und die Stockwerke sausen vorbei. Die Arme sind ausgebreitet wie Flügel. Das Telefon schrillt den Fliegenden hinterher.

»Nimmst du nicht ab?«, fragt der Vogel.

»Nein«, sagt der Mensch.

»Warum nicht?«

»Weil ich nicht will.«

»Was willst du nicht?«

»Reden.«

»Aber du redest doch auch mit mir«, sagt der Vogel.

»Das ist was anderes«, sagt der Mensch und prallt auf; mit dem Kopf zuerst, und der zerplatzt wie eine reife Wassermelone. Das Blut spritzt hoch, auf die weißen Federn der Möwe. Sie schüttelt sich und fliegt davon.

Julia wacht auf, schweißgebadet. Die Bluse klebt an ihr, wie blutdurchtränkt.

KAPITEL 5

Es war einmal

Sie hatte Jonas im Schwimmbad kennengelernt. Strahlend blauer Himmel, vierunddreißig Grad, Anfang Mai, die erste Hitzewelle in diesem Jahr, der erste Tag, an dem die Schwimmbäder öffneten, und sie war von ihrem ersten Sprechtraining wiedergekommen. Sie konnte gar nicht abwarten, endlich vom Beckenrand zu springen.

Das Prinzenbad war rappelvoll, Kinder kreischten, schubsten sich gegenseitig ins Wasser, Jungs, denen das Bauchfett über die Shorts schwabbelte, machten Arschbomben. Ein Gewimmel von allen Seiten. Nur im kalten Sportbecken ging es noch einigermaßen, dort würde sie gleich abtauchen. An diesem Tag hatte sie sich entschieden, alles zu tun, um an der Filmschauspielschule aufgenommen zu werden. Ttttt – ddddd – ttttt – ddddd – tippte sie immer noch mit der Zungenspitze gegen ihren Gaumen, zur Zungenlockerung, und ppppp – bbbbb – ppppp, um die Lippen locker zu halten.

Sie legte ihre Sachen in die Ruhezone, oben links, auf der Tribüne. Von Ruhe konnte jedoch keine Rede sein. Kleine Jungs rannten hintereinander her und schlugen sich mit nassen Handtüchern. Julia musste ausweichen. Warum fand sie Charlotte nicht? Charly hatte ihr doch hoch und heilig versprochen, ab 16 Uhr im Prinzenbad zu sein. Julia musste dringend ins Wasser!

Als sie wiederkam, tropfend, frisch – sogar leicht und angenehm fröstelnd –, saß Charlotte auf ihrem Handtuch und aß ein Eis.

»Damit hättest du ja auf mich warten können«, sagte Julia und deutete auf das Eis.

»Nein, sorry, konnte ich echt nicht.« Charlotte grinste. Ihre braunen langen Haare waren mit einem Bleistift hochgesteckt.

»Gut. Dann musst du gleich noch mal mit mir mitkommen und ein Eis essen.«

»Es gibt Schlimmeres.« Charly hielt ihr das Mango-Zitronen-Eis hin; Julia biss ein Stückchen ab, ließ es auf der Zunge anschmelzen und die Kehle runterrutschen. Sie bemerkte, wie jemand sie ansah, ein Typ, er lag, ein paar Handtücher weiter, schräg auf der Seite, den Kopf auf die Hand gestützt. Aus seinen dunklen Haaren tropfte Wasser. Er guckte sie an und guckte auch nicht weg, als sie guckte. Sein Blick huschte über ihren Körper, dann schaute er ihr in die Augen. Irgendwie schmachtend. Unverschämt. Sie hielt seinem Blick stand. Das hatten sie gerade im Sprechkurs geübt – Blicken standzuhalten beim Textaufsagen, sich nicht ablenken lassen. Atmung zentrieren. Aufrichten!

Sie kontrollierte ihre Atmung, richtete sich auf. Schaute zurück, bis der Junge von dem anderen Jungen angesprochen wurde, der hinter ihm lag und sich jetzt zu ihm umdrehte. Der andere hatte blonde, nasse Haare und seine Rippen zeichneten sich deutlich unter der Haut ab. Da tropfte Charlys Eis auf Julias Hüfte. Sie zuckte zusammen, quiekte, wischte es weg, schimpfte mit Charly, sah den unglaublich blauen Himmel; das Wasser auf ihrer Haut war schon wieder getrocknet.

»Ich glaub, ich geht noch mal unter die Dusche.«

Als Julia mit Charly aufstand und zur Dusche ging, fühlte sie einen Blick auf ihren Waden hochwandern, durch die Kniekehlen hinauf, an den Schenkeln entlang, zum Po. Sie drehte sich nicht um, aber sie war sich sicher, dass es der Blick des blonden Jungen war. Später hatte sie Jonas danach gefragt und er hatte »ja« gesagt, er habe ihr nachgeschaut, wie sie mit ihrer Freundin zur Dusche gegangen sei, und er habe ihr auch noch hinterhergeschaut, als sie sich das kalte Wasser auf den Kopf prasseln ließ, und er hätte auch gesehen, dass sie in seine Richtung geschaut hätte.

Beim Eisholen hatten sie sich dann getroffen. Der Dunkelhaarige hieß Kolja. Die beiden setzten sich ihnen gegenüber, zwei Jungen und zwei Mädchen auf zwei grünen Bänken. Es roch nach Pommes und Sonnenmilch, Kolja trug eine Sonnenbrille. Die Gläser waren groß und dunkel, Julia konnte nicht erkennen, wohin er sah; sie spiegelte sich in den Gläsern wider. Der gelbe Bikini saß wunderbar; ihr Bauch war okay, sie setzte sich gerade hin und schlug die Beine übereinander. Charly saß immer krumm, sogar im Bikini. Sie stand zu ihrer Speckfalte, die wegen des unvorteilhaften Sitzens größer ausfiel, als sie eigentlich war. Julia hatte ihr schon so oft geraten, sie solle sich gerade halten, dann würde auch die Speckfalte verschwinden, worauf sich Charly jedes Mal so gerade hinsetzte, als hätte man ihr einen Besenstiel durch die Wirbelsäule gerammt. Aber nach wenigen Sekunden sackte sie wieder in sich zusammen. Wie konnte man sich nur so gehen lassen! Julia konnte sie jetzt allerdings nicht darauf ansprechen, sie konnte gar nicht sprechen, nur lauschen, was der Blonde sagte. Jonas’ Stimme war wie Streicheln, gleich von Anfang an.

Charly alberte dann mit dem Dunkelhaarigen herum. Sie brachte Kolja andauernd zum Lachen, dabei vibrierte sein Sixpack. Julia mochte lieber den staksigen Körper von Jonas. Und diese wuscheligen Haare, die ihm immer wieder über die Augen fielen. Sie verabredeten sich für den Abend, in der Kulturbrauerei, zu einer Hip-Hop-Party.

Zum Abschied küsste Kolja Julia auf die Wangen, hielt sie einen Tick zu lange fest. Julia hatte dabei die ganze Zeit Jonas angeschaut. Er reichte ihr die Hand – keine Abschiedsküsschen, aber ein Blick, der sie bis in den Zellkern traf. Ihre Hand stolperte in seine. »Also bis dann!«

»Bis heute Abend!«

Abends dann das große Geknutsche. Getanzt hatten sie schon, Bier getrunken, sich die Hälse heiser geschrien, nun wollten sie ein bisschen chillen. Charly und Kolja hatten sich in eine Sofaecke verdrückt, Charly war gleich in Koljas Armen versunken. Mannomann, hatte Julia noch gedacht, die Charly! Das ging aber schnell, wo sie doch sonst mit Annäherungen ewig braucht.

Jonas und Julia sind dann in die Bar gegangen, haben sich erst noch an die Theke gesetzt, noch eine Weile geredet, über Musik, das Prinzenbad und den Wunsch, mal ganz allein in einem 50-Meter-Becken zu sein. Als ein Sessel gegenüber frei wurde, machte er sie darauf aufmerksam. Sie setzte sich hin, Jonas schwang sich auf die Lehne. Sie alberten noch ein bisschen herum, dann rutschte er zu ihr in den Sessel. Sie schauten sich an, neugierig, hungrig und dennoch mit so einer Ruhe, als hätten sie sich schon oft gesehen. Er hatte dichte Augenbrauen, eine schmale, gerade Nase, hohe Wangenknochen, und wenn er lachte, schüttelte er sich ein bisschen. Irgendwann wurden sie ganz still und er legte eine Hand auf ihre Wange; sie schmiegte sich hinein. Alles passte: die Hand, die Wange, die Temperatur, die Geschwindigkeit, mit der er näher kam und sie auf einen Mundwinkel küsste. Es war wie kaum berührt, ein Flügelschlag. Dann blendete sich die Umgebung aus und sie versanken tief im Sessel. Jonas’ Lippen waren weich, seine Zunge lockte sie, ließ sie gewähren. Noch nie hatte sie so lange und ausgiebig geknutscht. Sonst artete Geknutsche schnell zu einem Gedrängel und Gefummel aus. Aber Jonas fummelte nicht, er küsste sie und ließ sich küssen, als müssten sie ihr Leben lang nichts anderes mehr tun.

Sie kann noch immer seine Küsse spüren. Seinen Mund schmecken, fühlen, wie seine Zunge sich um ihre wälzt, seine Lippen an ihren saugen, knabbern. Aber jetzt ist da nur noch IHRE Zunge in ihrem Mund, nur EIN Mund übrig geblieben.

Man muss der Realität ins Auge sehen.

Sie möchte die Realität am liebsten wegschreien. Aber geschrien hat sie schon, auch in die Luft geschlagen, getreten. Das tut alles nicht gut. Doch wenn sie sich so sehr nach ihm sehnt, dass sie fast von innen verbrennt, dann muss sie irgendwas tun, um sich vom Schmerz abzulenken, sich kneifen, sich ohrfeigen, sich in den Bauch boxen – aber nein, das ginge zu weit. Sie ist ja nicht verrückt!

Doch was ist sie dann?

»Liebeskummer ist eine schlimme Krankheit«, sagt Mama.

Aber Julia hat keinen Kummer. Kummer ist etwas Kleines, was man wegtrösten kann. Sie hat Schmerzen, so groß, als hätte man ihr mit der Axt den Körper gespalten und die zwei Hälften notdürftig wieder zusammengedrückt. Nur passen sie nicht mehr zusammen. Nichts passt mehr, seit Jonas nicht mehr da ist. Dabei spürt sie doch, dass er noch da ist. Wenn sie nur wüsste, wo. Sie würde alles darum geben, ihn wiederzutreffen.

Am nächsten Tag steht sie am Kottbusser Damm, Ecke Urbanstraße. Sie weiß selbst nicht, wie sie hierhergekommen ist, zur Unfallstelle. Eine Mutter mit Kinderwagen fährt ihr in die Hacken und entschuldigt sich nicht mal. Türkische Frauen, mit dicken Hintern und dicken Plastiktüten, watscheln an ihr vorbei. Sie steht am Rand einer klaffenden Wunde. Kein Blut zu sehen, nur fließender Verkehr. – Die Sonne scheint, aus einem Auto schallt arabische Musik, Radfahrer sausen bei Rot über die Ampel. Alles fließt, rollt und geht, nur sie steht. Kein Schritt, nirgends – wohin auch? Es gibt kein Vor und kein Zurück. Aber wenn sie sich nicht einen Ruck gibt, klumpt sich ihr Herz in der Brust fest, fällt aus ihr heraus und wird von einem Lieferwagen überfahren. – Von einer Sekunde auf die andere schaltet sich das Leben aus.

»Jehste nu – oder jehste nich?«, sagt ein alter Mann auf dem Fahrrad. Julia dreht sich um. Klack-Klack-Klack – immer geradeaus. Klack-Klack-Klack – und nicht zurück.

KAPITEL 6

Abschied nehmen

Sie will allein zur Beerdigung. Abschied nehmen, sagt die Psychologin, sei ganz wichtig. Davon, Jonas noch mal zu sehen, haben ihr alle abgeraten. Irgendwie haben sie ein Auge nicht mehr richtig hingekriegt, das ganze Gesicht sei deformiert. Gehirn sei auch nicht mehr viel vorhanden. Sie mussten ihn mit Mull ausstopfen. Sie will ihn auch nicht mehr sehen, im Sarg schon gar nicht. Das hat nichts mit ihrem Jonas zu tun. Den sieht sie sowieso, muss nur die Augen zumachen.

Die Sonne scheint. Julia ist die Letzte, die durch das schmiedeeiserne Friedhofstor geht. Einen Fuß vor den anderen setzen, Schritt für Schritt. Gehen; es ist, als sei sie gar nicht hier, als schaue sie sich zu, wie in einem Film.

Die Leute stehen im Schatten, verstecken ihre Gesichter, haben Taschentücher in den Händen, Blumen.

KAMERA SCHWENKT

Die Tür der kleinen Kapelle steht offen. Seine ganze Klasse scheint da zu sein. Auch Snickers und Rudi, aber zu denen will sie nicht.

SCHNITT

Seine Eltern in der ersten Reihe.

SCHNITT

Bloß nicht reden.

Auf dem Dach der Kapelle sitzen Krähen, weiter oben quillt ein weißer Kondensstreifen durchs Himmelblau.

SCHNITT

Jemand sagt, es sei furchtbar und ungerecht, ihn so früh von uns genommen zu haben.

Wer hat ihn genommen?

Wer hat ihn ihr weggenommen?

Warum hat man ihn ihr weggenommen?

Julia, du darfst dich nicht in diese Denkspirale reinziehen lassen. Du musst vorher stoppen!

STOPP

Blätter rascheln, trudeln ihr vor die Füße. Dabei ist es noch gar nicht Herbst.

Julia setzt ihre Sonnenbrille auf, bestimmt sieht sie jetzt aus wie eine Mafia-Witwe, in dem schwarzen Kleid. Aber sie trägt die grünen Flip-Flops, die Jonas so geliebt hat, für ihn. Schau dir doch nur mal deine Füße an, wie schön sie sind, mit diesem grünen Streifen zwischen den Zehen. Und dann haben sie sich ihre Füße angeschaut und er hat einen Fuß in die Hand genommen und mit der Handfläche über ihre Fußsohle gestrichen, ist mit zwei Fingern um ihren Knöchel gekreist, erst um den äußeren, dann um den inneren und hat ihre Zehen geküsst, jeden einzeln; so hat sie ihre Füße das erste Mal richtig wahrgenommen.

Sie hört die Flip-Flops an ihre Fußsohle schlappen, der Wind weht ihr das schwarze Kleid zwischen die Knie.

NAHAUFNAHME DER WITWE. SCHNITT

Es kostet Kraft, vorwärtszugehen. Nichts ist umsonst auf der Welt!

Klack-Klack-Klack – an der Kapelle vorbei.

»Wohin gehst du?«, fragt der Vogel.

»In den Tod«, sagt der Mensch.

»Man kann nicht in den Tod gehen«, sagt der Vogel.

Vor ihr der Trauerzug. Sechs Männer tragen den Sarg; es geht leicht bergauf. Eine alte Frau mit grüner Gießkanne weicht aus, schaut dem Trauerzug hinterher; vor einem offenen Grab bleibt er stehen. Julia sieht durch die Menge hindurch die Grube.

Endstation, bitte alle aussteigen! Ausstieg in Fahrtrichtung links.

Sie kann nicht näher herangehen, der Abgrund zieht sie an, zieht sie hinein in die Kuhle, und dann wirft ihr noch jemand Sand auf den Kopf.

Der Sarg wird an Seilen hinabgelassen, Erde geworfen. Man wechselt sich ab. Einige nehmen eine Kinderschaufel, andere die bloße Hand.

Selig sind die, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Und du wirst niemals alleine sein.

»Julia«, hört sie Jonas rufen. »Julia!«, als würde er hinter einer Platane hocken und seiner eigenen Beerdigung zusehen. Er lacht.

»Komm zu mir, Julia!«

Sie fährt herum, blinzelt gegen die Sonne, es ist plötzlich so hell. Da steht er tatsächlich, hebt eine Hand, kommt auf sie zu, in schwarzem Hemd, schwarzer Hose, großer Sonnenbrille. Er hat etwas in der Hand. Eine Hülle. Den Film.

Der Himmel über Berlin.

»Julia!«

Es ist nicht der Film. Es ist eine CD.

Er steht vor ihr. Fremd.

Es ist gar nicht Jonas. Es ist Kolja.

Er hat die Haare kürzer als sonst, heller, blonde Strähnchen.

Sie gehen zusammen vom Friedhof. Er wollte die CD ins Grab tun, damit Jonas Musik bei sich hat: Stadtaffe, Peter Fox. Aber man darf keine CD ins Grab tun. Tote können keine Musik mehr hören, jedenfalls nicht von einer CD. Sie schaut auf das Cover. Hochhäuser im Hintergrund, alles ist grau. Einer seiner Lieblingssongs: Schwarz zu Blau.

Eine Straße weiter ist ein Café. Die Leute sitzen draußen in der Sonne, lachen, trinken Latte Macchiato. Julia bestellt sich frisch gepressten Orangensaft. Kolja legt seine Hand auf ihren Arm, ganz sanft.

Das tut gut. Der Orangensaft auch. Kalt und fruchtig.

»Jonas hätte sich jetzt auch Orangensaft bestellt und ein Croissant dazu. Und auf das Croissant hätte er Zucker gestreut«, sagt Kolja.

»Zucker?« Sie muss ein Weilchen überlegen, was Zucker ist. Und wie das schmecken könnte.

»Wie lange kanntest du Jonas?«, fragt sie Kolja. Er hat seine Hand von ihrem Arm genommen.

»Schon ewig. Wir haben uns im Buddelkasten kennengelernt. Er hat mir mit der Schaufel auf den Kopf gehauen, daraufhin habe ich ihm seinen Eimer weggenommen. Das ging dann ein Weilchen so weiter, bis wir Freunde wurden.«

Julia sieht Jonas vor sich, als kleinen Jungen, mit der Schaufel und einem Eimer.

»Und dann?«

»Was und dann?« Koljas Stimme tut gut. Kolja soll noch mehr von Jonas erzählen.

»Jonas und ich sind wie Brüder aufgewachsen. Derselbe Kindergarten, dieselbe Schule. Er liebte Lakritzschnecken, ich hasste Lakritzschnecken.«

»Und Peter Fox mochtet ihr beide?«

»Klar. Das war unsere erste richtig coole Musik. Wir waren damals gerade elf oder zwölf, hatten zwar noch nie eine Nacht im Club durchgemacht, aber Schnapsleichen, die frühmorgens irgendwo verwesen, und Kotze am Kotti hatten wir natürlich längst gesehen und konnten es gar nicht abwarten, auch endlich mal nachts zu leben, unter all den Stadtaffen von Berlin. Jonas hatte dann als Erster einen MP3-Player. Bis dahin hatten wir immer unsere CDs mit uns rumgeschleppt.«

Kolja fängt an zu weinen. Julia legt ihre Hand auf seinen Arm, lässt ihn weinen, gibt ihm ein Taschentuch. Er weint um seinen besten Freund, atmet tief durch. Sein Atem zittert. Julia zittert es selbst im Hals. Sie kennt die Tränen, das Aufatmen. Und dann geht es wieder ein Weilchen gut.

»Ich muss jetzt gehen«, sagt sie.

»Soll ich dir das Album auf dein Handy laden?«

Sie nickt.

Kolja bezahlt für sie mit, gibt der Kellnerin Trinkgeld, begleitet Julia noch ein Stückchen. Wortlos gehen sie nebeneinander her, als hätten sie das schon immer getan.

»Erzählst du mir mehr von Jonas?«, fragt sie.

»Klar. Wann immer du willst.« Sie tauschen Handynummern.

»Also dann«, sagt er und schaut ihr in die Augen, erschöpft, blass, müde. Gibt ihr die Hand. Zart, sein Händedruck.

Der Schlüssel klimpert und klappert so laut in der Wohnungstür, als würde er nicht mehr passen. Mama kommt ihr entgegen.

»Da bist du ja! Wie geht es dir?«

Sie sinkt in Mamas Arme. Dann gibt es heiße Schokolade und Butterkuchen. Leichenschmaus. Das gab es nach der Beerdigung von Oma Iris. Es ist das Erste, was Julia wieder schmeckt. Seit sieben Tagen! So lange ist es jetzt schon her.

Am siebten Tage aber sollst du ruhn!

Sie isst drei Stück Kuchen, hat Koljas blonde Strähnchen vor Augen, den Sand, den sie auf den Sarg geworfen haben, Klack – so hat es gemacht, als der Sand auf den Sarg fiel. KLACK. Jonas Vater stand gebeugt, wie ein vom Wind gebogener Baum. Die Mutter ein gestrandetes Wrack. Sie funktionierten, wie ferngesteuert.

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