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Java und Bali - Wissen, wo die Reise hingeht

Hanna Thierfelder

Java und Bali - Wissen, wo die Reise hingeht





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Java und Bali

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Wissen, wo die Reise hingeht….

 

Hanna Thierfelder

Edition Bärenklau

 

 

EITION BÄRENKLAU/Ein EDITION BÄERENKLAU eBook, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius www.edition-baerenklau.de

Anregungen, Wünsche und Nachfragen richten sie bitte an den Verlagunter ed.b@arcor.de

Copyright ©, Hanna Thierfelder “JAVA BALI – Wissen, wo die Reise hingeht…“ 2013 by Hanna Thierfelder

Copyright ©, Cover 2013 by Hanna Thierfelder, Layout Steve Mayer

Ein CassiopeiaPress E-Book

©, der Digitalausgabe 2013 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren.
Statt uns die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.


Samuel Johnson (1696 - 1772)

Was soll das?

Dies ist nun schon das vierte Buch in der Reihe - Wissen, wo die Reise hingeht-. Wie schon die Vorangegangenen dient es der Reisevorbereitung, der Information oder einfach nur dem Lesespaß. Es handelt sich um keinen Reiseführer im herkömmlichen Sinn. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, da mich Reiseführer erstens langweilen und ich zweitens die vielen Zahlen und Informationen sowieso wieder vergesse, und ich glaube, dass es vielen anderen ähnlich geht.

Deshalb schreibe ich Bücher, die man in kürzester Zeit, zum Beispiel im Flugzeug, durchlesen kann, damit man auf unterhaltsame Art eine kleine Vorstellung davon bekommt, was einen erwartet.

In diesem Sinn wünsche ich den Lesern wieder viel Freude.

Warum Java und Bali oder von Jägern und Sammlern

Nach der Reise lässt sich die Frage leicht beantworten, weil es wunderschön war und wir viel Interessantes, aber auch Erschreckendes gesehen haben.

Den Anfang nahm diese Reise allerdings schon vor circa fünf Jahren in meinem Wohnzimmer. Ich saß mit Freunden zusammen und erzählte, wie so oft, von einer meiner Reiseunternehmungen. Meine Gäste waren zwei Studenten, die begeistert zuhörten und selbst vom Reisen träumten, da sie es sich derzeit nicht leisten konnten.

Bei einer guten Tasse Kaffee beschlossen wir gemeinsam auf Reisen zu gehen und dafür das Geld zu sammeln, wo immer sich eine Gelegenheit ergab. Wir wollten es vermeiden, an unsere Ersparnisse zu gehen oder von unserem Verdienst etwas hinzuzufügen.

Wir suchten uns ein Ziel, das exotisch klang und Abenteuer versprach, und so eröffneten wir die Sulawesikasse. Sulawesi, die indonesische Insel, war nicht unbedingt unser Ziel, aber der Name klang so nach Fernweh, dass Sulawesi der Arbeitstitel unserer Reisevorbereitungen wurde.

Darüber, wie lange es dauern würde, bis wir das Geld zusammen hätten, haben wir nie nachgedacht, aber wir waren höchst motiviert und begannen Euro um Euro einzusammeln.

Unter anderem sammelten wir Pfandflaschen. Grundsätzlich sammelten wir nicht in der Stadt, da dort viele Menschen auf das Flaschenpfand angewiesen sind. Auf meinen Fahrradtouren fand ich Unmengen an Flaschen am Wegesrand. Die Umweltverschmutzer ließen den Inhalt der Sulawesikasse schnell anwachsen. Als besonders ergiebig zeigte sich auch ein Autohof neben der Autobahn Richtung Hamburg. Die LKW-Fahrer, die von Termin zu Termin jagen, lassen häufig ihre Flaschen zurück. Ich lernte anhand meiner Fundstücke, dass eilige LKW-Fahrer Energiedrinks zu sich nehmen und viele Pausierende Bier trinken. Einige Fahrer scheinen so gehetzt zu sein, dass sie während der Fahrt in Flaschen pinkeln, denn es gab einige Flaschen mit gelbem Inhalt, um die ich regelmäßig einen Bogen machte. Genauso habe ich es vermieden, in Mülltonnen zu gucken.

Jeder Brief wurde darauf kontrolliert, ob die Marke schon abgestempelt wurde. Viel Geld kam auf diese Art und Weise nicht zusammen, aber das lag eher daran, dass ich nicht so viel Post bekomme, als an gut arbeitenden Stempelmaschinen.

Alles im Haushalt, was man nicht mehr brauchte oder sich als Fehlkauf erwiesen hatte, wurde bei EBAY zu Geld gemacht. Häufig erhielt man dann nur einen Euro, wofür sich eigentlich die Zeit, die man für das Einstellen des Artikels und das Verpacken brauchte, nicht lohnt, von überhöhten Ebay-Gebühren ganz zu schweigen. Das Sammeln von Dingen und das Jagen nach Gewinn scheint aber ursprüngliche Instinkte in uns zu wecken, dass man den Zeitaufwand, um des minimalen Erfolges willen in Kauf nimmt. Bis zu alten Druckerkartuschen ließ sich fast alles zu Geld machen. Nur Bücher entpuppten sich als echter Ladenhüter, was ich traurig fand, da ich dazu neige den ideellen Wert dem materiellen gleichzusetzen.

Das Internet bot noch mehr Möglichkeiten Geld zu verdienen. Ich meldete mich bei einigen Paidmaildiensten an, die einen für das Betrachten von Werbung bezahlen. Leider musste ich feststellen, dass dort gemessen am Zeitaufwand, entgegen allen Versprechungen, gar kein Geld zu verdienen war. Meinungsumfragen waren da schon ergiebiger. Viele Portale kamen aber nicht in Frage, da man dort nicht für die Teilnahme bezahlt wurde, sondern nur Gutscheine erhielt. Manchmal wurde man zur Teilnahme aufgefordert, gehörte dann aber angeblich nicht zur Zielgruppe. Das kam bei der jungen Studentin deutlich häufiger vor als bei mir. Tatsächlich sind Meinungsumfragen oft nur eine versteckte Form von Werbung, wobei junge Kunden und Gebrauchtwagenfahrer häufig als nicht zahlungskräftige Personen ausgeschlossen werden. Geld bekommt also meistens nur derjenige, der sich auch für einen eventuellen Kauf interessiert oder bereit ist, sich das Label zu verinnerlichen. Ehrlich gesagt habe ich meine Seele zur Werbemüllhalde gemacht, aber nicht schlecht dabei verdient.

Gemeinsam mit dem Studenten meldete ich mich bei zwei Spieleportalen an. Jeder von uns spielte zuhause auf seinem Rechner einfache Spiele wie Bejeweled, Solitär oder Mahyong gegen unbekannte Gegner, aber vor allem gegen bare Münze. Es war eine kleine Investition von 10 Euro nötig, um über einen geringen Einsatz zu verfügen. Relativ schnell konnte wir beide uns das erste Geld auszahlen lassen. Je höher man allerdings im Ranking aufstieg, umso wahrscheinlicher wurde es, dass man verlor. Den größten Gewinn machte der Anbieter, und man musste zwei Spiele von dreien gewinnen, um plus minus Null dazustehen. Um Verluste zu vermeiden, lernten wir immer neue Spiele, und manchmal musste man sich bereits zwingen mit dem Zocken aufzuhören. Bei unseren regelmäßigen Treffen zeigten wir uns gegenseitig neue Strategien und gaben uns Tipps. Dabei machten wir den Fehler, uns von meinem oder seinem Computer in unsere beiden Accounts einzuloggen. Relativ schnell unterstellte man uns in betrügerischer Absicht von mehreren Accounts zu spielen, was dazu führte, dass wir auf den Spielplattformen gesperrt wurden. Wir hatten uns nichts vorzuwerfen. Wir beschwerten uns, aber genützt hat es nichts.

Ich begann Gutscheine und Treuepunkte zu sammeln. Treuepunkte brachten bei Ebay Geld, Gutscheine verwendete ich nur, wenn ich tatsächlich vorhatte ein Produkt zu kaufen.

Während der Zeit des Ansparens brachen, zumindest bei mir, die Urinstinkte des Jägers und Sammlers durch. Ich jagte den Schnäppchen hinterher und sammelte, was andere wegwarfen. Manchmal war es mir peinlich mich nach Flaschen zu bücken. Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, wofür ich mich eigentlich schämte, denn wenn ich es finanziell nötig gehabt hätte, hätte ich gar keinen Grund gehabt mich zu rechtfertigen. Niemand wusste, warum ich das tue. Wie müssen sich Menschen fühlen, die vom Wohlstandsmüll anderer leben müssen.

An dieser Stelle kommt Frau Lehmann ins Spiel. Sie wohnt in Berlin und hat vor vielen Jahren zwei indonesische Mädchen adoptiert, die mittlerweile erwachsen sind. Mit der indonesischen Sprache ist sie vertraut und kennt Land und Leute. Die Armut und die teilweise sehr schlechten Lebensbedingungen haben sie immer berührt und als sie vor Jahren eine kleine Erbschaft gemacht hat, eröffnete sie in Jakarta eine unentgeltliche Schule für die Kinder eines der vielen Slumgebiete. Mit ihrem christlich sozialen Engagement öffneten sich auch die Herzen vieler Reinickendorfer Grundschüler, die zusammen mit ihren evangelischen Religionslehrern und Lehrerinnen alljährlich für den Unterhalt der Schule sammeln. Die Kinder erfinden gemeinsam mit den Lehrkräften interessante Projekte, um den Kindern aus dem Slumgebiet den Schulbesuch zu ermöglichen. Wenn sie nicht zur Schule gehen würden, wären ihre ohnehin schlechten Zukunftschancen aussichtslos, und die meisten müssten wie ihre Eltern, ihren Unterhalt als Müllsammler verdienen.

Nun hatten wir solange für die Reise gesammelt, dass unser Anteil an der Reise den Kindern der HSC Schule zugutekommen sollte. Als Gegenleistung wollten wir der Schule einen Besuch abstatten.

Jetzt, wo ich nicht nur für unsere Reise sammelte, sondern gleichzeitig auch für einen sozialen Zweck, erhielt ich manchmal ganz unerwartet Unterstützung, wenn ich mit anderen beim Sammeln ins Gespräch kam. Eines Nachts beim Erntefest in unserem Dorf half mir ein circa 20-jähriger Mann beim Einsammeln der Flaschen, andere schenkten mir ihre leeren Druckerpatronen. Einige meiner Schüler legten mir ihre leeren Flaschen absichtlich neben mein Fahrzeug. Es kam nicht gerade viel Geld zusätzlich zusammen, aber ich finde, der gute Wille zählt.

Im Sommer 2011 hatten wir das Geld für die Flüge zusammen und allmählich mussten wir uns überlegen, wo es hingehen sollte.

Wohin nur?


Indonesien stand mittlerweile als Ziel fest, denn wir wollten auf jeden Fall nach Jakarta, aber Indonesien ist sehr groß. Es ist der größte Inselstaat der Welt und allein in westöstlicher Richtung kann man über 5000 Kilometer hinter sich bringen. Unsere ersten Überlegungen beschäftigten sich mit Sulawesi, schon wegen der gleichnamigen Spardose, aber die Idee wurde relativ schnell verworfen. Unsere Interessen lagen außerdem recht weit auseinander. Die Männer wollten viel baden und faul sein und deshalb ein oder zwei Inselparadiese kennenlernen. Jacky und ich wollten Naturwunder sehen und möglichst viel entdecken und besichtigen. Leider haben wir uns im Vorfeld nur darüber unterhalten, was jeder für Wünsche hatte, aber nicht darüber, was jeder für sich ausschließen wollte. Das wurde uns später zum Verhängnis, aber ich will der Reise nicht vorgreifen.

Keiner von uns hatte ein Interesse an einem Direktflug, da wir alle Flüge verabscheuten, die länger als zehn Stunden dauerten. So entschieden wir uns für einen Flug mit Qatar Airways, da die Gesellschaft eine gewisse Beinfreiheit im Flugzeug versprach und hatten so außerdem, auf dem Hin- und Rückflug, einen kurzen Zwischenaufenthalt in Doha, um uns die Füße zu vertreten. Wir buchten einen Hinflug nach Singapur, weil mein Mann diese Stadt nach vielen Jahren noch einmal sehen wollte, und wir uns beide daran erinnerten, dort besonders schmackhaft gegessen zu haben. Unseren Rückflug buchten wir ab Bangkok, eine Stadt, die wir immer wieder gern besuchen und sei es nur zum Einkaufen. Das Geld für die teuren Flüge lässt sich dort durch einige Schnäppchen schnell wieder reinholen. Beide Städte liegen nun mal bekanntlich nicht in Indonesien, aber die Billigfluglinie Air Asia verbindet Städte im kompletten asiatischen Raum. Für wenig Geld erstanden wir noch drei weitere Flüge, sodass nun unsere Reiseroute in etwa festgelegt war; Berlin-Singapur, Singapur-Bali, Yogyakarta-Jakarta, Jakarta-Bangkok, Bangkok- Berlin. Der Flugpreis kostet bei Air Asia manchmal das Doppelte oder Dreifache, wenn man nur in die entgegengesetzte Richtung fliegt. Das ist zwar unlogisch, nötigt einen aber zu einem bestimmten Streckenverlauf, wenn man sparen möchte. Für uns war die preiswerte Route etwas ungünstig, da wir Jakarta erst am Ende unserer Reise besuchen würden, und wir kleine Geschenke für die Kinder mitnehmen wollten. Die mussten wir nun wohl oder übel schleppen. Ein Vorteil war, dass wir hofften, dass die Ferien der Kinder vielleicht beendet wären, um einige Schüler der HSC- Schule näher kennenzulernen.

Wir planten zwei Inselgruppen für einen Badeaufenthalt ein und hofften, jede Menge Tempel und Vulkane zu sehen. Dann hieß es warten, denn wer günstige Flüge haben möchte, sollte mindestens dreihundert Tage im Voraus buchen, was allerdings auch die Vorfreude erheblich erhöht.

Außerdem hatten wir beschlossen kein unnötiges Risiko einzugehen. Wir ließen uns alle noch impfen, was sich schon über einen Zeitraum von drei Monate erstreckte. Besonders vorteilhaft ist eine Hepatitisimpfung, mit der man sich in den nächsten zehn Jahren sicher fühlen kann. Die Impfungen sind nicht ganz billig, aber einige gesetzliche Krankenkassen übernehmen auch die Kosten, was nicht für alle Privatkassen gilt. Die beiden Studenten mussten noch einen Reisepass beantragen, und wir waren froh, dass unsere Pässe noch länger als sechs Monate gültig waren, sonst bekommt man nämlich kein Visum. Obwohl man in Indonesien das Visum auch am Einreiseflughafen bekommt, beschlossen mein Partner und ich, es bereits in Berlin zu beantragen. Das ging schnell und problemlos per Einschreiben, allerdings wäre das Flughafenvisum deutlich günstiger geworden. Und wie es uns Jacky und Paul am Flughafen von Denpasar vormachten, ging dabei nicht einmal viel Zeit verloren.






























Los geht’s


Am Nachmittag des letzten Berliner Schultages vor den großen Ferien ging es endlich los. Mit Sack und Pack ging es zum Flughafen Tegel, von dem wir noch fliegen konnten, weil der Flughafen Berlin/Brandenburg nicht fertiggestellt worden war. Ganz unerwartet kam das nicht. Wir hatten damit gerechnet, weil in Berlin bestimmte Dinge grundsätzlich nicht klappen und Tegel war für uns viel besser zu erreichen. Nachdem sich Paul noch von allen seinen Freunden per SMS verabschiedet hatte, hoben wir endlich ab Richtung Doha. Leider hatten wir keine Plätze nebeneinander bekommen. Jacky hoffte im Flugzeug mit einem Herrn tauschen zu können, der sich allerdings ihrem Ersuchen entschieden verweigerte. Er bestand auf seinem Sitzplatz, weil er im Falle eines Absturzes nur auf diesem identifiziert werden könne. Wir haben ihn nicht weiter beobachtet, aber er blieb bestimmt angeschnallt, um nicht aus Versehen auf einen anderen Sitzplatz geschleudert zu werden. Da wir seine skurilen Ängste leider nicht zerstreuen konnten, blieb Jacky bis Doha zwar in Sichtweite, aber kaum in Gesprächsbereitschaft. Die Zeit bis Doha verging jedoch recht schnell. Das Essen war gut und reichlich, und die Auswahl an neuesten Kinofilmen und Serienhighlights mehr als ausreichend.

Der Zwischenaufenthalt in Doha war extrem langweilig. Es war mitten in der Nacht, und wir wurden allmählich müde. Das Gastgewerbe nahm für unsere Verhältnisse horrende Preise und lediglich die Zigaretten im Duty Free Shop wirkten preiswert. Das schienen auch alle Raucher auszunutzen, die sich in zum Gang hin verglasten Räumen befanden, in denen die Rauchschwaden so dicht durch die Luft waberten, dass man sie kaum noch erkennen konnte. Rauchen war dort nicht mehr nötig, einatmen reichte völlig aus. Das manchmal jemand in seinem orientalisch, weißen Gewand heraus kam, verwunderte schon, denn nikotingelb war wesentlich wahrscheinlicher. Es war schon merkwürdig, wie viel Wert man auf diesem Flughafen auf kleine exquisite Shops legte, und auf der anderen Seite war man nicht mal in der Lage eine vernünftige Lüftung einzubauen.

Wir waren froh, als wir endlich das riesige Flugzeug nach Singapur besteigen konnten. Auch diesmal konnten wir leider nicht zusammensitzen. Wir saßen auf Höhe der Flügel und unsere Freunde ganz hinten im Flugzeug. Sie hatten eine deutlich bessere Sicht als wir, aber dafür war dort eine Essensauswahl nicht mehr möglich. Durch die Zeitverschiebung kamen wir etwa einen Tag nach unserem Start in Singapur an.





















Zwischenstopp Singapur

In Singapur ist es recht schwierig, eine preiswerte Unterkunft zu finden, und wir hatten uns schon ein halbes Jahr vorher für das Amrise Hotel im Stadtteil Geylang entschieden. Es war preiswert und bot eine Dusche mit Warmwasser, lediglich auf ein Fenster mussten wir verzichten. Für 27 Singapurdollar, das sind umgerechnet 17 Euro, brachte uns ein Taxi zum Hotel. Der Fahrer machte uns noch darauf aufmerksam, dass man in diesem Stadtteil besonders gut essen könnte. Wir genossen es wohl für ein letztes Mal in einem Taxi mit Taxameter zu sitzen, was einem deutlich mehr Preistransparenz verleiht.

Das Hotel entsprach voll und ganz unseren Erwartungen. Man begegnete uns freundlich, und die Zimmer waren sauber und einfach, was ausreicht, wenn man sich dort nur zum Schlafen aufhalten möchte. Etwas befremdlich war allerdings das Bild, das man über dem Bett aufgehängt hatte. Es zeigte eine norddeutsche Dünenlandschaft, und man konnte sich gut vorstellen, wie der kühle Wind über das Hafergras strich, während wir seit unserer Ankunft in Singapur nur schwitzten. So hatte ich diese Stadt auch in Erinnerung behalten. Man tritt aus dem Flughafengebäude und prallt von einer Wand feuchtwarmer Luft zurück.

Wir erholten uns kurz und beschlossen noch diesen Abend nach Little India zu fahren, einem zentral gelegenen Stadtteil, der Heimat vieler indisch stämmiger Einwohner Singapurs ist. Die Metrostation Kallang war zwar nur sechs- siebenhundert Meter entfernt, aber als wir sie erreicht hatten, hätten wir eigentlich schon wieder eine Dusche gebraucht. Es stellte sich recht schwierig heraus, das richtige Ticket zu bekommen. Wir brauchten ein Ticket mit einer Gültigkeit von 48 Stunden, aber die gab es am Automaten leider nicht. Eine Angestellte saß in einem Glaskasten an der Eingangsschranke und ein weiterer Angestellter kontrollierte, dass man ja nicht mit Getränken oder Speisen die Eingangsbarriere passierte. Sie waren in der Lage Auskunft zu erteilen, aber Fahrkarten verkauften sie nicht. Die benötigten Tickets gab es nur an bestimmten Bahnhöfen, was für uns bedeutete, erst einmal drei Stationen bis City Hall fahren zu müssen. Also beschlossen wir die einmaligen Fahrkarten am Automaten zu ziehen, was aber mangels Kleingeld nicht möglich war. Wir einigten uns, in dem kleinen Kiosk neben dem Automaten etwas zu kaufen, wobei die Auswahl leicht fiel, denn alle hatten Durst. Ich bat Wolfgang eine Flasche zu kaufen, aber weil bei ihm das körperliche Unwohlsein den Verstand dominierte, kam er freudestrahlend mit zwei Flaschen, aber ohne Wechselgeld wieder. Ich war sauer und ging nun selbst in den Laden und kaufte auch für mich eine Flasche Saft, deren Inhalt allerdings ungenießbar chemisch schmeckte, aber zumindest konnten wir nun alle die erforderlichen Fahrscheine ziehen. Schon zehn Minuten später hatten wir die richtigen Tickets erworben. Man erhält dort eine wieder aufladbare Plastikkarte mit integriertem Chip, die man beim Ein- und Ausstieg an den Scanner hält. Auf diese Art und Weise soll unnötiger Papiermüll durch Fahrscheine vermieden werden. Sauberkeit, Umweltschutz und Sicherheit sind überall oberstes Gebot. Kein Fahrgast kann aus Versehen vor die Metro fallen. Jeder Einstieg ist mit Schranken und Türen gesichert, die sich erst öffnen wenn die Bahn endgültig zum Stehen gekommen ist.

Als wir die Bahn in Little India verließen, kam uns das Ganze noch wenig indisch vor. Wir blickten auf ein Hochhaus, an dem unter jedem Fenster drei bis fünf Meter lange Stangen herausragten, an denen Wäsche aufgehängt werden konnte. Davor befand sich ein Spielplatz, der gleichzeitig auch öffentlicher Fitnessplatz war. Dort trainierte gerade eine Muslima mit Handy am Ohr auf dem Crosstrainer, während ihre Kinder wahrscheinlich auf einem der vorhandenen Spielgeräte spielten. Singapur wirkt immer praktisch und effektiv.

Kaum waren wir um die Ecke gegangen, befanden wir uns schon im quirligen Little India. Bevor wir auf Entdeckungsreise gehen wollten, zog es uns in ein Restaurant. Da wir draußen sitzen wollten, war die Auswahl nicht besonders groß. Wir entschieden uns für ein Restaurant mit der Aufschrift ‘Fish Hut‘. Das war ein Fehler, denn wenn man etwas liest, was dem Namen nach schon an eine bekannte Fast-Food-Kette erinnert, sollte man einen weiten Bogen darum machen. Das Essen war teuer und nicht gut gewürzt, lediglich Chili hatte man großzügig verwendet. Der bestellten Fischplatte mangelte es an Fisch, obwohl wir beim Anflug auf Singapur viele Fischaufzuchtbecken gesehen hatten. Der Fisch, den wir erwartet hatten, schwamm wohl noch dort. Die bestellten Getränke, Cola, Bier und für Wolfgang ein Lassi (Joghurtgetränk), sorgten für ein gewisses Wohlgefühl.

Anschließend ließen wir uns durch die kleinen Straßen treiben, vorbei an Schmuckgeschäften, die vom Gelbgold der Ausstellungsstücke erstrahlten. Stoffgeschäfte boten Seidenballen für Saris an und Blumengeschäfte verkauften Girlanden, die zur Spende an die vielen Götter dienen sollten. Die Luft war durchzogen von Düften aller Art; Parfüms, Räucherstäbchen und Gewürze, alles mischte sich in der tropischen Luft.

An der Hauptstraße der Serangoon Road, liegt der Sri Srinivasa Perumal Tempel. Er wirkt besonders farbenfroh durch den 24 Meter hohen Eingangsturm, der mit bunten und nachts beleuchteten Gestalten Besucher anlockt. Wir betraten kurz den Tempel, aber wir wollten die vielen Gläubigen dort nicht weiter stören. Hier wurde der Gott Perumal verehrt, den man auch als Vishnu, einen der drei Hauptgötter des Hinduismus, kennt. In einer Parallelstraße befindet sich der buddhistische Tempel der 1000 Lichter, den wir diesmal nicht besuchten.

Wir fühlten uns durch den Flug und die Hitze erschöpft und machten uns auf den Heimweg, vorbei an unzähligen Baustellen, die einen zwangen, lange Zeit an Bretterwänden entlang zu laufen. Hier wurde auch nachts gearbeitet. Man konnte das Gefühl haben, dass diese Stadt nie schläft.

Zurück in Geylang tranken wir noch in Ruhe ein Bier, das mit Eis serviert wurde. Nachts konnte man auf vielen Gehwegen essen und trinken. Geylang war Touristenviertel, Wohnort vieler Malaien und beherbergte gleichzeitig auch das Rotlichtmilieu. Im Gegensatz zu Deutschland hatte man den Eindruck des entspannt Normalen. Hier schien es nichts, wie Rockerbanden oder ähnliches zu geben. Die Prostituierten warteten gut sichtbar vor den Lokalen auf ihre Freier und nur ab und an verwechselte man eine osteuropäische Touristin durch ihr freizügiges, geschmackloses Outfit mit den hier arbeitenden Huren.

Nach tiefem, festen Schlaf trafen wir uns morgens zu einem gemeinsamen Frühstück. Ich fand meinen Kaffee ungenießbar, weil er extrem süß war und ich versuchte zu erklären, dass ich keinen Zucker wollte, aber auch die zweite Tasse war wie die erste. Erst später begriff ich, dass die Süße durch die stark gezuckerte Milch entstand. Der Lonely Planet verriet uns, was wir in Zukunft bestellen mussten, wenn wir schwarzen Kaffee trinken wollten.

Wir beschlossen uns für diesen Tag zu trennen, da wir ja schon einiges in Singapur kannten und hatten deshalb vereinbart, uns abends am Zoo zu treffen. Wolfgang und ich beschlossen, in das Bukit Timah Natur Reservat zu fahren. Nach dem langen Flug stand uns der Sinn nach Bewegung und Natur. Außerdem hatten wir schon so einiges über die Schönheit der Naherholungsgebiete Singapurs gehört.

Die Anfahrt gestaltete sich etwas schwierig. An der Orchard Road, einem 2,2 kilometerlangen Einkaufsboulevard, sollte der 171er Bus abfahren. Erst liefen wir in die falsche Richtung, da uns auch hier wegen eines Bauzauns die Sicht genommen wurde, dann entdeckten wir die Haltestelle, aber der Bus fuhr in die falsche Richtung. Da er in einer Einbahnstraße abfuhr, konnten wir auch nicht einfach über die Straße gehen, um den Bus in die entgegengesetzte Richtung zu finden. Wir suchten fast eine halbe Stunde lang die Gegend ab, bis wir endlich im Bus Platz nehmen konnten. Je näher wir unserem Ziel kamen, umso mehr verdunkelte sich der Himmel. Als wir den Bus verließen ging ein halbstündiger tropischer Platzregen nieder, und wir konnten uns gerade noch in ein Lokal retten. In Singapur sind fast alle auf solche Situationen vorbereitet. Bei den ersten Tropfen hatten die meisten bereits einen Regenschirm in der Hand. Die anderen wählten wie wir das kleine Restaurant und aßen dort recht lecker. Frische Krabben auf Mangold gibt es schließlich auch nicht alle Tage.

Zehn Minuten entfernt liegt das Bukit Timah Naturreservat, das nach dem höchsten Punkt Singapurs, dem Bukit Timah von 163 Metern, benannt ist. Mitten in der Großstadt ist hier auf 164 Hektar Primärregenwald erhalten geblieben. Am Eingang findet man einen Parkplatz mit einer großen Karte auf der alle Wege verzeichnet sind. Hier ist verlaufen unmöglich, denn das Naturreservat bietet Urwald für Anfänger. Alle Wege sind farblich markierte, kurze Rundwanderwege, die man problemlos an den Kreuzungspunkten miteinander verbinden kann. Im Eingangsbereich befindet sich auch das Besucherzentrum, das einem einen geschichtlichen Überblick verschafft. Vom Dach verdampfte gerade der gefallene Regen.

Man merkt sofort, dass man sich in einem Naherholungsgebiet befindet. Die Hänge sind vor dem Abrutschen gesichert und der Besucher findet häufig Schutzhütten für plötzlich einsetzenden Regen. Gleichzeitig fühlt man sich aber auch in das alte Singapur versetzt, so wie Sir Stamford Raffles es bei seiner Ankunft vorgefunden haben muss. Als Agent der britischen Ost-Indien Kompanie hatte er Singapur als englische Niederlassung gegründet, die damals fast vollständig vom Regenwald bedeckt war. Früher war dieses Gebiet berüchtigt wegen der vielen dort lebenden wilden Tiger, aber der letzte wurde schon 1930 erschossen und zwar nicht von einen Engländer, wie man annehmen möchte, sondern von einen Chinesen.

Heute leben in diesem Naturreservat noch 500 Tierarten, wie Lemuren, Eichhörnchen und natürlich die gefährlichsten, die Affen. Überall machen Schilder darauf aufmerksam, sie nicht zu füttern, da sie sich dann zu gierigen Banden zusammenschließen, die in räuberischer Absicht über die Besucher herfallen.

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