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Jagd auf den Ladykiller

Jagd auf den Ladykiller

Western von Thomas West

Ein CassiopeiaPress E-Book

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© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Teil 1

Damals war Jackson keine ganz junge Stadt mehr. Viele Steinfassaden auf der Mainstreet, eine Menge städtisches Volk, und natürlich die verdammten Blauröcke. Der Krieg war erst seit zwei Jahren vorbei, und die Unionssoldaten begegneten einem auf Schritt und Tritt. An jenem Abend ritt eine ganze Kavallerie-Schwadron durch die Stadt. Ein paar Offiziere stiegen vor dem Saloon aus dem Sattel. Das war Scottys Glück.

Damals ging man auch in Jackson nicht ganz sorglos über die Straße, einer wie Scotty zweimal nicht. Sein Blick schweifte über Dächer und Bürgersteig und an Fenstern und Türen vorbei, während er durch die Staubwolke schritt, die sich hinter den Kavalleriegäulen auf die Straße senkte. Den Mann, der ihn tot sehen wollte, entdeckte er trotzdem nicht.

„Scotty!“ Jemand schrie seinen Namen. „Scotty!“ Eine Frau. Er fuhr herum, ließ sich gleichzeitig auf die ausgetrocknete Straße fallen und zog seinen .45er Colt.

Ein Schuss explodierte, vor der Hotel-Fassade stieg Pulverdampf aus einem Planwagen, eine Schrotladung peitschte den Staub drei Schritte hinter Scotty auf. Er rollte zur Seite, sah eine blonde Frau am Fenster stehen, sah sie winken, hörte sie schreien – und entdeckte endlich den Schützen: Er kniete hinter der Plane des Ochsenkarrens, der vor dem Hotel stand.

Wieder prasselte eine Schrotladung in den festgetretenen Boden der Straße, diesmal so dicht vor Scotty, dass ihm der Dreck um die Ohren spritzte. Die Blauröcke hatten sich längst auf die Bäuche geworfen, ihre Revolverläufe zielten in alle Himmelsrichtungen. An den Fenstern des Saloons drängten sich Cowboys, Männer riefen, und am Fenster heulte die Blonde sich die Seele aus dem Leib. Das Ochsengespann vor dem Wagen rührte sich nicht.

Scotty registrierte das alles nur beiläufig, seine Welt war auf den Planwagen vor dem Hotel zusammengeschrumpft, auf den Gewehrlauf neben der hinteren Planenöffnung, schon wieder richtete der sich auf ihn.

Ein einziges Mal drückte Scotty ab.

Das Echo seiner Kugel pfiff zwischen Saloon und Hotel hin und her. Erst fiel eine Flinte aus dem Planwagen, dann beulte sich die Plane aus, und schließlich kippte ein graubärtiger Mann in schwarzer Jacke von der Ladefläche. Sein Hut landete noch vor ihm im Staub.

Scotty atmete einmal tief durch. Diesen Atemzug lang herrschte Totenstille auf der Mainstreet. Sogar die Frau oben am Hotelfenster hatte aufgehört zu schreien.

Scotty blickte zu ihr hinauf und steckte seinen Colt ins Holster. Die Hände vor den Mund geschlagen stand sie da, blond, klein und etwas mollig. Ihre Blicke begegneten sich kurz. Sie drehte sich um und verschwand.

Scotty stand auf. Die Blauröcke rannten an ihm vorbei, als er sich den Staub aus den Kleidern klopfte. Bald standen und knieten eine Menge Leute um den Toten herum, ein Dutzend Männer, die meisten Unionssoldaten.

Scotty ging zu ihnen. Die Frau stürmte aus dem Hoteleingang, raffte die Kleider hoch, stieg auf die Straße und rannte zum Planwagen. Soldaten und Bürger machten ihr Platz, und sie ging vor dem Reglosen in die Hocke. Nicht lange, ein paar Sekunden, sie schrie nicht, sie weinte nicht, blickte nur auf den angeschossenen Mann im Straßenstaub hinunter. Er hieß Hendrik Robbins, fast neun Jahre lang waren sie verheiratet gewesen.

Er atmete noch, schnappend und oberflächlich zwar, aber er atmete. Trotzdem hätte Scotty keinen Cent mehr auf ihn gewettet, er wusste, wie Männer atmeten, die sterben würden.

Schritten knallten über den Bürgersteig. Der Sheriff kam auch schon. Sie machten ihm Platz. „Was ist passiert...?!“ Er wankte, als er sich zu dem Angeschossenen hinunter beugte.

Die Frau stand auf. „Scotty...“

Sie wollte sich an seine Brust werfen. Scotty hob warnend die Hand. „Bloß nicht, Jane“, flüsterte er. „Du wirst gleich Witwe sein...“

Sie schluckte. „Er hat mich gefesselt, Scotty.“ Sie hob ihre fleischigen Arme, Scotty sah die Abdrücke der Fesseln an den Handgelenken. Mit einer Kopfbewegung wies zum Hotelfenster hinauf. „Oben im Zimmer, auf dem Bett. Wenn er’s gründlicher gemacht hätte, wärst du jetzt tot...“

„Vielleicht“, knurrte Scotty. „Vielleicht auch nicht.“

Der Sheriff richtete sich auf, auch das wankend. Ein breitschultriger Kerl mit grauen Locken und buschigem Schnurrbart war er und meistens schon gegen Mittag betrunken; er hieß Jack Whitney. „Tut mir Leid, Mrs. Robbins.“ Jack Whitney nahm seinen Hut ab. „Ihr Mann ist tot.“ Jane Robbins senkte den Kopf und presste die Faust gegen den Mund. Scotty wusste, dass sie nicht weinte. Keine einzige Träne würde sie ihm nachweinen.

„Hat’s dir nicht gereicht, ihm seine Frau weg zu nehmen, Scotty?“ Der Sheriff streckte die Hand nach Scotty aus. „Musstest du ihm auch noch das Leben wegnehmen?“ Mit genügend Whisky im Kopf, pflegte der Sheriff von Jackson sich ein wenig theatralisch auszudrücken. „Deinen Revolver, Scotty. Du bist festgenommen.“

„Ich habe niemandem die Frau weggenommen, Mr. Whitney“, sagte Scotty. Mit einer Kopfbewegung wies er auf den Toten. „Er wollte mich in den Rücken schießen. Es war Notwehr.“

„Erzähle keinen Quatsch, Scotty! Her mit der Knarre!“

„Es stimmt, Sheriff.“ Einer der Blauröcke trat zu Jack Whitney. „Ich bin Colonel Frank Andrews vom Fünften Kavallerie-Regiment. Meine Männer und ich wollten gerade unsere Pferde vor dem Saloon anbinden, als es losging. Robbins hat mit einer Schrotflinte aus dem Wagen heraus auf den Mann hier geschossen. Ich kann es bezeugen.“

Der Sheriff hätte gern auf den Zeugen verzichtet, jeder sah ihm das an. Aus schmalen Augen äugte er von Scotty zu dem Blaurock, und von dem Blaurock wieder zu Scotty.

Der drehte sich wortlos um steuerte die Tür an, die er schon im Sinn hatte, bevor der erste Schuss fiel: Die Tür zum Saloon. Der Himmel über den Dächern von Jackson war dunkelgrau, der Tag ging zuende.

„Scotty!“, rief Whitney ihm hinterher. Mitten auf der Straße blieb Scotty stehen, sah aber nicht zurück. „Du bleibst in der Stadt, bis der County-Richter dich und die Zeugen gehört hat, klar?!“

 

*

 

Mary drückte die Tür mit dem Rücken auf. Bis zur Treppe schleppte sie ihren schweren Koffer über die Veranda. Es wurde schon dunkel. In den Stallungen brannten Öllampen, Mary hörte Männerstimmen aus der offenen Tür. Nur drei Männer waren auf der Ranch geblieben, um die Pferde zu versorgen.

Sie packte den Koffer und stieg die drei Stufen in den Hof hinab. Und dann dicht an der Veranda, an Schmiede und Werkstatt entlang bis zur alten Scheune, wo die Wagen untergebracht waren.

Marys Herz klopfte. Einer der Männer könnte zufällig aus dem Stallfenster blicken. „Na und?“, murmelte sie. „Ich kann gehen, wohin ich will...“ Sie keuchte, verdammt schwer so ein vollgestopfter Koffer. „Wohin ich will..., solange er nicht da ist...“

Er – das war ihr Mann Alister LaRoche, einer der mächtigsten Pferdezüchter und Plantagenbesitzer zwischen Monroe und Vicksburg. Seit ein paar Tagen hatte sie ihn nicht gesehen. Auf einer seiner Plantagen südlich von Vicksburg überwachte er die Ernte. Vor Anfang nächster Woche würde er nicht zurückkehren.

Nicht gesehen? O doch, jede Stunde stand sein Bild vor Marys innerem Auge. Sogar nachts, wenn sie schlaflos lag. Und jede Stunde jagte es ihr Angst ein. Sie wollte es loswerden, Al und sein Bild. Für immer loswerden.

Das Scheunentor stand offen, und zwei Rappen eingespannt vor dem Einachser. Aus dem Halbdunkel tauchte John Milton auf. Er nahm ihr den Koffer ab und hievte ihn auf die kurze Ladefläche des Einachsers. Alle auf der Ranch wussten, dass Al seine Pferde besser behandelte als seine Frau. Doch nur einer wagte es sein Mitgefühl offen zu zeigen: John Milton, der Vorarbeiter.

Mary zog ihr schwarzes Schultertuch über das rote Haar. Mitte dreißig etwa mochte sie gewesen sein damals, und immer noch eine schöne Frau. Nur das Leid der Ungeliebten stand ihr ins blasse Gesicht geschrieben, der bittere Zug um ihre vollen Lippen erzählte dem, der sehen konnte, was Mary keinem Menschen anvertrauen durfte.

Sie raffte ihr schwarzes Kleid hoch und stieg auf den Bock. John kletterte zu ihr und nahm ihr die Zügel aus der Hand. „Ich fahre Sie, Ma’am...“

Mary erschrak. „Das dürfen Sie nicht tun, Johnny! Wenn Alister das erfährt, sind Sie tot...“

Milton trieb die Rappen an, das Gespann setzte sich knarrend in Bewegung. „Es sind fast vierzig Meilen bis nach Vicksburg, Ma’am. Ich lasse Sie nicht allein durch die Nacht fahren.“ Er steuerte das Gespann weg vom Hof und nahm den Weg durch die Koppeln, damit die Männer in den Stallungen sie nicht sehen konnten.“ „Wenn Sie Ihr Schiff verpassen, kriegt er sich vielleicht wieder. Also fahre ich Sie.“

Mary sah ihn von der Seite an. Ob Johnny sie liebte? Sie wusste es nicht. Aber er verhielt sich wie ein Gentleman, schon seit seinem ersten Tag auf der LaRoche-Ranch. Seitdem wusste Mary sich nicht mehr ganz allein in dieser Einöde, und seit dem war es mit der Pferdezucht ihres Mannes aufwärts gegangen. Niemand verstand sich so gut auf Pferde wie John Milton, in ganz Mississippi und Louisiana nicht.

Die Pferde auf der Koppel hoben die Köpfe und äugten der Kutsche hinterher. Kurz bevor sie nach Osten auf den Weg Richtung Vicksburg abbogen, blickte Mary noch einmal zurück. Da lag sie in der Abenddämmerung, die LaRoche-Ranche: ausgedehnte Pferdekoppeln, Stallungen, Scheunen und das alte, steinerne Herrenhaus. Wie ein Schlösschen sah es aus mit seinen Erkern und Giebeltürmchen, und war doch ein Gefängnis. Ja, für sie, Mary LaRoche, war es ein Gefängnis.

Niemals hätte ich hier hin gehen dürfen, dachte sie, niemals... Sie hasste ihren Vater, der sie vor sieben Jahren gezwungen hatte, Alister LaRoche zu heiraten.

„Was werden Sie nun tun, Mrs. LaRoche?“, fragte Milton. „Ich meine, eine Frau wie Sie, jung und schön, und ganz allein...? Wohin werden Sie gehen...?“

„Fragen Sie mich nicht, Johnny, bitte.“

„Ich verstehe, Ma’am. Aber Sie können sich auf mich verlassen, wirklich. Auch ich werde nicht zur Ranch zurückkehren.“

Schon wieder überraschte er sie. „Das ist nicht Ihr Ernst, Johnny. Mein Mann vertraut Ihnen. Einen Job wie bei ihm kriegen Sie so schnell nicht wieder...“

Johnny lachte. „Hü!“, rief er. „Hü!“ Die Rappen fielen in einen leichten Galopp. Hügelkuppen und Bäume verschwammen allmählich mit der hereinbrechenden Nacht. „Gute Männer werden überall gebraucht, Ma’am. So viele sind auf den Schlachtfeldern geblieben.“ Er kramte seinen Tabakbeutel aus der Jacke. Mit der Rechten begann er sich eine Zigarette zu drehen, während die Linke die Zügel festhielt.“

„Sie tun das doch nicht meinetwegen, Johnny?“ In diesem Moment wünschte Mary, sie hätte allein fahren können. Wenn Milton ihr einen Antrag machte, wenn er ihre Situation ausnutzen würde...

„Ich habe einen Job in Saint Louis angenommen, Ma’am.“ Auf ihre Frage ging er nicht ein. Das beunruhigte Mary. „Bei einem Pferdehändler. Ich hab ihn in Vicksburg am Hafen getroffen. Er sucht einen Verwalter für sein Gut in Saint Louis.“ Milton rieb sein Schwefelholz unter dem Kutschbock an. Bald roch es nach Tabakdampf. „Schätze, wir werden ein Stück gemeinsam den Mississippi hinauffahren, Mrs. LaRoche.“

Sie nickte nur. Natürlich – es war nicht schwer sich auszurechnen, dass sie nach Norden hinauf wollte, nach Saint Louis oder den Missouri hinauf bis nach Kansas City. Genau wusste Mary es selbst noch nicht. Nur nach Westen sollte es gehen. Dorthin, wo ein Leben neu beginnen konnte. Entweder würde sie von Saint Louis aus mit der Eisenbahn fahren, oder die Wells-Fargo-Kutsche in Kansas City nehmen. Gleichgültig. Nur weg von Al.

Sie schwiegen eine Zeitlang. Es wurde dunkler und dunkler. Die halbe Nacht würden sie brauchen bis nach Vicksburg, ganz bestimmt. Marys Dampfer legte im Morgengrauen ab.

Erst hörten sie Hufschlag aus der Dunkelheit, dann sahen sie die Silhouetten von Reitern; sieben oder acht oder mehr. Zwanzig, dreißig Schritte vor ihnen stieg das Pferd des Mannes an der Spitze hoch. Die Reitergruppe hielt an; und versperrte ihnen den Weg.

Marys Atem stockte, ihr Herz stolperte. An der hageren Gestalt, an den Locken unter der Hutkrempe und an den wehenden Rockschößen hatte sie ihn erkannt; Alister. Von einer Sekunde zur anderen brach ihre Zukunft zusammen. Wie steifgefroren hockte sie neben Milton.

„Wohin des Weges, Johnny?“ Eisig, seine raue Stimme. Er trieb seinen Wallach neben den Kutschbock. Johnny brachte kein Wort über die Lippen, und Mary starrte auf die Mauer aus Reitern, die ihr den Weg in die Freiheit verbauten.

„Auf meine innere Stimme kann ich mich verlassen.“ Alister LaRoche stieg vom Pferd. „’Deine Männer haben die Plantage im Griff’, sagte sie heute Nacht zu mir. ‚Reit nach Hause und schau nach deinem Täubchen’, sagte sie. ‚Es wird sich einsam fühlen in seinem Bettchen’.“ Er packte Mary und riss sie vom Kutschbock ins feuchte Gras...

 

*

 

Der Wirt gab sich Mühe in sein Spülbecken, auf seinen Zapfhahn oder in die Menge seiner Gäste zu schauen, in Wahrheit aber linste er ständig zu Scott herüber.

Scotty nippte abwechselnd an seinem Kaffee und seinem Whisky. Der Saloon füllte sich, doch die Barhocker rechts und links von ihm blieben frei. Keiner wagte sich in seine Nähe, alle musterten ihn verstohlen; die Männer misstrauisch und voller Respekt, die Frauen scheu und mit schlecht kaschierter Neugier. Eine halbe Stunde und länger ging das so. Wenigstens griff der Pianist wieder in die Tasten.

Manchmal, wenn Scotty das Glas oder die Tasse hob, prüfte er, ob seine Hand noch zitterte. Oder er lauschte seinem Herzschlag. Der kurze Schusswechsel draußen auf der Mainstreet hatte ihn mehr aufgewühlt, als man ihm anmerkte. Sicher: Scotty liebte das Leben, und eben war er knapp am Tod vorbeigeschrammt. Doch näher noch als diese Einsicht ging ihm die Erinnerung an den nach Luft schnappenden Sterbenden neben dem Ochsenkarren.

So sehr Scotty Winter das Leben liebte, so sehr hasste er es, töten zu müssen.

Mit der kurzen Schießerei da draußen auf der Straße, war die Erinnerung an hundert Feuergefechte während der Bürgerkriegsjahre in ihm erwacht. Und mit dem Gesicht des sterbenden Hendrik Robbins tausend Gesichter gefallener Männer, in die Scotty hatte blicken müssen...

Im Spiegel der Flaschenbar begegnete er von Zeit zu Zeit seinem eigenen Blick. Dann prostete er dem hochgewachsenen Schwarzhaarigen mit den kantigen Zügen und den langen Koteletten zu und versuchte zu lächeln. Irgendwann sah er bei der Gelegenheit, dass sie hinter ihm wieder zu tanzen begonnen hatten, und irgendwann sah er die Frau. Sie löste sich aus der Menge auf der Tanzfläche und steuerte die Theke an. In ihrer Rechten baumelte ein Handtäschchen aus rotem Samt.

„Ich darf doch?“ Sie kletterte auf den Barhocker rechts von ihm. „Schock verdaut?“ Scotty sah in ihre blauen Augen und nickte. „Lydia“, sagte sie. „Gib mir einen aus, Scotty.“

Scotty winkte dem Wirt. „Du kennst meinen Namen?“ Er betrachtete sie. Ihr Haar war dunkel und fiel lang über ihre Schultern und Schlüsselbeine, die ihr dunkelrotes Kleid freiließ. Der Stoff spannte sich über große Brüste, und das Blut schoss Scotty augenblicklich in die Lenden. Ihr Rouge, ihr Lidschatten, ihr Schmuck, ihre geschlitzter Saum – sie machte nicht den Eindruck, als wollte sie die Männer abschrecken, ganz und gar nicht.

„Einer wie du fällt selbst in Jackson auf.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Da erkundigt man sich eben. Und die meisten hier kennen dich.“

„Ich bin kaum zwei Wochen in der Stadt.“ Der Wirt tauchte hinter dem Thekentisch auf, Lydia bestellte deutschen Weißwein. „Wer soll mich schon kennen?“

Sie blickte zum Spieltisch hinüber. „Die Kartenhaie zum Beispiel. Oder die ausgemusterten Soldaten. Oder ein paar Mädchen. Glaubst du, die schweigen alle den ganzen Tag?“ Lydia lächelte. Da war ein Zug um ihren Mund, der hatte etwas Verruchtes. „Du kommst aus dem Osten, heißt es. Von den Yankees?“

„Aus einem ihrer Gefängnisse“, sagte Scotty. „Ich habe unter General Lee gekämpft. Neunte Kavallerie-Brigade, drittes Regiment. Hatte eine eigene Schwadron.“ Er hob sein Glas, seine Miene wurde bitter. „Captain Scott Walker aus Montgomery, Alabama.“

Lydia zog die Brauen hoch. „Vorbei.“ Der Wirt stellte den Wein vor sie auf die Theke. Sie nahm den Kelch und stieß ihn gegen Scottys Whiskyglas.

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