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It´s Yoga, Baby!

Ruth Claire Happe

It´s Yoga,
Baby!

Gelassener durch die
Schwangerschaft und das erste
Lebensjahr

Die in „It´s Yoga, Baby!“ beschriebenen Übungen sind für alle Menschen geeignet, die sich in ihrem neuen Leben mit Kindern wohltuende Momente nehmen, sich stärken und entwickeln wollen. Für Schäden jeglicher Art, die direkt oder indirekt aus der Durchführung der im Buch beschriebenen Übungen resultieren könnten übernimmt die Autorin keine Haftung. Die Leserinnen und Leser sollen im buddhistischen Freiheits- und Selbstverantwortungsgedanken für sich selbst ihre Möglichkeiten und Grenzen erspüren.

Für die im Anhang aufgeführten Internetseiten wird die Haftung durch die Autorin dieses Buches ebenfalls ausgeschlossen.

1. Auflage 2020 ©
Ruth Claire Happe
Alle Rechte vorbehalten.
Covergestaltung: Ruth Claire Happe

Inhalt

1. Einleitung

2. Magic in Progress

2.1 Das ist mal so was von positiv

2.2 Jetzt wird’s rund

2.3 Nestbau für das Küken

2.4 (Über-)Lebensmittel für Mama und Papa

2.5 Dein Weg in die Welt

3. Born this Way

3.1 Welcome to this World

3.2 Rest for the Best

3.3 Ich bin gekommen, um zu bleiben

4. We are Family

4.1 Ein Weg entsteht, indem man ihn geht

4.2 Familienleben in all seinen Facetten

4.3 Partnerschaft 2.0

5. Bodylicious

5.1 Mama ist wunderschön

5.2 Mutter werden, Mutter sein

5.3 Von MütterMythen und SocialMediaMist

5.4 Mama +what?

6. Nachwort

7. Danksagung

Anhang

1. Einleitung

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen:
Wurzeln und Flügel.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Was für ein Wunder du bist, was für ein einzigartiges, zauberhaftes Wunder. So oder so ähnlich fühlt sich das erste Ultraschallbild eures Babys an. Staunen, hoffen, überwältigt sein, zweifeln, staunen. Der erste Sichtkontakt mit diesem winzigen Menschlein, das nun all euren Schutz und eure Liebe braucht, löst eine Flut von unterschiedlichen Gefühlen aus und lässt euch fasziniert zurück. Am liebsten möchte man sich ein eigenes Ultraschallgerät zulegen, um dieses zarte Wesen die ganze Zeit anzuschauen, ob es ihm denn auch gut geht, sein Herz schlägt und es wächst.

In diesem Buch möchte ich euch ein Stück auf dieser unglaublich berührenden und intensiven Lebensreise begleiten. Einige der tausend Fragen im Kopf werden dabei bestimmt beantwortet und für die übrigen werdet ihr eure eigenen Herzensantworten finden. Jedes Kapitel beschreibt einen neuen Abschnitt im Prozess des Elternwerdens. Von der Schwangerschaft und den Vorbereitungen auf die Geburt („Magic in Progress“), über die Geburt selbst und das Kennenlernen eures neuen Mitbewohners („Born this Way“), die Gestaltung eures Familienlebens zu zweit plus B(aby) („We are Family“) bis zum Zurückfinden in den eigenen Körper und die großartige Chance auf eine Neuausrichtung eures Lebens („Bodylicious“).

In manchen Kapiteln verwende ich das „du“ als Ansprache, weil es Abschnitte gibt, die sich besonders an die neugeborenen Mamas wenden. Zum Beispiel dreht sich im Kapitel „Rest for the Best“ alles um die Zeit nach der Geburt, also das Wochenbett, in dem Mutter und Kind sich von den Anstrengungen der Entbindung erholen. Das betrifft und beschäftigt nun mal in erster Linie die Frauen. An anderer Stelle spreche ich beide Elternteile an, wenn es wie im Kapitel „Partnerschaft 2.0“ um die Neuentdeckung und -gestaltung eures gemeinsamen Weges als Paar geht. Eingeladen zum Lesen aller Kapitel sind jedoch immer auch die NeuPapas. Zu wissen, was deine Partnerin gerade beschäftigt, wie es in ihr aussehen könnte, auch wenn nach außen hin alles recht gelassen wirkt, kann dir helfen auch in für dich bislang unbekannten Situationen sicher an ihrer Seite zu sein.

Nutzt das Buch wie ihr es gerade braucht. Ihr könnt es von vorne bis hinten durchlesen, auch mehrmals, oder ihr fangt einfach bei dem Kapitel an, das euch gerade am meisten beschäftigt und anspricht. Es soll euch in dieser besonderen Situation von Elternwerden und Elternsein liebevoll begleiten, Kraft geben, wenn ihr an euch oder sogar an eurem Kind zweifelt und immer, immer wieder darin bestärken, dass es keinen richtigeren Weg gibt als euren ganz eigenen.

Inspiriert wurde ich zu diesem Buch durch meine Tochter auf die mein Mann und ich uns unglaublich gefreut haben und deren Geburt einfach alles verändert hat: zum soooo Guten. Es war und ist wahnsinnig bunt, wild, lustig, anstrengend, eine ganze Menge Arbeit, Sorge, Zweifel, unfassbares Glück, Heiterkeit und Irrsinn, den wir seit dem positiven Schwangerschaftstest durchlebt haben. Von alldem handelt dieses Buch und von den Ideen mit denen gerade die herausfordernden Momente und Situationen leichter gelingen können. In jedem Abschnitt findet ihr Eindrücke aus der jeweiligen Phase, die euch eine erste Idee von dem geben, was emotional und organisatorisch auf euch zukommen kann.

Entwickelt habe ich dieses Buch aus meinen eigenen Erlebnissen, durch den Austausch von Erfahrungen mit anderen Eltern und der tiefen Sehnsucht meinen ganz persönlichen Beziehungsweg mit meinem Kind zu entwickeln. Immer begleitet von einem liebevollen, sanften Blick auf das Hier und Jetzt in dieser völlig neuen Situation.

Da wir alle verschieden sind, werdet ihr eure eigenen Erfahrungen machen und Ideen entwickeln. Das ist nicht nur richtig und wichtig, sondern sogar essenziell für ein zufriedenes (Familien-)Leben. Zur Unterstützung findet ihr dazu in jedem Kapitel entspannende oder stärkende Körper- und Geistesübungen, die aus dem Yoga, dem Buddhismus und nicht zuletzt aus dem Leben inspiriert wurden. Sie sollen euch in diesem besonderen Lebensabschnitt der Veränderung und Neuordnung ruhige Momente der Orientierung schaffen und Halt geben, um immer wieder zu eurem Gefühl und persönlichen Weg zu finden.

Ich wünsche euch eine wunderbare Zeit der Vorfreude, des Kennenlernens und Zusammenlebens mit eurem Schatzkind.

Von Herzen,

Ruth

2. Magic in Progress

„Wohin du auch gehst,
geh mit deinem ganzen Herzen.“
(Konfuzius)

Ein zaghaftes Flüstern deiner Seele, eine lauter werdende Stimme tief in dir oder ein mittlerweile unüberhörbarer Ruf deines Herzens bringen deinen sehnlichen Wunsch nach einem eigenen Kind zum Vorschein. Überall siehst du werdende Mamas mit Kugelbäuchen, Papas mit Babywagen oder spielende Kinder. Trotz allem Sehnen gibt es da vielleicht auch noch eine andere Stimme in deinem Kopf, die dir immer wieder Bedenken einflüstert. Kopf und Herz ringen miteinander und quälen dich mit bohrenden Fragen. Will ich wirklich dermaßen gebunden sein und fremdbestimmt leben? Passt es gerade in meine berufliche Entwicklung? Wie wird sich unsere Partnerschaft dadurch verändern? Die zentrale Frage hinter aller Ungewissheit lautet: Kann ich überhaupt eine gute Mutter sein? Die Antwort darauf kann ich dir mit absoluter Zuversicht geben: Ja. Eindeutig, ja, ja und ja. Du hast alles in dir was du dazu brauchst und wirst im Laufe deines weiteren Lebens als Mutter noch viel mehr entdecken, als du bislang an Fähigkeiten in dir angenommen hast. Alles was du dazu benötigst ist, deiner inneren Stimme zu folgen, die dich sicher durch alle Lebensereignisse leiten wird. Wenn du mit deinem tiefsten Wissen verbunden bist und das Durcheinander von eigenen oder fremden Ansprüchen, gesellschaftlichen Erwartungen und dem unerbittlichen Funktionszwang der modernen Leistungsgesellschaft zumindest für Momente ausblendest, wirst du eine innige Beziehung mit deinem Kind gestalten.

Viel bedeutender ist jedoch, dass du dir diese Antwort gibt’s und zwar immer und immer und immer wieder. Es werden Momente kommen, die dich an deiner Entscheidung für ein Kind zweifeln lassen, ganze Phasen in denen du dir dein altes Leben zurückwünschst und Situationen die dich nicht nur an den äußersten Rand deiner emotionalen und körperlichen Belastbarkeit bringen, sondern so weit darüber hinaus, dass du von dort aus den ursprünglichen Rand überhaupt nicht mehr erkennen kannst. In den kommenden Wochen und Monaten deiner Schwangerschaft wird sich nicht nur dein Körper deutlich verändern. Auch dein Erleben und die damit verbundenen Gefühle werden ganz andere sein, als jemals zuvor. Deshalb ist es phantastisch, wenn du dich jetzt schon damit beschäftigst und vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit in dich hineinspürst. Deine innere Welt zu kennen ist ein großes Geschenk, das du dir selbst machen kannst. Kein anderer Mensch kann dir die Antworten geben, die du brauchst, die für dich und dein Kind richtig sind. Wenn du zu Beginn deiner Schwangerschaft bereits ein Gefühl dafür entwickelst was zu dir gehört und was nicht, wird es dir nach der Geburt viel leichter fallen nach deiner Seelenweisheit zu handeln und dadurch eine gute Mutter für dein Kind zu sein. Lass dir Zeit und wiederhole die Übungen jeden Tag. Du wirst einen erstaunlichen Unterschied erleben, wenn du regelmäßig zu dir kommst.

Bevor du dich nun auf den Weg machst und dich weiter in die Texte und Übungen vertiefst, erzähle ich dir noch etwas über die Ursprünge des Yoga, sein heutiges Verständnis in der westlichen Welt und die Einbindung in dieses Buch. Im 2. Jahrhundert nach Christus schrieb Patanjali eines der bis heute bedeutendsten Werke des Yoga, das YogaSutra. Darin beschreibt in acht Stufen einen ganzheitlichen Ansatz, der zum Yoga, also zur Einheit von Körper, Geist und Seele, führen soll. Dieser achtgliedrige Pfad besteht aus den Verhaltensweisen uns selbst und der Umwelt gegenüber, körperlichen Übungen, Atemtechniken, mentalem Training und schließlich der inneren Freiheit. Dabei sind alle Stufen gleichwertig und sollen nach und nach in das eigene Leben integriert werden, um in das individuelle Gleichgewicht zu führen.

Hier sind die acht Stufen im Überblick:

1. Yamas = der Umgang mit der Umwelt

2. Niyamas = der Umgang mit sich selbst

3. Asanas = die Körperhaltungen

4. Pranayama = die Beruhigung des Atems

5. Pratyahara = das Zurückziehen der Sinne

6. Dharana = Konzentration oder die Beruhigung der geistigen Bewegungen

7. Dhyana = Meditation

8. Samadhi = die innere Freiheit und Stille

Im westlichen Verständnis von Yoga liegt der Schwerpunkt auf dem körperlichen Aspekt, den Asanas, die meist in einem YangStil, also kraftvoll, unterrichtet werden. Der YinAspekt, also länger gehaltene Übungen in denen die Muskeln sich entspannen und energetische Blockaden sich lösen können, wird dabei oft vernachlässigt. In der Schwangerschaft mit einem körperbetonten Yogastil zu beginnen ist nicht ratsam. Viele Bereiche deines Körpers, wie Bänder und Muskelgruppen, werden weich und dehnen sich aus, so zum Beispiel die langen Bauchmuskeln, die nun Platz für dein Baby entstehen lassen. Manche Übungen kräftigen diese Bereiche und würden eine Verkürzung der Muskulatur verursachen. Manche Körperübungen (= Asanas) sind demnach während der Schwangerschaft tabu, da sie gegen die natürliche Entwicklung des Körpergewebes arbeiten. Es wäre das Gegenkonstrukt von Yoga, der verbinden will was zusammengehört und den Körper in seinem jeweiligen Bedürfnissen unterstützen statt zusätzlich falsch belasten will. Um es mit den Worten des bekannten Yogalehrers T. K. V. Desikachar auszudrücken, wohin die Praxis des Yoga führen kann: „Man hat sich von sich selbst entfernt und Yoga bringt einen zu sich selbst zurück. Das ist alles.“

Im Westen wird Yoga von vielen Menschen als Fitnesstraining verstanden, das zur körperlichen Selbstoptimierung genutzt wird. Dabei werden die Möglichkeiten von Yoga, als einem ganz wunderbaren und allumfassenden Weg zu innerer Harmonie verkannt. Ausgeglichenheit und ganzheitliches Wohlbefinden brauchen eine Balance aus Anspannung und Entspannung, aus Aktivität und Ruhe. Nach einem ausgiebigen Spaziergang beispielsweise, braucht der Körper eine Pause und signalisiert das durch eine angenehme Müdigkeit. Die Muskeln müssen sich von ihrer Aktivität ausruhen und regenerieren. Genauso verhält es sich mit dem menschlichen Geist, der großartige kreative, philosophische oder naturwissenschaftliche Schöpfungen hervorbringen kann. Nach solchen Phasen der Anstrengung, und seien sie noch so erfüllend für den Menschen, der sie vollbringt, braucht es eine Zeit der Erholung.

Jeder von uns kennt das Gefühl von überlasteten Muskeln, das einige Stunden nach einem ungewohnten Training auftritt. Muskelkater entsteht durch kleine Faserrisse in der Muskulatur und wird heute leider immer noch von vielen Menschen mit einem Trainingserfolg verbunden. Natürlich bauen sich Muskeln, die eine Weile nur wenig genutzt wurden, erst mit der Zeit auf und es kann gerade zu Beginn eines Trainings zu leichten Spannungsgefühlen kommen. Jedoch sollte Schmerz in jeglicher Form niemals das Ziel einer gesundheitsfördernden Betätigung sein. Schmerz ist immer ein Warnsignal unseres Körpers mit dem er sich Aufmerksamkeit verschafft. Im Fall von Muskelkater sind es feinste Verletzungen der Muskulatur, die als Mikrotraumata bezeichnet werden und ausheilen müssen. Aus diesem relativ ungefährlichen Schmerz des Körpers können wir lernen, die Intensität oder Häufigkeit der Übung, die den Muskelkater verursacht hat, an unsere momentanen physischen Möglichkeiten anzupassen. Tun wir dies nicht, wird der Körper weiterhin Warnsignale in Form von schmerzender Muskulatur senden, die bei fortlaufender Nichtbeachtung zu weitreichenderen körperlichen Konsequenzen, wie Verspannung und Versteifung ganzer Körperregionen, führen kann.

Auch unser Geist signalisiert uns deutlich, wenn es Zeit für Erholung ist. Zunächst zeigt sich eine natürliche Ermüdung im Tagesverlauf ganz fein und es reichen kleine Pausen über den Tag verteilt. Oft ist es aus beruflichen oder familiären Gründen nicht möglich genau dann innezuhalten, wenn der Geist es erfordert. Es ist zunächst einmal nicht schlimm, wenn wir unsere benötigte Ruhephase verschieben, so lange sie nicht ganz ausfällt. Erst wenn die Beanspruchung zu groß wird, werden die Signale des Körpers deutlicher. Dann entsteht ein Muskelkater des Geistes. Die Überlastung der mentalen Kapazitäten drückt sich über das vegetative Nervensystem aus und kann in Form von Gereiztheit, Schlafstörungen, Appetitverlust beziehungsweise Heißhungerattacken oder auch Rückenschmerzen auftreten. Werden die Bedürfnisse des Körpers nach Ruhe und Erholung weiterhin ignoriert, schaltet unser kluges System irgendwann in den seelischen Notfallmodus. Bei einem Burnout empfindet der betroffene Mensch jeden Lichtstrahl, jedes Geräusch und jede Anforderung als massiven, teils unerträglichen Eindruck. Geist und Seele sind völlig erschöpft und brauchen Zeit zur Heilung.

Besonders in einer Phase der Veränderung, die viel Unsicherheit und dadurch auch ein gewisses Maß an Anspannung mit sich bringt, brauchen Körper, Geist und Seele besondere Ruhephasen. Kein anderes Ereignis ist dermaßen lebensverändernd wie die Geburt eines Kindes. Der damit verbundene Prozess des Elternwerdens birgt eine unglaubliche Chance zu persönlichem Wachstum und fordert gleichzeitig alle verfügbaren mentalen Kapazitäten. Diese Entwicklung findet allerdings unter ganz besonderen Umständen statt. Nach den körperlichen Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt folgt die Entdeckung und Entfaltung einer bis dahin ungekannten emotionalen Fülle aus einem tiefen Berührtsein, Abgespanntheit, Freude, Unsicherheit, endloser Liebe und fürchterlicher Angst. Im ganzheitlichen Weg des Yoga kannst du einen Ausgleich zu den mentalen und physischen Anstrengungen des Elternseins finden, damit der Muskelkater nicht zu groß wird. Lassen wir uns also auf Yoga in all seinen Facetten ein, können Wohlergehen und innerer Friede zu uns kommen und sich dauerhaft bei uns einrichten. Um in diese ganzheitliche Lebensweise zu finden, werdet ihr im Verlauf des Buches in Texten und Übungen jeder Stufe des achtgliedrigen Pfades begegnen.

Nun wünsche ich euch Offenheit und Neugier auf eurem ganz persönlichen Weg zur inneren Freiheit.

 

Übung: „Atemkontakt“

Zeit: ca. 7 Minuten

Das brauchst du: einen ruhigen Ort

Dein Atem kommt und geht. Dafür musst du nicht ständig an ihn denken. Er ist immer da und dadurch ein geeigneter Ankerpunkt zur ersten Wiederverbindung mit deiner inneren Welt.

Nimm auf einem Stuhl Platz. Deine Knie bilden einen 90 Grad-Winkel und du sitzt etwa eine Handbreit von der Lehne entfernt, damit du dich nicht anlehnen kannst. Schließe nun deine Augen und lege deine Handflächen auf die Brust, so dass die Fingerspitzen deine Schlüsselbeine berühren. Nimm wahr wie sich dein Brustbereich mit jeder Einatmung gegen die Handflächen drückt und mit der Ausatmung wieder davon entfernt. Bleib für einige Atemzüge mit deiner vollen Aufmerksamkeit bei dir und der Bewegung deines Atems.

Leg deine Handflächen anschließend um die Rippenbögen, so dass vier Finger nach vorne zeigen und der Daumen nach hinten zeigt. Spüre in deine Handflächen, wie sich deine Rippen bei jeder Einatmung voneinander entfernen und mit der Ausatmung wieder aufeinander zu bewegen. Bleib für einige Atemzüge hier.

Nun leg deine Handflächen auf den Unterbauch. Deine Zeigefinger- und Daumenspitzen berühren sich und formen um deinen Nabel herum eine Raute. Nimm wahr, wie sich die Bauchdecke mit jeder Einatmung nach außen in deine Hände wölbt und bei jeder Ausatmung sanft zurückfedert.

Leg die Handflächen auf deine Oberschenkel und spüre der Übung nach. Wie fühlst du dich im Augenblick?

Dann komm langsam zurück von deiner inneren Reise und öffne sanft deine Augen.

2.1 Das ist mal so was von positiv

„Begegne dem was auf dich zukommt
nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung.“
(Franz von Sales)

Einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen zu halten symbolisiert die wahr gewordene Hoffnung auf Familie. Aus der Liebe und Verbundenheit zwischen zwei Menschen entsteht ein neues Leben. Dieser besondere Moment, wenn nach Minuten des Wartens, unruhigen Herumlaufens und dem unwiderstehlichen Blick auf die Uhr plötzlich ein Symbol auf dem Teststreifen erscheint, das dir sagt „du bist schwanger“. Es ist unbegreiflich und faszinierend: In dir wächst ein kleiner Mensch heran auf den du dich unglaublich freust, obwohl du ihn noch gar nicht kennst. Du weißt nicht, wie er aussieht, wie sich seine Stimme anhört, welche Eigenschaften und Schrullen er mitbringen wird. Trotzdem weißt du ganz sicher, dass du ihn über alles lieben wirst. Er wird dir so kostbar sein wie nichts zuvor. Du wirst dieses Baby umsorgen, verwöhnen, von ihm genervt sein, vielleicht sogar manchmal vor seinem Geschrei und den maßlosen Forderungen, die es an dich stellt, weglaufen wollen. Dennoch wird es dein kostbarster Herzensmensch werden. Für immer.

Auf dieser einzigartigen Reise in ein neues Leben wirst du unglaublich viel über dich lernen, völlig neue Eigenschaften an dir entdecken, Fähigkeiten entwickeln von denen du bisher nicht wusstest, dass sie in dir stecken und an deine Grenzen gebracht, um sie zu überwinden und daran zu wachsen. Es wird eine wunderbare, kräftezehrende, erfüllende und verwirrende Zeit in deinem Leben. Lass dich auf jeden Moment ein, egal wie müde oder unsicher du dich in der Situation fühlst. Es wartet eine lebendige Fülle auf dich in der du dich selbst wiederfinden oder neu entdecken kannst.

 

Übung: „Glück spüren“

Zeit: ca. 10 Minuten

Das brauchst du: einen ruhigen Ort

Setze dich in einen gemütlichen Sessel oder auf einen bequemen Stuhl. Rücke so weit nach vorne, dass du dich nicht mehr anlehnen kannst und sich deine Beine in einem 90 Grad Winkel befinden. Richte nun deine Wirbelsäule auf, lass die Schultern dabei ganz entspannt. Lege deine Hände mit den Handflächen nach unten auf die Oberschenkel und setze deine Füße hüftbreit geöffnet auf dem Boden auf.

Schließe die Augen, atme mehrere Male tief und ruhig ein und aus. Konzentriere dich dabei völlig auf deinen Atem. Nun spüre das Glücksgefühl beim Anblick des positiven Schwangerschaftstests. Wie fühlt es sich an? Du brauchst es nicht mit deinem Verstand zu benennen, sondern nimm es mit deinem Herzen wahr. Lass dich ganz auf dein Glücksgefühl ein. Gibt es einen Ort in deinem Körper an dem du dieses Gefühl besonders deutlich spürst? Bleib einige Atemzüge in diesem wunderbaren Gefühl völlig, verbunden mit deinem Körper.

Dann komm langsam zurück von deiner inneren Reise und öffne sanft deine Augen.

Freude und Leid liegen während einer Schwangerschaft oft ganz nah beieinander. Bevor wir unser erstes Mädchen erwarteten gab es schon einmal einen kleinen Menschen in meinem Bauch, der es leider nicht in diese Welt geschafft hat. Damals kam ich mir unglaublich alleine mit dem Verlust und einem unerklärlichen Gefühl des Scheiterns vor. Als ich nach der ersten Phase der Traurigkeit und Leere begann im Freundes- und Bekanntenkreis über meine Erfahrung zu sprechen, gab es unfassbar viele Menschen, die dieses Schicksal entweder persönlich mit mir teilten oder mindestens einen anderen Menschen kannten, der ebenfalls ein Sternenkind hat. Nach Schätzungen des Berufsverbandes der Frauenärzte enden etwa 30 % aller Schwangerschaften vor der 12. Schwangerschaftswoche. Viele davon jedoch unbemerkt, noch bevor die befruchtete Eizelle sich einnisten konnte. Durch moderne Schwangerschaftstest bekommen Frauen heute schon sehr früh mit, dass sie in freudiger Erwartung sind. Noch die Generation unserer Mütter und Großmütter hatte erst relativ spät die Gewissheit guter Hoffnung zu sein. Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft wurden dadurch häufig nicht erkannt, weil sich dann einfach die Regel um einige Tage verspätete. Zu erfahren, dass eine Fehlgeburt recht häufig vorkommt und nicht so ungewöhnlich ist wie man vermutet, ist erschütternd und tröstlich zugleich. Man ist nicht alleine. Es gibt Menschen, denen Ähnliches widerfahren ist, nur spricht kaum jemand darüber. Manchmal aus Angst vor Unverständnis, weil man so einem kleinen „Ding“ doch nicht lange hinterhertrauern darf, aus Scham, dass frau es nicht geschafft hat ein Kind auszutragen oder auch, um den verborgenen Schmerz nicht wieder heraufzubeschwören. Natürlich möchte man sein Kind von Anfang an schützen und es sicher aufgehoben wissen. Im deinem Bauch bekommt es alles was es braucht und es liegt in den seltensten Fällen an deinem Verhalten, wenn du eine Fehlgeburt erleidest. Im frühen Stadium der Schwangerschaft, also bis zur 12. Woche, prüft die Natur eben ganz intensiv, welcher Embryo sich zu einem gesunden Kind entwickeln kann und selektiert diejenigen, bei denen genetische Fehler vorliegen. Gibt es bei einem Fötus genetische Erkrankungen, beendet dieses ursprüngliche System in deinem Körper die Schwangerschaft, indem es zu Blutungen und dem Abgang des Embryos kommt oder der kleine Mensch sich nicht weiterentwickelt. Denk daran: Du bist nicht allein, wir sind viele. Es ist nicht deine Schuld, wenn dieser kleine Mensch es nicht in euer Leben schafft. Es ist ein natürlicher Entscheidungsprozess deines Körpers, der für dich und das ungeborene Leben in dir das Beste will.

Etwa 80 % aller Fehlgeburten ereignen sich vor der 12. Schwangerschaftswoche, danach sinkt das Risiko deutlich. Viele Paare erzählen ihrem Umfeld deshalb erst später von der freudigen Neuigkeit. Dabei ist es wichtig auch im Fall einer Fehlgeburt Menschen um sich zu haben, die sich mit euch auf euer Kind gefreut haben und mit denen ihr jetzt um euren Verlust trauern könnt. Überlegt also gemeinsam, mit welchen Menschen in eurem Umfeld ihr Freude und Leid gleichermaßen teilen könnt. Erzählt es den Personen, die euch in jeder Situation gut tun, mit denen ihr lachen, weinen und auch einmal schweigen könnt.

Vielleicht stellt ihr euch jetzt die Frage, ab wann ihr euch denn eigentlich freuen dürft, wenn die ersten Wochen doch so unsicher erscheinen. Während meiner zweiten und dritten Schwangerschaft war genau das ein großes Thema für mich. Nach den positiven Schwangerschaftstests habe ich mich unglaublich gefreut, kurze Zeit später setzte die Sorge ein. Werde ich dieses Kind kennenlernen dürfen? Ich wollte jedoch nicht zehn Monate lang grübelnd herumlaufen und mich innerlich auf einen Verlust vorbereiten, den es im besten Fall nicht geben würde. Deshalb habe ich mich entschieden, mich ab sofort zu freuen völlig egal wie es weitergehen wird. In einer ständigen Angst vor dem was passieren könnte zu leben macht dich unruhig und bringt Anspannung, die du besonders während einer Schwangerschaft überhaupt nicht gebrauchen kannst. Lass deine Freude in aller Intensität zu und auch die Sorgen da sein, sie sollten nur nicht Überhand gewinnen. Sprich mit dir vertrauten Menschen darüber, um aufkommende Ängste nicht alleine durchstehen zu müssen. Versuche dann die heftigsten Spitzen dieser Sorgen immer wieder loszulassen, wenn sie dich überwältigen wollen. Du darfst deine Schwangerschaft genießen und dich auf dein Kind freuen. Ungewissheit macht immer unsicher, das ist sehr natürlich und vollkommen in Ordnung. Als Mama wirst du dir einfach immer über irgendetwas Sorgen machen, das gehört dazu. Aber wenn du in ständiger Angst lebst, nimmt es dir die Freude am Leben, lähmt dich in deiner Energie, die du für dich und dein Kind brauchst.

Vielleicht habt ihr auf eurem bisherigen Weg zum Elternwerden auch einen Verlust erlitten, habt lange auf euer ersehntes Wunschkind gewartet oder ihr seid direkt beim ersten Versuch schwanger geworden. Egal welchen Weg ihr hinter euch habt, er gehört zu eurer Geschichte, die nun weitergeschrieben wird und ein ganz neues Kapitel aufschlägt.

Damit du in deine Freude findest, folgt nun eine Übung für Mut und Zuversicht.

 

Übung: „Mut und Zuversicht“

Zeit: ca. 10 Minuten

Das brauchst du: einen ruhigen Ort

Setz dich gemütliche in einen Sessel und schließ deine Augen. Nimm wahr, wie dein Körper von den Polstern sicher gehalten wird und du dich fallen lassen kannst. Richte deine ganze Aufmerksamkeit auf deinen Atem, der ganz von alleine kommt und geht. Wenn dich Gedanken oder Geräusche ablenken, nimm sie kurz wahr und kehre dann mit deinem ganzen Bewusstsein zurück zu deiner Atmung.

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