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Ist jetzt heute?

Ist jetzt heute?

Die Zeit und das falsche Uhrvertrauen.

Die Evolution auf der Erde und das Leben im All.

Die Unsterblichkeit und das Ende der Welt.

Zufall, Bestimmung oder gar Wunder?

von Peter Kurz

Inhalt

Kapitel 1
Diktatur der Uhr - immer geht es um die Zeit

Kapitel 2
Uhr-Vertrauen - was ist die Zeit überhaupt?

Kapitel 3
Kann das alles gewesen sein - Unsterblichkeit

Kapitel 4
Verbrennen oder erfrieren - das Ende der Welt

Kapitel 5
Wir sind nicht allein

Kapitel 6
Leben - Gottes Plan? Oder einfach nur so?

Kapitel 7
Zufall? Bestimmung? Oder gar Wunder?

Was ist die Zeit? Hört sie irgendwann einfach auf? Können wir in der Zeit reisen - von Punkt zu Punkt, so wie wir uns auch im Raum bewegen?

Ein paar Jahrzehnte leben - kann das alles gewesen sein? Religion mit ihrem Glauben an eine Seele legt den Gedanken an Unsterblichkeit nahe. Doch nicht nur Gläubige träumen davon.

Wieso gibt es überhaupt Leben, und wer ist der Baumeister - ein höheres Wesen? Oder hat sich das Leben selbst gemacht?

Leben muss es nicht nur auf der Erde geben. Aber könnten wir überhaupt mit einer anderen Zivilisation in Kontakt treten? Und was würde passieren, wenn es dazu käme?

In ein paar Milliarden Jahren verdampft der blaue Planet in der sich aufblähenden Sonne. Welche Fluchtwege gibt es für die künftigen Bewohner der Erde?

Ist alles vorherbestimmt oder ist der pure Zufall oder gar Übernatürliches die treibende Kraft?

Fragen, auf die die Religion, aber auch Esoteriker ihre unverrückbaren Antworten haben. Doch Naturwissenschaft, Philosophie und Literatur liefern nachdenklichere und viel spannendere Ansätze. Faszinierende Ideen, über die jeder spätestens dann ins Grübeln kommt, wenn er in einer sternenklaren Nacht nicht einfach nur nach oben, sondern damit auch in die Milliarden Jahre zurückliegende Vergangenheit blickt. Und staunt. Und fragt…

Diktatur der Uhr: Immer geht es um die Zeit

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Man kann sich die Zeit einteilen - oder sie heile lassen. Wolfdietrich Schnurre

Wie spät ist es? Das ist der erste Gedanke am Tag. Der Blick am Morgen auf den Wecker - und schon geht die Hektik wieder los. Wie sehr uns die Zeit beschäftigt, einengt und unser Leben bestimmt, das zeigen die vielen Redewendungen, klugen Gedanken und Lebensweisheiten, die sich um diesen Begriff ranken. Zeit ist uns wichtig, wertvoll und kostbar. Oder, wie es Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, sagte: Zeit ist Geld.

Stechuhren oder Parkautomaten registrieren jede Minute. Die Just-in-time-Produktion soll Platz sparen. Ideal ist, wenn immer nur so viel hergestellt wird, wie man gerade benötigt. Die Straβen werden als Lagerraum benutzt, wenn die Lkw die Güter auch zeitlich punktgenau an ihren Bestimmungsort bringen. Zeit wird ganz buchstäblich zu Geld, wenn sie in Bares umgerechnet wird: die Bahn erstattet bei Verspätung einen Teil des Ticketpreises.

Die Zeit und das Geld

Für den Einzelnen kann dieses „Zeit ist Geld“ eine Last sein: Wer viel Geld hat, hat oft keine Zeit. Und hat einer jede Menge Zeit, so ist er meist arm, weil er keine Arbeit hat. Wenn Zeit wirklich wie Geld wäre, dann wären Arbeitslose reiche Leute. Sie haben doch so viel davon. Aber es ist genau anders herum. Der volle Terminkalender, der einem die letzte freie Minute raubt, zeigt den anderen, dass dieser gehetzte Zeitgenosse Karriere gemacht hat. Und jedenfalls materiell auf der Sonnenseite steht.

Freilich kann derjenige, der Geld hat, den Satz auch umdrehen: Geld ist Zeit. Denn mit einem vollen Konto kann er es sich erlauben, Nein zu sagen zu den Anforderungen, die andere an ihn stellen. Er kann Aufträge ablehnen, Arbeiten an Dienstleister delegieren. Und tun, was ihm gefällt.

Zeit und Geld unterscheiden sich jedenfalls in einem wichtigen Punkt: Geld lässt sich sparen, Zeit hingegen nicht. Wenn ich heute eine Stunde durch schnelles Arbeiten spare, so hat mein nächster Tag noch lange nicht 25 Stunden.

Wir sagen zwar, ich habe Zeit gespart, aber wo ist sie dann? Jedenfalls nicht auf einem Sparkonto. Das Aufbewahren der Zeit funktioniert eben nicht wie bei einer Bank, bei der sich das eingezahlte Geld und auch noch die Zinsen ansammeln. Wie viel Geld ich habe, das verrät mir mein Kontostand auf den Cent genau. Aber wie viel Zeit mir noch bleibt, ob sie gar von einem auf den anderen Moment ganz „ausgegeben“ sein wird, das kann ich nie wissen.

Die Zeit und der Tod

Er nagt an allem und damit auch an uns: der Zahn der Zeit. Wir wollen das Altern zwar stoppen. Mit Kosmetik, mit gesundem Leben. Doch diese tickende Uhr werden wir nie anhalten können. Der eine oder andere Arzt kann sie durch seine Kunstgriffe noch einmal aufziehen, die Lebensuhr. Und dann läuft sie noch eine Weile weiter. Irgendwann heiβt es aber doch: Deine Zeit ist gekommen: Du musst abtreten von dieser Welt. Du kannst allenfalls noch einmal das Zeitliche segnen. Und an deinem Grab werden sie vielleicht sagen: Er ist vor der Zeit gegangen.

In diesem „gegangen” steckt auch eine andere, eine Art räumliche Bedeutung des Zeitverstreichens. Je länger jemand tot ist, umso weiter sind wir von ihm entfernt, umso mehr verblasst sein Bild in unserer Erinnerung. In der Trauer unmittelbar nach dem Tod möchten wir die Zeit anhalten, die uns doch immer weiter entfernt von dem Verstorbenen. Im 9/11-Museum in New York, das an die Anschläge auf das World Trade Center erinnert, ist dieser Satz der Angehörigen eines Opfers zu lesen: „I didn’t want that day to end, terrible as it was, it was still a day with Sean.“

Doch die Zeit läuft weiter. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr entfernt sich die gemeinsame Vergangenheit. Was bleibt, ist nur ein Fotoalbum und die darin notierte letzte Weisheit des früheren Weggefährten: Die Zeiten vergeh’n, nichts bleibt besteh’n. Nur im Traum und im Foto könnt ihr mich noch seh’n.

Zeit und Tod gehören eng zusammen. Schon das Verstreichenlassen einer Frist wird mit dem Tode bestraft: Im Englischen steht deadline für den letztmöglichen Termin. Mit dem Tod kann die Zeit auch dann verbunden sein, wenn sie als Zeitbombe daherkommt. Manchem gilt die Zeit als lästig oder gar gefährlich. Warum sonst sollte es Leute geben, die sich die Zeit vertreiben oder gar totschlagen? Und wenn wir sagen, es ist fünf vor zwölf, dann ist es wirklich sehr ernst.

Die Heilkraft der Zeit

Trotzdem muss die Zeit nicht nur als bedrohlich angesehen werden. Zwar ist sie, wie Mark Twain es einmal gesagt hat, als Kosmetikerin miserabel, doch werden ihr durchaus medizinische Fähigkeiten zugeschrieben: Die Zeit heilt alle Wunden. Woody Allen hat eine schöne Formel dafür, dass selbst Düsteres im Rückblick belächelt werden kann: „Komödie ist Tragödie plus Zeit“. Auch wird geraten, man solle einfach abwarten, dann erscheine vermeintlich Wichtiges am Ende ganz unbedeutend. So empfiehlt es Theodor Fontane in seinem Gedicht „Überlasse es der Zeit“:

„Erscheint dir etwas unerhört, bist du tiefsten Herzens empört, Bäume nicht auf, versuch’s nicht mit Streit, berühr es nicht, überlass es der Zeit.

Am ersten Tag wirst du feige dich schelten, am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,

am dritten hast du’s überwunden, alles ist wichtig nur auf Stunden. Ärger ist der Zehrer und Lebensvergifter, Zeit ist Balsam und Friedensstifter.”

Fontane rät da zu einer Einstellung, die im Leben zwar oftmals funktionieren wird. Die aber andererseits auch dazu verleiten kann, sich gegen gar nichts mehr zur Wehr setzen und alles klaglos hinzunehmen.

Aus einem anderen Grund hingegen kann ein Abwarten durchaus nützlich sein. Wartezeit - das heiβt auch, plötzlich ungeplant Zeit zu haben. Etwas zu betrachten, das einem sonst entgangen wäre. Über etwas nachzudenken oder mit jemandem zu reden, mit dem man sonst nie ins Gespräch gekommen wäre. Das aufmerksame Abwarten kann sogar produktiv sein: Kommt Zeit, kommt Rat. Doch dieses Warten gerät immer mehr aus der Mode. An der Supermarktkasse oder auf dem Bahnsteig warten - das müssen wir zwar nach wie vor. Aber wir haben immer unser Smartphone dabei, mit dem wir kommunizieren, im Internet lesen, Musik, Radio oder Podcasts hören. Nie mehr untätig zu warten, nie mehr Langeweile -so reizvoll das klingt, so folgenreich im negativen Sinne kann das sein. Keine Zeit mehr, die Umwelt wahrzunehmen mit all ihren kleinen und groβen Überraschungen, die sie bereithält. Keine Zeit mehr, eigenen Gedanken nachzuhängen. Ideen finden keinen Landeplatz mehr im Kopf, weil das Gehirn ja beschäftigt ist mit dem, was da vom Smartphone auf uns einströmt. Wir sind anwesend und doch abwesend.

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Das Durcheinander der Zeit

Das, was noch kommt oder kommen soll, wird hoffnungsfroh als Zukunftsmusik bezeichnet. Und das Merkwürdige ist - den gleichen Blick haben wir auch auf die Vergangenheit: Liegt eine Phase in unserem Leben nur lange genug zurück, so wird sie verklärt - die gute alte Zeit, auf die Ernest Hemingway allerdings mit Skepsis blickt: „Das Merkwürdigste an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit später die gute alte Zeit nennen wird.“ Wir jammern, dass früher alles besser war, so ergänzt Karl Valentin diesen Seufzer ironisch:…auch die Zukunft“.

Solch Feinsinn bestätigt nur, dass wir uns etwas vormachen. Das Schönreden der Vergangenheit ist ein Schutzmechanismus. Das Gestern bekommt einen rosa Anstrich, soll sich abheben gegenüber dem grauen Jetzt. Die gute alte Zeit hat dabei eher etwas mit unserem schlechten Gedächtnis zu tun. Wir gestehen uns den wahren Grund nicht ein: dass auch die Gegenwart eine durchaus gute neue Zeit sein kann, zu der wir in mancherlei Hinsicht aber nicht mehr dazugehören. Aus der wir uns ausgeschlossen fühlen.

Manch einem, der sehr alt geworden ist, mag schmerzhaft bewusst werden, dass die Begleiter seiner Jugend gar nicht mehr leben. Alle, die einst da waren, haben diese Welt schon wieder verlassen, er ist übrig geblieben. Es ist nicht mehr die Welt, in der er einst zu Hause war. Er lebt in einer Zeit, die ihm fremd ist. Das ist belastender als in einem fremden Land zu leben, das man immer noch wieder verlassen kann.

So weit der Blick in die Vergangenheit. Und die Zukunft, was ist damit? Der Blick darauf wird wesentlich vom Naturell des Betrachters bestimmt. Der französische Schriftsteller Victor Hugo hat es so ausgedrückt: „Die Zukunft hat viele Namen. Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“

In unserer alltäglichen Sprache werfen wir Zukunft und Vergangenheit munter durcheinander: Einst gab es hier…sagen wir. Wir sagen aber auch: Einst wird es hier geben…. Und es stimmt ja: Heute - das ist doch nur das Morgen von gestern. Zukunft, Vergangenheit - alles ist ein einziger Wirrwarr. Vor diesem Hintergrund erscheint die Frage der dreijährigen Paula geradezu weise: „Ist jetzt heute?“

In seinem Roman „Die Unperfekten“ lässt Tom Rachman eine Frau auftreten, die ihre Tageszeitung Zeile für Zeile liest und deshalb immer mehr in Rückstand gerät. Die Ausgaben stapeln sich, aber sie bleibt stur bei der Reihenfolge - eine Zeitung nach der anderen. Irgendwann ist sie mehr als ein Jahrzehnt im Rückstand. Für sie gibt es zwei „Heute“. Das der Zeitungsausgabe, die sie gerade liest. Und das „richtige“ Heute.

Wie sich die Perspektive auf das, was Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist, im Laufe der Zeit verschieben kann, hat Axel Hacke in seinem wunderbaren Buch „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ beschrieben. Er spricht über einen Grabstein, auf dem drei Namen eingraviert sind. Diese drei, so sagt es Hacke, waren jedenfalls für sich damals Gegenwart und auch Zukunft, und nun sind sie Vergangenheit.

Die Zeit und der Stress

Überrascht es da noch, dass manch einer behauptet, es gebe gar keine Zeit? Oder darauf besteht, er selbst jedenfalls habe keine. Wir sagen ihn täglich, den Satz: Ich habe keine Zeit. Wir klagen über die Last mit der Hast. Oder jammern, dass uns die Zeit davonläuft. Fast immer haben wir etwas am Tempo der Zeit auszusetzen. Geht sie zu langsam vorbei, klagen wir über Langeweile. So quälend diese auch erscheinen mag, sie birgt doch viel kreatives Potential. Es sind Momente, in denen wir nicht getrieben sind. Momente, die wir ganz für uns haben können. Und doch nehmen wir diese Chance nicht wahr. Wir nutzen die Erfindungen, mit denen unsere Gesellschaft Zeit spart, halten dann aber eben diese gesparte Zeit nicht aus und greifen zu anderen technischen Spielereien, um sie totzuschlagen.

Das Gegenstück zur Langeweile passt uns freilich auch nicht. Passiert zu viel oder müssen wir zu viel auf einmal erledigen, jammern wir über Zeitmangel. So oder so - wir sehen die Zeit wie einen erbitterten Gegner an, statt in ihr und damit ganz und gar in der Gegenwart zu leben. Leuten, die darüber klagen, keine Zeit zu haben, entgegnet die nordnorwegische Urbevölkerung, die Sami, trocken: Wenn du keine Zeit hast, warum bist du dann nicht gestern gekommen? Und in Mexiko sagen sie: Du musst der Zeit Zeit geben.

Wozu hingegen unsere Hektik führt, bringt ein wunderbarer Cartoon auf den Punkt: Zwei Ticketschalter sind da zu sehen, am ersten befindet sich dieses Hinweisschild: Wer Zeit hat, bitte hier anstehen. Am zweiten Schalter steht: Wer keine Zeit hat, bitte hier anstehen. Vor Schalter eins steht nur ein einzelner Mensch, vor Schalter zwei hat sich eine lange Schlange gebildet.

Die Kinder leben es uns doch vor. Sie machen sich nichts aus Stunden, Jahren, Jahrzehnten oder Jahrmillionen. Ein Kind kann sogar fragen: Papa, als du klein warst, hast du da noch die Dinosaurier gesehen? Solch’ Unbefangenheit bekommen wir nie wieder zurück, sobald wir erst einmal den Lauf der Uhrzeiger verstanden haben.

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Aus der Perspektive unserer hektischen Welt spotten wir allzu leicht über andere Kulturen und sagen von oben herab: Da gehen die Uhren anders. Doch damit ist noch lange nicht ausgemacht, ob nicht vielmehr wir selbst es sind, die nicht richtig ticken. In Afrika gibt es das Bonmot: Ihr in Europa habt die Uhr, wir in Afrika haben die Zeit. Bei uns dagegen lebt man eher nach der Devise: Leben Sie schneller, dann sind Sie eher fertig. Für den Soziologen Hartmut Rosa signalisiert das sich immer weiter beschleunigende Tempo auch, „dass wir nicht mehr auf die Verheiβung zulaufen, sondern vom Abgrund weg“.

Ein Hoch auf die Langsamkeit also: Wer langsam geht, ist im Vorteil. Jedenfalls, wenn er in die falsche Richtung gegangen ist -dann ist der Rückweg nicht so lang. Im übrigen können Umwege durchaus ihr Gutes haben, erhöhen sie doch die Ortskenntnis. Und Termindruck lässt sich auch sportlich nehmen - nach dem Motto des britischen Schriftstellers Douglas Adams: „Ich liebe Abgabetermine. Ich liebe das zischende Geräusch, das sie machen, wenn sie verstreichen.“

Es gibt freilich Situationen, in denen selbst der sonst eher gelassen eingestellte Mensch ein höheres Tempo befürwortet. Wenn der Notarzt nicht zu lange auf sich warten lässt, hat das schon etwas für sich. Doch ansonsten nimmt die Zunahme des Tempos im Alltag bedenkliche Formen an: Wir wollen keine Zeit verlieren, keine Zeit verschwenden, darum essen wir Fast Food, trinken Coffee To Go. Wir reisen in Hochgeschwindigkeitszügen und machen während der Fahrt ein power nap, einen möglichst kurzen Schlaf, der uns wieder aufputscht für die nächsten Aufgaben. Selbst für das Kennenlernen eines Partners müssen sieben Minuten genügen -beim speed dating.

Das Ganze nennen wir dann Zeitgeist. Wir wollen Zeit gewinnen oder gut in der Zeit liegen - mit Hilfe unserer Zeitplaner. Mit Zeitmanagement, das in Büchern und Seminaren gelehrt wird. So werden wir immer mehr zu Maschinen, die nur noch das erledigen, was als irgendwie nützlich angesehen wird. Dabei ist doch offensichtlich: Je mehr Zeit wir verplanen, umso geringer wird unser Gestaltungsspielraum. Immer wollen wir die Zeit einteilen. Wolfdietrich Schnurre hat da eine schlaue Alternative: „Man kann sich die Zeit einteilen - oder sie heile lassen.“

Wer sich die Zeit besonders effektiv einteilt und seine Arbeit schneller schafft als die anderen, erreicht damit oft nur, dass ihm am Ende noch mehr aufgehalst wird. Je schneller du läufst in deinem Hamsterrad, umso schneller dreht es sich. Du willst die Rolltreppe gegen die Fahrtrichtung hochlaufen. Machst du ihn nicht mit, diesen Lauf, lässt du also nach, dann wirst du unweigerlich nach unten befördert. Doch je erfolgreicher einer ist, umso sicherer kommt er an den Punkt, dass ihm die Zeit ausgeht. Er lebt nicht mehr, er wird gelebt. Er ist überall zugleich und nirgends wirklich. Irgendwann ist das höchstmögliche Tempo erreicht. Dann lässt sich eine weitere Effizienzsteigerung nur noch schaffen, wenn mehrere Dinge gleichzeitig erledigt werden.

Alles gleichzeitig und zwar sofort

Der von Karlheinz Geiβler geprägte Begriff des Simultanten ist treffend für diese Alles-Gleichzeitig-Erlediger. Geiβler warnt die Beschleuniger, sie seien „nicht schneller am Ziel, sondern rascher am Ende“. Es ist ein Trugschluss, die beschleunigte Zeit als gewonnene Zeit anzusehen. Multitasker, die überall zugleich und doch nie konzentriert bei einer Sache sind, brennen aus. Sie sind Opfer der Diktatur der Uhr. Immer auf der Überholspur, treiben sie sich und andere an, nach dem Motto: Der Tag hat nur 24 Stunden, aber wir haben ja immer noch die Nacht.

Die Getriebenen mögen denken, dass ihnen die Zukunft gehört. Sie sehen die Gegenwart wie etwas Lästiges, etwas Notwendiges, das es eben abzuwarten gilt, wie es das Wort Gegenwart

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