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Ist es naiv, an eine andere Politik zu glauben?

Inhalt

Wohin geht die Reise?

1. Teil: Neues Denken ist gefragt

• So entstand unsere Zeit

• Die „Moderne“ schwächelt

• Integral – eine neue Weltsicht

2. Teil: Die Sinnkrise

• Die grosse Verunsicherung

• Sinn wird erfahren, nicht gedacht

• Ist sinnorientierte Politik möglich?

• Vision einer sinnorientierten Politik

• Die Kraft der Vision

3. Teil: Die Zeit der grossen Beschleunigung

• Neue Entwicklungen fordern uns heraus

• Der Wandel hat schon begonnen

• Neue Wege für politisches Handeln

4. Teil: Konkrete Fragen zu Politik und Gesellschaft

• Wir können es – wollen wir es?

• Wie gehen wir mit Differenzen um?

• Links und rechts ergänzen sich

• Es brodelt in der Suppe

• Eine Kultur der Achtsamkeit

• Wie demokratisch ist die Demokratie?

• Hat das Volk immer recht?

• Die Mathematik der Demokratie

• Vegan ist „in“

• Von der Lust, Feinde zu haben

• Lebensqualität statt Wachstum

• Terror – die Gewalt der Schwachen

• Das Klima und eine politfreudige Generation

• Die knifflige Frage nach dem Eigentum

• Flüchtlinge und die Angst vor dem Fremden

• Die Scham, ein Gutmensch zu sein

• Ist es naiv, an eine andere Politik zu glauben?

Anhang A: Pioniere integralen Denkens

Anhang B: Anmerkungen,

Wohin geht die Reise?

Es sieht bedenklich aus

Wenn Sie heute verzweifeln, tun Sie es nicht ohne Grund. Trotz 500 Jahren Aufklärung, trotz 2000 Jahren Christentum gibt es immer noch weltweit etwa 25 grössere Kriege. Dies ist völliger Irrsinn, denn ausser der Waffenindustrie gibt es keine Sieger mehr. Gemäss Amnesty International wird trotz Anti-Folter-Konvention immer noch in vielen Staaten gefoltert. Die Flüchtlingsnot ist unüberschaubar. Auch in unsern Ländern öffnet sich die Armutsschere weiter. Die Klimaerwärmung hat verheerende Folgen. Gerade die ärmsten Länder leiden am meisten darunter.

Das alles lässt uns wenig an Fortschritt denken. Es sieht danach aus, als wären wir destruktiver und brutaler als die Menschen früherer Zeiten. Viele von uns sind dementsprechend auch wenig zuversichtlich. Wir lenken uns ab durch Vergnügen oder Arbeitswut, oder wir resignieren.

Vieles ist besser geworden

Doch auch wenn Sie zuversichtlich in die Zukunft schauen, haben Sie gute Gründe. Die „Milleniums-Ziele“ der UNO sind weitgehend erfüllt. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Mehr als eine Milliarde Menschen wurden aus extremer Armut befreit, der Hunger wurde reduziert, mehr Mädchen als je zuvor besuchten die Schule.1Sämtliche Länder haben die „Agenda 2030“ unterschrieben: Sie haben sich siebzehn grossgesteckte Ziele für eine nachhaltige Entwicklung vorgenommen.2 Auch wenn vieles davon nicht voll umgesetzt wird – das Ringen um eine Welt, in der alle leben können, ist unbestreitbar.

Guido Mingels schreibt in seinem Buch „Früher war alles schlechter“: „Die absolute Armut ging in den letzten hundert Jahren von neunzig auf vierzehn Prozent zurück, die globale Gesundheit verbesserte sich, die Kindersterblichkeit sank fast überall, der Wohlstand nahm fast überall zu, vier von fünf Menschen können lesen und schreiben, Kriegstote und Mordraten sanken, Krankheiten wurden ausgerottet, der Wald ist gewachsen, der Hunger wurde reduziert, die Arbeitszeit ist kürzer geworden, es gab weniger Kinderarbeit, Schweizer trinken weniger, rauchen weniger, haben weniger Strassentote“3.

Zudem können wir eine ausgeprägte Verfeinerung der Sensibilität feststellen. War es früher üblich, Kinder hart zu schlagen, wird das heute weitgehend abgelehnt oder sogar verboten. Tiere wurden wie Ware behandelt, heute setzen sich Tierschutz und Gesetze gegen die Misshandlung ein. Nur wo Profitgier oder Machtansprüche vorwiegen, bleibt Grausamkeit bestehen.

Wir haben Tendenz, dem einen oder andern zu verfallen, der Hoffnung oder der Resignation. Aber die Fakten zeigen überdeutlich, dass beides Wirklichkeit ist. Wir leben in dieser gespaltenen Welt. Und wir wissen: Wir haben keine andere. In dieser Welt haben wir zu bestehen.

1. Teil:
Neues Denken ist gefragt

So entstand unsere Zeit

Der Mensch hat sich vom Einzeller zum homo sapiens entwickelt. Während sich diese Entwicklung über Jahrmillionen hinzog, verläuft die kulturelle Entwicklung in überschaubaren Zeiträumen.

Bis etwa 600 vor Christus prägten vorrationale, magische und mythische Vorstellungen den Alltag des Menschen. Verehrt wurden Naturkräfte, später die verschiedenen Gottheiten. Ungefähr um das Jahr 600 gab es, und zwar in mehreren Kontinenten zugleich, bedeutende Änderungen im Bewusstsein der Menschen. Sokrates in Griechenland setzte die Vernunft anstelle der Gottheiten. In Israel wandten sich die grossen Propheten gegen den Tempelkult: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer4“. Buddha ersetzte die mythischen Vorstellungen des Hinduismus durch einen spirituellen Weg. In China entwickelten Konfuzius und Laotse ihre philosophischen Systeme.

Der Glaube an magische Rituale und die Macht der Götter verlor an Bedeutung; man begann, selbständig zu denken. Bereits zu dieser Zeit kündete sich ein rationales Zeitalter an. Als dann das Christentum mit seinen Mythen in unsern Ländern die dominierende Kraft wurde, gerieten das Denken und die religiösen Traditionen in Konflikt. Theologen entwickelten grosse Systeme, um Vernunft und die „Offenbarung“ zu verbinden. Dieses philosophisch-theologische Gedankengebäude war bis ins Mittelalter die gestaltende Kraft in Europa.

1500 – die Geburt der Moderne

Die Zeit, die wir „die Moderne“ nennen, begann um 1500 mit einem gewaltigen wissenschaftlichen und kulturellen Aufbruch. Anstatt sich wie bisher an alten Büchern zu orientieren, begannen die Forscher, die Welt direkt zu beobachten. Kopernikus berechnete die Planetenbahnen und lehrte, dass die Erde um die Sonne kreist. Galilei griff zum Fernrohr. Keppler löste die Beobachtung der Planetenbahnen vom theologischen Konstrukt der vollkommenen Kreisbahnen und bestand darauf, dass die Bahnen elliptisch verlaufen. Newton studierte den Fall des Steins und errechnete die Gravitation. Beobachtung und Mathematik begannen, Bibel und Kirche zu ersetzen.

Aufbruchsstimmung herrschte in allen Bereichen. Statt sich wie bisher in den Stadtmauern zu sichern, ging man auf die Suche nach fernen Ländern. Kolumbus und viele andere überquerten den Ozean, entdeckten neue Kontinente, eroberten sie, plünderten und mordeten ausgiebig.

Der Siegeszug der Vernunft

Die „Moderne“ setzte sich in allen Bereichen des Lebens fort. Der Philosoph René Descartes (1596-1650) machte den Zweifel zur Grundlage des Wissens. Charles Darwin (1809-1882) entdeckte die Evolution der Arten und drängte den Mythos von der Welterschaffung in sieben Tagen zurück.

Ein grosser technischer Aufbruch begann. Die Industrie mit ihren Motoren und Fabriken wuchs, die Landwirtschaft schrumpfte. Die Weltraumfahrt entstand, der Mond wurde betreten. Der Computer begann seinen Siegeszug, fast gleichzeitig das Mobiltelefon. Die Technik hat die Welt verändert.

In der Moderne entstand auch der Kapitalismus. Die Kontrolle über die Wirtschaft wurde dem Adel entzogen. Der Markt könne sich selber regulieren, fand Adam Smith (1723-1790). Kapital kumulierte sich, es kam zu einem gewaltigen Wohlstand in noch nie gekanntem Ausmass.

Demokratie ersetzte die herrschaftlichen Strukturen. Selbstständige Städte machten den Fürsten Konkurrenz. Die französische Revolution entthronte die Könige, demokratische Staaten entstanden. Und schließlich entfesselte die Atombombe ihre gewaltige, bedrohliche Kraft.

Der Aufbruch machte sich auch in der Kunst bemerkbar. Die Künstler verliessen die religiöse Darstellung, die wir von den Ikonen her kennen, und malten realistisch. Die Madonna erhielt die Züge lebender schöner Frauen. Die perspektivische Darstellung entstand. Während der künstlerische Stil früher über Jahrhunderte andauerte, wechseln sich Stilformen in rascher Folge.

Ein neues Zeitalter entstand. Die Vernunft hatte das alte mythische Denken überwunden. Es würde nun alles besser werden.

Die Moderne schwächelt

Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft haben uns viel gebracht: Wissen, Wohlstand, Transportmittel, Waschmaschine, Abwasseranlagen. Doch immer mehr zeigen sich die zerstörerischen Seiten der Moderne. Wohlstand wandelt sich zur Armuts-Schere, Wachstum plündert die Ressourcen, Wissen entfremdet uns dem natürlichen Empfinden.

Das rationale Denken ist unentbehrlich. Doch es riskiert heute, uns ganz zu erfassen, ganz zu erklären, ganz zu durchdringen. Es verlässt seine Funktion als Werkzeug und nimmt unser Dasein und Denken ein. Dinge, Tiere, ja Menschen werden in diesem Denken auf ihre Nützlichkeit reduziert. Wahr ist, was sich rational beweisen lässt. Gut ist, was nützt.

Noch in meiner Kindheit war der Glaube an den Fortschritt ungebrochen. Autobahnen, Düsenflugzeuge, alles begrüssten wir freudig und hofften, dass es unbegrenzt so weiterginge. Und lange ging es so weiter. Bis kritische Stimmen aufkamen. 1972 warnte der Club of Rome5, die Rohstoffe seien nicht endlos verfügbar. 1972 kann als Wendepunkt im Fortschrittsdenken betrachtet werden.

An vielen Fronten kündigten sich Probleme an. Die Meeresverschmutzung nahm bedrohlich zu. Die Ozonschicht begann, gefährlich dünn zu werden. Die Luftqualität wurde Thema. Die Gefahren der Klimaerwärmung wurden bekannt. Wirtschaftskrisen erschütterten den globalen Handel. Die Armutsschere wies auf Strukturmängel des Kapitalismus hin. Der Fortschrittsglaube begann zu schwächeln. Was wir kurz zuvor noch als Fortschritt begrüssten, wurde nun zunehmend bedrohlich.

Der Mensch verliert seine Krone

Das Bild des Menschen als Krone der Schöpfung verlor an Glaubwürdigkeit. Wenn die Vernunft nicht verhindern konnte, dass Nationalsozialismus und Stalinismus entstanden, dass zwei Weltkriege tobten, dass ein grosser Teil der Menschen trotz Fortschritt der Technologie schwersten Mangel erleiden, was soll sie da noch wert sein?

Die Wissenschaften, die so Grosses ermöglicht hatten, nagten ihrerseits am Menschenbild. Der Reduktionismus mit seinem Lieblingsausduck „Es ist nichts als …“ verbreitete sich: Gefühle sind nichts als Erregung im limbischen Hirn, ...

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