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Irischer Frühling mit dem Milliardär

1. KAPITEL

„Ich flehe dich an, bitte nicht pressen!“ Sean Connolly spähte misstrauisch in den Rückspiegel, dann lenkte er den Blick sofort wieder auf das kurvige Sträßchen vor sich. Warum zum Teufel war das Los ausgerechnet auf ihn gefallen, eine Hochschwangere mit heftigen Wehen ins Krankenhaus zu fahren?

„Konzentrier dich lieber auf die Straße, Sean“, fuhr ihn sein Cousin Ronan vom Rücksitz aus an. Er hielt seine Frau mit dem riesigen Babybauch fest im Arm, da der Anschnallgurt für sie zu kurz war.

„Ronan hat recht“, warf Georgia Page vom Beifahrersitz aus ein. „Konzentrier dich aufs Fahren, Sean.“ Sie drehte sich zur Rückbank um. „Halt durch, Laura“, machte sie ihrer Schwester Mut. „Wir sind gleich da.“

„Nun beruhigt euch alle mal“, meldete sich Laura. „Ich werde schon keine Sturzgeburt im Auto haben.“

„Alles, nur das nicht“, murmelte Sean und gab Gas.

Bis jetzt hatten ihm die schmalen, kurvigen Sträßchen seines Heimatlands Irland nichts ausgemacht. Aber an diesem Abend wünschte er sich nichts sehnlicher als dreißig Kilometer freie Autobahn bis zum Krankenhaus in Westport.

„Deine spöttische Bemerkung ist nicht gerade hilfreich“, sagte Georgia mit einem kritischen Seitenblick zu ihm.

„Immerhin fahre ich ja“, entgegnete er. Beim verstohlenen Blick in den Rückspiegel sah er Lauras schmerzverzerrtes Gesicht.

Sie stöhnte, und Sean biss die Zähne zusammen. Zu der normalen Panikreaktion eines Mannes in Gegenwart einer Frau in Wehen kam erschwerend hinzu, dass sein Cousin halb verrückt war vor Sorge um seine heiß geliebte Ehefrau. Sean beneidete Ronan bisweilen insgeheim ein wenig, andererseits dachte er im Moment auch erleichtert: Ronan, ich möchte nicht mit dir tauschen …

Seltsam, wie schnell das Leben für einen Mann kompliziert werden konnte, wenn er nicht aufpasste. Vor einem Jahr noch waren er und sein Cousin Ronan fröhliche, eingeschworene Singles gewesen. Und jetzt war Ronan verheiratet, künftiger Vater, und Sean half gerade dabei mit, der nächsten Generation der Connollys auf die Welt zu verhelfen. Er und Ronan wohnten nur ein paar Minuten voneinander entfernt und waren eher wie Brüder aufgewachsen als wie Cousins.

„Kannst du nicht ein bisschen mehr auf die Tube drücken?“, flüsterte ihm Georgia zu.

Georgia, Lauras Schwester, war eine kluge, hübsche Frau mit einem Hang zum Sarkasmus, die nicht nur Seans Humor und Intelligenz herausforderte, sondern ihn zugleich auch körperlich anzog. Bisher hatte er Distanz zu ihr gewahrt. Sich mit Georgia Page einzulassen, würde die ganze Situation nur noch komplizierter machen. Zumal ihre Schwester mit seinem Cousin verheiratet war und Ronan auf einmal absurde Beschützerinstinkte in Bezug auf die Frauen seiner Familie entwickelte, für die er sich persönlich verantwortlich fühlte.

Das fand Sean reichlich altmodisch für einen Mann, der bis vor Kurzem noch keine Gelegenheit zum Flirten mit seinen zahllosen Verehrerinnen ausgelassen hatte.

Trotzdem war Sean auch froh, dass Georgia jetzt in dieser heiklen Situation mit dabei war. Allein schon wegen ihres gesunden Menschenverstands. Zumindest konnten sich Georgia und Sean gegenseitig den Rücken stärken, und dafür war er dankbar.

Sean sah sie verstohlen von der Seite an und raunte: „Wenn ich nachts auf dieser Straße noch schneller fahre, dann landen wir alle in der Klinik.“

„Ganz recht.“ Georgia hielt den Blick konzentriert auf die Straße vor ihnen gerichtet und beugte sich vor, als könnte sie durch schiere Willenskraft das Tempo des Wagens erhöhen.

Wenn das irgendjemand schafft, dann Georgia Page, dachte Sean. Er hatte sie vor einem Jahr bei Ronans und Lauras Hochzeit kennengelernt. Und da sie ihre Schwester häufig in Irland besuchen kam, waren sie beide mittlerweile ziemlich vertraut miteinander, und er mochte sie gern. Ihre dunkelblauen Augen waren unergründlich, und ihr honigfarbenes Haar hatte einen Stich ins Rötliche. Er schätzte ihren scharfen Verstand, ihren Humor und ihren Familiensinn – den er im Übrigen teilte.

Draußen herrschte tiefste Nacht, und die Scheinwerfer erhellten nur die kurvige Landstraße dicht vor ihnen. Hin und wieder leuchtete am Straßenrand das Licht im Fenster eines Farmhauses auf wie ein Leuchtturm und mahnte sie zur Eile.

Schließlich kündigte ein schwacher Lichtschein am Horizont die Stadt Westport an. Jetzt war es nicht mehr weit, und er atmete erleichtert auf.

„Gleich sind wir da“, verkündete er und erntete ein dankbares Lächeln von Georgia.

Vom Rücksitz her beendete kurz darauf ein gequälter Aufschrei aus Lauras Mund Seans Erleichterung abrupt. Sie waren noch nicht in Sicherheit. Mit äußerster Konzentration fuhr er so schnell, wie die Straße es zuließ.

Nur Stunden später – allerdings kam es ihnen vor wie Tage später – verließen Sean und Georgia die Klinik wie Überlebende nach einer furchtbaren Schlacht.

„Mein Gott“, sagte Sean und stöhnte, als sie in den Nieselregen eines irischen Winternachmittags hinaustraten. „Mir kommt es so vor, als sei das die längste Nacht meines Lebens gewesen.“

„Geht mir genauso“, stimmte ihm Georgia zu. „Aber es war die Aufregung wert.“

„Allerdings. Die Kleine ist wirklich süß.“

Georgia lächelte. „Fiona Connolly. Klingt schön, und trotzdem auch kraftvoll.“

„Das stimmt, und die Kleine hat ja auch schon ihren Vater um ihren winzigen Finger gewickelt.“ Beim Gedanken an den Gesichtsausdruck seines Cousins, als er seine neugeborene Tochter zum ersten Mal auf dem Arm hielt, schüttelte er den Kopf. Bei diesem Anblick konnte man als eingefleischter Single schon fast … nun ja, sei’s drum.

„Ich bin erschöpft und zugleich irgendwie auch elektrisiert.“

„Geht mir genauso“, pflichtete Sean ihr bei. „Als wäre ich einen Marathon gelaufen.“

„Dabei haben wir nur dagesessen und gewartet.“

„Manchmal ist gerade das am allerschwersten.“

Georgia musste lachen. „Da ist Laura aber sicher ganz anderer Meinung.“

„Stimmt.“ Er lächelte verständnisvoll.

Georgia seufzte und hakte sich bei Sean unter. „Ronan wird bestimmt ein toller Vater. Und Laura … sie hat sich so sehnsüchtig eine eigene Familie gewünscht.“ Sie wischte sich verstohlen die Tränen aus den Augen.

„Genug geweint jetzt“, befahl Sean und drückte ihren Arm.

„Ich habe genau gesehen, dass du auch feuchte Augen hattest. Das nenne ich harte Schale, weicher Kern.“

„Nun ja, wir Iren sind einfach ein sentimentales Völkchen“, gab er zu und wandte sich, immer noch bei ihr untergehakt, in Richtung Parkplatz.

„Das finde ich ja auch so liebenswert an dir …“

Er sah sie überrascht an.

„… und bei den Iren im Allgemeinen“, ergänzte sie hastig.

„Nun ja.“ Er musste über ihr Zurückrudern lächeln. Es war ein wunderschöner Nachmittag. Leichter Regen, frischer Wind, und im Krankenhaus hinter ihnen krähte ein neuer Erdenbürger. „Du bist im vergangenen Jahr so oft in Irland gewesen, dass du selber schon fast eine halbe Irin bist, nicht wahr?“

„Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht“, gab sie zu. „Zumindest darüber, hierherzuziehen. Dauerhaft.“

„Wirklich?“ Freudig überrascht stützte er sich mit den Unterarmen auf die Wagentür und sah sie neugierig an. „Und was hat dich dazu bewegt? Deine neugeborene Nichte?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Das sicher auch. Aber vor allem mag ich das Leben hier auf dem Land. Die Leute sind freundlich, dazu die herrliche Landschaft. Ich fühle mich hier unglaublich wohl.“

„Weiß Laura darüber Bescheid?“

„Noch nicht.“ Sie sah ihn eindringlich an. „Also behalt es bitte noch für dich. Sie hat im Moment keinen Kopf für solche Gedanken.“

„Stimmt. Aber sie würde sich sicher freuen, ihre Schwester ganz in der Nähe zu haben.“

Sie strahlte ihn an und nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Sean schloss die Beifahrertür hinter ihr, und als er zu seiner Seite des Wagens ging, dachte er insgeheim, dass auch er nichts dagegen hätte, Georgia in seiner Nähe zu wissen.

Eine halbe Stunde später öffnete Georgia die Eingangstür zu Lauras und Ronans geräumigem Landhaus und fragte Ronan mit einem Blick über die Schulter: „Willst du noch auf ein Gläschen mit reinkommen?“

„Ich glaube, wir haben uns eins verdient“, erwiderte er und trat hinter ihr ein. „Vielleicht sogar ein ganzes Dutzend.“

Sie lachte gut gelaunt. Tatsächlich war sie in Hochstimmung: Ihre Schwester war glückliche Mutter geworden, und Georgia fühlte sich überglücklich, dass sie sich dazu durchgerungen hatte, zur Geburt des Babys nach Irland zu reisen. Nicht auszudenken, wie schäbig sie sich vorgekommen wäre, jetzt Tausende von Kilometern weit weg zu sein.

„Ronans Haushälterin Patsy besucht gerade ihre Tochter Sinead in Dublin“, fiel ihr wieder ein. „Wir müssen uns also selbst verköstigen.“

„Mir ist im Moment nach allem anderen als nach Essen zumute“, erklärte Sean.

Flirtet er etwa mit mir, fragte sich Georgia, doch dann verwarf sie diesen Gedanken sofort wieder. Sie schüttelte den Kopf und erinnerte sich daran, dass sie sich zusammen ein Gläschen genehmigen wollten. Oder auch mehrere.

Plötzlich hörten sie ein lange anhaltendes, markerschütterndes Jaulen aus dem Inneren des Hauses. Georgia zuckte erschreckt zusammen, doch dann musste sie lachen. „Wahrscheinlich haben sich die Hunde wegen des Regens in die Küche geflüchtet.“

„Und Hunger haben sie sicher auch.“ Sean ging mit ihr in den hinteren Teil des Gebäudes.

Georgia kannte mittlerweile das Haus ihrer Schwester wie ihr eigenes. Jedes Mal, wenn sie in Irland war, wohnte sie hier bei ihr und Ronan, denn es gab so viel Platz, dass sie bequem ein Familientreffen mit hundert Teilnehmern abhalten könnten. Sie öffnete die Tür zu der geräumigen Küche mit den supermodernen Küchengeräten und langen Granitarbeitsflächen. Alles war perfekt aufgeräumt – nur die beiden Hunde bestürmten sie schwanzwedelnd.

Deirdre war ein großer, tapsiger irischer Hirtenhund, dessen Augen von dem zottigen Fell so vollkommen verdeckt waren, dass er nur durch ein Wunder nicht ständig gegen die Wände lief. Der zweite Vierbeiner im Haus war der riesige, gutmütige Beast, und das Netteste, was man über ihn sagen konnte, war, dass er an Herzlichkeit wettmachte, was ihm an Schönheit fehlte. Da Beast als Erster bei ihr war, kraulte Georgia ihn hinter den Ohren, und der große Hund schüttelte sich vor Wohlbehagen. Und Deirdre versuchte sofort, ihn zur Seite zu drängen.

„Schon gut, zuerst kriegt ihr euer Fressi, aber dann bekommen wir unsere Drinks“, verkündete Georgia.

„Bin schon dabei.“ Sean ging zur Speisekammer, und ein paar Minuten später hatte er den beiden Hunden frisches Wasser und ihre gefüllten Futternäpfe hingestellt.

Georgia ging ihm voraus zum Wohnzimmer, und ihre Absätze klackten auf dem Parkettboden.

„Also Patsy ist in Dublin bei ihrer Tochter“, sagte Sean. „Geht’s Sinead gut mit ihrer neuen Familie?“

„Nach allem, was Pat erzählt, läuft alles großartig“, erwiderte Georgia.

Laura hatte ihr erzählt, dass Sinead Hals über Kopf heiraten musste, weil sie schwanger war. Mittlerweile hatte Sinead einen Jungen bekommen, und ihr neuer Mann nahm derzeit eine Demo-CD auf. Er und seine Freunde spielten irische Folkmusik, und dank Ronans Kontakten zu einer Plattenfirma hatte er gute Chancen, damit groß herauszukommen. „Sie vermisst es, dass Sinead nicht mehr in ihrer Nähe wohnt, aber sobald die Demo-CD fertig ist, werden sie wohl alle wieder nach Dunley zurückkommen.“

„Daheim ist es eben doch am schönsten“, meinte Sean. „Und dennoch hast du vor, von deinem Zuhause fortzugehen und dich an einem anderen Ort niederzulassen.“

„Ja, das werde ich wohl tun.“

Dass er ihre Absicht offen aussprach, ließ sie realer erscheinen, als sie ihr vergangene Woche noch vorgekommen war. Aber der Plan geisterte ihr schon länger im Kopf herum und fühlte sich auch … irgendwie richtig an. Mit gewissen Risiken behaftet … aber gut. Zwar gab sie auch eine Menge auf, aber andererseits konnte sie damit auch die Anspannung und die schlimmen Erinnerungen an eine Ehe, die so plötzlich zerbrochen war, hinter sich lassen.

Sie wusste, es wäre eine große Chance für sie, nach Irland zu ziehen. Und sprach nicht auch vieles für eine Veränderung? Dafür, ihr Leben noch einmal richtig auf den Kopf zu stellen, um es interessant zu halten?

Bei diesem Gedanken musste sie lächeln. Interessant. In ein anderes Land zu ziehen. Das Altvertraute zu verlassen … gut, auch das Neue war ihr bereits wohlvertraut. Seit Laura ihren Ronan geheiratet hatte und nach Irland gezogen war, hatte Georgia die weite Reise aus den USA hierher bereits viermal unternommen. Und jedes Mal war es schwieriger gewesen, wieder fortzugehen. Zurück in ihre leere Wohnung im kalifornischen Huntington Beach. Zurück an ihren Schreibtisch, allein in ihrem Maklerbüro, das sie und Laura zusammen eröffnet hatten.

Sie badete nicht etwa in Selbstmitleid. Aber sie hatte immer stärker das Gefühl, dass ihr das Leben mehr zu bieten hatte, als hinter einem Schreibtisch zu sitzen und darauf zu hoffen, ein Haus zu einem guten Preis verkaufen zu können.

Im Wohnzimmer blieb Georgia wie so oft stehen, einfach nur, um die Schönheit des Raumes zu bewundern. Ein weiß gekachelter Kamin, bestückt mit Feuerholz, das Sean sich bereits anschickte zu entfachen, um gegen diesen trüben, kalten Tag anzukämpfen. Vor der breiten Glasfront erstreckte sich eine weite Rasenfläche, und es regnete noch immer leicht an die Scheiben.

Sobald das Feuer fröhlich flackerte, stand Sean auf und ging zu einem Tischchen mit einer Sammlung von Kristallkaraffen. Er bückte sich jedoch zu dem kleinen Eisschrank daneben.

„Wie wär’s jetzt mit einem kleinen Feiertrunk?“, fragte er.

Georgia stellte sich zu ihm. „Wir haben ihn uns redlich verdient, aber ich hätte ihn jetzt auch nicht vermisst. Die Sorge, die Aufregung …“ Sie sah ihn lächelnd an. „Es war schrecklich, Laura so leiden zu sehen und nichts dagegen tun zu können.“

„Würde es meiner Männlichkeit schaden, wenn ich zugebe, dass auch mich zeitweise die Panik gepackt hat?“

„Deine Männlichkeit steht außer Frage“, versicherte ihm Georgia. Im Gegenteil, sie kannte keinen sonst, der sich weniger Sorge um seine Männlichkeit machen musste als Sean Connolly. Er sah umwerfend gut aus, war charmant und sexy. Gott sei Dank war sie immun dagegen. Hm, zumindest beinahe immun.

Obwohl sie es eigentlich besser wissen müsste, war sie von Seans Reizen nicht ganz unberührt geblieben. Aber bestimmt war es viel vernünftiger, ihn nur als „guten Freund“ zu betrachten. Mit ihm etwas anzufangen wäre ziemlich riskant, denn seit ihre Schwester mit seinem Cousin verheiratet war, könnten Probleme zwischen ihnen beiden schnell zu einem Familienkrieg führen.

Schließlich gibt es immer Probleme, sobald ein Mann im Spiel ist, dachte sie bedauernd. Doch sie hatte ihre Lektion gelernt. Sie konnte Seans Gesellschaft auch so genießen … ohne sich mit ihm einzulassen. Ihr Blick wanderte über seinen groß gewachsenen, muskulösen, aber drahtigen Körper. Und in ihrem Inneren spürte sie ein sengendes Kribbeln, als kämpfte eine unterdrückte Flamme darum, zu einem Freudenfeuer aufzulodern. Das hatte ihr gerade noch gefehlt.

Pass bloß auf! ermahnte sie sich streng. Anschauen ja, aber auf der Hut bleiben und die Hormone im Griff behalten. Als er ihr schelmisch zuzwinkerte, fügte Georgia insgeheim hinzu: fest im Griff behalten.

Um sich abzulenken, fragte Georgia schwärmend: „Ist sie nicht total süß, die Kleine?“

„Allerdings“, pflichtete ihr Sean bei und nahm eine Flasche Champagner aus dem Kühlschrank. „Und sie hat einen vorausschauenden, fürsorglichen Vater. Unser lieber Ronan hat den Kühlschrank nicht nur mit einer, sondern gleich mit drei Flaschen Champagner bestückt.“

„Wirklich sehr umsichtig.“

Er nahm zwei Sektgläser vom Regal hinter der Hausbar. „Hast du die frohe Nachricht schon deinen Eltern überbringen können?“

„Allerdings“, erwiderte Georgia lächelnd. Ihre Mutter war bei der Nachricht über ihr erstes Enkelkind in Freudentränen ausgebrochen. „Ich habe meine Eltern von Lauras Zimmer aus angerufen, als du mit Ronan zum Blumenkaufen runtergegangen bist. Sie konnten sogar zuhören, wie das Baby geschrien hat. Ronan hat ihnen versprochen, dass er ihnen einen Flug bezahlt, wann immer sie herüberkommen können.“

„Das ist ja nett.“ Der Korken knallte, und Sean goss den perlenden Champagner ein, der aussah wie flüssiger Sonnenschein. Dann sagte er: „Auf Fiona Connolly. Möge ihr ein langes und glückliches Leben beschieden sein.“

Georgia stiegen Tränen in die Augen. Sie nippte an ihrem Champagner und meinte: „Das war ein schöner Trinkspruch, Sean.“

Er lächelte sie an, fasste sie an ihrer freien Hand und führte sie zu einem der Sofas hinüber. „Insgesamt war es ein traumhafter Tag, findest du nicht?“

„Stimmt“, bestätigte sie. „Und er ist es immer noch. Ich bin zwar k. o., aber ich könnte jetzt nicht einschlafen. Dafür rauscht mir noch zu viel überschüssiges Adrenalin durch die Adern.“

„Geht mir genauso. Was für ein Glück, dass wir uns gegenseitig Gesellschaft leisten können.“

„Stimmt.“ Georgia streifte die Schuhe ab, zog die Füße aufs Sofa und rieb sich versonnen über den Rist.

Das Knistern und Zischen des Kaminfeuers zusammen mit dem leisen Trommeln des Regens gegen das Fenster schuf eine behagliche Atmosphäre.

„Also“, begann Sean eine Weile später, „erzähl doch mal von deinem Plan, nach Irland zu ziehen.“

Sie hob den Kopf und sah ihn an. Sein dunkles Haar war zerzaust, die braunen Augen wirkten müde, aber interessiert, und das leise Lächeln, das seine Lippen umspielte, hätte eine Heilige verführen können. Georgia nippte an ihrem Champagner, in der Hoffnung, das eiskalte Getränk könnte die Glut löschen, die in ihr aufstieg.

„Ich überlege das schon eine ganze Weile“, sagte sie. „Eigentlich seit meinem letzten Besuch hier. Als ich damals nach Hause zurückgeflogen bin, saß ich im Flugzeug und fragte mich beim Start, warum ich überhaupt abreise.“

Er nickte, als würde er das völlig verstehen, daher fuhr sie fort.

„Eigentlich müsste man ja nach einer Reise gern nach Hause zurückkehren, nicht wahr?“ Sie richtete die Frage mehr an sich selbst als an Sean, und die Antwort darauf ebenso. „Man müsste sich wieder auf die Rückkehr in den gewohnten Alltag freuen. Aber bei mir war es anders. Je näher ich meinem Zuhause kam, desto nagender wurden bei mir Ernüchterung und Enttäuschung.“

„Vielleicht hat es damit zu tun, dass du von einem Besuch bei deiner Schwester zurückgefahren bist“, vermutete er.

„Wahrscheinlich.“ Sie nahm ein weiteres Schlückchen Champagner. „Laura ist schließlich mehr als meine Schwester, sie ist zugleich auch meine beste Freundin. Ich vermisse sie wirklich, wenn wir nicht zusammen sind.“

„Das glaube ich dir gern.“ Er schenkte ihnen beiden Champagner nach. „Als Ronan in Kalifornien war, habe ich zu meiner Überraschung auch unsere gemeinsamen Pub-Abende sehr vermisst. Das Miteinanderlachen. Und auch das Streiten.“ Er grinste. „Aber wenn du das jemandem weitersagst, dann streite ich alles rundweg ab.“

„Verstehe“, erwiderte sie lachend. „Als ich wieder daheim war und am nächsten Tag in unserem – in meinem – Maklerbüro saß und gelangweilt aus dem Fenster starrte und auf Kunden wartete, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass alle Passanten draußen wohl genau das taten, was sie gern tun wollten. Alle außer mir.“

„Ich dachte, es macht dir Spaß, Häuser und Wohnungen zu verkaufen“, entgegnete Sean. „So wie Laura es mir geschildert hat, wart ihr gerade erst dabei, die Firma aufzubauen.“

„Ja, das stimmt“, pflichtete sie ihm bei. „Aber keiner von uns beiden stand mit ganzem Herzen hinter der Geschäftsidee. Ist das nicht sonderbar?“ Georgia wandte sich Sean zu und blickte ihm ins Gesicht.

Wow, dachte sie, er sieht wirklich umwerfend aus.

Sie kniff die Augen zusammen und betrachtete misstrauisch den perlenden Champagner in ihrem Glas. Vielleicht zeigte er schon Wirkung und vernebelte ihr den Verstand, sodass sie für den Charme und die Attraktivität des Connolly-Clans empfänglicher wurde. Doch gleich darauf wischte sie den Gedanken beiseite. Empfänglich dafür war sie schon immer gewesen, aber sie war resistent geblieben. Jetzt allerdings …?

Georgia räusperte sich und verdrängte die widerspenstigen Gedanken. Wo war sie stehen geblieben? Ach ja.

„Aber schließlich ist Laura Künstlerin, und ich war früher Innenarchitektin. Und trotzdem haben wir ein Geschäft gegründet, das uns im Grunde gar nicht interessiert hat.“

„Warum dann eigentlich?“ Er sah sie aus seinen wunderschönen braunen Augen mit aufrichtigem Interesse an. „Warum habt ihr so viel Engagement in eine Sache investiert, die euch gar nicht interessiert?“

„Gute Frage.“ Sie zuckte ratlos mit den Schultern, und ein wenig Champagner schwappte über den Glasrand. Sie trank rasch einen Schluck, damit das Glas nicht mehr so voll war. „Es hat ganz harmlos angefangen. Laura konnte mit dem Malen nicht ihren Lebensunterhalt verdienen, daher machte sie eine Fortbildung zur Maklerin, weil sie am liebsten ihr eigener Chef ist.“

„Das verstehe ich gut“, sagte er mit einem wissenden Nicken.

Natürlich ist dieser Teil der Geschichte ziemlich einleuchtend, dachte Georgia. Als Besitzer von Irish Air, einer großen und aufstrebenden Fluglinie, stellte Sean seine eigenen Regeln auf. Sicher konnte man ihre Situation nicht vergleichen, aber auch er traf seine Entscheidungen in Eigenverantwortung.

„Dann zerbrach meine Ehe“, fuhr sie fort, und die Worte hatten noch immer einen bitteren Beigeschmack. Georgia war zwar fast darüber hinweg, da alles schon ein paar Jahre her war, aber wenn sie genauer darüber nachdachte. „Ich bin mit Laura zusammengezogen, und anstatt dass ich ein eigenes, ganz neues Unternehmen aufbaute – und ehrlich gesagt, findet sich in Kalifornien an jeder Ecke ein Innenarchitekturbüro, da braucht es keine weiteren –, machte ich auch diese Makler-Ausbildung, und wir beide gründeten unsere eigene Firma.“

Kopfschüttelnd nippte sie an ihrem Champagner. „Im Grunde schlitterten wir ungewollt in ein Unternehmen hinein, aber wir schafften auch nicht wieder den Absprung. Verstehst du das?“

„Vollkommen“, versicherte ihr Sean. „Mit anderen Worten, du warst nicht glücklich.“

„Genau.“ Sie holte tief Luft. Was hatte er nur an sich? fragte sie sich. Es war so leicht, mit ihm zu reden. Und er sah so gut aus. Seine Augen schienen auf den Grund ihres Herzens zu blicken, und er sprach mit diesem sympathischen irischen Akzent. Eine gefährliche Kombination, warnte sie sich. „Ich war dort ziemlich unglücklich in letzter Zeit. Und da ich frei und ungebunden bin, warum sollte ich nicht nach Irland ziehen? Und näher bei meiner Schwester wohnen. An einem Ort leben, den ich lieben gelernt habe.“

„Klar, warum eigentlich nicht“, bestätigte er ihr in kameradschaftlichem Ton. Er schenkte ihnen beiden nochmals Champagner nach. „Aber hier wirst du schätzungsweise kein Maklerbüro mehr aufmachen wollen, oder?“

„Nein, danke.“ Sie seufzte. Der Gedanke, nie wieder mit unbequemen Verkäufern und drängelnden Käufern zu tun haben zu müssen fühlte sich großartig an. Wer zu ihr als Innenarchitektin kam, wusste ihr Talent zu schätzen, und sie wäre auch nicht mehr abhängig davon, ob gerade ein interessantes Haus auf dem Markt war oder nicht.

„Ich will ein eigenes Atelier als Innenarchitektin aufmachen. Natürlich muss ich noch Erkundigungen einziehen, was ich brauche, um eine Geschäftslizenz in Irland zu bekommen. Und ich brauche ein Haus.“

„Du könntest doch sicher hier wohnen“, meinte er schulterzuckend. „Ronan und Laura würden dich bestimmt liebend gern hier wohnen haben, und das Haus ist ja weiß Gott groß genug.“

Nachdenklich ließ sie den Blick durchs Wohnzimmer des luxuriösen Landhauses schweifen. Das schöne alte Haus war vermutlich groß genug für zwei oder drei Familien. „Aber ich möchte lieber ein eigenes Zuhause haben – nicht zu weit weg. Ich überlege, ob ich ein Einrichtungsatelier in Dunley eröffnen soll …“

Sean verschluckte sich an seinem Champagner und prustete los: „In Dunley? Du willst auf dem Dorf ein Einrichtungsatelier aufmachen?“

Sie sah ihn verärgert an.

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