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Intrigantes Spiel

1. KAPITEL

Felix sah sich suchend im Wellnessbereich um Nachdem Helen kurz zuvor beleidigt und grußlos an ihm vorbeigerauscht war, hatte Johann ihm vorgeschlagen, die Unstimmigkeit aus der Welt zu schaffen. Er selbst hatte sich einmal mehr bei seiner Elisabeth entschuldigt – mittlerweile war Felix fest davon überzeugt, dass die beiden immer noch ineinander verliebt waren. Aber wie auch immer: Sein Vater hatte recht. Solche Streitigkeiten sollte man nicht einfach im Raum stehen lassen. Schließlich arbeiteten sie beide im „Fürstenhof“.

„Helen?“ Er hörte ein Geräusch und drehte sich schnell um, wobei er versehentlich einen Stapel Papiere, der auf einem Hocker gelegen hatte, zu Boden stieß. Schnell hob er alles auf und wollte es schon zurücklegen, als sein Blick auf einen aufgeschlagenen Kalender fiel, der zuoberst lag. „Fruchtbar“, stand dort in roter Schrift. Felix starrte auf das Datum. Das war ja … gestern! Die Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf. Wie war das … Johann hatte ihm eben erst erzählt, dass Helen neulich im Park umgekippt war und Angst gehabt hatte, ihr Kind zu verlieren. Sollte er etwa …

„Was machst du da?“ Helen erschrak zu Tode, als sie Felix mit dem Kalender in der Hand neben dem Hocker stehen sah. Sie griff danach, doch er hielt ihn fest.

„Du hast gelogen“, stellte er fest. Er hatte eins und eins zusammengezählt. Entgeistert blickte er sie an. „Du hast alle angelogen.“

„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.“ Er hielt ihrem wütenden Blick ganz ruhig stand. „Du hast gelogen“, wiederholte er. „Du bist gar nicht schwanger.“

Felix’ herausfordernder Blick versetzte Helen in Angst und Wut zugleich. Noch immer hielt er ihren Kalender in der Hand und sah ihr fest in die Augen.

„Ich soll nicht schwanger sein?“, stammelte sie überfordert. „Wie kommst du denn auf so eine absurde Behauptung?“

„Hier steht, wann du deinen Eisprung hattest. Gestern!“

Sie schnappte nach dem Büchlein, doch er wich zurück. „So ein Unsinn! Das sieht doch jeder, dass ich schwanger bin.“ Sein ungläubiger Blick auf ihren flachen Bauch lenkte ihn immerhin so sehr ab, dass es ihr gelang, ihm den Kalender zu entreißen und in ihrer Kitteltasche verschwinden zu lassen. „Eine Frechheit, in meinen Sachen rumzusuchen!“, zischte sie.

„Der Kalender lag auf dem Boden“, verteidigte sich Felix. „Ich habe ihn nur aufgehoben.“

Helen winkte ab. „Das Ding ist uralt. Der stammt aus der Zeit vor meiner Schwangerschaft.“

Er lachte höhnisch auf. „Willst du mich für dumm verkaufen?“

„Lass mich in Ruhe!“, giftete sie zurück.

„Gib dir keine Mühe. Mir ist völlig klar, warum du mich gestern verführen wolltest. Du willst schwanger werden. Du musst schwanger werden. Damit deine Lüge nicht auffliegt.“

Helen wurde blass. Er hatte ins Schwarze getroffen. „Raus!“, stieß sie verzweifelt hervor. „Verschwinde!“

„Damit du’s weißt“, sagte er mit fester Stimme und legte seine Hand auf die Türklinke. „Wenn mich jemand fragt, was mit dir los ist, dann sage ich die Wahrheit.“

„Warte!“ Helen ließ sich auf die Massageliege sinken und sah ihn resigniert an. „Ich werde dir alles erklären.“

Nachdem sie ihm mit leiser Stimme geschildert hatte, was passiert war, blickte Felix sie kopfschüttelnd an. „Aber irgendwann musst du mit der Wahrheit rausrücken.“

„Die lassen mich fallen wie eine heiße Kartoffel.“ Sie stöhnte auf. Ihre Augen glänzten fiebrig. Sie wollte hier nicht weg. Sie konnte hier nicht weg.

„Warum nicht?“, fragte Felix mit gerunzelter Stirn.

„Weil ich dann den Menschen verliere, der mir am wichtigsten ist“, wisperte sie.

Felix starrte sie erstaunt an. „Alexander? Aber der ist doch …“

„Ich rede von …“ Sie schluckte. „Ich rede von Gregor Bergmeister.“

„Keine Post von Robert?“ Barbara sah auf, als Werner mit einem Stapel Briefe in der Hand die Wohnung betrat und sie schnell durchblätterte.

Werner schüttelte den Kopf und seufzte leise.

„Ich verstehe nicht, dass er sich nicht meldet“, fuhr sie fort. „Wenn er wenigstens anrufen würde. Miriam hat nur diesen knappen Brief von ihm bekommen, mehr nicht.“

„Ja, für Miriam ist das alles noch schlimmer“, antwortete Werner gedankenverloren, während er seine Post öffnete.

„Es ist gemein von Robert, Miriam ausgerechnet jetzt allein zu lassen!“, murrte seine Geliebte. „Sie braucht ihn, und was macht er? Abenteuerurlaub.“

„Er wird bald aufgeben und zurückkommen“, beschwichtigte er sie, ohne die Augen von dem Schreiben zu nehmen, das er in der Hand hielt. Eine PR-Agentur wollte eine Präsentation im „Fürstenhof“ machen.

„Es muss etwas geschehen, Werner! Robert muss zurückkommen!“ Konnte er ihm nicht einen Detektiv hinterherschicken? Oder ihn von der Polizei suchen lassen?

„Das ist zu übergriffig“, unterbrach Werner Barbaras Vorschläge. „Er würde mir das nie verzeihen.“

Barbara blickte ihn an. „Sag’s ruhig deutlich. Er soll so lange in Afrika bleiben, bis er seine Mutter gefunden hat!“

„Du kennst meine Meinung dazu“, knurrte Werner genervt. „Ich bin sicher, dass Charlotte nicht mehr lebt. Und mir liegt sehr daran, dass Robert das auch endlich einsieht.“

Tanja und Mike liefen währenddessen Hand in Hand über die Bergwiese, auf der er ihr gerade einen Heiratsantrag gemacht hatte, und strahlten vor Glück.

„Weißt du, wie glücklich ich bin?“, juchzte sie. „Von hier bis zum Himmel!“

Er zog sie in seine Arme und küsste sie. „Bin ich froh, dass du Ja gesagt hast!“

„Bin ich froh, dass du mich endlich gefragt hast.“

Er zog vergnügt seine Nase kraus. „Ich war ein Idiot! Ich hätte wissen müssen, dass du mit meiner Krankheit klarkommst.“

Tanja lächelte glücklich. „Wir gehören einfach zusammen.“

„Wie der Wind und das Meer.“

„Wie die Pferde und ihre Koppel.“

„Wie Paris und der Eiffelturm“, schwärmte Mike.

„Wie Rio und der Zuckerhut“, fügte Tanja lächelnd hinzu.

„Das ist die Idee!“ Mike hob sie hoch und wirbelte sie herum. „Wir werden ganz schnell heiraten. Damit du es dir nicht mehr anders überlegen kannst.“

„Und was hat das mit Rio zu tun? Soll ich statt Schleier einen Zuckerhut tragen?“, fragte sie verwirrt.

„Nein!“ Mike stellte sie wieder auf den Boden und küsste sie. „Da heiraten wir!“

„Wo?“

„Na, in Rio!“

„Hochzeit in Rio?“ Sie musterte ihn ungläubig. „Das ist ja total abgefahren!“

„Mach die Augen zu!“ Tanja lachte leise und schloss die Augen. „Stell dir vor, wir sind am Strand, hinter uns der blaue Ozean. Hörst du das Rauschen der Wellen?“

Tanja öffnete ihre Augen wieder und sah ihn verträumt an. „Ist man in Rio dem siebten Himmel noch ein bisschen näher?“

„Schon möglich“, flüsterte er verliebt.

„Okay, dann heiraten wir am Zuckerhut.“

Viola hatte allerdings eine etwas andere Vorstellung von der Hochzeit ihrer Tochter: Sie sah ihre Tanja bereits in einem weißen Kleid in einer Kutsche zur Kirche fahren, und auch Franz dachte schon voller Vorfreude an die anschließende Feier im „Fürstenhof“. Denn Xaver hatte keine Zeit verloren, genüsslich von der Wiese, dem Champagner und selbstredend von Mikes Antrag zu berichten – inzwischen fühlte sich der halbe „Fürstenhof“ als Festkomitee berufen.

„Ich sehe dich schon vor mir. Ganz in Weiß fährst du in der Kutsche am ‚Fürstenhof‘ vor …“ Viola hakte sich bei ihrer Tochter unter.

„Das wäre schön …“, sagte Tanja und blickte verträumt in die Ferne, bis sie plötzlich stutzte. „Wieso ‚Fürstenhof‘?“

„Wir lassen dich doch nicht in irgendeiner Kaschemme feiern“, erwiderte Viola entschieden. „Franz hat gesagt, deine Hochzeit lässt er sich was kosten.“

„Mamutschka, das ist lieb, aber …“

„Wir müssen rechtzeitig mit der Planung anfangen“, plapperte Viola weiter. „Alfons und Hildegard helfen uns.“

„Die wissen auch schon Bescheid?“

„Natürlich! Das wird eine Hochzeit mit allem Drum und Dran.“ Sie musterte ihre Tochter eingehend und bemerkte endlich, wie bestürzt Tanja dreinblickte. „Du willst doch so eine Hochzeit? Ich meine …“ Ängstlich unterbrach sie sich.

„In Weiß? So richtig romantisch?“, fragte Tanja träumerisch. „Ja, schon …“

Viola atmete erleichtert auf. „Na siehst du. Ich sorge dafür, dass deine Hochzeit der schönste Tag deines Lebens wird.“

Helen hatte sich gerade umgezogen und durchwühlte suchend den Kühlschrank, als Gregor den Personalraum betrat und ihr freundlich zunickte.

„Feierabend?“, fragte er.

Sie zuckte alarmiert zusammen, als sie seine Stimme hörte. Hatte Felix sie möglicherweise bereits verraten? Argwöhnisch blickte sie ihn an. „Ja, endlich“, sagte sie langsam und stellte demonstrativ ein Glas Gewürzgurken neben ihren Vanillepudding. „Ich muss was essen, sonst kippe ich um.“

Er sah sie besorgt an. „Geht’s dir nicht gut?“

„Nicht schlechter als sonst“, winkte sie betont tapfer ab. Er schien nichts zu ahnen. „Ich bin immer ziemlich müde und habe Heißhungerattacken.“

„Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid.“ Gregor griff nach einer Gurke und biss herzhaft hinein.

Augenblicklich hob sich Helens Laune, und sie strahlte ihn an. „Klar, mache ich. Danke.“ Sie war sich sicher, dass er noch etwas für sie empfand, und zwar mehr als Freundschaft. Er brauchte nur noch ein bisschen Zeit, bis er über Laura hinweg war, und so lange würde er seine Liebe weiterhin ausdrücken, indem er sich um ihre Schwangerschaft kümmerte. Doch bald würde alles anders werden.

Er grinste schelmisch. „Oder ist es dir lieber, wenn Felix dir hilft?“

„Wie meinst du das denn?“, fragte sie und riss die Augen auf. „Wie kommst du darauf?“

Gregor stand auf und ging zu seinem Spind. „Ich mache mir eben Gedanken.“ Und er wollte nicht, dass sie noch einmal enttäuscht wurde, zumal er wusste, dass Felix in eine andere verliebt war.

„Man könnte glatt meinen, du wärst eifersüchtig“, flötete sie kokett.

„Wir haben unser Verhältnis doch geklärt, oder? Wir sind Freunde, mehr nicht.“

Helens Miene verfinsterte sich. „Und als mein Freund wachst du darüber, dass ich mich nicht in den Falschen verliebe?“

„Als Freund und als Arzt! Ich will, dass es dir und dem Baby gut geht. Dass du ausgeglichen bist.“

Sie starrte ihn aufgebracht an, als er zur Tür ging, und sprang schließlich auf. „Sag mal, was denkst du eigentlich von mir? Hältst du mich für mannstoll?“

Gregor erwiderte irritiert ihren wütenden Blick. „Hey, du hast das in den falschen Hals gekriegt.“

Gespielt aufgewühlt setzte sie sich wieder hin und schlug die Hände vors Gesicht. „Du hast mir vorgeworfen, dass ich mich dem Nächstbesten an den Hals werfe!“

Verwirrt schüttelte er den Kopf. Er hatte doch nur Felix Tarrasch bei ihr im Wellnessbereich gesehen – mehr nicht. „Mir ist einfach klar, dass du dich einsam fühlen musst. Jetzt, wo Alexander nicht mehr da ist.“

„Und deswegen gehe ich auf Männerfang? Obwohl ich schwanger bin?“, fauchte sie gereizt.

„Nein! Aber gerade, weil du schwanger bist, brauchst du Gefühle und Nähe, die ich dir nicht geben kann. Das ist doch ganz natürlich.“

Sie sah ihn vorwurfsvoll an. „Immer musst du mir unter die Nase reiben, dass du mich nicht willst. – Glaubst du etwa, ich bin immer noch krank? Oder warum willst du mich nicht?“

Gregor atmete tief durch. „Darum geht’s nicht, Helen.“

Sie sprang auf und kam auf ihn zu. „Deine Freundlichkeit, deine Fürsorge – alles Heuchelei! In Wirklichkeit willst du mich nur quälen“, stieß sie mit Tränen in den Augen hervor, drängte ihn zur Seite und riss die Tür auf. „Lass mich einfach in Ruhe!“

Aus dem Augenwinkel hatte Helen zufrieden registriert, dass ihr Ausbruch Gregor nicht kaltgelassen hatte …

Das läuft ja genau nach Plan, dachte sie sich, als sie später bei einer Tasse Tee seelenruhig auf dem Sofa saß und ein Foto betrachtete, auf dem sie als Krankenschwester und er als Arzt zu sehen war. „Dein schlechtes Gewissen kann ich dir leider nicht ersparen“, flüsterte sie und strich zärtlich über sein Gesicht. „Heute Nacht verliere ich mein Baby. Und du wirst schuld daran sein. Aber ich werde dir verzeihen, keine Angst.“

„Helen! Sie sind noch wach?“ Werner kam herein und sah sie besorgt an. „Ist alles in Ordnung?“

Sie nickte schwach. „Es geht.“

„Stimmt was nicht?“

„Meine Bauchdecke ist sehr hart heute“, seufzte sie leidend. „Zu viel Stress. Deswegen dieser Tee. Der soll beruhigen.“

„Soll ich einen Arzt rufen?“

„Nein, nein“, wehrte sie ab und erhob sich mühsam. „Ich brauche nur ein bisschen Ruhe, dann wird das schon wieder. Am besten, ich gehe schlafen.“

„Wenn Sie meinen. Aber wenn irgendwas ist … Egal, zu welcher Zeit …“

„… dann sage ich Ihnen Bescheid“, entgegnete sie dankbar und strich über ihren Bauch. „Danke für Ihre Unterstützung.“

„Ist doch selbstverständlich!“, erklärte Werner jovial. „Schließlich geht es um mein Enkelkind.“

Miriam stand währenddessen in der Lobby und wartete gedankenverloren auf den Aufzug.

Was war nur los mit Felix? Erst hörte sie nichts von ihm, und dann kam er zwar zur Therapie, lief aber gleich wieder weg … Sicher war er gar nicht ihretwegen im Wellnessbereich gewesen, sondern wegen Helen Marinelli. Sie war eine attraktive Frau und solo – Felix hatte eben einen guten Geschmack. Doch warum war er dann so schüchtern, fast abweisend geworden und hatte ihre Vermutung bezüglich Helen so hartnäckig abgestritten, als sie ihn darauf angesprochen hatte?

Nachdenklich biss sie sich auf die Unterlippe, als Elisabeth neben ihr auftauchte.

„Hallo Miriam!“, begrüßte sie sie lächelnd. „Wie läuft’s mit der Therapie? Machen Sie Fortschritte?“

Miriam schüttelte bedrückt den Kopf. „Nicht so richtig.“ Dabei wollte sie Robert so gerne überraschen, wenn er zurückkam. Sie vermisste ihn so sehr. „Ich glaube, es ist wegen Felix.“

Elisabeth spürte, dass Miriam jemanden zum Reden brauchte, und bat sie, mit ihr zur Sitzgruppe zu kommen, um sich ungestört unterhalten zu können.

„Sie meinen, es ist wegen meinem Sohn?“, fragte Elisabeth erstaunt, nachdem sie sich gesetzt hatte.

„Er kann mich nicht mehr unterstützen, weil er im Restaurant so viel zu tun hat.“

Elisabeth nickte. „Er ist neu in dem Job.“

„Ich weiß. Zuerst dachte ich auch, es würde mir nichts ausmachen, allein zu üben, aber wenn ich drüber nachdenke …“ Sie blickte Elisabeth traurig an. „Er fehlt mir.“ Gregor Bergmeister war ihr Arzt, Felix dagegen ihr Freund. „Er hilft mir mehr … mental.“

„Und das ist mindestens genauso wichtig“, erwiderte Elisabeth und nickte.

„Ja!“, sagte Miriam lächelnd. „Felix ist wie Sie. Er kann anderen Menschen Kraft geben. Das liegt wohl in der Familie.“

„Ach Miriam …“, seufzte Elisabeth hilflos.

„Bin ich Ihnen zu nahegetreten?“

„Nein, nein! Es tut mir nur so leid, dass ich mich bei Felix nicht für Sie einsetzen kann.“

Miriam schüttelte erschrocken den Kopf. „Das habe ich nicht verlangt.“

„Aber ich würde es gern tun. Nur – er lässt mich nicht an sich heran.“ Elisabeth blickte einen Moment lang schweigend vor sich hin. „Ich bin zwar seine Mutter, doch trotzdem eine Fremde für ihn.“

Miriam ergriff tröstend Elisabeths Hand. „Irgendwann werden Sie für Ihren Sohn eine Mutter sein. Ganz sicher.“

Tanja drückte Marie gerührt an sich. Laura und Alexander waren leider noch immer in der Bretagne, aber immerhin waren ihre Freundin und Xaver spontan bei Mike vorbeigekommen, um mit Cocktails und Chips auf die frisch Verlobten anzustoßen.

„Am Zuckerhut, am Zuckerhut, ist Honeymoon besonders gut …“, trällerte Xaver und tanzte durch die Wohnung. „Herzlichen Glückwunsch zu der Idee, in Rio zu heiraten!“

„Ich freue mich so für dich.“ Marie umarmte Tanja erneut.

„Danke“, sagte die gerührt. „Ihr seid süß.“

„Aber trotzdem willst du uns bei deiner Hochzeit nicht dabeihaben?“ Marie drohte ihr lächelnd mit dem Zeigefinger.

„Auf unsere Hochzeit!“, mischte Mike sich ein und erhob sein Glas.

„Auf Rio!“, rief Xaver und lachte.

Die Gläser der beiden Männer klirrten aneinander, während Tanja und Marie sich nur stumm anstarrten.

„Sind die Flüge schon gebucht?“, fragte Tanja unvermittelt.

Mike zog stolz die Tickets aus der Tasche und hielt sie ihr unter die Nase. „Hinflug für Tanja Liebertz, Rückflug für Tanja Dreschke“, erklärte er glücklich.

Tanja ließ sich bedrückt aufs Sofa sinken. „Ich habe vorhin mit meiner Mutter gesprochen“, erzählte sie traurig und gestand Mike, dass sie es nicht übers Herz gebracht hatte, Viola von Rio zu erzählen. „Eigentlich wär’s doch schön, hier zu heiraten. Mit der Familie und allen Freunden.“

Mike erwiderte ihren Blick ungläubig. „Aber wir waren uns doch einig wegen Rio.“

„Ja, aber … eine Hochzeit im ‚Fürstenhof‘ wäre doch auch ganz schön.“ Sie sah ihn verlegen an. „Das ging alles so schnell. Ich habe einfach nicht richtig nachgedacht.“

„Und die Tickets?“

„Wir buchen einfach um und machen unsere Hochzeitsreise nach Rio.“

Mike schüttelte den Kopf. „Ich verstehe dich nicht.“

„Ich möchte lieber im ‚Fürstenhof‘ heiraten“, gab Tanja ein wenig trotzig zurück. „Mit der Familie und unseren Freunden.“

„Also eine richtige Spießerhochzeit.“ Mike sprang auf und lief aufgeregt auf und ab. „Gegen unsere Freunde habe ich gar nichts. Aber Familie? Du weißt doch, dass ich mit meinen Eltern total verkracht bin.“

„Unsere Hochzeit ist doch eine super Gelegenheit, sich zu versöhnen!“

Mike stöhnte genervt auf. Auch wenn er sie, wie Tanja vorschlug, anrufen würde – das würde nie klappen, und am Ende würde er ganz alleine dastehen. „Ich habe sie angerufen, als ich aus dem ‚Fürstenhof‘ weg bin. Es hat nichts gebracht. Gar nichts!“

„Aber wenn sie hören, dass du heiratest …“

„Vergiss es, Tanja!“, unterbrach er sie gereizt. „Daraus wird nichts.“ Er starrte eine Weile vor sich hin. „Bitte, Tanja!“, bat er schließlich mit weicher Stimme. „Verzichte auf die große Hochzeit! Mir zuliebe!“ Zärtlich berührte er ihre Wange. „Wir können doch später ein großes Fest mit allen feiern.“

Tanja zögerte noch einen Moment, bevor sie mit einem dramatischen Augenaufschlag klein beigab und sich von Mike küssen ließ. „Also gut. Meinetwegen.“

Werner Saalfeld hatte nicht gut geschlafen.

Nachdem er am Abend nach seinem kurzen Plausch mit Helen auf der Couch eingenickt war und dort schon von Charlotte geträumt hatte, hatte die Erinnerung an sie ihn auch den Rest der Nacht verfolgt. Wieder und wieder war sie ihm in seinen Träumen erschienen. Charlotte, die ihm vorwarf, sie mit ihrer besten Freundin betrogen zu haben. Charlotte, der er ewige Liebe versprochen hatte.

Nun lief er wütend vor ihrem Baum auf und ab und knurrte verbittert: „Ich hab’s satt. Hör auf, dich in meine Träume zu schmuggeln. Du bist tot! Ich habe eine neue Frau. Also lass mich endlich in Ruhe!“

„Du warst lange nicht hier, Werner.“

Ertappt fuhr er herum und sah in das ruhige Gesicht seiner Schwägerin. „Was soll ich auch hier?“, erwiderte er und wandte sich ab. „Charlotte gehört der Vergangenheit an.“

Elisabeth blieb neben ihm stehen und betrachtete nachdenklich das Bild ihrer Schwester. „Und was führt dich dann hierher? Glaubst du doch noch an Roberts Mission?“

Er schüttelte heftig den Kopf. „Nein. Und ich lasse mir das von dir und Robert auch nicht einreden.“

Sie legte ihre Hand beschwichtigend auf seinen Arm. „Ich will dir nicht einreden, dass Charlotte noch lebt. Aber wenn ich vor diesem Baum stehe, wünsche ich es mir. So sehr, dass ich am liebsten dran glauben würde. Wie Robert!“

Doch ihr Schwager drehte sich um und stapfte davon. „Dieser verfluchte Baum!“, grummelte er. „Man sollte ihn fällen.“

„Auch ohne diesen Baum wird Charlotte immer in deinem Herzen sein.“ Elisabeth folgte ihrem Schwager.

„Man muss mit der Vergangenheit abschließen.“

„Abschließen, ja. Aber man sollte sie nicht vergessen.“ Elisabeth musterte aufmerksam sein Profil, während sie versuchte, mit ihm Schritt zu halten. „Vielleicht willst du den Baum fällen lassen, weil er dich deine Zweifel spüren lässt?“

„Welche Zweifel?“, fragte er barsch.

„An Barbara. Vielleicht wird dir hier klar, dass du von ihr nie das bekommen wirst, was Charlotte dir gegeben hat.“

Er blieb abrupt stehen und blitzte sie wütend an. „Du und Robert, ihr beide wollt doch nur, dass ich mich von Barbara trenne.“

„Mir geht es letztlich nur um eines: um den Frieden in der Familie.“

„Kümmere dich um deine eigene Familie, statt dir Gedanken um meine zu machen“, fiel er ihr kalt ins Wort. „Oder hast du es etwa geschafft, dich mit Felix zu versöhnen?“ Er sah dem blassen Gesicht seiner Schwägerin an, wie tief er sie damit getroffen haben musste. „Na also!“, brummte er. „Zur Familientherapeutin taugst du nun wirklich nicht!“

Derweil kuschelten sich Tanja und Mike einen unbemerkten Augenblick lang auf einer Liege im Park des „Fürstenhofs“ aneinander. Er hatte sie beim Austeilen der Decken überrascht.

„Hier bleibe ich für den Rest des Tages“, seufzte Tanja genießerisch und küsste ihn auf die Nasenspitze. „Ich habe mit Mama geredet.“

„Wegen Rio?“

Tanja nickte. „Sie hat kapiert, dass sie sich damit abfinden muss.“

„Und ich habe mit meinem zukünftigen Schwiegervater geredet“, grinste Mike. Er war immer noch ganz beeindruckt von Franz, der es sich nicht hatte nehmen lassen, ihm persönlich zu sagen, dass er die Entscheidung für Rio akzeptierte, obwohl er gern bei ihrer Hochzeit gewesen wäre. Viel wichtiger war für ihn jedoch etwas anderes: dass Mike Tanja glücklich machen würde. „Er ist so … so tolerant.“

„Hey, der gute Franz hat dich ganz schön eingewickelt, was?“

„Vor allem weiß er, dass ich die süßeste Frau der Welt heirate.“ Er drückte sie an sich. „Franz war wie ein Vater zu mir.“ Er hatte Mike in der Familie willkommen geheißen und ihm sogar gesagt, er hätte sich immer einen Sohn wie ihn gewünscht. „Weißt du, Tanja, mir ist was klar geworden.“

Sie sah ihn schmunzelnd an. „Dass du dich von Franz adoptieren lassen willst?“

„Deine Eltern stehen nicht nur hinter dir, sondern auch hinter mir. Deine Familie ist auch meine. Ich brauche meine eigene Familie nicht.“

Tanja setzte sich auf und blickte Mike mit großen Augen an. „Und was heißt das im Klartext?“

Er strahlte sie glücklich an. „Dass wir meinetwegen auch im ‚Fürstenhof‘ heiraten können.“

Helen warf währenddessen einen zufriedenen Blick in den Spiegel. Seit sie ihr Make-up verrieben hatte, sah sie aus, als hätte sie geweint. Sie nickte sich selbst zu und griff nach ihrem Handy, um Gregors Nummer zu wählen.

„Bergmeister!“

„Ich bin’s.“ Helen brach in Tränen aus. „Kannst du kommen? Ich brauche dich.“

„Was ist passiert?“

„Was Schreckliches!“, schluchzte sie mit erstickter Stimme. „Bitte, komm!“

„Bin gleich da.“ Er legte auf.

Schon kurz darauf klopfte es an der Tür zur Saalfeld’schen Wohnung. Helen öffnete die Tür und flog in Gregors Arme.

„Mein Baby! Ich habe mein Baby verloren!“, schluchzte sie.

Gregor rührte sich nicht. „Eine Fehlgeburt?“, fragte er tonlos.

„Heute Nacht!“ Sie löste sich von ihm und ging gebeugt zum Sofa zurück. „Unser Streit gestern hat mich total fertiggemacht. Ich konnte nicht schlafen, habe nur geweint, und dann …“

Gregor starrte sie fassungslos an. In seinem Gesicht war deutlich zu lesen, wie wütend er war. Wie konnte ein Mensch nur derart skrupellos sein? Zum Glück hatte Felix sich ihm anvertraut und ihm reinen Wein eingeschenkt: Helen hatte ihr Baby bereits vor Wochen verloren und allen etwas vorgespielt, weil sie es genossen hatte, dass alle so um sie besorgt gewesen waren. Das war wirklich ungeheuerlich! „Spar dir den Rest“, unterbrach er sie nun kalt. „Ich weiß, dass du lügst.“

Sie sah ihn erschrocken an. „Was meinst du?“

„Was soll diese Schmierenkomödie? Felix Tarrasch hat mir erzählt, dass du schon vor Wochen eine Fehlgeburt hattest.“ Gregor lachte verächtlich auf. „Und mir willst du die Schuld unterschieben! Das habe ich mir schon gedacht! Was für eine miese Tour!“ Er ging zur Tür und drehte sich noch einmal zu Helen um. „Wann begreifst du endlich, dass aus uns nie etwas werden kann? Nie, nie, nie! Und jetzt erst recht nicht.“

Während Miriam im Fitnessraum auf ihren Arzt und ihre Therapiestunde wartete, band sie sich die Haare zu einem Zopf zusammen und überprüfte noch einmal gedankenverloren das Therapiegerät.

Tanjas Worte gingen ihr durch den Kopf. Sie hatte ihr eben noch geraten, nicht lockerzulassen und Felix erneut direkt darauf anzusprechen, dass er ihr aus dem Weg ging.

Miriam seufzte. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass es um etwas anderes ging als seine Arbeit, aber er wollte ja partout nicht darüber reden – obwohl sie sich schon so lange kannten. Traurig sah sie auf, als sie hörte, dass jemand den Raum betrat.

„Felix!“, freute sie sich, als sie das Gesicht des Freundes erblickte. „Du?“

„Ich wollte dir nur sagen, dass die Therapiestunde heute ausfällt“, sagte er betont sachlich. „Gregor Bergmeister kann nicht.“

Miriam sah ihn enttäuscht an. „Und du?“, fragte sie vorsichtig. „Könntest du mir nicht helfen?“

„Du weißt doch …“

Sie schüttelte energisch den Kopf. „Lass die Ausflüchte, Felix. Ich will jetzt endlich wissen, was los ist.“

„Was meinst du damit?“, fragte er lahm.

„Hattest du Streit mit Gregor? Gehst du ihm aus dem Weg?“

„Nein!“

„Deine Hilfe ist mir wichtiger als Gregors“, unterbrach sie ihn. „Wenn du mit ihm nicht klarkommst, suche ich mir eben einen anderen Arzt.“

Felix beugte sich zu ihr hinunter. „Du irrst dich“, sagte er eindringlich. „Mit Gregor Bergmeister hat das nichts zu tun.“

Miriam stiegen Tränen in die Augen. „Dann sag mir endlich die Wahrheit! Sag mir, warum du mir ständig ausweichst!“

Er schlug die Augen nieder und atmete tief durch, bevor er sie wieder ansah. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals, als er tonlos sagte: „Ich habe mich in dich verliebt.“

2. KAPITEL

„Du hast dich in mich verliebt?“ Miriam sah Felix überwältigt an. „Aber … seit wann … warum …?“

„Ist doch egal“, erwiderte er leise. „Entschuldige, ich hätte den Mund halten sollen. Es ist so peinlich. Für dich, für mich …“

„Wie kann so ein Gefühl peinlich sein?“

„Ich war nur so abweisend zu dir, weil … weil das alles nicht so einfach ist.“

„Tut mir leid.“

Felix hob aufgewühlt die Hände. „Nein. Das ist ganz allein mein Problem. Du bist mit Robert zusammen, basta.“

„Wir kennen uns schon so lange“, flüsterte Miriam bewegt. „Wir sind seit ewigen Zeiten befreundet.“

„So was passiert eben. Du weißt doch …“ Ihre Blicke trafen sich, und sie sahen einander in die Augen, bis Felix es nicht mehr aushielt. „Tut mir leid, wenn ich dich verletzt habe. Aber es ist besser so.“

„Der Abstand?“, fragte sie leise.

Er nickte. „Ich will mich nicht zwischen dich und Robert drängen. Und deshalb …“ Er brach bedrückt ab, warf ihr einen hilflosen Blick zu und verließ schnell den Raum. Miriam sah ihm betroffen hinterher.

Gregor ging währenddessen wütend in der Saalfeld’schen Wohnung auf und ab. Helen hatte sich im Türrahmen aufgebaut und versperrte ihm den Weg nach draußen.

„Tut mir leid, ehrlich“, beteuerte sie. „Es was das Letzte, dir die Schuld anhängen zu wollen.“

Er rümpfte angewidert die Nase. „Falsch. Es war das Letzte, die Fehlgeburt zu verschweigen, meine Hilfsbereitschaft auszunutzen und mir die Schuld in die Schuhe zu schieben.“

Sie zuckte hilflos mit den Schultern. „Kannst du mich nicht verstehen?“

„Und als Nächstes fragst du, ob ich dir verzeihe? Vergiss es!“

„Ich hatte Angst. Ich wusste, sobald ich kein Kind mehr im Bauch habe, bin ich für die Saalfelds wertlos.“ Sie blickte ihn verzweifelt an. „Was soll ich denn jetzt machen?“

Er lachte höhnisch auf. „Das fragst du ausgerechnet mich?“

„Du bist der einzige Freund, den ich habe.“

„Woran liegt das wohl?“

„Warum hasst du mich so? – Wegen Laura, stimmt’s? Du denkst, ich bin schuld, dass sie dich verlassen hat.“

Gregor schüttelte gereizt den Kopf. „Lass Laura aus dem Spiel. Für deine Misere bist ganz allein du verantwortlich.“

„Ich gebe alles zu, aber bitte: Halt zu mir!“, stieß sie hysterisch hervor.

Gregor wurde etwas ruhiger. „Helen, du steigerst dich da in was rein. Du bist offensichtlich immer noch krank.“

Ihre Stimme überschlug sich beinahe. „Heißt das, ich habe keine Rechte? Oder keine Gefühle?“

„Darum geht’s nicht.“

„Ich nehme meine Pillen. Ich habe mich im Griff.“ Sie ließ ihn nicht aus den Augen. „Du schiebst mich nicht wieder in die Klapse ab. Darauf läuft’s doch hinaus, gib’s zu.“

Gregor schluckte die Bemerkung, die ihm auf der Zunge lag, resigniert hinunter und schüttelte mitleidig mit dem Kopf. „Weißt du, was der Unterschied zwischen uns beiden ist?“

„Sag’s mir.“

„Wir lieben beide vergebens. Doch im Gegensatz zu dir habe ich es begriffen.“

„Du traust dich bloß nicht mehr, um Laura zu kämpfen.“ Herausfordernd verschränkte sie die Arme vor der Brust und schob ihr Kinn nach vorn.

Er lächelte müde. „Und dir fehlt der Mut, einzusehen, wann der Kampf verloren ist.“ Sanft, aber bestimmt schob er sie zur Seite und ging durch die Tür. „Und er ist verloren. Endgültig. Bitte, lass mich von jetzt an in Ruhe!“

Indes hatte sich das Hochzeitskomitee – bestehend aus Franz, Viola, Hildegard und Alfons – in der kleinen Kapelle im Dorf eingefunden. „Das ist doch ein wundervoller Ort zum Heiraten“, seufzte Hildegard.

Auch die Mutter der Braut war begeistert von der idyllischen Kulisse. „Romantik pur!“, schwärmte Viola verzückt. „Das passt zu meiner Tanja.“

Franz nickte begeistert. „Wenn die jungen Leute also einverstanden sind, dann …“ Er hielt mitten im Satz inne, als sein Blick auf die Marienstatue fiel. „Ach …“ Er streckte die Hand aus, um sie zu berühren.

Doch Alfons hielt ihn zurück. „Du bist in der Kirche, da kannst du doch nicht alles einfach anpatschen“, erklärte der Portier gutmütig.

„Ganz hübsch, was?“, sagte Hildegard.

Franz schüttelte den Kopf und ließ seinen Blick bewundernd über die Heiligenfigur gleiten. „Hübsch? Die ist prachtvoll.“

„Zauberhaft …“, flüsterte Viola hingerissen.

„Ihr habt ganz recht“, bemerkte Alfons versonnen. „Wenn man sie so oft sieht wie ich, merkt man gar nicht mehr, wie schön sie ist.“

„Als wäre die Madonna aus Fleisch und Blut, so lebendig.“ Viola konnte sich kaum auf Alfons’ folgende Ausführungen zum Blumenschmuck konzentrieren.

Die Marienstatue hatte Viola und Franz scheinbar vollkommen in ihren Bann gezogen.

„So ging’s mir auch, als ich sie das erste Mal sah“, murmelte Franz.

„Wie … das erste Mal?“, fragte Viola und blickte ihren Mann überrascht an.

Franz räusperte sich verlegen. „Als ich dich kennengelernt habe, da war mir bald klar: Das ist die Frau, die ich liebe. Mit der ich den Rest meiner Tage …“ Er schluckte. „Aber du wolltest mich ja nicht. Und dann kam ich eines Tages in diese Kapelle.“

„Und hast die Maria entdeckt“, fuhr Viola gerührt fort, während Hildegard und Alfons sich zulächelten.

„Ist die schön, dachte ich. So schön wie meine Viola. Und dann habe ich sie gebeten, ob sie mir nicht helfen kann. Damit du dich in mich verliebst.“

Seine Frau küsste ihn innig. „Und das hat sie dann getan.“

Nachdem Viola beim anschließenden Umtrunk dann allerdings bemerkt hatte, dass die Marienstatue doch „so ein schönes Andenken an damals“ sei, hatte Franz sich tatsächlich in den Kopf gesetzt, die Figur käuflich zu erwerben. Er stellte sich das ganz simpel vor: Er wollte den Pfarrer fragen, ob die Kirchengemeinde vielleicht gerade Geld brauchte.

Alfons war außer sich. Das war wirklich das Letzte! Als würde der Pfarrer Geschäfte mit heiligen Jungfrauen machen! Die Kirche war schließlich kein Antiquitätengeschäft!

Flugs war Alfons unter einem Vorwand in die Kirche zurückgeeilt, um Pfarrer Lehner zu warnen.

„Aber wie wertvoll unsere Marienstatue in Wirklichkeit ist – das hat Ihr Freund nicht mitbekommen?“, fragte Pfarrer Lehner.

Alfons schüttelte den Kopf. Bei der Renovierung des Kirchleins hatten die beiden durch einen Zufall entdeckt, dass ihre Maria wahrscheinlich von einem alten Meister stammte. Wenn das durchsickerte, würde die Diözese ihnen die Figur ohne Umschweife wegnehmen. Und das konnten sie nicht zulassen. „Der Mann hat von Kunst keine Ahnung.“

„Selig sind, die geistig arm sind.“

„Amen“, murmelte Alfons. „Wissen Sie, er ist kein schlechter Kerl, aber manchmal ein bisschen …“ Er zögerte.

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