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Intimzone

Über die Autorin

Maria Fangerau (Pseudonym), geboren 1965, lebt als freischaffende Frauenärztin und Autorin in der Nähe von Frankfurt. Nach der Lektüre missverständlicher Trendromane über den weiblichen Körper wollte sie nur noch eines: mit unterhaltsamem Insiderwissen für mehr Lockerheit, Fantasie und Spaß beim eigenen Körpermanagement von Frauen sorgen.

INHALT

  1. Vorwort
  2. Kleine Körperkunde für Einsteigerinnen
    1. Warum Adams Rippe in Wirklichkeit Evas Hüftsteak ist

    2. Sprachlos im Schlafgemach

    3. Feucht und fröhlich

    4. Klitoris – die Dimensionen der Lust

    5. Haarstyling »Down Under«

    6. Blut – ein ganz besonderer Saft

    7. Säfte sind Freunde!

    8. Pipi-Probleme mit kosmetischen Folgen

  3. Aufbaukurs zum Vollblutweib
    1. Balz und Begehren

    2. Wahrheit oder Pflicht – das Orgasmusdilemma

    3. Analsex im Raststättenklo

    4. Lust auf ein Spielchen?

    5. Ein bisschen bi schadet nie

    6. Doppelkopf statt Doppelfaust

    7. Verhängnisvolle Verhüterli

    8. Die Genialität der Genitalinfekte

  4. Geheimnisse der Powerfrau
    1. Was an »guter Hoffnung« ungut ist

    2. Mit den Waffen einer Frau

    3. Lifting für die Eizellen

    4. Neue Perspektiven für alternde Teenager

    5. Die Macht des Dekolletés

    6. Wer braucht schon Damen-Doping?

    7. Schmerz lass nach!

  5. Von der Hobbyzicke zur Diplompatientin
    1. Der Wartezimmerbasar

    2. Beim Frauenarzt durch dick und dünn

    3. Psychotanten beim Sorgenonkel

    4. Myome, scheibchenweise

    5. Lieber ein Frühkarzinom als gar nix gefunden

    6. Wie aus juckenden Feuchtgebieten gehätschelte Intimzonen werden

  6. Literaturverzeichnis

VORWORT

Geradezu himmelschreiend ist die Unwissenheit über die Wundertüte Frau. Feuilletons überschlagen sich zwar bei der Vermessung der Weiblichkeit von einer Körperöffnung zur nächsten und streiten über die Genießbarkeit der Körpersäfte, aber es bleibt nur ein zartes Kratzen an der Oberfläche. Warum der Mann eigentlich von der Frau abstammt, Vaginalschleim eine gute Kariesprophylaxe ist und die wirklich aussichtsreichen weiblichen Karrierechancen jenseits der Wechseljahre liegen, sollte eigentlich jeder Frau bekannt sein. Denn »was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß« bedeutet hier nur: Unwissenheit törnt ab, ist eine Spaßbremse. Je bewusster wir Frauen uns unserer selbst sind, desto attraktiver sind wir für andere. Je mehr wir unseren Körper kennen, umso gezielter lässt er sich einsetzen, umso mehr Selbstbewusstsein und Macht gewinnen wir, was zu unser aller Endziel führen soll: reichlich Spaß und persönliche Glückseligkeit.

Frauen sind das andere Geschlecht, jenes, welches die Männer angeblich so wenig verstehen. Mal abgesehen von dieser weithin bekannten und oft beschworenen Kommunikationsstörung ist es vor allem unsere biologische Beschaffenheit, die uns von den Männern unterscheidet. Mittlerweile sind wir formal in weiten Teilen der europäischen Gesellschaft gleichberechtigt, nehmen seit beinahe einem halben Jahrhundert die Pille, dürfen als Mütter arbeiten gehen – zumeist in Teilzeit – und dringen nach und nach auch in die sportlichen Männerdomänen vor. Erfolgreich, wie die Fußballweltmeisterinnen und die Bobfahrerinnen zeigen.

Aber der kaum zu leugnende biologische Unterschied sorgt immer wieder für Zündstoff: weil die einen meinen, Frauen seien Männern komplett gleichzusetzen, und die anderen, es sei ein gottgegebenes Urteil, weiblich und damit prädestiniert für urmütterliche Fürsorge daheim zu sein. Beide Standpunkte sind zu sehr auf den gesellschaftlichen Aspekt fixiert und zu wenig auf unsere Rundungen. Nachdem mittlerweile nicht mal mehr singende Spaß-Botschafterinnen wie Lady Gaga dumm sind, sondern philosophische Essays verfassen, und Mädchen die Jungs im PISA-Vergleich hinter sich lassen, kann man wieder ein wenig Abstand von der feministischen Gleichmacherei nehmen und die nackten Tatsachen etwas differenzierter betrachten.

Denn das wirklich Besondere sind doch unsere Frauenkörper. Sie haben trotz Emanzipation und sexueller Revolution nichts von ihrer Faszination verloren. Für die Männer nicht, die, allzeit bereit, jedem Unterwäschemodel an der Litfaßsäule hoffnungsfroh zulächeln. Für die Frauen nicht, die sich gerne selbst beurteilen und an sich immer wieder kleine Macken und Schrullen, Dellen und Zipperlein feststellen und sich fragen, warum und woher dies nun wieder kommt und was am besten dagegen zu tun sei. Auf gut Deutsch: Es mangelt uns an physischem Selbstbewusstsein.

Das ist insofern bedauerlich, weil Frausein in der heutigen Zeit bedeutet, mit vollem Körpereinsatz zu spielen. Vor dieser Realität können die wenigsten von uns ihre Augen verschließen: Die Hausfrau versucht also tapfer, in knackigen Jeans den Klassenlehrer des Sohnes positiv zu stimmen, die Managerin ist bemüht, mit hohen Schuhen und knallendem Schritt ihre Kollegen einzuschüchtern, die Kanzlerin zeigt Dekolleté. Alle Frauen, ich betone: ALLE, arbeiten trotz ihrer unterschiedlichen Körperlichkeit, leben mit ihrem und lieben durch ihren Körper. Ob Bäckereifachverkäuferin, Trapezkünstlerin, Tagesschau-Sprecherin oder Klofrau. Und sie wissen nicht immer, was sie da tun. Sollten sie aber.

Doch nicht immer stehen zugleich kompetente, lebenskluge und geistreiche Ratgeber zur Verfügung, bisher war frau vor allem auf ihren Instinkt angewiesen. Damit ist nun dank dieses umfassenden Frauenkörpernutzungshandbuches Schluss. Es wurde verfasst in dem Bestreben, anatomische und physiologische Funktionen zu vermitteln, analytische Fähigkeiten zur Wahrnehmung der weiblichen Körperlichkeit zu verbessern und Handlungskompetenzen für die tägliche Herausforderung der kreativen Körperführung zu erlangen. Genieren Sie sich nicht, werden Sie Ihre eigene Körperfachfrau!

Nach einem kurzen Kapitel über anatomische Besonderheiten, biochemische Körperabwehr und saftige Verbündete geht es weiter mit ein wenig Nachhilfe in Sexualkunde. Der dritte Abschnitt soll Ihnen vor Augen führen, welchen Einfluss Sie ausüben und wie Sie von der biologischen Herausforderung, eine Frau zu sein, profitieren können. Im letzten Kapitel erhalten Sie den letzten Schliff, um bei eventuell eintretendem Körperversagen in Zukunft mit ihrer Ärztin auf Augenhöhe verhandeln zu können.

Naschen Sie also vom Baum der Erkenntnis. Verlassen Sie das öde Paradies festgefügter Vorstellungen und schwammiger Vorurteile, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Denn auch in Ihrem reinen Herzchen steckt eine neugierige Eva, der die Schlange orakelnd zuzischt: Erkenne dich selbst!

Kleine
KÖRPERKUNDE
für Einsteigerinnen

Sobald Frauen als Neuware geliefert werden, also frisch gepresst zwischen den Beinen ihrer Mütter herausflutschen, geht er los, der Stress der Persönlichkeitsentwicklung. Kleine Mädchen machen sich mutig an die eigene Inbetriebnahme, erkunden forsch ihren Körper und drücken alle Knöpfe, um herauszufinden, wie das Leben so funktioniert. Nach dem Versuch-und-Irrtums-Prinzip sollten Sie auch als Erwachsene fortfahren, was sich durch alle Lebensbereiche ziehen kann, den Beruf, Beziehungen, sexuelle Vorlieben. Nicht selten schleichen sich im Lauf des Lebens allerdings Vorstellungen ein, die niemals hinterfragt wurden und werden. Doch nachdem die Frau ihr Gehirn entdeckt hat, kann sie ja damit sich selbst erforschen und mit großen blauen Augen fragen:

Muss ich mich für mein Schamhaar schämen?

Ist mein Zipfel wirklich kleiner als der meines Mannes?

Und kann es sein, dass ich mehr Ejakulat produziere als er?

Nicht selten sind die Antworten so zahlreich, als hätte man den Begriff »Frau« in eine Internetsuchmaschine eingegeben. Genetik, Geschmack und Gefühle können in der Damenwelt nicht unterschiedlicher sein. Daher fallen die Antworten auch verblüffend aus: vielseitig, manchmal kreativ und überraschend, begeisternd, aber vielleicht auch erschreckend und bizarr. Aber das, worauf es ankommt, ist doch, dass wir uns diese Fragen überhaupt stellen.

WARUM ADAMS RIPPE IN WIRKLICHKEIT EVAS HÜFTSTEAK IST

Wer war zuerst da, die Frau oder der Mann? Das ist in Abwandlung des Henne-Ei-Problems die wichtigste aller Fragen für die Frau von heute. Denn wer zuerst kommt, mahlt zuerst, sitzt am Drücker, sozusagen. Und da wollen doch alle hin.

Ich bin Naturwissenschaftlerin, durch und durch, und ich lebte bisher in der Annahme, dass der Mensch ein intelligentes Wesen sei, dessen Großhirn sich aus affenartigen Vorstufen über Hominidengröße diverser Ausführungen zum perfekten emotionalen Computer entwickelt hat. Um es einfacher auszudrücken: Ich bin eine Anhängerin der Darwinschen Evolutionslehre. Und eigentlich ging ich davon aus, dass dies seit Ende des 19. Jahrhunderts die vorherrschende Geisteshaltung sei. Zugegeben, ich stamme nicht nur von einem Affen, sondern auch von einem Pfarrer ab. Dies sogar in direkter Nachkommenschaft. Ich bin also geprägt von dem christlich-westlichen Kulturhintergrund, vor dem meine Wiege stand. Dennoch bin ich geneigt, mich im Zuge der in diesem Buch angestrebten Erkenntnisvermittlung aufzuregen über das, was mal wieder aus der schönen Neuen Welt zu uns herüberschwappt. Eine Auffassung, in der Bibelstunde und Biologieunterricht eine unheilige Allianz eingehen: den sogenannten Neo-Kreationismus.

Wunderbar neudeutsches Wort für die jahrtausendealte Schöpfungslehre, mag man denken. Modern-windschnittiges Marketing-Branding, das die konservative, nahezu gefährlich bigotte Einstellung, welche dahintersteht, verschleiert. Diese legt nahe, der Bibel wortwörtlich zu glauben und die Genesis als eine Art Augenzeugenbericht des großen Schöpfungswunders zu lesen. Was zu einer Romantisierung des Biologieunterrichtes führen würde, wenn es nach dem Willen der ehemaligen hessischen Kultusministerin Karin Wolff ginge, die im Juni 2007 öffentlich dafür eintrat, die Verantwortung für die Schöpfungsgeschichte vom Religionspädagogen auf die Biolehrerin zu übertragen.

Nichts gegen Romantik, im Gegenteil. Aber hierbei handelt es sich ganz entschieden um Verdummung der Menschen und Vermittlung einer rückwärtsgerichteten Moral. Denn wo soll das alles nur hinführen, wenn man jedes Wort, das in dem Buch der Bücher von unbekannten Verfassern verzapft wurde, auf die Goldwaage legte und für bare Münze nähme? Dass Frauen nur ein Abfallprodukt des Mannes sind? Oder reine Objekte, wie auch Vieh, Haus und alles, was zu besitzen oder zu neiden ist? Also was, um Himmels willen, bedeutet der Neo-Kreationismus für uns Frauen?

Vielleicht, dass wir nur deshalb einen Hang zu Blumen, Parfüms und Duftwässerchen haben, weil wir unser Leben lang den Schweiß des Mannes riechen, unter dessen Achsel wir aus den Rippen geschnitten wurden? Bein von seinem Bein, Fleisch von seinem Fleisch? Das ist eine wirklich prickelnde Vorstellung.

Wie gut nur, dass sich die Menschen bisher dem geschriebenen Wort ein klein wenig widersetzt haben, sonst würde die Frau von heute Männin genannt. Einigen Zeitgenossen würde es bestimmt gefallen, die in ihre Gefilde vordringenden Damen auf diese Art zu titulieren. Jedoch wagt es keiner, klingt es doch ein wenig abfällig und irgendwie politisch unkorrekt: Männin.

Vielleicht auch deshalb, weil unterbewusst alle ahnen, dass es sich mit der Entstehungsgeschichte der Geschlechter ganz anders verhält. Dass den ehrwürdigen Schreibern der Heiligen Schrift pures Wunschdenken den Griffel führte. Dass erst wir Frauen waren und dann der Mann, der bestenfalls ein Hüftsteak aus unserem kollektiven Hintern sein kann.

Aber mal im Ernst.

Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass alles menschliche Leben zunächst auf seine weibliche Version hinausläuft: Im Grunde sind die Embryonen in der sechsten Schwangerschaftswoche noch Zwitterwesen, beides ist möglich, männlich und weiblich. Die weiblichen Sexualorgane entwickeln sich aus dem sogenannten Müllerschen Gangsystem, einem unterentwickelten Genitalstrang des noch unentschiedenen Embryos. Die Zellen männlicher Geschlechtsorgane sind parallel dazu im Wolffschen Gangsystem angelegt. Nun würde jeder, wirklich jeder Embryo automatisch seine Müllerschen Gänge weiterentwickeln, die Wolffschen Gänge verkümmern lassen und damit zwangsweise zur Frau werden, gäbe es da nicht das Inhibin. Dies ist ein auf dem Y-Chromosom verankertes Antigen, das die Ausprägung der Weiblichkeit aktiv verhindern muss, um dem Manne zum Durchbruch zu verhelfen. Fehlt dieses heroische Inhibin, sieht ein genetischer Mann mit männlichem Chromosomensatz untenrum trotzdem aus wie eine Frau.

Und das bedeutet doch alles nichts anderes, als dass es sich, freundlich formuliert, nur um ein Missverständnis handelt, wenn an der verstaubten Behauptung festgehalten wird, Eva stamme von Adam ab, die Frau sei aus dem Manne gemacht. Denn in Wirklichkeit verhält es sich exakt andersherum, der Mann geht aus der Frau hervor, und das auch nur, wenn seine Inhibine stimmen!

Und was wäre im neo-kreationistischen Zusammenhang von der unbefleckten Empfängnis Mariens zu halten, fragt man sich besorgt. Wenn es, um schwanger zu werden, ausreichte, dass ein Engel daherkäme und zu uns spräche, wir trügen des Herren Sohn in uns, dann genügte es vielleicht auch, wenn, bei großzügiger Auslegung der Geschichte, der blond gelockte Nachbarssohn sagte: Du trägst das Kind des Herrn Meier, Müller, Schmidt.

Wenn es also so einfach wäre, ohne Sex schwanger zu werden, dann würde das einerseits unsere Rentenprobleme lösen. Andererseits könnte die zunehmende Anzahl ungewollter, durch üble Nachrede entstandener Schwangerschaften zu einem massiven Anstieg von Abtreibungen führen, deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Frauen und das Versicherungssystem nicht abzusehen wären. Von der Moral ganz zu schweigen.

Und wer definiert in diesem Zusammenhang überhaupt, was ein Engel ist? Denn dieses Problem wirft wiederum die Frage nach dem Geschlecht des Engels auf. Ist er männlich, wie der Erzengel der Bibel, was dem patriarchalen Charakter dieses Dokumentes entspräche? Oder ist er weiblich, was zu dem tradierten, sexistisch beeinflussten Werbemodell unserer Gesellschaft passen würde? Oder ist er gar ein zwischen beidem schwebender Säugling, ein geflügelter Kopf nur, blond gelockt, lächelnd, was dem zwitterhaften Zustand jeden Embryos und der eher wissenschaftlichen Herangehensweise gleichkäme? Dies Denkdilemma zeigt, wie schwierig sich der Erkenntnisgewinn gestalten kann, wenn man die Heilige Schrift wörtlich zu nehmen versucht.

Außerdem gibt es eine ganze Fülle von problematischen biblischen Beispielen, die, bei strikt wörtlicher Auslegung, zu unvorstellbaren Turbulenzen führen würden. Da ist beispielsweise Sara, die mit sechzig noch schwanger wurde. Nähmen Frauen diese Geschichte für bare Münze, würde die prämenopausale Kinderwunschpatientin nie wieder die Notwendigkeit sehen, eine Sterilitätstherapie zu beanspruchen. Auf einen Schlag wären alle Fruchtbarkeitsspezialisten arbeitslos. Auch die Geschichte von Lots Töchtern, die Sex wollten, aber keinen Mann, sollte nicht allzu ernst genommen werden. Sie überfielen ihren Vater im Schlaf, bemächtigten sich seiner Männlichkeit und kamen dabei anscheinend auf ihre Kosten. Allerdings würde, sollte dieses Beispiel Schule machen, die Industrie der Dildos und anderer Sextoys überflüssig werden. Aber welcher Politiker und welche Politikerin wollte es wagen, mittels des Neo-Kreationismus einheimische Arbeitsplätze zu gefährden, das Schoßhündchen unser aller gewählter Vertreter? In unserem Land hoffentlich keiner.

Wir Frauen tun ebenfalls gut daran, uns aus oben genannten Gründen von derartiger Gehirnwäsche fernzuhalten und lieber die eigenen grauen Zellen anzustrengen, anstatt auf kirchliche graue Eminenzen zu setzen.

Halten wir uns also lieber an etwas so Reales wie den eigenen, evolutionär gestählten Körper und lächeln selbstbewusst und wissend unseren männlichen Schnittchen hinterher.

SPRACHLOS IM SCHLAFGEMACH

Allerdings scheint es manchmal so, als hauste in Deutschland ein Heer entstellter Monsterweiber. Triefaugen, Hängebusen und Fettärsche allüberall. Oder fällt es Ihnen etwa leicht, sich in lobenden Worten über Ihren Körper zu äußern? Nein? Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Frauen reden zwar gern und viel, am Telefon oder beim Einkaufen, mit Latte Macchiato neben sich oder einem Aperol Spritz, aber am liebsten über schöne Dinge oder die anderen. Kommt das Gespräch auf sie selbst, dann jammern oder meckern sie. Der Hang zur Selbstkritik scheint eine genetisch vererbte Veranlagung auf dem X-Chromosom zu sein. Am heftigsten trifft es Bauch, Beine, Po, die dem ständigen Vergleich mit halb nackten, retuschierten Werbemodels standhalten müssen. Doch halt!

Nicht unsere weiblichen Formen sollten ständig in der Kritik stehen, sondern die Art und Weise, wie sie in der Öffentlichkeit beschrieben und bewertet werden. Denn nach Jahren lila-latzhosigen Aufbegehrens sind noch immer nicht die richtigen Worte gefunden worden, um unsere einzigartige Weiblichkeit auch nur annähernd treffend zu beschreiben.

Der Frauenkörper ist eine einzige semantische Problemzone!

Wie jämmerlich für die Sprache der Dichter und Denker, dass sie nicht in der Lage ist, die sekundären Geschlechtsmerkmale der Frau anders auszumalen als mit einem so rüden Unisex-Begriff wie Brust. Das Wort Busen vermeidet das Wesentliche, indem es eine Aussparung zwischen zwei Erhebungen (Hügeln oder Brüsten) sowie in einer Küstenlinie beschreibt, wie beim Jadebusen oder dem Bottnischen Meerbusen. Die Büste wiederum kann ein Bildhauer auch von einem männlichen Wesen anfertigen.

Aber wer fühlt sich schon wohl in einem Körper, dessen Brüste zwei Warzen krönen? Wie wäre es da mit Knospen, Knöpfchen oder Kirschen? Selbst die medizinische Bezeichnung Mamille klingt besser als die übliche Bezeichnung, bei der man sofort ein Warzenschwein im Kopf hat. Und mit so lautmalerischen Titulierungen wie Hupen, Glocken oder Gasongas können sich nur wenige Frauen identifizieren. Kein Wunder, dass fast alle Mädchen sich einen unangreifbar harmonischen, silikonenen Hightechbusen wünschen, der nicht mehr verbal abgewertet, sondern nur noch in stiller Bewunderung gestreichelt wird.

Wenn man über den Rest des Frauenkörpers schreiben will, fehlen ebenso die Worte. Man muss sich entweder der medizinischen Nomenklatur bedienen oder rutscht in die Gosse ab.

Von Norden nach Süden wandernd, also unterhalb der Gürtellinie, nichts als Schamesröte: Schambein, Schamhügel, Schamlippen. Doch hier beginnt wohlgemerkt der Bereich unserer Lust, das Reich der Sinne – kein Grund, sich zu schämen! Hier können wir genießen und verführen, was also liegt näher, als positive Begriffe zu suchen? Charmelippen, klingt doch gleich viel besser, das vermittelt das Selbstbewusstsein einer Emma Peel, der ganz in schwarzes Leder gekleideten Frau, die ihre Widersacher mit Karateschlägen niederstreckt und nach Fünfuhrtee und abendlicher Party geistreich und stilvoll das britische Empire rettet. Venuslippen sind ebenfalls eine vielversprechende Alternative, getoppt nur noch von Lustflügeln.

Öffnen sich diese, verbirgt sich dahinter ein wahres Schatzkästlein, medizinisch Vagina genannt, eingedeutscht schlicht die Scheide. Neutraler und unerotischer geht es kaum, sieht man mal von der Muschi ab, die eher an Uschis maunzendes Haustier denken lässt als an ihre erogenste Zone. Die Möse wird oft als abwertender Begriff von pornografisch geschulten Männern verwendet, von Fotze ganz zu schweigen, wohingegen das Möschen, von der Besitzerin benutzt, an eine moosige Waldlichtung denken lässt. Sinnstiftende Bezeichnungen wie Höhle der Löwin oder Muschel lassen ebenfalls ganz andere Gedanken aufkommen. Und so soll es auch sein. Erlaubt ist, was gefällt.

Die Sprache ist wichtig, als Aphrodisiakum, Lock- und Gleitmittel. Und wo sitzt sie? Im Seitenlappen des Großhirns. Wen überrascht es da noch, dass das Gehirn der Frau ihr potentestes Sexualorgan ist? Was dort abgeht, schlägt sich sofort auf ihr Liebesleben nieder. Dennoch würde keine von uns auf die Idee kommen, gleich zum Hirnchirurgen zu rennen, wenn’s im Bett nicht stimmt. Lieber ändern wir etwas an der äußeren Form.

Aber warum nur sollten wir unseren kleinen Busen oder die kräftigen Oberschenkel operativ angreifen lassen, wenn es auch leichter geht und vor allem schmerzfrei? Denn es ist doch so: Finden wir selbst uns schön, dann finden das auch andere. Denken Sie also an sich als Sexgöttin, ausgestattet mit rosigen Knospen, die selbst einen Hängebusen zieren können, mit einer Wunderperle in der Zaubermuschel, aus der göttlicher Nektar fließt, so wird aus dem Geschlechtsakt ein zauberhaftes und sehr lustvolles Erlebnis.

»Schläft ein Lied in allen Dingen … kennst du nur das Zauberwort« dichtete bereits Joseph von Eichendorff, wobei Lied in diesem Fall für das zärtliche Stöhnen der Leidenschaft steht. Und das Zauberwort zu finden, nun ja, das ist die wahre emanzipatorische Herausforderung.

Wenn die Damen und Herren Sexualpartner nur davon zu überzeugen wären, die monotone Sprachlosigkeit zu verlassen und fantasievolle Erotismen zu murmeln, um damit dem weiblichen Körper eine neue, sinnliche Form zu geben, dann hätten die Zeitschriftenmogule und Schönheitschirurgen ausgedient. Denn dann bräuchten wir sie nicht mehr, um unsere angeblichen Problemzonen zu kaschieren und zu bekämpfen: Wir hätten gar keine mehr!

Unsere Körper gehörten endlich wieder uns selbst. Die vermeintlich oder tatsächlich von Zellulitis gebeutelten Bäuche und Schenkel wären in eine üppige und wollüstige Landschaft zurückverwandelt, die sich beim genüsslichen Durchstreifen, allein oder zu zweit, als anregend tropisches Feuchtgebiet entpuppte.

FEUCHT UND FRÖHLICH

Nichts ist faszinierender, nichts wandelbarer als Vaginalschleim. Und endlich ist es so weit, dass dieser unserer speziell weiblichen Absonderung auch in den Talkshows jene Aufmerksamkeit zuteilwird, welche sie verdient hat.

Den menschlichen Körperflüssigkeiten und dem Gespräch darüber haftet seit jeher etwas Ruchloses an. Selbst in den letzten Jahren noch, als die medizinische Umdeutung erfolgte und Behandlungen mit eigenem Blut oder das Trinken von Eigenurin in zahlreichen Haushalten Usus wurden. Nachdem die halbe Republik sich allmorgendlich einen Drink aus schön dunkel konzentriertem Morgenharn genehmigt hatte, um ihre eingebildeten Industriezipperlein zu kurieren, verstauben die Urinflaschen nun wieder in den Schränken. Eine andere Flüssigkeit jedoch hat ihren Siegeszug fortgesetzt und den literarischen Markt erobert: der Vaginalschleim. Ein Phänomen, welches angesichts der modischen Feminismusdebatte ehrlich gesagt nicht besonders überraschend ist. Im Gegenteil, das massenmediale Interesse signalisiert: Die Zeit ist endlich reif.

Sehr eiweißhaltig und beinahe geruchlos hält der wundersame Muschisaft die weibliche Lusthöhle geschmeidig, gesund und glatt. Abhängig von den zyklischen Hormonen, denen nicht nur unsere Laune, sondern ganz offensichtlich auch die Körperfunktionen ausgeliefert sind, verändert sich seine Konsistenz in der Mitte des Zyklus. Dann, wenn sich das Ei im Eierstock in die Startlöcher setzt, wandelt sich die weißliche Schmiere in einen klaren, zu feinen Fäden spinnbaren Schleim. Biologisch hat das natürlich den Sinn, durchlässiger für befruchtungswillige Spermien zu sein. Praktisch bedeutet das einen gesteigerten Verbrauch an Slipeinlagen und das Gefühl, tagsüber auszulaufen. Kein Grund, sich zu schämen oder ärgerlich zu werden. Die Vagina tut nur das, was im Zuge der Evolution jeden Monat ihr Job ist: fruchtbarkeitsfördernd auf den Fortbestand der Menschheit hinzuwirken. So politisch korrekt arbeitet kein anderes Körperteil.

Dabei ist das nicht einfach nur die Schleimhaut, die da ihren Dienst am Vaterland tut. Es sind ganze Heere kleiner Bakterien, die eine gesunde Form der Milchsäure absondern. Diese Milchsäure der auch Lactobazillen genannten Mikroben ist ein ganz besonderer Saft. Sie hat desinfizierende Wirkung, weil sie mit ihrer sauren Miene und einem ebenso sauren Ph-Wert Eindringlinge verschreckt. Deshalb kommt die Milchsäure nicht nur in unserer Vagina, sondern auch in Reinigern und Geschirrspülmitteln vor, sie wird zur Aknebehandlung genutzt und als Kalklöser, selbst in der Druck- und Textilindustrie ist sie von Nutzen.

Sollen wir uns jetzt alle den Scheidenschleim ins Gesicht schmieren?, könnten verzweifelte Teenager mit Hautunreinheiten, ganz plötzlich hellhörig geworden, nun fragen. Warum nicht? Einen Versuch wäre es wert. Handelt es sich doch um eine biologisch-dynamische Eigentherapie, der teuren Kosmetikindustrie würde ein Schnippchen geschlagen und ein wenig Taschengeld gespart.

Was aber, wenn dieses Bollwerk biologisch-chemischer Waffen zusammenbricht?

Dann, tja dann, verändern sich die Sekrete in bemerkenswerter Weise. Und sehr zu unseren Ungunsten. Wenn sich ein Pilzgeflecht in unsere Schleimhäute krallt, juckt es beispielsweise von einem Tag auf den anderen ganz schrecklich zwischen den Beinen. Diejenige, die nun furchtlos einen Finger in ihr Allerheiligstes steckt und den Juckreiz von den Wänden kratzt, wird mit einem weißlich bröseligen Sekret konfrontiert, dem jede Geschmeidigkeit abgeht. Sollten andererseits Truppen von Darmbakterien oder anderer Schädlinge Einzug gehalten haben, beginnt der Schleim vor Wut zu schäumen und der tapfere Zeige- wird zum Stinkefinger.

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