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Interview mit einem traummann

1. KAPITEL

Conner MacAfee war daran gewöhnt, dass die Reporter ihm keine Ruhe ließen. Sein Großonkel war ein Vertrauter von John F. Kennedy gewesen, und Conners Familie galt in der Politik und im Geschäftsleben als amerikanischer Adel. Natürlich hatten die MacAfees im Laufe der Zeit auch einige Skandale produziert, was von den Medien stets mit Interesse aufgegriffen worden war.

Nichole Reynolds, Klatschreporterin der landesweit erscheinenden Tageszeitung America Today, hatte nun einen völlig neuen Weg gewählt, um an ihn heranzukommen. Sie hatte sich in Bridgehampton auf seine Familienparty anlässlich des 4. Juli geschmuggelt, und obwohl sie sich alle Mühe gab, sich unter die Gäste zu mischen und nicht aufzufallen, stach sie dennoch unablässig aus der Menge hervor. Dabei entging Conner vor allem nicht, wie sie sich an Palmer Cassini heranmachte, der als Model genauso erfolgreich war wie als Polospieler.

Conner war mit Palmer zur Schule gegangen und zählte ihn zu seinen engsten Freunden. Er wusste, dass der Mann nicht nur mit Leib und Seele Sportler war, sondern dass man auch unglaublich viel Spaß mit ihm haben konnte. Aber es war nicht Palmer, der ihn im Moment interessierte, sondern diese rothaarige Reporterin.

Conner wusste genau, wieso sie hier war. Sie und ihre Vorgesetzten hatten schon etliche Male versucht, ihn zu einem Interview zu bewegen – immer wieder vergeblich. Nichole war eine Freundin von Willow Stead, der Produzentin der Reality-Show Sexy & Single, in der seine Partnervermittlung Matchmakers Inc. eine zentrale Rolle spielte. Da die Fernsehserie derzeit produziert wurde, wollte Nichole eine Artikelreihe über die Agentur schreiben, die einst von Conners Großmutter gegründet worden war.

Aber Conner traute keinem Reporter über den Weg und gab prinzipiell keine Interviews. Dafür hatte er seinen Marketingleiter Zak Levy angestellt, der sich um die Werbung und um alle Presseveröffentlichungen kümmerte. Conner achtete sehr genau darauf, nicht im Rampenlicht zu stehen.

„Wer ist sie, Conner?“, fragte Ruthann MacAfee, die sich in diesem Moment zu ihm stellte.

„Wen meinst du, Mutter?“, gab er zurück und wandte den Blick von Nichole ab. Dabei sagte er sich, dass er die Reporterin nur im Auge behalten wollte, damit er wusste, wo sie war und was sie tat. Ihn interessierte weder ihr volles rotes Haar, das ihr wallend bis über die Schultern reichte, noch ihre Figur in diesem atemberaubend engen weißen Kleid, das sie trug … Doch schon, während er es dachte, wusste er, dass es eine glatte Lüge war. Er wollte diese Frau, und wenn er geahnt hätte, wie sehr er sich auf Anhieb zu ihr hingezogen fühlen würde, dann hätte er sie schon vor Wochen zum Interview in sein Büro eingeladen.

„Nun, die Frau, zu der du immer wieder schaust. Ich kenne sie nicht, daher nehme ich an, dass sie normalerweise nicht in unseren Kreisen verkehrt.“

Ruthann MacAfee war fünfundsechzig Jahre alt, sah aber höchstens wie fünfzig aus, was sie ihrem aktiven Lebenswandel zu verdanken hatte. Sie spielte Tennis und leitete ein Wohltätigkeitsprojekt; sie war nie eine von den Frauen gewesen, die den ganzen Tag nur zu Hause herumsaßen. Selbst nachdem Conners Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam und dadurch ein Skandal offenbar wurde, der viele andere Frauen in tiefe Depressionen gestürzt hätte, machte sie auf ihre eigene ruhige und dennoch starke Weise weiter.

„Nichole Reynolds, eine Reporterin“, antwortete Conner.

„Oh je. Ich möchte wissen, was sie hier will.“

Er hörte einen Anflug von Angst aus der Stimme seiner Mutter heraus. Sie mochte keine Journalisten, und das aus gutem Grund. „Es geht um diese Reality-Show, bei der ich mitmache“, sagte Conner und drückte seine Mutter kurz an sich, um ihr die Angst zu nehmen. „Sie will mich interviewen.“

„Wirklich? Wirst du diese Serie machen? Es ist doch peinlich, wenn man öffentlich über sein Privatleben redet.“

Conner verkniff sich ein Lächeln, als er seine Mutter reden hörte. Sie als altmodisch zu bezeichnen, wäre noch untertrieben gewesen. „Dessen bin ich mir durchaus bewusst“, versicherte er ihr und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ich denke, ich werde sie jetzt mal zum Gehen auffordern, bevor sie noch eine Szene macht.“

„Gute Idee. Soll Darren sie nach draußen begleiten? Wie ist sie überhaupt reingekommen?“

„Unser Sicherheits-Chef muss dafür nicht behelligt werden.“ Seit er vierzehn war, hatte Conner immer wieder Frauen wie Nichole in ihre Schranken weisen müssen. „Vermutlich hat sie jemanden überredet, sie als seine Begleitung anzugeben.“

„Nächstes Jahr werde ich darauf achten, dass die Antworten auf unsere Einladungen besser daraufhin überprüft werden, wer als Begleitung genannt wird“, erklärte seine Mutter. „Ich möchte jemanden von ihrer Art hier nicht sehen.“

„Von welcher Art?“ Conners Schwester Jane gesellte sich zu ihnen. Jane war eine moderne und modebewusste Frau, die im Fernsehen eine eigene Serie zu den Themen Kochen und Lifestyle moderierte. Sie machte um die Medien keinen so großen Bogen wie Conner und seine Mutter. Allerdings hatte sie seinerzeit auch nicht so viel von dem Rummel mitbekommen, der mit dem Tod ihres Vaters und dessen ans Licht gekommener Untreue eingesetzt hatte.

„Eine Reporterin.“

„Die Geißel der Menschheit“, meinte Jane und zwinkerte ihm zu. „Wo ist sie? Ich kümmere mich um sie.“

Wenn es darauf ankam, konnte seine Schwester eine ziemliche Unruhestifterin sein. Daher wusste Conner, dass er ihr und seiner Mutter nur Einhalt gebieten konnte, wenn er diese Unterhaltung so schnell wie möglich beendete. „Ich erledige das schon.“

„Wer ist es denn?“, wollte Jane wissen.

„Die Rothaarige da drüben“, sagte Conner.

„Na, jetzt wird mir klar, warum du das erledigen willst. Na los, nimm sie dir vor, Brüderchen“, meinte Jane.

„Mom, ich glaube, du hättest mit Janey viel strenger sein müssen, als wir noch klein waren. Sie ist hoffnungslos verzogen.“

„Sie ist genau richtig“, gab seine Mutter zurück, während Jane ihm die Zunge herausstreckte.

Kopfschüttelnd ließ er die beiden zurück und bahnte sich seinen Weg zwischen den Gästen hindurch, bis er nur noch wenige Meter von Nichole und Palmer entfernt war. Als er sich ihr näherte, hob sie den Kopf, und für einen Sekundenbruchteil sah er ihren schuldbewussten Gesichtsausdruck, den sie aber schnell hinter einem forschen Lächeln versteckte.

„Conner MacAfee“, begrüßte sie ihn etwas zu überschwänglich. „Genau der Mann, den ich treffen wollte.“

„Nichole Reynolds“, erwiderte er im gleichen Tonfall. „Genau die Frau, die meines Wissens nach gar keine Einladung von uns bekommen hat.“

„Frauen geben einem ständig irgendwelche Rätsel auf“, warf Palmer ein.

„Das kann man wohl sagen“, meinte Conner. „Und? Vergnügst du dich gut?“

„Tu ich doch immer.“

Nichole hakte sich bei Conner unter und führte ihn ein paar Schritte von Palmer weg. „Wenn ich warten würde, bis ich von Ihnen eine Einladung bekomme, dann hätte ich niemals eine Chance, mit Ihnen zu reden.“

„Was daran liegt, dass ich keine Interviews gebe.“ Sein Vater hatte als Politiker und auch später als Geschäftsmann praktisch täglich mit Reportern zu tun gehabt, und Conner war als Teenager immer wieder von Klatschreportern fotografiert und interviewt worden. Er hatte dieses Leben auf dem Präsentierteller gehasst und sich damals geschworen, so etwas als Erwachsener nie wieder mitzumachen. Tatsächlich war ihm das sogar sehr gut gelungen, denn obwohl er den Ruf eines Jetsetters hatte, waren nur wenige Paparazzi je an ihn herangekommen.

„Ich glaube, Ihr Verhalten ist eine Reaktion auf eine lange zurückliegende Erfahrung“, sagte Nichole und ließ ihren Arm sinken, als sie sich weit genug von der Menge entfernt hatten. „Ich verspreche, es wird auch nicht wehtun.“

„Vielleicht mag ich es ja, wenn es wehtut“, konterte er, ohne preiszugeben, dass es Zeiten gegeben hatte, in denen der Schmerz das Einzige gewesen war, was ihn daran erinnerte, dass er noch lebte.

Als Nichole daraufhin die Augenbrauen hochzog, wusste er, dass sie überlegte, ob er wohl gerade eben die Wahrheit gesagt hatte. „Was halten Sie davon, ein paar Fragen zu beantworten?“

„Gar nichts, Ma’am.“

„Ich tue alles für dieses Interview, Conner.“

Ihr entschlossener Tonfall faszinierte ihn. Es war lange her, dass jemand so unverblümt etwas von ihm gewollt hatte.

„Wirklich alles?“

„Ja“, bestätigte sie. „Ich bin als die Frau bekannt, die jede Story kriegt, und Sie schaden meinem Ruf.“

„Ach, das können wir aber doch nicht zulassen, nicht wahr?“ Er machte einen Schritt auf sie zu und legte seine Hände ganz leicht auf ihre Schultern. Für eine Frau war sie mit ihren gut ein Meter siebzig recht groß, dennoch war er immer noch einen Kopf größer als sie, und ihm gefiel das Machtgefühl, das er verspürte, als er auf sie herabsah. „Sie wissen, ich gebe keine Interviews.“

„Aber die Situation ist jetzt eine andere, Sie spielen eine Rolle in einer Fernsehserie.“

„Nicht ich, sondern meine Firma spielt diese Rolle“, stellte er klar. „Das ist ein großer Unterschied.“

„Das hat Ihr Dad aber nicht so gesehen. Er hat praktisch auf den Seiten der Post gelebt.“

Was genau der Grund dafür war, weshalb Conner das nicht tun würde. „Ich bin aber nicht mein Dad, und deshalb bleibe ich bei meinem Nein.“

„Bitte“, sagte sie, legte den Kopf in den Nacken und zog einen Schmollmund.

Der Anblick ihrer vollen roten Lippen genügte, um ihn innerlich aufstöhnen zu lassen. Er spürte, wie ein intensives Lustgefühl ihn durchzuckte. „Vielleicht lasse ich mich ja überreden, aber ich werde einen hohen Preis dafür fordern“. Er wusste, er würde sich niemals von ihr interviewen lassen, trotzdem begehrte er diese Frau. Was war schon so schlimm daran, seine Fantasie ein bisschen anzuheizen?

„Nennen Sie Ihren Preis“, forderte sie ihn auf.

Er wickelte sich eine ihrer weichen roten Locken um seinen Zeigefinger, dann strich er über ihre Wange und fühlte ihre zarte Haut, auf der sich ein Anflug von Sommersprossen abzeichnete. Oh ja, er wollte diese Frau. Aber ihm war klar, dass er sie nie bekommen würde. Er konnte nicht mit einer Frau zusammen sein, der er nicht vertrauen durfte. Wenn es hart auf hart kam, würde ihre Loyalität letztlich immer ihrer Zeitung gehören.

Trotzdem würde er sie nicht entwischen lassen, ohne ihr zumindest einen Kuss zu rauben. Vermutlich würde er sie mit seinem Angebot vergraulen, und womöglich kostete ihn das sogar diesen einen Kuss, den er so sehr begehrte. Doch genau das war ja seine Absicht. Sein Selbsterhaltungstrieb sollte stärker sein als seine Lust.

„Seien Sie einen Monat lang meine Geliebte, dann werde ich Ihnen all Ihre Fragen beantworten“, sagte er.

Nichole schaute in die blauesten Augen, die sie je gesehen hatte, und versuchte, seinen Worten einen Sinn zu geben. Niemals hätte sie sich träumen lassen, dass ein Mann sie scharfmachen könnte, der so … so konservativ war wie Conner MacAfee.

Es gehörte für sie zum Alltag, alles zu tun, wenn sie eine Story wirklich haben wollte, aber dieses Angebot war … so gewagt und eine solche Herausforderung, dass sie am liebsten sofort Ja gesagt hätte. Aber ihre moralische Seite hielt sie davon ab. Bestimmt hatte er das nur gesagt, damit sie entrüstet davonstürmte, und genau das machte sie wütend.

„Einen Monat?“, wiederholte sie. „Welche Geheimnisse verbergen Sie, Mr MacAfee? Ich hatte Sie nur zu Matchmakers Inc. befragen wollen. Wenn Sie diesen Preis verlangen, dann müssen Sie mir schon jede Frage zugestehen, die mir in den Sinn kommt.“

Sie wusste, dass er nicht mit ihr verhandeln würde. Warum sollte er auch? Sie hatte es damals in der Zeitung gelesen, als sein Vater gestorben war. Sie kannte den Skandal um die zweite Familie, die der alte Jed MacAfee gegründet und vor allen verheimlicht hatte. Von dem Tag dieser Enthüllung an hatte Conner sich der Presse rigoros verweigert, und deshalb würde er ihr auch jetzt kein Interview geben … Obwohl er es ihr zum Schein anbieten mochte. Ihr war von Anfang an klar gewesen, dass sie nur minimale Chancen hatte, dennoch musste sie es versuchen.

„Jede Frage? Nein“, widersprach er ihr. „Wenn Sie mit meinem Vorschlag einverstanden sind, lege ich die Rahmenbedingungen fest. Falls Sie gegen eine der Vorgaben verstoßen, ist sofort Schluss, und Sie lassen mich für alle Zeit in Ruhe.“

Sie schüttelte den Kopf. „Wenn ich mich einverstanden erkläre, werden wir gemeinsam eine Vereinbarung treffen, mit der wir beide leben können. Warum schlagen Sie so etwas überhaupt vor?“

„Weil ich weiß, dass Sie ablehnen werden“, erklärte er mit der Überzeugung eines Mannes, der alle Trümpfe in der Hand hält. „Auch wenn ich Sie wirklich gern küssen würde.“

Es wäre ja auch zu schön gewesen, um wahr zu sein, wenn sie tatsächlich ein Interview bekommen hätte. Doch sie würde niemals für irgendwen die Geliebte spielen können, dafür war sie von ihrer Mutter mit viel zu viel Nachdruck zu Unabhängigkeit und Eigenständigkeit erzogen worden. Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass Nichole gern einmal in Conners Armen gelegen hätte.

„Ein Kuss für eine Frage?“, schlug sie vor.

„Sie wollen sich mit einer Frage zufriedengeben?“, fragte er ungläubig.

„Sie wollen sich mit einem Kuss zufriedengeben?“, hielt sie dagegen. Noch nie hatte ein Mann bei ihr so spontan eine so intensive Lust geweckt. Conner berührte sie, und sie wollte, dass er damit nicht wieder aufhörte.

„Nein“, musste Conner zugeben.

„Gut. Dann bleiben wir dabei: ein Kuss für eine Frage, richtig?“

„Nein, ich will nur einen einzigen Kuss. Wenn es mehr werden soll, müssen Sie sich einverstanden erklären, meine Geliebte zu werden.“

Seine Geliebte. Das klang irgendwie aufregend, aber … konnte sie das tatsächlich machen?

„Ich will eine Reihe von Interviews führen, die sich mit der Frage befassen, inwieweit unsere Gesellschaft von Online-Datingseiten und Dienstleistern wie Matchmakers Inc. beherrscht wird. Ich hatte nicht vor, Sie irgendetwas Persönliches zu fragen.“

„Dann wollten Sie nicht wissen, ob ich auch schon mal einen von diesen Diensten in Anspruch genommen habe?“, hakte er nach.

„Okay“, sagte sie mit einem Schulterzucken. „Ich hätte Ihnen vermutlich auch die eine oder andere persönliche Frage gestellt. Ich bin eine gute Reporterin.“

Sie wollte unbedingt erfahren, ob die heimliche zweite Familie seines Vaters der Grund dafür war, dass er noch immer ein Singledasein führte. Wenn sie ihm diese Geschichte entlockte, könnte sie sie an den Meistbietenden verkaufen und ein kleines Vermögen damit verdienen. Aber der Preis dafür war so hoch, dass sie nicht wusste, ob sie sich danach noch morgens im Spiegel in die Augen schauen könnte.

Alle Zeitungen bezahlten für Interviews, aber mit ihrem Körper zu bezahlen … das kam ihr einfach nicht richtig vor. Konnte sie Conner etwas vormachen? Konnte sie ihn glauben machen, sie werde schon noch mit ihm schlafen, und ihn mit Küssen hinhalten, damit er ihr alle Antworten gab, ohne dass sie bis zum Äußersten gehen musste?

Verdammt, sie hatte keine Ahnung. Wenn doch bloß bei seinem Anblick nicht diese Lust in ihr erwacht wäre, die sie jetzt immer stärker erfasste. Conner verlangte von ihr, dass sie ihm die Kontrolle über ihren Körper überließ, doch dafür bot er ihr etwas, das noch keine Frau von ihm bekommen hatte: einen exklusiven Einblick in sein sehr zurückgezogenes Leben.

„Also, Nichole, was soll es sein?“, unterbrach er ihre Gedanken. „Wollen Sie meine Geliebte sein? Oder soll ich den Sicherheitsdienst rufen, damit er sie hinaus begleitet?“

Sie sah zur Seite und dachte sorgfältig über alles nach. Natürlich sollte sie sein Angebot ablehnen. Das war die einzig vernünftige Antwort darauf. Aber Vernunft war in diesem Moment nicht gerade das, was ihr Denken bestimmte.

Sie war fasziniert. Langsam wandte sie sich von ihm ab und führte ihn zu einer Bank, die von hohen Hecken umgeben war, wo sie ein wenig mehr Privatsphäre haben würden.

Seine Hände lagen schon wieder auf ihren Schultern, sie spürte die Hitze, die sein muskulöser Körper ausstrahlte, und dann war da auch noch der absolut einzigartige Duft seines Aftershaves. Sie wollte zumindest etwas von ihm. Einen Kuss.

„Das kann ich erst nach einem Kuss entscheiden“, sagte sie. Sie war schon immer eine Spielernatur gewesen, die keine Angst davor hatte, ein Risiko einzugehen, wenn dafür ein dicker Gewinn winkte. Ein Kuss sollte keine große Sache sein, doch nach Conner MacAfees Blick zu urteilen, war das zumindest für ihn doch der Fall.

„Wieso?“

„Weil ich genau wissen will, worauf ich mich einlasse. Es ist ja nicht gesagt, dass überhaupt ein Funke überspringt.“

Mit einer Hand strich er über ihren Arm, dann umfasste er ihre Taille und zog sie an sich. Seine andere Hand vergrub er tief in ihren Haaren. Dabei drückte er sie leicht nach hinten, sodass sie das Gleichgewicht verlor und sich an ihm festhalten musste.

Er senkte leicht den Kopf, ohne seinen Blick aus diesen unglaublich blauen Augen auch nur einmal von ihr zu nehmen. Unwillkürlich fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen, die sich wie ausgetrocknet anfühlten. Während sie ihren Blick nicht von ihm abwenden konnte, fielen ihr seine dichten Wimpern auf, die so schwarz waren wie seine Haare – und die genauso attraktiv und anziehend auf sie wirkten, wie alles an diesem Mann.

Unmittelbar bevor sich ihre Lippen berührten, spürte sie seinen Atem auf ihrer Haut. Dann küsste er sie. Sein Mund fühlte sich feucht und fest an, einfach vollkommen, und sofort begannen ihre Lippen wohlig zu kribbeln. Er neigte den Kopf ein wenig, und im nächsten Moment spürte sie seine Zunge in ihrem Mund.

Sie kam ihm entgegen, ihre Zungen berührten sich, und Nichole vergaß völlig, zu atmen. Das Kribbeln lief wie ein heißer Schauer über ihre Haut. Jede Stelle ihres Körpers, die er berührte, begann förmlich zu glühen, und sie wollte seinen Kuss leidenschaftlich erwidern. Doch im gleichen Moment löste er sich von ihr, auch wenn er sie weiter festhielt.

Das einzig Vernünftige wäre, die Finger von Conner MacAfee zu lassen und umgehend das Weite zu suchen, so viel war Nichole klar. Aber ihr Körper sehnte sich nach ihm. Sie wollte sich an ihn schmiegen und seine Hände auf sich spüren.

Er zog die Augenbrauen zusammen und musterte sie, ein Anflug von Unsicherheit in seinem Blick, dem er sich offenbar selbst nicht bewusst war. Was sie sah, genügte ihr jedoch, um sie davon zu überzeugen, dass Conner von dem Kuss genauso aus dem Gleichgewicht gebracht worden war wie sie.

Sie hielt sich an ihm fest, hob den Kopf und strich noch einmal flüchtig mit ihren Lippen über seine. Dann löste sie sich aus seiner Umarmung und trat einen Schritt zurück. „Und? Darf ich jetzt meine Frage stellen?“

„Ja. Und das war sie auch schon“, gab er zurück.

Verdammt, sie hätte damit rechnen müssen, dass sie auf ganzer Linie gefordert sein würde, wenn sie mit ihm Spielchen spielen wollte. Es würde nicht leicht werden, gegen ihn zu gewinnen.

„Unterhalten wir uns nur“, schlug sie vor. „Mir war nicht klar, dass Sie so hinterlistig sind.“

„Nicht heute Abend“, sagte er und wandte sich zum Gehen. „Ich muss zurück zur Party.“

So leicht wollte sie ihn nicht davonkommen lassen. Sie legte eine Hand auf seinen Arm, woraufhin er sich halb zu ihr umdrehte. Entschlossen stellte sie sich vor ihn, legte die Hände an sein Gesicht und küsste ihn nach allen Regeln der Kunst.

Er umfasste wieder ihre Taille, während er sie gewähren ließ. Dieser Kuss war kühn, draufgängerisch und sinnlich. Nichole wurde von ihrem eigenen Elan so mitgerissen, dass sie nicht anders konnte, als sich an Conner festzuklammern. Als er dann den Kuss behutsam unterbrach, lief ihr ein Schauer über den ganzen Körper.

„Heißt das, du gehst auf meine Bedingung ein?“, fragte er in einem unüberhörbar arroganten Tonfall. Allerdings hatte er auch jedes Recht dazu, immerhin hatte sie sich ihm gerade buchstäblich an den Hals geworfen.

„Nicht so schnell. Ich will dir eine Frage stellen, und diesmal lasse ich mich nicht austricksen.“

„Wieso willst du mir noch eine Frage stellen?“

„Ich muss Gewissheit haben, dass die Informationen, die ich von dir bekomme, diesen Preis auch wirklich rechtfertigen.“

„Also gut, dann frag.“

„Wieso bist du immer noch Single, wenn du eine eigene und noch dazu sehr erfolgreiche Partnerschaftsvermittlung führst?“

„Weil es mir so lieber ist“, antwortete er.

„Das ist Betrug.“

„Was soll das denn heißen?“

„Das ist einfach keine Antwort“, machte sie ihm klar.

„Das ist die einzige Antwort, die ich dir geben kann. Also? Bist du immer noch interessiert?“

„Vielleicht. Aber du wirst mir schon bessere Antworten liefern müssen.“

„Ich habe alle Asse in der Hand“, erwiderte er.

„Ach, meinst du wirklich?“ Sie wusste, dass er sie wollte. Wieder ging sie auf ihn zu, doch sie küsste ihn nicht, sondern blieb direkt vor ihm stehen, so nah, dass ihre Brüste seinen Oberkörper streiften. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen, legte leicht eine Hand auf seine Schulter und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich glaube, ich habe da etwas, was du haben möchtest.“

Er legte die Hände auf ihre Hüften und zog sie im Gegenzug so eng an sich, dass sie seine Erektion deutlich spüren konnte. Abrupt musste sie nach Luft schnappen.

„Wir besprechen die Details morgen früh“, erklärte er. „Sei um acht in meinem Büro.“

Sie nickte, aber er hatte sich schon abgewandt und ging zurück zu seinen Gästen. Sie konnte ihm nur hinterhersehen – doch in gewisser Weise hatte sie einen Sieg errungen. Dass ein Funke übergesprungen war, ließ sich nicht leugnen. Jetzt würde sie sich nicht mehr von ihm wegstoßen lassen, wenn ihm danach war.

Jetzt gab es allerdings auch keinen Grund, noch länger zu bleiben, also machte sie sich auf den Weg zu ihrem Wagen. Sie wusste, dass sie damit ein Risiko einging, aber sie würde seine Bedingung akzeptieren.

Sie wollte diese Story haben – und den Mann gleich noch dazu.

2. KAPITEL

Am nächsten Morgen verwandte Nichole große Sorgfalt auf die Wahl ihres Outfits, dann verließ sie ihr Apartment in der Upper East Side von Manhattan. Auf dem Weg nach unten betrachtete sie sich zufrieden in den verspiegelten Wänden der Liftkabine. Als ihr jemand hinterherpfiff, während sie vor dem Haus in ein Taxi einstieg, wusste sie, dass sie genau das Richtige gewählt hatte.

Normalerweise wäre sie die wenigen Blocks bis zu Conners Büro zu Fuß gegangen, doch sie wollte nicht das Risiko eingehen, dass ihr vom Wind die Frisur zerzaust wurde oder ihr unterwegs ein Absatz abbrach. Wenn sie sich mit einem Meister wie Conner messen wollte, musste sie ihr Bestes geben.

Sie nannte dem Taxifahrer die Adresse, lehnte sich zurück und versuchte, sich zur Ruhe zu zwingen. Doch ihre Gedanken kehrten immer wieder zu den Küssen vom vergangenen Abend zurück und hinderten sie daran, sich auf die Fragen zu konzentrieren, die sie Conner stellen wollte. Sie würde nach außen hin freundlich und nett auftreten, nahm sie sich vor, nur um ihn dann mit den Fragen zu konfrontieren, die er lieber nicht beantworten wollte. Er musste erkennen, dass sie es wirklich ernst meinte und dass sie eine seriöse Journalistin war. Dummerweise hatte sie mit ihrem Tauschgeschäft Kuss gegen Frage diese Seriosität selbst unterhöhlt.

Aber irgendein Zugeständnis hätte sie so oder so machen müssen, um an Conner heranzukommen.

Als sie ihr Ziel erreicht hatte, stieg sie aus dem Taxi aus und ging auf die Drehtür zu. Ringsum wimmelte es von Angestellten, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Zielstrebig betrat Nichole das Bürogebäude, durchquerte die Lobby und nannte dem Wachmann mit einem so entwaffnenden Lächeln ihren Namen und ihr Anliegen, dass der seinen Stift fallen ließ und den Mund fast nicht mehr zubekam. Als er wieder durchatmen konnte, reichte er ihr einen Besucherausweis und schickte sie zur mittleren Aufzugreihe.

Auf dem Weg nach oben wunderte sie sich, dass sie die Kabine ganz für sich allein hatte.

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