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Indiskrete Abenteuer einer Lady

PROLOG

London

11. August 1815

Der zweite Schlag traf sie mit unverminderter Wucht. Schützend hob Elise die Arme, um ihren Kopf abzuschirmen. Doch der Schmerz, der sie durchfuhr, war entsetzlich. Zurückschlagen kam nicht infrage. Dadurch hätte sie ihn umso mehr gereizt.

Hastig wich sie zurück, „Nein, bitte! Hör auf, sonst rufe ich um Hilfe.“

Ihr Ehemann lachte verächtlich. „Die Diener werden dir ganz bestimmt nicht helfen. Das kostet sie ihre Stellung, und das wissen sie. Und du dumme Gans würdest nie von mir fortgehen, weil du dein Balg nicht im Stich lassen kannst.“

„Er ist dein Erbe“, erinnerte sie ihn.

„Erbe! Du hast ein schwächliches, jämmerliches Balg auf die Welt gebracht. Das ist nun der Dank dafür, dass ich ein junges Ding wie dich geheiratet habe. Aber du kannst es jetzt wiedergutmachen, nicht wahr, Elise? Mach endlich die Beine breit, dann schlage ich dich vielleicht nicht noch ein Mal.“

Während er sprach, öffnete er seine Hose, und Übelkeit stieg in Elise hoch, als sie den irren Ausdruck in seinem Blick sah und ihr der Whiskeygestank seines Atems in die Nase stieg. Sie hatte genug von seiner brutalen Art.

„Geh zurück zu deiner Geliebten, Barrett. Ich gebe mich dir jedenfalls nicht hin.“

Er stieß einen wütenden Schrei aus und stürzte auf sie zu. „Bei Gott! Dein Bruder hat mir verschwiegen, wie dämlich du bist, als ich dich gekauft habe. Jetzt will ich, was mir zusteht. Erfülle deine Pflicht!“

Mit dem Rücken an der Wand saß sie in der Falle. Durch das Mauerwerk hörte sie ein klägliches Weinen. Ihr lautstarker Streit musste William aufgeweckt haben. Das Kindermädchen hatte nach Barretts letztem Wutausbruch gekündigt, und Elise hatte bisher keinen Ersatz für sie finden können. „Lass mich zu ihm. Bitte, Mylord. Er braucht mich.“

„Allein mir schuldest du deine Aufmerksamkeit, Elise, das bringe ich dir jetzt ein für alle Mal bei.“ Er drehte sich um und ging zur Verbindungstür, die in das Nachbarzimmer führte.

Entsetzt folgte Elise ihm. „Warte! Lass ihn ruhig schreien. Ich … ich gebe dir, was du willst.“

„Aye, das wirst du auch – wenn ich hier fertig bin.“ Er riss die Tür auf und stürmte aufs Bett zu. Dann riss er den dreijährigen Jungen empor und hielt ihn hoch. „Ist es das, was du am meisten liebst, Elise?“

„Barrett, bitte!“ Hastig öffnete sie ihren Morgenmantel, sodass ihr Mann einen Blick auf ihr durchscheinendes Nachtgewand werfen konnte. „Lege ihn zurück, und ich …“

„Ich mache, was ich will“, unterbrach er sie barsch und marschierte mit dem kleinen William unter dem Arm auf das Fenster zu. „Aber erst einmal will ich dieses lästige Balg loswerden.“

Gütiger Himmel! Er beabsichtigte tatsächlich, William aus dem Fenster zu werfen und war anscheinend sogar betrunken genug, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Da er jetzt mit dem Rücken zu ihr stand, zögerte sie nicht lange und griff nach einem Kerzenhalter aus Messing, den sie ihm auf den Schädel schlug. Überrascht ging Barrett in die Knie und ließ das weinende Kind auf den Teppich fallen, bevor er sich zu Elise umdrehte.

In seinem Blick spiegelte sich blanker Hass wider. Ein Rinnsal Blut rann von seiner Schläfe über seine Wange. „Dafür wirst du bezahlen!“ Mühsam richtete er sich auf und hatte in seiner Wut das Kind völlig vergessen.

Es war hoffnungslos. Barrett war völlig verrückt und wusste von ihrer Schwachstelle. Niemals würde William hier sicher sein. Barrett fletschte die Zähne und griff nach Elise. Es war offensichtlich, dass er nicht länger daran interessiert war, seine ehelichen Rechte einzufordern. Seine Augen funkelten vor purer Mordlust.

Als sie in den anderen Raum floh, holte er sie ein und warf sie nieder. Mit einem dumpfen Laut schlug sie mit der Stirn gegen den Marmorsims des Kamins, und plötzlich verschwamm alles um sie.

Blind tastete sie nach etwas, mit dem sie sich verteidigen konnte. Sie wusste, dass niemand William vor seinem Vater beschützen würde, wenn sie jetzt durch Barretts Hand starb. Als sie den Schürhaken zu fassen bekam, rollte sie sich auf den Rücken und starrte entsetzt in Barretts Gesicht, einer entsetzlichen Fratze aus Verrücktheit und Zorn. Speichel tropfte aus seinem Mund, als er ihr das Nachthemd vom Leib riss. Schluchzend schlug sie den Schürhaken zunächst auf seine Schulter, dann auf seinen Kopf. Und noch einmal. Nach einem weiteren Schlag sackte er auf ihr zusammen und begrub sie unter seinem massigen Körper. Weinend und nach Luft schnappend ließ sie den Schürhaken los und stieß den Körper ihres Mannes zur Seite. Nachdem sie sich befreit hatte, verschloss sie ihr Nachtgewand wieder und wischte mit einem Stofffetzen über ihre blutige Stirn.

William hatte nicht aufgehört zu weinen und schrie sich förmlich die Seele aus dem Leib. Schwerfällig stolperte Elise zu ihm, hob ihn vom Boden auf und presste ihn an sich. Wie betäubt wiegte sie ihn in den Armen und murmelte besänftigende Worte.

Nachdem er sich beruhigt hatte, legte sie ihn in sein Bett und kehrte in das Schlafzimmer zurück. Barrett lag immer noch mit dem Gesicht nach unten vor dem Kamin und rührte sich nicht. Eine hässliche Wunde entstellte seinen Kopf, und durch das Fleisch konnte sie sehen, dass sein Schädel gebrochen war. Eine große Blutlache hatte sich auf dem Boden gebildet. Irgendwo im Haus schlug eine Uhr zur Mitternacht.

Elise drehte sich der Magen um. Sie hatte ihren Ehemann getötet. Es gelang ihr gerade noch, den Nachttopf zu ergreifen, bevor sie sich übergab. Anschließend wischte sie sich den kalten Schweiß von der Stirn. Dafür würde sie sicher büßen müssen. Barretts jüngerer Bruder Alfred würde ihr William wegnehmen und sie an den Galgen bringen. Da er selbst Söhne hatte, wäre Williams Leben in Gefahr, denn Alfred würde ihn vermutlich ohne mit der Wimper zu zucken töten, damit Titel und Vermögen seinen eigenen Kindern zufiele.

So weit durfte es auf keinen Fall kommen. Benommen wankte Elise in ihr Ankleidezimmer und zog ein dunkelblaues Kleid an. Danach holte sie einen kleinen Handkoffer aus dem Regal hervor. Wahllos warf sie ein paar Kleider sowie den Inhalt ihrer Schmuckschatulle in den Koffer, bevor sie in Williams Zimmer ging und das Nötigste für ihn packte. Vom Hafen aus würde sicherlich ein Schiff ablegen. Irgendein Schiff. Es spielte keine Rolle, wohin es fuhr. Sie würde selbst in die Hölle reisen, falls es vonnöten sein sollte.

1. KAPITEL

London

1. September im Jahre 1820

Reginald Hunter, der sechste Earl of Lockwood, warf dem Staatssekretär des Außenministeriums einen zweifelnden Blick zu. „Ich weiß nicht, Lord Eastman. Ich arbeite für das Innenministerium. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“

„In der vergangenen Zeit sind die Grenzen zwischen unseren beiden Ministerien zunehmend verwischt, besonders im Falle der Karibischen Inseln. St Claire ist eine britische Kolonie, weswegen es in den Verantwortungsbereich des Innenministeriums fällt, aber da wir es auch mit internationalen Verwicklungen zu tun haben, ist das Außenministerium ebenfalls betroffen.“

Hunter setzte sich gegenüber von Lord Eastman in einen bequemen Sessel und nahm ein kleines Glas Brandy von einem der Diener entgegen. Was hatte ihm der Mann wohl zu erzählen, dass er sich lieber im Club anstatt im Regierungsbüro mit ihm traf? Entweder hatte Eastman vor, ihn betrunken machen, oder er fürchtete um seine Sicherheit.

Er hielt das Glas umfasst, um die Flüssigkeit darin zu wärmen. „Hat Castlereagh Ihnen mitgeteilt, dass ich um meine Entlassung beim Innenministerium gebeten habe?“ So kurz vor dem Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst verspürte er nicht die geringste Lust, in die Probleme anderer Menschen verwickelt zu werden. Er hatte seine Pflicht getan – und eine Menge darüber hinaus.

„Ja, Ihr Kündigungsgesuch.“ Eastman nickte. „Genau aus diesem Grunde hoffen wir ja, Sie zur Mitarbeit für unser Ministerium bewegen zu können.“

„Ihr Vertrauen ehrt mich, aber weswegen sollte ich eine gefährliche Beschäftigung gegen eine andere eintauschen? Ich bin es leid, ständig mein Leben aufs Spiel setzen zu müssen. Und da wir jetzt endgültig fertig sind mit dem …“

„Dem weißen Sklavenhändler. Ja, ich habe davon gehört. Das muss vor einer Woche oder so gewesen sein, richtig?“

„Damit wäre die Sache endgültig abgeschlossen, und ich kann mit gutem Gewissen den Dienst quittieren und mich zur Ruhe setzen.“

Eastman trank einen Schluck von seinem eigenen Brandy. „Sie sind ein Mann in den besten Jahren, Lockwood“, sagte er. „Dieser Auftrag wäre nur eine Kleinigkeit für Sie, etwas, das Sie im Schlaf erledigen. Betrachten Sie es doch einfach als Urlaub.“

Seiner Erfahrung nach waren Angelegenheiten, in denen die Regierung an ihn heranzutreten pflegte, niemals so simpel. „Dann müssen Sie eben jemand anderen fragen, ob er Urlaub machen möchte.“

„Es handelt sich hierbei um eine äußerst heikle Geschichte, zumal sie Teil einer laufenden Ermittlung ist. Ihnen eilt der Ruf voraus, ein äußerst diskreter Gentleman zu sein.“

Diskret? So bezeichnete man jetzt also Auftragsmörder? Ob ihm diese Diskretion auch seine Seele zurückbringen würde, die er mit schmutzigen, wenn auch notwendigen Aufgaben aufs Spiel gesetzt hatte, denen andere lieber aus dem Weg gegangen waren?

Nichtsdestotrotz war er interessiert, denn Eastmans Nachfrage ließ auf einen Verräter im Außenministerium schließen. Warum sonst sollte man Bedarf nach einem Mann mit seinen Talenten haben? „Ist die undichte Stelle hier oder auf St Claire?“, fragte er.

„Das wissen wir nicht“, erklärte er leise. „Wir benötigen für den Auftrag jemanden von außen, und Ihr Name fiel, da Sie Besitz auf St Claire haben. Deswegen wäre es nicht weiter auffällig, wenn Sie dorthin reisten, um einen Blick auf Ihr Hab und Gut zu werfen, oder?“

„Erzählen Sie mir mehr über diese Kleinigkeit, die ich mir ansehen soll.“

„Piraten.“

Überrascht verschluckte Hunter sich, was die Aufmerksamkeit einiger Clubmitglieder auf sich zog. Er räusperte sich. „Und so etwas soll ich im Schlaf erledigen? Piraten?“, fragte er ungläubig.

„Sie nehmen überhand in der Karibik. Sie sind ein skrupelloser, blutrünstiger Haufen, und es ist unsere Pflicht, diese Pest ein für alle Mal zu beseitigen.“

Da war es wieder. Man wollte, dass er diese Pest ‚beseitigte‘. Sie brauchen jemanden ohne Gewissen? Fragen Sie Lockwood. „Ich bin nicht länger in diesem Geschäft, Eastman.“

„Wir bitten Sie lediglich darum, Informationen zu sammeln. Finden Sie heraus, wo die Piraten ihren Stützpunkt haben und wer ihnen die Informationen über die Schiffsrouten zukommen lässt. Finden Sie unser Leck – und stopfen Sie es.“

„Es ist unwahrscheinlich, dass sie nur einen einzigen Stützpunkt haben. Außerdem wissen Sie doch bestimmt schon, wer ihnen Informationen liefert.“

„Wir wissen nur, dass es sich um britische Staatsbürger handelt.“

„Warum St Claire und nicht Jamaika oder Barbados?“

„Dort haben wir schon Agenten, aber sie kommen einfach nicht voran. Wir brauchen jemanden, der sich völlig legitim auf St Claire aufhalten kann, ohne Verdacht zu erregen. Einer, der Fragen stellen und sich sowohl mit den Einheimischen als auch mit den Behörden gut stellen kann. Finden Sie heraus, was man vor uns verbirgt. Treten Sie lediglich mit uns in Kontakt, wenn Sie einen Notfall oder wichtige Neuigkeiten melden können. Wenden Sie sich direkt an mich oder meinen Sekretär Langford.“

Seufzend lehnte Hunter sich zurück. Schon seit zehn Jahren hatte er der Plantage auf St Claire keinen Besuch mehr abgestattet. Vielleicht war es wirklich mal wieder an der Zeit.

Eastman beugte sich vor. „Es würde auch nicht allzu viel von Ihrer Zeit beanspruchen, Lockwood. Nehmen Sie Kontakt auf zu Gouverneur Bascombe und seinem Chargé Mr Doyle auf, um in die Gesellschaft eingeführt zu werden. Ziehen Sie vierzehn Tage, höchstens einen Monat lang Erkundigungen ein. Falls sich Ihnen die Möglichkeit bieten sollte, lösen Sie das Problem. Danach kehren Sie nach England zurück und setzen Ihr Leben wie geplant fort.“

Das Problem lösen? Gott, wie sehr er sich danach sehnte, diesem hässlichen Netz aus Regierungsintrigen und ausländischen Machenschaften entkommen zu können!

Da Eastman ihm sein Zögern vermutlich ansah, versuchte er, ihn noch mehr zu ködern. „Es trifft ganz London jedes Mal mit ganzer Wucht, wenn ein Schiff gekapert oder versenkt wird. Wir würden Sie nicht darum bitten, wenn nicht so viele Bürgen ihre Einsätze verlieren und die Preise für importierte Güter praktisch mit jeder Sekunde weiter ansteigen würden.“

Obwohl er bereits ahnte, dass er sich wieder in etwas verstricken ließ, was er eigentlich gar nicht wollte, nickte Hunter.

St Claire Island, Karibische Inseln

9. Oktober im Jahre 1820

Zwar war die Reise zügig und ohne Zwischenfälle verlaufen, dennoch freute er sich darüber, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Hunter hatte an diesem Tag noch viel vor – ein Pferd kaufen, Gouverneur Bascombe aufsuchen, ein Zimmer im örtlichen Gasthaus mieten und seine Kontaktperson treffen – doch zunächst einmal wollte er die Lage erkunden.

Als er die Straßen von San Marco entlangschritt, fiel ihm als Erstes auf, wie multikulturell die Stadt in der Zwischenzeit geworden war. Eine Vielzahl von Sprachen und Dialekten drangen an sein Ohr, während er über das Kopfsteinpflaster ging.

Es gab ein Gasthaus, mehrere Tavernen, Krämer, Schmiede, Herrenausstatter sowie Gemüsehändler. Auf halbem Weg in der Broad Street entdeckte er ein Gebäude mit einer zweigeteilten Tür, deren obere Hälfte offenstand, um die kühle Morgenluft hereinzulassen. Auf dem großen Schaufenster stand in schwarzen Buchstaben Patisserie – und dem kleineren Schriftzug darunter konnte man entnehmen, dass eine gewisse Mrs Hobbs die Eigentümerin war. Auf einem Regal hinter der Scheibe wurden verlockende Süßwaren und appetitlich anzusehende Brote feilgeboten.

Das wäre ein geeigneter Ort, um mit seinen Untersuchungen zu beginnen. Sowohl Bäckereien als auch Tavernen waren oft ein wahrer Quell von Tratsch und Neuigkeiten. In Cheapside war es ihm sogar einmal gelungen, einen Ring von Taschendieben auszuheben, der von einem Backwarengeschäft aus geführt worden war.

Er öffnete die Tür und trat in den Laden, wobei das Läuten eines Glöckchens ihn begleitete. Aus dem hinteren Bereich des Geschäftes drang ein Duft, der ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Dieser Wohlgeruch sowie ein fröhliches Frauenlachen schlugen ihn in den Bann.

Eine Dame trug ein Blech mit Gebäck aus dem Hinterzimmer herein. Ihre Hände hatte sie mit Handtüchern umschlagen, damit sie sie nicht verbrannte. Diese Aufgabe nahm sie sehr in Anspruch, und Hunter nutzte den Augenblick, um sie unbemerkt zu betrachten.

Ihr halblanges braunes Haar war im Nacken mit einem grünen Band zusammengebunden und von goldenen Strähnen durchzogen. Sie war weder zu dünn noch zu füllig, eine verführerisch weibliche Figur. Ein sympathisches Lächeln umspielte ihre rosenfarbenen Lippen. Sie mochte Mitte zwanzig sein und war ungefähr einen Kopf kleiner als Hunter. Als sie sich ihm zuwandte, war er fasziniert von dem tiefen Grün ihrer Augen, das mit dem des Haarbandes harmonierte. Ihre Gesichtszüge waren fein und ebenmäßig. Griechische Bildhauer hätten vermutlich ihr Leben gegeben, um diese Schönheit in Stein meißeln zu dürfen.

Das zarte Erröten ihrer Wangen verriet ihm, dass ihr sein Interesse nicht entgangen war. „Kann ich etwas für Sie tun?“, fragte sie und wischte die Hände an ihrer sauberen Schürze ab. „Ich bin Mrs Hobbs.“

Ja. Hunter fielen mindestens ein Dutzend Dinge ein, die sie für ihn hätte tun können. Ein paar davon tat sie schon jetzt in diesem Moment, obwohl es sicher nicht in ihrer Absicht lag. Allein beim Klang ihrer Stimme richteten sich die feinen Härchen auf seinen Armen vor Erregung auf.

„Sir?“

„Ich suche nach etwas Süßem.“

Abermals lächelte sie, was seinen Puls schneller schlagen ließ. Dann blickte sie rasch zur Seite, als fürchtete sie sich davor, Hunter zu lange anzusehen. „Etwas Süßes? Nun, wir haben Kirsch- und Blaubeertorte sowie Brötchen mit Rosinen und Zimt. Außerdem können wir Ihnen Teegebäck, Zitronen- und Ingwerkekse anbieten. Und wenn Sie etwas warten, haben wir auch gleich Kekse mit einem Hauch Schokolade. Oh, und natürlich Ananaskuchen.“

Während er noch über das Angebot nachdachte, blickte aus der Backstube eine andere Frau hervor. Sie war kleiner, kräftiger und jünger als Mrs Hobbs und beinahe genauso liebreizend. Hunter beschlich der Verdacht, dass diese Patisserie selbst dann ein voller Geschäftserfolg sein würde, wenn das Gebäck nach Kalk schmeckte.

Als ob sie seine Gedanken lesen könnte, hob Mrs Hobbs einen der Kekse mit einem Pfannenheber vom Blech und hielt ihn Hunter entgegen. „Mit Empfehlungen des Hauses, Sir.“ Sie wandte sich der Frau in der Backstube zu. „Kann ich Ihnen helfen, Mrs Breton?“, fragte sie.

„Ich wollte nur sehen, ob vorne in den Regalen noch Platz ist“, erwiderte die Frau und sah auf das Regal im Fenster, bevor sie nickte und eilig in die Stube zurückkehrte.

Er nahm den Keks und ließ ihn etwas abkühlen, bevor er davon probierte. Bereits der erste Bissen bescherte ihm ein himmlisches Geschmackserlebnis, und während er aß, beobachtete er Mrs Hobbs. Sie öffnete leicht den Mund und hob sacht das Kinn wie in Erwartung eines Kusses. Was hätte er dafür gegeben, ihr einen zu geben, aber nein, sie wartete ja auf sein Urteil und nicht auf einen Kuss von ihm.

„Köstlich“, verkündete er. „Geben Sie mir ein Dutzend davon, Mrs Hobbs.“

Sie blinzelte und nickte, bevor sie ein Stück braunes Papier von einer Rolle riss, die Kekse darin einwickelte und abschließend das Päckchen mit einem blauen Band verschnürte. Nachdem sie sein Kronenstück entgegengenommen hatte, öffnete sie eine Schublade unter dem Tresen. „Bedauerlicherweise habe ich nur sehr wenig Wechselgeld. Hätten Sie es vielleicht ein wenig kleiner, Sir?“

„Leider nicht, Mrs Hobbs. Behalten Sie den Rest einfach.“

„Oh, nein, das wäre viel zu viel, Sir.“

Während sie die Münzen in der Lade zusammenzählte, bemerkte Hunter den glänzenden Goldring an ihrer linken Hand. Was für ein Pech. Da stand er nun vor der bezauberndsten Verkäuferin, der er jemals begegnet war, und sie war bereits vergeben.

Sie hielt ihm einen Teil des Wechselgeldes entgegen. „Kann ich noch etwas für Sie tun, Sir?“

„Im Augenblick nicht, Mrs Hobbs.“

Als sie ihm in die Augen sah, schien sie zu erbeben. Hastig legte sie die Münzen auf seine Handfläche. „Ich kümmere mich um das Wechselgeld, Sir. Wenn Sie nachher wiederkommen, gebe ich Ihnen den Rest.“

Hannah Breton stieß Daphne sacht mit dem Ellenbogen in die Seite, als sie gemeinsam durch den Ladeneingang hindurch dem großen Fremden hinterhersahen, der die Broad Street entlangging. „Noch ein Kunde, der deinem Charme erlegen ist, Daphne.“

War er tatsächlich ihrem Charme erlegen? Sie hatte eigentlich das Gefühl, dass es andersherum gelaufen war. Es kam in der Tat äußerst selten vor, dass sie die Gegenwart eines Mannes so sehr aus der Fassung brachte. Vermutlich hatte sie wie eine Närrin gewirkt.

„Vielleicht hättest du erwähnen sollen, dass du verwitwet bist“, schlug Hannah vor.

„Selbst wenn ich an ihm interessiert wäre – was ich nicht bin – hat er es noch nicht einmal für nötig gehalten, sich vorzustellen. Außerdem möchte ich keinen Mann.“

„Was jammerschade ist, wenn du meine Meinung dazu hören willst“, neckte Hannah. „Mit dem Ring hältst du sie dir alle vom Leib. Wann willst du ihn endlich abnehmen? Über einen Mangel an Verehrern kannst du dich jedenfalls nicht beklagen.“ Hannah seufzte und sah dem Fremden hinterher. „Obwohl nicht jeder so blaue Augen hat wie er.“

Nicht einfach nur blau, dachte Daphne, sie waren von einem tiefen Lavendelblau gewesen, beinahe violett. Außerdem hatte er – für einen Mann – unverschämt lange Wimpern gehabt. Doch seine Augen waren nur der Anfang. Sinnliche Lippen, ebenmäßige, weiße Zähne und ein bezauberndes Grübchen in seiner linken Wange, das ihm einen überaus jungenhaften Charme verlieh. Daphne achtete stets auf das Lächeln eines Mannes, und ganz besonders darauf, ob er überhaupt lächelte. Männer ohne Lächeln machten sie nervös. Ein Mann, der nicht lächeln konnte, hatte große charakterliche Schwächen. Davon war sie überzeugt.

Hannah lachte leise. „Dein Seufzen hat dich verraten. Du musst ihn ja nicht gleich heiraten, du könntest ihn auch zum Liebhaber nehmen. Schließlich bist du doch allein.“

Daphne schüttelte sich. Unmöglich! Dafür gab es so viele Gründe. Bis sie in diese erstaunlichen Augen geschaut hatte, war sie auch nie in Versuchung geführt worden.

Am heutigen Morgen hatte sie im Hafen entdeckt, dass Fremde mit der Gulf Stream nach San Marco gekommen waren – die auch bald wieder abreisen würden. Der dunkelhaarige verführerische Mann bildete da keine Ausnahme. Kaum jemand kam nach St Claire, um hier zu bleiben – sie hingegen schon.

Ein Klopfen an der Küchentür riss Daphne aus ihren Gedanken. Bestimmt war das der Eierlieferant, der ihren romantischen Anwandlungen ein Ende bereitete. Hannah eilte nach hinten, um ihm die Tür zu öffnen.

„Endlich habe ich ihn gefunden!“, rief ihr Besucher aus. „Den Schatz von St Claire.“

„Du liebe Güte! Captain Gilbert! Wo sind Sie bloß gewesen?“, fragte Hannah erfreut.

„Einmal um die Welt und wieder zurück.“

„Wie lange bleiben Sie dieses Mal hier?“

„Eine Woche, möglicherweise zwei. Ich muss Ladung an Bord nehmen und ein paar Reparaturen erledigen lassen, bevor ich nach England zurückkehre.“

„Dann sollten wir unseren Vorrat an Ananasgebäck aufstocken.“ Hannah strich ihre Schürze glatt und ging zu dem Kessel.

Daphne betrachtete den hochgewachsenen Captain. Er hatte grau meliertes Haar und stets ein warmherziges Lächeln auf den Lippen. Um seine hellblauen Augen waren feine Fältchen zu sehen, die davon zeugten, dass er häufig in die Sonne sah und die Augen zusammenkniff. „Hallo Captain Gilbert. Es freut mich, Sie wiederzusehen.“

„Wie sehr denn?“, fragte er und neigte den Kopf zur Seite.

Sie lachte, denn er wusste, wie glücklich sie war, wenn sie ihn traf – und das nicht nur, weil er ihr stets eine oder zwei Ausgaben der London Times mitbrachte. Er war der freundlichste Mann, den sie kannte. „Hannah, würdest du dem Captain einen Ananaskuchen bringen?“

Hannah nickte. „Warum gehen Sie nicht mit Mrs Hobbs raus auf einen kleinen Plausch, Captain? Ich bringe Ihnen eine schöne Tasse Tee.“

Nachdem Daphne ihre Schürze über den Kopf gezogen hatte, wischte sie ein wenig Mehl von ihrem Rock, bevor sie Captain Gilbert durch die Hintertür in den kleinen Hof folgte.

Er setzte sich an einen kleinen schmiedeeisernen Tisch und legte die Zeitungen auf seinen Schoß. Daphne wusste, dass er sich auf ein Gespräch mit ihr freute, denn er hatte ihr einst gestanden, wie sehr er sich nach weiblicher Gesellschaft sehnte, seitdem seine Frau vor einigen Jahren gestorben und er beinahe ständig auf See war.

„Erzählen Sie, Captain, wie ist Ihre Reise gewesen, und was haben Sie erlebt?“

Während Hannah ihnen ein Tablett mit dem Tee sowie einem kleinen Ananaskuchen auf einem feinen Porzellanteller herausbrachte, schwieg der Captain, was die aufmerksame Hannah dazu veranlasste, rasch ins Haus zurückzukehren.

Da Daphne die Vorlieben des Captain kannte, schenkte sie ihm eine Tasse Tee ein und fügte ein wenig Zucker sowie eine Spur Limonensaft hinzu. Ihr Gast nahm dankend die Tasse entgegen, nahm einen Schluck und nickte anerkennend.

„Viel Arbeit, Mrs Hobbs. Es wird heutzutage immer schwieriger, als ehrlicher Mann sein Einkommen zu bestreiten. Aber ich komme über die Runden. Meine Bürgen verlangen eine absurde Summe, um meine Ladung zu versichern. Verdammte Piraten.“ Er seufzte und zuckte mit den Achseln. „Aber was habe ich für eine Wahl?“

„Vermutlich keine“, stimmte sie ihm zu. „Ich zahle auch immer mehr für Waren aus der Heimat. Sie glauben ja nicht, was Tee, Stoffe, Papier und Schleifenband mittlerweile kosten.“

„Aye, wir haben alle darunter zu leiden, Mrs Hobbs – die Leute hier und die in der Heimat. Im Augenblick konzentriere ich mich auf die Güter, die in London am beliebtesten sind. Auf dieser Reise sind das Ananas, Sittiche und Mahagoni.“

„Haben Sie schon mal daran gedacht, sich eine Erlaubnis für das Befördern von Regierungsdokumenten ausstellen zu lassen? Die nehmen kaum Laderaum in Anspruch und bringen Ihnen am Ende der Reise einen netten kleinen Zusatzverdienst.“

„Ich habe mich in London tatsächlich darum beworben, Mrs Hobbs, aber es gibt bereits sehr viele Schiffe der Marine in der Karibik, die solche Dokumente befördern können.“

Daphne runzelte die Stirn. Für St Claire bot die Royal Navy diesen Dienst jedenfalls nicht an. Es kam sogar äußerst selten vor, dass ein Schiff der königlichen Marine im Hafen von San Marco vor Anker ging. Vielleicht konnte sie ja Gouverneur Bascombe fragen. Ja, das würde sie tun, und Captain Gilbert nur etwas erzählen, wenn sie etwas für ihn erreicht hätte.

Nachdem der Captain den Ananaskuchen verzehrt hatte, legte er die Gabel beiseite, stellte die Teetasse auf den Unterteller und erhob sich. „Jetzt muss ich mich aber wieder um mein Schiff kümmern.“

Sie stand ebenfalls auf. „Die Arbeiten dauern eine Woche oder zwei, richtig?“

„Aye.“

Gut, dann blieb ihr genügend Zeit für ein Gespräch mit dem Gouverneur.

„Oh, bevor ich es vergesse, ich habe Ihnen ein paar Times mitgebracht.“ Lächelnd legte er die Zeitungen auf den Tisch.

„Oh! Das wäre doch aber nicht nötig gewesen!“, rief Daphne freudig überrascht. „Aber vielen Dank, dass Sie daran gedacht haben.“

Bevor er zur Straße ging, tätschelte er ihre Schulter anstelle eines Abschiedsgrußes. Er sagte niemals auf Wiedersehen, und Daphne fragte sich, ob vielleicht ein Aberglaube unter Seeleuten schuld daran war.

Nur flüchtig sah sie auf die Zeitungen. Es lag noch viel Arbeit vor ihr, weswegen sie erst heute Abend dazu kommen würde, jeden Artikel Wort für Wort zu lesen, um sich über die neuesten Nachrichten aus ihrer alten Heimat auf dem Laufenden zu halten.

2. KAPITEL

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit beschloss Daphne, nach Hause zu gehen. Die Geschäfte waren heute gut gelaufen, und es waren lediglich ein Laib Brot, ein paar Brötchen sowie drei Ananaskuchen übrig geblieben. Sie würde sie in den Hinterhof stellen, damit die Kinder aus dem Hafen sich dort bedienen konnten.

Hannah verrichtete den Abwasch in der Küche. „Geh ruhig schon, Daphne. Timmy ist jeden Moment mit deiner Kutsche hier. Ich komme mit den letzten Kunden schon zurecht.“

Daphnes Haus befand sich fünf Meilen vor der Stadt, was ihr ausreichend Ruhe bot, ohne dass sie völlig von der Außenwelt abgeschnitten war. Sie hängte gerade ihre Schürze über einen Haken, als die Türglocke läutete. „Verzeihen Sie, aber wir haben schon geschlossen“, sagte Daphne, ohne sich umzudrehen.

„Was habe ich für ein Glück“, ertönte ein tiefer Bariton, und Daphne wandte sich um.

Der Fremde war gekommen, um sein Wechselgeld zu holen. Unwillkürlich musste sie lächeln. „Ich bin froh, dass Sie es noch geschafft haben.“ Sie ging hinter den Tresen und zählte das Wechselgeld ab, das sie ihm noch schuldete. Als sie aufsah, bemerkte sie, dass er sie betrachtete. „Kann ich noch etwas für Sie tun, Sir?“

„Ich frage mich nur, was für andere Köstlichkeiten Sie noch anzubieten haben, Mrs Hobbs. Ich denke, ich möchte kein Geld, sondern lieber Waren.“

Sie lachte. „Davon bekommen Sie aber bestimmt Zahnschmerzen. Außerdem haben wir alle Süßigkeiten verkauft. Es sind nur noch ein paar Ananaskuchen übrig.“

„Dann komme ich eben wieder. Verwahren Sie das Wechselgeld für mich auf“, sagte er.

Wie geheißen legte sie die Münzen zurück in die Schublade. „Bleiben Sie an Bord der Gulf Stream, Sir?“

Lächelnd schüttelte er den Kopf. „Ich habe in St Claire Geschäftliches zu erledigen.“

„Dann hoffe ich sehr, dass Ihnen unsere Insel gefällt, Sir.“

„Hunter“, sagte er.

„Mr Hunter.“ Hunter bedeutete Jagd, und der Name passte gut zu ihm, wie sie fand, denn er hatte etwas von der Wachsamkeit eines Jägers. Es kam ihr so vor, als wollte er noch etwas sagen, doch dann zuckte er lediglich mit den Achseln. „St Claire gefällt mir jetzt schon ausgesprochen gut. Zwar bezweifle ich, das ich jeden Tag in der Stadt sein werde, doch wenn ich es bin, komme ich bestimmt bei Ihnen vorbei.“

Hannah tauchte an der Tür auf, ein sicherer Beweis dafür, dass sie gelauscht hatte. „Dann freuen sich Witwe Hobbs und ich sehr darauf, Sie wiederzusehen“, sagte sie.

Mr Hunter lächelte strahlend und deutete eine Verbeugung an. „Vielen Dank, Mrs Breton. Für alles.“

„Gern geschehen“, erwiderte Hannah, bevor sie sich an Daphne wandte. „Timmy hat die Kutsche hinten schon vorgefahren. Ich sage ihm, dass du gleich kommst.“

Verlegen errötete Daphne. Später würde sie Hannah schelten müssen, aber der Schaden war bereits angerichtet. Es verwunderte sie, dass Mr Hunter sich Hannahs Namen seit heute Morgen gemerkt hatte. Allerdings wirkte er auch nicht wie ein Mann, dem viel entging.

Er zog eine Augenbraue hoch. „Sie sind viel zu jung, um Witwe zu sein, Mrs Hobbs. Mein aufrichtiges Beileid für Ihren Verlust.“

Besonders bedauernd wirkte er jedoch nicht, als er ihren Ehering betrachtete.

„Vielen Dank“, erwiderte sie nach kurzem Zögern.

„Einen schönen Abend noch, Mrs Hobbs.“

Eine ganze Weile sah sie Mr Hunter nach, als er das Geschäft verließ und auf das Pferd stieg. Oh, was für muskulöse Waden und lange Beine – und erst die breiten Schultern. Dieser Mann hatte etwas überaus Faszinierendes an sich – etwas, das ihr Interesse erweckte und sie eine nie gekannte Sehnsucht verspüren ließ. Sie würde sich vorsehen müssen in seiner Gegenwart. Jede unvorsichtige Verbindung mit einem Mann würde sie dem Galgen ein Stück näherbringen.

Selbst kurz vor Mitternacht war die Luft noch warm und feucht. Die leichte Brise kühlte seine Haut, und der Wohlgeruch exotischer Blumen vermengte sich mit dem salzigen Geruch des Meeres. Die Tür zur Taverne war weit geöffnet, und Hunter holte tief Luft, bevor er eintrat.

Wie alle Tavernen war das Blue Fin nur schwach beleuchtet und roch nach abgestandenem Bier. Auf einer Seite des rechteckigen Raumes befand sich der lange Tresen, und etwa zwei Dutzend Tische standen im Gastraum. Hunter setzte sich mit dem Rücken zur Wand, sodass er den Eingang im Blick behalten konnte. Das hatte er sich angewöhnt, nachdem er einst von einem französischen Agenten in einem Wirtshaus in Marseille in den Rücken gestochen worden war. Er orderte einen Krug Bier und stellte ihn auf den kleinen Holztisch vor sich. Halb zwölf. Genau pünktlich.

Ein Mann mittlerer Größe trat ein und sah sich suchend um. Er trug eine derbe braune Hose sowie ein fleckiges blaues Arbeitshemd. Das lange sandfarbene Haar hatte er im Nacken mit einer schwarzen Schnur zusammengebunden. Er entsprach durch und durch dem Bild eines typischen Hafenarbeiters. Als er Hunter sah, nickte er ihm zu, und Hunter erwiderte den stummen Gruß.

Daraufhin ging der Mann an den Tresen, um ebenfalls einen Krug mit Bier zu bestellen. Nachdem er eine kleine Weile mit dem Wirt geplaudert hatte, ging er zur Hintertür hinaus.

Still zählte Hunter bis zehn, leerte seinen Krug und erhob sich ebenfalls. Er warf eine kleine Münze auf den Tisch und ging zum Haupteingang auf die Straße hinaus, um das Gebäude zu umrunden, bis er den Hinterhof der Taverne erreicht hatte. Hier, im Schatten einer alten Eiche, stand Oliver Layton, Geheimdienstmitarbeiter des Außenministeriums.

„Wir haben fünf Minuten, Lockwood.“

„Freut mich auch, Sie wiederzusehen, Layton. Haben Sie in der Zwischenzeit einen sicheren Treffpunkt ausfindig gemacht?“

Der Mann nickte. „Im Westen der Stadt, kurz vor Ihrer Plantage, gibt es einen Meilenstein. Wenn Sie von der Straße heruntergehen, finden Sie in etwa einhundert Yards Entfernung eine verlassene Hütte. Der Pfad dorthin ist zugewachsen, aber man kann ihn noch erkennen. Hinter dem mittleren Stein über dem Türsturz befindet sich eine Nische. Dort können Sie Nachrichten hinterlassen. Mitternachts sehe ich dort nach und hinterlasse Ihnen meine Nachrichten. Wenn Sie persönlich mit mir sprechen müssen, treffen wir uns dort.“

Hunter nickte. „Unterrichten Sie mich über die neuesten Vorkommnisse.“

„Da gibt es nicht viel zu erzählen. Seit einem Monat bin ich hier, und die Einheimischen beginnen erst damit, mir zu vertrauen. Ich habe angedeutet, dass ich gerne mehr Geld verdienen würde – egal, auf welche Weise. Wir müssen abwarten, ob jemand den Köder schluckt. Haben Sie schon etwas vor?“

„Nichts Bestimmtes, wenn man einmal von dem Empfang Gouverneur Bascombes und seines Stellvertreters Gavin Doyle absieht. Ich habe mich heute Abend mit ihnen getroffen. Sie ahnen nicht, weswegen ich hier bin. Vermutlich befürchtet Eastman, das Problem könne sich bis in höchste Kreise ziehen. Morgen früh reise ich zu meiner Plantage nach New Albion. Ich bin vor zehn Jahren das letzte Mal dort gewesen.“ Hunter schloss die Augen, um nachzudenken. „Wenn ich mich recht entsinne, befindet sich im Süden der Insel eine Gebirgskette. Die Berge reichen bis ans Meer, und auf der Windseite der Insel ist die Strömung ziemlich gefährlich. Nicht viel Land dort.“

„Und was hat das mit uns zu tun?“

„Auf den Klippen gibt es eine kleine Stadt. Blackpool. Mir ist zu Ohren gekommen, dass sie dort keine Fremden mögen. Irgendetwas geht dort nicht mit rechten Dingen zu. Der Captain des Schiffes, mit dem ich hierhergekommen bin, hat sogar behautet, die Stadt nicht zu kennen. Das finde ich interessant“, erklärte Hunter. „Die meisten Seeleute wissen die Vorzüge eines Hafens zu schätzen. Falls Blackpool irgendwelche Handelsgüter anzubieten hätte oder benötigen würde, wäre es nur zweckmäßig, dort vor Anker zu gehen. Ich finde es außerordentlich verdächtig, dass niemand diesen Hafen ansteuert. Deswegen plane ich einen kleinen Besuch. Sind Ihnen Gerüchte über diesen Ort bekannt?“

„Die Stadtbewohner hier sind ziemlich schweigsam, was die andere Seite der Insel angeht – beinahe so, als würde es sie gar nicht geben. Ich habe den Hafenmeister nach Schiffen aus Blackpool gefragt, doch er wusste nur, dass sie dort nicht anlegen. Und dann hat er eine rätselhafte Bemerkung darüber gemacht, dass all jene ein schlimmes Schicksal ereilt hätten, die es trotzdem gewagt hatten.“

Hunter lachte. „Liebe Güte, hat Sie das nicht neugierig gemacht?“

Layton rieb sich das Kinn und schüttelte den Kopf. „Wir suchen nach blutrünstigen Barbaren. Ich bin nur ein armer Hafenarbeiter. Ich bin weder auf Ärger aus, noch mache ich welchen.“

„Und das glaubt man Ihnen aufs Wort.“

Layton grinste. Zumindest hier auf St Claire. Mein Auftrag lautet, Informationen zu sammeln und mich aus Ärger herauszuhalten.“

Hunter nickte. Das mochte für Layton gelten, nicht aber für ihn. Das Außenministerium hatte ihn beauftragt, die Probleme, auf die er stoßen sollte, aus der Welt zu schaffen. „Hat irgendjemand von Captain Sieyes oder Rodrigo gesprochen?“

„Niemand. Es scheint, als hätte man in San Marco noch nie von Piraten gehört.“

„Seltsam“, wunderte Hunter sich.

3. KAPITEL

Am Morgen darauf warf Hunter seinen Mantel über den Sattel und machte sich auf den Weg zu seiner Plantage im Westen der Insel. Der Weg war von Baumkronen überdacht, die Hunter zwar von der Morgensonne, jedoch nicht vor der drückenden Hitze abzuschirmen vermochten. Die Straße verlief parallel zum Ufer, sodass Hunter durch das Dickicht von Mangrovenbäumen und Zypressen das leise Rauschen des Meeres vernehmen konnte. In der Ferne erklang Vogelgekrächze, was Hunter an die bunt gefiederten Sittiche erinnerte, die an den Anlegestellen in den Käfigen darauf warteten, in die Londoner Salons verschifft zu werden.

Das wiederum lenkte seine Gedanken auf das exotischste Geschöpf, was ihm je unter die Augen gekommen war: die verführerische Witwe Hobbs. Witwe. Nicht verheiratet. Sie würde sich keinen Illusionen über eine gemeinsame Zukunft hingeben, denn sie war eigenständig und brauchte ihn nicht. Was eine gute Sache war, denn er hatte auch nichts zu geben. Das würde ihnen ermöglichen, sich aneinander zu erfreuen, ohne überhöhte Erwartungen an den anderen zu stellen.

Als Gouverneur Bascombe darauf bestanden hatte, anlässlich seiner Ankunft einen Empfang auszurichten, hatte Hunter darum gebeten, Mrs Daphne Hobbs ebenfalls auf die Gästeliste zu setzen. Daraufhin hatte der Gouverneur ihm lächelnd erklärt, dass diese Frau für gewöhnlich nie an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen pflegte.

Zu schade. Sie hatte ihr Leben selbst in die Hand genommen, anstatt sich nach einem neuen Ehemann umzusehen – was für eine Frau mit ihrem Aussehen und Benehmen ein Leichtes gewesen wäre. Es gefiel ihm, wenn eine Frau Rückgrat besaß. Wenn sie jedoch nicht auf Soireen anzutreffen war, würde er wohl oder übel der beste Kunde der Patisserie werden müssen.

Endlich passierte er ein schmiedeeisernes Tor, über dem die Wörter ‚New Albion‘ angebracht waren, und folgte dem Pfad eine weitere Viertelmeile.

Der Anblick des zweistöckigen Hauses überraschte ihn. Es sah einem britischen Herrenhaus zum Verwechseln ähnlich. Tropischer Wein mit üppigen Blüten rankte an der steinernen Fassade empor. Eine Reihe gut gepflegter Hütten war hinter dem Haus in einem Halbkreis angeordnet, und auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich eine Scheune sowie die Stallanlagen. Der Weg beschrieb einen Bogen vor dem Gebäude, und Hunter stieg vor den breiten Treppenstufen von seinem Wallach.

Ein kleiner Mann mit dunklem zurückgekämmten Haar und einem großen Schnurrbart kam die Treppe herunter, um ihn zu begrüßen. „Lord Lockwood? Wie schön, Sie kennenzulernen. Ich bin Jack Prichard, der Verwalter. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise?“

Hunter nickte und schüttelte die Hand des anderen Mannes. „Ohne besondere Vorkommnisse. Ich habe mir sagen lassen, dass ich mich darüber freuen könne.“

Prichard lachte. „Zu dieser Jahreszeit weiß man nie, wann sich der nächste Hurrikan zusammenbraut.“

Hunter sah zu den Hütten. „Wohnt dort die Dienerschaft?“

„Und die Arbeiter. Zurzeit sind sie gerade auf der Plantage. Ihre Truhe ist bereits angekommen, und ich habe sie im Foyer gelassen, bis Sie entscheiden, wohin sie soll. Wir haben ein Gästezimmer in der oberen Etage oder aber ein kleines Haus für Sie ganz allein, falls Sie sich zurückziehen möchten.“

Er gab Letzterem den Vorzug, da Diskretion für seinen Auftrag unerlässlich war. „Wo ist das Gästehaus?“

Prichard deutete auf einen Pfad, der durch den Garten auf den Strand zuführte. „Nicht weit den Weg dort entlang.“ Er gab einem wartenden Diener ein Handzeichen, woraufhin dieser in das Herrenhauses trat und kurze Zeit darauf mit Hunters Reisetruhe wieder herauskam. Der Pfad führte sie einige hundert Yard auf das Meer zu, aber ihr Ziel – ein einstöckiger Pfahlbau mit einer Veranda, die sich um das gesamte Gebäude erstreckte –, war den langen Fußmarsch wert. Sobald Hunter die Tür geöffnet hatte, war er augenblicklich hingerissen von der Aussicht auf das Meer, die sich ihm durch die vordere Fensterfront bot, obwohl das Haus ansonsten unter einem schützenden Blätterdach lag.

Prichard schob erst eines, dann ein weiteres Fenster auf, und sofort erfüllte der Geruch frischer Meeresluft das kleine Cottage. Beinahe hätte man meinen können, im Freien zu sein. Erlesene Perserteppiche schmückten den polierten Mahagonifußboden, und niedrige Rattanmöbel mit gemütlichen Kissen luden zum Verweilen ein.

Nachdem Hunter seine Jacke über einen der Stühle gehängt hatte, ging er in den angrenzenden Raum, in dem er ein großes Bett mit weißer Leinenwäsche und einem durchscheinenden Moskitonetz vorfand, das von der Decke herabhing. Auch hier waren die großen Glastüren geöffnet, um die erfrischende Seeluft hereinzulassen. Als einziges Zugeständnis an die kühlere Jahreszeit gab es eine Feuerstelle in der Wand, die von beiden Räumen aus zugänglich war. Hunter fand, dass die Abgeschiedenheit dieses Ortes ihm überaus dienlich sein würde.

„Soll ich Ihnen einen Kammerdiener zur Verfügung stellen, Lord Lockwood?“

„Keine Diener“, erwiderte Hunter, da er nicht wollte, dass jemand sein Kommen und Gehen verfolgte.

Daphne strich die erlesene blaue Seide über ihrem Schoß glatt. Sie würde nur eine kleine Naht im Brustbereich des Gewandes umändern müssen, das sie vergangenes Jahr in Charleston hatte ausbessern lassen, als sie William in der Schule besucht hatte.

Dass Gouverneur Bascombe sie am morgigen Abend zu einem Empfang zu Ehren eines gewissen Lord Lockwoods eingeladen hatte, bot ihr die perfekte Gelegenheit, sich bei Captain Gilbert für seine Freundlichkeiten zu revanchieren. Sie wollte den Gouverneur unter vier Augen sprechen und ihn um ein Patent für den Captain bitten, das ihm gestattete, Regierungsdokumente zu befördern. Damit würde sie ihre Schuldigkeit getan haben.

Unwillkürlich musste sie daran denken, dass die Möglichkeit bestand, auch auf Mr Hunter zu treffen, und ihr Herzschlag beschleunigte sich. Allein der Gedanke an ihn hatte eine berauschende Wirkung auf sie – er war verführerisch, versprach köstliche Sinnesfreuden und beherrschte sie ganz und gar. Und er war gefährlich. Ihre Intuition ermahnte sie, sich von dem Mann fernzuhalten, wollte sie nicht in ihr Verderben rennen. Sollte er auch nur die leiseste Ahnung davon bekommen, wer sie war und was sie getan hatte, dann wäre alles, wofür sie gekämpft und gearbeitet hatte, dem Untergang geweiht.

Nein, das Risiko war zu groß, um der Versuchung nachzugeben. Nichtsdestotrotz streifte sie den Ehering vom Finger, verstaute ihn in dem Nähkorb und widmete sich wieder ihrem Gewand.

Nachdem sie den letzten Stich getan und den Faden verknotet hatte, legte Daphne das Kleid zur Seite, bevor sie aufstand und sich streckte. Plötzlich ließ ein leises Geräusch sie aufhorchen. Ihre Haushälterin Olivia hatte vermutlich etwas vergessen und war nochmals zurückgekommen, bevor sie in ihr eigenes Cottage heimkehrte, das nebenan lag.

„Olivia?“ Hastig griff sie nach der Schere aus dem Nähkorb und eilte zum hinteren Flur, als sie leise Schritte vernahm, die sich näherten. „Ich … ich habe eine Pistole“, rief sie warnend.

Si, und die wirst du auch brauchen.“ Eine hochgewachsene spanische Schönheit trat in den Türdurchgang. Dreist lächelte sie Daphne an. „Ich schätze, du musst schon ein wenig entschlossener auftreten, wenn du wirklich jemanden aufhalten willst, Querida, meine Liebe.“

Daphne atmete tief aus und senkte die Schere. „Warum hast du nicht geantwortet?“

Olivia zuckte mit den Schultern. „Ich wollte sehen, was du machst, wenn Gefahr droht.“

„Ich bin ganz gut zurechtgekommen, bevor du aufgetaucht bist“, erwiderte Daphne leicht verärgert, obwohl sie wusste, dass die Haushälterin es nur gut mit ihr meinte.

„Si?“ Olivia lachte und schüttelte den Kopf. „Und deswegen bist du auch hier auf St Claire? Weil du in deinem alten Leben so gut zurechtgekommen bist?“

Olivia war äußerst neugierig – aber glücklicherweise auch äußerst verschwiegen. Außerdem war Daphne umsichtig genug gewesen, ihre Geheimnisse neben der Seidenakazie hinter ihrem Haus zu vergraben.

„Ich denke, ich bin aus den gleichen Gründen hier wie du, Olivia“, antwortete sie.

„Ach“, entgegnete Olivia beiläufig. „Männer. Die sind doch der Grund für alles, oder? Aber ich bin hier, weil ich vergessen hatte, den Brief vom kleinen William so hinzulegen, dass du ihn auch finden kannst. Er ist in deinem Schreibtisch.“

Daphne ging zum Sekretär und öffnete freudig erregt den kleinen Umschlag. Lächelnd betrachtete sie die kühn geschwungene Handschrift ihres Sohnes. „Macht es dir etwas aus, wenn ich ihn gleich lese, Olivia?“

„Ich gehe jetzt, Querida. Bis morgen dann.“

„Ja, bis morgen.“ Rasch überflog Daphne den Brief, bevor sie ihn ein zweites Mal las, wobei sie sich jedes Wort aufmerksam einprägte.

Ihr Sohn machte sich ausgezeichnet. Er berichtete von seinen Freunden und dem Unterricht. Seine Prüfungen hatte er erfolgreich bestanden und war in die nächste Klasse versetzt worden. Seit Weihnachten war er beinahe sechs Zentimeter gewachsen. Der Schuldirektor und seine Frau hatten ihn zwar abermals dazu eingeladen, über die Ferien bei ihnen zu bleiben, doch er flehte Daphne an, nach Hause kommen zu dürfen. Er sehnte sich nach ihr und St Claire, wie er schrieb, und versprach, niemandem zur Last zu fallen.

Zur Last fallen? Allein die Vorstellung, dass er so etwas denken konnte, schnitt Daphne ins Herz. Selbstverständlich fiel er ihr niemals zur Last, und sie hätte alles gegeben, um jeden einzelnen Tag mit ihm verbringen zu können – allerdings fürchtete sie, dass man sie enttarnte und William dadurch in Gefahr geriet. Doch bestimmt konnte sie es riskieren, ihn über die Ferien nach Hause kommen zu lassen.

Sie zog ein Blatt Papier aus der Schreibtischschublade und schrieb ein paar ermunternde Worte an ihren Sohn. Dann faltete sie den Brief zusammen und versiegelte ihn, bevor sie ihn auf den Tisch im Eingangsbereich legte. Sie würde ihn auf eine Nachbarinsel schicken, von wo aus er nach Charleston weitergeleitet werden würde. Nur auf diese Weise konnte sie sicher sein, dass ihre Briefe nicht zurückverfolgt werden konnten.

Musikklänge erfüllten die schwüle Inselluft, und die Kerzen des Kronleuchters tauchten den großen Ballsaal in sanftes Licht. Wären nicht die Feuchtigkeit und der Geruch nach salziger Meeresluft gewesen, hätte Hunter sich vorstellen können, an einem offiziellen Dinner in Whitehall in London teilzunehmen. Zu seiner Linken stand Gouverneur Bascombe, der ihn gerade mit einem weiteren prominenten Inselbewohner bekannt machte, während zu seiner Rechten sein Stellvertreter, der Chargé d’affaires Mr Doyle, dafür sorgte, dass die Ankömmlinge nach der Begrüßung weitergingen.

Hunter schüttelte die Hand des neuesten Gastes. „Es freut mich sehr, Sie kennenzulernen, Mr Goode“, sagte er. „Ich glaube, wir sind Nachbarn, habe ich recht?“

„Aye, Lord Lockwood. Jetzt können Sie Ihren Verwalter ja mal zur Räson rufen.“

„Prichard?“, erkundigte Hunter sich überrascht. „Hat er sich etwa in Ihre Belange eingemischt?“

„In gewisser Hinsicht schon, ja. Ich kann keine Arbeiter mehr halten. Prichard zahlt so viel, dass meine Leute nach New Albion abwandern.“

„Haben Sie denn schon einmal daran gedacht, Ihren Arbeitern mehr zu zahlen, Mr Goode?“

Ungläubig starrte der andere Mann ihn an. „Lord Lockwood, das würde meine Gewinne verringern.“

„Ah, ja“, eilte Doyle Hunter zur Hilfe. „Ein Mann muss sehen, wo er bleibt, richtig? Haben Sie schon die Hors d’œuvres probiert, Mr Goode? Einfach köstlich. Sie finden sie im Salon.“

„Gut gemacht, Doyle“, sagte Hunter, nachdem Mr Goode sich in den Salon aufgemacht hatte. Der blonde Chargé war der Typ Mann, der bestimmt schon in der Schule beliebt gewesen war – charmant, gutaussehend und der Junge, den man gerne in seinem Cricketteam haben wollte.

Doyle lächelte.

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