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Indisches Feuer

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Prolog
  5. Erstes Kapitel
  6. Zweites Kapitel
  7. Drittes Kapitel
  8. Viertes Kapitel
  9. Fünftes Kapitel
  10. Sechstes Kapitel
  11. Siebtes Kapitel
  12. Achtes Kapitel
  13. Neuntes Kapitel
  14. Zehntes Kapitel
  15. Elftes Kapitel
  16. Zwölftes Kapitel
  17. Dreizehntes Kapitel
  18. Vierzehntes Kapitel
  19. Fünfzehntes Kapitel
  20. Sechzehntes Kapitel
  21. Siebzehntes Kapitel
  22. Achtzehntes Kapitel
  23. Neunzehntes Kapitel
  24. Zwanzigstes Kapitel
  25. Einundzwanzigstes Kapitel
  26. Zweiundzwanzigstes Kapitel
  27. Dreiundzwanzigstes Kapitel
  28. Vierundzwanzigstes Kapitel
  29. Fünfundzwanzigstes Kapitel
  30. Sechsundzwanzigstes Kapitel
  31. Siebenundzwanzigstes Kapitel
  32. Achtundzwanzigstes Kapitel
  33. Neunundzwanzigstes Kapitel
  34. Dreißigstes Kapitel
  35. Einunddreißigstes Kapitel

Prolog

Draußen ist es schwül und heiß, aber im Zimmer ist es kühl. Ich liege auf dem Bett und höre dem regelmäßigen Klicken des Ventilators zu, der träge die Luft verteilt. Ich versuche zu schlafen, denn ich bin abgeschlafft von den nächtlichen Aktivitäten. Aber dann höre ich das Quietschen der Türangeln, und ich weiß, dass einer von ihnen zurück ist. Trotz meiner Erschöpfung beginnt ein Pochen zwischen meinen Schenkeln, und in wenigen Sekunden bin ich nass und laufe aus wie eine überreife Frucht. Es scheint, dass ich nicht genug bekommen kann. Das ist wie eine Krankheit.

Ich öffne die Augen nicht, kann sie nicht öffnen, obwohl meine Ohren den Schritten folgen, die sich durchs Zimmer bewegen. Die Flip-Flops auf dem Steinboden. Wer ist es? Natürlich hoffe ich, dass er es ist. Wenig ist mir versagt worden, abgesehen von dem, was ich am meisten begehre – ihn. Ich will ihn wenigstens noch einmal für mich haben.

Eine Hand streicht über meine nackte Hüfte, lässt sie glühen. Ich versteife mich, dann schüttle ich mich vor Verlangen. Die andere Hand schiebt sich zwischen meine Beine und gleitet zwischen die Lippen meines Geschlechts.

Zwei Finger flutschen in mich hinein, und der Daumen verharrt auf der Klitoris, reibt darüber, reibt schneller, aber immer noch federleicht. Ich krümme den Rücken, als wollte ich seinen Daumen begrüßen. Schon jetzt fühle ich, wie sich der Orgasmus aufbaut.

Ich liege gestreckt auf dem Bett, der Kopf hängt über die Seite, und die Haare fegen den Boden. Ich komme mir wie ein Opfer vor. Ich scheine unfähig zu sein, irgendwas zu tun, ich kann nicht reagieren, kann mich nicht revanchieren, nehme nur entgegen, liefere mich ihm aus, überlasse mich seiner Kraft.

Dann schließt sich ein Mund um meinen Nippel, und Zähne nagen an meinem weichen Fleisch, bis ich überrascht und vor Freude aufschreie. Ich reiße die Augen auf und blinzle einige Male im Sonnenlicht des frühen Nachmittags, das durch die Vorhänge aus Gaze gefiltert wird.

Ich schaue ihm zu, wie er sich aufrichtet und sich auf die Fersen niederlässt. Er nimmt den Schaft in die Hand und scheint ihn mir als Geschenk anbieten zu wollen. Ich lächle ihn an, als er sich mir nähert, und erst jetzt kann ich reagieren; ich lange nach unten und öffne mich für ihn.

Plötzlich ist er in mir, und die Lust fließt durch mich wie die gewaltigste Droge, die man sich erträumen kann. Aber während mein Kopf von einer Seite zur anderen schlägt und ich vor Ekstase zu winseln beginne, sehe ich sie, wie sie bei der Tür steht und uns beobachtet, ein neugieriges Halblächeln im Gesicht. Ein Halblächeln des Triumphs. Und plötzlich begreife ich, und daran gibt es nichts zu zweifeln, dass ich ihn nie wieder für mich allein haben werde.

Sie streift das Bikinioberteil ab, dann zieht sie auch noch das Höschen aus. Sie reibt kurz über ihre Spalte, dann kommt sie auf uns zu, die Augen mit einem seltenen hellen Glanz und voller Gier.

Erstes Kapitel

Ich bin aufgewühlt, als wir uns Mumbai nähern. Der Pilot kündigt an, dass jeden Moment die Anschnallzeichen aufleuchten werden. Ich schaue aus dem Fenster und sehe zuerst nichts als mein Spiegelbild: das Gesicht zerknittert und die Haare vom Schlaf zerzaust. Ich lehne mich näher ans Fenster. Obwohl wir unserem Ziel noch nicht so nahe sein können, sehe ich glitzernde Lichter unter uns, und ich fühle, wie meine Aufregung steigt.

Ich wende mich meiner Begleitung zu, und einen Moment lang spüre ich Überraschung und auch ein wenig Enttäuschung. Ich hatte nicht geplant, meine Mutter mit in den Urlaub zu nehmen, aber als meine beste Freundin Katie kurzfristig absagte und Mum vorschlug, für sie einzuspringen, ist mir auf Anhieb keine Ausrede eingefallen.

Außerdem ist Indien nicht gerade eine Gegend, in der ein achtzehnjähriges Mädchen allein herumreisen will. Da sich keine anderen Kandidatinnen aufdrängten, blieb mir nur die Alternative, meine Mum zu akzeptieren oder die Reise ganz abzusagen. Die Reise, die ich schon so lange geplant hatte. Für die ich gespart und von der ich geträumt hatte. Nein, Indien absagen, das kam nicht in Frage.

Meine Mutter heißt Valerie, und sie ist ganz okay, ehrlich. Aber nicht meine ideale Reisebegleiterin. Sie hat ein ruhiges Leben geführt, jung geheiratet und eine Familie gegründet. Seither war sie die pflichtgetreue Ehefrau eines Landarztes und wich nur selten von der Seite meines Vaters. Sie erzog meine Brüder und mich und klagte nie über Selbstaufopferung. Vielleicht hat sie sich auch nie als Opfer gesehen. Vielleicht erwarten wir Mädchen heute eben mehr vom Leben.

Deshalb war es ein Schock für uns, als Mum und Dad sich trennten. Es gab keine lautstarken Auseinandersetzungen, keine Kämpfe, keine Szenen – nur eine Mitteilung, die scheinbar aus blauem Himmel über uns hereinbrach: Sie wollten ihre eigenen Wege gehen. Soviel ich weiß, hatten sie beide keine Affäre, und während des ganzen Scheidungsprozesses redeten sie ganz normal miteinander.

Es schien so, als hätten sie sich nur entliebt. Oder vielleicht waren sie auch eine zu lange Zeit nicht mehr verliebt. Und nun war ich, das jüngste Kind, drauf und dran, auch noch das Nest zu verlassen, und da sahen sie keinen Grund mehr zusammenzubleiben.

Mum ist nie viel gereist, abgesehen von unserem Jahresurlaub auf Teneriffa oder auf dem spanischen Festland. Und selbst wenn wir im Ausland waren, gab sie sich damit zufrieden, sich auf dem Liegestuhl am Pool in der Sonne braten zu lassen, in ihrer Hand der neueste Roman von Dick Francis.

Dad ist in den fünfundzwanzig Jahren ihrer Ehe mehrere Male zurück nach Indien geflogen, hauptsächlich, um seine Familie zu besuchen. Sie hat ihn nie begleitet, weil sie »keinen Bock drauf« hatte, wie sie sich ausdrückte. Deshalb war meine Überraschung umso größer, als sie anbot, mit mir nach Indien zu fliegen. Und jetzt sitzt sie neben mir.

Ich lächle sie an, vielleicht ein bisschen zu fröhlich. »Keine kalten Füße?«, frage ich.

Sie lacht. »Keine Chance. Und du?«

Ich schüttle den Kopf, dann schaue ich wieder aus dem Fenster.

Es wird spät, und Mum besteht darauf, auf dem Flughafen ein Taxi zu nehmen, das uns in die Innenstadt bringen soll. Sie will keinen dieser klapprigen Busse riskieren. Ich gebe nach und denke, dass ich noch viele Gelegenheiten haben werde, mich gegen sie durchzusetzen. Ich habe ein Hotel gebucht, das uns auf die harten Tage, die vor uns liegen, vorbereiten soll, das Aqua am Marine Drive.

Der Taxifahrer kennt das Hotel, aber wir kommen nicht ins Gespräch, weil der Fahrer das Radio lauter stellt und mitsingt. Er trifft die Töne nicht, und bald setzen bei mir schreckliche Kopfschmerzen ein.

Als wir die Hotelhalle betreten, bin ich mit meiner Wahl zufrieden. Aber als wir uns dem Empfangsschalter nähern und ich gerade den Mund öffnen will, spüre ich, wie jemand an meinem Ärmel zupft.

»Nadia, hier bleiben wir nicht«, sagt Mum, und ich drehe mich um und sehe, dass ihre Augen Gefahr sprühen. Sie meint es ernst. Ich werfe noch einen Blick in die Halle. Nicht schlecht, finde ich. Ein bisschen anstaltsmäßig vielleicht, als ob der Bau früher ein Krankenhaus gewesen wäre.

Die Möblierung ist nicht üppig, aber ich entdecke keine Schaben und anderes Getier – jedenfalls noch nicht. Für den Preis ist das Hotel mehr als akzeptabel. Außerdem bleiben wir nur zwei oder drei Nächte, bis wir unsere Reiseroute endgültig festgelegt haben.

Bevor ich meinen Standpunkt klarmachen kann, hat Mum sich auf dem Absatz herumgedreht und verschwindet durch die Eingangstür.

Ich renne ihr hinterher und verfluche Katie und ihr dummes Drüsenfieber. So hatte ich das alles nicht geplant. Ich hole Mum gerade ein, als sie vom Bürgersteig auf die Straße tritt und ein Taxi heranwinkt.

Zweites Kapitel

Ich hätte im Hotel nachfragen sollen, bevor ich das verdammte Taxi anhielt. Dann hätte ich erfahren, dass es innerhalb weniger Gehminuten vom schrecklichen Hotel Aqua mehrere Fünf-Sterne-Hotels gibt. So komme ich mir ein bisschen albern vor, dass ich hier ins Taxi hüpfe und da schon wieder aussteigen muss, während der Fahrer lacht und mich wahrscheinlich für geistig verwirrt hält.

Ich habe Ärger mit meiner Tochter. Mir ist natürlich bewusst, dass dies ihre Reise ist und ich lediglich die Begleiterin bin, vielleicht auch das Kindermädchen oder die Leibwächterin, aber manchmal geht sie in ihrem Eigensinn zu weit. Niemals wäre ich in dieser Jauchegrube von Hotel abgestiegen, das sie für uns ausgesucht hat. Wahrscheinlich hat sie es irgendwo im Internet aufgetrieben.

Wir landen schließlich zehn Häuser vom Aqua entfernt im Intercontinental, was schon eher mein Stil ist, auch wenn die Preise einem die Luft abschneiden könnten. Aber Ravi war mehr als großzügig, als es um die Konditionen der Scheidung ging, und wenn ich das Hotelzimmer mit der Kreditkarte zahle, brauche ich eine Weile nicht darüber nachzudenken. Schließlich ist es eine lange Reise, und eine Nacht in einem bequemen Bett würde mir gut tun.

Aber vorher ist noch Zeit für einen Schlummertrunk. Nadia und ich überlassen es dem Personal, unser Gepäck aufs Zimmer zu bringen, und steuern sofort auf die Wodka-Lounge zu, wo ich ihr einen Cocktail spendieren will – alles, um die Falten auf ihrer Stirn zu glätten. Doch ich sehe, dass ihre Stimmung noch tiefer sinkt, als wir die Hotelbar betreten.

Sie ist ein schwieriges Mädchen, sie mag abgefahrene Musik und indische Filme und weiß der Teufel was sonst noch. Und die Barmusik ist überhaupt nicht ihr Ding. Es wundert mich also nicht, dass sie über starke Kopfschmerzen klagt und der lauten Musik im Taxi die Schuld gibt. Nach ein paar Minuten zieht sie sich aufs Zimmer zurück.

Ich lasse mich auf einen der weichen Sitze nieder und schaue mich um. Neben den gut aussehenden Kellnern in ihren schmucken Uniformen sehe ich nur eine Hand voll Gäste. Zwei weiße Paare, die über hohen geeisten Gläsern und kleinen Schüsseln mit Knabbereien sitzen, sowie ein einzelner Mann, der sich hinter einer Zeitung versteckt. Mir fallen seine frisch polierten Schuhe auf und das goldene Glitzern an seinen Fingern. Ich tippe, dass er ein Geschäftsmann ohne Begleitung ist.

Plötzlich neigt sich mir ein Kellner zu und fragt, was ich trinken möchte, und ich sage lächelnd, dass ich gern einem Martini die Luft aus dem Glas lassen würde. Es fühlt sich seltsam an, hier allein in der Bar zu sitzen. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, dass ich so etwas getan habe. Aber es ist ein gutes Gefühl. In meinen Venen zischt etwas, und in meinem Kopf brummt es angenehm. Ich glaube, ich werde eine Weile hier bleiben.

Mein Getränk trifft ein, und während ich daran nippe und spüre, wie mich der Alkohol entspannt, muss ich an Ravi denken und daran, wie überrascht, vielleicht sogar geschockt er wäre, wenn er mich hier sehen würde. Ich frage mich, was er gerade macht. Wahrscheinlich ist er noch nicht lange von der Arbeit zu Hause – als Chirurg in der Notaufnahme hat er immer viele Stunden arbeiten müssen. Vielleicht schaltet er gerade bei einem Glas Whisky ab, was oft der Fall war, während er darauf wartete, dass ich das Essen servierte.

Heute Abend werde ich kein Essen servieren. Ich bin auf der anderen Seite der Welt und nicht mehr seine Ehefrau. Das war so lange meine Rolle, mein raison d’être. Ich kriege es nicht so schnell in meinen Kopf rein, dass ich nicht mehr Ravis Frau bin. Dass ich niemandes Ehefrau bin. Ich war es, die aus dieser Rolle rauswollte, aber das bedeutet nicht, dass ich sie nicht vermisse. Die Sicherheit, die sie einem gibt, das Etikett, das einem anhaftet, auch wenn es kein aufregendes Etikett war.

Ich habe mir den zweiten Martini vorgeknöpft und bin mehr als nur angeheitert – ich weiß, dass ich ziemlich betrunken bin, denn ich hebe mein Glas und spreche einen stummen Toast auf Ravi und unsere fünfundzwanzigjährige Ehe aus.

In diesem Moment faltet der Mann seine Zeitung, steckt sie unter den Arm, erhebt sich und kommt auf mich zu. Seine Augen sind auf mich gerichtet, und eine Sekunde lang lässt mich sein direkter Blick glauben, dass ich ihn kennen muss. Ich studiere sein Pfeffer-und-Salz-Haar, kurz geschnitten, und seine blassblauen Augen, dann beschließe ich, dass ich ihn nicht kenne, ihn aber gern kennen würde.

Er sieht das offenbar genauso, denn er bleibt vor mir stehen und streckt einen Arm auf den Sitz neben meinem aus. »Haben Sie was dagegen?«, fragt er, und ich höre New York in seiner Stimme, obwohl ich nicht viel gereist bin. Meine bescheidenen Kenntnisse, was Dialekte angeht, habe ich von den Fernsehshows.

»Nein, überhaupt nicht, bitte sehr.« Meine Stimme klingt selbstsicher, doch das hat nichts mit mir zu tun, sondern mit dem Alkohol. Es ist lange her, dass ein Mann sich für mich interessiert hat, und obwohl ich nicht sagen kann, dass es mir nicht gefällt, habe ich vergessen, wie so ein Geplänkel abläuft. Ich fühle mich wieder wie ein Schulmädchen.

»Charles«, sagt er und streckt seine Hand aus. Ich schüttle sie. Sein Griff ist fest und gebieterisch. Der Händedruck verrät den Mann, der weiß, was er will. In diesem Moment, so sieht es aus, könnte ich es sein, die er haben will. Tief in mir spüre ich ein heftiges Pochen.

Er ist zweifellos attraktiv; man könnte ihn liebenswürdig und charmant nennen. Seine Kleidung sieht elegant aus, und er duftet nach irgendwas Exotischem, schwach würzig und sehr männlich. Was aber am meisten meine Beachtung findet, ist seine Haut. Für einen Mann, der Mitte fünfzig sein muss, scheint sie noch sehr elastisch zu sein. Ich würde es nicht beschwören, aber ich glaube, dass ihm Gesichtsmassagen nicht fremd sind.

»Ich bin Valerie«, bringe ich schließlich heraus.

»Ah, eine Britin«, sagt er. »Und was bringt Sie nach Mumbai, Valerie?«

»Ich wollte einen Tapetenwechsel«, antworte ich. Ich weiß nicht, warum ich ihm nicht sage, dass ich mit meiner Tochter unterwegs bin, aber mir gefällt es, ein bisschen geheimnisvoll zu tun.

Das scheint zu funktionieren, denn ein Licht kommt in diese durchdringenden blauen Augen. »Tapetenwechsel«, sagt er mit einem trockenen Lächeln. »Und in welchem Gewerbe arbeiten Sie, Val? Haben Sie was dagegen, wenn ich Sie Val nenne?«

Ich schüttle entschieden den Kopf. Tatsache ist, dass ich die Abkürzung Val immer gehasst habe, aber ich will die Vertrautheit nicht zerstören, die dieser Mann aufbauen will. Wie ich schon sagte, es ist lange her, dass mich ein Mann beachtet hat, und das will ich nicht aufs Spiel setzen.

»Ich mache in Mode«, sage ich und schaue mich cool in der Bar um, als ob es mich langweilte, über meinen Job zu reden. Natürlich habe ich leichte Schuldgefühle, auch weil ich meine Familie verleugne. Dabei schäme ich mich nicht, dass ich mehr als zwei Dekaden Hausfrau war. Es ist nur so, dass der Begriff »Hausfrau« wohl nicht geeignet ist, Charles’ Feuer lodern zu lassen. »Designer« – ja, »geschiedene Frau« auch noch, weil dieser Begriff die Erfahrung anklingen lässt. Aber »Hausfrau« – nein.

»Was meinen Sie«, sagt er und wirft einen Blick auf seine Uhr – Rolex, stelle ich fest. »Oben gibt es eine schönere Bar, wenn Sie noch einen Drink möchten.« Ich muss ein wenig zweifelnd gewirkt haben, denn er fügt rasch hinzu: »Wenn Sie nicht zu müde sind.«

»Nein, nein«, sage ich schnell. »Aber ich möchte mich erst auf meinem Zimmer etwas frisch machen. Ist das okay?«

»Ja, sicher.« Er lächelt. »Treffen wir uns in fünfzehn Minuten?«

»Fein.« Ich gehe zum Lift, und während ich auf ihn warte, gehe ich meine Wäschestücke durch, die ich mitgebracht habe. Ich gerate in Panik, weil ich nicht weiß, ob ich für eine solche Situation etwas eingepackt habe. Das Höschen, das ich trage, ist klatschnass.

Drittes Kapitel

Ich will gerade eindösen, da höre ich die Karte, die in den Schlitz gesteckt wird, und dann öffnet sich die Tür. Mum geht auf den Zehenspitzen, und ich rühre mich nicht. Obwohl ein Teil von mir dankbar ist für das gute Bett und die kräftige Klimaanlage nach dem langen Flug von London, bin ich noch sauer auf sie, dass sie das Hotel Aqua so schnöde abgelehnt hat. Wenn sie das schon für unter ihrem Niveau hält, dann wird sie einen Schock erleben, wenn sie einige der Unterkünfte sieht, die ich in meinem Exemplar von Lonely Planet angekreuzt habe.

Sie hat die Bedingung akzeptiert, dass dies meine Reise ist, aber schon am Ende des ersten Tages gilt das nicht mehr, und sie bestimmt, wo es langgeht. Vielleicht glaubt sie, dass es mich nicht stört, wenn es ihr Geld ist, das sie verschleudert. Aber es stört mich. Ich bin schließlich Halbinderin, und ich bin hier, um das wirkliche Indien zu sehen, nicht die Touristenversion.

In der schalldichten Stille des Zimmers hört es sich fast so an, als keuchte sie, und ich frage mich, ob sie gelaufen ist und, wenn ja, warum? Ich lausche weiter, halte meinen Atem an und höre, wie sie murmelt: »Verdammt … Dachte ich’s mir doch … Nun gut, das muss genügen.«

Ich ächze wie im Schlaf, drehe mich auf die Seite und öffne ein Auge. Mum liegt auf Händen und Füßen auf dem Boden und bückt sich über ihren Koffer. Sie hält etwas hoch, was sie inspiziert. Es ist ein BH, erkenne ich, als ich auch das andere Auge öffne, damit ich besser sehen kann. Dann sehe ich, wie sie sich aufrichtet, Hose und Pulli abstreift und danach die Unterwäsche. Sie zieht frische Wäsche an, und ich runzle die Stirn. Warum wechselt sie die Wäsche und zieht nicht ihr Nachthemd an? Was hat sie vor?

Im Halbdunkel tritt sie vor den hohen Spiegel und betrachtet sich in der Unterwäsche. Sie drückte eine Hand auf den Bauch und verzieht das Gesicht. Ich fühle mich nicht wohl, dass ich sie heimlich beobachte, und dann bin ich auch ein wenig traurig, weil ihr Körper ihr ein bisschen peinlich ist. Dabei hat sie noch einen wirklich guten Körper.

Sie hat nie viel aus sich gemacht, und die Kleider, die sie getragen hat, ließen sie älter und formloser aussehen, als sie war. Aber für eine fünfundvierzigjährige Frau hat sie sich verdammt gut gehalten. Sie braucht eine schnittigere Frisur und mehr taillierte Kleider. Ein paar Stunden Pilates würden ihr helfen.

Aber höre doch, wer da redet! Ich trage Kombathosen und Männerstiefel und laufe wahrlich nicht als Krönung des weiblichen Chics herum!

Sie drückt die Haare fest an den Kopf und zieht einen Schmollmund, bevor sie verschiedene Arten des Lächelns übt. Für wen strengt sie sich so an? Das hätte ich gern gewusst. Ich wünschte, sie würde mit dem Unsinn aufhören und ins Bett kommen.

Ich will mich aufsetzen und ihr das sagen, als sie sich zu einer Entscheidung durchgerungen hat. Sie drehte sich um und zieht ein Kleid aus dem Koffer, ein Blümchenkleid, das sie kurz vor der Reise bei Marks & Spencer gekauft hat. Sie schlüpft hinein. Dann zieht sie ihre Sandalen an, greift nach der Zimmerkarte, zieht die Tür auf, und bevor ich etwas sagen kann, ist sie verschwunden.

Ich setze mich auf und starre auf die Tür. Wohin in Gottes Namen ist sie gegangen? Um diese Uhrzeit und in einer Stadt, in der sie keine Seele kennt? Ich ringe mit mir, ob ich ihr nachlaufen soll, aber dann sage ich mir, dass sie eine Frau Mitte vierzig ist und dass sie keine Tochter braucht, die auf sie aufpasst. Aber plötzlich bin ich hellwach, und ich bezweifle, ob ich schlafen kann, bevor ich nicht weiß, dass sie zurück ist und anständig zugedeckt im Bett liegt.

Viertes Kapitel

Ich bleibe in der Tür zur Bar stehen und bin sicher, dass er sehen kann, wie meine Hände zittern, wie mein Puls in meiner Kehle pocht. Der Alkohol verliert allmählich seine Wirkung, und ich wünschte, ich hätte noch etwas aus der Minibar stibitzt, bevor ich das Zimmer verließ, dann hätte ich meine Nerven beruhigen können. Aber ich hatte Nadia nicht stören wollen, und ich wollte auch nicht, dass sie von meinen Absichten erfuhr.

Vielleicht hätte ich ihr einen Zettel schreiben sollen – sie wird sich Sorgen machen, wenn sie aufwacht und ich nicht da bin. Aber wenn ich jetzt noch einmal zurückgehe, wird meine Angst so groß sein, dass ich im Zimmer bleibe.

Charles dreht sich auf seinem Barhocker um und schaut erwartungsvoll zur Tür. Er hebt grüßend eine Hand. Ich gehe auf ihn zu, so langsam ich kann, und ziehe meinen Bauch ein. Wenn ich meinen ganzen Kleiderschrank hier hätte, könnte ich was tragen, was mir mehr schmeichelte als dieses luftige Sommerkleid, aber ich habe nichts für Abende in zauberhaften Bars eingepackt. Und dies ist eine zauberhafte Bar mit einer erstaunlichen Glaskuppel. Ich komme mir wie im Film vor.

Charles steht auf, um mich zu begrüßen, eine Zigarre im Mundwinkel.

»Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat«, sage ich und zucke zusammen, als ich mir vorstelle, in BH und Höschen vor dem Spiegel zu stehen. Da gäbe es eine Menge überflüssiges Fleisch zu sehen. Dass ich in fünfundzwanzig Jahren meinen Partner nicht gewechselt habe, sieht man mir an, finde ich, als ich mein Spiegelbild betrachte. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Ravi war versessen auf sein cremiges Curry gewesen, und so hatten sich im Laufe der Jahre die Pfunde angesammelt.

Aber ich zwinge mich dazu, nicht an diese Dinge zu denken, und erwidere Charles’ offenen Blick. Der Mann ist an mir interessiert. Oder er benutzt mich, um die Zeit totzuschlagen. Oder er will etwas gegen seine Einsamkeit unternehmen, selbst wenn es nur etwas für eine Stunde ist oder zwei.

Irgendwie bezweifle ich das. Ich mag ein Vierteljahrhundert aus dem Verkehr gezogen gewesen sein, aber ich erinnere mich an den Blick in Männeraugen, wenn sie einen begehren. Vor Ravi hatte es viele Männer gegeben, die mich haben wollten. Einige habe ich auch gewollt, aber dann hatte Ravi mein Herz gestohlen, und meine Tage der sexuellen Eroberungen waren vorbei – bis heute, vielleicht.

Ich erwidere Charles’ Blick. Die Erinnerungen an meine Teenagererlebnisse haben meine Nervosität verfliegen lassen, und plötzlich fühle ich mich schamlos. Ich will keinen Drink. Ich will meine Gefühle nicht mit Alkohol dämpfen. Das Höschen, das ich eben erst angezogen habe, ist bereits klamm, und meine Pussy pocht und schlägt wie ein kleines Herz. Das habe ich lange nicht mehr erlebt. Ich kann mich kaum zurückhalten.

»Was soll’s denn sein?«, fragt Charles und sieht mich weiter an. Ich sehe ein leichtes ironisches Lächeln um seine Lippen, als wüsste er genau, was sich in meinem Höschen abspielt. Es liegt mir auf der Zunge, ihm zu sagen, er sollte den Drink vergessen. Ich will ihm sagen, dass wir Erwachsene sind und diese ganze Scharade nicht brauchen, aber er wendet sich schon an den Barkeeper und bestellt einen weiteren Whisky Sour für sich.

»Und für meine Begleiterin …«

»Ich nehme noch einen Martini«, sage ich und sehe mich nach einer intimen Ecke um, in der wir uns ein wenig näher kommen könnten.

»Wie ist es mit draußen?«, schlägt er vor. Ich nicke und lasse ihn vorgehen, und er führt mich hinaus zur Freiluftterrasse mit einem herrlichen Blick über den Ozean. Ein Blick, der einem das Herz stillstehen lässt.

»Wow«, entweicht es mir, aber dann fällt mir ein, dass ich eine welterfahrene Modedesignerin bin. »Ist dieser Tisch okay für Sie?«, frage ich und täusche blasiertes Desinteresse vor.

Er nickt und setzt sich auf eines der weißen Sofas. Er klopft auf den Platz neben seinem. Ein Kellner bringt uns die Getränke auf einem Tablett. Wir sagen nichts, während er die Untersetzer auf den Tisch legt und die Gläser darauf stellt. In der Mitte des Tischs finden die Knabbereien ihren Platz.

Die ganze Zeit ist mir bewusst, dass Charles mich unentwegt anstarrt. Ich schaue hinaus aufs Meer, als ob ich in meine eigenen Gedanken versunken wäre, völlig blind für diesen attraktiven Amerikaner.

»Prost«, sagt er schließlich, und ich beuge mich vor, greife mein Glas und hebe es. Wir trinken, sehen uns weiter an, und Charles setzt sich zurück und sieht mich an, Bewunderung in den Augen.

»Sie sind also im Modegeschäft, sagen Sie?«

Ich nicke und will gleich das Thema wechseln.

»Software«, sagt er. »Die Inder geben den Ton auf diesem Gebiet an, deshalb habe ich mich entschlossen, mich an ihre Rockschöße zu hängen. Vor ein paar Jahren habe ich mein eigenes Geschäft gegründet, nachdem ich vorher bei Microsoft gearbeitet habe.«

Ich nicke wieder, aber er muss mir ansehen, dass ich nicht interessiert bin. Der Martini macht mich wirr im Kopf, und mir fällt gerade ein, dass ich auch noch die Auswirkungen der Zeitumstellung verkraften muss. Wenn ich nicht schnell reagiere, werde ich hier umkippen, bevor wir sein Zimmer erreicht haben. Ich beuge mich vor, wodurch ich Charles einen tiefen Blick in meinen Ausschnitt gewähre. Ich nehme die Olive aus meinem Glas und lecke sie mit der Zunge trocken, wobei ich Charles tief in die Augen sehe.

Das genügt schon. Einen Moment später fühle ich seinen Fuß unter dem Tisch an meiner Wade. Er hat seinen Schuh ausgezogen. Sein Fuß steigt höher und ist so weich, dass er Socken aus Kaschmir tragen muss.

Ich halte den Atem an, als der Fuß über meine nackte Haut tourt, vom Knie zu den Innenschenkeln. Dann drückt er ihn gegen meine Pussy, und dabei keucht er laut auf – offenbar muss er gefühlt haben, wie nass und bereit ich für ihn bin. Ich gerate in Verzückung, liege flach auf dem Sofa und stöhne verhalten, als er seinen Fuß hin- und herschiebt und dann die Zehen krümmt, mit denen er den Stoff des Höschens zurückzieht.

Wild schaue ich mich um und hoffe, dass uns niemand sehen kann, aber wir sind allein auf der Terrasse, und eine frische Brise kommt vom Ozean und kühlt uns ab.

Charles beugte sich jetzt vor und greift unter meinen Rock. Er zieht sein Bein zurück und ersetzt den Fuß durch seine Hand. Mit Daumen und Zeigefinger zieht er die Falten meiner Pussy auseinander wie Schmetterlingsflügel, dann stößt er die restlichen drei Finger in mich hinein. Er lässt ein Stöhnen hören, als ich mich weiter für ihn öffne. Ich schlucke seine Finger, als ob meine Pussy ein Mund wäre. Es ist schon lange her, dass ich etwas so sehr wünschte, und ich fürchte fast, dass ich vor lauter Verlangen noch verrückt werde.

Charles blickt auf und überprüft, ob wir noch allein sind. Er stöhnt und sägt mit der Hand bei mir ein und aus. Ich kann schon die Ankündigung eines Orgasmus spüren; er steigt wie das Wasser. Ich werfe den Kopf in den Nacken, und Charles beugt sich vor und bedeckt meinen entblößten Hals mit Küssen. Dafür bin ich ihm dankbar. Überwältigt von meinem Heißhunger habe ich solche Nettigkeiten vergessen. Den Akt auszuführen, ohne vorher Zärtlichkeiten auszutauschen, hätte ein billiges Gefühl hinterlassen, und vielleicht hätte man sich nachher auch ein bisschen schmutzig gefühlt.

Ich greife mit einer Hand an seine Schulter, hebe den Kopf, um seinen Mund zu küssen. Er lehnt sich ein wenig zurück, und ich schaue zu, wie er den Reißverschluss seiner Hose öffnet und sich zeigt. Jetzt zupft er an seinem Penis, die Augen halb geschlossen, und mehrere Stöhnlaute dringen über seine Lippen. Der Rhythmus der linken Hand folgt der rechten, die noch in mir zugange ist.

Dies ist der Moment, in dem wir beide an unser Ziel gelangen. Mein Orgasmus überflutet und verschlingt mich, und er erhöht das Tempo. Durch die Zuckungen in mir fühle ich sein warmes Gelee auf meinen Schenkeln und meiner Pussy. Dann fällt er auf mich und lacht ein bisschen. Ich lache auch. Er schaut in mein Gesicht und sagt: »Sollen wir nicht irgendwohin gehen, wo es privater zugeht?«

Wir sind in seinem Zimmer – natürlich in seinem, denn zu mir können wir nicht gehen. Im Lift habe ich mich entschieden, ihm zu gestehen, dass ich mit meiner Tochter reise. Ich habe das Zimmer nur für eine Nacht gebucht, aber wenn wir ein bisschen länger bleiben und Charles auch, dann würde er irgendwann über Nadia stolpern.

Er sagt nicht viel, bemerkt aber, dass ich mich glücklich schätzen kann, eine so gute Beziehung zu meiner Tochter zu haben. Er gibt zu, dass er seine eigene Tochter kaum sieht, aber ich ahne, dass damit das Thema für ihn abgeschlossen ist.

Es passt, dass sich gerade die Lifttüren öffnen. Dadurch bleiben ihm meine forschenden Fragen erspart, die ich ihm gern gestellt hätte. Aber dann hat er schon seine Karte in den Schlitz seiner Tür gesteckt und drückt die Tür auf. Er tritt zur Seite und lädt mich mit feiner Geste ein, vor ihm das Zimmer zu betreten.

»Was für ein feiner Herr«, sage ich mit einem Lächeln, dann schaue ich mich um. Er bewohnt eine Ecksuite, neben der unser Zimmer ein bisschen bescheiden aussieht. Hier ist es nicht nur luxuriöser als bei uns, sondern durch die Ecke hat er auch sensationelle Aussichten auf das Meer. Aber offenbar hat Charles nicht viel Zeit, den Blick hinaus zu genießen, denn auf seinem Marmorschreibtisch steht ein Laptop, und im Aschenbecher daneben liegt eine halb gerauchte Zigarre.

Zum Glück bemerkt Charles nicht, wie beeindruckt ich bin. Er geht hinüber zum Sideboard, um mir ein Glas einzuschenken. Er reicht mir einen Gin Tonic.

»Bad?«, fragt er. Ich nicke lächelnd, dann lädt er mich ein, neben ihm Platz zu nehmen, und ruft seinen Butler.

Zehn Minuten später ist das Wasser eingelassen, der Butler ist gegangen, mein G & T getrunken, und Charles führt mich ins Bad. Überall schwarzer Marmor mit cremefarbenen Streifen. Eine tiefe Wanne wartet auf mich, und auf der Oberfläche schwimmen Rosenblätter.

Am liebsten hätte ich laut gelacht. Noch vor ein paar Stunden hat meine Tochter versucht, mich in eine schmuddelige Herberge zu verfrachten, und jetzt finde ich mich in der Badewanne einer todschicken Suite in der Begleitung eines Mannes wieder, der so besinnungslos reich ist, dass mir ganz schwindlig wird.

Charles steht hinter mir, tätschelt meinen Nacken und nagt verspielt an meiner Haut, als er mir das Sommerkleid von den Schultern streift. Ich drehe mich um, schlinge meine Arme um seinen Nacken und ziehe sein Gesicht zu meinem herunter. Sofort sind seine Hände auf meinen Brüsten; er hält sie und befühlt sie. Zuerst ist er ganz sanft, dann fühle ich, wie seine Gier steigt, und er drückt seinen Schoß gegen meinen und intensiviert seine Griffe. Mit den Daumen bearbeitet er die Knospen, drückt und zwickt und streichelt.

Ich dränge mich gegen ihn, reibe meine Pussy gegen die Beule in seiner Hose und greife mit beiden Händen in seine Backen, sodass ich ihn noch fester an mich heranziehen kann. Es ist schon so lange her, dass ich eine derartige Hitze gespürt habe, so eine kribbelnde Not.

Er lässt sich auf die Knie nieder und schiebt mein Höschen über meine Hüften, ehe er sein Gesicht gegen meine Pussy reibt. Ich sitze auf dem Wannenrand und muss mich festhalten; ich öffne mich für ihn. Einen Moment lang leckt seine Zunge meine Klitoris, dann umfängt er meine Hüften mit den Händen und schießt seine Zunge tief in mich hinein. Ich stoße einen lauten Lustschrei aus, und mein ganzer Körper wird starr vor Schreck. Ich blicke nach unten und sehe, dass meine Knöchel auf dem Wannenrand weiß geworden sind, so verkrampft habe ich mich festgehalten.

Charles hat noch andere Pläne für mich. Er löst seinen Mund von mir, dreht mich herum und beugt mich über die Badewanne, sodass ich jetzt auch auf den Knien liege. Er spreizt meine Backen mit seinen kräftigen Händen. Einen Moment lang spüre ich die Eichel der Erektion, die mich an der hinteren Passage anstupst, aber dann rutscht sie weiter, teilt die Pussylippen und stößt gegen die Klitoris.

Ich wende den Kopf zur Seite. Am Ende der Badewanne gibt es einen riesigen Spiegel vom Boden bis zur Decke, in dem man unsere Spiele in Technicolor verfolgen kann. Mein Instinkt sagt mir, ich soll das Gesicht verziehen, eine Grimasse schneiden und mich fragen: Was glaubst du, was du da tust, Valerie Kumar? Aber dann sehe ich den Glanz in meinen Augen, das gesunde Rosa und den Schimmer auf meiner Haut und das offene »O« meines Mundes, als ich mich darauf vorbereite, Charles in mich aufzunehmen, und dann denke ich noch, dass ich seit Jahren nicht mehr so jung und voller Leben ausgesehen habe.

Plötzlich, als könnte er einen längeren Aufschub nicht aushalten, treibt er in mich hinein und schreit dabei auf, als ob er jede Minute wieder kommen würde.

Ich schließe die Augen und fühle, wie meine Hände hilflos ins Wasser greifen, als hoffte ich, mich da festzuhalten, aber ich finde natürlich keinen Anker, sondern eine Hand voll Rosenblätter, blutrot und samten.

Charles langt mit einer Hand um mich herum und schüttelt meine Klitoris mit einem sicheren Finger, und er hört nicht auf damit, auch nachdem ich ihn darum bitte, denn ich fürchte, dass der Orgasmus, der sich in mir aufbaut, mich in Stücke reißt. Mich überrascht, dass ich tatsächlich noch die Geistesgegenwart habe, als mich die Wellen überschwemmen, zwischen meine Beine zu greifen und seine Bälle fest zu drücken, und damit beschere ich ihm einen Höhepunkt, der meinem nicht nachsteht in seiner umwerfenden Kraft.

Eine Weile liegen wir beide nebeneinander über dem Wannenrand. Unsere Hände ziehen durchs Wasser, seine auf meinen. In meinen Ohren höre ich laut seinen Atem, dessen Hitze ich im Nacken spüre. Seine Brusthaare fühlen sich seltsam angenehm auf meinem Rücken an.

Einen Moment lang muss ich schuldbewusst wieder an Ravi denken und frage mich erneut, was er wohl jetzt tut. Aber dann zwinge ich ihn aus meinen Gedanken: Ich habe seit Jahren oder gar seit Jahrzehnten nicht mehr so schön und so wild empfunden, und das hat auch mit Ravis Unzulänglichkeiten zu tun. In dieser unglaublichen Nacht lasse ich nicht zu, dass er sich mir aufdrängt. Und wer weiß, was noch alles geschehen wird.

Als Charles sich schließlich rührt und dann aufsteht, hebt er mich hoch in seine Arme – ein bisschen wie die Braut, die man über die Schwelle trägt, denke ich – und lässt mich behutsam ins Wasser sinken. Er fragt mich, ob ich einen Drink möchte, und ich sage, dass ich gern noch einen G & T hätte. Dann lege ich mich zurück und schaue an meinen Körper hinab, verwundert über die Lust, die er mir nach all der Zeit erlaubt hat.

Fünftes Kapitel

Ich werde wach, und es ist ein Schock, als ich sehe, dass Mum nicht in ihrem Bett geschlafen hat. Ich setze mich auf. Panik steigt hoch, aber dann fällt mir ihr Verhalten gestern Abend ein, und ich weiß, dass es albern wäre, sie an der Rezeption als vermisst zu melden. Sie ist irgendwo im Hotel, sage ich mir. Ich hoffe nur, dass sie weiß, was sie tut. Schließlich ist sie keine erfahrene Frau.

Ich habe lange geschlafen, und weil ich Mums Rückkehr nicht verpassen will, bestelle ich mir ein üppiges Frühstück beim Zimmerservice. Sie kann die Rechnung übernehmen nach allem, was sie mir bisher schon angetan hat. Lässt mich die erste Nacht allein und hinterlässt mir nicht mal einen Zettel, um mich wissen zu lassen, wo sie sich aufhält und wann sie zurück sein wird. Wenn ich gestern Abend nicht ihr Spielchen mit der Unterwäsche mit angesehen hätte, wäre ich wirklich besorgt, aber so habe ich eine gewisse Ahnung, was sie treibt.

Noch bevor mein Frühstück eintrifft, bade ich und ziehe mich an. Ich denke darüber nach, was der Tag bringen wird. Es ist nicht geplant, dass wir lange in Mumbai bleiben, eine Nacht oder zwei, während wir unsere nächsten Ziele absprechen. Deshalb wäre es gescheit, wenn Mum und ich uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt ansehen – falls sie überhaupt fit ist, wenn sie auftaucht.

Ich habe so viel über diese ungewöhnliche Stadt gehört und gelesen, die Designergeschäfte in den Einkaufszentren, die chaotischen Basare, die Stände, die am Chowpatty-Strand bhelpuri verkaufen, die Käfige im Rotlichtbezirk, die roten Doppeldeckerbusse, die immer in den berüchtigten Verkehrsstaus stecken bleiben.

Während des Frühstücks und nach einigen Tassen starken Kaffees schlage ich mein Notizbuch auf, das ich eigens für diese Reise vorbereitet habe. Darin stehen Listen von Dingen, die ich sehen und tun will, aufgeteilt nach Städten oder Regionen. Die Vorbereitung hat viel Zeit und Energie gekostet, weil ich immer befürchtete, ich könnte wichtige Dinge verpassen und es später bereuen.

Ich nehme einen Kuli vom Schreibtisch und versehe die Dinge, denen ich eine Priorität gebe, mit einem Stern. Dann bleiben die zweitrangigen Ziele übrig, die an der Reihe sind, falls mir noch Zeit bleibt. Ich denke nicht daran, was Mum gern tun würde; wenn es ihr nicht passt, kann sie ja auf eigene Faust etwas unternehmen. Mich erstaunt ihre Rücksichtslosigkeit jetzt schon.

Ich kaue auf dem Ende des Kulis und denke einen Augenblick über diesen Satz nach. Vielleicht sollte ich ihr gegenüber ein wenig großherziger sein, wenn ich bedenke, welche Opfer sie all die Jahre für uns gebracht hat. Sie hat es verdient, mal aus sich herauszugehen, da sie jetzt die Möglichkeit dazu hat. Aber selbst während ich mir das einzureden versuche, wird mir ganz anders. Wenn ich mir so ein Ding geleistet hätte, wäre sie fuchsteufelswild auf mich gewesen.

Und ich hätte mich niemals auf diese Weise verdrückt, ohne sie wissen zu lassen, wo ich bin, denn ich weiß, dass sie sich in einer fremden Stadt verloren fühlen würde. Sie kennt das Land nicht, und sie befindet sich unter lauter Fremden.

Ich stehe auf, stecke mein Notizbuch in meinen kleinen Lederrucksack – ein Geschenk von Dad – und gehe aus dem Zimmer. Wenn Mum glaubt, dass ich noch weitere Zeit meiner kostbaren Reise, auf die ich so lange hingearbeitet habe, hier verschwenden werde, um auf sie zu warten, hat sie sich geschnitten.

Innerhalb von fünf Minuten bin ich gefangen im dichtesten Verkehr von Mumbai, entsetzt, aber aufgeregt. Ich sitze in einer Rikscha, die ich auf dem Marine Drive angehalten habe, und wundere mich über alte Londoner Busse, die um die Ecke ächzen, so überladen, dass die untersten Trittbretter fast über den Boden schleifen.

Die Fahrgäste scheint das nicht zu kümmern; sie halten sich irgendwo fest und lesen weiter in ihrer Zeitung. Autos und kunstvoll dekorierte Trucks lassen ihre Hupen erklingen, aber das hilft nicht und trägt zu einer erbarmungslosen Kakophonie bei, während Motorroller und Fahrräder dazwischenpreschen – viele von ihnen haben nicht einen Mitfahrer, sondern zwei, drei oder vier: Mum, Dad und ein paar Kinder.

Nach einiger Zeit erkenne ich, wie sinnlos es ist, bewegungslos in der Rikscha zu sitzen. Ich zahle den Fahrer und lege ein Trinkgeld drauf, und der Ausdruck auf seinem Gesicht sagt mir, dass es viel zu hoch ist. Ich gehe die kurze Entfernung zum Gateway of India zu Fuß.

Das koloniale Wahrzeichen der Stadt ist von einer sich träge bewegenden Menschenmasse umgeben, als ob es nur für die Kameratouristen erbaut worden wäre. Schlangenbeschwörer, Luftballonverkäufer und aufdringliche Schlepper aller Sorten, sie alle bestimmen die Atmosphäre eines Basars. Ich nehme ein paar Fotos mit meiner neuen Digitalkamera auf – auch ein Geschenk von Dad – und schlendere dann hinauf zum Chhatrapati-Shivaji-Maharaj-Museum, einem herrlichen Kuppelbau mit britisch-gotischen Ergänzungen. Ein paar Stunden verliere ich mich da, unter all den jahrhundertealten Statuen orientalischer Götter, den exquisiten Miniaturgemälden, wovon viele erotischer Natur sind, und den erstaunlichen dekorativen Objekten aus Jade, Elfenbein und anderen wertvollen Materialien, von Dolchen bis zu Schmuckkästchen.

Später wandere ich hinauf zum Chhatrapati Shivaji Terminus, einem weiteren gotischen Gebäude, das eher an eine Kirche oder einen Palast erinnert und nicht an einen Bahnhof.

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