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In den Armen des Prinzen

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1. KAPITEL

„Suchen Sie vielleicht zufällig gerade eine Geliebte?“, begann Kiley Hendrik vorsichtig, als ihr Chef aus seinem Büro trat.

Prinz Rafiq von Lucia-Serrat sah seine Sekretärin entgeistert an. Was hatte sie überhaupt hier zu suchen? Er vermutete sie eigentlich auf Hawaii, um ihre Flitterwochen zu genießen. „Äh – soll das etwas ein Angebot sein?“

Sie nickte, den Blick auf den Stapel Papiere vor sich gerichtet.

„Die Hochzeit am Sonnabend war wohl kein großer Erfolg?“, mutmaßte Rafiq.

„Es gab keine Hochzeit.“ Kiley hob den Kopf. „Eric und ich haben uns getrennt.“

„Ich verstehe.“

Sein Blick fiel auf ihre ineinander verschlungenen Hände. Der Verlobungsring mit dem großen Diamanten fehlte. Alles klar, dachte Rafiq.

„Ich weiß, dass Sie sich gerade von Ihrer letzten Freundin getrennt haben“, fuhr sie fort. „Na ja, ich hab selbst das Abschiedsgeschenk samt Brief auf den Weg gebracht“, setzte sie lahm hinzu.

„Stimmt, Carmen und ich sind nicht mehr zusammen“, bestätigte er.

„Genau. Und da Sie jetzt also wieder auf dem Markt sind … kurz gesagt, ich dachte, vielleicht wollen Sie es mal mit mir versuchen? Auch wenn ich eigentlich nicht Ihr Typ bin.“

Ach, er war auf einen Typ abonniert? „Und auf welchen Typ steh ich Ihrer Meinung nach?“

Sie rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her. „Glamourös. Schön. Weltgewandt. Okay, ich sehe nicht übel aus, aber in der Liga kann ich nicht mithalten. Allerdings kennen Sie mich ja nur in meinem Büro-Outfit. Wenn ich will, kann ich mich ganz nett stylen. Ich bin nicht auf den Kopf gefallen und habe Sinn für Humor.“ Nach kurzem Zögern fuhr Kiley tonlos fort: „Es ist das erste Mal, dass ich so ein Gespräch führe. Keine Ahnung, worauf Sie Wert legen, wenn Sie eine Frau für Ihr …“

„… wenn ich eine Frau fürs Bett suche?“

Kiley wurde rot, hielt seinem Blick aber tapfer stand. „Ja, genau. Fürs Bett.“

Selbst Rafiq war bisher noch nie so deutlich zur Sache gekommen. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und überlegte: Welche Kriterien musste eine potenzielle Geliebte erfüllen?

„Hmm, natürlich sollte sie ansprechend aussehen“, sagte er mehr zu sich selbst als zu Kiley. „Aber kein hübsches Lärvchen ohne Intelligenz und Humor, das wäre mir zu langweilig. Und übellaunig sollte sie auch nicht sein.“

„Sie kennen mich jetzt seit Jahren“, erinnerte Kiley ihn mit mildem Tadel. „Sie wissen, dass ich nie schlechte Laune habe.“

„Stimmt.“ Nein, sie war immer liebenswürdig und erledigte ihre Arbeit effizient und mit viel Fingerspitzengefühl. Attraktiv ließe sich dieser Aufzählung noch hinzufügen, aber Letzteres hatte er immer als eine Art Bonus betrachtet. Sie zu seiner Geliebten zu machen war ihm nie in den Sinn gekommen. Hübsche Frauen gab es wie Sand am Meer, eine perfekte Assistentin würde er jedoch so schnell nicht wieder finden.

„Beachten Sie die Vorteile. Ich kenne Ihre Arbeit, wir könnten darüber diskutieren, wenn Sie möchten. Und ich mache keine Szene, wenn Sie mal bis spätabends im Büro bleiben.“

„Nein, denn Sie würden mir dabei ja Gesellschaft leisten“, warf er amüsiert ein. Was war bloß in seine stets so reservierte Assistentin gefahren? So unverblümt hatte ihn noch keine Frau angemacht – und jetzt ausgerechnet Kiley? Sie war nicht der Typ für eine Affäre. „Wieso wollen Sie das tun?“, fragte er geradeheraus.

Ihre blauen Augen funkelten. „Rache.“

„Aha. Es geht wohl um Ihren Verlobten?“

Während sie ganz offensichtlich nach den richtigen Worten suchte, betrachtete er sie – und zwar die Frau, nicht die tüchtige Sekretärin. Sie war hochgewachsen, zartgliedrig und schlank. Ihr schulterlanger goldblonder Bob unterstrich die elegante Erscheinung. Und in ihren großen blauen Augen konnte er lesen wie in einem Buch – stets verriet ein Aufblitzen ihre Gefühle. Ihre Hüften waren sanft geschwungen, und sie hatte feste, hohe Brüste. Alles in allem war sie eine schöne Frau. Aber wollte er sie auch in seinem Bett?

„Eric hat mich betrogen“, brachte sie endlich mit tränenerstickter Stimme hervor. „Das haben Sie sich sicher schon gedacht. Aber das Ausmaß können Sie sich gar nicht vorstellen. Ich glaube, er hat mit allem geschlafen, was einen Rock trägt. Bei zwei von meinen Freundinnen hat er es auch versucht, aber ich habe nicht zugehört, als sie es mir vorsichtig beibringen wollten. Wie dumm kann man nur sein …“

„Sie wollten ihnen nicht glauben?“, meinte er mitfühlend.

„Nein. Ich habe die Wahrheit verdrängt, bis ich ihn letzten Freitag auf frischer Tat mit einer Studentin erwischt habe.“ Kiley blinzelte die Tränen weg. „Aber das Schlimmste war, als er behauptete, die Sache hätte nichts zu bedeuten. Nun ja, er war nie besonders geistreich. Aber dann setzte er noch eins drauf: Er tue das alles nur für mich, respektiere mich so sehr, dass er mir diese Seite an sich ersparen wolle.“

„Also ist die Hochzeit ins Wasser gefallen.“

„Eric konnte es nicht fassen, hat mich bestürmt, meine Meinung zu ändern, doch ich blieb fest. Eine Ehe auf dieser Basis wäre doch die reinste Farce.“ Sie atmete tief durch. „So kurzfristig konnten wir nicht allen Gästen absagen. Ich musste vor versammelter Festgemeinde in der Kirche alles erklären. Es war furchtbar.“ Kiley schauderte.

Sie taten das und nicht er?“ Was für ein erbärmlicher Feigling.

„Eric schnappte sich die Tickets für unsere Flitterwochen auf Hawaii und nahm die Gespielin der Woche mit. Ich hoffe, die Quallen fressen sie auf.“

Rafiq empfand Hochachtung für sie. Kiley hatte sich tapfer geschlagen. „Warum ich?“, fragte er schließlich.

Ein verschmitztes Lächeln zuckte um ihre Lippen. „Sie sind ein Prinz, das ist nicht zu toppen.“

„Ah, ich verstehe. Und da Ihr Ex bei der Anwaltskanzlei arbeitet, die für mich tätig ist, werden sich unsere Wege unweigerlich kreuzen.“

„Genau. Er konnte Sie ohnehin noch nie leiden, wollte mich sogar dazu bringen, zu kündigen. Das alles natürlich nur, weil er neidisch ist. Er gönnt keinem anderen auch nur die Butter auf dem Brot.“

„Möchten Sie ihn vernichten?“ Rafiq musterte sie eindringlich.

„O ja“, brachte sie voller Inbrunst hervor. „Und anschließend will ich vergessen, dass es ihn je gegeben hat.“ Sie suchte seinen Blick. „Meine Wahl fiel noch aus einem anderen Grund auf Sie. Ich halte Sie für einen guten Menschen, einen Ehrenmann, wenn Sie so wollen. Okay, Sie haben Affären, aber Sie schaffen immer klare Verhältnisse, ohne jemanden zu hintergehen.“

Interessant, wie sie ihn beurteilte. Es gab eine Menge Leute, die diese Einschätzung sicher nicht teilten. Andererseits hatte sie recht: Lügen und Ausreden waren ihm verhasst.

„Nun, falls wir Ihren Vorschlag ernstlich in Erwägung ziehen, gibt es einige logistische Probleme zu bedenken.“

Plötzlich überkam Kiley ein seltsames Gefühl von Unwirklichkeit. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass diese Unterhaltung derart nüchtern ablaufen würde. „Sie sind der Experte“, sagte sie. „Sagen Sie mir, was wir beachten müssen.“

Er lächelte süffisant. „Selbstverständlich. Also, zunächst einmal müssen wir definieren, was genau diese Beziehung beinhaltet.“

Oh, aber das war doch klar, oder? „Na ja, Sex natürlich“, erwiderte sie, und wünschte, sie hätte den Mund gehalten, als er kaum merklich die Brauen hob.

„Sexuelle Verfügbarkeit setze ich voraus“, informierte er sie. „Sie sind jederzeit bereit für mich und umgekehrt.“

Umgekehrt auch? Ein verlockender Gedanke, wenn sie sich auch nicht vorstellen konnte, nach dem Telefon zu greifen und ihn herbeizuzitieren, um …

„Absolute Treue ist ebenfalls Voraussetzung. Für uns beide“, fuhr er fort.

„Oh, kein Problem“, winkte sie ab. „Ich bin nicht der flatterhafte Typ.“

„Vorsicht“, meinte Rafiq warnend. „Das menschliche Herz ist ziemlich unberechenbar. Sie beabsichtigen, Eric zu verletzen und ihn eifersüchtig zu machen. Im Gegenzug könnte er versuchen, Sie zurückzugewinnen. Darauf dürften Sie sich allerdings nicht einlassen, solange unsere Abmachung gilt.“

„Keine Sorge. Dieser erbärmliche Wurm ist für mich erledigt.“ Noch jetzt spürte sie den Schock, den sie empfunden hatte, als sie ihn mit der anderen Frau zusammen im Bett ertappt hatte.

„Stellt sich noch die Frage unserer weiteren Zusammenarbeit“, fuhr Rafiq nachdenklich fort. „Sie sind mir zu wertvoll, um Sie gehen zu lassen.“

„Das trifft sich gut. Ich möchte meinen Job nämlich nicht aufgeben. Meine Eltern haben eine Menge Geld für diese unselige Hochzeit hingeblättert, und ich kann sie unmöglich darauf sitzen lassen. Einen Teil habe ich ihnen schon zurückerstattet, aber alles wollten sie nicht akzeptieren. Sie bestehen darauf, dass ich mir von meinen Ersparnissen eine Eigentumswohnung kaufe, wissen Sie …“ Kiley hielt abrupt inne, als ihr bewusst wurde, dass sie vom Thema abkam. „Kurz gesagt, ich brauche das Geld.“

Rafiq sah sie ungläubig an. „Sie wollen Ihren Eltern tatsächlich das Geld zurückgeben?“

„Schließlich bin ich für den ganzen Schlamassel verantwortlich. Ich habe Eric ausgesucht, nicht sie.“ O nein, um nichts auf der Welt würde sie zulassen, dass ihre Eltern für ihre Dummheit draufzahlten. „Wo wir gerade beim Thema sind: Mir ist es wichtig, Arbeit und Privatleben strikt zu trennen. Keinesfalls möchte ich, dass unser Arbeitsverhältnis in irgendeiner Weise getrübt wird.“

„Ganz in meinem Sinn“, stimmte er zu.

„Und wenn es vorbei ist, dürfen Sie mich nicht einfach feuern.“

„Das werde ich nicht, ich verspreche es. Sollte eine weitere Zusammenarbeit einem von uns unangenehm sein, werde ich dafür sorgen, dass Sie eine andere angemessene Stelle finden. Falls Sie bleiben, erwähnen wir unser kleines … Intermezzo mit keinem Wort.“

Ein faires Angebot. „Oh, mir wird es nicht unangenehm sein, da bin ich zuversichtlich“, gab sie leichthin zurück. Ihr ging es schließlich um Rache und nicht darum, eine neue Beziehung anzufangen. „Ich komme schon klar.“

„Wie liebenswürdig“, murmelte er.

„Bitte?“

„Nichts, nichts. Selbstverständlich erwarte ich auch, dass Sie mich zu Galaveranstaltungen und dergleichen begleiten.“

„Darauf freue ich mich am meisten.“ Ihre Augen blitzten. „Ich brenne darauf, mit Ihnen gesehen zu werden.“ Hatte sie etwas Falsches gesagt? Rafiqs Miene wirkte plötzlich so eingefroren. Nun ja, wahrscheinlich hatten ihre Worte nicht besonders schmeichelhaft geklungen.

„Natürlich bin ich auch ganz heiß darauf, mit Ihnen zu schlafen.“ Uups, auch nicht gerade der Bringer, was? Verflixt, ihr fehlte ganz einfach die nötige Erfahrung als Geliebte eines Prinzen.

„Ich verstehe schon.“

„Habe ich es jetzt vermasselt?“ Sie sah ihn abwägend an.

„Nein, schon okay. Ist doch in Ordnung, klare Verhältnisse zu schaffen. Dann ist nachher keiner enttäuscht. Wir bekommen beide, was wir wollen, ohne falsche Gefühle heucheln zu müssen.“

„Und Sie sind damit einverstanden?“

„Aber ja. Ich schlage vor, dass ein Zeitraum von drei Monaten reichen sollte, uns beide zufriedenzustellen.“

„Klingt akzeptabel.“ Das gab ihr genug Zeit, um Eric so zu treffen, wie er sie getroffen hatte.

„Gut.“ Rafiq stand auf. „Dann bleibt nur noch eins.“

„Soll das heißen, Sie ziehen meinen Vorschlag ernsthaft in Erwägung?“ Jetzt, da sie ihr Ziel erreicht hatte, fühlte sie sich plötzlich fast ein wenig schwindlig.

„Ja.“ Er kam um den Schreibtisch herum und streckte ihr die Hand entgegen.

„Warum ausgerechnet ich?“ Kiley zögerte, seine Hand zu ergreifen, mit einem Mal scheute sie die körperliche Berührung. „Ich bin doch eigentlich gar nicht Ihr Typ.“

„Das ist ja gerade der Reiz an der Sache. Sie sind sehr attraktiv, und ich bin davon überzeugt, Sie werden Ihre Rolle als meine Geliebte mit der gleichen Effizienz ausfüllen wie die meiner Assistentin. Wie gesagt, bleibt nur noch eins zu klären.“

Kiley legte ihre Hand in seine, und er zog sie auf die Füße. Sein frischer männlicher Duft streifte sie, eine Mischung aus einem exquisiten Aftershave und seinem ganz eigenen Geruch.

„Was denn?“, wollte sie atemlos wissen.

„Das.“ Er neigte den Kopf. Seine Lippen berührten ihre, sanft, verführerisch.

Ein heißer Schauer durchfuhr Kiley. Dass er sie küssen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Dabei war es nur logisch. Schließlich hatte sie sich ihm soeben als Geliebte angeboten, da wollte er natürlich wissen, was ihn erwartete. Sie musste mit angemessener Leidenschaft auf diesen Kuss reagieren, das war ihr klar. Aber wie sollte sie das anstellen? Plötzlich fühlte sie sich wie gelähmt, wusste nicht, wohin mit ihren Händen.

Rafiq hob den Kopf. „Sie denken ziemlich laut, wissen Sie das?“

„Wie?“ Kiley zuckte erschrocken zusammen.

„In übertragenem Sinn. Ich kann regelrecht spüren, wie es in Ihnen rumort. Es steht Ihnen frei, Ihre Meinung zu ändern.“

„Nein, das möchte ich nicht.“ Jetzt war sie schon so weit gegangen, da gab es kein Zurück mehr. Sie brauchte nur ein bisschen Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen, das war alles. So hoffte sie jedenfalls …

„Passen Sie auf, ich habe eine Idee. Wir machen es anders herum. Vielleicht möchten Sie mich küssen? Dann fühlen Sie sich nicht gleich so bedrängt und können testen, ob es zwischen uns überhaupt funkt.“ Er setzte sich in seinen Schreibtischsessel.

„Okay, warum nicht?“, versuchte sie in leichtem Ton ihre Unsicherheit zu überspielen. Los jetzt, Kiley, er ist schließlich nicht der Glöckner von Notre-Dame. Tatsächlich konnte sie sich keinen attraktiveren Partner vorstellen als Rafiq: gut gebaut, braun gebrannt, dunkel, geheimnisvoll … Entschlossen machte sie einen Schritt auf ihn zu und schob sich zwischen seine leicht geöffneten Schenkel. Sie legte die Hände auf seine Arme, spürte unter dem weichen, kühlen Stoff seines Hemdes die Wärme und Stärke seines Körpers.

Als er ihr aufmunternd zulächelte, schloss sie aufseufzend die Augen, beugte sich vor und drückte ihren Mund auf seinen. Es war ein sanfter, tastender Kuss. Kiley strich behutsam über seine Lippen und hauchte zarte Küsse auf seine Wange. Sie rieb ihre Wange an seiner, suchte sein Ohrläppchen und knabberte sanft daran.

Allmählich spürte sie, wie ihre innere Anspannung nachließ. Tatsächlich überlief sie sogar ein leichtes Prickeln. Mit neu erwachtem Enthusiasmus widmete sie sich wieder seinem Mund.

Rafiq legte die Hand auf ihren Rücken und zog sie leicht an sich. Ermutigt von seiner Reaktion, schlang sie ihm die Arme um den Hals und fuhr mit der Zungenspitze die Kontur seiner Unterlippe nach. Dann wagte sie sich weiter vor, nahm seine leicht geöffneten Lippen als Aufforderung und vertiefte ihren Kuss.

Er schmeckte leicht nach Kaffee und irgendwie süß. Noch immer ließ er nahezu passiv alles geschehen. Das erstaunte sie. Und erregte sie gleichzeitig. Er überließ ihr die Führung. Sie war es, die das zarte Innere seines Mundes erkundete, die mit seiner Zunge spielte.

Dann war es vorbei. Plötzlich verunsichert durch seine passive Haltung, löste Kiley sich von seinen Lippen und zog die Hände weg.

Rafiqs Gesichtsausdruck verriet nicht die geringste Regung. Kiley hingegen hatte das absurde Gefühl, die Welt sei ein Stückchen aus den Fugen geraten. Irgendetwas war passiert …

Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, fragte Rafiq: „Und, passen wir zusammen?“

„O ja, ich glaube schon …“ Ihre Stimme klang in ihren eigenen Ohren seltsam belegt.

„Fein, dann sind wir uns ja einig. Ich schlage vor, wir treffen uns heute Abend zum Dinner bei mir, um die weiteren Modalitäten zu klären.“ Er warf einen Blick auf seine Uhr, ein nobles Designer-Stück. „In einer Viertelstunde ist eine Konferenz angesetzt. Wenn Sie mir bitte die Unterlagen bringen?“

Kiley nahm ihren Notizblock und verließ sein Büro. Fast wäre sie in hysterisches Lachen ausgebrochen. „Pass auf, was du dir wünschst. Dein Wunsch könnte in Erfüllung gehen“, sagte sie leise zu sich selbst und wusste nicht, ob sie sich freuen oder panisch die Flucht ergreifen sollte.

Was war das perfekte Outfit für die Geliebte eines Scheichs? Kileys Stimmung schwankte bedenklich zwischen Panik, Erregung und dem Bedürfnis, laut zu schreien. Sie, die mondäne Gespielin eines mächtigen Mannes? Ha! Sie kam sich ja schon verwegen vor, wenn sie zur Maniküre ging, anstatt ihre Nägel selbst zu feilen.

Unvorstellbar, in äußerst absehbarer Zeit würde sie mit Rafiq Sex haben! Eine Erfahrung, die ihr bis jetzt nicht vergönnt gewesen war, nicht einmal mit Eric. Damit rechnete Rafiq ganz sicher nicht – eine jungfräuliche Geliebte.

Schluss jetzt, ermahnte sie sich, konzentrier dich auf dein Outfit, du willst vor Rafiq doch nicht als komplettes Dummchen dastehen. Nach langem Hin und Her entschied sie sich schließlich für ein schlichtes hellblaues Leinenkleid mit kurzen Ärmeln und hochhackige Sandaletten. Elegante Ohrringe und ein leichtes Make-up vervollständigten das Bild.

Wenige Minuten später wurde sie von Rafiqs Chauffeur Arnold in einer schwarzen Stretchlimousine abgeholt und in eine völlig andere Welt katapultiert: die Welt der Reichen und Schönen, der Luxusvillen und Privatjets. Definitiv nicht ihre Welt, aber jetzt war es zu spät für einen Rückzieher.

Rafiqs Anwesen war beeindruckend wie erwartet. Eine moderne, einstöckige Villa mit viel Glas und strengen Konturen auf einem parkähnlichen Grundstück, das von einer hohen Mauer umgrenzt wurde. Langsam fuhr die Limousine die breite, von Palmen gesäumte Auffahrt entlang und hielt vor der Treppenflucht, die zum Eingang führte. Diensteifrig öffnete Arnold Kiley die Wagentür und wünschte ihr einen angenehmen Abend.

Wie in Trance stieg Kiley die Mamortreppen hinauf, als die Doppelflügeltür geöffnet wurde und Rafiq heraustrat. Er trug eine maßgeschneiderte Freizeithose und ein Polohemd … und sah einfach umwerfend aus. Viel zu umwerfend für sie, die Durchschnittsfrau.

Kiley widerstand nur schwer dem Drang, sich bei ihm für sein freundliches Entgegenkommen zu bedanken und auf dem Absatz kehrtzumachen.

Als ahnte er ihre Gedanken, fragte er mit einem leisen Lächeln: „Alles in Ordnung?“

„Nicht so ganz, aber das wird schon“, erwiderte sie wahrheitsgemäß.

„Ein Glas Champagner wirkt Wunder. Kommen Sie.“ Er ging voraus durch das großzügige Foyer in das imposante Wohnzimmer, das zwei Stufen tiefer lag. Kileys Blick fiel durch die breite Glasfront auf eine große Holzterrasse und den Strand, der sich daran anschloss. Dahinter breitete sich der Pazifik in seiner ganzen wilden Schönheit vor ihr aus.

„Einfach atemberaubend“, brachte sie staunend hervor.

„Die Aussicht erinnert mich ein wenig an Lucia-Serrat. An meine Strandvilla mit Blick auf den Indischen Ozean.“

„Ist es ähnlich wie hier?“

„Der Geruch ist anders. Wenn ich die Augen schließe und tief einatme, weiß ich genau, dass ich zu Hause bin. Es riecht irgendwie exotischer, salziger. Während hier der Geruch von …“ Er suchte nach den richtigen Worten.

„… von Hollywood dominiert?“, schlug sie vor.

„Ja.“ Rafiq lächelte anerkennend. „Das trifft es genau.“ Er trat zum Couchtisch aus geschliffenem Kristallglas, auf dem in einem silbernen Sektkühler eine Flasche Champagner stand. Daneben waren zwei Porzellanteller mit Appetithäppchen angerichtet. „Möchten Sie etwas essen?“, bot er an, während er zwei exquisit ziselierte Champagnerflöten füllte und Kiley eine reichte.

„Nein, danke.“ Sie würde keinen Bissen herunterkriegen, das wusste sie. Verzweifelt durchforstete sie ihr Hirn nach einem Gesprächsthema. Die neuesten Aktienkurse schienen ihr irgendwie nicht passend. Was sagte man als zukünftige Geliebte eines Ölscheichs? Gab es darüber einen internationalen Konsens, der ihr nicht geläufig war? Himmel, sie wünschte, die Erde würde sich auftun und sie verschlingen.

Ein amüsiertes Lächeln spielte um seine Lippen. „Sie tun es schon wieder. Sie denken laut.“

„Oh …“

„Sie sind nervös, nicht wahr?“

„Wären Sie das denn nicht?“, gab sie zurück.

„An Ihrer Stelle? Ja, vermutlich schon. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn wir uns zunächst mit der Logistik befassen. Es gibt da eine Reihe gesellschaftlicher Events, auf die Sie mich bitte begleiten. Ich lasse Ihnen eine Liste mit den entsprechenden Daten zukommen. Falls Sie irgendwohin möchten, stehe ich Ihnen natürlich ebenfalls zur Verfügung.“

Ihre Schwester würde in Kürze ein Kind bekommen, anschließend war eine große Familienfeier geplant. Wohl kaum das richtige Event für den verwöhnten Ölscheich …

„Warum lächeln Sie?“

„Tue ich das? Nun, ich kann Sie mir nicht inmitten meiner zwar herzlichen, aber durch und durch mittelständischen Familie vorstellen, sorry. Kein Tropfen blaues Blut in den Adern, fürchte ich.“

„Ist das so wichtig?“

„Für mich nicht, aber Sie …“

„Keine Bange, ich bin ziemlich anpassungsfähig.“ Rafiq hob amüsiert die Brauen.

„Ich habe zwei Schwestern“, erzählte sie. „Mein Vater ist Feuerwehrmann, meine Mutter arbeitet in einem Geschenkeladen. Sie sind seit 31 Jahren verheiratet und leben seit zwanzig Jahren im selben Haus.“

„Was ist falsch daran?“

„Nichts, aber Sie sehen, dass wir total verschiedenen Welten entstammen.“

„Ihre Welt klingt sehr nett“, sagte er leise, und ein Schatten huschte über sein Gesicht.

„Und in Ihrer gibt es die schöneren Juwelen“, konterte sie spöttisch.

„Das stimmt.“ Er lachte leise und beobachtete, wie Kiley nach ihrem Glas griff und daran nippte. Ihm entging nicht, wie ihre Nervosität zurückkehrte.

„Kiley, wir werden heute Nacht nicht zusammen schlafen“, sagte er sanft.

Erleichterung durchflutete sie, und sie sank entspannt gegen die Sofalehne. „Nicht?“

„Wir müssen uns erst besser kennenlernen, finden Sie nicht auch?“ Der größte Reiz lag ja gerade in der Spannung. Darin, Kileys Stimme zu lauschen und sich vorzustellen, wie es wohl war, wenn sie ihn anflehte, sie zu nehmen …

„Guter Plan“, pflichtete sie ihm etwas zu eilig bei. „Wissen Sie, ich bin mehr der Kumpeltyp und nicht die verführerische Sirene“, fügte sie erklärend hinzu.

„Sie sind Eric auf dem College begegnet?“, fragte Rafiq.

„Ja, in meinem letzten Jahr. Erst waren wir nur Freunde, dann wurde mehr daraus. Davor hatte ich eigentlich keine wirkliche Beziehung.“

Das bedeutete, sie war relativ unschuldig. Mal eine ganz neue Erfahrung. Ein erwartungsvolles Prickeln überlief ihn. „Ich nehme an, Eric war Ihr einziger Liebhaber?“

„Nun … äh …“ Sie leerte ihr Glas in einem Zug und sah ihn wortlos an.

Rafiq begriff. Kiley war Jungfrau.

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