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In Adelskreisen - Folge 45

In Adelskreisen

Tauchen Sie ein in die glanzvolle Welt des Hochadels.

Erleben Sie Leid und Glück in Märchenschlössern und Liebe, die nicht nach Rang und Namen fragt.

Prinzessin ohne Schloss

Doch sie hat ein Herz aus purem Gold

Von Ina Ritter

Lange haben sie ihre Liebe geheim gehalten und wie einen Schatz vor der Öffentlichkeit versteckt – doch nun ist es offiziell: Joachim Fürst von Hohenlingen ist nicht mehr frei! Die junge, bildschöne Schauspielerin Viola Gabler hat sein Herz erobert. Wo die beiden sich kennengelernt und ineinander verliebt haben, verraten sie nicht. Auch auf Fragen nach dem Hochzeitstermin lächeln sie nur und schweigen. Schon bald munkelt man, dass es gar nicht die große Liebe ist, die beide verbindet, sondern ein trauriges Geheimnis …

»Sie können mich mal, und das kreuzweise«, schloss Irina Thomsen ihren Wutausbruch ab mit einer Aufforderung, die oft ausgesprochen und nie befolgt wird. Während sie ihrem Chef all das an den Kopf warf, was sich im Laufe des letzten halben Jahres in ihr aufgestaut hatte, saß Rainer Gutzeit gelassen da und schien sich köstlich zu amüsieren.

»Sind Sie fertig, oder machen Sie nur eine Pause?«, fragte der Mann lediglich grinsend, als sie endlich schwieg. »So viel Temperament hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut, meine Liebe. Ein Jammer, dass Sie so spröde sind. Was für herrliche Stunden hätten wir im Bett verbringen können. Ich bin nämlich auch nicht ganz ohne. Sie wissen gar nicht, was Ihnen entgangen ist, als Sie mich so unfreundlich abgewiesen haben.«

»Sie ekelhafter Busengrabscher!«, keuchte Irina hochrot vor Zorn. Sie war dicht davor, noch einmal zu explodieren.

»Wollen Sie kündigen, oder soll ich das tun?«, fragte Rainer Gutzeit unverändert gut gelaunt. »Sie können sich schon auf Ihr Zeugnis freuen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie daraufhin noch einmal eine Anstellung kriegen.«

»Dann gehe ich zum Arbeitsgericht.«

»Nur zu Ihrer Information, ich habe mir erlaubt, mein Diktiergerät während Ihrer freundlichen Rede anzustellen. Was Sie gesagt haben, wird die Richter beeindrucken, nehme ich an.«

Irina wurde blass. »Sie Schuft, Sie gemeiner Kerl!«

»Ich kann auch anders sein, aber leider wollten Sie mich ja nicht von der Seite kennenlernen. Und nun packen Sie Ihre Sachen und verschwinden Sie. In Zukunft möchte ich Sie hier nicht mehr sehen.«

»Das ist ganz in meinem Sinn.« Irina Thomsen drehte sich herum und stürmte aus dem Zimmer ihres Chefs. Der hatte es tatsächlich gewagt, ihr vorzuschlagen, die nächste Nacht mit ihm zu verbringen. Und dabei an ihren Busen gefasst, ziemlich kräftig sogar. Er schien leichte Eroberungen gewohnt zu sein.

In ihrem wesentlich kleineren Büro angekommen, räumte sie ihren Schreibtisch aus und stopfte die wenigen Habseligkeiten in ihre Handtasche. Noch immer war Irina bis obenhin angefüllt mit Wut. Auf dem Weg zum Ausgang lief ihr ein Kollege über den Weg und blieb bei ihrem aufgelösten Anblick verdutzt stehen.

»Geht die Welt unter oder was?«, erkundigte er sich.

»Dieser verdammte Gutzeit!«

»Hat er es auch bei Ihnen versucht?«, fragte der Mann ohne das geringste Erstaunen. »Damit mussten Sie doch rechnen. Wer so aussieht wie Sie … Solch ein Aussehen müsste gesetzlich verboten werden. Sie fordern jedes männliche Wesen geradezu heraus. Regen Sie sich wieder ab. Ein Chef hat immer recht, und nachtragend ist Gutzeit nicht.«

»Lassen Sie mich vorbei, ich habe hier nichts mehr zu suchen.«

»Seit wann sind Sie so empfindlich? In unserer Branche ist man es doch gewohnt, einiges einzustecken. Trinken Sie eine Tasse Kaffee mit mir, und erzählen Sie mir dann, was genau passiert ist. Ich bin nämlich neugierig.«

»Nichts, was Sie interessieren könnte. Ich bin jedenfalls froh, diesen Laden hier für immer hinter mich lassen zu können.«

»Haben Sie schon was Neues in Aussicht?« Der Mann war wirklich neugierig und hatte offenbar vollstes Verständnis für seinen Chef, soweit es Irina betraf. Sie war wirklich eine ungewöhnliche Erscheinung, schlank, dabei keineswegs mager, hatte ein schmales, etwas herb wirkendes Gesicht mit großen, ausdrucksvollen Augen und einen sinnlichen Mund. Sie trug ihr Haar kurz geschnitten, und das betonte noch den herben Reiz ihrer ganzen Erscheinung. Eine Frau, die man begehrte.

»Sie werden uns fehlen«, behauptete er und stieß einen gekonnten Seufzer aus. »Wovon soll ich träumen, wenn Sie nicht mehr bei uns sind, schöne Irina?«

»Träumen Sie von Ihrer Frau«, riet ihm seine Kollegin.

»Sie wünschen mir Albträume, das finde ich gar nicht nett von Ihnen.«

Irina drängte sich an ihm vorbei zum Ausgang. Dann warf sie die Tür mit einem Schwung ins Schloss, der die Scheiben klirren ließ.

Ihr Kollege Möller ging kopfschüttelnd weiter. Sie wird sich wieder beruhigen, dachte er. Soviel er wusste, war dieser Job in der Werbeagentur Gutzeit ihre erste Stelle, und die warf man nicht einfach hin, nur weil der Chef sich rein männlich verhalten hatte.

Möller beschloss, sich erst einmal eine Tasse Kaffee zu gönnen. Kaffee wurde hier literweise getrunken, um das Gehirn anzuregen. Sie lebten schließlich von der Arbeit ihres Gehirns, von neuen Ideen. Und woher sollte man die immer nehmen? Die Kunden wurden immer anspruchsvoller. Sie verlangten von ihnen keine Arbeit, sondern Wunder, und die gab es leider nur selten.

Als Irina auf die Straße trat, blieb sie stehen und holte ein paarmal tief Luft. In ihrem jetzigen Zustand wäre es unverantwortlich gewesen, sich ans Steuer zu setzen. Deshalb beschloss sie, zunächst das kleine Café gegenüber aufzusuchen und sich dort ein Kännchen Kaffee zu gönnen.

Hatte sie überreagiert?

Irina war klar, dass Gutzeit keine leere Drohung ausgesprochen hatte, als er sie darauf hinwies, dass sie mit seinem Zeugnis kaum eine neue Stellung finden würde. Dabei liebte sie ihre Arbeit. Es machte ihr einfach Freude, sich immer neue Ideen zu überlegen, wie man gleichgültige Menschen zum Kauf einer bestimmten Ware bewegen konnte. Und sie hatte sehr gute Ideen entwickelt, das wusste auch Gutzeit. Obwohl Anfängerin, war sie doch die beste Kraft in seiner Agentur geworden. Und jetzt gewesen.

Soll ich zu ihm gehen und mich entschuldigen? Irina schüttelte den Kopf, als sie sich diese Frage stellte.

»Nie und nimmer«, murmelte sie.

Was für ein Glück, dass ich geerbt habe, überlegte Irina, als sie an einem der runden Tische im Café Platz genommen hatte. Sie brauchte kein Gehalt zum Leben, und dafür war sie ihrer Tante Agathe, die ihr einen großen Wohnblock und eine Menge Aktien hinterlassen hatte, heute besonders dankbar.

Irina trank den Kaffee gedankenverloren, ohne zu merken, ob er ihr schmeckte oder nicht. Blicklos starrte sie vor sich hin. Es war ungewohnt für sie, um diese Zeit nichts zu tun zu haben.

Jetzt fängt gerade die tägliche Konferenz an, stellte sie nach einem Blick auf die Uhr im Café fest. Ob Möller wohl was eingefallen ist? Viel Gutes bestimmt nicht. Es tat ihr sehr leid, ihren eigenen Entwurf für die Werbekampagne nicht vorstellen zu können.

Ich werde ein paar Tage Urlaub machen, beschloss sie, vielleicht fällt mir dann ein, wie es weitergehen soll. Das Dumme war nämlich, dass niemand in der Branche sie kannte. Dabei hatte sie zwei sehr erfolgreiche Werbekampagnen ausgearbeitet, aber den Ruhm dafür hatte der Chef kassiert. Er präsentierte die Entwürfe allein den Kunden und ließ dabei durchblicken, dass die Ideen selbstverständlich von ihm stammten.

Irina murmelte ein Wort, das eine Dame nicht in den Mund nehmen sollte. Allerdings fühlte sie sich trotz ihrer guten Erziehung nicht als Dame. Dame war für sie irgendwie altmodisch und verstaubt. Sie war eine junge, berufstätige Frau, die Karriere machen wollte, und zwar im Beruf. Irina Thomsen war sehr ehrgeizig.

Sie bezahlte und ging dann wesentlich ruhiger zu ihrem Auto zurück, das noch auf dem Parkplatz der Werbeagentur stand. Sie schaute an der modernen Glasfassade des Gebäudes hoch, in dem sie so viele Stunden verbracht hatte. Wie gern hatte sie hier gearbeitet, auch wenn ihre Arbeit nicht richtig anerkannt worden war!

»Schluss damit«, murmelte sie und schloss die Autotür auf.

Irina besaß eine Eigentumswohnung am Rande der Stadt. Das Haus lag in einem parkähnlichen Areal und fern vom Verkehrslärm.

Eigentlich bin ich zu beneiden, dachte Irina, als sie vom Flur in ihr großes Wohnzimmer ging. Ich kann tun und lassen, was ich will, bin niemandem Rechenschaft schuldig, habe keine finanziellen Sorgen, und vor allem, ich bin gesund und habe einen Beruf, den ich liebe. Was will ich mehr?

Sie wusste vor allem eines, was sie nicht wollte: einen Mann, der Ansprüche stellte und Forderungen erhob. Warum kommst du so spät? Wo warst du so lange? Hast du dir schon wieder etwas Neues zum Anziehen gekauft? Du solltest dein Geld besser zusammenhalten.

Nein, auf einen Mann konnte Irina gut verzichten. Sie lächelte jetzt endlich, als sie in die Küche ging und die Kühlschranktür öffnete. Er war gut gefüllt, dafür sorgte die Zugehfrau, der sie immer einen Zettel hinlegte, auf dem stand, was eingekauft werden musste.

Oft genug war sie sehr spät nach Hause gekommen, wenn sie gerade eine Idee gehabt hatte, die sie unbedingt ausarbeiten wollte. Manchmal war es sogar nach Mitternacht gewesen, bis sie sich von ihrem Schreib- oder Zeichentisch hatte losreißen können.

Ich werde schon etwas Neues finden, dachte Irina. Schließlich kann ich mir Zeit beim Suchen lassen.

Dann überlegte sie, wo sie am besten ein paar Tage ausspannen konnte. Schließlich fiel die Entscheidung auf die Gegend am Rhein. Die Rheinländer sollten besonders lustig und aufgeschlossen sein, und gute Laune war bekanntlich ansteckend.

Am nächsten Morgen fuhr Irina nach einem ausgiebigen Frühstück los. Sie besaß ein Cabrio, dessen Verdeck zurückgeschlagen war. Die Sonne lachte von einem strahlend blauen Himmel herunter, und aus dem Radio ertönte fröhliche Musik, die zu diesem Tag passte.

Trotz des Ärgers, den sie am Tag zuvor gehabt hatte, hatte Irina gut geschlafen und sah ihrer Zukunft optimistisch entgegen. Sie summte den Hit von Celine Dion, der gerade gespielt wurde. Den Text kannte sie nicht, sie hatte einfach zu wenig Zeit, Radio zu hören, aber er handelte wie die meisten Superhits selbstverständlich von der Liebe.

Irina schürzte ironisch die Lippen, als sie dieses Wort immer wieder hörte. Liebe war eine Illusion oder besser gesagt eine Art Krankheit, die einen Menschen überfiel und von der er mehr oder weniger schnell auch ohne Arzt geheilt wurde. Der Alltag war die beste Medizin gegen Liebe.

Wie gut, dass ich nicht in die Gefahr komme, mich zu verlieben. Sie sah überall die Schwächen bei den Männern. Aber sie brauchte auch keinen Mann, sie hatte ihr Leben perfekt im Griff.

***

Was für ein idyllischer Ort, schoss es Irina durch den Kopf, als sie das Tempo ihres Wagens verlangsamte, um das schöne Bild in sich aufzunehmen. Die Häuser waren durchweg sehr gepflegt, in den Vorgärten blühte es in verschwenderischer Fülle in allen Farben, und eine herrliche Ruhe herrschte hier.

Vor dem einzigen Gasthof hielt Irina an. Es war Zeit für das Mittagessen. Eine sauber getippte Speisekarte hing in einem Kasten draußen. Die junge Frau lächelte vor sich hin, als sie die Tür öffnete und eintrat. Der Raum wirkte sehr anheimelnd und gemütlich. Die Butzenscheiben filterten das Licht, die Einrichtung war rustikal, und rustikal wirkte auch der rundliche Mann, der hinter dem Tresen stand und eifrig Gläser polierte.

Bei ihrem Eintritt hörte er damit auf und lächelte zurück, während er einen fröhlichen »Guten Tag!«, wünschte. Seine Schürze war blütenweiß, er musste eine tüchtige Frau haben, überlegte Irina. Auf jeden Fall machte er einen sehr zufriedenen Eindruck. Und so etwas kommt nicht allzu oft vor.

»Ich möchte gern etwas essen. Was können Sie mir empfehlen?«, fragte Irina.

»Eigentlich alles, was auf der Speisekarte steht. Meine Frau ist eine hervorragende Köchin. Vor unserer Heirat hat sie in den besten Häusern gekocht. Wie wäre es mit Forelle blau? Oder Sauerbraten mit Klößen?«

»Lieber Forelle. Viel zu tun haben Sie nicht«, fuhr Irina fort.

»Mittags verirrt sich kaum ein Fremder hierher, dafür liegen wir zu abseits, aber abends kann ich nicht klagen. Die Bauern wissen einen guten Tropfen zu schätzen.«

»Das freut mich für Sie.« Und es freute Irina tatsächlich, denn diesem netten Menschen wünschte sie alles Gute. Die Forelle war so gut, wie der Wirt angekündigt hatte, der Wein ganz ausgezeichnet. »Haben Sie auch Gastzimmer?«

»Nur zwei. Wenn Sie Interesse haben, will ich sie Ihnen gern zeigen.«

Irina hatte Interesse. Hier konnte man bestimmt gut Wandern und Rad fahren. Auf ihre Nachfrage hin bot ihr der Wirt unentgeltlich ein Fahrrad an.

»Leider wissen nur viel zu wenig Menschen unsere Umgebung zu würdigen«, erzählte er, während er in der ersten Etage eine Tür aufschloss. »Und direkte Sehenswürdigkeit gibt es hier eigentlich nicht.«

»Ich habe im Vorbeifahren eine Burg auf einem Hügel gesehen. Kann man die besichtigen?«

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