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In Adelskreisen - Folge 42

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Die schöne Gräfin vom weißen Schloss
  4. Vorschau

In Adelskreisen

Tauchen Sie ein in die glanzvolle Welt des Hochadels.

Erleben Sie Leid und Glück in Märchenschlössern und Liebe, die nicht nach Rang und Namen fragt.

Die schöne Gräfin vom weißen Schloss

Ein großer Roman um Liebe und Treue

Von Ina Ritter

Niemand glaubt, dass es eine Liebesheirat ist zwischen der blutjungen, bildschönen Karen und dem reichen, aber dreißig Jahre älteren Grafen Steinberg. Und doch ist es so! Karen liebt den Grafen aus reinem Herzen, und er vergöttert seine bezaubernde Frau, die ihn wieder jung werden lässt.

Endlich hört man in dem weißen Schloss wieder fröhliches Lachen, sieht man wieder glückliche Gesichter. Sogar ein Sommerfest soll nach vielen Jahren wieder stattfinden.

Es wird tatsächlich ein Fest, von dem die Gesellschaft lange Zeit reden wird – denn so einen Skandal hat es noch nie gegeben …

»Aufgeregt?«, fragte Baronin von Jörnhoff mit nachsichtigem Lächeln, als sie ihre Tochter am Fenster stehen sah.

»Ein wenig, Mutter.« Karen drehte sich errötend um. »Ich bin so glücklich.«

»Dazu hast du auch allen Grund«, erklärte ihre Mutter entschieden. »Du könntest keinen besseren Mann bekommen als Friedrich-Wilhelm. Und der Altersunterschied ist nicht so wichtig, wie die Leute glauben. Er ist ein gereifter Mann, auf den man sich verlassen kann. Er wird dich auf Händen tragen.«

»Ich weiß, und doch … ich habe ein wenig Angst vor der Zukunft.« Die junge bezaubernde Baroness senkte verlegen den Kopf. »Friedrich-Wilhelm ist so klug, er weiß so viel mehr als ich, in seiner Gegenwart komme ich mir immer ein wenig klein und dumm vor. Ob es mir wohl gelingen wird, ihn glücklich zu machen?«

Baronin Ida lächelte. »Du hast alle guten Eigenschaften, die ein Mann sich bei einer Frau nur wünschen kann«, beruhigte sie ihre Tochter. »Und dass dein künftiger Mann dir in vielem überlegen ist, halte ich nur für gut. Ein Mann sollte wissen, was er will.«

»Weißt du, was die Leute hinter meinem Rücken über mich sagen?«, presste Karen hervor. Sie fuhr sich mit der Linken über ihr goldblondes naturgewelltes Haar.

»Ich kann es mir denken. Aber mach dir nichts daraus, die Menschen sind nur neidisch. Außerdem liegt es in der menschlichen Natur, bei allem nach etwas Schlechtem zu suchen.«

»Sein Vermögen spielt für mich wirklich keine Rolle, Mutter. Als ich ihn kennenlernte, wusste ich nicht, wie reich er ist. Ob Friedrich-Wilhelm wohl auch manchmal denkt …?«

»Nein! Er weiß, dass du keine Goldgräberin bist.«

»Bist du ganz sicher? Es bedrückt mich immer, dass ich ihm so wenig bieten kann.«

»Du bietest ihm deine Jugend, Kind, das ist nicht wenig.«

»Jugend ist kein Verdienst. Ich habe Angst, Mutter. Friedrich-Wilhelm ist so ein bedeutender Mann …«

»Und du bist ein bezauberndes junges Mädchen, deshalb werdet ihr gut zueinander passen.« Würde ich auch so sprechen, hätte Graf Steinberg nicht solch ein großes Vermögen?, fragte sich die Baronin.

Sie schob den Gedanken sofort wieder von sich, weil er ihr einfach unbequem war. Ein Altersunterschied von fast dreißig Jahren war schließlich keine Bagatelle, die man mit ein paar gut gemeinten Worten aus der Welt schaffen konnte.

Aber andererseits stimmte es schon, dass Graf Steinberg ein Ehrenmann war, der alles tun würde, um Karen glücklich zu machen.

»Willst du doch ein anderes Kleid anziehen?«, lenkte sie ihre Tochter ab. »Jetzt brauchen wir ja nicht mehr so zu sparen.«

Eine zarte Röte färbte Karens Wangen. Wenn im Haus auch nie darüber gesprochen wurde, wusste sie doch genau, dass ihr künftiger Mann ihre Eltern großzügig mit Geld unterstützte.

Und sie nahmen es an! Es war Karen immer wieder peinlich, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Aber wenn es ums Geld ging, verlor wohl jeder seinen Stolz.

»Ein neues Kleid? Nein, ich behalte dieses an.«

»Er kommt schon. Eine halbe Stunde früher, als wir ihn erwartet haben.« Lächelnd schaute Baronin Ida auf den großen blank geputzten Wagen, der vor dem Haus vorfuhr. »Geh ihm entgegen.« Sie gab Karen einen leichten Klaps auf den Rücken.

Was für ein Glück, dass sie ihn von reinem Herzen liebt, dachte sie. Sie braucht sich keine Vorwürfe zu machen wie wir, ihre Eltern. Vorwürfe? Es ist doch richtig, dass sie einen reifen Mann heiratet, versuchte sie ihre Bedenken wieder einmal zu beschwichtigen. Jüngere Männer sind unbeständiger, flatterhafter, sie wissen mit einer Frau nicht so gut umzugehen wie die älteren.

Das alles mochte stimmen, aber ein Rest Unbehagen blieb in Baronin Idas Herzen zurück. Sie bewohnten ein Reihenhaus, und alle Nachbarn munkelten natürlich über den Herrn mit den grauen Schläfen, der hier gelegentlich mit seinem großen Wagen vorfuhr. Niemand gönnte ihnen das Glück, dass er Karen heiraten wollte.

»Liebes …!« Friedrich-Wilhelm von Steinberg streckte die Arme aus, als Karen ihm öffnete. Ein Leuchten war in seinen Augen, das das Herz des Mädchens schneller schlagen ließ. Sie warf sich an seine Brust und barg ihren Kopf an seiner Wange. Sagen konnte sie nichts.

»Ich bin zu früh gekommen, einfach zu schnell gefahren, fürchte ich. Störe ich?«

»Du störst doch nie.« Endlich hob Karen den Kopf und bot ihm die Hand. Sie schloss die Augen, als er sie küsste, und unter seinem Kuss beruhigte sich der rasende Schlag ihres Herzens.

»Ich habe mich so nach dir gesehnt«, flüsterte Graf Steinberg. »Jedes Mal, wenn ich dich wiedersehe, bist du noch ein bisschen schöner geworden. Wie machst du das nur?«

Karen lächelte ihm dankbar zu. Er machte immer solch reizende Komplimente, auf die sie nur nie etwas zu erwidern wusste.

»Mutter ist im Wohnzimmer. Willst du sie begrüßen?«

»Aber erst, nachdem ich mir noch einen Kuss von deinen Lippen geholt habe. Übermorgen wirst du meine kleine Frau …«

»Mutter ist schon ganz aufgeregt, ob auch alles klappen wird«, verriet Karen.

»Du nicht?«, fragte der Graf neckend.

»Es wird schon alles klappen. Friedrich-Wilhelm, hast du es dir auch gut überlegt, ob ich die richtige Frau für dich bin? Ich soll einem Gutshaushalt vorstehen …«

»Du wirst es ganz schnell lernen. Alle werden dir dabei helfen, Liebes, dir jeden Wunsch von den Augen absehen und dich verwöhnen.«

»Aber wenn sie nun über mich lachen, weil ich … Sieh, ich bin in der Stadt aufgewachsen, ich weiß vieles nicht, was für die Leute vom Land selbstverständlich ist. Ich möchte dich nicht blamieren.«

Strahlend schaute der Mann sie an. Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass sie ihn um seiner selbst willen liebte, ihre eben vorgetragenen Bedenken hätten es ihm verraten.

»Man wird mich um dich beneiden. Du bist die entzückendste Herrin, die unser Steinberg jemals hatte. Ich fürchte, ich muss jetzt ins Wohnzimmer. Du glaubst gar nicht, wie ich mich darauf freue, bald mit dir allein sein zu können. Wenn wir abends vor dem Kamin sitzen, ein Glas Wein trinken …« Er streichelte zart ihre Wange. »Dass ein Mensch so unverschämt glücklich sein kann«, sagte er leise. »Wir werden das glücklichste Paar der Welt sein. Womit habe ich deine Liebe verdient?«

»Man muss dich einfach lieb haben, Friedrich-Wilhelm«, erwiderte Karen ernsthaft, ohne zu ahnen, wie unwiderstehlich reizend dieser Ernst sie machte.

***

Die Hochzeit wurde im ersten Hotel der Stadt gefeiert. Es war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges, und in seinem Frack mit den Orden machte Friedrich-Wilhelm von Steinberg einen unerhört vornehmen Eindruck.

»Bin ja gespannt, wie lange das gut geht«, meinte eine alte, erfahrene Frau in der Kirche zu ihrer Nachbarin. »Die Braut weiß gar nicht, auf was sie sich da eingelassen hat.«

»Sie liebt ihn, das sieht man, und deshalb werden die beiden schon zurechtkommen«, antwortete die andere Frau entschieden. »Was für eine schöne Braut …«

Ja, das war Karen wirklich. Ihr Gesicht war blass, aber in ihrem Blick lag all das, was sie für Friedrich-Wilhelm von Steinberg empfand.

»Mögest du nie bereuen, dich mir ganz geschenkt zu haben«, sagte der Graf schwer, als sie später einen Moment allein standen. »Ich werde alles tun, was in meiner Kraft steht, um dich glücklich zu machen.«

Karen strich zärtlich über seine Schultern. Sie wusste, dass sie sich auf ihn verlassen konnte. Und solange er bei ihr war, hatte sie auch keine Angst vor den vielen neuen Pflichten, die auf sie warteten.

Sie setzten sich in den Wagen, der sie nach Gut Steinberg brachte.

»Sie kommen!« Mamsell Jule, die alte Haushälterin vom Gut, schaute an sich hinab, obwohl sie wusste, dass ihr Kleid tadellos in Ordnung war.

Sie standen alle unter dem Vorbau, der den Eingang des schlossartigen Gutshauses schützte. Rechts und links neben den Säulen hatte Butler Henry Blumen aufbauen lassen. Er selbst trug eine funkelnagelneue Livree und kam sich in ihr sehr gut vor.

Aber niemand achtete auf ihn, alle Augen waren auf den Wagen gerichtet, der jetzt langsam vor der Auffahrt ausrollte.

Die meisten hatten die neue gnädige Frau schon flüchtig gesehen, als sie den Grafen vor einigen Monaten besucht hatte. Aber manchem war ihr Gesicht neu.

Die Knechte und Mägde standen hinter dem Hauspersonal, und besonders den Männern sah man an, dass sie sich in ihren schwarzen Anzügen sehr unbehaglich fühlten.

»Hoch!«, schrie eine junge Magd, und erst der Rippenstoß ihrer Nachbarin brachte sie wieder zur Vernunft.

Henry sollte das Hoch dirigieren, damit es nicht solch ein furchtbares Geschrei gab, wie er ihnen vorher erklärt hatte. »Unsere neue gnädige Frau müsste sonst glauben, direkt im Viehstall gelandet zu sein, meine Lieben, wenn jeder durcheinander brüllt. Also, achtet auf mich! Wenn ich die rechte Hand hebe …«

Aber er vergaß, die rechte Hand zu heben, um das dreifache Hoch auf die junge Frau anzustimmen. Er stand da und starrte sie nur an, obwohl sich das für einen Butler absolut nicht gehörte.

Aber in diesem Augenblick war Henry nur Heinrich, der eine Frau sah, die direkt einem Märchen entstiegen sein konnte.

Jule gab ihm einen Stoß. Er hatte sich nämlich erboten, die Rede zu halten, um die neue Herrin gebührend zu empfangen, aber jetzt stand er da, als könne er nicht bis drei zählen.

»Alter Dussel«, sagte sie halblaut, aber doch recht vernehmlich für alle Umstehenden. »Ein dreifaches Hoch auf die Herrschaften! Sie leben hoch …«

Die anderen besannen sich auf das, was man von ihnen erwartete, und stimmten in ihren Ruf ein.

Wir Frauen müssen immer schwierige Situationen retten, dachte Mamsell Jule stolz, als sie vortrat, um die neue gnädige Frau willkommen zu heißen.

Zu spät packte Henry ihren Arm, um sie zurückzuhalten. Er bekam einen zweiten Stoß in die Rippen, und Mamsell Jule fand tatsächlich ein paar nette Worte, um die junge Frau zu begrüßen.

Karens Herz pochte rascher in ihrer Brust. Mit so vielen Menschen hatte sie nicht gerechnet. Es mussten ja mehr als drei Dutzend sein, die sich da auf der Schlosstreppe aufgebaut hatten, alles fremde Menschen, die von ihr viel erwarten würden.

Ihre Hand stahl sich zur Seite und schloss sich um die Rechte des neben ihr stehenden Mannes. Er drückte sie beruhigend und lächelte ihr zu. Dann dankte er Jule mit ein paar herzlichen Worten für den überaus freundlichen Empfang.

Ein junges Mädchen reichte ihnen Brot und Salz, und Karen fand rasch ihre Sicherheit wieder. Aber ein wenig Angst blieb doch in ihrem Herzen, als sie zum ersten Mal als Herrin dieses feudalen Hauses über die Schwelle in die riesige Diele trat.

Das Gesinde zerstreute sich draußen und stand in kleinen Gruppen schwatzend zusammen. Heute wurde selbstverständlich nicht gearbeitet, und am frühen Nachmittag sollte ein Fest für sie beginnen, auf das sich alle riesig freuten.

Mamsell Jule hatte tagelang gebraten, gesotten und gebacken, als gelte es, eine ganze Kompanie zu verpflegen.

»Ist sie nicht ganz reizend?«, fragte die kleine Lene, als Mamsell Jule in die Küche trat. »Sie sieht aus wie eine Prinzessin.«

»Und du wie das dumme Ding, das du auch bist«, schnauzte die Mamsell, denn trotz ihres Vorurteils musste sie zugeben, dass die junge Frau nicht gerade einen schlechten Eindruck auf sie gemacht hatte.

»Wer sich so teure Kleider erlauben kann, sieht immer hübsch aus«, behauptete sie ein wenig wegwerfend. »Warte nur ab, wenn sie erst anfängt, uns herumzuscheuchen. Sie wird sich von vorn und von hinten bedienen lassen, und ich bin gespannt, ob du sie dann auch noch für eine Prinzessin hältst.«

Lene schwieg eingeschüchtert, aber nicht überzeugt. Schließlich hatte sie Augen im Kopf, und sie wusste einfach, dass die junge gnädige Frau ein guter Mensch war.

»Ich habe mir erlaubt, einen kleinen Imbiss für die Herrschaften vorbereiten zu lassen.« Henry hielt es an der Zeit, seinen Herrn an sich zu erinnern. Zwar hatte die Gräfin ihm wie allen anderen freundlich die Hand geschüttelt, als Friedrich-Wilhelm ihr das Personal vorstellte, aber er beanspruchte immerhin eine Sonderstellung für sich.

»Das ist reizend von Ihnen, Henry.« Friedrich-Wilhelm hatte seinen Namen häufiger erwähnt, und Karen war froh, ihn damit anreden zu können. »Obwohl wir nicht viel Hunger haben.«

»Der Appetit kommt beim Essen.« Graf Steinberg hob ihre Hand und drückte sie einen Moment an seine Wange. »Vielen Dank für den freundlichen Empfang, Henry. Die Idee stammt von Ihnen, nicht wahr?«

Der Diener wölbte seine Brust noch weiter vor.

»Jawohl, Herr Graf. Als ich das Glück hatte, in England dienen zu dürfen, war es üblich.«

»Erzähl es uns später«, fiel Friedrich-Wilhelm ihm lachend ins Wort. »Wenn Henry anfängt, von seiner englischen Zeit zu berichten, dauert es immer lange, bis er fertig ist. Aber er versteht sehr fesselnd zu erzählen.«

Wie nett er Henry ein Kompliment macht, während er ihm gleichzeitig zu verstehen gibt, dass er nicht so viel reden soll, dachte Karen.

»Endlich sind wir allein.« Friedrich-Wilhelm von Steinberg nutzte den Moment, um seine Frau rasch in den Arm zu nehmen und ihr einen Kuss zu geben. »Gefällt es dir hier?«, fragte er stolz, denn es konnte ja nur eine Antwort darauf geben.

Karen gab sie ihm auch, und er merkte nicht, dass sie einen winzigen Moment zögerte.

»Ich muss mich erst daran gewöhnen, so viele Menschen um mich zu haben«, setzte sie dann noch hinzu.

»Wir brauchen so viele Leute. Du glaubst gar nicht, wie viel Arbeit solch ein Besitz macht. Aber ich habe das Glück, alles zuverlässige Mitarbeiter zu haben, auf die ich mich blind verlassen kann. Viele waren schon bei meinem Vater im Dienst, manche arbeiten schon seit Generationen auf Steinberg. So etwas verpflichtet natürlich, uns genauso wie sie. Hast du Mamsell Jule gesehen? Sie kam sich so wichtig vor … Sag ihr nachher ein paar nette Worte. Ich möchte wetten, dass sie uns den Imbiss persönlich bringt, obwohl das Servieren nicht zu ihren Pflichten gehört. Du bist ja jetzt eine wichtige Persönlichkeit für sie geworden. Von dir allein hängt es ab, ob sie in Zukunft gern auf Steinberg ist oder nicht.«

Von mir hängt es ab … hallte es in Karen nach. Ich bin doch gar nicht so wichtig. Sie schluckte, und Friedrich-Wilhelm las ihr die Gedanken vom Gesicht ab. Er lachte verständnisvoll.

»Du wirst dich bald daran gewöhnen, dass sich alles auf Steinberg um dich dreht«, behauptete er. »Mit mir angefangen.«

Karen schaute auf die Tür, als geklopft wurde. Ob jetzt die Mamsell kam, der sie etwas Nettes sagen sollte? Eine füllige Frau im schwarzen Kleid, das sich an den Nähten gefährlich spannte, kam mit einem Tablett herein.

Das ist sie!, dachte Karen und lächelte verkrampft. Sie sah, dass die Mamsell sie recht prüfend musterte, als wolle sie ihr ins Herz schauen.

»Mamsell Jule sorgt vorbildlich für unser leibliches Wohl. Ich wüsste nicht, was wir ohne sie auf Steinberg gemacht hätten.« Friedrich-Wilhelm legte den Arm leicht um Frau Jules Schultern. »Es gibt kein Gut in der weiten Umgebung, auf dem man uns nicht um unsere tüchtige Mamsell Jule beneidet.«

»Herr Graf …« Die Frau machte tief errötend einen verunglückten Knicks, und Karen sah ihr an, wie unendlich sie sich über das Lob des Mannes freute.

»Auch ich habe nur Rühmenswertes über Sie gehört. Vielen Dank für die reizende Begrüßung, Mamsell.« Ich müsste noch etwas Nettes sagen, überlegte Karen, aber ihr fiel beim besten Willen nichts ein. Friedrich-Wilhelm konnte es viel besser.

»Was haben Sie denn Feines für uns vorbereitet?« Mit gut gespielter Neugierde hob der Graf den Deckel von einer Schüssel. »Wie das riecht … Ich glaube, man könnte ein Essen mit zehn Gängen hinter sich haben, und doch würde einem bei diesem Duft noch das Wasser im Munde zusammenlaufen.«

»Es ist nur Ragout, Herr Graf, weil ich dachte, so eine Kleinigkeit nach der Reise … Das richtige Essen habe ich ja für heute Abend vorbereitet.«

»Wir wollen Ihr Ragout nicht kalt werden lassen.« Der Graf setzte sich, während die Mamsell ihnen vorlegte.

»Es schmeckt wunderbar, Mamsell Jule, wirklich ganz ausgezeichnet. Wir bedienen uns jetzt allein. Vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben.«

»Für Sie tue ich das doch gern, Herr Graf.«

»Für meine Frau doch sicherlich auch«, gab Friedrich-Wilhelm ihr einen Wink mit dem Zaunpfahl.

»Selbstverständlich.« Aber das klang nicht ganz überzeugend.

Sie mag mich nicht, dachte die junge Gräfin. Vielleicht hat sie Angst, ich würde ihr in ihre Angelegenheiten hineinreden. Was erwartet Friedrich-Wilhelm eigentlich von mir?

***

»Was hast du heute gemacht?«

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