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In Adelskreisen - Folge 41

In Adelskreisen

Tauchen Sie ein in die glanzvolle Welt des Hochadels.

Erleben Sie Leid und Glück in Märchenschlössern und Liebe, die nicht nach Rang und Namen fragt.

Mein Herz will dich

Doch Anja weiß, dass ihre Liebe hoffnungslos ist

Von Michaela Hansen

Für die junge Anja ist es Liebe auf den ersten Blick, als sie dem Grafen von Rhoden begegnet. Und auch er ist von der sanften, anmutigen Gestalt hingerissen. Anja verkörpert alles, was er sich von einer Frau erträumt.

Aber beide wissen auch, dass ihre Liebe hoffnungslos ist, denn im Schloss wartet die Verlobte des Grafen. So versuchen die Liebenden mit aller Kraft, ihre Gefühle zu unterdrücken, doch ein einziges Mal werden sie schwach …

»Heute kommt dein Onkel Martin. Freust du dich schon?« Die Kinderfrau Sophie stellte eine Tasse Kakao vor den achtjährigen Stefan hin.

»Bringt er die Frau mit?«, fragte der Junge abweisend.

»Natürlich bringt er Fräulein Brady mit. Sie ist ja seine Verlobte«, erklärte die Kinderfrau. »Sie wird dir schon gefallen. Bestimmt ist sie sehr nett, sonst hätte sich dein Onkel Martin ja nicht mit ihr verlobt.«

»Ich kann sie nicht leiden«, behauptete Stefan.

Die Sonne eines schönen Spätsommertages fiel durch das Fenster und ließ das Haar des Jungen golden aufleuchten.

»Was hast du denn gegen Fräulein Brady? Du kennst sie ja gar nicht«, meinte Sophie.

»Trotzdem mag ich sie nicht«, beharrte Stefan. »Warum muss sich Onkel Martin denn verloben? Vati hat auch keine Frau mehr genommen, nachdem Mutti gestorben ist.«

Voller Mitleid blickte die Kinderfrau den Jungen an. Außer seinem Onkel Martin hatte er nun niemanden mehr auf der Welt. Erst vor ein paar Wochen war sein Vater nach einem Reitunfall gestorben. Seine Mutter war schon seit vier Jahren tot.

Sein richtiger Onkel war Martin Graf von Rhoden eigentlich nicht. Er war der Neffe seines Vaters. Aber es hatte sich so eingebürgert, dass Stefan ihn Onkel nannte.

Eigentlich war es erstaunlich, dass sich der Junge überhaupt noch an ihn erinnerte. Vor vier Jahren war Graf Martin zum letzten Mal auf Schloss Rhoden gewesen. Zur Beerdigung von Stefans Mutter war er gekommen.

Danach war er wieder nach England zurückgekehrt, wo er seit seinem Studium in Oxford lebte und einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb führte.

»Er wird diese Frau also heiraten«, sagte Stefan nach einer Weile.

»Natürlich! Man verlobt sich zuerst, um später zu heiraten, das ist nun einmal so.«

»Wenn sie bloß in England geblieben wäre.« Stefan seufzte schwer.

Sophie strich dem Jungen beruhigend über das Haar.

»Du wirst dich schon an sie gewöhnen«, sagte sie begütigend. »Wahrscheinlich ist sie viel netter, als du denkst. Sicherlich hat sie Kinder sehr gern und wird auch dich lieb haben.«

»Sie soll mich gar nicht lieb haben«, stieß Stefan hervor. »Hoffentlich gefällt es ihr in Deutschland überhaupt nicht.«

»Aber Stefan, wie kannst du nur so hässlich reden? Dein Onkel wäre bestimmt sehr traurig, wenn er das hören würde.«

»Onkel Martin soll bei mir bleiben«, sagte Stefan.

»Er bleibt ja auch bei dir«, antwortete Sophie. »Als er das Erbe annahm, hat er auch den letzten Wunsch deines Vaters respektiert. Er wird dich niemals verlassen.«

Stefans Vater hatte seinen Neffen als Vermögensverwalter und Miterben eingesetzt. Er hatte auch die volle Nutznießung des riesigen Vermögens. Dafür trug er nicht nur die volle Verantwortung für den Jungen, sondern sollte ihn, wenn irgend möglich, auch adoptieren.

»Aber Vati hat nicht gewusst, dass er diese Frau mitbringen würde«, sagte Stefan altklug.

»Möchtest du noch ein Stückchen Kuchen?«, fragte Sophie, um den Jungen abzulenken. Normalerweise bekam Stefan zum Frühstück keinen Kuchen. Aber seit der Vater so plötzlich gestorben war, verwöhnte die Kinderfrau den Jungen ein wenig.

»Ja, von dem Kirschkuchen«, bat Stefan.

Die Kinderfrau legte ihm ein Stück auf den Teller, und Stefan begann schnell zu essen. Er liebte Kuchen über alles, Kuchen und Eis.

Etwas sorgenvoll fragte sich Sophie, wie sich nun das weitere Leben wohl auf Schloss Rhoden abspielen würde. Sie war nun schon über dreißig Jahre angestellt und hatte so einiges miterlebt.

Martin Graf von Rhoden hatte dem Rechtsanwalt mitgeteilt, dass er mit seiner Verlobten an diesem Tag nach Rhoden kommen würde. Durch den Rechtsanwalt hatte die Dienerschaft davon erfahren.

Natürlich waren alle bestrebt gewesen, das Schloss auf Hochglanz zu bringen. Graf Martin sollte den besten Eindruck von ihnen haben.

Einige befürchteten wohl auch, dass der Graf Entlassungen vornehmen würde oder Änderungen anderer Art einführen könnte.

Man kannte den jungen Grafen von Rhoden zu wenig. Und dass es jetzt bald eine Herrin auf Schloss Rhoden geben würde, war auch etwas Neues für die meisten der Dienstboten. Schließlich hatte der Graf seit dem Tod seiner Frau mit seinem Sohn allein hier gelebt.

Man sah der neuen Situation also voller Spannung und Aufregung entgegen. Auch dem Verwalter schien es nicht recht zu passen, dass nun ein anderer Graf von Rhoden Herr dieses Schlosses und der weitläufigen Besitzungen und Liegenschaften sein würde.

Eberhard Graf von Rhoden hatte ihm ziemlich viel freie Hand gelassen. Der Graf hatte sich mehr für sein Gestüt interessiert als für die Landwirtschaft und die personellen Belange des Schlosses. Dafür war der Verwalter zuständig gewesen.

Nun musste er befürchten, dass seine Machtbefugnisse beschnitten wurden. Das war etwas, was ihm gar nicht gefiel.

»Wann kommt Onkel Martin?«, fragte Stefan.

Sophie hatte einen Augenblick am Fenster gestanden und auf den Schlosspark hinuntergesehen, wo die schönen purpurroten Rosen ihre volle Pacht entfalteten. Jetzt wandte sie sich zu dem Jungen um.

»Gegen vier Uhr wird dein Onkel erwartet«, antwortete sie.

Stefan stand auf.

»Dann habe ich ja noch viel Zeit«, meinte er und ging zur Tür.

»Was willst du denn heute unternehmen?«, wollte Sophie wissen.

»Ich weiß noch nicht«, erwiderte der Achtjährige und schlüpfte hastig zur Tür hinaus.

Die Kinderfrau schüttelte den Kopf. Sie machte sich ein wenig Sorgen um Stefan. Der Junge war manchmal schwer unter Kontrolle zu bringen.

Nach dem Tod des Vaters war er besonders wild geworden. Vielleicht drückte sich so seine große Trauer aus. Sophie hoffte von ganzem Herzen, dass Martin Graf von Rhoden dem Jungen ein guter Freund sein würde. Stefan brauchte jemanden, der ganz für ihn da war.

***

»Und hier werden wir von nun an leben?« Helen Brady, in einem eleganten cremefarbenen Kleid aus Rohseide, lehnte sich bequem im Polster der großen Luxuslimousine zurück und sah Graf Martin an.

»Ja, das ist deine neue Heimat«, bestätigte Graf Martin lächelnd. »Ich hoffe, es wird dir hier gefallen, Helen.«

Die mittelgroße, überschlanke Dame mit dem dunklen Pagenkopf blickte skeptisch zum Fenster hinaus.

»Ich habe mir alles irgendwie ein bisschen anders vorgestellt«, sagte sie. Es klang etwas hochmütig.

»Wie anders?«, fragte Graf Martin.

»Ich habe gedacht, es gäbe mehr Wälder hier«, erwiderte Helen.

Der dunkelblonde Graf mit den interessanten grauen Schläfen lachte leise.

»Die Wälder beginnen hinter dem Schloss«, erklärte er. »Davon haben wir genug. Du wirst dich später davon überzeugen können, dass alles ganz genau deinen Wünschen entspricht.«

Helen wandte sich wieder ihrem Verlobten zu. Ihre außergewöhnlichen grünen Augen musterten Martin kühl.

»Es muss doch eine ungeheure Arbeit machen, all diese Ländereien zu bewirtschaften«, sagte sie. Sie sprach fließend Deutsch, ihr leichter Akzent war kaum zu bemerken.

»Dafür hatte mein Onkel selbstverständlich einen Verwalter, und diesen Verwalter werde ich übernehmen«, erklärte Graf Martin. »Du brauchst also nicht zu befürchten, dass ich meine ganze Zeit nur mit der Landwirtschaft verbringe.«

»Das hoffe ich auch nicht«, sagte Helen. »Hatte dein Onkel gesellschaftliche Kontakte?«

»Ich denke schon.« Graf Martin nickte.

»Du weißt es also nicht?«, fragte Helen.

»So genau bin ich über das Leben meines Onkels nicht informiert«, gestand Martin. »Du weißt ja selbst, dass ich einige Jahre in England gewesen bin. In der Zeit hatten wir nur flüchtigen Kontakt.«

Helen Brady war die Tochter des alten Lord Philipp Brady of Bradstone. Graf Martin hatte sie auf einer Gardenparty kennengelernt. Die junge Frau hatte ihn unwiderstehlich angezogen. Es waren wohl ihre Eleganz, ihre Vornehmheit und ihre kühle Zurückhaltung, die ihn gereizt hatten, Helen näher kennenzulernen.

Dazu sah sie auch noch hervorragend gut aus. Die grünen Augen unter der schwarzen, glatten Frisur hatten ihn nicht mehr losgelassen.

Auch Helen war von dem deutschen Grafen beeindruckt gewesen. Sie hatte seiner liebenswürdigen, charmanten Art nicht widerstehen können. So hatten sie sich verlobt.

Langsam glitt jetzt die Limousine die Auffahrt zum Schloss hinauf. Die Auffahrt, durch eine Buchenallee begrenzt, war fast zwei Kilometer lang.

Helen zeigte sich nun doch beeindruckt.

»Es sieht wirklich alles sehr prächtig aus«, bemerkte sie. »Du hast ganz recht, Martin, ich glaube schon, dass ich mich hier gut einleben werde. Wenn nur nicht dieser Junge wäre!«

Das hatte gleich zu einem kleinen Streit zwischen ihnen geführt. Nachdem Graf Martin vom Tod seines Onkels und der Erbschaft erfahren hatte, hatte er Helen nicht verschwiegen, dass sein Onkel noch auf dem Sterbebett verfügt hatte, dass Martin das Erbe nur antreten könnte, wenn er auch den Jungen bei sich behielt.

Zuerst war Helen über diese Verfügung außer sich gewesen. Sie war keine Frau, die sich besonders für Kinder interessierte. Martin hatte sie schließlich zu beruhigen gewusst. Und da die junge Frau Martin nicht aufgeben wollte, hatte sie sich schließlich gefügt. Dennoch war sie voller Abneigung gegen das Kind, ohne es überhaupt zu kennen.

Martin sagte jetzt: »Glaub mir, Helen, wenn du ein wenig versuchst, den Jungen zu verstehen, wirst du sehr gut mit ihm auskommen. Es ist jetzt vier Jahre her, dass ich Stefan zuletzt gesehen habe. Doch ich glaube kaum, dass er sich wesentlich geändert hat. Damals war er ein stiller, lieber kleiner Kerl. Man musste ihn einfach gern haben.«

Helen seufzte tief.

»Ich habe so gar keine Beziehung zu Kindern«, sagte sie.

Martin legte ihr flüchtig die Hand auf den Arm.

»Das kommt alles ganz von selbst. Du bist schließlich eine Frau. Die meisten Frauen kommen mit Kindern gut zurecht. Das ist einfach ein Gesetz der Natur. Ich bin ganz sicher, du wirst dich mit Stefan verstehen. Natürlich wird er zuerst etwas scheu sein, aber das gibt sich mit der Zeit. Er wird dich schon allein deshalb so gern haben, weil du so schön bist.«

Nun lächelte Helen.

»Hoffentlich hast du recht«, erwiderte sie. »Ich habe gehört, dass Kinder unberechenbar sein können.«

»Ach was!« Martin winkte lächelnd ab. »Außerdem gibt es einen Privatlehrer für den Jungen und eine Kinderfrau. Wenn es also gar nicht klappen sollte mit euch beiden, werden wir einen anderen Weg finden.«

Wieder seufzte Helen. Sie hatte sich fest vorgenommen, keine Konzessionen zu machen. Der Junge hatte sich nach ihr zu richten! Dennoch kam es ihr vor, als würde dieses Kind ihre Beziehung zu Graf Martin stören. Vielleicht war sie auch deshalb voreingenommen gegen Stefan.

Der Wagen näherte sich dem Schloss. Ehe sie die Freitreppe erreichten, führte der Weg durch einen Teil des riesigen Schlossparks.

»Meine Güte, wie sieht denn der Rasen aus?«, entfuhr es Helen entsetzt, die natürlich als Engländerin in diesem Punkt sehr verwöhnt war. »Und die Rosensträucher!«

Auch Martin zeigte sich überrascht. Der Park war tatsächlich in keinem besonders guten Zustand.

»Ich werde sofort morgen mit dem Gärtner sprechen«, versprach er. »Seit dem Tod meines Onkels ist hier vermutlich wenig getan worden. Du weißt ja, wie Dienstboten sind, wenn sie keine Aufsicht haben.«

»Vielleicht sollte ich selbst mit dem Gärtner sprechen«, meinte Helen. »Du weißt ja, ich verstehe etwas vom Rasen und auch von Rosen. Du kennst ja Papas Rosenzucht.«

»Ja, sie ist ganz prachtvoll«, bestätigte Martin. Er parkte den Wagen direkt vor der Freitreppe, stieg aus und half dann Helen beim Aussteigen. Die junge Dame strich sich das Kleid glatt.

»Nur Mut, mein Liebling«, raunte Graf Martin lächelnd. »Es wird alles gut werden.«

Helen sah ihn ruhig an.

»Wovor sollte ich mich fürchten?«, fragte sie kühl.

»Da hast du auch wieder recht«, sagte Graf Martin. Er legte leicht seine Hand unter Helens Arm und führte sie die Treppe hinauf.

Sie standen direkt vor der Schlosstür, als mit einem Male etwas vom oberen Balkon heruntergeflogen kam. Helen und Martin bemerkten es erst, als es mit einem ohrenbetäubenden Knall direkt vor Helens Füßen auseinander sprang.

Eine Wasserfontäne ergoss sich über Helens Kleid. Die junge Frau trat erschrocken einen Schritt zurück und schrie angewidert auf. Schnell warf Graf Martin einen Blick nach oben.

Er sah gerade noch, wie ein blonder Kopf hinter einer Säule des Balkons verschwand. Im ersten Impuls war ihm zum Lachen zumute, doch er unterdrückte es. Er wusste, dass Helen dafür kein Verständnis haben würde.

»Das ist unerhört!«, zischte Helen. »Was für eine Frechheit! Wer konnte sich einen solch üblen Scherz mit mir erlauben?«

Sie war in diesem Augenblick wieder ganz die hochmütige Tochter des Lord Brady of Bradstone.

»Beruhige dich doch, meine Liebe, es ist ja nichts passiert«, sagte Graf Martin.

»Nichts passiert?«, fuhr Helen wild auf. »Wie sehe ich jetzt aus? Sieh dir mein Kleid an! Das war ein Attentat!«

Nun konnte Graf Martin ein leises Lachen doch nicht unterdrücken.

»Sieh doch, es war nur eine durchsichtige Plastiktüte, die mit Wasser gefüllt ist. Durch den Aufprall ist sie auseinandergeplatzt und …«

»Du brauchst mir gar nicht zu erklären, wie es geschehen ist«, erklärte Helen. »Stell bitte sofort fest, wer dafür verantwortlich ist. Oder ist es vielleicht ein typisch deutscher Brauch, seine Gäste so zu begrüßen?«

»Wir sind nicht Gäste in diesem Haus«, stellte Graf Martin richtig. »Und ein deutscher Brauch ist es gewiss auch nicht. Es sollte ein Scherz sein, nichts weiter.«

Helen zog irritiert die dunklen Augenbrauen zusammen.

»Ein sehr merkwürdiger Scherz«, sagte sie. »Und sehr merkwürdige Angestellte scheinen das hier zu sein.«

»Ich glaube kaum, dass ein Angestellter dafür verantwortlich zu machen ist«, sagte Graf Martin.

»Und wer sonst?«, wollte Helen wissen.

Martin schwieg. Er wusste, wer sich diesen Scherz ausgedacht hatte. Hatte er als kleiner Junge nicht auch solche Dummheiten im Kopf gehabt?

Doch er wollte Helen nichts von seiner Vermutung sagen. Sie sollte nicht noch mehr gegen den kleinen Stefan voreingenommen sein.

»So muss ich mich nun dem Personal präsentieren«, sagte Helen. Sie war so empört, wie es ihre vornehme Erziehung zuließ.

Dass sich die Schlosstür inzwischen geöffnet hatte, hatten die beiden gar nicht bemerkt. Der Butler Friedrich stand im Türrahmen.

»Oh, Herr Graf«, sagte er, »gnädiges Fräulein.« Er machte eine Verbeugung.

Martin Graf von Rhoden lächelte dem Butler zu und reichte ihm herzlich die Hand.

»Guten Tag, Friedrich. Wie geht es Ihnen?«

»Sehr gut, Herr Graf, vielen Dank. Der Herr Verwalter und die anderen Angestellten erwarten Sie schon, Sie und das gnädige Fräulein«, meinte er.

»Uns ist da ein kleines Missgeschick passiert«, erläuterte Graf Martin. Wieder hatte er leicht seine Hand unter Helens Arm gelegt. »Fräulein Brady möchte sich erst umziehen, ehe sie das Personal kennenlernt.«

Der Butler machte ein etwas verlegenes Gesicht.

»Aber das Personal ist bereits vollzählig in der Halle erschienen«, entgegnete er leise.

»Dann nehmen wir den Seiteneingang«, sagte Graf Martin. »Das ist doch kein Problem. Es ist dir doch lieber so, nicht wahr, Helen?«

»Allerdings«, sagte sie steif.

Der Butler wollte das Paar begleiten, aber Martin winkte ab.

»Ich kenne mich schließlich hier aus, Friedrich«, meinte er. »Wir sehen uns dann später in der Halle.«

»Wie Diebe müssen wir uns durch den Seiteneingang in das Schloss schleichen«, schimpfte Helen. »Es ist wirklich empörend.«

»In zehn Minuten ist das alles vergessen«, tröstete Martin. »Nimm es nicht so schwer.«

Sie gingen ein Stück durch den Schlosspark und betraten das hohe weiße Gebäude schließlich durch eine kleine Seitentür. Eine geschwungene Treppe führte nach oben.

»Ich kann mir schon denken, wer mich so erschrecken wollte«, sagte Helen plötzlich. »Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen? Es war dieser Junge, nicht wahr?«

Martin schwieg.

»Natürlich war er es. Du darfst nicht vergessen, dass er nicht mehr vier Jahre alt ist. Er ist inzwischen acht. Da ist er schon zu so etwas fähig.«

»Bitte erreg dich nicht, meine Liebe«, mahnte Graf Martin. »Er hat es bestimmt nicht böse gemeint.«

»Ach nein, es war sicherlich eine freundliche Geste, nicht wahr?«, entgegnete Helen spitz. »Vermutlich hat er mich sogar mit diesem Ding treffen wollen.«

»Ich werde später mit ihm reden«, versprach Graf Martin.

Sie waren im oberen Gang angekommen, der an der Galerie vorbeiführte. Martin war etwas ratlos. So gut kannte er sich auf Schloss Rhoden nun auch wieder nicht aus. Welche Zimmer waren wohl für Helen reserviert worden?

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