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Immer wieder

Dich nun loslassen

Dich nicht mehr spüren

Dich wegdenken

Von dir flüchten

Mich von dir verabschieden

Nicht mehr von dir träumen

Ohne dich sein

Dich gehen lassen

Tränen in meinem Herzen

Den Mond sehen und nicht an dich denken

Dich nicht mehr finden

Dich nie mehr vermissen

Dir zuflüstern, wie sehr du mich berührt hast

Deine Hand in meiner – loslassen

Meine Seele von deiner entflechten

Dich fliegen lassen

Die Trauer verwandeln

Dir Glück wünschen

Dir winken zum Abschied

Dir den Sturm nehmen

Dich in deinen Hafen leiten

Mich noch einmal umkehren

Einen Kuss über die Wellen hauchen

Lieben über die Sterne hinaus

Es verträgt sich gut, du und diese Stadt. Auch im Herbst. Wenn die Blätter fallen und der Weg von mir zu dir kürzer scheint. Auch der Nebel ändert daran nichts. Im Nebel die Sonne sehen, sagst du, darauf kommt es an.

Wir sind durch den Wald geschlichen, nicht dass wir noch die Eicheln am Boden zertreten hätten.

Neben uns joggten die Senioren und hingen an Turnringen. Du riebst mir eine Mücke aus dem Auge. Ich weine doch nicht wegen dir, hab ich gesagt. Wo hätte das nur hingeführt, so viele Tränen.

Unser erstes richtiges Date hatten wir an meinem Geburtstag. Wie blöd, finde ich. Denn wenn es nicht gut läuft, das mit uns dann sind meine Geburtstage nun immer schlecht.

Du warst nicht höflich, als wir uns das erste Mal sahen. Nicht mal gegrüßt hast du, sagst du. Ich kannte dich nicht, wieso hätte ich dich dann grüßen sollen, frage ich. Das wäre immerhin ein Anfang gewesen, meinst du. Das habe ich ja dann auch gemacht. Stimmt, der erste Satz fiel so mitten in der Nacht. Hat das einsam geklungen, frage ich. Nein, er war irgendwie schlicht und vielleicht deswegen so romantisch. Dabei bist du ja gar nicht romantisch. Rote Rosen, damit könne man dich jagen, du hast mir gleich den Tarif durchgegeben. Du hättest sie mir wahrscheinlich um die Ohren geschlagen. Wie die Tasse damals. Nur fast, sage ich.

Einmal hast du mir eine Blume gebracht, ohne Papier natürlich. Ein unglaubliches Blau war das. Klar, du musstest eine Blume schenken, die noch niemand je gesehen hat. Alles andere wäre ordinär gewesen. Du hast sie gemocht, die Blume vertrocknete und stand noch monatelang in der Vase. Das habe ich schon gesehen, sagst du. Das war dir doch recht, sage ich. Ein Stück von dir bei mir. Man muss schließlich sein Revier abstecken. Du hast sogar absichtlich deine Zahnbürste bei mir stehen gelassen. Manchmal, wenn ich Sehnsucht nach dir hatte, habe ich mir damit die Zähne geputzt. Warum sollte ich das hin und her schleppen, sagst du.

Warum hast du dich am Anfang eigentlich so lange nicht gemeldet? Du hast mich schier verrückt gemacht. Gopf! Habe dich dann etliche Male zum Teufel geschickt. Bist auf verschiedenen Hochzeiten getanzt und wusstest nicht mehr, wo du welchen Tanzschritt gemacht hast? Ach, hör auf, so war es nicht, sagst du. Aber ich fand, man muss ein bisschen Tempo rausnehmen. Immer schön gemütlich. Nichts überstürzen. Du warst ziemlich direkt, obwohl deine Sätze manchmal ganz schön schwer zu verstehen waren. Und dann hast du dir gedacht, lassen wir sie doch ein bisschen warten, die bleibt schon an der Angel, oder was, frage ich. Bist du ja, sagst du und lächelst unverschämt. Kaum zu glauben, dieses Selbstbewusstsein. Dabei war ich kurz davor, wieder mit dem Anderen loszuziehen. Es hat gestürmt und keine Antwort von dir – und er wollte mit mir irgendwohin in die Sonne fahren. Das war mal ein Angebot. So direkt und fassbar – ohne zu zögern. Das ist auch eine Charaktereigenschaft – vielleicht hätte ich mir das wirklich überlegen sollen. Dann hättest du dir wieder einen Sonnenbrand geholt, irgendein Bananenmousse unter dem Vollmond gegessen und trotzdem von mir geträumt, sagst du. Ich kenn dich doch.

Meinst du etwa, ich hätte von dir geträumt, wie du eine Zigarette nach der anderen rauchst – mir womöglich noch ins Gesicht – und von irgendwelchen Projekten erzählst, die demnächst den großen Durchbruch schaffen würden? Bestimmt nicht, das wäre reinste Zeitverschwendung gewesen.

Apropos Zeit. Ich hatte mal eine Zeit, die fühlte sich wie Liftfahren an, einfach nur abwärts und ohne Halt. Wer hat dich da gestoppt, fragst du. Ich mich selbst. Ich lag nur im Bett, hab gelesen und mir den Frühling erträumt. Und dann ist er tatsächlich plötzlich da gewesen.

Wie die Raupe zum Schmetterling, sagst du. So in etwa. Du hast mir mal eine Karte geschrieben, sage ich, darauf stand: Ich bin eine Fledermaus. Schmetterling und Fledermaus – passt das, fragst du. Jedenfalls können beide fliegen. Ich habe mal etwas Faszinierendes gelesen, sagst du jetzt. Zugvögel, welche nachts fliegen, orientieren sich nach den Sternen. Irgendwie schön. Das könnten wir doch auch. Jetzt weiß ich, warum ich mich immer verfliege, sage ich, ich sehe die Sterne einfach nicht vor lauter Wolken.

Weißt du noch, als du mitten im Winter in den Süden fuhrst, um dort den Sommer zu suchen, frage ich. Du: Ja und du warst zur gleichen Zeit in den Bergen.

Im tiefsten Winter. Meine Sehnsucht nach dir war unerträglich. Alleine und verloren irrte ich den Berg rauf und wieder runter. Die schmalen, lärchengesäumten Wege schlängelten sich den Berg hinauf. Wie Adern. Ich meinte ihr Pochen zu hören und war fest überzeugt, es sei dein Herzschlag.

Manchmal war es so still, dass ich die Schneeflocken auf meine Jacke fallen hörte.

In der Stille wurden meine Gedanken laut. Ich wünschte mir, ich wäre verloren in der Weite Patagoniens, statt verloren im Leben. Du hast es besser ausgehalten, diese Leere. Vielleicht wegen der Sonne im Süden. Oder vielleicht wegen dem Wein, sagst du. Es sind doch immer die winzigen Details, die das Vergessen so schwer machen.

Wie abertausende winzige Sterne haben sie das Herz erleuchtet und die Türen zum Horizont geöffnet. Du siehst ja doch Sterne, sagst du.

Die Hibiskusblüte in Mexico hat auch geleuchtet. So klein, aber mit ihrer Kraft hat sie ihre Farbe zum Scheinen gebracht. Klein und unzerstörbar lag sie auf diesem Weg. Der Weg ausgetrocknet von der Mittagssonne, heiß die Kieselsteine staubig, keine Fruchtbarkeit. Kein Leben auf diesem Weg aber manchmal verirrte Touristen mit verbrannten Beinen, zu kurzen Shorts oder Lastwagen mit Arbeitern, die in den dornigen Gebüschen nach ein wenig Schatten suchten – nach Kühle.

Und irgendwie war diese Hibiskusblüte dort hingekommen – getrieben vom salzigen Meereswind, ist sie dort gelandet. Ich habe sie aufgehoben – habe sie zwischen meine Zehen gesteckt. Zwischen dem großen und den kleinen. Deine große Zehen sehen aus, als ob sie die Welt erobern möchten, hast du gesagt. Danach haben wir uns geliebt, auf dem kühlen Boden, du mit deiner Hibiskusblüte zwischen den Zehen und neben uns die Kakerlaken.

Das Leben feiern, sagst du. Das fällt mir so viel schwerer als dir, sag ich. Dabei tanzt du manchmal, als ob es kein Morgen mehr gäbe, sagst du. Das ist reinste Verzweiflung, sag ich. Weltuntergangsstimmung. Die Welt ist bei dir schon ein paar Mal untergegangen. Oder du mit ihr. Bist in die Tiefe gesunken – was hast du dort gemacht, fragst du. Ich wurde eine Meerjungfrau. Mit Seetang im Haar.

Mit solchen Haaren wie deinen muss man ein wildes Herz haben, sagst du. Aber manchmal zerreißt es fast, sage ich.

Wieso finden wir die Nacktschnecken so hässlich und die mit dem Haus irgendwie schön, frage ich. Ich habe noch nie eine Nacktschnecke gerettet, dafür so viele mit Häuschen. Wie ungerecht. Wenn das bei den Menschen auch so wäre? Du könntest ein wunderbares Herz haben, gehörst aber zu den Nacktschnecken.

Du kannst beruhigt sein, du wärst eine Schnecke mit Haus, sagst du – mit deinen Augen und deinem schiefen Mund. Wenn du wüsstest, wie oft ich mich wie eine Nacktschnecke gefühlt habe, sage ich.

Du hast mal die Pflanzen auf dem Balkon so oft gegossen, dass die Schnecken kamen, sagst du. Wir hätten ein Schneckenwettrennen veranstalten können. Wären die mit oder ohne Haus gewesen, frage ich.

Kann man etwas vermissen, das man nicht kennt? So ging es mir am Anfang mit dir, sage ich.

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