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Immer wenn der Schnee fällt

MARIT REIERSGåRD

Immer wenn

der Schnee fällt

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Magnus Enxing

Zu diesem Buch

Der Winter hält den kleinen Ort Lier seit Wochen fest in seinem Griff: Immer höher wachsen die Schneemassen, die alles in ein eisiges Chaos stürzen. Da verschwindet die fünfjährige Oda spurlos. Ist sie fortgelaufen, oder wurde sie Opfer eines Verbrechens? Schnell gerät David Martí, der Exmann der Mutter, in Verdacht, Oda entführt zu haben. Doch dieser besitzt ein wasserdichtes Alibi, denn er befindet sich außer Landes. Zwei Tage später wird der gewaltsame Tod einer unweit wohnenden Künstlerin entdeckt. Kommissarin Bitte Røed, die ganz neu im Revier ist, und ihr Kollege Verner Jacobsen nehmen sich der Fälle an und vermuten schon bald einen Zusammenhang zwischen den Verbrechen. Um die Aufklärung voranzutreiben, müssen sie jedoch ein dichtes Geflecht persönlicher Beziehungen zwischen den einzelnen – verstorbenen wie lebenden – Personen entwirren: Jeder scheint etwas zu verbergen, überall lauern dunkle Geheimnisse. Schicht für Schicht müssen Røed und Jacobsen die Wahrheit freilegen und stoßen dabei auf ein Netz aus Lügen, Verrat und Intrigen hinter der Fassade der Gutbürgerlichkeit …

Für Mama,

die mir die Amateurdetektivin

Nancy Drew nahegebracht hat.

Crazy skies all wild above me now

winter howling in my face

and everything I held so dear

disappeared without a trace

David Gray

Anfangs ist das Geräusch gedämpft, wie ein entfernter Donner. Ein gelbes Blinken. Dann fährt das Räumfahrzeug um die Kurve. Funken sprühen. Eisen kreischt auf Asphalt. Das Auto kommt mir mit seinen orange pulsierenden Lichtern entgegen, gleichmäßig wie Herzschläge. Während es vorbeifährt, schließe ich die Augen, und erst als das Geräusch gleichsam nur noch Erinnerung ist, öffne ich sie. Nackt liegt die Straße da. Ich werfe einen Blick zurück. Mit weit aufgerissenen Augen liegt sie auf dem Rücksitz. Die Haut wie eine straff gespannte Leinwand. Ich kann nicht stehen bleiben. Ich kann entkommen. Ich muss weiter. Dorthin, wo alles weiß und still ist.

1

Mittwoch, 25. Januar

Manche Tage sind kurz, manche lang. Und einige dauern das ganze Leben, dachte Solveig und entschied, sich genau diesen Tag zu merken. Sie holte tief Luft, atmete sorglosen Alltag ein. Besser als jetzt wird’s nicht! Obwohl es bloß ein normaler Mittwoch und der Tag bis zum Rand mit Gewöhnlichkeit angefüllt war, unterschied er sich vollkommen von anderen Tagen.

Bald kam Erik nach Hause, stampfte sich den Schnee von den Füßen und hinterließ wie üblich nasse Pfützen im Flur, und Oda würde ihm um den Hals fallen. Und ausnahmsweise würde sie sich einmal nicht aufregen, dass er sich die Schuhe nicht sauber machte, bevor er eintrat, sondern die Bratwürste in der Pfanne wenden und den Anblick von Mann und Kind genießen. Ihrem Mann. Ihrem Kind. Nicht mehr lange, und sie würde ihnen mitteilen, was bisher allein sie wusste – dass sie bald nicht mehr nur zu dritt waren.

Hier nun die Regionalnachrichten

Solveig stellte den alten Radiorekorder lauter, der wackelig auf dem Fenstersims in der Küche stand. Vom Fenster aus blickte sie direkt auf den Ringeriksvei hinunter.

Der starke Schneefall in den letzten vierundzwanzig Stunden hat zu großen Verspätungen im gesamten Osten des Landes geführt. Von der E18 wird zähflüssiger Verkehr in beiden Richtungen gemeldet. Beim Einkaufszentrum Liertoppen am Abzweig nach Tranby ist gegen 16.30 Uhr ein Lastzug von der Fahrbahn abgekommen. Bergungsmannschaften sind vor Ort, doch es wird erwartet, dass der Verkehr

Draußen regierte der Winter mit Gewalt. Solveig starrte auf die weißen Felder und auf die Bäume, die sich unter dem Gewicht nassen Schnees krümmten. Seit Neujahr hatte es ununterbrochen geschneit, und die Meteorologen verkündeten den Wetterbericht mit einer begeisterten Faszination, die im gleichen Maß wie die Schneewälle am Straßenrand anstieg. Die Zeitungen spekulierten darüber, ob die globale Erwärmung bloß ein Bluff sei.

Lier wird auf jeden Fall verschont, dachte Solveig lächelnd. Sie drehte das Radio wieder leiser, während sie ein unbestimmtes Gefühl der Unruhe abschüttelte. Mit einem Mal schien etwas Gewichtiges in der Luft zu hängen, eine fast vernehmbare Schwere. Ein dunkler Ton weit unterhalb dessen, was das menschliche Ohr wahrnehmen konnte, der jedoch ein beunruhigendes Surren in die Luft entsandte. Abermals schüttelte sie das Gefühl ab und klammerte sich an den empfindlichen Spross aufkeimenden Glücks. War es nicht immer so? Da empfand man schon einmal ein tiefes Glücksgefühl, und gleich hatte man Angst, es könne nicht von Dauer sein. Es war wohl bloß dem Winter, der Kälte und dem Schneechaos mit all seinen Verzögerungen geschuldet, die wieder die Oberhand gewinnen wollten. Bald jedoch schmolzen die meterhohen Schneewälle zu kühlen Andenken, und es würde Frühling werden.

Solveig holte einen halb vollen Kartoffelsack aus dem Vorratsschrank. Keimlinge bohrten sich durch den staubigen Sack. Gerade noch schaffte sie es, sich ein Schimpfwort zu verkneifen, als ihre Tochter in die Küche kam. Oda hatte den Pappkarton mit all ihren Teddybären hinter sich hergeschleppt und verteilte sie jetzt auf dem Boden.

»Mama, können wir nach draußen gehen?«

Oda mühte sich mit dem weißen Lämmchen ab, das nicht mehr weiß war, und wollte es zum Sitzen bringen.

»Nein, ich koch jetzt erst das Abendessen.«

Oda presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, während sie weitere Teddybären und Kuscheltiere aus dem Karton hervorholte.

»Was gibt’s denn? Pfannkuchen?«

»Ein anderes Mal vielleicht.«

»Das sagst du immer. Bei Matthias gibt’s jeden Tag Pfannkuchen. Mit Schokocreme!«

Trotzig sah sie ihre Mutter an.

»Können wir nach draußen gehen?«

»Ich hab doch gesagt Nein. Ich koche gerade. Es ist dunkel. Und es schneit.«

Solveig schnitt ein Stückchen Bratwurst ab und reichte es ihrer Tochter.

»Hunger?«

Oda schüttelte den Kopf.

»Ich will raus. Du brauchst ja nicht mitzukommen.«

Solveig ließ sich den Vorschlag durch den Kopf gehen und spürte wie so häufig, dass sie bereit war nachzugeben. Heute fiel es ihr leicht, nett zu sein. Die Schwermut, die zuvor Besitz von ihr ergriffen und sie mit einer vagen Traurigkeit erfüllt hatte, hatte ihre Zelte abgebrochen und Platz gemacht für einen trubeligen Jahrmarkt. Als wäre sie voller Zuckerwatte.

»Ich will raus. Ich will, ich will, ich will!«

Wie wenig die Tochter ihr glich. Solveig war ein stilles Kind gewesen. Sie hatte gern mit ihren Malsachen unter dem Küchentisch gesessen und den Gesprächen der Erwachsenen gelauscht. Oda hingegen stand am liebsten im Mittelpunkt, am besten vor einem applaudierenden Publikum.

»Na gut, du unmögliches Kind«, erwiderte Solveig lächelnd und zog Oda leicht an einem Zopf. »Dann musst du aber erst aufräumen.«

»Yesss!«

Oda flitzte schon in den Flur hinaus. Das Lämmchen lag mit unglücklich verbogenem Nacken auf dem Küchenboden zusammen mit einem Dutzend anderer verlassener Kuscheltiere.

Im Herbst sollte Oda eingeschult werden. Das meiste schaffte sie schon selbst. Sie zog sich die von ihrer Oma selbst gestrickten Socken an, kam allein in den rosa Schneeanzug und machte den Reißverschluss zu, ohne sich das Kinn zu klemmen. Beim Anziehen der Stiefel, die plötzlich zu klein schienen, benötigte sie allerdings Hilfe. Sie drohte ihren Füßen und zwängte sie hinein, sodass ihr Gesicht rot anlief. Solveig half ihr, die Ärmel über die Handschuhe zu ziehen, und vergewisserte sich, dass die Schlaufen unter den Stiefeln saßen, bevor sie ihrer Tochter einen Kuss auf die Stirn gab.

»Du spielst vorne, damit ich dich vom Fenster aus sehen kann.«

Oda verdrehte übertrieben die Augen und lief rückwärts hinaus.

Als Solveig in die Küche zurückging, stolperte sie über die Naht im Bodenbelag, wo sich eine Ecke gelöst hatte und nach oben klaffte. Sie erinnerte sich, dass der Makler bei der Besichtigung von einem spannenden und originellen Haus mit Seele gesprochen hatte. Streng genommen war das Spannendste, wie lange es noch dauerte, bis sie genötigt waren, die Böden zu erneuern. Und am originellsten war wohl das Bad, das in den Fünfzigern einmal als Abstellraum gedient hatte, gerade groß genug, um eine Duschkabine, ein Waschbecken und ein Klo hineinzuzwängen. Die Möglichkeiten sind grenzenlos! Zweifelsohne, der junge Makler hatte recht. Wenn man Geld besaß.

Solveig dachte daran zurück, wie sie die Augen vor den Kosten für die Instandsetzung des Hauses verschlossen und Erik dazu gebracht hatte, in dem Haus das zu sehen, was sie sah – ein Zuhause. Eine neue Adresse, die zusammen mit ihrem neuen Nachnamen zu einem Ort werden sollte, wo ihr nichts Böses widerfahren konnte. Ein Ort, an dem sie nie mehr Angst haben würde.

Dass in der Nachbarschaft über sie geredet wurde, wusste sie. Es bedurfte keiner besonderen Hellsichtigkeit, um den schlecht verhohlenen Missmut zu bemerken, der ihnen entgegengebracht wurde, weil sie im letzten Sommer weder das Haus gestrichen noch den Gartenzaun repariert hatten. Die Zeit hatte sich über die Jahre den Bauch mit modrigem Holz vollgeschlagen, und an manchen Stellen grinste der Lattenzaun einen an wie ein zahnloser Greis. Sie passten nicht hierher. Sie waren Unkraut. Im letzten Jahr hatte Familie Egge den Preis der Gemeinde für den schönsten Garten gewonnen. Das einzig Gute an dem vielen Schnee ist, dass alle Gärten gleich aussehen, dachte Solveig.

Die meisten wohnten schon immer in dieser Gegend. Sie waren auf riesigen Höfen mit Wäldern aufgewachsen oder wohnten seit Generationen in großen Häusern mit Rundblick. Die gehörten dazu, zählten etwas. Sie und Erik hatten sich zu einem horrenden Preis eingekauft, und das windschiefe Sanierungsobjekt war alles, worauf sich die Bank einlassen wollte. Beide hatten sie alte Schulden mit in ihr neues gemeinsames Leben gebracht; Erik hatte mit Verlust seine Wohnung verkauft, und sie war so dumm und naiv gewesen und hatte ihr Erspartes für die überzogene Kreditkarte und fehlgeschlagene Investitionen ihres Exmannes aufgebraucht. Eigentlich machte es nichts, wenig Geld zu haben, schlimm war einzig, wenig Geld in solch einer Gegend zu haben.

»Aber ich glaube an dieses Haus und an alles, was dazugehört«, sagte sie laut, wie um sich selbst zu überzeugen.

»Ich glaube an Laminat und Teppiche von Ikea. Ich glaube an niedrige Zinsen und an eine neue Spülmaschine. Ich leugne die Feuchtigkeit im Keller und den Schimmel im Bad. Und ich hoffe und bete und glaube, dass David uns hier niemals finden wird.«

Liefe es richtig schlecht, müssten sie das Ferienhäuschen verkaufen. Auch das musste renoviert werden, aber bislang hatte sie den Gedanken an den Blick ihrer Mutter nicht ertragen, wenn sie ihr mitteilen würde, dass sie sich einen Verkauf vorstellen konnten. Ihre Eltern hatten es ihr großzügig überlassen. Noch immer klang die Stimme ihrer Mutter ihr wie ein Echo in den Ohren, als das Erbe unwiderruflich feststand.

»Jetzt könnt ihr machen, was ihr wollt. Du hast meine Gardinen ja noch nie leiden können, ich weiß. Ja, ja, du brauchst gar nicht so tun, als ob …«

Mutter hatte gelächelt und ihr schelmisch zugeblinzelt, als Solveig zum Protest anheben wollte.

»Außerdem warst du schon immer der Meinung, das Häuschen müsste eigentlich rot sein …«

Unterschwellig hatten sie ihnen zu verstehen gegeben, dass es nun an Solveig und Erik war, für den Erhalt zu sorgen. Und sie erwarteten, dass sie sich dankbar zeigten.

»Ich hoffe doch, dass wir euch besuchen dürfen.«

Besondere Betonung hatte Mutter auf besuchen gelegt. Sie war nicht dumm, wusste die Fäden in der Hand zu halten, auch wenn sie sie augenscheinlich losließ.

Solveig stellte die Herdplatte mit dem Kartoffeltopf eine Stufe niedriger und räumte die Kuscheltiere zurück in den Karton. Sie hob das Lämmchen auf und roch daran, eine Mischung aus süßem Kaugummi und saurem Speichel. Einen Augenblick lang zögerte sie. Ohne das Lämmchen konnte Oda nicht schlafen, aber wenn Solveig es neben den Petroleumofen im Wohnzimmer hinge, trocknete es vielleicht, bis Schlafenszeit war. Sie riskierte es und warf es zusammen mit der anderen Schmutzwäsche in die Wäschetrommel. Der Poststapel lag auf der Waschmaschine und zitterte leicht, als die Trommel anlief. Rechnungen und Werbung. Die gefährlich gelben Rechnungsumschläge legte sie übereinander und befestigte sie mit einem Werbemagneten vom Buchklub an der Kühlschranktür. Langsam glitt der Stapel zu Boden. Sie ließ es zu und blätterte schnell und routiniert die Prospekte durch. Bei Europris gab es Weingummi im Angebot. Wenn sie Odas Samstagsration an Süßigkeiten da kaufte, bliebe vielleicht noch etwas für das Prinzessinnenheft übrig, das sie sich wünschte. Das wäre eine schöne Überraschung am Freitag. Solveig und Erik wollten wegfahren. Anne-Lene Egge, die Tochter des Paares mit dem preisgekrönten Garten, hatte sich als Babysitter angeboten.

Das Telefon klingelte, Erik leuchtete es im Display.

»Wo bist du?«

»Auf der Schnellstraße. Wollte nur sagen, dass ich später komme. Es geht nichts mehr.«

»Hab’s gerade in den Nachrichten gehört. Ein Lastzug ist beim Einkaufscenter von der Straße abgekommen«, sagte Solveig.

»Aha. Deshalb staut sich’s also.«

Solveig ging zum Fenster. Oda lag auf dem Rücken und bewegte Arme und Beine in ihrem hellrosa Schneeanzug mühselig auf und ab.

»Oda macht Schneeengel«, schmunzelte sie.

Sie hörte, wie Erik schnell ein- und durch den Mund wieder ausatmete.

»Rauchst du?«

»Nein.«

»Hörte sich so an.«

Nicht aufregen. Nicht heute. Er hat gesagt, dass er aufgehört hat.

»Ist was?«, fragte Solveig und schob das Gefühl, für dumm verkauft zu werden, beiseite.

»Äh … du, jetzt geht’s sicher gleich weiter. Ich muss auflegen.«

»Okay, das Essen ist bald fertig. Und … wenn du nach Hause kommst, habe ich eine Überraschung für dich, die …«

Bevor sie den Satz noch vollenden konnte, war es still am anderen Ende. Solveig blieb einen Augenblick mit dem Handy in der Hand stehen und schaute auf die gebeugt dastehenden Straßenlaternen. Sie ähnelten den riesigen Duschen, damals in der Grundschule. Durch die Fensterrahmen zog es. Ich muss daran denken, Erik zu bitten, dass er Dichtungsband kauft, dachte sie und lächelte ihrem Spiegelbild im Fenster zu. Die Autos auf der Straße fuhren direkt durch sie hindurch.

2

Was sie getan hatte, war streng verboten. Oda lugte hinauf zum Küchenfenster. Mama hatte ihr den Rücken zugewandt und hielt die eine Hand ans Ohr. Bestimmt telefoniert sie wieder. Das tat sie immer, wenn sie kochte. Mama hatte es nicht gesehen. Dass sie den Hügel hinuntergerodelt war. Gefährlich war das ja nicht. Sie hatte es geschafft, lange vor der großen Straße anzuhalten.

Ihr Magen knurrte. Das Leberwurstbrot im Kindergarten hatte sie nicht gegessen. Als sie einen Bissen hatte nehmen wollen, fiel ihr ein, dass sie keine Leberwurst mehr mochte. Sie mochte sie schon ganz lange nicht mehr, sicher eine Woche. Und die Apfelsine, die sie von dem ulkigen Mann bekommen hatte, hatte sie auch nicht angerührt. Zuerst hatte sie sie in die Jackentasche getan, und dann, kurz bevor sie von Mama abgeholt worden war, hatte sie die Orange im Rucksack versteckt.

Sie kannte den Mann nicht, war sich aber ziemlich sicher, ihn vorher schon einmal gesehen zu haben, sie konnte sich bloß nicht erinnern, wo. Vielleicht war es der Milchmann? Oder Jonna aus dem Kinderprogramm im Fernsehen? Nett war er gewesen. Hatte Verstecken spielen wollen und sich hinter der Ecke am Tor hingehockt. Und dann redete er so eigenartig, hatte ihr etwas zugeflüstert, von dem sie nichts verstand. Aber es hatte sich schön angehört, fast wie ein Lied. Auf einmal hatte er gehen müssen, als Mathias kam.

Würde Mathias heute Pfannkuchen bekommen? Unvermittelt nahm sie den süßen Geruch von Kardamom und Vanillezucker wahr. Wenn Mama Pfannkuchen machte, durfte sie beim Teigmachen immer helfen, sie durfte einen Teelöffel von beidem zum Mehl geben, das anschließend vermischt wurde. Mathias wohnte in einem weißen Haus. Auf dem Nachhauseweg fuhren sie daran vorbei, und sie war schon oft dort gewesen. Weit konnte es nicht sein, denn jedes Mal, wenn sie vorbeikamen, sagte Oda:

»Da wohnt Mathias, Mama.«

Und Mama antwortete immer:

»Dann sind wir bald zu Hause.«

Schnee hatte sich in der Kapuze des Schneeanzugs gesammelt. Ein kaltes Rinnsal lief ihr den Rücken herunter bis zum Saum der Strumpfhose. Oda rieb sich am Rücken. Da! Der Geschmack von Blut. Mit der Zunge fühlte sie, steckte sie in die weiche Vertiefung. Der Zahn war raus! Sie spuckte in den Handschuh. Durfte den Zahn nicht im Schnee verlieren. Der war einen Zehner wert, mindestens! Vorsichtig zog sie den anderen Handschuh aus, nahm den Zahn und drückte ihn fest in die Hand, bevor sie den Handschuh wieder anzog. Sie freute sich schon über Mamas Gesicht. Nach dem Kinderprogramm würden sie einen Eierbecher mit Wasser füllen und dann – plopp! – rein mit dem Zahn. Und morgen, wenn sie aufwachte …! Wofür sollte sie das Geld ausgeben? Eine Prinzessinnenkrone vielleicht. Falls es dafür reichte. Sie wünschte sich so eine wie die von Camilla aus dem Kindergarten. Camilla behauptete, wenn sie kein Wasser mehr im Becher habe, lege die Zahnfee Papiergeld hinein. Doch das glaubte Mama nicht.

Unten auf dem Weg kam jemand. Weit weg im Schneetreiben sah sie etwas Rotes, das sich bewegte. Oda blieb stehen. Hielt die Luft an. Es war …

Der Weihnachtsmann!

Halb rannte, halb rutschte sie zum Weg hinunter. Wartete. Winkte.

Der Bart reichte ihm bis zum Bauch, seine Jacke war rot und schmutzig. Die Mütze hatte er weit in die Stirn gezogen. Oda blinzelte. Das war nicht der Weihnachtsmann.

3

Raimo Egge drückte auf den Stoppknopf und hielt ihn gedrückt, bis seine Fingerspitze blutrot war. Als der Bus in die Haltebucht fuhr, warf er sich den Rucksack über die Schulter und sprang hinaus. Er spürte den Luftzug der Türen, als sie sich hinter ihm schlossen. In der Auffahrt sah er Mamas roten Honda. Vielleicht konnte er ihn sich heute Abend ausleihen; um dann endlich diesen inneren Druck loszuwerden. Den Gedanken an eine weitere schlaflose Nacht ertrug er nicht. Am Vorabend hatte er stundenlang dagesessen und auf den Käfig in seinem Zimmer gestarrt, auf die Ratte, die dort in einer aus Stroh, Sägespänen und Chinchillasand nachgeahmten falschen Wüste lebte. Er hatte sich dem Tier seltsam verbunden gefühlt, wie es da in seinem Laufrad herumjagte. Seine Rastlosigkeit nagte riesige Löcher in sein Denken und Fühlen, durch die seine Aufmerksamkeit entwich. Es gelang ihm, sein aufgestautes Unbehagen wegzuwischen, bevor er die Haustür erreichte, und seine Stimme verriet nicht den Hauch von Widerwillen, als er rief:

»Mama!«

Keine Antwort.

»Mama?«

Janni Egge kam mit einem um den Körper gewickelten pfirsichfarbenen Handtuch aus dem Bad, ein weiteres in passender Farbe trug sie stramm zum Turban gebunden. Gesicht und Arme glühten. Wie frisch gekochter Schinken, dachte Raimo und vermied es, die nackte Haut anzusehen. Mit verschränkten Armen stand er da und betrachtete seine Mutter mit einer Miene, mit der er auch ein sterbendes Insekt beobachtet hätte – angewidert und mitleidig zugleich.

»Ach, du bist’s?«, sagte sie.

Raimo hob die Mundwinkel an zu einem halben Lächeln.

»Du, Mama … darf ich das Auto leihen?«

»Jetzt?«

»Yes.«

»Hast du mal nach draußen geguckt? Es ist lebensgefährlich auf der Straße. Die warnen sogar im Radio davor.«

»Ich werd total vorsichtig sein. Versprochen.«

Sie setzte einen dramtischen Gesichtsausdruck auf. Die Lider hingen ihr wie aufgerollte Markisen über den Augen und erbebten bei jedem Augenaufschlag.

»Seit November erst hast du deinen Führerschein, du hast keine Erfahrung.«

»Und wie soll ich welche kriegen?«

Lächeln, verdammt noch mal, lächeln.

Raimo wusste, dass er das, was in ihm schwelte, im Zaum halten musste. Er neigte den Kopf zur Seite und schaltete einen Gang runter.

»Bitte, bitte, Mama. Ich habe Julie versprochen, heute Abend zu kommen.«

»Du ahnst ja nicht, wie ungemütlich es ist. Ich habe es selbst nur gerade so nach Hause geschafft.«

»Wo bist du überhaupt gewesen?«

Janni zog sich das Handtuch vom Kopf und rieb sich das Gesicht ab. Das Frottee scheuerte, doch sie rieb weiter.

»Einkaufen. Du kannst warten, bis Papa kommt, dann fährt er dich.«

»Ja, klar, der hat sicher Lust. Die Straßen sind inzwischen bestimmt gestreut und in der Stadt auf jeden Fall frei.«

»Nein hab ich gesagt. Das Auto bleibt heute Abend stehen.«

»Oh Mann, du bist so bescheuert!«

Janni antwortete nicht, drehte ihm lediglich den Rücken zu und marschierte zurück ins Bad. Er hörte sie abschließen. Raimo schaute sich um. Ihm war, als würden sich die Küchenschränke ihm entgegenneigen, als schrumpfte das Haus, quetschte ihm die Luft aus den Lungen. Er musste raus! In seinen geballten Fäusten bohrten sich die Nägel in die Hände. Schließlich fiel sein Blick auf den Küchentisch. Der Schlüsselanhänger!

Raimo Egge blieb einen Augenblick stehen und lauschte, konnte aber nichts als seinen eigenen Herzschlag hören. Er ergriff den Autoschlüssel, streifte sich Jacke und ein Paar Handschuhe in ein und derselben Bewegung über, bevor er die Haustür still hinter sich schloss. Die Autoscheiben kratzte er nicht frei, sondern startete den Motor und stellte die Scheibenwischer an, während er rückwärts aus der Ausfahrt fuhr. Der Wagen rutschte auf die Straße und schlingerte, als er Gas gab. Nur die eine Straßenseite war geräumt. Vor der Windschutzscheibe war die Welt weiß. Atme ruhig, dachte er. Konzentriere dich auf die Straße, du kennst den Weg. Bald kommt die scharfe Kurve, und dann auf der langen Ebene einfach nur geradeaus. Da kannst du noch ein bisschen mehr Gas geben, damit die Lüftung in Gang kommt und die Fenster verdammt noch mal nicht so beschlagen. Er traf auf orange blinkende Lichter, als er um die Kurve fuhr. Das ihm entgegenkommende Räumfahrzeug nahm fast die ganze Straße ein. Raimo manövrierte das Auto zur Seite und registrierte einen dumpfen Schlag.

»Scheiße!«

Hatte er die Leitplanke gestreift? Hoffentlich hatte der Schnee den Aufprall abgedämpft. Was er jetzt am wenigsten brauchen konnte, war eine Delle im Kotflügel oder eine Schramme im Lack. Er würde später nachschauen, konnte jetzt nicht anhalten. Musste durchziehen, wozu er sich entschlossen hatte. Wollte sich nicht die Gelegenheit zum Nachdenken geben. Seine Meinung ändern.

Wenig später bog er in den schmalen Abzweig ein, der hinauf zu einer weiß gestrichenen Holzhausvilla führte. Sie mussten miteinander reden oder vielmehr: Er musste reden. Und sie musste einsehen, dass es keinen Zweck hatte. Dass er, der seine gesamte Zukunft noch vor sich hatte, jetzt … Nein, daran war nicht zu denken. Er musste sie notgedrungen zur Vernunft bringen, das sollte eigentlich kein Problem sein. Er hatte gute Argumente. Würde sie nur alles einmal überdenken, käme wohl auch sie darauf, dass es keine andere Lösung gab. Schluss machen, bevor es zu spät war. Dumm war sie nicht, bloß so verdammt dramatisch. Doch genau das mochte er so an ihr. Die Fähigkeit, ein Drama zu veranstalten, viel aus wenig herauszuholen. Aus ihm hatte sie viel herausgeholt, wortwörtlich. Er kämpfte sich mit dem Auto den Hügel hinauf. Auf dem Weg waren tiefe Spurrinnen eines Wagens, der vor ihm dort entlanggefahren war.

Hoffentlich hat sie keinen Besuch!

Er hielt den Wagen in der Spur, richtete sich nach den Markierungspfählen im Schnee und konnte es gerade noch vermeiden, nach der letzten scharfen Kurve im Graben zu landen. Auf dem Hof stand nur ihr Auto, es war eingeschneit.

Vor der Treppe parkte er. Er hatte das Gefühl, zum Schuldirektor zitiert zu werden, um für irgendetwas geradezustehen, und verspürte ein merkwürdiges Ziehen im Magen. Er klingelte und stampfte sich den Schnee von den Stiefeln. Es öffnete niemand. Er klingelte mehrmals. Noch immer keine Reaktion. Als er die Hand auf die Klinke legte, gab die Tür nach. Er ging hinein und schloss sie hinter sich.

»Hallo?«, rief er. »Vibeke? Bist du zu Hause?«

Keine Antwort. Raimo zog seine Schuhe aus und ging vorsichtig auf Socken weiter. Das Wohnzimmer war dunkel, doch aus der Küche hörte er Musik. Das Radio auf der Sitzbank spielte für trockene Krümel und leere Kaffeetassen. Ansonsten war es still. Die Tür stand offen, also musste sie zu Hause sein. Vor Nervosität begann seine Haut zu kribbeln, und ihm wurde warm, aber er schwitzte nicht. Es war, als sammelte sich die gesamte Feuchtigkeit in seiner Blase. Er musste pinkeln. Raimo ging am großen und fast leeren Wohnzimmer vorbei und in den schmalen Flur, wo die Toilette lag. Abrupt hielt er inne, als er das Schlafzimmer passierte. Irgendetwas lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich. Raimo lächelte.

»Ach so! Hier bist du also …«

Im schwachen Licht der Nachttischlampe sah er ein Paar Beine. Er erkannte die schwarzen Stiefeletten wieder, die ehrlich gesagt hoffnungslos unpraktisch, aber echt stylish waren. Einmal, als er sich mutig und sicher gefühlt hatte, hatte er sogar gesagt:

»Du wirst dir eines Tages noch deine langen Stelzen brechen. Die Stiefel da kann man doch eigentlich nur im Bett tragen!«

Sie war auf ihn zugekommen, hatte sich an ihn gepresst, ihn ausgezogen. Nein! Sie hatte ihm die Kleider vom Leib gerissen. Er erinnerte sich an das nackte Gefühl, die Scham und die Erregung. Und dann hatte sie sich ausgezogen. Langsam. Stück für Stück. Bis sie nackt vor ihm stand, nackt bis auf die Stiefel.

Jetzt ragten die Stiefeletten über die Bettkante, sie hatte nicht einmal die Bettdecke zur Seite geschlagen. Zuerst glaubte er, sie hätte sich dort hingelegt, um ihn zu ärgern. Er schob die Tür auf und begriff mit einem Mal, dass er sich geirrt hatte.

Mit den Armen über der Brust lag sie auf dem Rücken da. Sie hatte den schwarzen Dufflecoat, Handschuhe, Halstuch und Mütze an. Der Mantel war offen. Von der Hüfte abwärts war sie nackt. Um ihre Knie hing zerknittert die Hose. Ihr Kopf baumelte seitlich über der Bettkante, der Mund weit geöffnet. Ihre Augen waren offen, schwarz, und der Blick wie mit einem unsichtbaren Faden befestigt auf die Zimmerdecke gerichtet.

Raimo wankte rückwärts, stolperte über die Türschwelle und fiel auf den Rücken. Sein Herz glich einem Amboss, Dröhnen in seiner Brust. Irgendetwas zerbarst. Geschmack von Blut im Mund. Er hatte sich auf die Zunge gebissen, als er hintenüber auf den Boden gefallen war, fühlte jedoch keinen Schmerz.

Was, verdammte Scheiße, mach ich jetzt?

Halb kroch, halb lief er. Raus in den Flur. Raus! Er musste weg. Eisige Angst verfolgte ihn, er spürte ihren Atem im Nacken, während er an seinen Stiefeln herumfummelte.

Beschissene Schnürsenkel!

Die Furcht saß ihm nach wie vor im Nacken, als er sich ins Auto warf; mit langen rot lackierten Nägeln grub sie sich in die Haut.

Weiter wie geplant in die Stadt zu Julie konnte er nicht. Nicht jetzt, ausgeschlossen. Julie musste warten. Er musste sich verstecken. Was, wenn ihn jetzt jemand sah? Nach dem, was er gesehen hatte? Sofort würden sie bemerken, dass etwas nicht stimmte. Ganz und gar nicht stimmte. Und er musste so tun, als wäre alles in Ordnung.

4

Solveig schob die Pfanne etwas zur Seite und stellte die Herdplatte auf die niedrigste Stufe, bevor sie in den Flur ging. Sie öffnete die Haustür und spähte hinaus. Vom kleinen Dach über dem Eingang donnerte Schnee, der quer über der Treppe einen kleinen Haufen hinterließ.

»Oda! Komm jetzt rein!«

Niemand gab Antwort. Solveig ging wieder hinein, schleuderte sich die Sandalen von den Füßen, zog ein Paar Stiefel an, ohne sie zu schnüren, und warf sich eine Jacke über die Schultern. Dann war sie wohl hinten. Rund ums Haus herum war ein schmaler Trampelpfad. Sie konnte Spuren von Stiefeln Größe neunundzwanzig ausmachen, die jedoch schon fast verschwunden waren. Die Schneeflocken waren schwer wie nasse Baumwolle. Solveig zog sich die Kapuze über den Kopf.

»Odaaa!«

Stille.

»Oda Isabell Sørensen! Wir spielen nicht Verstecken. Jetzt antworte! Das ist nicht witzig.«

Nackte Lautlosigkeit schlug ihr entgegen, als absorbierte der Schnee jeglichen Laut, packte ihn ein in einen Teppich. Wieder hatte sie dieses Gefühl, das niederfrequente Brummen, die Vorwarnung, die das Ohr nicht wahrnehmen konnte. Sie drehte sich um. Oda konnte nicht über das Feld gegangen sein, das Nachbarhaus lag ohnehin im Dunkeln. Solveig wandte sich um und ging zurück, den Weg hinunter zur Garage. Spuren überall, unmöglich konnte man feststellen, wo Oda zuletzt gelaufen war. Unten am Hügel schneite ein Engel wieder zu. Erneut rief sie, doch ihr Ruf ging im weißen Lärm eines Räumfahrzeugs unter. Bei der Garage erregte etwas ihre Aufmerksamkeit. Etwas Blaues. Ganz unten am Hügel. Der Rodelschlitten lag am Wegesrand. Mit flacher Hand schlug die Kälte nach ihr und kam nicht länger nur von außen, eine eisige Furcht arbeitete sich von innen empor.

»Oda?«

Solveig flüsterte.

»Oda, meine Süße. Wo bist du? Komm zu Mama! Wir machen Pfannkuchen. Pfannkuchen, Oda! Hörst du? PFANNKUCHEN

Druck auf der Brust. Jetzt sterbe ich, dachte Solveig und umschloss den blauen Schlitten fest mit ihren Armen. Die hohen Schneewälle … für die Autofahrer war es unmöglich zu sehen, ob jemand aus einer Ausfahrt kam. Ein Auto fuhr vorbei, hinterließ neue Spuren auf der Straße. Zu viele. Viel zu viele Autospuren. Keine von Oda. Dann wurde alles still. Alles mit Ausnahme des gedämpften Knisterns fallenden Schnees.

Die Angst attackierte sie dort, wo sie am verwundbarsten war, mit präziser Treffsicherheit lähmte sie das Herz der Mutter. Dann sorgte sie dafür, dass rasch nacheinander jeder Körperteil auf die bestmögliche Art und Weise versagte. Solveig fühlte es im ganzen Körper. Der Hügel, der zuvor so scheinbar unerschütterlich gewirkt hatte, erhob sich, bewegte sich auf sie zu.

Und dann.

Ein Dröhnen, als die Lawine, die Furcht, sie ergriff.

5

Bitte Røed stand vor dem Spiegel im Schlafzimmer. Ein Kleidungsstück nach dem anderen nahm sie aus dem Schrank, hielt es vor sich und betrachtete sich unzufrieden, bevor sie es aufs Bett warf. Der Schnee peitschte gegen das Schlafzimmerfenster im Obergeschoss der Reihenhauswohnung. Laute Musik drang durch die Gipswände. Sie hatte nichts gegen dieses Geräusch. Ganz im Gegenteil. Es erinnerte sie daran, wie sie selbst als Teenager neben dem Kassettenrekorder gesessen und versucht hatte, die englischen Texte zu lernen. Julie lud aus dem Netz herunter, was sie hören wollte, eine Methode, die Bitte unbegreiflich mystisch vorkam. Bitte Røed angelte sich ein rotes Hemd. Könnte sie das tragen? Müsste auf jeden Fall gebügelt werden. Nein, entschied sie sich. Rot ist zu auffällig. Und Rosa zu weiblich. Schwarz zu hart. Aber Blau müsste gehen. Vielleicht ein Halstuch?

Die Musik nahm an Lautstärke zu. Bitte ging auf den Flur hinaus, klopfte vorsichtig an die Tür, bevor sie öffnete.

»Kannst du die Musik ein wenig leiser machen? Peder hat sich hingelegt. Und denk daran, dass wir hier zu beiden Seiten Nachbarn haben.«

»Die Musik ist nicht laut.«

»Doch.«

Julie saß in einem Haufen Kissen auf dem Bett mit einem Laptop auf dem Schoß. Sie nahm den Blick nicht vom Bildschirm. Ihre Finger ratterten über die Tastatur.

»Was machst du?«

»Nichts.«

Bitte ging einen Schritt ins Zimmer und versuchte einen flüchtigen Blick auf den Schirm zu erhaschen.

»Ich bin bloß auf Facebook. Mein Gott, Mama, hör auf, dich einzumischen.«

»Chattest du?«

»Ja. Und?«

»Mit diesem Raimo?«

»Hör auf, dich einzumischen, hab ich gesagt.«

»Sind Synne oder Maria auch online?«

Julie starrte auf die Tastatur, mit dem Kopf ein wenig weiter vornübergebeugt als nötig. Hatte sie geweint?

»Stimmt etwas nicht? Vermisst du deine alten Freunde? Julie, du weißt, dass du immer mit mir reden kannst, wenn …«

»Es ist nichts!«

»Na gut, aber mach die Musik ein wenig leiser«, sagte Bitte und zog sich zurück.

Einen Augenblick lang blieb sie vor der Tür stehen, mit der Wange an der glatten weißen Oberfläche. Nicht, weil sie lauschen wollte, sondern weil dies eigenartigerweise der engstmögliche Kontakt war, den sie zu Julie herstellen konnte. Sie erinnerte sich an eine Zeit, als ihre Tochter bei ihr auf dem Schoß saß und sie die Wärme dieses kleinen Körpers spüren konnte. Doch schon da hatte sie das Unvermeidliche kommen sehen; dass Julie vom Schoß rutschen, zur Tür krabbeln, sich aufrichten, die Tür öffnen und auf Stöckelschuhen hinausgehen würde. Dass es aber so schnell geschah! Sie gleitet mir aus den Händen, und ich weiß nicht einmal, wen ich da gerade verliere, dachte Bitte. Ich kenn sie nicht mehr.

Bitte Røed riss sich von der Tür los und schaute zu Peder hinein. Auf dem Rücken liegend schlief er mit offenem Mund, wirkte vollkommen sorglos. Er hatte aber auch keine Probleme damit gehabt, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. In der Straße wohnten viele Jungen in seinem Alter, er hatte schon Anschluss gefunden. Julie dagegen hing bloß mit ihrem Freund herum, den Bitte noch nicht einmal getroffen hatte, und schien ganz und gar nicht daran interessiert zu sein, sich neue Freunde zu suchen. Sie hoffte, das würde sich mit der Zeit geben. Ein Freund war trotz allem ein Anfang und besser, als allein zu sein. Der Versuchung, zu Peder hineinzugehen und ihm übers Haar zu streichen, konnte sie nicht widerstehen. Er wachte nicht auf, drehte sich lediglich auf die Seite, als fühlte er sich gestört. Seinem Vater so ähnlich, dachte Bitte und stopfte die Decke eng um ihn. Leise ging sie rückwärts hinaus und zurück in ihr eigenes Schlafzimmer. Dort sackte sie auf der Bettkante zusammen und betrachtete resigniert den Kleiderhaufen. Nie hätte sie geglaubt, dass sie die Uniform einmal vermissen würde.

6

Donnerstag, 26. Januar

Von seinem Büro in der zweiten Etage des Polizeipräsidiums in Drammen aus starrte Hauptkommissar Verner Jacobsen hinaus in das undurchdringliche Schneetreiben. Er hatte geglaubt, Schnee in all seinen Formen zu mögen, doch tatsächlich hatte er noch nie zuvor einen derartigen Schneefall erlebt. Er liebte den leichten, wohlerzogenen Schnee, der wusste, wann sein Auftritt gekommen war, und die Anständigkeit besaß, nicht auf dem Bürgersteig liegen zu bleiben. Jetzt wütete er voller Bosheit auf den Straßen, fläzte sich schamlos hin und musste mit Macht entfernt werden. Und dass die Sonne wahrhaftig irgendwo da oben ihren Platz hatte, war unbegreiflich. Den direkt hinter der Polizei vorbeifließenden Fluss konnte er kaum erkennen. Der Fluss zerteilte die Stadt, die man mittels unzähliger Brücken dennoch notdürftig zusammenzuflicken versuchte.

Seit Mittwoch letzter Woche hatte er schlecht geschlafen. Mit der Mail von Trine hatte die Vergangenheit ihn auf brutale Weise eingeholt. Auf seinem Handy waren zudem zwei unbeantwortete Anrufe und vier SMS, auf die zu antworten er noch nicht den Mut gehabt hatte. Solange er sie nicht beantwortete, konnte er weiterhin so tun, als würde sein Leben sich nicht verändern. Allerdings hätte er wissen müssen, dass sie wieder auftauchte und es sich mit dem Verschweigen der Wahrheit ebenso verhält wie mit einer ins Wasser geworfenen Leiche – früher oder später trieb sie wieder an die Oberfläche. Er warf einen Blick auf die Wanduhr. Ein paar Runden schaffe ich noch, dachte er und zog die untere Schublade in seinem Schreibtisch auf. Er betrachtete das halb fertige Paar Socken, an dem er strickte. Die Wolle brachte die Muster von allein zustande. Die Nadeln laufen zu lassen und zu beobachten, wie durch die Wolle Streifen und Tupfen entstanden, ohne dass er selbst denken musste, vermittelte ihm ein entspannendes Gefühl. Nein. Er schob die Schublade nachdrücklich wieder zu. Noch konnte er vor der Dienstbesprechung ein paar Berichte durchlesen. Darauf zu hoffen, dass die Probleme verschwänden, ließe er sich nur von der Arbeit begraben, war eine Lüge, an die zu glauben er fest entschlossen war. Ironisch für jemanden, der nach der Wahrheit sucht – das gestand er sich ein. Lügen konnte er nicht ausstehen. Und doch habe ich über achtzehn Jahre lang gelogen, dachte er und spürte, wie sich ein Gefühl der Scham unter seinem Brustbein zu einem Knäuel ballte.

Der neue Ermittlungsbeamte, der Nachfolger von Karl Eliassen, sollte heute anfangen. Eliassen war in Pension gegangen. Verner würde den Kollegen vermissen. Jahrelang, seit sie gemeinsam Streife gefahren waren, hatten sie zusammengearbeitet. Trotz des großen Altersunterschiedes hatte er sich immer auf Augenhöhe mit Karl gefühlt.

Er fuhr sich mit den Händen über den Kopf, glättete die stramm nach hinten gekämmten Haare und zog seinen Zopf fest. Dann machte er sich eilig auf den Weg über die langen Flure. Bei einem der kleinen Besprechungsräume angekommen, trat er ein, setzte sich ans Ende des ovalen Tisches, nickte Heiki Stenvald, Ida Madsen, Marius Moe, Hildegunn Ebbestad und dem Leiter der Kriminalpolizei Thomas Lindstrand zu. Ein Platz war leer. Der Neue. Mit den Fingern trommelte er auf den Tisch. In dem Augenblick flog die Tür auf.

»Entschuldigung …«

Sie schüttelte den Kopf. Wie ein Hund, der von draußen aus dem Regen kommt, dachte Verner Jacobsen.

»Was für ein Wetter!«

Sie streckte die Hand aus und begrüßte alle reihum. Zu Verner kam sie zum Schluss, der die Hand fest drückte. Die etwas fleischige Hand war eiskalt, beinahe farblos und einen Tick puddingartig schlaff. Er schob die Assoziationen, die sie bei ihm auslöste, zur Seite und begriff selbst nicht, warum er den Händedruck ein wenig länger währen ließ als notwendig.

»Bitte Røed«, sagte sie und drückte ein bisschen fester, als ob sie seinen Widerwillen spürte.

»Hauptkommissar Verner Jacobsen«, sagte Verner, während er sie musterte. Sie war einen Kopf größer als er, und in ihren Augen funkelte eine Art kindliche Erwartung – sie wirkte, als bräche sie jeden Moment in Lachen aus. Auf dem freien Stuhl neben ihm nahm sie Platz.

»Bitte.«

Er mochte es nicht, wenn Leute sich mit ihrem Rufnamen vorstellten.

»Ja, einfach Bitte. Ist das ein Problem für Sie?«

Verner schüttelte den Kopf. Mein Gott, noch eine von diesen Frauen, die unbedingt beweisen mussten, dass sie tough genug waren für den Job.

»Sie hatten vielleicht gehofft, mich ›Bittchen‹ nennen zu können, aber …«

Sie klopfte sich auf den Bauch, und ihr Gesicht verzog sich zu einem Lachen. Die Knöpfe ihrer korallroten Bluse bemühten sich in einem hoffnungslosen Kampf vergeblich, den Stoff zusammenzuhalten. Ihre Brüste wogten bedrohlich, als sie den Stuhl näher an den Tisch heranrückte, um besser sitzen zu können. Sie war auf eine kompakte Art dick, irgendwie elastisch. Wenn ich einen Finger in ihren Oberarm drücke, dachte Verner Jacobsen, federt der bestimmt zurück. Ein plötzlicher Drang, sie anzufassen, stieg in ihm hoch. Das war verwirrend. Reiß dich zusammen, dachte Verner, du magst sie nicht.

Thomas Lindstrand, Leiter der Kriminalpolizei, räusperte sich ungeduldig. Pflichtschuldig reichte er eine Kuchenplatte mit einer halben Torte in die Runde.

»Eliassen hatte gestern ja seinen letzten Tag …«, fügte er erklärend an und nickte Bitte Røed zu.

»Wenn jemand will, bitte. Und dann möchte ich Sie natürlich herzlich willkommen heißen, Kommissarin Bitte Røed. Røed ist soeben von Oslo hierher gezogen. Sie hat, wie Sie sicher schon wissen, als Ermittlerin unter anderem bei der Polizei Lilleheia gearbeitet und ihren Dienst sowohl bei der Streife als auch in der Präventionsabteilung in Oslo, Grønland, versehen.«

»Kuchen?«

Verner schob ihr die Platte hin.

»Leider haben wir gerade keine Waffeln …«

Im Scherz nannten sie die Beamten der Präventionsabteilung gelegentlich Waffelpolizei, und in einem unbedachten Augenblick war ihm der Gedanke über die Lippen gekommen. Bitte sah ihn an, ihre Augen wurden schmaler; wie zwei einen Spaltbreit geöffnete Türen. Er konnte erkennen, dass aus dem Innern ein Leuchten drang.

»Danke, ich bin bereit für Mord und Marzipantorte.«

Wieder schlug ihm Gelächter entgegen, und er verzog seine Lippen zu einer Art Lächeln. Meine Güte, so krampfhaft heiter. Auf ihrem Nachtschränkchen hatte sie bestimmt einen Haufen von diesen Denk-positiv- und Liebe-dich-selbst-Büchern liegen. Er registrierte, wie sie sich gierig bediente und sich mit dem Teller in der Hand auf ihrem Stuhl zurücklehnte, als fühlte sie sich ganz wie zu Hause. Sie ist fett, dachte er. Und hat Tränensäcke unter den Augen, als hätte sie schon einiges mitgemacht. Doch war ihr Blick warm. Intensiv. Die Bluse stand ihr.

»Hm! Köstlicher Kuchen, oder?«, mümmelte sie zwischen zwei Bissen.

Verner Jacobsen hob gleichgültig die Schultern und richtete seine Aufmerksamkeit auf den Leiter der Kriminalpolizei.

Thomas Lindstrand brachte sie auf den neuesten Stand, was die aktuellen Fälle anging, und verteilte Arbeitsaufgaben.

»Wir haben eine Vermisstenanzeige«, sagte der Chef. »Ein Mädchen, Oda Isabell Sørensen, fünf Jahre alt. Sie ist gestern Abend verschwunden, als sie vor ihrem Haus in Lier gespielt hat. Verner …?«

Verner blickte auf und nickte. Fälle mit Kindern mochte er nicht, oder besser gesagt, er mochte keine Kinder. Diese Wesen machten ihn verlegen, unberechenbar, wie sie waren, mit ihrer eigenen Logik, die er selbst längst vergessen oder verdrängt hatte.

»Das Rote Kreuz und Leute von uns haben die ganze Nacht über vergeblich nach ihr gesucht«, fuhr Thomas Lindstrand fort. »Sie ist wie vom Erdboden verschluckt. Du kannst Bitte Røed mitnehmen. Wir müssen uns schnellstmöglich um die Sache kümmern. Ihr besprecht die Details aus dem Bericht unterwegs?«

Lindstrand nickte Bitte Røed freundlich zu, die gerade eben noch das letzte bisschen Sahne von ihrem Teller gekratzt hatte, bevor er die Unterlagen herumreichte.

»In Ordnung«, sagte Verner Jacobsen. »Wir fahren sofort los. Sind Sie fertig?«

Bitte Røed fuhr sich mit der Zunge einmal um den Mund und schnappte sich den Bericht.

Auf dem Weg aus der Stadt hinaus über die Bjørnstjerne Bjørnsons gate blieben sie im Stau stecken.

»Muss schrecklich sein, hier zu wohnen«, sagte Bitte Røed und wies auf die Häuserblocks mit den abwechselnd roten und gelben Balkonen, die allesamt auf die vielbefahrene vierspurig ausgebaute Straße gingen.

»Und eine so schöne Aussicht!«, fuhr sie fort und wandte den Blick in die andere Richtung, wo der Elkjøp-Supermarkt sich von seiner Rückseite mit Müllcontainern, Paletten und durchsichtigen Säcken voller wiederverwertbarem Plastik präsentierte.

»Dafür gibt’s hier viele gute Autohäuser«, murmelte Verner Jacobsen.

Er hielt an einer roten Ampel, über die ein paar Jugendliche mit Rucksäcken und einem Koffer zwischen sich gingen.

»Ich werd mich hier nie auskennen«, seufzte Bitte. »Bloß Kreuzungen und Verkehrskreisel, unter einer Brücke hindurch und über eine Brücke hinweg … Kann gut verstehen, dass die Leute Drammen als Norwegens größte Kreuzung bezeichnen.«

»Das ist lange her«, sagte Verner mürrisch. »Drammen ist mittlerweile mehr als bloß ein Loch an der E18, ist das bei Ihnen noch nicht angekommen?«

»Doch, doch. Das Loch ist inzwischen mit Stolz ausgebessert worden, hab ich gehört. Die Flussstadt – so nennt man sie jetzt, oder?«

Verner Jacobsen nickte.

Als sie endlich auf der Schnellstraße waren, hatte diese sich auf eine Fahrspur verengt, was einige dennoch nicht daran hinderte, riskante Überholmanöver einzugehen.

»Die Leute spinnen«, sagte sie und überflog flüchtig den Bericht, während sie ihren neuen Kollegen beobachtete. Wahrscheinlich war er jünger als sie, obwohl er ein markantes Gesicht mit harten, nach unten weisenden Zügen hatte; bestimmt weil er so dünn war. Dünne Menschen haben oft einen solch scharfen Ausdruck, dachte sie. Obendrein war seine Haut narbig, als hätte er in seiner Pubertät ein auffallendes Akneproblem gehabt, das sich bis ins Erwachsenenalter tief in seine Haut eingegraben hatte. Sein Gesicht war merkwürdig anziehend, ob das vielleicht an den Augen lag?

»An dieses Spurlos glaube ich irgendwie nicht«, sagte sie.

»Warum?«, fragte Verner den Blick fest auf die Straße gerichtet.

»Spurlos! Hallo! Ist Ihnen schon was aufgefallen? Es schneit.«

»Genau deshalb«, sagte Verner.

Na klar. Der Schneefall der letzten vierundzwanzig Stunden war der schlimmste seit Menschengedenken. Der tilgte auch die letzte Spur. Bitte Røed spürte ihre Wangen brennen. Was für ein Bild von ihr als Ermittlerin musste er jetzt wohl haben? Er nahm sie nicht ernst. Sie hätte die blaue Bluse anziehen sollen. Korallrot! Was hatte sie sich bloß dabei gedacht? Wollte sie auffallen? Und hier saß sie nun, zweiundvierzig Jahre alt und errötete.

»Ich meine«, stotterte sie, »hätte nicht ihre Mutter umgehend Spuren von ihr entdecken müssen?«

Verner Jacobsen überhörte ihre Frage.

»Steht was drin, wie lange das Mädchen unbeaufsichtigt gewesen ist?«

Bitte Røed fuhr mit dem Zeigefinger über den Bericht und schüttelte den Kopf.

»Gegen fünf ist sie verschwunden, aber hier steht nur, dass sie die ganze Nacht über nach ihr gesucht haben«, antwortete sie. »Die Mutter, Solveig Sørensen, sagt, dass sie überall Spuren gefunden hat, es aber unmöglich ausmachen konnte, wo sie wann gewesen war. Und als sie nach ihr zu suchen begann, waren die Fußspuren schon wieder fast verschwunden.«

Sie legte den Bericht auf ihren Schoß.

»Aller Wahrscheinlichkeit nach ist sie hysterisch herumgelaufen und hat alle möglichen Spuren vernichtet«, sagte Verner Jacobsen.

»Haben Sie Kinder?«, fragte Bitte Røed.

»Was tut das denn zur Sache?«

Bitte Røed zuckte mit den Schultern.

»Ich hätte natürlich auch Angst bekommen und mich genauso verhalten«, sagte Verner. »Müssen wir hier ab?«

Sie verließen die Schnellstraße. Ein Schild warnte sie vor einer kurvigen Straße. An einer Stelle war der Schnee auf die Fahrbahn gerutscht. Elche, dachte Verner und drosselte die Geschwindigkeit. Der Wald umschloss sie, aber noch immer konnten sie zwischen den Bäumen hindurch vereinzelt Lichter von der Schnellstraße erkennen. Wenig später wurde die Straße wieder gerade, und der Wald gab hier und da den Blick auf einzeln stehende Häuser frei. Sie parkten vor dem braunen zweigeschossigen Gebäude, das Solveig Sørensen und ihrem Ehemann Erik gehörte.

Erik öffnete ihnen und führte sie in den Flur, der sich wie ein Schlauch durch das gesamte Haus zog. Die Küche war schmal, mit abgeschrägten Schränken wie in den Fünfzigerjahren und führte zu einer Glasveranda, die als Essplatz diente. Retro, dachte Bitte, aber einen Tick zu abgenutzt, um als modern durchzugehen.

»Solveig«, sagte Erik. »Die Polizei ist da.«

Die Frau, die am Fenster gestanden und hinausgestarrt hatte, wandte ruckartig den Kopf herum. Ihre Augen flackerten ängstlich und schnell zwischen den beiden Ermittlungsbeamten hin und her. Wie ein nervenkranker Spatz, dachte Bitte und wunderte sich, dass verweinte Augen tatsächlich auch schön sein konnten. Würde sie auch nur eine Stunde heulen, wäre ihr Gesicht aufgedunsen. Sie vernahm, wie sich von irgendwoher Neid in ihr breitmachte.

»Ich bin Hauptkommissar Verner Jacobsen, und das ist Kommissarin Bitte Røed«, sagte Verner und reichte seine Hand. »Selbstverständlich wissen wir, dass das jetzt schwierig ist, aber wir müssen Ihnen einige Fragen stellen.«

Verner blickte von einem zum anderen.

»Und ein paar werden Sie vielleicht als unangenehm empfinden, doch sie sind wichtig, damit wir Oda so schnell wie möglich finden.«

»Das verstehen wir«, sagte Erik. »Setzen Sie sich.«

Er ging zu Solveig, legte seine Hand auf ihre Schulter und drückte sie auf einen Stuhl am Küchentisch, während Verner und Bitte sich jeweils auf einen weiß lackierten Hocker setzten. Erik blieb stehen, eine Hand auf der Schulter seiner Frau, die andere auf der Rückenlehne des letzten freien Stuhls – eines hellbraunen Tripp-Trapp-Stuhls. Auf dem Tisch lag eine rot karierte Puppe mit Marmeladenflecken, das Markenschildchen von Ikea lugte hervor. Von den Fenstern her zog es.

»Wann können Sie mit Sicherheit sagen, dass Sie Oda zuletzt gesehen haben, Solveig?«, fragte Verner Jacobsen.

»Das letzte Mal …?«

»Sie war draußen zum Spielen, stimmt’s?«, warf Bitte sanft ein.

»Da habe ich gestanden und auf sie achtgegeben.« Solveig nickte und zeigte auf die nach Süden gehenden Fenster. Verner Jacobsen drehte sich um und bemerkte, dass der Fensterkitt gesprungen war, kleine Stückchen lagen in dem Zwischenraum der Doppelverglasung.

»Ich hab gerade Essen gekocht, als Erik angerufen hat. Während wir miteinander sprachen, habe ich gesehen, wie sie Schneeengel gemacht hat. Sie hat so fürchterlich gebettelt, hinausgehen zu dürfen, was sie ohne Erwachsene nämlich eigentlich nicht darf. Die Straße hier ist dermaßen gefährlich … aber sie hat versprochen, nicht dorthin zu gehen.« Sie atmete heftig ein und hielt die Luft an. »Niemand fährt hier sechzig«, schluchzte sie beim Ausatmen.

»Die geben in der Kurve Gas«, warf Erik ein, »und beschleunigen auf der Ebene. Ein Wunder, dass da noch nie was passiert ist.«

Er verstummte plötzlich.

»Sie haben miteinander telefoniert«, stellte Verner fest. »Wo waren Sie, Erik?«

»Ich war auf dem Heimweg von der Arbeit, steckte auf der Schnellstraße im Stau. Bei Liertoppen hatte es einen Unfall gegeben, ein Lastzug, der sich gedreht hatte und in ein Auto gefahren war.«

»Sie haben also vom Handy aus angerufen. Würden Sie bitte die Anrufliste prüfen und nachsehen, wann das war?«

Erik fummelte an seiner Hosentasche herum. Als er ein Sony Ericsson hervorzog, fiel eine Zehnerpackung Prince Light auf den Boden. Rasch bückte er sich, hob sie auf und warf einen Blick auf Solveig, die reglos dasaß und keine Miene verzog.

»16.54 Uhr«, sagte Erik.

»Okay«, sagte Verner Jacobsen und bemerkte, dass Eriks winterblasses Gesicht auf einmal einen wärmeren Farbton bekommen hatte. Er notierte die Uhrzeit in einem kleinen Notizblock und wandte sich an Solveig.

»Sechs Minuten vor fünf standen Sie also dort am Fenster. Danach sind Sie vielleicht wieder zurück zum Herd? Wie viel Zeit ist vergangen, bevor Sie festgestellt haben, dass Oda verschwunden war?«

»Ich weiß es nicht.«

Solveig verbarg ihr Gesicht in den Händen, während ihr Haar wie eine leichte Sommergardine herabfiel. Bitte Røed sah den dunklen Haaransatz; eine scharfe Linie verriet, dass das Haar vor Längerem gebleicht worden war. Ich müsste auch bald meine Haare tönen, dachte sie. Eine rötliche Tönung zur Abwechslung? Oder Strähnen?

»Versuchen Sie trotzdem, sich zu erinnern«, hakte Verner Jacobsen nach.

Verärgert verzog Bitte den Mund. Die Lippen des Kollegen waren farblos und schmal, seine Stimme klang unbeteiligt. Ob er wohl eine Aufziehschraube am Rücken hatte? Oder war er bloß außergewöhnlich arrogant? Sein Gesicht glich dem des nordnorwegischen Winters – wüst und kahl; das wollte so gar nicht zu dem weichen und eindeutig selbst gestrickten Rollkragenpullover passen, den er trug. Ein Alibi für fehlende Empathie?

»Ich erinnere mich nicht«, erwiderte Solveig. »Ich habe Essen gemacht, die Kartoffeln standen auf dem Herd. Oda wollte Pfannkuchen haben«, flüsterte sie. »Hätte ich doch nur Pfannkuchen gemacht …«

»Die Wahl des Essens hätte wohl kaum etwas geändert«, sagte Verner und blickte hinüber zur Bratpfanne, die immer noch auf dem Herd stand, mit den Bratwürsten darin. Er fühlte sich unwohl. Trauernde Eltern machten ihn immer verlegen. Ihm war klar, dass er den Eindruck eines gefühllosen Klotzes erweckte, weil er sich an eindeutige Fakten hielt. Allerdings half ihm diese effektive Methode, sein Unbehagen und seine Verlegenheit zu überspielen.

»Hätte ich Pfannkuchen gemacht … Oda hat so gerne mit mir zusammen den Teig gemacht; sie hätte nicht gequengelt und rausgewollt, nein. Und dann …«

»Verstehe«, unterbrach Bitte sie, lehnte sich vor und legte eine Hand auf ihren Arm, bevor sie weitersprach. »Es hilft Oda aber nicht, wenn Sie sich Vorwürfe machen.«

Sie strich weiter über Solveigs Arm.

»Versuchen Sie, sich zu erinnern, wie spät es war, als Sie nach ihr sahen.«

»Ich hab gesagt, ich weiß es nicht. Möglicherweise nach zehn Minuten, vielleicht später. Ich weiß es nicht. Ich sehe bloß den rosa Anzug. Sie rollt Schneebälle, will bestimmt einen Schneemann bauen. Ich sehe, wie sie mit dem blauen Schlitten herumläuft. Ich sehe sie auf dem Rücken liegen und Engel machen. Ich sehe sie die ganze Zeit!«

Solveig begrub ihr Gesicht wieder in den Händen, als könnte sie sich so gegen die Bilder wehren. Die Polizistin wirkt angespannt. Und irgendwie versucht sie, mich zu trösten, dachte sie ärgerlich. Diesen vermeintlichen Trost ertrug sie nicht und fasste kein besonderes Vertrauen zu ihr. Da war der Polizist ganz anders, der machte einen solideren und selbstsichereren Eindruck.

»Einen losen Zahn hatte sie«, bemerkte sie. »Sie sollte von mir zehn Kronen kriegen, wenn er ihr ausfiel.«

Sie steckte eine Hand in die Hosentasche, zog eine Münze heraus und drehte sie in den Fingern, während ihre Augen in Tränen schwammen.

»Auf so eine Prinzessinnenkrone hat sie gespart. Rosa. Alles musste rosa sein.«

»Muss«, berichtigte Erik. »Alles muss rosa sein.«

Abwesend streichelte er Solveig über den Rücken und richtete seinen Blick abwartend auf die beiden Ermittler.

»Kinder kommen oft auf komische Ideen«, sagte Verner Jacobsen. »Gibt es jemanden in der Nähe, zu dem sie hätte gehen können?«

Solveig und Erik schüttelten den Kopf.

»Sie geht nie irgendwohin. Ich hab die Eltern von Mathias aus dem Kindergarten angerufen und von Torbjørn und Marie und Martin, die direkt auf der anderen Straßenseite wohnen. Bei keinem ist sie gewesen. Niemand hat sie gesehen.«

»Haben Sie irgendwelche Feinde?«

Solveig und Erik sahen einander an.

»Wir wohnen hier noch nicht so lange«, sagte Solveig.

Verner registrierte ein kurzes Zögern, und ein Anflug von Angst oder Unmut huschte über ihr Gesicht.

»Mein Exmann … allerdings hat er keine Ahnung, wo ich wohne. Wir haben keinen Kontakt.«

Verner bemerkte den abweisenden Ton und schrieb Exmann? auf seinen Block.

»Hat er einen Namen?«

»David Martí.«

Ihr Gesicht wirkte auf einmal verschlossen. Verner ließ die Angelegenheit auf sich beruhen und fragte stattdessen: »War viel Verkehr auf der Straße?«

»Weniger als normal, glaub ich.«

»Glauben Sie, dass sie entführt worden ist?«, fragte Erik. »Entlang der Straße hier passieren viele seltsame Dinge. Man hat den Eindruck, als wohnte hier in jedem zweiten Haus ein Verrückter. Außerdem hört sich das nach der einzig vernünftigen Erklärung an. Kinder werden nicht einfach vom Erdboden verschluckt. Es schneit. Sie kann sich nicht im Wald verirrt haben. Dann hätten wir Spuren gefunden. Das Rote Kreuz hat die ganze Nacht hindurch überall gesucht. Mehrere Male ist sie ums Haus gegangen, das haben wir gesehen. Und an der Garage unten an der Straße ist sie auch gewesen.«

»Der Schlitten lag da«, sagte Solveig leise.

»Derzeit wissen wir genauso wenig wie Sie. Wir vermuten nichts, aber wir tun alles in unserer Macht Stehende, um Oda zu finden«, sagte Verner und lächelte überzeugend. Er hoffte, dass sie seinen Zweifel nicht bemerkten, den er im Innersten spürte. »Oda hat höchste Priorität.«

»Haben Sie ein Foto für uns?«, fragte Bitte Røed. »So aktuell wie möglich sollte es sein.«

Flüchtig sah sie zu Verner hinüber und erhielt ein anerkennendes Nicken. Vor Stolz verspürte sie ein freudiges Kribbeln im Bauch, sie musste aufpassen, dass sie nicht lächelte.

»Ja«, sagte Verner Jacobsen, »wir geben heute Vormittag noch eine Fahndung raus.«

Ihn ärgerte es, dass er vergessen hatte, nach einem Foto zu fragen. Er war nicht so fokussiert wie gewöhnlich. Ein anderes Kind raubte ihm gerade seine Aufmerksamkeit; das konnte er nicht zulassen. Solveig erhob sich und ging ins Wohnzimmer. Verner Jacobsen und Bitte Røed folgten ihr. Vom obersten Brett eines Bücherregals nahm sie einen großen weißen Umschlag.

»Direkt vor Weihnachten haben sie im Kindergarten Fotos gemacht«, sagte sie. »Ich hab noch keinen Rahmen dafür besorgt.«

Sie zog drei Bilder heraus. Und bezahlt hab ich sie auch noch nicht, dachte sie. Eine von den Rechnungen gestern war eine Mahnung gewesen. Ein Foto war in Farbe, das andere schwarz-weiß und ein Gruppenbild vom gesamten Kindergarten.

»Darf ich mir diese hier mitnehmen?«, fragte Verner Jacobsen und zeigte auf das Gruppenfoto und auf das Porträt eines lächelnden Mädchens mit langen dunklen Zöpfen. »Sie erhalten sie selbstverständlich zurück, wenn wir uns Kopien gemacht haben. Zudem benötigen wir eine genaue Beschreibung der Kleidung, die sie getragen hat. Schaffen Sie das?«

Solveig nickte. Verner schrieb auf: hellrosa Schneeanzug und Mütze, dunkelrosa gefütterte Cherrox-Gummistiefel, weiße Fäustlinge.

»Wir werden uns auf Ihrem Grundstück umsehen, bevor wir fahren. Und natürlich halten wir Sie auf dem Laufenden.« Er gab Erik eine Visitenkarte.

»Rufen Sie an, wenn Ihnen noch etwas einfällt. Was auch immer. Kinder, die verschwinden, tauchen in der Regel wohlbehalten wieder auf«, fügte er in einem Aufheiterungsversuch hinzu. »Unsere Leute werden die Gegend umkrempeln, die Nachbarn werden schon befragt.«

Verner Jacobsen und Bitte Røed gingen zur Haustür. Solveig und Erik machten keine Anstalten, sie zu verabschieden, sondern standen wie versteinert da, jeder für sich den schlimmsten aller Albträume durchlebend.

7

Ein kalter Winterwind fuhr ins Haus, als die Polizei die Tür hinter sich schloss. Solveig nestelte an einem Schwarz-Weiß-Foto von Oda herum, während Erik versuchte, seinen Arm um sie zu legen, doch sie wand sich heraus. Sie legte Odas Foto auf die Arbeitsplatte, griff die Pfanne mit den Würsten und warf alles zusammen in den Müll. Dann räumte sie die Spülmaschine aus. Obwohl sie nichts sah, weil ihre Augen sich mit Tränen füllten und alles verschwamm, hielt sie in ihren Bewegungen nicht inne. Die Lawine, die sie erfasst hatte, raste weiter, aber wenn sie in Bewegung bliebe, wenn es ihr gelänge, zu schwimmen, und die Schneemassen sie nicht unter sich begraben würden, wenn sie sich nicht mitreißen ließe, würde sie vielleicht nicht zermalmt werden.

»Musst du das jetzt machen?«

Solveig fiel ein Teller auf den Boden.

»Guck, was passiert ist! Odas Lieblingsteller!«

Solveig kniete vor der Spülmaschine. Das hier passiert gar nicht, dachte sie. Das ist einfach nicht wahr. Auf Knien las sie die Stücke des zerborstenen Tellers auf. Sie umschloss fest eine Scherbe. Winnie Puuh war auf dem Teller abgebildet gewesen. Nun blickte sie ein schwarzes Auge zwischen Daumen und Zeigefinger mit totem Blick an. Von dem Schnitt in ihrer rechten Hand tropfte Blut. Sie merkte es nicht, eine gewaltige Stille nahm sie gefangen, als quetschte eine Tonne Schnee die Luft aus ihr heraus.

»Reiß dich zusammen, Solveig.«

Eriks Stimme klang mit einem Mal anders, eingepackt und wie aus weiter Ferne, doch dann nahm sie an Lautstärke zu, tat weh wie harscher Schnee.

»Du darfst jetzt nicht zusammenbrechen, du musst deine Kräfte konzentrieren, um Oda zu finden, du musst …«

Bewegung. Die einzige Chance, die du hast. Schwimm!

»Du hast mir nicht zu sagen, was ich zu tun habe!«, rief sie. »Ich muss den Teller zusammenkleben. Ich muss einen Rahmen fürs Kindergartenfoto kaufen. Und ich muss ein Prinzessinnenheft kaufen. Oda soll die Prinzessinnenkrone haben, wenn sie zurückkommt … und Schokolade. Sie soll warmen Kakao bekommen. Ich muss das Mittagessen von gestern wegräumen. Ich muss wegkriegen, was passiert ist. Du hast mir nicht zu sagen, was ich zu tun habe. Hörst du? Geh einfach raus und rauch eine!«

Erik zwang sich, nicht in die Defensive zu gehen, sondern riss ein Küchentuch von der Rolle auf der Arbeitsplatte und hockte sich neben sie, drückte ihr das Papier auf die Wunde in ihrer Hand und schmiegte vorsichtig einen Arm um ihre Schulter – unsicher, welche Reaktion das hervorrufen würde.

»Solveig«, flüsterte er. »Ich hab auch Angst. Auch ich liebe sie.«

»Wo ist sie? Ich will sie wiederhaben«, jammerte Solveig. Tränen vermengten sich mit den Blutflecken, die auf den Boden getropft waren.

»Sie darf unter der Dusche stehen, so lange sie will. Wir pfeifen auf die Stromrechnung, stimmt’s? Eine Stunde lang darf sie duschen! Bestimmt friert sie. Ihr Anzug ist am Hintern so verschlissen, sie ist sicher nass …«

Sie beugte sich vornüber, presste das Gesicht auf das glatte Linoleum. Erik ergriff ihre schmale Schulter und drückte sie an seine Brust. Schwer am ganzen Körper wie ein schlaftrunkenes Kind ließ sie sich umarmen, ließ sich in Eriks Armen wiegen, während sie ihr Gesicht in seinem Pullover verbarg. Er spürte, wie die warmen Tränen und der Rotz durch die Wolle drangen und seine wehrlose Haut berührten.

8

Jählings schreckte Raimo Egge mit dem unguten Gefühl aus seinem Schlaf auf, sich in einer Katastrophenregion zu befinden. Alles war Chaos. Die Gedanken zäh wie Kaugummi. Er riss die Augen auf und starrte auf die Schranktüren mit den Bleistiftzeichnungen. Als Letztes hatte er eine Studie seiner linken Hand und ein Porträt von Julie angefertigt. Die Augen hatte er nicht hinbekommen. Es war, als schaute sie ihn vorwurfsvoll an. Entschuldigung, Julie! Sein Blick glitt weiter zu den Entwürfen. Nackte Frauen. Er selbst lag in voller Montur unter der Decke, und einen Moment lang begriff er nicht, wieso. Die Reste eines Traums gingen ihm im Kopf um. Er rieb sich mit den Händen über das Gesicht, pulte den Schlaf aus den Augenwinkeln, und langsam, wie aus dem Nebel gleitend, kam alles zurück.

Der vorige Abend. Er hatte es nicht über sich gebracht, sich auszuziehen. Kalt war es gewesen, der Wind hatte durch die gut isolierten Fenster gepfiffen, direkt durch ihn hindurch. Die Wüstenmaus hatte sich im Laufrad überschlagen. Geschlafen hatte er nicht besonders viel, doch in den kurzen Augenblicken, in denen er weg gewesen war, hatte ihn derselbe Traum wieder und wieder heimgesucht. Im Traum hatte er einen Fuß auf die Türschwelle zum Schlafzimmer gesetzt, mit einer albernen Bemerkung auf der Zunge. Gerade wollte er etwas über ihre Beine sagen. Die sahen komisch aus, die Stiefeletten standen in einem merkwürdigen Winkel zueinander. Er spürte die Spannung. Sie würde aus dem Bett fallen, liegen bleiben und sich totlachen, wenn sie hörte, was er sagen wollte. Was, das hatte er vergessen, und das ansteckende Lachen, rau und hohl, ging in ein tiefes Knurren über, wie von einem verletzten Tier.

Er war aufgewacht, als er sich über sie beugte und ihr in die Augen sah; sie starrten an ihm vorbei an die Deckenlampe, ohne vom Licht geblendet zu werden. Und das Halstuch. Das hellblaue Halstuch. Viele Male hatte er es schon gesehen. Jetzt hing es ihr um den Hals.

Jedes Mal, wenn er erwachte, dachte er, es wäre bloß ein Traum.

Raimo setzte sich in seinem Bett auf und tastete nach dem Wecker.

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