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Im siebten Himmel mit dem Milliardär

1. KAPITEL

Seitdem Alexa Randall ihr eigenes Reinigungsunternehmen für Charter Jets gegründet hatte, hatte sich eine beachtliche Menge verlorener und gefundener Gegenstände angesammelt. Da gab es Smartphones, Aktentaschen, Schreibblöcke und sogar eine überaus wertvolle Armbanduhr. Selbstverständlich hatte Alexa alle Fundstücke ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben.

Verstreut herumliegende Höschen hingegen sowie gelegentlich auch erotisches Spielzeug – von Menschen, die durch Sex in luftigen Höhen Mitglieder im sogenannten Mile High Club geworden waren – fasste sie nur mit Latexhandschuhen an und warf sie in den Müll.

Doch der Fund des heutigen Tages hatte eindeutig das Zeug dazu, in die Annalen der Geschichte des A1-Aircraft-Cleaning-Service einzugehen. Nie zuvor hatte sie ein Baby an Bord einer Maschine gefunden – geschweige denn gleich zwei davon.

Verblüfft ließ sie den Eimer fallen, der mit einem dumpfen Laut auf den dicken blauen Teppich schlug und die schlafenden Kinder weckte. Es bestand kein Zweifel daran, dass dort zwei etwa einjährige Kinder mit scheinbar identischem blonden Lockenschopf und engelsgleichen Pausbäckchen lagen. Den blauen und rosafarbenen Sachen sowie den farblich abgestimmten Kindersitzen nach zu urteilen, handelte es sich um einen Jungen und ein Mädchen.

Da Alexa als Einzige vom A1-Aircraft-Cleaning-Service an Bord war, musste sie allein mit dieser Situation zurechtkommen und schaltete eine weitere Lampe im Hauptabteil des schnittigen Privatjets ein. Das Flugzeug stand im Hangar. Daher war es selbst um drei Uhr nachmittags relativ dunkel im Inneren der Maschine.

Die Babys saßen in ihren Kindersitzen auf einem Ledersofa an der Seitenwand des Privatjets von Seth Jansen. Dem Seth Jansen, der durch die Entwicklung hochmoderner Sicherheitstechnik für Flughäfen ein Vermögen verdient und sich selbst zum Selfmade-Millionär gemacht hatte. Alexa bewunderte den unternehmerischen Pioniergeist dieses Mannes, und es wäre ein wahrer Glücksfall für ihr Unternehmen, ihn zu ihren Kunden zählen zu dürfen. Umso wichtiger war es demnach, dass die erste Reinigung seines Flugzeuges reibungslos über die Bühne ging.

Die Babys ballten ihre winzigen Händchen zu Fäusten, bevor sie wieder einschliefen. Das kleine Mädchen stieß einen glücklichen Seufzer aus und atmete tief und gleichmäßig. Jetzt erst sah Alexa den Zettel, auf den das Kind seinen Arm hatte sinken lassen.

Konzentriert beugte Alexa sich vor, um zu lesen, was darauf stand:

Seth,

Du hast immer gesagt, dass Du mehr Zeit mit den Zwillingen verbringen möchtest. Jetzt hast Du die Gelegenheit dazu. Tut mir leid, dass ich Dich damit so überfalle, aber ein Freund hat mich mit einem vierzehntägigen Wellnessurlaub überrascht. Genieß Deine Zeit als Daddy mit Olivia und Owen!

Küsse und Umarmungen

Pippa

Pippa? Entsetzt richtete Alexa sich auf. Hatte Pippa Jansen, die Exfrau von Seth Jansen, ihre Kinder etwa einfach so im Jet zurückgelassen? Wütend schüttelte Alexa den Kopf und schob die zu Fäusten geballten Hände in die Taschen ihrer marineblauen Chinohose – welche zusammen mit einem blauen Poloshirt, auf dem das Logo der Firma eingestickt war, die Arbeitsuniform des Reinigungspersonals von A1 darstellte.

Und wie kam sie dazu, den Brief mit dem Zusatz Küsse und Umarmungen zu versehen, obwohl das Ehepaar doch offensichtlich zerstritten war? Alexa ließ sich in einen der bequemen Stühle sinken. Die noch wichtigere Frage bestand eigentlich darin, wer die Kinder einfach so unbeaufsichtigt an Bord eines Flugzeuges zurückgelassen hatte.

Die Reichen und Einflussreichen kannten kein Pardon und spielten nach ihren eigenen Regeln, das wusste Alexa aus eigener Erfahrung, denn sie war in diesen Kreisen groß geworden. Als Kind hatte sie sich stets anhören müssen, wie gut sie es doch hatte – dabei hatte sie mehr Zeit mit ihrer hingebungsvollen Nanny als mit ihren eigenen Eltern verbracht.

Das Beste, das ihr jemals widerfahren war, war die Tatsache, dass ihr Vater das Familienunternehmen für Sportbekleidung in den Ruin getrieben hatte, womit Alexa lediglich der Treuhandfonds ihrer Großmutter im Wert von einigen Tausend Dollar geblieben war.

Sie hatte das Geld dafür verwendet, sich als Teilhaberin in ein Reinigungsunternehmen, das kurz vor dem finanziellen Aus stand, einzukaufen. Bethany, die ältere Besitzerin des Unternehmens, war nicht mehr in der Lage, die Arbeit allein zu bewältigen. Deswegen war sie Alexa überaus dankbar für ihre Energie und die zweite Chance gewesen, die sich A1 dadurch bot. Mithilfe der alten Kontakte ihrer Familie zu den Reichen und Berühmten war es Alexa gelungen, die Firma wieder zum Florieren zu bringen. Ihr Exmann Travis war allerdings entsetzt gewesen über ihren neuen Broterwerb und hatte ihr angeboten, ihr Unterhalt zu zahlen, doch lieber hätte Alexa Toiletten geputzt, als dieses Angebot anzunehmen.

Deswegen lag ihr besonderes Augenmerk jetzt auch auf diesem Jet vom Typ Gulfstream III, der Seth Jansen gehörte. Sie hoffte nämlich, den millionenschweren Unternehmer so sehr mit ihrer Arbeit zu beeindrucken, dass er einen Vertrag mit dem A1-Aircraft-Cleaning-Service unterzeichnete. Ihr Dienstleistungsunternehmen hatte den Auftrag dringend nötig, denn der Markt war heiß umkämpft. Falls sie versagte, lief sie Gefahr, alles zu verlieren und A1 in den Bankrott zu führen. Sie hatte ihr Glück gar nicht fassen können, als ihr von einer anderen Reinigungsfirma ein Subunternehmervertrag für die Reinigung von Jansens Flugzeugen angeboten worden war.

Allerdings war ihrer Glückssträhne mit dem Fund dieser zwei Babys anscheinend ein jähes Ende beschieden. Sie wischte etwas Staub von einem Sitzpolster und betrachtete die Fingerabdrücke auf der Fensterscheibe. Allerdings konnte sie ja schlecht damit fortfahren, den Teppich zu saugen und die Mineralwasservorräte aufzufüllen, und dabei so zu tun, als wären die Kinder nicht anwesend. Sie musste die Flughafensicherheit informieren, die Jansens Ex das Leben sicherlich zur Hölle machen würde – und Jansen selbst wahrscheinlich auch. Das würde ihn vermutlich nicht gerade entzücken. Darüber hinaus wäre der Jet immer noch nicht gereinigt. Alles in allem würde Jansen danach bestimmt nicht dazu aufgelegt sein, den Vertrag mit Alexas Firma zu unterzeichnen.

Frustriert dachte Alexa daran, dass dieser Vertrag genügen würde, um A1 ein für alle Mal aus den roten Zahlen zu holen. Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als den Vater der beiden Kinder so schnell wie möglich ausfindig zu machen.

Sie nahm ihr Handy hervor und suchte im Telefonbuch nach der Nummer von Jansen Jets. Bereits einen ganzen Monat lang, nachdem sie in den Besitz dieser Nummer gekommen war, hatte sie versucht, persönlich mit Jansen zu sprechen, war aber immer nur bis zu seiner Sekretärin vorgedrungen. Vielleicht hatten die Babys ja doch etwas für sich, dachte Alexa und betrachtete die schlafenden Kinder. Immerhin würde sie heute die Gelegenheit erhalten, mit dem Boss höchstpersönlich zu sprechen. Allerdings aus einem anderen Grund als ursprünglich geplant, denn Jansen würde angesichts der Umstände sicher nicht der Sinn danach stehen, einen Vertrag mit A1 auszuhandeln.

Sie wählte und wartete, bis der Anruf entgegengenommen wurde.

„Jansen Jets, bitte warten Sie“, sagte eine melodische Frauenstimme mit unverkennbarem Südstaatenakzent. Bevor Alexa etwas erwidern konnte, wurde die Leitung umgeschaltet, und eintönige Hintergrundmusik erklang.

Ein Schrei erklang von einem der Kindersitze und zog Alexas Aufmerksamkeit auf sich. Rasch sah sie auf und beobachtete, wie Olivia sich in dem Sitz wand und die farbenfrohe Babydecke wegstrampelte, bevor sie ihren Schnuller ausspuckte und immer lauter zu wimmern begann. Das wiederum weckte ihren Bruder, der keineswegs besonders glücklich über die Störung zu sein schien. Sein Schnuller baumelte an einer Kette, die an seinem blauen Strampler im maritimen Look befestigt war.

Zwei Paar lavendelblauer Augen starrten Alexa an, zwei kleine Näschen waren gerümpft. Owens Augen füllten sich mit Tränen, und Olivia schob schmollend die Unterlippe vor.

Während sie das Telefon mit der Warteschleifenmusik unter das Kinn klemmte, hievte Alexa die Wickeltasche vom Boden hoch.

„Hey“, sagte sie und hoffte, einigermaßen beschwichtigend zu klingen, da sie kaum Erfahrung mit Kindern hatte. „Ich weiß, meine Süßen, ich bin fremd für euch, aber ich bin nun mal alles, was ihr gerade habt.“

Wie mies musste man eigentlich sein, überlegte sie wütend, seine Kinder einfach wie Gepäckstücke zurückzulassen? Hatte die wellnessbegeisterte Mutter sich eigentlich Gedanken darüber gemacht, wann der Vater seine Kinder finden würde?

„Und du bist Olivia, richtig?“ Sie kitzelte das Mädchen, das ein rosa Kleidchen trug, unter den nackten Füßen und zog dem kichernden Kind den pinkfarbenen Babyschuh aus dem Mund. Plötzlich schob die Kleine wieder die Unterlippe vor, und Alexa beeilte sich, einen Beißring aus der Wickeltasche hervorzuholen und ihn dem pausbäckigen Mädchen in die Hand zu drücken.

„Und du musst Owen sein.“ Sie zwickte in den blauen Tennisschuh des Jungen, der noch ordnungsgemäß am Fuß des Kindes saß – ganz im Gegensatz zu dem Schuhwerk seiner Schwester, die gerade mit einem rekordverdächtigen Wurf ihren anderen Schuh durch die Kabine schleuderte. „Hast du eine Ahnung, wo euer Daddy steckt? Oder wann er kommt?“

Der Sicherheitsdienst hatte ihr gesagt, dass ihr ungefähr eine halbe Stunde Zeit für den Service bleiben würde, bevor Mr Jansen eintraf. Auch wenn sie ihn sehr gern persönlich getroffen hätte, gehörte es sich nicht für das Reinigungspersonal, noch an Bord zu sein, wenn die Passagiere eintrafen. Eigentlich hatte sie gehofft, dass ihre Arbeit und eine Visitenkarte auf dem silbernen Getränketablett für sich selbst sprechen würden. So viel also zu ihren wohlüberlegten Plänen.

Sie griff nach der Babydecke auf dem Boden, faltete sie sorgfältig zusammen und legte sie auf die Couch. Dann strich sie Owen die feuchten Locken aus der Stirn. Der Junge verstummte und starrte sie an, während aus dem Hörer mittlerweile der vierte Song erklang – „Sweet Caroline“. Offenbar hatte man Alexa in eine Art Warteschleifenfegefeuer verbannt.

Wie lange würde es wohl dauern, bis die Kinder Hunger bekamen? Auf der Suche nach etwas Brauchbarem spähte sie in die Wickeltasche. Vielleicht würde sie ja auch eine Kontaktadresse unter den benutzten Saftbechern, der Milchtrockennahrung, den Gläschen mit Babybrei und den Unmengen von Windeln entdecken.

Als sie Schritte vom Treppenaufgang draußen hörte, schreckte sie auf, ließ die Wickeltasche fallen und drehte sich im selben Augenblick um, in dem ein hochgewachsener und breitschultriger Mann durch die Eingangsluke an Bord kam. Da er das Sonnenlicht im Rücken hatte, konnte man sein Gesicht im Halbschatten nicht richtig erkennen.

Instinktiv stellte Alexa sich beschützend vor die Babys. „Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“

Schweigend trat er näher, und im Licht der Bordbeleuchtung erkannte Alexa schließlich das Gesicht, das sie im Zuge ihrer Internetrecherchen bereits mehrere Male gesehen hatte: Seth Jansen, Gründer und Chef von Jansen Jets. Alexa war erleichtert, denn mit seinem frühen Eintreffen war ihr eine schwierige Entscheidung abgenommen worden. Außerdem verstand dieser Mann sich auf einen filmreifen Auftritt, wie sie fand.

Von den Pressefotos her war ihr bereits bekannt, dass er gut aussah und ihm das gewisse Etwas eines griechischen Gottes anhaftete. Trotzdem waren die Fotos, die sie mithilfe von Google gefunden hatte, nicht annähernd in der Lage gewesen, Alexa auf die persönliche Begegnung mit dem atemberaubend attraktiven Selfmade-Milliardär vorzubereiten.

Er mochte annähernd einen Meter neunzig groß sein – durch und durch ein ganzer Mann und keineswegs ein blasser Bürohengst. Vielmehr glich er einem muskulösen Holzfäller – allerdings einem, der in einem teuren maßgeschneiderten Anzug steckte.

Sein sandfarbenes Haar war dicht und voll und wurde von hellen Strähnchen durchzogen, die definitiv vom Aufenthalt im Freien und keineswegs von dem Besuch in einem exklusiven Friseursalon herrührten. Dafür sprach auch sein gebräunter und durchtrainierter Körper. Auch gab es keine waschbärähnlichen Ringe von einer Schutzbrille um die Augen, wie man sie normalerweise auf einer Sonnenbank trug. Ein Windhauch frischer Luft umgab ihn und nicht, wie Alexa es von ihrem Vater und ihrem Ex kannte, der aufdringliche Geruch eines Aftershaves. Allein bei der Erinnerung an den süßlichen Duft von Zigarren und Eau de Cologne rümpfte sie unwillkürlich die Nase.

Seth Jansens Augen waren von einem Grün, das Alexa an die Karibik vor St. Maarten denken ließ – ein funkelndes Seegrün, das den Wunsch wach werden ließ, sofort in die einladenden Fluten einzutauchen und die Tiefen zu ergründen. Ihre Haut prickelte bei der Vorstellung an ein Bad in diesen reinen Gewässern.

Wie unprofessionell von ihr, einfach hier zu stehen und ihn wie eine geschiedene Frau anzustarren, die unter Sexentzug litt – was sie im Grunde genommen ja auch war.

„Guten Tag, Mr Jansen. Ich bin Alexa Randall vom A1-Aircraft-Cleaning-Service.“

Er zog seine offenkundig teure Anzugsjacke mit den grauen Nadelstreifen aus. Als er den Hemdkragen öffnete und Alexa die burgunderrote Krawatte erblickte, war sie ein wenig überrascht. Immer stärker wurde ihr Eindruck, dass es sich bei Jansen um einen olympischen Athleten im Designeranzug handelte.

„Stimmt.“ Er sah auf seine Armbanduhr, einen hochmodernen Chronographen. „Ich bin zu früh, aber ich muss sehr zeitig los. Daher würde ich es sehr zu schätzen wissen, wenn Sie sich ein bisschen beeilen könnten.“

Jansen ging an ihr und den beiden Kindern vorbei – seinen Kindern. Alexa räusperte sich. „Es wartet ein Begrüßungskomitee auf Sie.“

„Da müssen Sie sich irren.“ Er verstaute seine Aktentasche. „Ich fliege heute allein.“

Sie hielt ihm Pippas Brief entgegen. „Es scheint fast so, als hätten sich Ihre Flugpläne soeben geändert, Mr Jansen.“

Wie erstarrt blieb Seth Jansen stehen und sah über die Schulter zu Alexa Randall. Sie war die Besitzerin einer neuen kleinen Firma und versuchte seit nahezu einem Monat, seine Aufmerksamkeit zu erregen und ihn von ihrer Arbeit zu überzeugen. Ja, er wusste, wer diese umwerfend gut aussehende Blondine war. Doch er hatte keine Zeit, sich ihr Angebot anzuhören, was ohnehin schon so gut wie abgelehnt war. Obwohl er Ausdauer und Hartnäckigkeit im Business durchaus zu schätzen wusste, verabscheute er billige Werbetricks. „Lassen Sie uns bitte gleich auf den Punkt kommen.“

Ihm blieben weniger als zwanzig Minuten, um seine Gulfstream III in die Luft von Charleston, South Carolina, nach St. Augustine in Florida zu bringen. Dort erwartete ihn ein Geschäftstreffen, für das er die letzten sechs Monate hart gearbeitet hatte. Er war zum Dinner mit dem Sicherheitschef der Medinas verabredet, einer entmachteten königlichen Familie, die in den USA im Exil lebte. Ein ziemlich fetter Brocken. Eine Gelegenheit, die sich einem nur einmal im Leben bot.

Damit würde er endlich mehr Freiheiten besitzen und könnte sich auf seine karitative Arbeit konzentrieren. Freiheit. Heutzutage hatte dieser Begriff eine völlig andere Bedeutung für ihn als damals, als er seinen Lebensunterhalt damit verdient hatte, in North Dakota Sprühflugzeuge zu fliegen.

„Das hier“, sie wedelte mit dem Blatt Papier vor ihm herum, „ist der Punkt.“

Sie reichte ihm den Zettel und trat beiseite, sodass er seine eigenen Kinder erblicken konnte. Überrascht las er den Brief.

Kurz darauf verspürte er einen pochenden Schmerz hinter den Schläfen. Was, zum Teufel, dachte Pippa sich dabei, die Kinder einfach so in sein Flugzeug zu setzen? Wie lange mochten sie wohl schon hier sein? Und warum hatte sie ihm nur einen verdammten Zettel geschrieben?

Er zog sein Mobiltelefon aus der Tasche, um seine Exfrau anzurufen, doch er erreichte lediglich ihren Anrufbeantworter. Zweifelsohne ging sie ihm aus dem Weg. Plötzlich piepte sein Handy und kündigte den Eingang einer SMS von Pippa an: Wollte sichergehen, dass Du Bescheid weißt. Zwillinge warten im Flugzeug. Sorry, dass ich Dich so überfalle. XOXO.

„Was, zur H…“ Er unterbrach sich, um nicht vor den beiden Kleinkindern zu fluchen, die gerade begannen, die erste Worte von sich zu geben. Dann verstaute er das Telefon und sah zu Alexa Randall. „Es tut mir leid, dass meine Ex Ihnen für heute auch noch das Babysitten aufgebürdet hat. Natürlich zahle ich Ihnen das extra. Haben Sie gesehen, wohin Pippa gegangen ist?“ Wenn er sie in die Finger bekam, würde er ihr gehörig die Leviten lesen.

„Ihre Exfrau ist nicht hier gewesen, als ich gekommen bin.“ Alexa hielt ihm ihr Telefon entgegen. „Ich habe versucht, Ihr Büro anzurufen, aber Ihre Assistentin hat mich nicht zu Wort kommen lassen und mich einfach in die Warteschleife gelegt. In der Zwischenzeit ist die Musik schon zwei Mal durchgelaufen. Noch ein bisschen länger, und ich wäre gezwungen gewesen, den Sicherheitsdienst anzurufen. Der wiederum hätte das Jugendamt benachrichtigt …“

Abwehrend hielt er die Hand hoch. Ihm war plötzlich ganz schlecht. „Danke, ich verstehe schon. Ich schulde Ihnen auch noch etwas für das unverantwortliche Handeln meiner Ex.“

Er spürte, wie sein Blutdruck stieg. Pippa hatte die Kinder einfach so in einem Jet auf seinem Privatflughafen zurückgelassen? Was hatten sich seine Sicherheitsleute bloß dabei gedacht, Pippa einfach so hier herumlaufen zu lassen? Und das in Zeiten, in denen er verstärkte Aufmerksamkeit von ihnen erwartete. Trotzdem war man offenbar davon ausgegangen, dass Pippa als seine Exfrau weiterhin ungehinderten Zutritt zu allen Bereichen hatte. Das ging natürlich überhaupt nicht! Niemand setzte die Sicherheit seiner Kinder aufs Spiel. Aufgebracht zerknüllte er die Nachricht und warf sie beiseite. Dann bemühte er sich um einen gelassenen Gesichtsausdruck, bevor er sich herunterbeugte, um den Gurt vom Sitz seiner Tochter zu lösen.

„Hallo, kleine Prinzessin.“ Er hielt Olivia hoch.

Als seine Tochter lächelte, entdeckte er einen neuen Vorderzahn. Die Veränderungen gingen so schnell vonstatten, dass Seth Mühe hatte mitzukommen. Er liebte seine Kinder über alles – und das seit dem ersten Moment, in dem er ihre winzigen Händchen auf dem Ultraschallbild gesehen hatte. Er war Pippa sehr dankbar dafür, dass sie ihn an der Geburt hatte teilhaben lassen, denn zu jenem Zeitpunkt hatte sie bereits die Scheidung eingereicht. Er bedauerte aufrichtig, nicht jeden Tag mit seinen Kindern verbringen und ihre Entwicklung beobachten zu können. Doch dieses Mal hätte das Timing für ihren Besuch nicht schlechter sein können.

Seth zog Olivia an seine Brust und strich seinem Sohn durchs Haar. „Hey, kleiner Mann.“

Owen streckte ihm die Zunge heraus. Die zierliche Blondine schob ihm daraufhin den Schnuller in den Mund, bevor sie sich hinkniete, um die zerknüllte Botschaft von Pippa aufzuheben und in den Eimer mit dem Reinigungszubehör zu werfen.

„Sieht so aus, als wäre das außerplanmäßiger Besuch“, sagte sie und klang ungehalten.

Auch Seth hatte allen Grund, verärgert wegen Pippas unmöglicher Aktion zu sein. Was wäre geschehen, wenn jemand anders das Flugzeug betreten hätte? Glücklicherweise hatte diese Alexa die Kinder gefunden. Immerhin wusste Seth genau, wer sie war. Doch Pippas unverantwortliches Verhalten ärgerte ihn sehr, und er atmete tief durch, bevor er Owen ebenfalls auf den Arm nahm. Er musste eine Möglichkeit finden, die Kinder unterzubringen, während er zu diesem Meeting flog, das ihm möglicherweise einen Deal über mehrere Millionen Dollar einbringen würde.

Als er damals nach South Carolina gekommen war, war er relativ unbedarft gewesen und hatte sich von der Glitzerwelt beeindrucken lassen. Das war der Grund für seine Ehe mit Pippa gewesen. Er war mit einfachen, dennoch verlässlichen Werten auf der Farm groß geworden, die er während seiner Jagd nach finanziellem Wohlstand beinahe ganz aus dem Blick verloren hatte. Doch seine Ehe war Vergangenheit, und den geschäftlichen Erfolg wollte Seth ganz bestimmt nicht aus dem Blick verlieren, weswegen er liebend gerne mit der Familie Medina aus Florida ins Geschäft kommen wollte. Als er einen weiteren Blick auf seine Uhr warf, zuckte er zusammen. Verdammt. In diesem Augenblick hätte er sich eigentlich schon in der Luft auf dem Weg nach St. Augustine befinden müssen. Ihm blieb keine Gelegenheit mehr für ein Sandwich, geschweige denn für die Suche nach einem Babysitter.

Er musste etwas Zeit schinden. „Könnten Sie vielleicht mal kurz Owen halten? Ich muss ein paar Telefonate führen.“

„Sicher, kein Problem.“ Alexa unterbrach ihre Tätigkeit, sein Jackett auf einen Bügel zu hängen, und streckte ihm die Arme entgegen.

Als er ihr seinen Sohn reichte, streifte Seths Hand zufällig ihre Brust, die sich weich und äußerst verlockend anfühlte. Allein die flüchtige Berührung genügte, um wildes Verlangen in ihm zu schüren. Es war mehr als nur die Erkenntnis, dass es sich um eine attraktive Frau handelte. Vielmehr wurde er von brennender Begierde nach ihr erfasst.

Überrascht holte sie Luft, und Seth hatte den Eindruck, als wäre ihr die Anziehungskraft zwischen ihnen auch nicht entgangen. Für Seth jedenfalls hatte die Empfindung die eindrucksvolle Wirkung eines Blitzeinschlages.

Olivia lehnte den Kopf an seine Schulter und gähnte, was ihn wieder daran erinnerte, dass er seinen Vaterpflichten nachkommen musste.

Trotzdem war er auch nur ein Mann. Warum war ihm die enorme erotische Ausstrahlung dieser Frau nicht schon beim Betreten des Flugzeuges aufgefallen? Hatte er sich bereits so sehr daran gewöhnt, zu den Reichen und Privilegierten zu gehören, dass er das Personal geflissentlich übersah? Dieser Gedanke behagte ihm ganz und gar nicht – und er riskierte einen zweiten Blick auf Alexa.

Ihr blondes Haar hatte sie mit einer schlichten silbernen Spange im Nacken zusammengefasst. Dazu trug sie eine marineblaue Chino und ein hellblaues Shirt, das gut zu ihren Augen passte und trotz des legeren Looks ihre kurvige Figur äußerst vorteilhaft betonte.

Bevor er Vater geworden war, hätte Seth nicht gezögert, Alexa nach ihrer Telefonnummer zu fragen. Dann hätte er sie zu einem Dinner auf dem Fluss eingeladen und sie mit Küssen unter dem nächtlichen Sternenhimmel um den Verstand gebracht. Doch mittlerweile war er beruflich so eingespannt, dass er keine Zeit mehr für Dates hatte. Und wenn er einmal nicht arbeitete, dann hatte er die Kinder um sich.

Bedauernd musterte er ihr Shirt mit dem Logo vom A1-Aircraft-Cleaning-Service. Dasselbe Emblem war ihm bereits in dem Brief ins Auge gefallen, den sie ihm zusammen mit ihrem Firmenprospekt zugesandt hatte. Ihm fiel gerade wieder ein, warum er nicht näher auf den Brief und die frisch gedruckte Broschüre eingegangen war, als Alexa ihn unvermittelt ansah, seinem Blick folgte und ihm schließlich in die Augen sah. „Ja, ich habe Ihnen ein Angebot zugeschickt“, sagte sie und zog eine Augenbraue hoch. „Das ist doch der Grund, warum Sie so auf mein Hemd starren, oder?“

„Natürlich? Weshalb sonst?“, entgegnete er trocken. „Sie haben doch bestimmt bereits ein Antwortschreiben von meiner Sekretärin erhalten.“

„Das habe ich, und falls Sie etwas Zeit hätten …“

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