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Im Separee mit Marilyn Monroe

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Inhaltsverzeichnis

Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien 1976:

Tschechoslowakei und nach Polen 1977:

Tschechoslowakei und Ungarn 1978:

UdSSR bis zur Krim 1979:

UdSSR bis zum Kaukasusring 1980:

Ungarn und Rumänien 1981:

UdSSR bis Tallin 1983:

Ungarn, Rumänien und die Tschechoslowakei 1984

UdSSR nach Jalta 1985:

Natürlich hatten wir Reisefreiheit — leider aber eingeschränkt!

Das muss erst mal erklärt werden - was bedeutet eigentlich „Reisefreiheit“?

Kann ich reisen, wohin ich weltweit will, oder kann ich nur dahin fahren, wo ich mir die Reise leisten kann? Die Antwort war für Menschen aus der DDR, die gern andere Länder erkunden wollten, klar — da blieben nur die Länder im Osten Europas!

Der Wunsch nach „Reisen, wohin ich will“ hatte demnach zwei Probleme:

DÜRFEN und KÖNNEN!

1. durften wir nicht „weltweit“, und

2. konnten wir wegen fehlender Devisen „weltweit“ nicht!

Also blieben den Ostdeutschen nur die Länder Osteuropas, die dann auch mit dem Zelt, Auto und Zelt, Auto und Wohnanhänger, Auto und Reise auf festgelegter Route (das waren die Routen durch die Sowjetunion) oder mit dem Flugzeug (auch festgelegte Routen und Ziele) diese Länder erkundeten.

Also: Reisefreiheit schon, jedoch vollständig eingeschränkt auf Reisen zu den „Brudervölkern“, die uns nicht unbedingt als „Brüder und Schwestern aus der DDR“ ansahen, da wir — das kommt noch!

Erschwerend wirkten die Reisebedingungen, die die zur „sozialistischen Völkerfamilie“ gehörenden Länder ihren reisefreudigen Leuten gewährten. Das fing beim Planen einer Urlaubsreise durch mehrere Länder damit an, die nicht untereinander konvertierbaren Währungen Osteuropas klug zu planen.

Als Beispiel:

Bei der Planung einer Reise nach Bulgarien, wobei die Reiseroute über die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien bis Bulgarien und dann die Route zurück führte, musste man genau kalkulieren, wie lange man im jeweiligen Land bleiben würde, denn nach diesem Schlüssel kalkulierte die Industrie- und Handelsbank der DDR die entsprechenden Währungen!

Als Beispiel:

Für unsere dreiwöchige Reise 1976 mit dem Ziel Bulgarien erhielten wir für den Preis von 2.057,80 Mark der DDR

360,00tschechische Kronen für 3 Tage
1.800,00ungarische Forint für 3 Tage
1.780,00rumänische Lei für 11 Tage und
176,00bulgarische Lewa für 4 Tage

inklusive einem Scheck für 200,00 Mark der DDR, den man im jeweiligen

Ausland einmalig in die dortige Landeswährung umtauschen konnte.

Manipulieren ging nicht, denn die längste Dauer einer Reise lag bei drei bis vier Wochen, da das der übliche Jahresurlaub war, und — das war im Beispiel das Geld für eine vierköpfige Familie!

„Nicht kompatibel“ wurde in den jeweiligen Ländern auch rigoros umgesetzt! Wenn man zum Beispiel auf dem Rückweg aus Bulgarien wieder in Rumänien eintraf, waren die bulgarischen Lewa nicht in die rumänische Währung umtauschbar, die musste man dann bis zur Rückkehr in die DDR verstauen und erst dort in Mark der DDR zurück tauschen.

Eine derartige Urlaubsreise erforderte daher eine generalstabsmäßige Planung, die mit entsprechenden Tauschgeschäften abgefedert werden musste, dazu jedoch in den jeweiligen Reiseberichten später!

Und - das war alles Bargeld, also nichts mit „schnell mal zum Automaten Geld abheben“ oder mit der Kreditkarte bezahlen, das gab es im „real existierenden Sozialismus“ nicht.

Doch nun zu den Reiseberichten!

Vier Wochen in die Tschechoslowakei, über
Ungarn und Rumänien nach Bulgarien und zurück
Reise vom 17. Juli bis zum 14. August 1976

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Am 17. Juli gegen 4 Uhr morgens ging unser Urlaub los, unser Wartburg „Tourist“ war für die 4-wöchige Reise mit Gepäck für Eltern und zwei Kinder voll gepackt. Drei Stunden später fuhren wir durch das menschenleere Dippoldiswalde bis zur Grenze in Zinnwald, dort konnten wir von „menschenleer“ nur träumen! Weil es so schön früh war, hatten die DDR- und tschechischen Grenzer viel Zeit — das Wort „Schikane“ blieb uns im Hals stecken.

Nach mehr als einer Stunde ging es weiter über Prag, bei starker Hitze legten wir hinter Prag an einem kleinen und klaren See eine Badepause ein.

Unser Tagesziel, der Ort Znojmo, war am späten Nachmittag erreicht, wir bogen aber vorher nach Bitov ab, da gab es zwei wunderschöne Campingplätze, auf denen jedoch sämtliche Bungalows ausgebucht waren. Also dann doch nach Znojmo, der

„Autokampink“ lag zwei Kilometer hinter dem Ort, dort war nun auch nichts mehr frei, wir schliefen also im Auto,

Gepäck wurde auf das Autodach bugsiert. Der Platz kostete 20 Kronen, also knapp 7 Ostmark.

Znojmo, deutsch Znaim, geht auf die Zeit des großmährischen Reiches zurück. Im 9. Jahrhundert gab es dort eine Burgstelle, die heutige Stadt liegt auf einer Felszunge am Ufer der Thaya.

Am 18. Juli ging die Reise weiter in Richtung Bratislava, am frühen Nachmittag erreichten wir den Autocamping Zlate Piesky Bratislava, gelegen an einem schönen Zelt- und Badeplatz mit einem Vier-Personen-Bungalow, der nur auf uns wartete!

Slate Pinsky liegt an einem großen Badesee am Stadtrand von Bratislava. In den 1970er Jahren war der Platz sauber und nicht überbelegt, der Badesee auch für Kinder gut geeignet.

Am 19. Juli starteten wir gegen 10 Uhr morgens über Esztergom, Visegrad und Szentendre, wo wir uns vergeblich um ein Quartier bemühten und kamen bis nach Budapest.

Bei der „Hauptstädtischen Fremdenverkehrsdirektion“

(Budapesti Idegenforgalmi Vallalay, kann man sich gut merken!) erhielten wir einen „Zimmergutschein“ (Szobautalvany, auch einleuchtend) für ein

wunderschönes Zimmer bei Herrn Sandor Gödry in der Bajcsy-Zielinsky-Strasse direkt am schönen Deak-Platz.

Das Zimmer kostete 235 Forint, das waren knapp 50 Ostmark, 370 Ostmark genehmigte uns die Industrie- und Handelsbank für den gesamten Aufenthalt in Ungarn — und da hatten wir noch nichts gegessen!

Das taten wir dann fürstlich bei ungarischer Fischsuppe (Achtung: unbedingt Brot mit bestellen, sonst brennt einem der Gaumen ab!) und lieblichem Weißwein. Ein abendlicher Spaziergang durch die sehenswerte Hauptstadt Ungarns führte uns zurück zu Herrn Gödry’s schöner Altstadtwohnung.

Budapest ist Hauptstadt und zugleich größte Stadt Ungarns. Durch die Zusammenlegung der zuvor selbstständigen Städte Buda und Pest entstand 1873 damals Budapest.

Der 20.Juli bedeutete eine Wende in unserer Reiseplanung. Nach einem wunderschönen Spaziergang an der Donau entlang fuhren wir zum Romai Camping, einem der schönsten Campingplätze Ungarns. Dort, gegen 11 Uhr, übernahmen wir von Herrn Noack, einem Kollegen aus dem Chemieinstitut, in dem ich arbeitete, einen Campinganhänger vom Typ „Klappfix CT-6“, der dem Institut gehörte. Diesen Campinganhänger hatten wir ab Budapest gemietet und sollten ihn auf der Rückreise an die auf uns folgende Familie übergeben werden.

Das herrlich gelegene Romai-Bad verfügte über Becken unterschiedlicher Temperaturen, wir genossen das sommerliche Wetter und die neue Erfahrung mit einem Wohnanhänger in vollen Zügen. Der „Klappfix“ konnte schnell auseinandergeklappt werden, es entstand ein Hochbett oberhalb der Räderachse, die Deckplatte wurde zur Bodenplatte, eine weitere Schlafmöglichkeit für die Töchter konnte heraus geklappt werden — daher „KLAPPFIX“. An einer Aussenseite konnte eine „kleine Küche“ geöffnet werden - fertig!

Den Nachmittag verbrachten wir bei einem Stadtrundgang und beim Einkaufen in der Vaci Utca, der eleganten Einkaufsstraße Budapests, schlenderten über die Erszebed-Brücke und fuhren am Abend mit der Metro und der Straßenbahn HEV zum Roman fürdö zurück. Bei einer Flasche ungarischen Weins genossen wir den Abend im „eigenen Heim“.

Der 21. Juli zeigte sich mit „Kaiserwetter“, wir genossen die Romai Fürdö-Bäder, fuhren am Nachmittag zur Fischerbastei mit herrlicher Aussicht über das zu Füßen liegende Budapest, tranken starken Kaffee am Batthanny Platz und badeten am späten Nachmittag nochmals in den schönen Bädern am Campingplatz. Leider konnte ich die in der Stadt erworbene LP von Paul McCartney nicht abspielen, wir hatten natürlich keinen Plattenspieler in unserem Reisegepäck dabei.

Die Campinplatzgebühr für zwei Tage betrug 126 Forint, das waren 42 Ostmark.

Der 22. Juli war unser letzter Tag in Budapest. Nach letztem „Abbaden“ und Abbauen des „Klappfix“ starteten wir gegen 10 Uhr nach Hajduszoboszlo, wo wir gegen mittag nach etwa 230 Kilometern Fahrt ankamen.

Hajduszoboszlo, auf deutsch Sobols, ist ein Kurort in der ungarischen Tiefebene. Der berühmte Hortobagyi-Nationalpark ist in der näheren Umgebung, die größte Kur-Freibadanlage ist das Thermalbad Haiduszoboszlos mit einer Fläche von 30 Hektar. Der Campingplatz des Orts war schön und durch den Baumbestand schattig, das daneben liegende Thermalbad mit Bädern unterschiedlicher Temperaturgrade genau richtig. Am Abend saßen wir am Lagerfeuer mit einer tschechischen Familie zusammen, die zu tschechischen Volksliedern anstimmten.

Die am nächsten Morgen, dem 23. Juli, von der Rezeption des Campingplatzes überreichte Preisliste (Nyugta) enthielt Positionen wie „Területhasznalati dij", „Összesen“, „Szallasdij Összesen“ und „Üdülöhelyi dij", welche zu einer Gesamtsumme von 123 Forint, also etwa 40 Ostmark, führte.

Nach dem Tanken unseres Wartburg Tourist starteten wir gegen 10 Uhr in Richtung Rumänien. Ungarn ist ein kleines Land, gegen Mittag waren wir bereits am Grenzübergang Oradea. Die rumänische Stadt liegt etwa 13 Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt am östlichen Rand der Tiefebene und an den Ausläufern des Apuseni-Gebirges. Burg und Stadt sind sehenswert, ein Teil der Stadt liegt auf den Varadienser Hügeln.

Nach etwa 30 Minuten Abfertigung ging es in Rumänien über die Universitätsstadt Cluj nach Turda, einer kleinen Stadt mit einer einzigartigen Schlucht als Sehenswürdigkeit.

Die Fahrt dorthin war von wolkenbruchartigen Regenfällen begleitet, der Campingplatz war schön, abends gab es noch eine rumänische Tanzveranstaltung. Die Campinplatzgebühr betrug 8 Ostmark.

Turda liegt im Westen vom Siebenbürgischen Becken nordöstlich des Trascau-Gebirges. Die Stadt hat eine lange Geschichte: Zuerst siedelten die Dakar (Potaissa) hier, dann wurde Turda eine römische Festung, um die sich später die Kolonie gründete. Zu dieser Zeit wurde hier bereits Salz abgebaut, der römische Kaiser Trajan ließ um das Jahr 110 eine erste Strasse bauen.

Der 24. Juli begann mit einer Einkaufs-Tour durch Turda, wobei das Wort „Einkaufen“ für Turda und dann für die folgenden Tage in Rumänien nicht mehr zutreffend war.

Im Vergleich zu Ungarn war Rumänien ein armes Land. Die Grundnahrungsmittel waren vorhanden, darüber hinaus gab es fast nichts.

Am Ortsrand befand sich ein salzhaltiges Strandbad, dort erholten wir uns von der anstrengenden „Einkaufstour“ bis gegen Mittag. Nach dem Mittagessen im „Klappfix“ (weißer Bohnen-Eintopf) fuhren wir zur Turda-Klamm, dem herrlichen Taleinschnitt mit (im Sommer zum Glück schwächlichen) Gebirgsfluss. Das Klettern und die Umgebung waren atemraubend, und das nicht nur wegen der extrem hohen Temperaturen.

Auf beiden Seiten des Gebirgsflusses hingen Gestrüpp und Äste bis zu 2 Metern Höhe in den Bäumen am Rande des Flusses, bei einer Schneeschmelze würde man kaum aus dem Flussbecken herauskommen.

Auf dem Rückweg beim Obst-Einkaufen auf den Markt in Turda verkaufte ich meine Armbanduhr für 200 Ostmark (etwa 950 rumänische Lei), womit ich die zu Beginn der Reiseerläuterungen erwähnte „Abfederung mit Tauschgeschäften“ profitabel beginnen konnte.

Am 25. Juli gegen 8 Uhr morgens starteten wir in Richtung Hermannstadt (Sibiu). Unterwegs machten wir noch eine Pause im Heilbad Ocna Sibiuhi, dort gab es jedoch nur Salzwasserbäder, so dass wir weiter fuhren und gegen Mittag an einem schönen, schattigen Campingplatz in Hermannstadt ankamen.

Die Stadt in Siebenbürgen hat viele Einwohner, die ein etwas veraltet-wirkendes Deutsch, das der Siebenbürger Sachsen, sprechen und sich riesig über die „Deutschen aus Deutschland“ freuten. Wir besichtigten das „Museum der Volkstechnik“ und machten noch einen ausgiebigen Spaziergang durch die mittelalterliche Altstadt. Eine Flasche rumänischen Weißweins rundete den ereignisreichen Tag ab.

Sibiu wurde vermutlich um das Jahr 1147 von deutschen Siedlern gegründet. Diese ließen sich auf dem Hügel über dem Zibin-Fluss nieder.

1191 wurde „praepositum Cibiniensem“ urkundlich erwähnt, ab 1223 ist der lateinische Name „Villa Hermanns“ belegt, die kölnischen Siedler benannten den Ort nach einem ehemaligen Kölner Erzbischof.

Der nächste Tag begann mit einem ausgedehnten Rundgang durch die Altstadt von Sibiu. In vielen Geschäften hatten die Verkäuferinnen Schilder mit deutschen Familiennamen: „Erika Müller“ verkaufte uns bestrickte Baumwollblusen für die Töchter!

Gegen Mittag fuhren wir auf der Transfagaras-Straße in Ríchtung Bilea-Wasserfall. Die Transfagarascher Gebirgsstraße verbindet das Arges-Tal mit dem Olt-Tal in Siebenbürgen, wobei sie das Fagaras-Gebirge in den Transsilvanischen Alpen überquert. Die Landschaft war überwältigend!

Beim Hochklettern zum Wasserfall gerieten wir in einen Gebirgs-Wolkenbruch, der gefährlich wurde. In einer kleinen Felsnische sang unsere jüngste Tochter ohne Unterbrechung „Sonne, liebe Sonne…“.

Als wir völlig durchnässt am vollkommen trockenen Stellplatz unseres Autos ankamen, wurden wir wie Zombies betrachtet! Später erzählte man uns, daß es im Transfagaras viele Braunbären gäbe, da sahen wir den Wolkenbruch mit ganz anderen Augen!

Zurück ging’s zum Campingplatz in Sibiu.

Gegen 9 Uhr früh ging unsere Reise am 27. Juli über Fagaras nach Brasov weiter, welches wir nach zirka 150 Kilometern gegen 12 Uhr erreichten.

Brasov (Kronstadt) wurde von Rittern des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert als südöstlichste deutsche Stadt in Siebenbürgen unter dem Namen Corona gegründet. Die Stadt war über Jahrhunderte das kulturelle, geistige, religiöse und wirtschaftliche Zentrum der Siebenbürger Sachsen. Seit dem 13. und 14. Jahrhundert fielen Tartaren und Türken immer wieder in die Stadt ein.

Brasov gehörte zum Königreich Ungarn, zum Fürstentum Siebenbürgen, und zu Österreich-Ungarn, bevor es im Jahr 1920 an Rumänien abgetreten wurde.

Auf einem sehr schön gelegenen Campingplatz am Stadtrand mit Aussicht auf die Berge schlugen wir unseren „Klappfix“ auf, bevor wir uns zur Besichtigung von Brasov aufmachten. Der späte Nachmittag führte uns zu den Wehrkirchen von Prejmer und Harman, deren Geschichte bis auf die Zeit der Türkenbelagerungen zurückgeht.

Die Kirchenburg Prejmer (deutsch Tartlen oder Tortalen) gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Ringmauern der Burg sind bis zu 12 Metern hoch und drei bis vier Meter dick. In der Höhe des Wehrgangs wurde die Mauer mit Schießscharten und Gussöffnungen (Pechnasen) ausgestattet. Etwa 200 Wohnungen befanden sich an der Innenseite der Burgmauern.

Der Todesengel, ein dickes Brett, welches sich um eine eiserne Achse drehen lässt und beidseitig mit je fünf Vorderlader-Schießrohren belegt war, war bei den Angreifern befürchtet. Die Kirchenburg von Harman (deutsch Honigberg) ist ebenfalls sehenswert, besonders wegen der wertvollen Malerei-Ensembles der Siebenbürger Kultstätte.

Am Nachmittag kamen immer mehr „freie Händler“ zum Campingplatz und boten ihre Waren an. Anstelle von Preisanzeigen an interessanten Reiseandenken etc. wurde oft recht unkonventionell informiert und gehandelt. Ein sehr schön geschnitztes Holzbesteck fand unsere Aufmerksamkeit. Bei meiner Frage nach dem Preis benetzte der Händler seinen Zeigefinger im Mund und schrieb dann mit nassem Finger den Preis auf seine Hose.

Der Handel war perfekt!

Am frühen Morgen des 28. Juli führte uns unsere Reise über Predeal nach Sinais mit „Außenbesichtigung“ des Schlosses Peles. Dieses Schloss, erbaut 1883 für den rumänische König Caról I., verschwand nach 1976 wortwörtlich von der Bildfläche und diente dem diktatorischen Regierungschef Ceausescu als Sommerresidenz. Das erfuhren wir jedoch erst viel später!

Nach zirka 250 Kilometern fanden wir über Umwege den Campingplatz im Bäneasa-Wald nahe Bukarest, wo wir wegen plötzlichem und extremem Wolkenbruch den Nachmittag im Wohnanhänger verbringen mussten. Unser Vorzelt stand unter Wasser, viele Zeltnachbarn waren völlig durchnässt und trockneten sich in den Waschräumen.

Am 29. Juli besichtigten wir das historische Zentrum von Bukarest, welches immer mehr dem Plattenbau-Stil weichen musste. Ein Mittagessen in einem Fischrestaurant war unerhört teuer und mittelmäßig, die Preise waren „touristisch bearbeitet“. Der Abend im Restaurant „Ambassador“ des Campingplatzes „Pädurea Bäneasa“ war dagegen beeindruckend, das Essen und der Wein ansprechend.

Bukarest ist mit etwa 2 Millionen Einwohnern die größte Stadt Rumäniens und seit 1659 die Hauptstadt. Die Stadt verfügt über mehrere Universitäten, Hochschulen sowie zahlreiche Theater und Museen.

Nach Dauerregen die Nacht hindurch führte uns unsere Reise am 30. Juli nun nach Bulgarien.

Beim „Zusammenklappen“ des „Klappfix“ zeigte dieser uns seine komplizierte Seite: Das nasse Zeltdach ließ sich nur schwer unter die Deckplatte des Wohnanhängers bringen, Koffer und Taschen mussten wir auf dem Dach verzurren, nichts ging mehr in das Innere rein.

Gegen Mittag erreichten wir die bulgarische Stadt Giorgiu.

Unterwegs dorthin wurden wir noch in Rumänien von einem Polizeioffizier (die Uniform wirkte komödiantisch) wegen angeblich überhöhter Geschwindigkeit angehalten. Er forderte 375 Lei Strafe in bar, reduzierte aufgrund unserer Weigerung seine Forderung immer weiter und war dann letztendlich bei einem Strafmaß von Zigaretten angekommen, die ich ihm auch nicht geben konnte, da ich selbst nicht rauchte.

Er stieg dann wieder in seinen Dacia-Polizeiwagen ein und verschwand fluchend.

Nach einer Reifenpanne (Rache des rumänischen Polizisten?) kurz nach der bulgarischen Grenze erreichten wir gegen 16 Uhr Veliko Tirnovo.

Bei der Suche nach einem eingezeichneten Campingplatz fragte ich einen älteren Mann auf einem Eselskarren, der uns entgegen kam, wie weit der Campingplatz noch entfernt wäre. Dazu malte ich auf unsere verstaubte Windschutzscheibe „ Camping 5 km?“ Der Mann auf dem Eselskarren schüttelte verneinend den Kopf und schrieb dann „ 4.3 km“ auf die Scheibe!

Seine Angabe passte, der Campingplatz war jedoch wohl schon seit Jahren außer Betrieb.

Wir stellten unseren Wohnanhänger auf einem schönen Campingplatz am Ortsrand von Veliko Tirnovo mit Aussicht auf Berge und den mittelalterlichen Ort ab.

Jeder Platz war von einer schönen Hecke umrandet, das Wetter war herrlich.

Der 31. Juli führte uns zum wunderschönen Prebroshenski-Kloster und zur mittelalterlichen Burg Veliko Tirnovos. Veliko Tarnovo war die Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches. Die Stadt ist ein kulturelles Zentrum mit Hochschulen, Theater, Gemäldegalerie und Museen. In der Umgebung der Stadt befinden sich zahlreiche mittelalterliche Klosteranlagen, die wieder aufgebaut wurden. Sehenswert sind die Klöster Preobraschenie (Verklärung des Herrn), Kilifarewo, Sweta Troica (Heilige Dreifaltigkeit) sowie die Klöster und Kirchen im Dorf Abanasi.

Im Kloster gab es selbst-gepressten Tomatensaft, außerhalb der Burganlage fanden wir ein sehr schönes Restaurant, in dem wir geschmackvoll speisten. Die Wohnhäuser der mittelalterlichen Altstadt mit ihren schmalen Gassen und dem Sarafkina-Haus

(Haus des Geldwechslers) waren sehenswert, nach einem längeren Rundgang durch die schöne Altstadt beendeten wir diesen erlebnisreichen Tag.

Am 1. August ging unsere Weiterreise über Sumen und Varna weiter in Richtung Sozopol. Nach etwa 400 Kilometern erreichten wir das Schwarze Meer und den Campingplatz „Perla“ mit einem Stellplatz direkt am Strand.

Sozopol liegt auf mehreren kleinen felsigen Halbinseln an der Südseite der Bucht von Burgas. Die Stadt geht aus der griechischen Kolonie Apollonia hervor und ist eine der ältesten Städte Bulgariens. Von der Antike bis zum 17. Jahrhundert war Sozopol eine florierende Winzer- und Fischerstadt, hier wurde Getreide aus Thrakien entladen. Bis in das erste Viertel des 20. Jahrhunderts hatte Sozopol eine überwiegend griechische Bevölkerung.

Hier war das Ziel unserer Reise nach über 3000 Kilometern erreicht.

Der Strand am Schwarzen Meer war einfach genial, weißer Sand, blaues (und nicht schwarzes) Meer und ein schöner Wellengang entschädigten für eine lange Anreise.

Auf dem Weg nach Sozopol war ein Kerzenstecker unseres Wartburg defekt, nach probieren, säubern, drehen (alles unprofessionelle Versuche!) ging’s plötzlich wieder, nur nicht wieder irgendetwas anfassen - weiter fahren!

Am wunderschönen Abend erkundeten wir in einem langen Strandspaziergang das Ziel unserer Träume — das Schwarze Meer!

Vom 2. bis zum 11. August war Strandurlaub angesagt — nur unterbrochen von einer Fahrt nach Burgas zum Reparieren des Ersatzrades und dem Auffüllen der Propangasflasche.

Ausnahme: eine Besichtigung der schönen Altstadt von Nessebar.

Nessebar an der Nordseite der Bucht von Burgas ist schon allein eine Reise wert! Der Ort ging aus einer thrakischen Siedlung hervor und wurde im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. von Griechen besiedelt.

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