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Im Schatten von Lamberti

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Meine Erzählungen basieren auf persönlichen Erfahrungen, eigenen Erlebnissen und auf Beobachtungen von Menschen aus meinem privaten Umfeld, aus der Schule und aus der Arbeitswelt.

Vieles ist reine Phantasie. Einiges ist vielleicht so oder ähnlich irgendwo in Münster, in Berlin oder sonst wo auf dieser Welt schon einmal passiert. Das meiste habe ich aber erfunden.

Jürgen von Harenne

 

Dieses Buch widme ich meiner Frau Gisela von Harenne und unseren Kindern Nicola und Manuel von Harenne

Alle Namen und Personen sind frei erfunden.

© 2017, Jürgen von Harenne

Autor: Jürgen von Harenne

Umschlaggestaltung, Illustration: Jürgen von Harenne

Verlag: Westfälische Reihe, Münster

Paperback: ISBN: 978-3-95627-613-2
Hardcover: ISBN: 978-3-95627-618-7
e-book: ISBN: 978-3-95627-626-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 1

Im Planungsbüro der Ingenieurgesellschaft König am Kreativkai des Stadthafens in Münster besprechen an diesem kalten Tag im Februar nachmittags um 15.30 Uhr der Chef, Karl König, und sein Büroleiter Andreas Neumann die derzeitigen Planungen für die Wohnanlage Erphobogen in Münster.

Andreas arbeitet seit seinem Examen in dem Planungsbüro König als Architekt und Diplom-Ingenieur für Allgemeinen Ingenieurbau. Er ist 31 Jahre alt und noch nicht verheiratet. Seit zwei Jahren besitzt er in der neu entstandenen Wohnanlage Klostergarten in Münster am Hörster Platz eine Eigentumswohnung. Dort wohnt er bisher ganz allein.

Der Beruf und die Arbeit im Planungsbüro König nehmen ihn voll in Anspruch. Während des Studiums hat er Franziska kennengelernt. Sie ist die ältere Tochter seines Chefs und hat noch eine jüngere Schwester Petra. Franziska wohnt in einer Einliegerwohnung in dem Haus ihrer Eltern. Petra hat eine eigene Wohnung am Stadtrand von Münster.

Karl König ist froh, dass seine Tochter Franziska mit einem Ingenieur wie Andreas Neumann eng befreundet ist und dass beide zusammen in der Firma arbeiten. Als Franziska ihm und seiner Frau Erika damals am Beginn ihres Studiums nach zwei Semestern ihren neuen Freund Andreas Neumann vorstellte, fand Karl König ihn sofort sehr sympathisch und intelligent. Seit dem Examen zum Abschluss des Studiums arbeiten Andreas und Franziska in seiner Firma. Inzwischen gehört Andreas schon fast zur Familie. Karl König hat die Hoffnung, dass Franziska und Andreas zusammen bleiben wollen und vielleicht sogar bald heiraten. Sein größter Wunsch ist, dass beide in ein paar Jahren seine Nachfolger und Miteigentümer des Ingenieurbüros werden.

Karl König hat sich mit Andreas Neumann in seinem Arbeitszimmer an den kleinen runden Tisch gesetzt. Andreas leitet die aktuellen Planungen und weiß, dass sein Chef ihn regelmäßig nach dem Stand der Arbeiten fragt. Er hat sich auf das Gespräch vorbereitet und kann anhand der Unterlagen seiner Mitarbeiter alle Fragen beantworten.

Nach zwanzig Minuten wechselt Karl König plötzlich das Thema:

„Jetzt mal ganz was anderes. Ich werde jetzt im März 60 Jahre alt. Ich habe mit Erika schon darüber gesprochen. Diesen runden Geburtstag möchte ich nur mit meiner Familie und den engsten Freunden und Bekannten feiern. Du und auch Tobias, der Freund von Petra, sollen auf jeden Fall dabei sein. Ihr beide gehört ja schon fast zur Familie. Was hältst du davon?“

Andreas ist ein wenig überrascht:

„Wenn Erika und du euch einig seid, freue ich mich natürlich auf die Feier. Wissen Franziska und Petra es schon?“

„Ja, wir haben uns das am letzten Sonntag im Familienkreis überlegt. Alle finden es gut, meinen sechzigsten im Heidehotel ‚Waldhütte‘ in Telgte zu feiern. Mit meinen Geschäftsfreunden und den Angestellten des Büros werde ich dann später eine kleine, separate Geburtstagsfeier im Büro organisieren. “

Plötzlich klingelt das Telefon. Karl König nimmt den Hörer:

„König.“

Andreas hört eine verzerrte Frauenstimme.

Dann antwortet sein Chef:

„Ich bin in einer halben Stunde zu Hause.“

Er legt den Hörer auf und wendet sich zu Andreas:

„Das war meine liebe Frau Erika. Sie wollte wissen, wann ich nach Hause komme, damit sie das Abendessen rechtzeitig vorbereiten kann.“

„Okay“, sagt Andreas. Wir sind ja soweit fertig.“

Beide stehen auf. Andreas verabschiedet sich und geht in sein Zimmer.

Um halb fünf macht er für heute Schluss. Er nimmt seine dicke Winterjacke und schließt die Bürotür ab. Auf dem Weg zum Treppenhaus trifft er Franziska.

„Du gehst schon?“ fragt sie.

„Ja sicher“, entgegnet er. „Heute ist doch Mittwoch.“

„Ach ja. Du triffst dich ja mit Petra zum Tennis. Bestell ihr viele Grüße und überanstrengt euch nicht“, fügt sie ironisch hinzu.

Andreas gibt ihr schnell einen Kuss auf die Wange:

„Höre ich da Eifersucht?“

„Nein, nein. Ich meine das ernst. Wir brauchen deine Ausdauer hier im Büro und nicht auf dem Tennisplatz.“

„Da macht euch mal keine Sorgen. Sport hält fit. Tschüss, bis morgen in alter Frische.“

Andreas schmunzelt und geht nach draußen zu seinem Auto, einem sportlichen schwarzen BMW.

Für Punkt fünf ist er mit Franziskas Schwester Petra an der Tennishalle verabredet. Seit einem halben Jahr haben sie zusammen mittwochs ihre Tennisstunde in einer gemieteten Tennishalle in Münster-Coerde. Diesen Platz hat er vor zwei Jahren von seinem damaligen Freund und Tennispartner übernommen, der nach Düsseldorf umgezogen ist und deshalb diesen gemieteten Platz nicht mehr brauchte.

Zuerst hat Andreas hier an jedem Mittwoch mit Franziska Tennis gespielt. Aber nach ein paar Wochen hatte Franziska keine Lust mehr, so regelmäßig Tennis zu spielen. Er hat dann ihre Schwester Petra gefragt, ob sie mit ihm Tennis spielen will. Sie war begeistert und sofort einverstanden. Franziska hatte nichts dagegen. Sie weiß, dass Andreas den Sport als Ausgleich zur Büroarbeit braucht. Ihre Schwester Petra ist Lehrerin und unterrichtet an einer Gesamtschule Sport und Deutsch. Sie war sofort einverstanden, mit Andreas einmal in der Woche Tennis zu spielen.

Andreas ist sportlich, etwa 1,80 m groß und blond. Er sieht nicht nur gut aus sondern hat in seinem Beruf als Ingenieur bisher viel erreicht. Nach dem Examen hat er im Planungsbüro König sofort die Stelle als leitender Ingenieur bekommen. Mit seiner offenen und verbindlichen Art ist er bei seinen Kolleginnen und Kollegen sehr beliebt. Sein Chef Karl König schätzt an ihm sein Fachwissen und sein Auftreten. Andreas hat wohl schon mehrmals attraktive und hübsche Frauen kennengelernt. Aber es ist immer bei einer Freundschaft geblieben. Bisher stand für ihn vor allem seine berufliche Karriere im Mittelpunkt.

Im Studium lernte er Franziska kennen. Er mochte sie gleich und schätzt ihr sicheres Auftreten, ihre Intelligenz und ihr Fachwissen. Durch sie ist er in Kontakt mit dem Ingenieurbüro ihres Vaters Karl König gekommen. In den letzten Jahren haben Franziska und Andreas zusammen erfolgreich an vielen Großprojekten gearbeitet. Dabei sind sie sich noch näher gekommen als in ihrer gemeinsamen Studienzeit.

Franziska ist schlank und fast so groß wie Andreas. Sie trägt ihr schulterlanges blondes Haar offen oder bindet es hinten zusammen.

Andreas hat schon oft daran gedacht, dass er mit Franziska enger zusammen leben könnte. Sie harmonieren und verstehen sich sehr gut. Seit einigen Jahren sind sie Mitglied in einem Tanzclub. Immer freitags treffen sie sich in dem Club, tanzen zusammen Gesellschaftstänze und unterhalten sich in den Pausen mit den anderen Paaren.

Andreas kann sich vorstellen, dass sie bald heiraten und er später einmal die Firma übernimmt, wenn ihr Vater Karl König aufhört und die Leitung der Firma abgibt. Franziskas Mutter Erika König sieht in Andreas schon jetzt den zukünftigen Wunschschwiegersohn.

***

Kurz vor fünf fährt Andreas mit seinem Auto auf den Parkplatz an der Tennishalle. Gerade als er aus seinem Wagen aussteigen will, kommt Petra mit ihrem roten Polo, fährt schwungvoll über den Platz und parkt direkt neben seinem BMW.

Fast gleichzeitig steigen sie aus. Ehe Andreas seine Tennistasche aus dem Kofferraum holen kann, fällt Petra ihm um den Hals und drückt sich an ihn. Andreas mag Petra und ihre offene impulsive Art. Er nimmt sie fest in seine Arme und fragt sie:

„Hallo, wie geht es dir? Ist alles in Ordnung?“

Petra lässt Andreas los und strahlt ihn an:

„Bei mir ist alles okay. Ich freue mich schon darauf, dich heute beim Tennis zu schlagen. Heute gewinne ich.“

„Da hast du dir aber viel vorgenommen. Wenn du mich wirklich mal schlägst, lade ich dich zu einem gemütlichen Abendessen ein.“

Petra nimmt ihre Sporttasche aus dem Wagen:

„Ich nehme dich beim Wort. Das Angebot steht.“

Petra ist etwas kleiner als ihre Schwester Franziska. Sie ist ein ganz anderer Typ. Sie hat wie ihre Schwester ein sehr hübsches Gesicht aber im Gegensatz zu Franziska kurze schwarze Haare. Sie ist sehr modebewusst und interessiert sich für die aktuelle Mode. Meistens trägt Petra praktische lange Hosen mit passenden Blusen und Pullovern oder auch schlichte Kleider und Röcke. Mit ihrer schlanken sportlichen Figur kann sie es sich leisten, das zu tragen, was ihr gefällt. Heute trägt sie zu ihrer langen schwarzen Hose eine dicke warme Winterjacke, eine Daunensteppjacke in einem weichen Orangeton.

Zusammen gehen Petra und Andreas in die Halle und ziehen sich in den getrennten Umkleideräumen um. Andreas ist zuerst an ihrem reservierten Platz. Die beiden Tennisspieler vor ihnen haben ihr Match beendet und verlassen die Halle. Andreas trägt wie immer seine weißen Shorts und ein weißes Polohemd. Petra ist da anders. Sie liebt die modische Abwechslung.

Andreas ist gespannt darauf, was sie heute angezogen hat. Petra hat eine richtig gute schlanke Figur. Sie genießt es, wenn sie die Blicke der Männer auf sich zieht. Heute trägt sie ihr ärmelloses knallrotes Tenniskleid. Andreas ist begeistert, wenn er bei diesem sehr kurzen ausgestellten Kleid bei jeder ihrer Bewegungen ihre gute Figur und ihre hübschen Beine sieht. Er ist stolz darauf, mit einer so attraktiven Frau Tennis zu spielen.

Auf dem Weg zur anderen Seite des Feldes bleibt Andreas kurz neben Petra stehen:

„Du siehst wie immer super aus. Dieses rote Kleid zu deinen schwarzen Haaren steht dir ausgezeichnet. Es passt zu dir.“

„Danke“, sagt Petra und strahlt.

Ehe sie ihr erstes Spiel beginnen, spielen sie sich ein paar Minuten die Bälle zum Eingewöhnen locker übers Netz. Im richtigen Spiel merkt Andreas schnell, dass Petra heute gut drauf ist und ihn immer wieder in Bedrängnis bringt.

„Du bist ja heute richtig gut!“ ruft er ihr zu.

Petra ist voll konzentriert:

„Heute will ich dich schlagen. Zieh dich warm an und denk an dein Versprechen. Ich freue mich schon auf unser gemeinsames Abendessen.“

Obwohl Andreas alles versucht hat, nicht zu verlieren, hat er heute zwei von drei Sätzen gegen Petra verloren.

Nach Ablauf ihrer Stunde auf dem Weg in die Umkleidekabinen ist Andreas noch immer von ihrem Spiel beeindruckt:

„Du hast heute hervorragend gespielt. Ich hatte kaum eine Chance. Hast du heimlich trainiert oder bin ich so schlecht geworden?“

„Willst du eine ehrliche Antwort?“

fragt Petra mit einem ironischen Unterton.

„Na sicher“, antwortet Andreas. „Du kannst mir ruhig sagen, dass ich heute schlecht gespielt habe.“

Petra lacht amüsiert:

„Klar warst du heute schlechter als ich. Aber überlege dir lieber, in welcher gemütlichen Gaststätte du dein Versprechen einlösen willst. Ich schlage vor, dass wir uns morgen Abend treffen und beim Italiener auf der Königsstraße im Caputo’s schön zu Abend essen. Wie findest du das?“

„Okay. Morgen Abend würde passen. Aber jetzt sollten wir uns erst einmal duschen und umziehen. Wir können danach hier im Sportheim noch etwas trinken und alles besprechen.“

Frisch geduscht treffen sich Petra und Andreas kurze Zeit später im Sportheim auf den Stühlen an der Bar Theke.

„Um wie viel Uhr sollen wir uns morgen am Caputo’s treffen?“ fragt Andreas.

„Was meinst du. Ich denke so um sieben Uhr“, antwortet Petra.

„Weiß Tobias von unserem Treffen?“

Petra schüttelt den Kopf: „Der fährt morgen schon um drei Uhr nachmittags mit Freunden nach Dortmund zu einem Fußballspiel. Ich glaube das ist ein wichtiges Spiel gegen irgendeine spanische Mannschaft aus Madrid.“

„Ach ja. Ich habe davon gehört. Ich interessiere mich wohl ein wenig für Fußball. Aber nicht so sehr, dass ich mir dafür in Dortmund oder sonst wo ein ganzes Spiel anschauen würde.“

Am nächsten Morgen im Büro fragt Franziska ihren Andreas:

„Na, wie war euer Tennis?“

„Fast so wie an jedem Mittwoch“, antwortet Andreas. Allerdings hat mich Petra zum ersten Mal in drei Sätzen geschlagen. Sie war richtig gut.“

„Dann ist dein Ego wohl schwer beschädigt?“

„Du sagst es. Ich kann es kaum ertragen“, sagt Andreas und lächelt. „Ich habe Petra schon oft versprochen, dass ich einen austun werde, wenn sie mich schlägt. Ich werde mein Wort halten.“

„Und, was hast du vor?“

„Ich weiß es noch nicht. Mal sehen.“

Andreas sagt Franziska nichts von seiner Verabredung mit Petra für morgen Abend im Caputo’s. Er will nicht, dass Franziska auf ihre Schwester eifersüchtig werden könnte. Dafür gibt es keinen Grund. Es ist ja nur ein Abendessen. Franziska und er haben viele unterschiedliche Interessen und machen in ihrer Freizeit längst nicht alles gemeinsam.

***

Am Donnerstagabend um sieben Uhr wartet Andreas auf der Königsstraße vor dem Caputo’s. Er hat vorsorglich einen Zweiertisch reservieren lassen.

Kurz nach sieben kommt Petra zu Fuß zum Restaurant und begrüßt Andreas mit einer kurzen Umarmung. Andreas ist nicht der Typ, der Freunde und Bekannte bei jeder Gelegenheit umarmt. Aber hier bei Petra genießt er diesen Körperkontakt. Er drückt Petra kurz und heftig an sich. Zusammen gehen sie zu ihrem reservierten Tisch.

Andreas hilft Petra dabei, ihren dicken, schwarzen Wintermantel auszuziehen. Er nimmt ihn mit zur Garderobe und hängt seinen und ihren Mantel auf. Bewundernd stellt er fest, dass Petra ein schlichtes gelbes langärmeliges Winterkleid trägt. Es ist körpernah geschnitten und knie kurz. Schon als Petra ihren Mantel auszog, hat Andreas bemerkt, dass einige Gäste an den Nachbartischen neugierig auf Petra starrten.

„Du siehst umwerfend gut aus. Das Kleid ist sehr schick“, bemerkt Andreas und strahlt Petra an.

„Ich weiß“, sagt Petra. Das habe ich im Internet gesehen und mir sofort bestellt. Ab und zu muss man Glück haben.“

„Mit deiner Figur und deinem schwarzen Haar kannst du so ein Kleid aber auch wirklich gut tragen. Es passt ausgezeichnet zu dir.“

Andreas ist froh, dass er heute Abend seine dunkelblaue Hose mit dem schlichten dunklen Pullover angezogen hat. Petras gelbes Kleid wirkt dadurch noch mehr.

In Ruhe studieren sie ihre Speisekarte. „Ich weiß schon, was ich nehme“, sagt Andreas. Petra überlegt noch ehe sie sich entscheidet.

„Was möchtest du trinken“, fragt Andreas. „Ich trinke Wein. Mein Auto habe ich in meiner Garage am Hörster Platz gelassen. Ich habe zu Fuß bis hierhin nur zehn Minuten gebraucht. Deshalb kann ich mir jetzt in Ruhe ein schönes Glas Wein gönnen.“

„Okay. Ich trinke auch Wein. Mein Auto steht nebenan in dem Parkhaus. Wenn ich nicht mehr fahren kann, lasse ich es dort stehen und hole es morgen früh. Ich habe morgen am Freitag erst zur zweiten Stunde Unterricht.“

Petra ist Lehrerin an einer Gesamtschule am Stadtrand von Münster. Sie unterrichtet dort Sport und Deutsch.

Nachdem die Bedienung ihnen etwas von ihrem Wein eingegossen hat, stoßen sie an.

„Auf den schönen Abend“, sagt Andreas. „Und auf eine Revanche beim Tennis am nächsten Mittwoch.“

Petra grinst ihn herausfordernd an „Dann verlierst du wieder.“

Während des Essens unterhalten sie sich über Andreas Arbeit und über die Schule. Petra erlebt mit ihren Schülerinnen und Schülern, mit den Kollegen und mit einigen Eltern so viel, dass sie stundenlang erzählen kann. Andreas hört ihr interessiert zu:

„Ich möchte in der heutigen Zeit kein Lehrer sein. Das ganze Umfeld mit den Eltern und den pädagogischen Vorgaben ist ja nervig. Da bin ich doch lieber Ingenieur und arbeite in der Planung für kleine und große Bauprojekte.“

„Das ist bestimmt interessant“, sagt Petra. „Aber auch in der Schule gibt es nicht nur Stress. Ab und zu spürt man, dass der Unterricht den Schülerinnen und Schülern Spaß macht und dass sie gern zur Schule gehen. Der Abiturjahrgang schreibt in jedem Jahr eine Abiturzeitung. Das ist immer ganz interessant. Im letzten Jahr haben die Schüler zu den Fotos der Kurse mit den zugehörigen Texten einige witzige Anekdoten aus dem Unterricht abgedruckt. Spontan fällt mir dabei ein, was mein Kollege in Mathematik im Unterricht zu einer Schülerin gesagt hat: ‚Wenn ein hübscher Prinz kommt und sagt: Küss mich! Dann musst du verwirrt sein aber nicht bei Mathe. ‘

Wenn man so etwas in der Schule erlebt, ist das immer wieder lustig. Auch von mir stehen in der Schulzeitung ein paar witzige Anekdoten aus dem Unterricht.“

Während sie sich unterhalten, verstärkt sich für Andreas immer mehr das Gefühl, dass er sich mit Petra richtig gut versteht. Sie ist offen und intelligent. Mit Franziska hatte er bisher nur selten eine so vielfältige und interessante Unterhaltung. Offensichtlich freut sich auch Petra, dass sie so gut zueinander passen und sich miteinander über alle möglichen Dinge unterhalten können.

Die ganze Zeit über sind sie so in ihr Gespräch vertieft, dass nicht bemerken, wie schnell die Zeit verflogen ist. Inzwischen ist schon fast die zweite Flasche Wein leer.

Petra schaut auf ihre Uhr und sagt leise:

„Es ist schon nach zwölf. Ich glaube, ich muss den Wagen im Parkhaus stehen lassen. So kann ich nicht mehr mit dem Auto nach Hause fahren.“

Andreas überlegt kurz und streichelt ihre Hand: „Wenn du einverstanden bist, beenden wir den schönen Abend bei mir. Du kannst bei mir schlafen. Soll ich für uns beide ein Taxi bestellen?“

„Okay“, sagt Petra, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre, bei Andreas zu übernachten.

Andreas winkt der Bedienung und zahlt.

Als sie ihre Mäntel angezogen haben und aus dem Restaurant gehen, kommt gerade ihr Taxi vorgefahren. Nach wenigen Minuten ist das Taxi am Hörster Platz. Diese Nacht im Februar ist ziemlich kalt. Andreas zahlt das Taxi und legt auf dem Weg zum Eingang beschützend und wärmend seinen Arm um Petra. Sie drückt sich fest an ihn.

Petra muss an ihren Freund Tobias denken. Er hat sie noch nie so in den Arm genommen. Bei Andreas fühlt sie sich geborgen. Er strahlt Sicherheit aus.

Andreas schließt die Wohnungstür auf und gemeinsam gehen sie hinein. Er nimmt Petra den Mantel ab und geht mit ihr ins Wohnzimmer.

„Möchtest du etwas trinken oder kann ich sonst etwas für dich tun?“ fragt er.

Petra hat sich auf die Couch gesetzt, schaut Andreas verliebt an und schüttelt den Kopf:

„Nein, es ist alles gut. Ich habe wirklich genug von dem herrlichen Wein getrunken.“

Andreas setzt sich neben sie und streichelt ihr Knie:

„Ich finde, du siehst richtig klasse aus. Offensichtlich hast du ein Händchen für schicke Sachen. Dieses Kleid steht dir ausgezeichnet. Es ist schlicht aber irgendwie sexy, weil es körpernah geschnitten ist und deine weiblichen Formen hervorhebt. Du hast aber auch wirklich eine gute Figur.“

Petra genießt es, dass Andreas ihr Komplimente macht. Mit der Schulter schmiegt sie sich an ihn und küsst ihn zärtlich auf die Wange.

Andreas dreht sich zu Petra, nimmt sie fest in den Arm und küsst sie lange und heftig auf den Mund.

„Komm, lass uns ins Schlafzimmer gehen“, sagt Petra leise. „Allerdings musst du mir zeigen, welcher Raum dein Schlafzimmer ist. Ich weiß nicht, wo und wie du schläfst.“

„Das lässt sich ändern“, freut sich Andreas über Petras Offenheit. „Ich zeig dir wo ich schlafe.“ Er legt seinen Arm um ihre Hüfte und geht mit ihr langsam in sein Schlafzimmer.

***

Am nächsten Morgen, dem Freitag, steht Andreas vorsichtig auf. Es ist noch früh. Er will Petra nicht wecken. Er ist ziemlich müde nach dieser wunderbaren Nacht mit Petra. Aber er hat sich vorgenommen, sie weiter zu verwöhnen.

Routiniert deckt er den Tisch, füllt Kaffeemehl und Wasser in die Maschine und bereitet den Frühstückstisch vor. Gerade als er das Geschirr gedeckt hat, steht Petra noch ganz verschlafen in der Tür. Sie hat sich einen seiner großen Winterpullover angezogen. So wie Petra vor ihm steht, ohne Schuhe mit nackten Beinen und nur mit seinem Pullover über ihrem Slip findet Andreas sie aufregend schön. Schon in der Nacht ist ihm klar geworden, dass er sich heftig in Petra verliebt hat.

Etwas wortkarg und verschlafen murmelt Petra:

„Guten Morgen.“

Andreas geht zu ihr, gibt ihr schnell einen Kuss und fragt sie: „Was möchtest du essen, Toast oder etwas anderes? Allerdings habe ich keine frischen Brötchen.“

„Ich gehe erst ins Bad. Wenn du Toastbrot isst, nehme ich das auch. Am liebsten mit Honig.“

„Okay“, sagt Andreas. „Dann geh ruhig erst ins Bad. Ich warte dann noch mit dem Kaffee bis du kommst.“

Andreas muss daran denken, wie er hier schon oft an diesem Frühstückstisch mit Petras Schwester Franziska gesessen hat. Auch Franziska isst morgens gerne einen Toast mit Honig. Während er auf Petra wartet, vergleicht er die beiden Schwestern. Mit Franziska hat er seine ganze Studienzeit verbracht. Sie haben viele gemeinsame Interessen und mochten sich von Anfang an. Franziska ist ruhig, charmant und ausgeglichen. Jede Entscheidung überlegt sie sich vorher ganz genau.

Petra dagegen ist impulsiv. Genau aus diesem Grund mag er sie. Er fühlt sich zu Petra mit ihrer offenen Art hingezogen. Eigentlich hat er sich immer schon mehr für kleine dunkelhaarige Frauen wie Petra interessiert. Franziska ist blond, sportlich und hübsch. Eigentlich die ideale Partnerin. Dagegen hat ihre Schwester Petra einfach mehr Temperament und ist spontaner.

In diesem Moment kommt Petra in ihrem gelben Kleid von gestern Abend und setzt sich an den Tisch. Andreas startet die Kaffeemaschine und den Toaster.

„Ich habe mir überlegt, dass wir gleich zusammen mit meinem Wagen zum Parkhaus fahren und dein Auto holen“, sagt Andreas während er Butter und Honig auf seine Toastschnitte schmiert. „Ich kann dann sofort von dort aus zum Büro fahren. Was meinst du?“

„Okay“, antwortet Petra. „Lass uns aber nicht zu spät fahren. Ich will vor der Schule zu Hause vorbei fahren und mich schnell umziehen. Dann kann ich pünktlich zur zweiten Stunde ungefähr um halb neun in der Schule sein.“

Andreas nickt: „Ich denke, das schaffen wir.“

Zusammen frühstücken sie. Andreas muss immer wieder an den schönen Abend und an die Nacht mit Petra denken. Petra isst in Ruhe und zufrieden ihren Toast. Während der ganzen Zeit hat sie nichts über ihre gemeinsame Liebesnacht gesagt. Andreas hat das Gefühl, dass Petra dieses schöne gemeinsame Erlebnis nicht zerreden will.

Nach dem Frühstück fahren sie zusammen zum Parkhaus in der Innenstadt. Ehe Petra aussteigt, dreht Petra sich zu Andreas und gibt ihm einen dicken Kuss.

„Wir hatten einen wirklich herrlichen Abend zusammen“, sagt sie leise und lächelt. „Ich bin mir sicher, dass wir das wiederholen müssen.“

Andreas freut sich: „Das Gefühl habe ich auch.“

Kapitel 2

Ungefähr um neun Uhr kommt Andreas in sein Büro am Hafen. Weil heute Freitag ist, hofft er, dass es vor dem Wochenende ein ruhiger Arbeitstag wird. Andreas startet seinen PC und schaut unter seiner Kennung in seinen persönlichen Kalender. Für elf Uhr hat er einen Außentermin an einem geplanten Bauvorhaben am Hauptbahnhof. Die Stadt Münster will, dass dort die alten Gebäude eines Kinos und ein Imbiss abgerissen werden. Dort will ein Investor ein zehnstöckiges Hochhaus mit einigen bezahlbaren Sozialwohnungen bauen.

Andreas will zunächst in der Örtlichkeit prüfen, ob es sich für sein Ingenieurbüro lohnt, sich an der Ausschreibung für die Planungen dieses Projektes zu beteiligen. Er will sich am alten stillgelegten Kino gegenüber vom Hauptbahnhof mit einem Bediensteten der Stadtverwaltung Münster treffen und sich darüber informieren, welche Vorstellungen die Verwaltung von dem Projekt hat und von welchem Zeitrahmen die Stadt ausgeht.

Ehe er zu diesem Termin das Büro verlässt, überlegt er, ob er nebenan kurz bei Franziska vorbei schauen soll. Im gleichen Moment kommt Franziska aus ihrem Zimmer:

„Morgen Andreas. Hast du es eilig? Musst du zu einem Termin?“

„Ja, ich will mich am Hauptbahnhof über das von der Stadt Münster geplante Bauvorhaben auf dem Gelände des alten Kinos informieren.“

„Ganz kurz nur. Gestern Abend habe ich ein paar Mal versucht, dich anzurufen. Hattest du dein Handy ausgeschaltet?“

Andreas weiß, dass er ganz bewusst sein Handy nicht eingeschaltet hatte. Er wollte auf keinen Fall beim Essen mit Petra und auch nicht danach in seiner Wohnung gestört werden.

Er schaut Franziska an und bleibt ganz locker:

„Der Akku war leer. Ich habe ihn heute Nacht wieder aufgeladen. War denn irgendetwas Besonderes?“

Franziska grinst:

„Welchen Akku meinst du? Den in deinem Handy oder deine körperliche Verfassung?“

Andreas merkt sofort, dass seine Antwort durchaus missverständlich und doppeldeutig war. Entrüstet sagt er ohne rot zu werden:

„Selbstverständlich nur der Akku im Handy.“

Franziska geht nicht weiter darauf ein und fährt fort:

„Nein. Ich wollte dir gestern nur sagen, dass es heute Abend beim Tanzen spät werden kann, weil unsere Tanzlehrerin Frau Waltermann zu ihrem Geburtstag einen ausgeben will.“

„Ja, okay. Daran habe ich nicht mehr gedacht. Aber das konntest du mir doch genauso gut heute im Büro sagen.“

„Hier ist immer so viel los. Ich hätte es bestimmt vergessen. Um wie viel Uhr holst du mich heute Abend ab?“

„Wie immer, so gegen acht Uhr. Ich muss jetzt los zu dem Termin am Hauptbahnhof.“

Schnell gibt er Franziska einen flüchtigen Kuss:

„Bis später!“

***

Immer wieder muss Andreas an diesem Tag an Petra denken. Es ist eigenartig. Beide, Petra und er, haben in der vorletzten Nacht Franziska betrogen. Er hat aber überhaupt kein schlechtes Gewissen. Ganz im Gegenteil. Er freut sich schon jetzt auf den nächsten Mittwoch, wenn er Petra wieder sieht und mit ihr Tennis spielen kann.

Abends gegen acht Uhr holt Andreas Franziska von ihrer Wohnung ab. Gemeinsam fahren sie zum Tanzclub in Münster-Coerde. Die Tanzlehrerin Frau Waltermann hat dort eine Tanzschule und leitet zusätzlich diesen Tanzclub für Paare. Seit einigen Jahren sind mehrere Paare ausgeschieden. Der Tanzclub hat jetzt nur noch wenige Mitglieder. Sie tanzen die einstudierten Tänze, Standardtänze und lateinamerikanische Tänze.

Heute Abend will Frau Waltermann den Paaren ein paar neue Schritte von der Rumba zeigen und sie mit ihnen üben.

Franziska und Andreas harmonieren beim Tanzen so gut, dass sie neue Schritte immer wieder schnell dazu lernen. Sie sind schon lange in dem Tanzclub und haben im Laufe der Zeit viel Erfahrung und Routine bekommen.

Neben dem Tanzsaal hat Frau Waltermann vor einem Jahr eine gemütliche kleine Bar eingerichtet.

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