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Im Rausch der Sinne

Maisey Yates

Im Rausch der Sinne

1. KAPITEL

„Ich würde sagen, die Zahlen sprechen für sich. Eine Eheschließung brächte Ihnen einen ungeheuren finanziellen Gewinn“, schloss Elaine Chapman ihre Ausführungen.

Suchend ließ Marco De Luca den Blick durch sein Büro schweifen. Anscheinend hatte man ihn als Kandidaten für die Sendung „Versteckte Kamera“ auserkoren – es konnte sich unmöglich um einen ernst gemeinten Vorschlag handeln.

Er konnte jedoch nirgends ein Objektiv entdecken. Außerdem schwang keinerlei Ironie in Elaine Chapmans Stimme mit. Ihrem entschlossenen Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war es ihr vollkommen ernst. Eigentlich sollte mich das nicht überraschen, überlegte Marco. Miss Chapman machte ihrem Ruf alle Ehre. Sie war berüchtigt dafür, vor nichts haltzumachen, wenn es galt, ihre Ziele zu erreichen …

Marcos Blick glitt über sein Gegenüber. „Ich – heiraten? Sie?“

Elaine stieg das Blut in die Wangen. Natürlich war sie nicht gerade Miss New York. Aber verstecken musste sie sich auch nicht. War es also nötig, dass De Luca einen so überraschten Ton anschlug?

„Was hätte ich denn davon?“ Marco lehnte sich zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf, wodurch sein athletischer Oberkörper erst richtig zur Geltung kam. Nicht einmal das konservativ geschnittene Oberhemd konnte seine durchtrainierten Muskeln verbergen. Elaine zwang sich, die Augen wieder auf sein Gesicht zu richten. Was kümmerten sie schon seine Muskeln? Männer hatten eben welche – na und? Eine solche Ablenkung konnte sie in ihrem Leben überhaupt nicht gebrauchen – jetzt schon gar nicht.

„Haben Sie denn die Zahlen nicht gesehen?“ Erneut nahm sie das Blatt mit ihren Berechnungen zur Hand.

„Ich habe schon gehört, was Sie gesagt haben. Allerdings fand ich es völlig uninteressant. Sie haben zwanzig Minuten meiner kostbaren Zeit verschwendet – zwanzig Minuten! Wissen Sie, welches Honorar ich üblicherweise dafür bekäme? Ich versichere Ihnen, das könnten Sie sich nicht leisten. Und dann entpuppt sich Ihr Geschäftsangebot auch noch als Heiratsantrag! Sie können von Glück reden, dass ich nicht meine Sicherheitsleute gerufen habe, um Sie aus meinem Büro zu entfernen!“

Abschätzig betrachtete er das blasse, ungeschminkte Gesicht der jungen Frau. Er hatte sie hin und wieder bei diversen geschäftlichen Anlässen und Wohltätigkeitsveranstaltungen gesehen – allerdings nur von Weitem. Und jedes Mal trug sie einen dieser unvorteilhaften schwarzen oder dunkelblauen Hosenanzüge und das Haar zu einem strengen Knoten gebunden.

Wie er sie einschätzte, gehörte sie zu jenen Frauen, die meinen, sie müssten aussehen wie ein Mann, um in der Geschäftswelt bestehen zu können. Die Sorte Frau, die viel Aufwand betrieb, um ihre Weiblichkeit gründlich zu verbergen. Und diese Frau da vor ihm hatte es darin zur Vollendung gebracht. Aber angeblich verstand sie es, skrupellos mit den Waffen einer Frau zu arbeiten, wenn es ihr Vorteile verschaffte. Das wusste er allerdings nur vom Hörensagen – persönlich war ihm dieses Vergnügen bisher versagt geblieben.

„Ich habe Ihnen bereits erklärt, dass Sie von meinem Vorschlag nur Vorteile haben.“ Elaine überprüfte den Sitz ihrer leger geschnittenen Anzugjacke. „Sie sind doch ein erfolgreicher Geschäftsmann“, fuhr sie fort, „dann wissen Sie doch bestimmt, dass laut Statistik verheiratete Männer höhere Gewinne erzielen als alleinstehende. Das ist eine unwiderlegbare Tatsache. Und erzählen Sie mir jetzt nicht, Sie würden sich nicht für Statistiken interessieren. Was Ihre Geschäftsstrategien betrifft, ist Ihr Ruf geradezu legendär. Eine Eheschließung zwischen uns wäre genau das: eine Strategie. Und zwar eine äußerst erfolgversprechende.“

James Prestonschoss es Marco plötzlich durch den Kopf. Der Unternehmer zögerte nur deshalb, einen Millionendeal mit ihm abzuschließen, weil er sein heiß geliebtes Ferienresort nicht jemandem anvertrauen wollte, dem ein harmonisches Familienleben völlig fremd war. Stattdessen suchte er immer noch nach einem verheirateten Käufer – als würde dieser über so viel Zeit und Energie für das Projekt verfügen wie er selbst! Marco wollte dieses Geschäft unbedingt abschließen, aber wie es im Moment aussah, sollte es wohl nicht sein. Das ließ ihm keine Ruhe – es zerfraß ihn innerlich geradezu. Das Angebot eines De Luca wies man nicht ab. Nicht mehr – diese Zeiten waren längst vorbei.

Aber deswegen heiraten? Das erschien selbst ihm etwas zu übertrieben. Schließlich hatte er genau das die letzten dreiunddreißig Jahre erfolgreich vermeiden können. Und er beabsichtigte nicht, dies jetzt zu ändern.

„Und Sie glauben allen Ernstes, ich würde mich – nur eines Geschäftsgewinns wegen – herablassen, Sie zu heiraten?“

Bei der Wahl seiner Worte verzog Elaine unwillig den Mund. „Allerdings glaube ich das. Sie sind in der Geschäftswelt eine Legende. Nicht nur wegen Ihrer Erfolge, die eindrucksvoll genug sind, sondern vor allem aufgrund Ihrer absoluten Zielstrebigkeit. Und diese Eigenschaft haben wir gemeinsam – auch wenn meine Ziele wahrscheinlich etwas bescheidener ausfallen.“

„Und wie profitieren Sie von der ganzen Sache?“ Er stand abrupt auf und kam um den Schreibtisch herum. Mit verschränkten Armen baute er sich direkt vor Elaine auf und sah sie misstrauisch an. „Als Geschäftsfrau werden Sie sich doch gewiss auch etwas davon versprechen?“

Elaine holte tief Luft. Dieses Gespräch war von ihr sehr gründlich vorbereitet worden, und sie wusste auf alle nur erdenklichen Fragen eine Antwort. Womit sie nicht gerechnet hatte, war die Wirkung, die Marco De Luca auf sie ausübte, wenn er sie mit seinen dunklen Augen so intensiv anblickte wie gerade eben. Sämtliche Argumente waren plötzlich wie weggeblasen.

Er war die fleischgewordene Versuchung, die Verkörperung eines Adonis. Am liebsten wäre Elaine ihm schmachtend vor die Füße gesunken.

Schmachtend? Mein Gott, wozu versteige ich mich denn da, fragte Elaine sich entsetzt. So kannte sie sich gar nicht. Sie schmachtete niemals – eigentlich wusste sie kaum, was das bedeutete.

Energisch versuchte sie, sich zu beherrschen. Aber es war schwierig, sich zu konzentrieren, wenn er da so vor ihr stand. So groß und gut aussehend – so beängstigend gut aussehend. Seine männliche Ausstrahlung war fast greifbar. Um ein Haar hätte Elaine die Hand ausgestreckt und Marco berührt. Noch nie hatte sie Fantasien in dieser Richtung gehegt – und ausgerechnet in einer Geschäftsverhandlung wurde sie plötzlich davon überfallen. Marco De Luca brachte sie wirklich völlig aus der Fassung.

Allmählich begann sie, ihr Vorhaben für einen Riesenfehler zu halten.

Wieder holte sie tief Luft, um sich zu sammeln. „Mein Vater – wie die meisten Männer dieser Generation – ist der Meinung, der Platz einer Frau sei in der Küche. Damit habe ich zwar nicht unbedingt ein Problem, sofern eine Frau sich freiwillig für ein solches Leben entscheidet – für mich kam das jedoch nie infrage. Ich will das Familienunternehmen führen, aber mein Vater traut mir das nicht zu.“

„Und Sie? Was denken Sie?“ Marco lehnte sich gegen den Schreibtisch und stützte sich mit den Händen ab. Wie magisch wurde Elaines Blick von ihnen angezogen. Es waren starke, kräftige Hände, die zupacken konnten. Sie hasste feingliedrige Hände an Männern. Zumindest theoretisch. Praktisch hatte sie das noch nie überprüft.

Schon wieder! Sie schweifte schon wieder ab! Jetzt war wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, einen Hormonschub zu bekommen. Sie wollte diesen Deal! Sie brauchte ihn und würde sich nicht von ihrem Plan abbringen lassen. Nicht durch diesen Mann – mochte er auch noch so attraktiv sein.

Energisch richtete sie sich zu voller Größe auf. Auf ihren Absätzen reichte sie Marco De Luca nun bis zum Kinn. „Ich bin mehr als geeignet: Ich habe einen Hochschulabschluss in Betriebswirtschaft, habe bei einem der führenden Unternehmen der Branche hospitiert und arbeite im Moment als Abteilungsleiterin einer Marketingfirma. Sie können mir glauben, als Mann bräuchte ich all diese Qualifikationen nicht einmal. Mein Vater würde mir seine Firma mit stolzgeschwellter Brust übertragen.“

„Wenn Sie doch so kompetent sind, warum haben Sie denn dann nicht schon längst ein eigenes Unternehmen gegründet?“

Elaine presste ihre vollen Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. „Das hätte ich schon längst getan! Leider hat mich mein Vater – damals war ich war noch an der Uni und arbeitete in den Semesterferien für ihn – gezwungen, einen Vertrag zu unterzeichnen, der mir untersagt, eine eigene Firma zu gründen, die eine Konkurrenz darstellen könnte.“

„Wie konnten Sie denn so dumm sein und so etwas unterschreiben?“

Amüsiert beobachtete Marco, wie flammende Röte ihre Wangen überzog. Plötzlich durchfuhr ihn ein gänzlich unpassender Gedanke: Wie Miss Chapman wohl aussah, wenn sie erregt war? Er schüttelte den Kopf, konnte aber nicht verhindern, dass seine Überlegungen weiter in diese Richtung abdrifteten: Wie man es wohl schaffte, die Leidenschaft einer Frau wie Elaine zu wecken? Wahrscheinlich mit einer Tabellenkalkulation, dachte er trocken.

„Damals ging ich noch davon aus, das Unternehmen würde auf mich übergehen, sobald mein Vater sich aus dem Betrieb zurückzöge. Deshalb habe ich diesen Vertrag gar nicht so ernst genommen.“

„Und Sie glauben, eine Scheinehe würde Ihnen aus dieser Zwickmühle heraushelfen?“

„Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, das kann ich Ihnen versichern.“ Unwillkürlich trat sie einen Schritt auf Marco zu und stemmte die Hände in die Hüften. Dadurch zog sich die weite Jacke straff, und ihre schmale Taille sowie die Rundungen ihrer üppigen Brüste wurden erkennbar. „Ihr Kaufvertrag besagt doch, dass Sie den Betrieb übernehmen werden, sobald mein Vater in Rente geht?“

„Schon, aber inwiefern würde unsere Eheschließung Ihren Zielen dienen?“

„Die Verträge sind doch bereits unterzeichnet, oder?“

Marco nickte bestätigend.

„Dann kann er keinen Rückzieher mehr machen.“

„Er könnte es versuchen, aber das hätte ziemlich unangenehme Folgen für ihn.“ Marcos entschiedener Ton ließ keinen Zweifel daran, dass er äußerst rücksichtslos handeln würde, sollte jemand seine Pläne durchkreuzen wollen. Zufrieden blickte Elaine ihn an.

„Wenn ich Sie heirate, gehört mir als Ihrer Frau die Hälfte Ihres Vermögens – wodurch ich automatisch zur Mitbesitzerin an der Firma meines Vaters werde. Am einfachsten wäre es natürlich, wenn ich die andere Hälfte einfach kaufen könnte, aber in dem Vertrag ist eine Klausel, die es Ihnen verbietet, an mich zu verkaufen.“

„Stimmt – diese Klausel hat mich wirklich amüsiert. Ich habe mich nur gefragt, ob Ihr Vater wegen Ihres Geschlechts oder wegen Ihrer möglichen Inkompetenz darauf bestanden hat.“ In seiner tiefen, sonoren Stimme mit dem leichten südländischen Akzent schwang unmissverständliche Ironie mit.

„Mein Vater ist ein unverbesserlicher Chauvinist“, konterte Elaine ärgerlich. „Wenn es nach mir ginge, würde ich ihn wegen seiner altmodischen Ansichten in Therapie schicken und dann versuchen, erneut mit ihm zu verhandeln. Aber ich fürchte, das wäre vergebene Liebesmüh. Deshalb bin ich hier. Mein Vater ist ein guter Geschäftsmann – aber ich bin besser. Ich habe ein Schlupfloch in dem Vertrag gefunden: Der Vertrag besagt, dass Sie nicht an mich verkaufen können. Allerdings hindert Sie nichts daran, die Firma an mich zu übertragen – zum Beispiel nach einer Scheidung.“ Es gelang Elaine nicht ganz, ihre Genugtuung zu verbergen.

Prüfend sah sie Marco De Luca an. Seinem Gesicht war jedoch nicht die geringste Regung zu entnehmen. Dieser Mann war hart wie Granit.

Wie abwesend blätterte Marco in den Unterlagen, die Elaine ihm präsentiert hatte. „Miss Chapman, das Ganze kommt mir etwas einseitig vor. Sollten bei einem Geschäft nicht beide Seiten profitieren? In diesem Falle bekommen Sie die Firma – und ich? Was ist für mich drin? Eine eventuelle Steigerung der Rendite, wenn man Ihren Berechnungen trauen kann. Ich muss Sie enttäuschen! Das ist nicht meine Art, Geschäfte zu machen. Glauben Sie mir: Die echte Geschäftswelt sieht anders aus.“

Befriedigt stellte er fest, dass Elaine einen Moment lang um Fassung rang. „Ich weiß, wie Geschäfte gemacht werden“, stieß sie schnippisch hervor. „Ich war schließlich in Harvard.“

„Meine Liebe, im Hörsaal lernt man nicht, wie es im wirklichen Leben zugeht. Sie können rechnen, Sie kennen sich mit Geschäftsabschlüssen aus, die in Ihren Lehrbüchern vorkommen. Aber das hat nichts mit der harten Realität zu tun. Sie haben Ihre Naivität bewiesen, indem Sie den Vertrag unterschrieben, den Ihr Vater Ihnen vorgelegt hat.“

Herausfordernd hob sie das Kinn. „Natürlich weiß ich, wie es in der Geschäftswelt zugeht. Alles im Leben dreht sich um Geld – und dieses Geschäft wird Ihnen Geld einbringen, viel Geld. Sie werden nach unserem kleinen Deal einen Bruttoumsatz machen, der den Profit aus dem Unternehmen meines Vaters bei Weitem übersteigt. Durch eine Eheschließung mit mir werden sich die Gewinne des De-Luca-Imperiums in jedem Tochterunternehmen um zehn Prozent erhöhen.“

Unwillkürlich fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen, die wirklich außerordentlich verführerisch aussahen, wenn sie sie nicht gerade zusammenpresste. Marco konnte sich lebhaft vorstellen, seinen Mund auf ihren Lippen zu spüren, während ihre spröde Schale unter seinen Küssen langsam aufzubrechen begann.

Obwohl sie sich größte Mühe gegeben hatte, ihre weiblichen Konturen zu verbergen – und die meisten Menschen zweifellos auch täuschen konnte –, ihm, Marco De Luca, entgingen ihre Reize nicht. Elaine besaß eine natürliche Schönheit, die sich nicht verstecken ließ. Da waren ihre strahlend blauen Augen – von einem dichten Kranz langer, dunkler Wimpern umgeben –, der geradezu elegante Schwung ihrer Augenbrauen und der ebenmäßige Teint. Anders als die Frauen, von denen er sich üblicherweise angezogen fühlte, trug sie kaum Make-up. Dadurch strahlte sie eine Frische und Natürlichkeit aus, die ihn fesselte.

Das wollte schon etwas heißen. Seit Langem war es keiner Frau mehr gelungen, sein Interesse zu wecken: Letztlich waren sie doch alle gleich – zumindest in Gegenwart eines wohlhabenden Mannes wie ihm. Oberflächlich, kokett … und sehr schnell langweilig.

„Und wie lange soll diese Ehe aufrechterhalten werden?“ Entgegen seiner ursprünglichen Reaktion spürte er jetzt doch eine gewisse Neugier. Er traf nicht oft Menschen, die ebenso rücksichtslos vorgingen wie er selbst, um ihre Ziele zu erreichen.

„Ganz sicher nicht ‚bis dass der Tod uns scheidet‘. Zwölf Monate sollten genügen, um den Anschein einer Zweckehe zu vermeiden. Leider …“, Elaine zuckte die Schultern, „wird auch unsere Ehe das Schicksal erleiden, das fünfzig Prozent aller Ehen ereilt: Sie wird scheitern.“

Jetzt wird es interessant, dachte Marco, jetzt lässt sie die Katze aus dem Sack. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es ihr wirklich nur um Chapman Electronics ging. Wie sie ganz richtig bemerkt hatte, war diese Firma tatsächlich unbedeutend für ihn – gemessen an seinen sonstigen Projekten. Warum sollte eine Frau, die bereit war, ihren Körper eines Geschäfts wegen hinzugeben, sich mit Peanuts zufriedengeben?

„Und nach diesen zwölf Monaten erwarten Sie eine saftige Abfindung? Wie wollen Sie das erreichen? Werden Sie mir Gewalt in der Ehe oder Untreue vorwerfen?“

„Wohl kaum. Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich die Firma will. Nicht mehr und nicht weniger.“

„Und was ist mit dem unglaublichen Umsatz, den ich dank unserer Ehe angeblich machen werde?“

„Das ist ja der Trick bei der Sache: Wenn ein Mann von seiner Frau verlassen wird und mit gebrochenem Herzen zurückbleibt, vervielfacht sich der Gewinn sogar noch. Glauben Sie mir, ich habe das gründlich recherchiert.“

„Das behaupten Sie zumindest.“

„Empathie ist eine sehr starkes Gefühl, Mr De Luca. Unterschätzen Sie das nicht. Die meisten Ihrer Geschäftsfreunde sind wahrscheinlich geschieden, weil das Engagement für die Firma das für ihre Frauen bei Weitem übertraf. Wenn Ihre Frau Sie verlässt, können Sie sich des Mitgefühls ihrer Geschlechtsgenossen sicher sein.“

Schlagartig stieg Marcos Adrenalinspiegel, sein Pulsschlag erhöhte sich – wie immer, wenn er einen guten Deal witterte. Dafür lebte er – für diesen Moment der Herausforderung … manchmal auch der Gefahr.

Dabei brauchte er gar nicht noch mehr Geld, davon hatte er mehr als genug. Aber er wollte es. Der kleine Junge, der auf der Straße und in überfüllten Obdachlosenheimen überlebt hatte, sehnte sich nach der Sicherheit, die ihm der Reichtum versprach. Besitz anzuhäufen war zu einer Sucht geworden. Erfolg zu haben war für ihn existenziell notwendig. Er brauchte mehr und mehr davon, um das Elend der Vergangenheit vergessen zu können.

„Wir würden natürlich einen Ehevertrag abschließen. Das heißt, mein Anwalt wird ihn aufsetzen. Der Deal geht nur über die Bühne, wenn Sie auf alle Ansprüche verzichten. Das heißt, im Falle der Scheidung werde ich keinerlei Verlust erleiden, Sie hingegen könnten alles verlieren.“

Dass er anscheinend bereit war, auf ihren Vorschlag einzugehen, kam für Elaine wie ein Schock. Obwohl sie natürlich gehofft hatte, ihn zu überzeugen, erwartete sie tief im Inneren, mit ihrem Vorhaben zu scheitern. „Ich habe keinerlei Einwände. Ich will nichts von Ihnen außer dem, was mir rechtlich zusteht.

Marco musterte sie so eindringlich, dass Elaine sich vorkam, als würde sie meistbietend versteigert.

„Würden wir die Ehe denn vollziehen?“ Es überraschte ihn selbst, wie wichtig ihm die Antwort auf diese Frage war.

Amüsiert beobachtete er, wie Elaine errötete. Das hatte er schon lange nicht mehr gesehen … eine Frau, die noch rot wurde. Die Frauen, mit denen er sich normalerweise umgab, waren nicht so zartbesaitet. Sie waren ihm ähnlich und verwechselten Sex nicht mit Liebe.

Eigentlich fühlte er sich nicht angezogen vom Typus der scheuen Unschuld vom Lande. Aber irgendwie wirkte Elaine noch reizvoller, wenn sie errötete. Dann bekam die Fassade der kühlen Geschäftsfrau plötzlich Risse, und man konnte ahnen, wie sanft und sexy sie sein konnte.

„Nein! Natürlich nicht!“ Elaine hatte vorgehabt, kühl und gelassen zu bleiben – dieser Situation fühlte sie sich jedoch nicht ganz gewachsen. Sie pflegte das Thema Sex nicht zu diskutieren, schon gar nicht mit einem Mann. „Ich meine, Sie können natürlich tun, was Sie wollen – solange Sie diskret sind.“

Wieder glitt Marcos Blick über Elaines Gestalt. Zum ersten Mal ahnte er, welchen Reiz eine Frau ausüben konnte, wenn sie ihren Körper nicht freizügig zur Schau stellte. Es forderte einfach seine männliche Neugier heraus.

Er stellte sich vor, wie sie wohl aussehen mochte, wenn ihr blondes Haar ihr Gesicht umschmeichelte – die Wangen vor Erregung gerötet, der Mund geschwollen von leidenschaftlichen Küssen – seinen Küssen. Die Gewissheit stieg in ihm auf, sie würde die perfekte Geliebte sein. Eine Frau, die sich auf der geschäftlichen Bühne so gut behaupten konnte, würde sich auch im Schlafzimmer nicht plötzlich passiv verhalten.

Er spürte, wie sehr es ihn erregte, sich ihren Körper unter der schützenden Schicht der Kleidung vorzustellen. Sicher war sie unter dieser Rüstung ganz Frau. Schlank, mit samtweicher Haut und üppigen Rundungen.

„Was ich will? Auch mit wem ich will?“, fragte er heiser. Er hob die Hand und strich Elaine sanft über die Wange.

Noch nie hatte jemand sie so angesehen. Als könne er geradewegs durch ihre Kleidung sehen, mit einem Ausdruck des Begehrens in den Augen. Elaine wurde völlig überwältigt von der Flut der Gefühle, die dieser Blick in ihr auslöste. Ein Pochen, eine Hitze breitete sich in ihrem Schoß aus – ein für sie völlig unbekanntes Gefühl.

„Wenn ich nun sagen würde, dass ich dich will?“

Unwillkürlich öffneten sich Elaines Lippen, ihre Lider senkten sich … Gewaltsam entzog sie sich dem Sog und wich zurück. Spürte schamerfüllt, wie heiß ihre Wangen brannten.

„Nein! Ich meine, es geht doch nur um ein Geschäft. Und man soll geschäftliche und persönliche Interessen nie vermischen. Und außerdem wäre es unmoralisch.“

Ihr war klar, dass ihr Gesicht glühte. Inbrünstig wünschte sie, das Büro nie betreten zu haben. Diesem Mann war sie einfach nicht gewachsen.

Marco lachte amüsiert auf. Sie war wirklich unbezahlbar in ihrer Rolle der eisernen Jungfrau. „Okay, ich habe es kapiert.“

Sie hatte recht. Es war viel vernünftiger, Geschäftliches und Privates zu trennen. Vor allem, wenn es um eine Heirat mit den entsprechenden rechtlichen Konsequenzen ging. Außerdem wollte er nicht für ein ganzes Jahr an eine einzige Frau gebunden sein. Ihm kam auch der unbestimmte Verdacht, wenn er erst mit ihr geschlafen hätte, würde sie ihr großzügiges Angebot schleunigst zurückziehen.

Und sollte er es sich anders überlegen, konnte er ja immer noch mit ihr ins Bett gehen. Es war mehr als eindeutig, dass auch sie ihn wollte. Er ließ sie nicht kalt, aber das war er gewohnt. Bis jetzt hatte ihn noch keine zurückgewiesen. Die Frauen liebten seinen Status, seinen Reichtum, seine Fähigkeiten als Liebhaber. Und manche sogar ihn. Aber er liebte sie nicht, keine von ihnen – und das würde auch so bleiben.

„Du müsstest zu mir in mein Penthouse ziehen.“

„Auf gar keinen Fall!“ Da war er wieder, dieser Ausdruck auf ihrem Gesicht. Verletzlich … weiblich … und unglaublich verführerisch.

Er kam einen Schritt auf sie zu. „Ich kann auf keinen Fall zulassen, dass meine Frau am anderen Ende der Stadt wohnt. Schließlich habe ich einen Ruf zu wahren – meine Frauen pflege ich so nah wie möglich bei mir zu behalten.“

Wieder hatte seine Stimme diesen heiseren, verführerischen Klang angenommen, der Elaine einen heißen Schauer über den Rücken jagte. So weit hatte sie gar nicht gedacht bei ihrem Plan: womöglich mit ihm zusammenleben zu müssen. Der Gedanke, mit einem so verführerischen Mann wie Marco auf engstem Raum zusammen zu sein, trieb ihr die Schweißperlen auf die Stirn.

Aber natürlich würde sie auch das bewältigen. Um die Firma ihres Vaters zu bekommen, würde sie alles auf sich nehmen. Das war schließlich ihr Lebenstraum. Allerdings fände sie das Arrangement weit beruhigender, wenn sie in ihrer sicheren Umgebung bleiben könnte. Wirklich beruhigt wäre sie allerdings erst, wenn sie und Marco durch mindestens einen Kontinent getrennt wären. Aber das stand nun einmal nicht zur Debatte. „Wenn wir schon zusammenleben müssen, dann können Sie bei mir einziehen!“

„Ausgeschlossen!“, kam die prompte Antwort, „du bei mir.“ Arme Elaine. Sie war wirklich unglaublich naiv! Nicht einmal die einfachste Regel kannte sie: Unterschätze nie deinen Gegner! Diesen Fehler hatte sie begangen, sonst wüsste sie, dass sich ein Marco De Luca nie auf einen Kompromiss einließ. Ein De Luca verhandelte nicht. „Und du nimmst meinen Namen an.“

„Was!“ Elaines Gesicht war hochrot, diesmal nicht aus Verlegenheit. „Das würde ich nicht einmal in einer richtigen Ehe tun. Es ist eine Zumutung, von einer Frau zu verlangen, ihre Identität aufzugeben, bloß weil sie heiratet. Leben wir etwa in der Steinzeit?“

Unbeteiligt zuckte Marco die Schultern. „Von mir aus kannst du mich als Neandertaler bezeichnen, das ist mir egal. Ich bin nun mal kein Softie. Beziehungen führe ich wie meine Geschäfte: Die Kontrolle behalte ich. Kein Mensch würde uns abnehmen, dass wir wirklich verheiratet sind, wenn ich bei dir einziehe und du deinen Namen behältst.

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